Aber nicht die Frau allein trifft diese ungeheure Schuld. Sie wird immer nur das getreue Spiegelbild jener Welt von Gedankenformen sein, die über ihrem Volke lagert. Das darf man nicht vergessen. Achtet und ehret das Weib als solches, und es wird sich darnach formen, wird das werden, was Ihr in ihm seht, und damit hebt Ihr Euer ganzes Volk!
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Sittlichkeit“)
Dieser Beitrag geht auf die Anregung einer Leserin zurück. Nochmals vielen Dank dafür!
Langjährige Bekenner der Gralsbotschaft erinnern sich vielleicht an ein Schreiben, das die Leitung der Internationalen Gralsbewegung seinerzeit verschickte – oder vielleicht war es nur die Landesleitung? – , und zwar eine Liste von „Fragenbeispielen“ (heute FAQs genannt). Aufgeführt waren häufig gestellte Fragen zur Gralsbotschaft und Gralsbewegung. Es gab keine Musterantworten dazu; jeder Kreuzträger war angehalten, sich seine eigenen Gedanken zu machen.
Ich habe mir diesen Zettel nun aus meinen archivierten Unterlagen herausgesucht. Ja, einigen Fragen bin auch ich über die Jahre begegnet. Was in der Liste allerdings fehlt, ist die „Frauenfrage“: Ist die Gralsbotschaft frauenfeindlich?
Natürlich wird jeder Bekenner sofort mit einem entschiedenen „Nein“ antworten. Wenn die Statistik noch stimmt (und sie entspricht im allgemeinen jeder spirituellen Bewegung), dann gibt es mehr weibliche als männliche Bekenner der Gralsbotschaft – also wie könnte die Botschaft frauenfeindlich sein?
Dennoch halte ich diese Frage für durchaus berechtigt. Jeder, der versucht, der Gralsbewegung einen Strick zu drehen, kann Zitate anführen, die, aus dem Kontext gerissen, sehr abschreckend klingen müssen. Ich selbst habe in diesem Blog bereits kritisiert, daß es zwar eine Menge Vorträge gibt, die die Rolle der Frau behandeln, jedoch nicht die Rolle des Mannes – oder wenn, dann allgemein als Rolle des Menschen betrachtet. Das halte ich bis zum heutigen Tage für ein arges Versäumnis.
Für einen Blogbeitrag ist die Frage eigentlich zu groß. Man könnte ganze Bücher darüber schreiben. In vielerlei Hinsicht ist die Gralsbotschaft dazu geschrieben worden. Ich beanspruche hier auch definitiv kein Allwissen. Jeder Leser und vor allem jede Leserin ist gern eingeladen, in den Kommentaren seine oder ihre Gedanken dazu zu teilen.

Ein „Problem“, das möglicherweise zu dem Vorwurf der Frauenfeindlichkeit geführt hat, ist schlichtweg unsere gewandelte Gesellschaft. Seit Erscheinen der Gralsbotschaft gab es so eine kleine Sache namens Frauenrechtsbewegung. Die war zwar auch in den 1920ern und 1930ern nicht unbekannt, aber der Feminismus der 1970er war noch mal eine andere Nummer. Der Hinweis der Gralsbotschaft, der Wirkungsbereich einer Frau sei „das Heim“, löst heutzutage entsprechend Empörungsschreie aus. Ich selbst will mich gern dahingehend outen, daß ich Hausarbeit verabscheue. Sie muß gemacht werden, aber ich habe keine Freude daran. Ich bin mehr die Frau fürs Grobe – entrümpeln ist toll! Ich liebe entrümpeln! Instanthalten nicht so sehr.
Doch „das Heim“ ist oft zu eng gedacht.
Zuerst Johanna: In bestimmte Worte ist ihr Wirken nicht zu fassen, weil damit der Begriff sofort verkleinert wäre. Deshalb will ich kurz nur sagen, daß es das Heim betrifft! Heimatlich zu gestalten, anziehend, harmonisch. Jedoch das Heim im großen Sinne aufgefaßt, nicht etwa nur als eine kleine Erdenmenschenwohnung!
Diese ist zwar auch mit inbegriffen; denn es wirkt sich aus im Großen wie im Kleinen, ja, bis zu dem Kleinsten, aber hierbei handelt es sich um die Sache selbst, nicht nur um eine kleine Form davon.
Zum Beispiel auch Empfinden seligen Verbundenseins mit heimatlichem Boden, das ganze Völker in wahrhaftester Begeisterung entflammen lassen kann, wenn es ein Feind habgierig zu verletzen sucht.
Ich könnte tausenderlei Dinge anführen, Ihr würdet deshalb trotzdem nicht die eigentliche Größe je darin erkennen, die in dem Wirken der Johanna liegt, die es auch jedem Menschengeiste einzuprägen sucht als Heiliges Vermächtnis, das ihn hoch emporzuheben fähig ist und festen Halt gewährt. Und das Vermächtnis ist in erster Linie der Weiblichkeit gegeben, in ihr ruht deshalb oft das Schicksal eines ganzen Volkes.
Soweit aus „Die urgeistigen Ebenen V“. Das klingt schon gleich anders, oder?
Das „Haushaltführen“, von dem in der Gralsbotschaft die Rede ist, umfaßt also weit mehr als Küche, Kinder, Kirche. Und doch ist es ja nicht abzustreiten, daß, allgemein gesprochen, Frauen anders ticken als Männer. Sie sind mehr an sozialen Fragen interessiert. Sie haben eine andere Herangehensweise. Das ist längst vom Mainstream anerkannt, und das war es ja auch letztlich, was die Argumente der radikalen Feministinnen seinerzeit widerlegte – daß Geschlecht eben nicht anerzogen ist. (Heute… ach, lassen wir das lieber.)
Das Problem, und damit kann ich gleich zum nächsten Punkt überleiten, an der Rollen- oder Verhaltensverteilung Mann – Verteidigung, Frau – Pflege, ist letztlich die Situation, die wir heute haben. Weil uns als Gesellschaft Frauen als die besseren, überlegenen Menschen verkauft wurden, finden wir uns in einer feminisierten Gesellschaft wieder. Wurde uns nicht immer gesagt, daß, wenn die Frauen das Sagen hätten, es keine Kriege mehr gäbe? Na, Pustekuchen. Natürlich werden radikale Feministinnen argumentieren, das Scheitern sei damit zu erklären, daß es noch nicht genug Feminismus sei; ähnlich wie im Sozialismus das Scheitern der Utopie immer auf zu wenig Sozialismus geschoben wird. Ich will nun gar nicht zurück zur Entrechtung der Frau; das war selbstverständlich auch der falsche Weg. Aber die inzwischen so oft angetroffene Unterwürfigkeit des Mannes gegenüber der Frau (denn Frauen dürfen nicht kritisiert werden) ist nicht nur abstoßend, sondern auch schädlich. Frauen kennen leider oft kein Maß, und da müssen die Männer einschreiten und Grenzen aufzeigen. Bestes Beispiel: Masseneinwanderung und Klimabewegung, die beide vorrangig von Frauen und danach von Softies getragen werden. „The eternal white woman“, nannte das mal jemand. Ich kann es nicht bestreiten. „Wir müssen doch helfen!“

In erster Linie gilt der Ruf des Lichtes deshalb wiederum dem Weibe! Es müßte nun erkennen, welche tiefe Stufe es jetzt eingenommen hat. Müßte, wenn… es die Eitelkeit zuließe. Doch dieser Fallstrick Luzifers hält alles Weibliche im Bann, so fest, daß es sogar das Licht nicht mehr erkennen kann, ja, nicht mehr will! Nicht will, weil die moderne Frau der Jetztzeit sich von ihrer leichtfertigen Tändelei nicht trennen kann, trotzdem sie in sich dunkel schon empfindet, was sie damit verloren hat. Sie weiß es sogar ganz genau! Und um diese dem Wissen gleichkommende, mahnende Empfindung zu betäuben, rennt sie wie blind gepeitscht der neuen Lächerlichkeit verblendet entgegen, mannbar zu werden im Beruf und in dem ganzen Wesen! […]
Sie ist es, die damit dem Manne alles Hehre raubt und damit auch das Aufblühen der edlen Männlichkeit verhindert.
(„Wache und bete!“)
Das klingt natürlich erst einmal empörend. Und natürlich kann man gegenargumentieren: Soll ich meines Bruders Hüter sein? In diesem Fall – der Männlichkeit? Wenn deren Hehres und Edles einzig und allein von der Frau abhängt, ist es schwach damit bestellt. Hier muß auch der Mann zur Verantwortung gezogen werden. Dennoch – ist die Aussage grundsätzlich sachlich falsch? Vielleicht kommt diese Erkenntnis erst mit zunehmender Lebenserfahrung, doch diese reflexartige Erbostheit ist eigentlich nur mangelnde Kritikfähigkeit. Niemand läßt sich gern kritisieren, das ist normal. Und ich sehe das andere Extrem gerade bei jungen Männern (ebenfalls: fehlende Lebenserfahrung) in der rechten Szene, die in Frauen die Ursache allen Übels sehen. Das ist nicht nur häßlich, sondern auch kindisch, gerade wenn solche Haßtiraden von Jünglingen kommen, die vermutlich niemals ein Wort unter vier Augen mit einer jungen Frau gewechselt haben. In dem Fall kommt mir immer ein anderes Zitat in den Sinn: „Diese Sorte Menschen bildet sich ein, unverstanden zu sein. Das heißt auf gut deutsch, sie leben dauernd in der Einbildung, einen Schatz von Werten in sich zu tragen, die der andere Teil, mit dem sie gerade verkehren, nicht zu erkennen fähig ist. In Wirklichkeit sind aber gar keine Schätze in diesen Seelen verborgen, sondern statt deren lediglich eine unversiegbare Quelle maßloser, nie zu stillender Wünsche.“ („Ideale Menschen“. Abd-ru-shin behauptet, die größte Zahl dieser Menschen seien Frauen und Mädchen, aber das widerspricht meiner Erfahrung…) Für diese niedere Art Männer sind Zitate der oben genannten Art natürlich ein gefundenes Fressen.
Dennoch. Vielleicht sollten die empörten Frauen die Gelegenheit nutzen, um sich einmal ganz brutal ehrlich zu prüfen. Kritik kommt ja nicht von ungefähr. Einfach nur blindlings zurückzuschlagen, ist eine billige Ausflucht.
Auf der anderen Seite – und das mag jetzt wie ein Widerspruch klingen, ist es aber nicht – kann die Entrüstung über diese Passagen in der Gralsbotschaft aber auch auf etwas anderes zurückzuführen sein, nämlich auf die menschliche (nicht nur weibliche) Unart, alles auf sich zu beziehen. Auch das ist ironischerweise mangelnde Kritikfähigkeit. Sachliche Kritik, sowohl im Geben als auch im Nehmen, setzt voraus, etwas sachlich zu betrachten. Das sollte eigentlich logisch sein. Sich in allem persönlich angegriffen zu fühlen, ist nicht sachlich. Wer weiß, vielleicht ist die betreffende Leserin mit dieser Kritik ja gar nicht gemeint. Vielleicht schwingt sie ja bereits vollkommen oder doch zu einem guten Teil im Gotteswillen.
Und wiederum wird dabei nun die Weiblichkeit zuerst die Schmach empfinden müssen, da ihr Niedergang sie nun sich diesen Dingen auszusetzen zwingt. Sie selbst hat sich auf eine Stufe leichtsinnig gestellt, die sie verrohter Männlichkeit nunmehr zu Füßen zwingt. Mit Zorn und mit Verachtung wird die Erdenmännlichkeit auflodernd nun herabblicken auf alle Frauen, welche nicht mehr das zu geben fähig sind, wozu sie von dem Schöpfer ausersehen waren, was der Mann so dringend nötig hat in seinem Wirken.
Es ist dies Selbstachtung, die jeden wahren Mann zum Mann erst macht! Selbstachtung, nicht Selbsteinbildung. Selbstachtung aber kann der Mann allein im Aufblick zu der Frauenwürde haben, die zu schützen ihm die Achtung vor sich selber gibt und auch erhält! […]
Es ist unverrückbares Gesetz, daß dort, wo die Größe und Stärke der beiden Balken des Schöpfungskreuzes nicht in vollkommener Harmonie und Reinheit zu schwingen vermögen, also das positiv Männliche wie das negativ Weibliche nicht gleichstark und unverbogen bleibt […], der Niedergang und zuletzt auch der Untergang zu folgen hat, damit die Schöpfung wieder frei von derartigen Widersinnigkeiten wird.
Kein Volk kann deshalb Aufstieg haben oder glücklich sein, das nicht die echte, unverfälschte Weiblichkeit aufweist, in deren Gefolgschaft allein sich auch die echte Männlichkeit entwickeln kann und muß.
(„Die zerstörte Brücke“)
Als ich dies gerade abtippte, mußte ich lächeln. Denn – auf diesen Gedanken war ich gar nicht gekommen, bis besagte Leserin den Punkt anbrachte – offenbar gibt es tatsächlich ein Mißverständnis, was „positiv“ und „negativ“ in diesem Zusammenhang bedeuten. Also ist es vermutlich hilfreich, wenn ich kurz darauf eingehe. Positiv und negativ sind keine Wertung, sondern beschreiben ganz einfach die beiden entgegengesetzten, aber gleichwertigen magnetischen Pole. Physik. Die Naturgesetze bleiben sich ja gleich, im Großen wie im Kleinen. Wie oben, so unten.

„Die zerstörte Brücke“ ist gerade heute ein sehr wichtiger Vortrag, vielleicht einer der wichtigsten überhaupt. Wir sehen ihn heute sozusagen in Aktion. Ich habe allerdings auch einen Kritikpunkt. Doch betrachten wir zunächst einen Aspekt:
Sobald die Frau versucht, sich in ihrem Denken und Tun zu vermännlichen, so wirkt sich dieses Wollen schon entsprechend aus. Zuerst in allem, was von ihr mit Wesenhaftem eng verbunden ist, dann auch in der Feinstofflichkeit, sowie nach einer ganz bestimmten Zeit in der feineren Grobstofflichkeit.
Die Folge ist, daß bei den ihrer Aufgabe entgegenstehenden Versuchen positiven Wirkens alle feineren Bestandteile ihrer weiblichen Art als passiv seiend zurückgedrängt werden und zuletzt sich von ihr lösen, weil diese durch die Nichtbetätigung an Stärke nach und nach verlierend durch die gleiche Grundart von dem Weibe abgezogen werden.
Die Rede ist hier von dem Anteil des höheren Wesenhaften, das sich die Weiblichkeit im Gegensatz zur Männlichkeit erhalten hat, oder, genau gesehen, das die Weiblichkeit erst zur Weiblichkeit macht. Doch ähnlich wie bei dem Begriff des Heims darf man hier nicht zu eng denken. Ich verweise beispielsweise auf Vasitha, die wehrhafte Pförtnerin im Urgeistigen, oder auf Wesenhafte wie Pallas Athene, die „Göttin“ der Weisheit und des Krieges, oder die Walküren.
Dadurch ist dann die Brücke abgebrochen, die das Erdenweib befähigt, in seiner passiven Art höhere Strahlungen aufzunehmen und diese der gröberen Stofflichkeit zu vermitteln, in die es durch seinen Körper in einer ganz bestimmten Stärke verankert ist.
Es ist dies aber auch die Brücke, welche eine Seele zu der Erdeninkarnierung in den grobstofflichen Körper braucht. Fehlt diese Brücke, so ist jeder Seele ein Eintreten in den werdenden Körper unmöglich gemacht; denn sie vermag die Kluft nicht selbst zu überschreiten, die dadurch entstehen mußte.
Ist diese Brücke aber nur teilweise abgebrochen, was von der Art und Stärke der gewollten Vermännlichung in der Betätigung eines Weibes abhängt, so können sich trotzdem Seelen inkarnieren, die in gleicher Art ebenfalls weder ganz männlich noch ganz weiblich sind, also unschöne, unharmonische Mischungen bilden, die später alle möglichen unstillbaren Sehnsüchte bergen, sich in ihrem Erdensein dauernd unverstanden fühlen und dadurch sich und ihrer Umgebung zur beständigen Unruhe und Unzufriedenheit leben. […]
Zarte, echt weibliche Seelen kommen durch solche unweiblichen Frauen niemals zur Inkarnierung, und so wird nach und nach das weibliche Geschlecht auf Erden vollständig vergiftet, weil sich diese Verschrobenheit immer mehr ausgebreitet hat und immer neue derartige Seelen anzieht, die weder ganz Weib noch ganz Mann sein können und damit Unechtes, Disharmonisches auf der Erde verbreiten.
Okay, stop. Das ist grundsätzlich korrekt, und wir sehen es ja heutzutage. Aber darf ich fragen, wieso Abd-ru-shin es klingen läßt, als ob diese Art Frauen nur Töchter hätten? Oder als ob deren Söhne davon nicht betroffen seien? Da muß ich doch wirklich protestieren.
Und wo wir nun schon bei Kritikpunkten sind, gehen wir mal etwas weiter darauf ein. Ich will hier nicht über Dinge hinweggehen, die mich stören. Wenn ich, die nach der Gralsbotschaft lebt, etwas zu kritisieren hat, dann wird es Suchenden erst recht so gehen. Genau deshalb gibt es ja dieses Blog: Um diese Dinge zu besprechen.
Wenden wir uns also einmal den Zehn Geboten zu, namentlich dem vierten Gebot.
Wie kann ein Kind den Vater ehren, der sich zu einem Trunkenbold erniedrigt, oder eine Mutter, die dem Vater und dem ganzen Hause durch die Launen, durch ihr ungezügeltes Temperament, Mangel an Selbstzucht und so vieles andere die Stunden arg verbittert, ein Aufkommen ruhiger Stimmung ganz unmöglich macht! […]
Es wäre schließlich doch nur Heuchelei, sobald ein Kind behaupten wolle, eine Mutter noch zu ehren, wenn diese gegen Fremde sich viel freundlicher gebärdet als gegen ihren eigenen Mann, des Kindes Vater. Wenn es an ihr den Hang nach Oberflächlichkeit bemerkt, sie in der lächerlichsten Eitelkeit zur willenlosen Sklavin jeder Modetorheit sinken sieht, die sich so oft mit dem Begriff der ernsten, hohen Mutterschaft nicht mehr vereinen läßt, die alle Schönheit und Erhabenheit der Mutterwürde raubt, … woraufhin soll ein Kind dann noch freiwillige Verehrung für die Mutter finden? Was liegt schon in dem einen Worte: „Mutter“! Was verlangt es aber auch.
Ein Kind, das noch nicht mitvergiftet ist, muß unbewußt in sich empfinden, daß ein Mensch mit reifem, ernstem Geiste sich niemals wird entschließen können, seinen grobstofflichen Körper lediglich nur um der Mode willen bloßzustellen. Wie kann die Mutter dann dem Kinde heilig bleiben!
Vielleicht fällt dem einen Leser oder der anderen Leserin bereits auf, worauf ich hinausmöchte. In der gedruckten Ausgabe, die mir vorliegt, komme ich auf eineinhalb Zeilen den Vater betreffend und auf einundzwanzigeinhalb Zeilen die Mutter betreffend. Und das ist nur eines von diversen Beispielen, die ich anführen könnte.
Vor allen Dingen hat das Weib zuerst darin gefehlt; Schuld daran aber ist hauptsächlich auch der Mann. Doch selbstverständlich deshalb nicht um Haaresbreite weniger das Weib, welches sich durchaus nicht nach ihm hätte richten müssen. Jeder ist für sich allein dabei verantwortlich.
(„Weib und Mann“)
Weshalb die Frau zweimal, der Mann nur einmal als Schuldige(r) bezeichnet wird.
Dann finden wir dieses:
Die Art der Kleider kündet doch wohl oft und laut genug das Gegenteil, und diese dünnbestrumpften Beine einer Frau oder gar Mutter sind sehr schlecht mit Weibeswürde zu vereinen. Der Bubikopf, moderner Frauensport verunstalten nicht minder echte Weiblichkeit!
(„Das Weib der Nachschöpfung“)
Vermutlich bin ich nicht die einzige, die bei dieser Passage immer kichert. O tempora, o mores! Ja, es hat sich seit den 1920er Jahren vieles verändert. Nun, ich kenne Frauen mit kurzen Haaren und dünnen Strümpfen, die sehr weiblich sind. Und die „vermännlichten“ Frauen der 20er würden heute vermutlich extrem weiblich wirken. Doch wovon Abd-ru-shin eigentlich spricht, ist der Schönheitssinn. „Zarte Empfindungen bedingen außerdem den Schönheitssinn!“ Dagegen kann ich nichts sagen. Ganz im Gegenteil, ich habe in diesem Blog ja bereits geschrieben, daß ich inzwischen den Schönheitssinn als das Heilmittel unserer Zeit betrachte.
Und ganz ehrlich: Lange Haare sehen bei Frauen wirklich harmonischer, schöner und, ja, weiblicher aus.

Es ist jedoch jedermann bekannt, daß Männer, auch in abgelegensten Gebieten dieser Erde, sich sofort besser zusammenraffen, sogar gesitteter sich zu benehmen suchen, sobald nur ein weibliches Wesen in die Nähe kommt, mit dem sie nicht einmal ein Wort zu wechseln brauchen.
(„Die Aufgabe der Erdenweiblichkeit“)
Vielleicht war das einmal so. Heutzutage leider nicht mehr.
A propos. Ein Argument, das hier vielleicht angebracht werden könnte, ist folgendes: Betrachten wir uns doch mal Kulturen, in denen die Frau sehr weiblich ist. Sagen wir mal – im mittleren Osten oder in Afrika. Sind diese Kulturen lichtverbundener? Sind die Männer dort besser und edler? Nein. Im Gegenteil. Es wird gern von ihnen behauptet, daß sie ihre Frauen „achten“, aber das übersetzt sich in erster Linie nur in de facto Rechtlosigkeit der Frau.
Ich will offen zugeben, daß das über viele Jahre mein Gegenargument war. Und ich stehe noch immer zu der Aussage, aber ich betrachte sie inzwischen nicht mehr als Argument. Denn die Frage ist: Sind die Frauen in diesen Kulturen so, wie es die Gralsbotschaft fordert? Sie führen den Haushalt, okay; sie ergreifen, wenn überhaupt, dann in erster Linie klassische Frauenberufe; sie laufen nicht mit kurzen Haaren und „vermännlichter“ Kleidung herum. Macht all das allein die wahre Weiblichkeit aus? Ich denke, nein. Ohne hier in Allgemeinplätze verfallen zu wollen (wie bereits gesagt, wir sprechen nicht von jedem einzelnen Individuum, sondern von Trends), ich habe viele Frauen aus diesen Kulturen kennengelernt, und wenn man einmal an der Oberfläche kratzt, kommen sehr häßliche Dinge zutage.
Ich möchte jetzt auf zwei Passagen eingehen, die mir genannt wurden. Es ist immer recht interessant zu sehen, was Leser abschreckt. Beginnen wir mit einem Zitat aus dem Vortrag „Weib und Mann“.
Das üble Denken wird erzeugt durch Unreinheit der Weiblichkeit
Das ist ein sehr winziger Ausschnitt. Was immer das Negativäquivalent von Rosinen herauspicken ist, dies ist es. 🙂 Schauen wir uns doch mal etwas mehr dazugehörigen Text an.
Deshalb übt auch bei jeder normalen Entwicklung alles Weibliche eine starken, in den unbewußten Anfängen immer rein schwingend, nur hebenden Einfluß auf das Männliche aus, sobald dieses zur körperlichen Reife kommt. […]
Ich sage deshalb mit Absicht, in den „unbewußten“ Anfängen der Reife wird der weibliche Einfluß bei dem Männlichen immer reines Schwingen zur Höhe auslösen, weil es da unbeeinflußt von dem verdorbenen Verstande sich nur nach den Gottgesetzen in der Schöpfung auswirkt! Erst wenn der Verstand mit allen seinen Künsten auch darin geweckt wird und zu wirken einsetzt, wird dieses Reine und mit ihm alle Hilfen durch übles Denken in den Schmutz gezerrt und entwertet.
Das üble Denken wird erzeugt durch Unreinheit der Weiblichkeit, Verführungen, Überredungen falscher Freunde, schlechte Beispiele und nicht zuletzt auch durch falsche Richtung in der Kunst und Literatur.
Das sieht also schon etwas anders aus. Hier werden verschiedene Faktoren genannt, die das üble Denken hervorrufen können. Die zitierte Unreinheit der Weiblichkeit wiegt schwer, denn:
So verkörpert in der Abstufung das Menschenweib der Nachschöpfung das empfindsamere Wesenhafte als negativer, passiver Teil, und der Mann das gröbere Geistige als positiver, aktiver Teil […]. Der wirklich stärkere Teil, also tatsächlich herrschend, ist dabei aber immer der empfindsamere Teil, also unter den Menschen die Weiblichkeit! Sie hat es ihrer Art entsprechend viel leichter, dem Druck des Gotteswillens empfindend zu gehorchen. Damit hat und gibt sie auch die beste Verbindung mit der einzigen, wirklich lebendigen Kraft!
[…] Der empfindsamere Teil ist der eigentlich bestimmende Teil, der aktive Teil nur der ausführende!
Abd-ru-shin beschreibt das Schöpfungswirken oft als eine Kette. So können wir das auch hier sehen. Die Weiblichkeit nimmt den Druck des Gotteswillens auf und leitet ihn weiter an die Männlichkeit, die entsprechend handelt. Ich bin sicher, Technikversierte könnten hier ein Instrument nennen, das dem gleichen Prinzip folgt. Diese Passage ist gewissermaßen der Schlüssel zu allen Vorträgen über die Erdenweiblichkeit. Alles läuft immer wieder darauf hinaus. Läßt sich die Weiblichkeit in ihrer feineren Empfindung von dunkleren Strömungen erfassen, leitet sie diese gleichermaßen an die Männlichkeit weiter. Das ist also quasi ein physikalisches Prinzip.
Natürlich ist damit die Männlichkeit nicht von der Verantwortung entbunden, betone ich an dieser Stelle, weil das, wie gesagt, leider und zu meinem Ärger in der Botschaft selten zur Sprache kommt. Der Grund, weshalb aber immer wieder die Rolle der Frau behandelt wird, ist eben dieses Prinzip. Die Frau, in der Stärke ihrer größeren Lichtverbundenheit, ist in der Lage, die gesamte Menschheit zu heben. Und deshalb, um es salopp zu sagen, ritt Abd-ru-shin auch so darauf herum. Sobald die Frau wieder richtig steht, ist der Krieg gewonnen. Alles andere folgt dann von selbst.
Ein weiteres mir genanntes Zitat:
Natürlich ist es, wenn auch betrübend, daß gerade das weibliche Geschlecht in erster Linie wieder über alles Maß hinaus geht und in seiner Kleidung skrupellos bis zur Dirnenhaftigkeit herabgesunken ist.
(„Sittlichkeit“)
Nun ja. Ist das sachlich falsch?
Was ich da teilweise sehe, ist schon gewagt. Nur weil etwas heute Mode ist und unter dem Vorzeichen von „Freiheit“ akzeptiert wird, bedeutet das nicht, daß es seine Trägerinnen nicht wie Prostituierte aussehen läßt. Ich bin ja nun wahrhaftig kein Fan des Islam (wobei es auch, was manche Muslima betrifft, den passenden Spruch gibt „Oben für Allah, unten für Achmed“) und fordere Ganzkörperumhüllung. Und bei weitem nicht jede westliche Frau läuft halbnackt herum. Noch einmal: Man (bzw. frau) muß nicht alles auf sich persönlich beziehen. Auch zu Abd-ru-shins Zeiten kleidete sich nicht jede Frau wie eine „Dirne“. Aber ein gesundes Maß an Selbstkritik sollte auch hier kein Tabu sein. Das gilt ebenfalls für die Herren der Schöpfung. Halbnackt daherwandelnde Männer zeigen ebensowenig Würde, die als Richtschnur in diesen Fragen gelten sollte. Das gilt nicht nur für die Kleidung, sondern auch für die Sprache, für das ganze Auftreten. Wer sich wie aus der Gosse kleidet, spricht und benimmt, der ist de facto aus der Gosse.
Je größer nun diese Scham ist, desto edler ist der Trieb, und desto höher steht auch der geistige Mensch. Die mehr oder weniger ausgeprägte körperliche Scham des Erdenmenschen ist der unmittelbare Maßstab für seinen inneren geistigen Wert! […]
Ein untrügliches Zeichen tiefen Sturzes und sicheren Verfalles ist, wenn die Menschheit beginnt, unter der Lüge des Fortschrittes sich über das in jeder Beziehung fördernde Kleinod des Schamgefühls „erheben“ zu wollen! Sei es nun unter dem Deckmantel des Sportes, der Hygiene, der Mode, der Kindererziehung, oder unter vielen anderen dazu willkommenen Vorwänden.
(„Schöpfungsentwicklung“)

Noch nie ist eine Kreatur je so tief gesunken, wie das Weib der Erde es getan!
(„Die Hüterin der Flamme“)
Nochmals: Neuleser, die erst anfangen, sich in die Gralsbotschaft hineinzuarbeiten, werden sicherlich schockiert bis entrüstet sein. So eine frauenfeindliche Aussage!
Nein, eigentlich nicht. Nochmals: Ist sie sachlich falsch?
Abd-ru-shin schrieb diese Worte ja nicht, weil er Frauen haßte, sondern weil er sie aufwecken und zu dem zurückführen wollte, was sie sein können und sollen. Aber dazu braucht es nun einmal zuerst Erkenntnis. „Gedenke, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke.“ (Offenbarung, 2:5) Es klingt natürlich so ganz anders als das, was wir gewohnt sind. Es schmeichelt unserer Eitelkeit nicht. Und weil wir uns einen völlig falschen Begriff von Liebe gemacht haben, verwechseln wir das, was uns helfen soll, inzwischen mit Haß.
Wahrhaftige Liebe wird nicht darauf sehen, was dem anderen gefällt, was diesem angenehm ist und Freude bereitet, sondern sie wird sich nur darnach richten, was dem anderen nützt! Gleichviel, ob es dem anderen Freude bereitet oder nicht. Das ist wahres Lieben und Dienen.
(„Die Religion der Liebe“)
Die Gralsbotschaft ist keine Wohlfühllektüre, das sollte sich jeder Neuleser schleunigst klarmachen. Wer nicht bereit ist, sich unerfreuliche, aber nötige Dinge sagen zu lassen, für den ist sie nicht. Aber die Frauen, die ernsthaft nach dem Lichte der Wahrheit streben, haben damit ja schon den entscheidenden Schritt getan. Sie müssen also nicht zwangsläufig all diese vermeintlich frauenfeindlichen Aussagen auf sich persönlich beziehen, denn indem sie nach der Gralsbotschaft leben, entwickeln sie sich ja zu der Erdenweiblichkeit, wie sie sein soll.
Weit ist der Weg, und groß die Anstrengung, die nun das Weib noch vor sich hat, das in der Zukunft mitzuwirken sich ersehnt. Doch wiederum wird ihr die Gnade der erhöhten Kraft zuteil, so sie nur ehrlich will!
(„Die Hüterin der Flamme“)