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Mal so gesagt

Wir werden übrigens nicht das erste Volk sein, dessen Blütezeit und Reife erkennbar zu Ende gehen, dessen Zersetzungsprozess bereits läuft: Das einst mächtige Römische Reich fiel genauso auseinander wie das alte Ägypten, das antike Griechenland. Heute kräht kein Hahn mehr danach, der einstige Glanz aber blieb bewahrt, und zeigt uns den ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens. Komisch nur, wenn man plötzlich selbst betroffen ist.

(Eva Herman: Vom Werden und Vergehen)

Bei der Sichtung, was seinen Weg zu Momox finden soll und was nicht, wieder zur Hand genommen: Behind the Lawrence Legend und The Boy in the Mask. Ich kann mich von beiden Büchern nicht trennen. Sie beschreiben, jedes auf seine Art, die Freuden des Recherchierens so perfekt. Die Personen, denen man begegnet. Die toten Enden. Die ungeahnten Schatzfunde. Und auch lange, frustrierende Fleißarbeit. (Gestern zum Beispiel fast den gesamten Tag damit verbracht, digitalisierte Zeitungen auf Meldungen hin durchzusehen. Einzige vorhandene Suchfunktion: Die eigenen Augen.) Sie fassen das zusammen, was das ganze ausmacht, und sie sind eine Liebeserklärung, die jeder, der ähnliches unternommen hat, sofort versteht. Bei mir kamen so viele Erinnerungen wieder hoch! Das Endprodukt, eine Biographie, ist ja nur die Hälfte der Geschichte. Ich habe während der Marta-Recherche oft gewitzelt, ich müßte ein Making of schreiben. Und immer war da das schwer in Worte zu fassende Gefühl, Fäden aus anderen Leben aufzunehmen und weiterzuführen, neu zu verknüpfen. Was Marta und Trude und all die anderen wohl dazu gesagt hätten, daß ihre Freunde und Verwandten und deren Nachfahren plötzlich aktiviert und miteinander verbunden würden?

Dabei kurioser Fund diese Woche: Dagobert von Mikusch schrieb an einen Bekannten in der Steiermark, ehemals Oberleutnant, also mit größter Wahrscheinlichkeit einer seiner Kriegskameraden. Geboren, aufgewachsen und zum Zeitpunkt des Ersten Weltkrieges wohnhaft war dieser Oberleutnant in St. Ingbert. Bergmann von Beruf, wie nicht überrascht. Ich mußte blinzeln und etwas schief lächeln. St. Ingbert, die alte Heimat meiner Kleehaas-Seite (einige entfernte Verwandte leben noch dort), bevor die Altvorderen weiterzogen in den Ruhrpott und im Falle meines Großvaters dann von dort nach Norddeutschland.

An all die Personen, denen ich im Laufe meiner Recherchen begegnen durfte, also an dieser Stelle noch einmal: Es war eine Freude und eine Ehre, Sie/euch kennenlernen zu dürfen. Mir wurden Inkunabel-Sammlungen und Berliner Zimmer gezeigt, kofferweise Material überlassen, ich wurde zum Essen eingeladen, und wir haben gemeinsam an Lösungen und Zusammenhängen gekniffelt. Man hat mir Brote geschmiert und mich zum Bahnhof und/oder Hotel gefahren. Kontakte wurden vermittelt und Verwandtschaften neu entdeckt. Ich erhielt Einblicke hinter vermeintlich heile Fassaden und in vergessene Stadtviertelgeschichten. Häuser mit Vergangenheit wurden aufgesucht, Archivare haben sich für meine Suche begeistern lassen, und ohne diverse unbürokratische Verwaltungsangestellte wäre ich nie ans Ziel gekommen. Ganz, ganz herzlichen Dank an alle!

Ich liebe Recherche.

Via Häuser modernisieren (Zeitschrift) entdeckt: Das nette Blog „Die Rückwanderer“. Bislang schönster Beitrag über die Tücken der Sprache.
Über meine Handwerker sollte ich eigentlich auch mal bloggen – ich kenne ja nun Vertreter fast jeder Branche. Häuser modernisieren eben. Oder ein Haus; mehr würden meine Nerven vermutlich nicht aushalten, vom Konto ganz zu schweigen.

Irgendjemand hat ganz klar etwas gegen meine jetzige Recherche. Entweder bekomme ich keine Rückmeldung (sehr auffällig diesmal) oder die Leute wissen nichts, und nun, da ich nach wirklicher Hochleistungsermittlung eine Beinahe-Zeugin ausfindig machen konnte, was passiert? a) Sie kommt nicht durch, weil Muttern die Leitung blockiert, b) bevor ich sie zurückrufen kann, fällt sie die Treppe hinunter. Ernsthaft.
Ich bin ein großer Fan von Ironie. Aber irgendwo hört’s dann auch auf. Allmählich fange ich an zu glauben, daß all die Verschwörungstheorien um Lawrence stimmen. Er wurde umgebracht. All die Leute, die mir etwas erzählen könnten, starben entweder eines verdächtig frühen Todes oder schweigen eisern, und wenn jemand bereit ist zu reden, erleidet er/sie einen Unfall…
(Leseempfehlung: The Murder of Lawrence of Arabia von Matthew Eden!)

Sollte also auch ich plötzlich verstummen und dieser Beitrag auf mysteriöse Weise gelöscht werden, ist tatsächlich was dran.

Wiedersehen

Vor kurzem verspürte ich den Wunsch, einen vor Jahren gesehenen Film noch einmal zu schauen – leider war mir inzwischen der Titel entfallen. Zum Glück gibt es ja Werner Huemer, dessen ursprüngliche Rezension in der Gralswelt mich überhaupt erst auf diese Produktion aufmerksam machte: Nämlich Hereafter.

Der Film läßt sich nicht in irgendein gängiges Genre einordnen. Die Handlung folgt drei Protagonisten, die alle auf unterschiedliche Weise mit dem Tod und einem Leben danach konfrontiert werden:
Die erfolgreiche Fernsehjournalistin Marie hat ein Nahtoderlebnis und findet danach nicht in ihren Alltag zurück. Für politische Enthüllungsgeschichten fehlt ihr zunehmend das Interesse; als sie jedoch beginnt, der „Verschwörung des Schweigens“ über ein mögliches Leben nach dem Tode nachzugehen, muß sie feststellen, wie schnell ihre Umwelt bereit ist, sie in die Spinner- und Esoteriker-Ecke abzuschieben.
George besitzt seit seiner Kindheit die Fähigkeit, mit Verstorbenen Kontakt aufzunehmen. Diese Gabe empfindet er jedoch als Fluch und wünscht sich nichts mehr, als ein normales Leben führen zu können.
Der scheue zwölfjährige Marcus verliert seinen Zwillingsbruder, den bislang tonangebenden Teil des Paares, durch einen Unfall. Unfähig, ihn loszulassen, versucht Marcus sein Glück bei allen möglichen vermeintlichen Sehern und Medien.

Wie Herr Huemer schreibt:

Mag sein, dass das US-amerikanische Publikum mehr […] Action erwartete, denn der große Erfolg an der Kinokasse blieb dem 50 Millionen Dollar teuren Film verwehrt. Mag auch sein, dass sich Clint Eastwood mit „Hereafter“ für manche Zeitgenossen allzu konsequent zwischen die Genre-Stühle gesetzt hat: Ein „Jenseits“-Film ohne Horror und Spektakel? Ein „Fantasy“-Film, der konsequent realitätsnah bleibt? Ein Film über das Weiterleben nach dem Tod, der kein Jenseits-Szenario bietet? Ein Film, der ebenso konkret am Thema bleibt, wie er Spielräume für Interpretationen lässt?

Hereafter ist ein leiser, langsamer, dabei aber niemals langweiliger Film, wie Eastwoods Spätwerk sie ja häufig vorzuweisen hat. Die Filmmusik besteht interessanterweise aus einem einzigen Thema in zahlreichen Varianten – beeindruckend! Ebenso immer noch beeindruckend (ich erinnere mich an meine Reaktion beim allerersten Ansehen) ist die unglaublich realistische Tsunami-Szene. Keine Spur von Katastrophenfilm-Aufbau mit düsteren Vorandeutungen und großer Show: Die Naturgewalt – und als solche nimmt man sie wortwörtlich wahr – bricht aus buchstäblich heiterem Himmel über nichtsahnende Urlauber herein und rasiert in Augenblicken alles ab, was sich ihr in dem Touristenparadies in den Weg stellt.
Überhaupt bezieht Hereafter diverse Geschehnisse der Zeit in seine Handlung mit ein; wir, die sie damals durch die Nachrichten mitverfolgten, haben sie schon längst wieder verdrängt: Der Tsunami von 2004, der Bombenanschlag in der Londoner U-Bahn 2005, Mitterand…

Dank Man at Arms komme ich ja viel rum. So nun, durch ihre Arbeiten zu Fate/Zero und Fate/Apocrypha, zur Fate-Serie, sprich Animes.

Ich gebe zu, mich reizte das Genre nie. Damals, als ich noch zum Zielpublikum gehörte, wurde natürlich regelmäßig Heidi geschaut, und wir hatten als VHS-Mitschnitt (wow, ich bin ein Fossil) Die kleine Seejungfrau, eine japanische Produktion, bei der am Ende jeder Zuschauer hoffnungslos am Heulen war. Auch Wiederholungstäter.
Aber danach – hm. Einfach nicht mein Ding. Aber weil’s ja nun so hoch gelobt wurde und nicht komplett uninteressant aussah, versuchte ich mich mal an Fate/Zero, Vol. 1. (Warum das Ding nicht als Komplettbox angeboten wird, erschließt sich mir nicht.) Und ich muß sagen, es tat fast gar nicht weh. Am schlimmsten fand ich wohl das… wie nennt man das jetzt? Jenglisch – immerhin interessant zu sehen, daß es da auch schon angekommen ist. Soll heißen, es wird zwar japanisch gesprochen, aber mit englischen Brocken, die direkt aus einem Game entnommen klingen. Ach ja, damit dann gleich zusammenhängend: Wir brauchen einen Kämpfer, einen Magier, einen Dieb… Die beschworenen Heldengeister sind in Klassen eingeteilt und haben – kein Witz – eine Stufe und Werte. Argh!

Aber vielleicht zunächst etwas zur Grundgeschichte: Alle 60 Jahre verwüstet Godzilla… nein, falsch, erscheint der Gral in Japan. (Gut zu wissen.) Weil er einen einzigen Wunsch gewähren kann, sind entsprechend eine Menge Leute scharf darauf, ihn für sich zu gewinnen, namentlich einige große Magierdynastien, die sich regelmäßig alle 60 Jahre darum bekriegen und in der Interimszeit Pläne fürs nächste Mal schmieden. Jedes Mal sind aber auch unerwartete Teilnehmer dabei, kleine Fische, denen sowieso niemand Chancen einräumt.
Um das ganze etwas aufzumischen (wann hätten je die Entscheidungsträger ihre eigenen Schlachten geschlagen?), beschwören die vom Gral auserwählten Magier mächtige Geister, Helden früherer Epochen, die sie tatkräftig unterstützen sollen… jedenfalls in der Theorie, denn diese Geister sind natürlich starke Persönlichkeiten mit ganz eigenen Plänen und Vorgehensweisen.

Hierin liegt auch der eigentliche Reiz der Serie. Die teilnehmenden Magier haben unterschiedlichste Motivationen, und nicht immer sind diese gleich erkennbar. Klassisch sind die tragischen, zerrissenen Helden unter ihnen. Hinter ihnen wiederum stehen oft Strippenzieher, und verwickelt in dieses Intrigenspiel sind Menschen, die ihnen nahestehen. Dazu kommen nun die Heldengeister, die sehr selten seelenverwandt mit ihren Meistern sind, aber mitunter eine gewisse Sympathie für sie entwickeln. Und hier schöpft die Serie direkt aus der Pop Culture. Ich habe bestimmt die Hälfte aller Anspielungen nicht bemerkt, aber Assassin’s Creed ist vertreten (der Film jedenfalls), der Glöckner von Notre Dame treibt sich im Look der Tremere von Vampire: the Masquerade – Redemption als irrer Massenmörder herum, und ein junger Severus Snape darf sich unter dem Alias Waver Velvet mit Iskander oder Alexander dem Großen herumschlagen. Letztere Zusammenstellung ist ganz klar das comic relief der Serie: Der völlig überforderte Zauberlehrling und der hünenhafte Haudegen mit einem Herz aus Gold. Die auf den ersten Blick komplexeste Geschichte dreht sich um die Vertreter des alten deutschen Magieradelsgeschlechts (komplett mit Schloß à la Neuschwanstein natürlich) Einzbern, den eingekauften und eingeheirateten Japaner Kiritsugu, ein berufsmäßiger Magiermörder, und vor allem seine Frau Irisviel, eine künstlich geschaffene Kreatur, die als Lockvogel dienen muß. Die Szenen zwischen ihr und dem Überraschungshelden Artus, oder vielmehr Arturia, gehören zu den Highlights, als sich zwischen den beiden Frauen eine tiefe Freundschaft entwickelt. Ebenfalls auf der tragischen Seite findet sich Kariya, der sich aufopfert, um die kleine Sakura zu retten. Dann gibt’s noch das einzig wirklich zusammenpassende Paar Ryuunosuke und Blaubart/Gilles de Rais, von denen man nie so recht weiß, ob sie jetzt den schwarzen Humor oder die Haßgegner vertreten sollen. Wahrscheinlich beides.

Ob ich dranbleibe… ich weiß nicht. Wie gesagt, man kann es ganz gut sehen, aber umgehauen hat es mich jetzt auch nicht. Ich werde wohl nie zu den Anhängern der Anime-Religion gehören – und daß es eine Religion ist, kann man ganz leicht an den Rezensionen auf Amazon sowie den Kommentaren dazu ersehen. Ein Gruselkabinett.
(„Was, die Kämpfe und der Soundtrack konnten dich auch nicht überzeugen? Die gehören für mich immer zu den Highlights!“ Ähm, ja. Es sind Zeichentrickkämpfe, ne?)

Aber was zählen Fakten, wenn jemand zwischen Tatsache und Meinung weder unterscheiden kann noch will? Wenn es letztlich sowieso nur darum geht, im eigenen Weltbild und der gewohnten Art zu denken nicht gestört zu werden?

(Werner Huemer, http://www.werner-huemer.net/texte/kommentar/meinung-und-tatsache)

Mit viel überflüssiger Zeit in der DNB zu sitzen (liebe Kollegen, aktualisiert doch bitte, bitte endlich mal eure Bestandsangaben! Euer Katalog ist eine Schande für unseren Berufsstand), führt beinahe zwangsläufig dazu, daß man viel liest, das man vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. So kam ich, wohl irgendwie durch Maria Halsebands Ich klopfe an! gelenkt, auf Eva Herman. Ob sie Kreuzträgerin ist, weiß ich nicht, aber sie lebt definitiv nach den Grundsätzen der Gralsbotschaft (oder versucht es, wie wir alle); soweit war mir aus ihren Beiträgen auf der Wissensmanufaktur schon bekannt. Natürlich bin ich auch alt genug, um mich noch auszugsweise an den großen „Medienskandal“ zu erinnern, der seinerzeit um sie aufgeblasen wurde. Warum also nicht die Zeit nutzen, um mich ein bißchen mehr zu informieren?

So versuchte ich mich zunächst an dem, wie ich fälschlich glaubte, Stein des Anstoßes, ihrem Buch Das Eva-Prinzip. Kam nicht wirklich weit damit, denn einerseits bin ich als bewußt kinderloser Single das falsche Zielpublikum, andererseits sind mir manche Grundgedanken, über die sich so aufgeregt wurde, durch die Botschaft nicht fremd; und wieder anderen konnte ich so nicht zustimmen, zumal gewisse Behauptungen einfach dahingestellt wurden, ohne jeden Beleg. Für mich als Forscherin und großer Anhängerin von Quellenangaben ein Unding. Also griff ich zu Die Wahrheit und ihr Preis, Hermans Bericht über die „Hexenjagd“ (wie ein Journalist es mit vollem Recht bezeichnete), die auf sie veranstaltet wurde.

Mir kamen vor allem zwei Dinge in den Sinn. Erstens der Artikel, den ich die Tage erst in der Jüdischen Rundschau gelesen hatte: „Die deklamatorisch von links gewährte Meinungsfreiheit hält im Ernstfall nicht stand“. Wer hindert uns daran, unsere Meinung zu sagen? – Niemand. Was allerdings passiert, nachdem man seine Meinung gesagt hat, ist eine ganz andere Sache.



(Disclaimer: Ich mache mir das Gedankengut der JR nicht grundsätzlich zu eigen; und seit sie neuerdings die Hetze gegen Umweltschützer für sich entdeckt hat… nun ja. Kann man konservativ und ein Umweltschützer sein? Oh ja. Man nehme nur Teddy Roosevelt. Man nehme, wenn man denn möchte, mich. Um Eva Herman in einem anderen Kontext zu paraphrasieren: Es geht uns doch alle an. Warum macht man ein Politikum daraus?)
Zweitens der immer noch aktuelle Klassiker über die Macht der Medien: Die verlorene Ehre der Katharina Blum. Mich wundert, daß Herman ihn nie erwähnt.

Ich schrieb schon über die vermeintliche öffentliche Meinung – daß das, wovon man glaubt, es sei die Meinung der Mehrheit, weil man es ja überall so liest, überhaupt nicht die Mehrheit sein muß. Eva Herman berichtet von der gewaltigen Schere, die in ihrem Fall aufklaffte: Was die Medien der Öffentlichkeit zu verkaufen suchten und die große Gegenreaktion gegen eben die Medien. Vielleicht spielt da ein bißchen der eigene Mikrokosmos mit. Ich denke da beispielsweise an die große (medienwirksam verarbeitete) Pleite der Piraten vor Jahren. Sie feierten schon im voraus ihren großen Wahlerfolg, weil sie natürlich aus den eigenen Reihen immer nur Lobhudelei hörten und deshalb der Meinung waren, daß dies einen Großteil der öffentlichen Meinung widerspiegeln mußte… nur um dann festzustellen, daß sie in der öffentlichen Meinung sehr weit unter „ferner liefen“ verzeichneten. Ähnlich ja auch letztlich in Sachen Schreckgespenst AfD, der man die Pariah-Rolle zuspricht und dann verblüfft ist, daß so viele Wähler für sie stimmen. Die öffentliche Meinung ist eben nicht automatisch identisch mit der persönlichen Meinung, und wer glaubt, political correctness sei das, was die Menschheit wolle, wird sich umschauen müssen, fürchte ich. Wobei es ja hier mehr darum geht, „was die Menschheit brauche“. Ein sehr deutsches Konzept, finde ich: Wir müssen die Welt wieder einmal belehren, wie man richtig denkt. Außerhalb Europas wird man damit kläglich auf der Strecke bleiben, ach was, nicht einmal außerhalb – wir müssen nur Polen oder Ungarn als Beispiele nehmen, deren aktuelle Politik pc-resistent ist. Ich bin wahrhaftig kein Fan dieses aufgewärmten Nationalismus‘, aber die Realität ist eben, daß der – Entschuldigung – Hermann, der hierzulande um Diversität und staatlich verordnete Toleranz gemacht wird, nicht nur eine Ausnahmeerscheinung, sondern eine Lachnummer in den meisten Ländern der Erde ist. Deal with it.

Eva Hermans Sorge um die aussterbenden Deutschen wiederum (zum Zeitpunkt ihres Buches. Ist ja nun auch schon wieder diverse Jahre her) kann ich inzwischen nicht mehr nachvollziehen. Früher einmal, ja. Mir tat es leid um die unnötige Verschwendung, um eine reiche Geschichte, um Werte, die verschwinden würden. Heutzutage stehe ich auf dem Standpunkt, Werte seien schon lange nicht mehr vorhanden, und es seien sowieso zehnmal so viele Menschen auf der Erde wie sie verträgt. Ich glaube auch nicht, daß die großen Kulturvölker an Nachwuchsmangel zugrunde gingen, sondern an Bequemlichkeit. Das Gesetz der Bewegung, der Wachsamkeit, Frau Herman, Sie verstehen. Wer aufhört, sich zu regen, ob Einzelmensch oder Volk, der schließt sich selbst aus und wird nach den Schöpfungsgesetzen abgestoßen.* Weshalb haben denn Barbarenvölker das mächtige Rom zerstören können? Sie waren längst nicht so kultiviert, nicht so gebildet wie die Römer, hatten keine reiche philosophische Tradition oder eine kosmopolitische Weltanschauung. Sie regten sich ganz einfach, brutal, kriegerisch, ja, aber die Römer waren längst bequem geworden, ruhten sich auf ihren Errungenschaften aus und bemerkten nicht, daß die Welt sich um sie herum weiterdrehte. (So’n bißchen wie die DNB Leipzig.) Ich glaube kaum, daß eine sinkende Geburtenrate, die man nebenbei nicht einmal belegen könnte, verantwortlich war.

Auch gelesen, empfehlenswert: Liebe statt Furcht von Flor Namdar. Erinnerte mich wiederum in vielerlei Hinsicht an Suzanne Collins‘ Hunger Games-Trilogie. Wer nur Jugendbücher mit einer kämpferischen Heldin oder gar eine Liebesgeschichte darin sieht, hat die gesamte Aussage verpaßt. Und auch hier wird übrigens die Macht der Medien, die Inszenierung einer Meinungsmache überdeutlich dargestellt. Verdammt ehrliche Bücher – wer sie noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen.


* Ich will jetzt nicht auch noch Völkerschicksal ins Spiel bringen. Aber man sollte gewisse Parallelen des jüdischen und des deutschen Volkes nicht außer Acht lassen.


Nachtrag:
Weitere Leseempfehlung in Sachen Eva Herman: Der Fall Eva Herman – Hexenjagd in den Medien von Arne Hoffmann. Ganz ausgezeichnet. Der Autor stellt die Fülle der Medienmeldungen chronologisch zusammen und gleicht sie auf ihren Wahrheitsgehalt ab; mehr noch allerdings, er erklärt das Zustandekommen einer solchen medialen Hexenjagd, die Mechanismen und auch Gründe dafür, die gar nicht immer auf böser Absicht beruhen müssen. (Was am Ende dabei herauskommt, ist natürlich eine Sache für sich.) Ich habe das schon oft gedacht: Die Leute sind davon überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen. Sie glauben, daß ihre Sicht der Dinge die richtige ist. Ein anderes Weltbild können sie sich nicht vorstellen, und deshalb müssen alle, die ein anderes Weltbild haben, entweder irre, fehlgeleitet oder schlecht sein. Ein hochinteressantes Thema, und allein dafür kann ich Hoffmanns Buch nur allen wärmstens ans Herz legen.


Gerade die Begrenzung bringt ihnen einen sogenannten Höhepunkt des Begreifens, wodurch solche Überhebungen in der Einbildung entstehen müssen, weil sie glauben, wirklich auf der letzten Höhe zu stehen. Für sie selbst ist es auch so, da dann die Grenze kommt, die sie nicht überschreiten können.
Ihre Angriffe gegen die Wahrheitssucher zeigen aber in der so oft unverständlichen Gehässigkeit bei näherer Betrachtung deutlich die hinter ihnen geschwungene Peitsche des Dunkels. Selten ist bei diesen Anfeindungen ein Zug ehrlichen Wollens zu finden, das die oft unerhörte Art und Weise des Vorgehens einigermaßen entschuldigen könnte. In den meisten Fällen ist es ein blindes Draufloswüten, das jeder wirklichen Logik entbehrt. Man sehe sich die Angriffe einmal ruhig an. Wie selten ist ein Artikel dabei, dessen Inhalt den Versuch zeigt, wirklich sachlich auf die Reden oder Aufsätze eines Wahrheitssuchers einzugehen.
Ganz auffallend macht sich die gehaltlose Minderwertigkeit der Angriffe gerade immer darin bemerkbar, daß diese niemals rein sachlich gehalten sind! Immer sind es versteckte oder offene Beschmutzungen der Person des Wahrheitssuchers.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Der Kampf“)

Loaded question

Hallenser Knirps bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof Leipzig: „Mama, sprechen die hier deutsch?“

Hmm…

Zum Beitrag Fiktionen und Fakten gibt es etwas zu berichten, aber auch und, da aktuell, zunächst zu Das Presse-Echo. Die HAZ brachte heute einen Bericht über den Hannoveraner Gralskreis bzw. das Ehepaar Bernstein. Ich gebe zu, wenn ich allein nach diesem Artikel urteilen müßte, käme mir der Verein suspekt vor. Der Artikel selbst gibt sich, wie eine Freundin es ausdrückte, „bemüht wertneutral“. So neutral, daß nichts mehr übrigbleibt. Ich weiß nicht, ob die Minizitate der Bernsteins aus dem Kontext gerissen wurden oder nicht, ob der Verfasser des Artikels vielleicht nur das niederschrieb, was er verstanden hatte und was er erwartet hatte, daß er auf der Auslegeware so herumreitet.
Kleine Ergänzungen bzw. Korrekturen also: Der Altar ist nicht schmucklos; höchstwahrscheinlich war er zum Zeitpunkt des Besuchs ganz einfach abgedeckt. Ihn ziert ein Antependium, das gleichschenklige Kreuz hängt darüber, und zu Andachten gibt es natürlich Kerzen, Blumenschmuck und die Altarschale. Abd-ru-shin schreibt sich so, Herr Menkens, das hätte man einfach nur abschreiben müssen. Und eine Korrektur, die an die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (die Sektenbeauftragten) geht: Nein, die Gralsbotschaft enthält keine „starke Abwertung des Verstandes und der Vernunft“, es geht darum, den Verstand nicht über alles andere, namentlich das Geistige zu setzen, da er aus der Natur der Sache heraus an das Irdische gebunden bleibt und alles Darüberliegende nicht verstehen kann. Der Mensch ist (oder sollte es zumindest sein) aber vom Geiste – nur werden umgangssprachlich ja leider Geist und Verstand gern gleichbedeutend verwendet. Der Verstand als solcher soll natürlich genutzt werden, dazu haben wir ihn ja mitbekommen.
(Guter Zeitpunkt für das Zitat eines ehemaligen Mitschülers am Abendgymnasium, als er im ersten Band der Botschaft quergelesen hatte: „Du bist doch sonst so eine hochintelligente Frau…“ – Na, dann traue mir doch zu, daß ich auch in dieser Sache nicht blöd bin.)

Gutes Stichwort! Kommen wir zu den Fiktionen. Beim Stöbern auf Fontis fand ich im Sonderangebot den Dreiteiler Die Kreuzträgerin, den ich selbstverständlich schon als Gag kaufen mußte. Er sprang auf den Hunger Games-Zug auf; übrigens nicht die einzige christliche Variante – Melody Carlson versuchte sich mit Fallen World ebenfalls daran. Allerdings mit bislang noch weniger Erfolg als Lydia Schwarz. Ich will hier keine Rezension schreiben, das folgt vielleicht auf Amazon, aber eine Katniss ist „Heldin“ Anna definitiv nicht. Im ersten Buch ist sie sogar durchgehend dämlich, nicht zu verwechseln mit naiv. Es bessert sich ein wenig in den beiden Folgebüchern, aber auf irgendein gelungenes Niveau schafft es die Geschichte leider nie.

Ein sehr schönes Zitat einer Freundin, das ich mir bei sich bietender Gelegenheit immer gern ins Gedächtnis rufe.
Grund dafür war meine Schilderung der Septemberfeier in Münster bzw. der Umziehaktionen. Anreise im weißen Feierkleid ist verständlicherweise aus mehreren Gründen nicht erwünscht (die Herren haben es mit ihren Fracks wie immer einfacher. Typisch.), daher schleppten die Damen also mit großen Kleiderhüllen an, suchten sich im für die Menge etwas beengten Umkleideraum zu behaupten und schleppten im Anschluß wieder ab. Mit ihren langen Röcken oder (Alltags-)Kleidern war das an der großen Verkehrskreuzung sowieso schon ein Hingucker – wäre da eine Schar in weißen Gewändern vorbeigezogen, hätte die Gerüchteküche wieder ordentlich Futter bekommen. Stichwort natürlich: Sekte!!!
Besagte Freundin, die mich ja nun lange genug kennt und weiß, daß ich manchmal vielleicht unverständliches Zeug von mir gebe, aber alles in allem ganz normal bin, prägte dazu eben jenes Zitat.

Erinnert wurde ich daran bei einer der kürzlichen „Top Searches“ zu meinem Blog, nämlich

gralsbotschaft sekte

Naja, das ist nicht neu. Ich weiß nicht, ob eine frühere Offenheit statt der jahrzehntelang gepflegten und sicher mit Recht kritisierten Geheimnistuerei dem Abhilfe verschafft hätte. Vermutlich nicht. Die Leute kennen Kirche, sie kennen Atheisten, und sie kennen Sekten. So zumindest in ihrer etwas behelfsmäßigen Weltsicht.
Ich habe mal Wikipedia befragt, was dort die Definition einer Sekte ist.

Sekte (von lateinisch secta ‚Partei‘, ‚Lehre‘, ‚Schulrichtung‘) ist eine Bezeichnung für eine religiöse, philosophische oder politische Richtung und ihre Anhängerschaft. Die Bezeichnung bezieht sich auf Gruppierungen, die sich durch ihre Lehre oder ihren Ritus von vorherrschenden Überzeugungen unterscheiden und oft im Konflikt mit ihnen stehen.
In erster Linie steht Sekte für eine von einer Mutterreligion abgespaltene religiöse Gemeinschaft. Der ursprünglich wertneutrale Ausdruck hat aufgrund seiner Geschichte und Prägung durch den kirchlichen Sprachgebrauch einen meist abwertenden Charakter erhalten und wird seit den 1960er Jahren verstärkt in negativem Sinn verwendet.
In der modernen Religionswissenschaft und Soziologie werden statt des Begriffs Sekte neutrale, nicht wertende Bezeichnungen wie „religiöse Sondergemeinschaft“, „neureligiöse Gemeinschaft“ oder „neue religiöse Bewegung“ verwendet.

Das läßt die Sache schon ganz anders aussehen. In dem Sinne könnte man die Gralsbewegung durchaus mit Recht als Sekte benennen. Es geht aber weiter:

Heutige Begriffsverwendung

Umgangssprachlicher Gebrauch

Im landläufigen Sprachgebrauch werden als Sekten oft religiöse Gruppen bezeichnet, die in irgendeiner Weise als gefährlich oder problematisch angesehen werden oder die in orthodoxer theologischer Hinsicht als „Irrlehre“ angesehen werden. Dies betrifft sowohl seit Langem bestehende christliche Gemeinschaften, die sich in Lehre oder Praxis vom Herkömmlichen unterscheiden, als auch neue Gruppen. Zu Letzteren zählen insbesondere solche, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden sind und damals als „Jugendreligionen“ bezeichnet wurden, weil sie anfänglich viele junge Mitglieder hatten. „Sekte“ wird heute oftmals als Kampfbegriff gebraucht. So wird sogenannten Sekten häufig vorgeworfen, sie würden sich vor allem aus wirtschaftlichen Gründen als religiöse Glaubensgemeinschaften ausgeben, um den besonderen Schutz des Staates, größere Freiheiten und Rechte sowie die Befreiung von Steuern zu genießen. Bekanntestes Beispiel dafür ist Scientology.
In jüngerer Zeit wird der Terminus „Sekte“ auch im säkularen Bereich verwendet, um beispielsweise Kritiker von vorherrschenden wissenschaftlichen Lehrmeinungen, sozialen Üblichkeiten oder Absplitterungen von politischen Parteien abwertend zu charakterisieren. Im Juni 2018 akzeptierte das OLG Frankfurt es als Teil der freien Meinungsäußerung, ein Unternehmen als „Sekte“ zu bezeichnen.

Man erkennt hier deutlich, daß die Begriffsverwendung größtenteils im Auge des Betrachters und in der gerade geltenden gesellschaftlichen Norm liegt.

Kontroversen
Das Thema Sekten führt immer wieder zu Kontroversen. Dabei stehen sich zwei Grundhaltungen gegenüber: Auf der einen Seite eine Betonung der Religionsfreiheit und der weltanschaulichen Neutralität des Staates. Hier wird Zurückhaltung bei der öffentlichen Bewertung religiöser und weltanschaulicher Positionen und bei Maßnahmen gegen missliebige Minderheiten empfohlen. Die gegenteilige Haltung nehmen diejenigen ein, die insbesondere neureligöse weltanschauliche Sondergruppen zum Teil scharf verurteilen und in manchen Fällen deren gesellschaftliche Ächtung anstreben.

Im Einzelnen drehen sich die Kontroversen beispielsweise um mutmaßliche oder tatsächliche

• Einschränkungen der Religionsfreiheit religiöser Randgruppen, etwa durch Kritik ihrer Praktiken, und juristische Zwangsmaßnahmen,
• Einschränkungen der religiösen Freiheit durch unterschiedliche Grade der gesetzlichen Anerkennung
o Art. 4 GG der Bundesrepublik Deutschland gesteht grundsätzlich die freie Religionsausübung zu. Einschränkungen ergeben sich aus dem Artikel selber nicht, sind aber oft genug Gegenstand der aktuellen Rechtsprechung. Das Grundrecht auf Religionsfreiheit ist nur beschränkt durch die Grundrechte anderer Menschen und die sonstigen Grundwerte des Grundgesetzes.
• Einschränkungen der Meinungsfreiheit von Gruppenmitgliedern,
• Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Gruppenmitgliedern,
• wirtschaftliche Ausbeutung der Mitglieder durch lange Arbeitszeiten und minimales Gehalt,
• sexuelle Ausbeutung oder Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Gruppenmitglieder,
• Menschenrechtsverletzungen durch gruppeninterne, gerichtsähnliche Verfahren,
• Personenkulte um die Anführer der betreffenden Gruppe, z. B. Osho (Bhagwan),
• Familienkonflikte, insbesondere wenn ein Elternteil oder Kinder die Gruppe verlassen haben oder wollen,
• Behinderung von Kindern beim Zugang zu Ausbildung, ärztlicher Versorgung und Familienangehörigen außerhalb der Gruppe.

Was dann wiederum überhaupt nicht auf die Gralsbewegung zutrifft. (Wobei ich die Familienkonflikte nicht ausschließen möchte, aber das ist ja nun eindeutig kein Alleinstellungsmerkmal von Sekten…)

(https://gralsbewegung.net/abd-ru-shin/)

Über sein Ziel sagte Abd ru shin im Jahre 1936:
„Mein Ziel ist geistiger Art!
Aber ich bringe keine neue Religion, will keine neue Kirche gründen, ebensowenig irgend eine Sekte, sondern ich gebe in aller Einfachheit ein klares Bild des selbsttätigen Schöpfungswirkens, das den Willen Gottes trägt, woraus der Mensch deutlich zu erkennen vermag, welche Wege für ihn gut sind.“
Diesem Leitgedanken entsprechend, wollte Abd ru shin seine Botschaft in den Mittelpunkt gestellt wissen, niemals aber den Blick auf seine Person als Zentrum der Gralslehre lenken. Personenkult lehnte er ab. Klar und deutlich forderte er seine Leser auf, „nicht des Bringers, sondern des Wortes“ zu achten.

Und in dem Zusammenhang noch ein Nachtrag zur Kleiderfrage. Ich habe den Fehler gemacht und die Kommentare zu Artikeln über „Modest Fashion“ gelesen, die, wie vielleicht nicht anders zu erwarten, einige starke Meinungen hervorgerufen haben. Diese Meinungen sind oft sehr persönlich gefärbt. Viele konzentrieren sich ausschließlich auf den Zusammenhang mit dem Islam, nicht auf beispielsweise das Juden- und Christentum, und damit landet die Diskussion sehr schnell bei ganz anderen Themen. Andere machen im Kern ihrer Argumentation die Aussage, alle „Modest Fashion“-Trägerinnen seien einer religiösen Gehirnwäsche unterlegen. Wieder andere, und diese Argumentation kann ich noch am besten nachvollziehen, stören sich an dem Begriff und daran, was er suggeriert. Ich stehe zwar auf dem Standpunkt, jedes Kind brauche nun mal einen Namen und diese Wahl sei so gut wie jede andere, aber natürlich hängt ein gewaltiger Rattenschwanz daran: Wenn impliziert würde, nur Trägerinnen der Modest Fashion seien züchtig, bescheiden, anständig… und was bedeute diese Bewertung überhaupt? Und wieso gelte sie wie immer nur für Frauen?
Also hier zur Info: Keine Gehirnwäsche, wie vermutlich meine mehrfach in dieser Artikelserie angebrachte Kritik beweisen kann, und wenn ich es vorziehe, nicht halbnackt durch die Gegend zu stiefeln, dann ist das nicht nur meine freie feministische Wahl, sondern auch eine ästhetische Frage (und das gilt für Männlein und Weiblein).

Und a propos Kritik (Disclaimer: Nein, ich wurde nicht darauf angesprochen, und ich wurde von niemandem in irgendeiner Form unter Druck gesetzt.): Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, daß ich die Gralsbewegung für abschaffenswert halte. Was ich kritisiere, sind gewisse Strömungen innerhalb der Bewegung, Verschwörungstheorien, dogmatische Ansichten einzelner und Entscheidungen seitens der Leitung, die ich für fragwürdig bis falsch halte. Ich gehöre nicht zu denen, die für eine Auflösung der Internationalen Gralsbewegung und eine Rückkehr zu nie stattgefundenen guten alten Zeiten plädieren. Die Bewegung als Organisation hat ihre Berechtigung: Wer würde ohne sie Versiegelungen durchführen, Feiern ausrichten, die Botschaft vertreiben und auch übersetzen? Ich setze sie nur nicht gleich mit der übergeordneten „Bewegung“ außerhalb einer juristischen Form, die von Lesern und Bekennern der Gralsbotschaft getragen wird.

In dem Sinne: Mehr Mut und mehr Drüberstehen!

Nachtrag:
Und soeben in der aktuellen National Geographic (Februar 2019) gelesen, im Titelbeitrag „Magisches Deutschland“:

Eines ist jedenfalls bemerkenswert: Insgeheim sehnen sich viele Deutsche nach einem spirituellen Leben.
Nur reden sie nicht so gern darüber. Umfragen zeigen: Jeder sechste sympathiert mit den Ideen der Anthroposophen und ihrer Liebe zu okkulten Wissenschaften, zu Ätherwesen und Engeln. Jeder Vierte ist offen für Geist- und Wunderheiler, und fast die Hälfte glaubt an Astrologie und New-Age-Esoterik mit Seelenwanderung, Erinnerungen aus einem früheren Leben oder der Übertragung „feinstofflicher“ Energien.

Und das umfaßt nicht einmal die Angehörigen der großen Religionen. Vielleicht sind, ungeachtet, was uns die öffentliche Meinung weismachen will, die Materialisten also tatsächlich in der Minderheit…