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Eigentlich suchte ich bei Caitlín R. Kiernan etwas ganz anderes, aber diese beiden Blogeinträge lege ich meinen Lesern gern ans Herz:

https://greygirlbeast.livejournal.com/1084774.html, über die USA in The Newsroom

und

https://greygirlbeast.livejournal.com/1120228.html, letzter Abschnitt, über Feminismus. Ich zitiere mal das unglaubliche Zitat:

The latter is the feminism of “social justice,” summed up by video game critic Anita Sarkeesian (a friend of Whedon’s, ironically enough) when she tweeted recently, “Feminism is about the collective liberation of women as a social class. Feminism is not about personal choice.”

A feminism that isn’t about personal choice is a perverse thing indeed.

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… wie flüchtige Leser eines Buches, die es um der Spannung willen lesen, nur um freie Stunden damit auszufüllen und sich abzulenken von dem einseitigen Denken über ihre alltägliche Tätigkeit.
Sie sehen während des Lesens nicht die Menschen in dem Buche vor sich lebend auferstehen, achten nicht der einzelnen Entwickelungen, die die darin handelnden Personen in sich zu durchleben haben, sehen nicht die daraus sich entwickelnden haarscharfen Folgerungen, welche die Verhältnisse und die Umgebung immer wieder zu verändern fähig sind. Das alles wird von ihnen nicht beachtet, sondern es geht sprunghaft vorwärts, nur um dieses oder jenes in der Handlung schnell noch zu erfahren! Sie haben keinen Nutzen von den besten Büchern, welche ein Stück Erdenleben wiedergeben, woraus der Leser vieles für sich schöpfen könnte, wenn er alles richtig in sich miterlebte!
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Verbogene Seelen“)

Wenn es etwas gibt, das man mir vorwerfen kann, dann sicherlich, daß ich Buch- und Filmcharaktere lebe. Ich ernte mitunter karierte Blicke, wenn ich zu einer Abhandlung über diese oder jene Zusammenhänge in den Entscheidungen der Figuren aushole; vielleicht sind meine geplagten Zuhörer beeindruckt, aber viel wahrscheinlicher halten sie mich einfach für merkwürdig.
Dennoch. Ich habe es schon mehrfach geschrieben und kann es nur wiederholen: Ein Buch, ein Film, eine Serie fesselt mich nur, wenn Charaktere darin auftreten, die mir etwas geben. Nehmen wir zum Beispiel mein aktuelles Nachholen der Superheldenfilme der letzten Jahre. Ja, Wonder Woman ist visuell großartig und Justice League sehr unterhaltsam. Aber ihre Charaktere haben zu wenige Facetten, sind viel zu schnell ausgeschöpft, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Betrachten wir dagegen den gar nicht so heimlichen Star diverser Marvel-Verfilmungen, Loki, und die Sache sieht schon anders aus.
(Achtung, Abhandlung.)
Sicherlich geschuldet der nicht ganz so erfolgreichen Koordinierung der Marvel-Filme und ihrer verschiedenen Drehbuchschreiber sowie der engen zeitlichen Abfolge, die es den Autoren nicht erlaubt, das endgültige Produkt ihrer Kollegen zu begutachten und danach ihr eigenes Drehbuch auszurichten (eigentlich hat man dafür einen Script Supervisor), variiert die Figur sehr. Eingeführt wird Loki in Thor, den ich aus so vielen Gründen für den besten Film der Reihe halte. Thors eigene Entwicklung ist ein Fall für sich, den ich schon einmal analysiert habe und deshalb hier weglasse; der Fokus dieses Blogeintrages liegt auf Loki.

Thor ist eine Geschichte über zwei Söhne und ihren Vater: Thor, strahlend, überragend, aber arrogant und selbstzufrieden; sein jüngerer Bruder Loki stets in seinem Schatten, obwohl ihm intellektuell überlegen, scharf beobachtend und dabei den Eindruck gewinnend, daß ihr Vater Odin den Erstgeborenen bevorzugt. Ein klassischer Geschwisterkonflikt, der nicht einfacher wird durch die Tatsache, daß Thor nach Odins naher Abdankung zum neuen König ernannt werden soll, eine Aufgabe, für die er in Lokis Augen denkbar ungeeignet ist. So versucht Loki, das Unvermeidliche für eine kurze Weile noch zu verhindern, doch die Ereignisse, die er in Bewegung setzt, verselbständigen sich. Thor endet in der Verbannung, Loki erfährt, daß er adoptiert wurde und hält nun diese Tatsache für die Erklärung aller vermeintlichen Zurücksetzung, die er erfahren hat. Er sieht sich als Schachfigur in den Plänen seines Vaters und ist taub für die Versicherungen Odins, er sei sein Sohn, Blut oder nicht. Als Odin in Folge des Streites zwischen ihnen in eine Art Koma fällt, wird Loki zwangsläufig Regent. Er schmiedet einen vom Standpunkt der Charakterentwicklung betrachtet komplexen Plan: Gleichermaßen sich zum Helden der Geschichte zu machen und es damit endlich Thor gleichzutun, als auch, das auszulöschen, was ihn anders, nach seinem irrtümlichen Verständnis in den Augen seines Vaters minderwertig macht.
Der Plan mißlingt. Odin ist willens, Loki zu verzeihen, doch dieser sieht in der sanften Ablehnung des letztlich aus Liebe geschmiedeten Planes eine Zurückweisung seiner Person. Und so läßt er wortwörtlich das gebotene Rettungsseil fahren und stürzt ins Bodenlose, vermeintlich in seinen Tod. (Man kann, wenn man möchte, hier sehr leicht eine christliche Symbolik erkennen.)
Als ein trauernder Thor am Ende zu seinem Vater sagt, er hoffe, ihn eines Tages stolz zu machen und Odin erwidert, Thor mache ihn bereits stolz, so meint man, darin auch die unausgesprochenen Selbstvorwürfe Odins zu erkennen, seinen beiden Söhnen niemals diese einfache Wahrheit mitgeteilt und damit vielleicht all das Leid verhindert zu haben.

Die Fortsetzung folgt in The Avengers, der sich berechtigterweise mehr um die Charakterzeichnung seiner zahlreichen Helden kümmert als um die des Gegenspielers, aber darum leider auch ärmer ist als er sein könnte. Loki taucht hier, nach einem Jahr des nicht näher erläuterten Umherirrens, in ganz anderer Gestalt auf. Er hat kaum etwas von der Verletzlichkeit, die ihn in Thor auszeichnet, nichts von der inneren Logik seines Verhaltens und seiner Pläne, die einzig und allein dem Bedürfnis entsprangen, sich in den Augen seines Vaters zu beweisen. In erster Linie wird ihm hier als Motiv Machtstreben unterstellt. Ich wünschte mir eine Zwischengeschichte herbei, die diesen krassen Schnitt erklärte – genau genommen wartete ich den ganzen Film auf die Enthüllung, daß das Szepter, das die Gedanken von Menschen manipulieren kann, auch ihn beeinflußt hatte.
Dabei gehen seine Beweggründe tiefer, wenn man genau darauf achtet. Sie wurden bereits in Thor etabliert: Während Loki im ersten Film Thor als Hindernis auf dem Weg zu seinem Ziel betrachtet (nicht auf dem Weg zur Macht – es ist wichtig, hier zu unterscheiden), so ist er nun zum Fokus von Lokis Haß geworden. Machtstreben, ja, aber als Ersatz für das, was Thor Loki nach dessen Auffassung genommen hat. Nicht von ungefähr ist Lokis Ziel die Erde, für die Thor sich verantwortlich fühlt. Es ist Rache, der Wunsch, Schmerz um Schmerz zurückzugeben. Schade, daß das nicht deutlicher herausgearbeitet wurde.
Einige wenige Momente werden ihm gegönnt. Es liegt da in seinen Augen eine tiefe Traurigkeit und Sehnsucht, als Thor ihn zweimal bittet, seinen Plan aufzugeben und nach Hause zu kommen. Er schleudert Thor entgegen, all die Jahre „als Schatten“ gelebt zu haben, überragt von seinem strahlenden Bruder. Zu seltenen Gelegenheiten beweist er seinen Witz. Doch mehr schöpft das Drehbuch aus diesen Möglichkeiten nicht. (Eigentlich seltsam, da Drehbuchautor Josh Whedon üblicherweise immer sprücheklopfende Bösewichte schreibt.)
So bleibt Loki in The Avengers ein größtenteils sehr einseitiger, klischeehafter Schurke, der am Ende in Ketten nach Asgard abgeführt wird, um dort der Gerichtsbarkeit zugeführt zu werden.

Thor – The Dark World muß nun mit diesem anderen, sehr viel finstereren Loki arbeiten und tut es mit Aplomb. The Dark World ist, als Gegenstück zu Thor, eine Geschichte über zwei Söhne und ihre Mutter. Frigga ist die einzige, die die Familie durch ihre Liebe noch zusammenhält. Odin, eine sehr viel härtere, kältere Version seiner selbst als in Thor, läßt sich von ihr dazu erweichen, Loki nicht zum Tode, sondern zu lebenslanger Gefangenschaft zu verurteilen, doch er verbietet ihr jeden Kontakt zu ihm. Lokis Haß auf Odin (und darunter sein Schmerz über dessen verlorene Liebe) steigt ins Unermeßliche.
In vielen kleinen Momenten und Gesten lernt der Zuschauer nun Friggas Einfluß auf ihren Mann und ihre beiden Söhne kennen, die Liebe, die jeder für sie hegt, ihre Weisheit und Menschenkenntnis. Sie ist die einzige, die Lokis Herz noch erreichen kann und der, wie man erfährt, immer eher „ihr“ Sohn war, so wie Thor eher Odins Sohn war.
Nachdem dies alles etabliert ist, folgt zwangsläufig Friggas gewaltsamer Tod.
Um sie zu rächen und die Urheber ihres Todes an ihren Plänen zu hindern, befreit Thor Loki aus seinem Kerker – auf Zeit, wie er dabei zur Bedingung macht. In ihrem unausgesprochenen Schmerz vereinigt, der sich bisweilen in bitteren Vorwürfen Bahn bricht, nehmen die beiden Brüder die Verfolgung der Mörder auf. Nachdem er seine Rache stillen konnte, täuscht Loki seinen Tod vor und kehrt unerkannt nach Asgard zurück.
Dort begegnet Thor ihm nach beendeter Mission in Gestalt Odins. Seinem vermeintlichen Vater gegenüber erklärt Thor, die Herrschaft nicht annehmen zu wollen, und verläßt Asgard, um auf der Erde zu leben.
The Dark World ist nach The Avengers wieder wunderbar vielschichtig. Vieles liegt in kleinen Dingen, in Blicken, Gesten oder auch in auf verschiedene Weise zu deutenden Szenen.

Thor: Ragnarok schließt als letzter Film der Trilogie den Kreis. Nach einer besorgniserregenden Prophezeiung durch den Feuerriesen Surtur kehrt Thor nach Asgard zurück und entlarvt Loki, der, wie man erfährt, Odin mit einem Zauber belegt und auf der Erde zurückgelassen hat. Die beiden Brüder suchen ihn auf, doch nach einer letzten versöhnlichen Aussprache mit seinen ungleichen Söhnen stirbt er. Sein Dahinscheiden ermöglicht es Hela, Odins totgeschwiegener Erstgeborenen, aus ihrem Exil nach Asgard zurückzukehren und die Macht an sich zu reißen. Fern des Geschehens gefangen, suchen Thor und Loki, jeder auf seine Art, Mittel, Wege und Verbündete, aus ihrer mißlichen Lage zu entkommen. Die Geschehnisse und die Enthüllungen über ihre Familie schweißen die Brüder zu einem erstaunlich guten Team zusammen, wenn sich auch am Ende Loki einmal mehr an Verrat versucht. Wohl eher aus Gewohnheit; denn als Thor sich beinahe im Alleingang an den Kampf gegen Hela und ihre Heere wagt, kommt Loki ihm (und ihrem Volk) gegen jeden Selbsterhaltungstrieb zu Hilfe. Ein drittes Mal scheint er in den sicheren Tod zu gehen, und ein drittes Mal entkommt er. Die Geschichte schließt mit Asgards Zerstörung durch Surtur, der Flucht der Überlebenden und Thors Ernennung zum neuen König, diesmal mit Loki an und auf seiner Seite.
Mit dieser, zweifelsohne der enormen Beliebtheit der Figur geschuldeten, versöhnlichen, teils humorvollen, teils nahezu heldenhaften, aber nie ganz vertrauenserweckenden Darstellung sind auch sämtliche Facetten des Lokis der nordischen Mythologie abgeschlossen. Ironischerweise ausgerechnet zu Ragnarök, als der mythologische Loki seinen Höhepunkt an Negativdarstellung erreicht.

Renate Steinbach schreibt in ihrem, sicher nicht zufällig 2012 (also nach Thors Kinostart und im Jahr der Avenger-Verfilmung) erschienenen Buch Loki Laufeyson – Die Geschichte eines Gottes:

Loki gilt als der widersprüchlichste Gott der nordischen Mythologie. Selbst jene, die sich bemühen, ihm wohlgesonnen zu sein, gestehen ihm bestenfalls die Notwendigkeit des negativen Gegengewichtes zu den hehren Asengöttern zu. […] Er brachte die Götter immer wieder in Verlegenheit und Gefahr, auch wenn er stets listenreich eine Lösung fand. […]
[W]er sich selbst auf Loki einlässt, der wird einem ganz anderen Gott begegnen, nämlich jemandem, der treu und verlässlich ist und dessen Heiterkeit sehr bereichert.

Aus Schulfunk, 11. Jg. 1958, März.

Am 1. April 1958 verläßt der erste Jahrgang Wehrpflichtiger der deutschen Bundeswehr nach zwölfmonatiger Wehrdienstzeit die Kasernen, um den alten oder auch einen neuen Zivilberuf aufzunehmen bzw. die unterbrochene Ausbildung fortzusetzen.
Bis zum 1. April 1957 – die Bundeswehr war damals rund 90 000 Mann stark – dienten nur Freiwillige und Berufssoldaten in ihr. Der Jahrgang 1937, der zum erstenmal wehrpflichtige Rekruten stellte, hat bereits bei der Musterung manchem Überraschungen bereitet, da er anders reagierte als vielfach angenommen. Die Bundeswehr war deshalb vor die Aufgabe gestellt, sich Gedanken zu machen über die Situation, in der sich diese jungen Menschen befanden, und über die Erlebnisse, durch die sie auf ihrem bisherigen Lebensweg geprägt wurden. Das führte zu folgenden Erkenntnissen:

1. Der Rekrut von 1957 ist im ganzen nicht besser und schlechter als der früherer Zeiten. Aber er ist anders. Er bringt eine Reihe von Eigenschaften mit, die durch rechte Führung zu positiven Qualitäten für den Soldaten werden können: Arbeitsdisziplin und Fleiß; privates Sicherheitsstreben; Grunderlebnis des Zusammenspiels und der kleinen Gemeinschaft; Freiheitsgefühl und Bestehen auf dem Recht des Einzelnen; Nüchternheit, ja sogar Skepsis; Individualismus.
2. Der Jugendliche von heute ist nicht disziplinlos, aber er ist nicht mehr ohne weiteres bereit, eine Autorität zu respektieren, die sich nur auf Namen, Rang, Titel oder Dienststellung gründet. Er wird aber menschliche und fachliche Überlegenheit anerkennen.
3. Der Jugendliche wird sich von nichts beeindrucken lassen, was unecht, hohl und pathetisch ist. Auf der Ebene einer nüchternen, unpathetischen Sachlichkeit ist jedoch eine Verständigung über die militärischen und staatlichen Traditionen unserer Vergangenheit möglich.
4. Die deutsche Geschichte ist vielen nur noch ein Trümmerfeld von Fragezeichen. Der staatspolitischen Information in der Truppe ist deshalb die Aufgabe gestellt, die Trennungslinie zu finden zwischen dem, was für alle unantastbar sein muß, und dem, was diskutiert werden kann und soll, ferner begreiflich zu machen, daß auch Menschen mit verschiedenen geschichtlichen und politischen Anschauungen in einem Staat zusammenleben und an einem Geschütz Dienst tun können.
5. Die Rekruten bringen eine ursprüngliche Vertrautheit mit der Technik mit.
6. Sie sind außerordentlich empfindsam in allem, was ihre Menschenwürde betrifft. Bereits der jungen Mensch kennt heute seine staatsbürgerlichen Rechte, pocht auf sie und ergreift ohne Zögern die Mittel, sie durchzusetzen.

Die Tipps, die man so bekommt. Kürzlich waren Muttern und ich in Goslar, wo sie durch eine Bekannte einen Laden für Feierkleider aufgetan hatte. (Glückliche potentielle Kundinnen muß ich leider enttäuschen: Die Betreiberin bestellt diese Art Kleider ab sofort nicht mehr nach, wegen zu geringer Nachfrage.) Die Inhaberin von Elita-Mode widerlegt jedes Vorurteil, das man vielleicht so mit sich herumschleppt: Sie ist Muslima und bekopftucht und dabei sehr modern, emanzipiert und lustig. Wir hatten eine Menge Spaß.
Bei Mutterns erstem Besuch war sie wohl überrascht gewesen, daß „Deutsche“ solche Kleider suchten. Ja, auch da ist eine Menge Bandbreite. 🙂
Weil ich über Modanisa schon ein Kleid bestellt hatte, kamen wir ins Gespräch („Witzig, daß du das gefunden hast.“); sie kennt den Anbieter, gab mir aber gleich einen Tipp, wo man bessere Ware bekommt, nämlich bei Alvina (eigene Produktion, nicht nur Vertrieb).
Mein Horizont hat sich seit der Recherche in der Welt der Modest Fashion eindeutig erweitert… (Der Begriff ist neu; gekleidet hat man sich nach dem Prinzip zu Andachten und Feiern schon immer.)

Ich kann kaum ausdrücken, wie glücklich ich über die ersten beiden Thor-Verfilmungen bin. Die Götter- und Heldensagen der Germanen war das Buch, anhand dessen ich im zarten Alter von acht oder neun nicht nur Frakturschrift lesen lernte, sondern auch den nordischen Mythen begegnete. (Okay, vorher war da noch Mutterns Loewe-LP mit dem „Schmied auf Helgoland“, aber auch die Geschichte traf ich natürlich im Buch wieder, und Vattern wußte sowieso immer sehr spannend von Odins Raben zu fabulieren.)

Ich verschlang die Sagen, und die Götter der germanischen Völker blieben mir seitdem gute Freunde. Bei den Midgaard Skalden gab’s vor ein paar Jahren die Geschichte vom Diebstahl von Thors Hammer, ein Klassiker der Sagen. Für Haithabu natürlich kindgerecht aufbereitet, also fiel das große Massaker am Ende aus, aber die Geschichte lebt sowieso in erster Linie von ihrem Humor. Man kann sich heute noch das Gelächter der Wikinger vorstellen. Mit ordentlich Action zum Schluß, also eigentlich ein erprobtes Erzählsystem…
ARTEs Dokudrama Götterdämmerung verbindet Ragnarök mit dem Untergang des heidnischen Glaubens.

Nun wagte ich mich zum Neuaufbau meines Heimkinos an Thor, The Avengers und Thor – The Dark World. (Deutscher Titel des letzteren: The Dark Kingdom. No comment.) Während die Avengers enttäuschend konventionell sind – und hat mal jemand gesehen, wie lange die Endschlacht in New York dauert?! –, war ich hin und weg von den beiden Thors. Nicht nur von Handlung und Bildern, obwohl die allein schon großartig sind, und nicht nur von den Schauspielern, obwohl mit Stellan Skarsgaard und Tom Hiddleston zwei meiner Favoriten vertreten sind. Und nicht nur von der Charakterzeichnung und Charakterentwicklung, letztere gerade im ersten Teil unglaublich gut. Nein, was außerdem dazu kam, war die Metaebene. (Ich liebe dieses Wort.) Die Schreiber haben ihre Hausaufgaben gemacht. Es ist so viel von den Sagen in die beiden Filme eingebaut worden, nicht nur Äußerlichkeiten wie die Regenbogenbrücke Bifröst oder Mjölnir oder der einäugige Odin oder – sehr klasse! – sein achtbeiniger Hengst Sleipnir. Sondern auch kleinere Dinge aus den Sagas in neuer Form, in neue Zusammenhänge eingebunden. Heimdalls Zweikampf gegen Loki, direkt aus Ragnarök übernommen. Lokis Fesselung. Und – entdecke ich da ein Muster? – Loki als Schiffslenker, ebenfalls aus Ragnarök. Odins Verschwinden! Ich warte noch auf Thors Kampf gegen eine Riesenschlange oder eben den Diebstahl seines Hammers, oder Lokis Verwandlung in einen Falken oder eine Fliege. Oder eine meiner Lieblingsepisoden aus den Sagas, Odin zwischen den Feuern.
Über das Treffen zweier Glaubenssysteme habe ich bereits im Autorenblog geschrieben.
Die Schwarzelfen, na gut. Eigentlich sind die Bewohner von Svartalfheim Zwerge. Aber im Zeitalter der Tolkienverfilmungen… Wobei sich The Dark Worlds Elfen natürlich in erster Linie an del Toros Hellboy – The Golden Army orientieren.

Der dritte Thor soll ja etwas leichtherziger sein; ich versuche mich daran, wenn die DVD günstiger geworden ist.

Fortsetzung

Und da wären wir. Ich bin glücklich. Thor: Ragnarok war ja teilweise stark kritisiert worden wegen seiner… sagen wir, farbenfrohen Elemente. Ja, er ist ein krasser Unterschied zu seinen Vorgängern. Aber diese Szenen kann man einfach ihres Slapsticks wegen genießen, während die Metaebene wieder voll ins Schwarze trifft. Schlichtweg großartig. Wie schon in den beiden ersten Thor-Filmen werden viele Elemente aus der nordischen Mythologie genommen und anders arrangiert, teilweise unglaublich clever. Thor erzählt von seiner Abneigung gegen Schlangen (ich lachte – siehe oben). Am besten jedoch: Loki löst tatsächlich Ragnarök aus, inklusive Schiff, in dem er ankommt, inklusive Surtur, dessen er sich (hier in einem komplett anderen Zusammenhang) bedient. Und wie in den Sagen bringt er unsere Helden in Schwierigkeiten und haut sie auch wieder raus, mit Witz und Stil und immer einem Hauch von Fiesheit. Gratulation, gelungen! Wenn nicht bonbonfarben, dürften die Bilder übrigens die besten der drei Thor-Filme sein.

Aber verkneifen kann ich’s mir doch nicht. Ausgewählte Marvel-Filme und ihre Titel im Original und in (neu)deutscher Übersetzung:

OT: Thor: The Dark World – Deutscher Titel: Thor: The Dark Kingdom
OT: Captain America: The Winter Soldier – Deutscher Titel: The Return of the First Avenger
OT: Thor: Ragnarok – Deutscher Titel: Thor: Tag der Entscheidung

Right.

Aus gegebenem Anlaß: Das Kleehaas-Werkverzeichnis wurde endlich mal wieder aktualisiert (ich habe es zu lange schleifen lassen). Wie immer rechts im Menübereich.

Durch die Lord-John-Geschichten habe ich ja ein bißchen was gelernt. Diese Schlacht des Siebenjährigen Krieges fand ich insofern interessant, daß nicht nur Lord Johns Erlebnisse während dieser* witzig und spannend geschildert wurden, sondern daß es sich um einen Punkt in Krefelds Geschichte handelt, den ich zu meiner Zeit ignoriert hatte – mich interessierte das frühe 20. Jahrhundert. Dumm gelaufen; die Landwehr hätte ich mir gern angeschaut.

* Fiktiv, nicht nur weil Lord John eine Romanfigur ist, sondern weil die britische Armee an dieser Schlacht nicht teilnahm.

Berichte der Zeit. Wer sich über die etwas einseitige Berichterstattung wundert: Österreich war damals mit Frankreich verbündet. Die Gegner waren mehrere deutsche Staaten, darunter Preußen und Hannover/Großbritannien (Personalunion unter den Georgen). Und was einseitig betrifft: Die deutsche Wikipedia konzentriert sich mehr auf die Folgen vor Ort (vermutlich geschrieben von den engagierten Krefelder Historikern), die englische kümmert sich auch um die in den Berichten erwähnten Gisors und Clermont.

Wienerisches Diarium, 5.7.1758

Schreiben aus der Gegend von Neuss 24. Junii.
Sie werden allbereits wissen, daß gestern zwischen denen Franzosen und Hanoveranern ein Treffen vorgefallen; da nun aber die Berichte hievon sehr unterschieden seyn werden, so hab ich vermeint, Ihnen ein Genügen zu thun, wann ich (der ich mich auf dem Schlacht-feld selbst eingefunden, und alles, so viel möglich, beobachtet hab) etwas zuverläßiges und umständliches von den Vorgang dieses Treffens einberichtete… Es ware vorgestern, als sich der Prinz Ferdinand von Braunschweig mit einigen Trupen nach Crevelt verfügte, und daselbst den höchsten Thurm bestiege, um die bey Vischelen stehende Französische Armee von allen Seiten zu übersehen und zu recognosciren. Die Franzosen wurden dieses zwar bald innen, schickten auch ein Detaschement auf Crevelt ab, die alda befindliche Hanoveraner aufzuheben; allein der Prinz Ferdinand ware mit denen Seinigen schon wieder glücklich von dar zu seiner, zwischen Hüls und Kempen gelagerten Armee zuruck gekehret, welche nun auf seinen Befehl gestern Morgen aufbrechen, und in 3. Colonnen gegen die Franzosen anrucken muste.
Als nun hierauf die voraus commandirte Französische Hussaren-regimenter von Turpin, Poleresky ec. eilends zu der Haupt-armee stiessen, so merkte man Französischer Seits den Hanöverischen Angrif, es wurden dahero von dem rechten Flügel die diesseits des Landförts (so ein alter tieffer Graben ist) dick gepflanzte Canonen auf die anrückende Hanoveraner loß gebrannt. Diese kamen jedoch, ungeachtet des Feuers, immer näher, und da man sollte vermutet haben, die Hanoveraner würden den Französischen rechten Flügel angreiffen so äusserte es sich bald darauf, daß sie es auf den Französischen linken Flügel gemünzet hatten. Ihre Cavallerie machte den Vortrab, und als diese, bis auf einige Entfernung, dem Französischen linken Flügel beygekommen ware, schwenkte sie sich seitwärts, da dann die Hanöverische Creutz weiß gepflanzte, und mit Cartuschen geladene Canonen, sich blos deckten, und darauf gegen letzt-gedachten Flügel ein entsetzliches Feuer gemacht wurde, welches man jedoch Französischer Seits auch triftig beantwortete. Mit dem Canonen- und darauf gefolgten Musqueten-feuer wurde von beyden Seiten sehr hitzig, und über 2. Stunden unabläßig fortgefahren; Es ergabe sich demnächst, daß die Hanoveraner zum Weichen genöhtiget wurden, diese aber machten mitlerweile mit einer Colonne eine Schwenkung, griffen den Französischen linken Flügel an einem anderen Ort unvermutet vom neuen, und zwar in der Flanque an, daß andurch der Französische linke Flügel weichen muste, worauf zwar vom rechten Flügel (der nicht zum Agiren gekommen, und durch Canoniren den Hanöverischen linken Flügel stäts repoußirte) 5. Regimenter Infanterie, und 3. Regimenter Cavallerie zur Verstärkung abgeschickt wurden, allein es war zu spät. Der linke Flügel bliebe in der Retirade, wobey aber die Französische Trupen noch immer mit dem besten Mut agirten und Stand hielten. Gegen 6. Uhren schwiege das Feuer von beyden Seiten, und man gerieht mit aufgepflanzten Bajonetten und Säbel hitzig aneinander. Endlich musten die Franzosen denen Hanoveranern weichen, sie retirirten sich aber in der besten Ordnung noch selbigen Abends von dem Kampfplatz, also, daß heute morgen das Hauptquartier nach Neuss, und die Armee auch in dieser Gegen zu stehen kame.
Der Verlust von beyden Seiten, ist dermalen noch nicht zu schätzen, doch ist leicht zu denken, daß es bey diesem hartnäckigen Gefecht vieler brafer Soldaten Leben gekostet habe. Das Französische Regiment Carabiniers du Roi und Schweitzer-regiment von Lochmann (welche Wunder der Tapferkeit bewiesen) haben ungemein stark, die Regimenter Champagne, la Marche, Auviguier ec. auch viel gelitten. Unter andern distinguirten Personen, ist der Graf von Gisors, einziger Sohn des Marschalls von Bellisle tödtlich bleßirt. Das Treffen hat ungefähr 7. Stunden, bis gegen Abends angehalten. Die andere und mehrere Umstände muß man der Zeit zur Erörterung überlassen.

Wienerisches Diarium, 8.7.1758

Cöln 27. Junii.
Die nahe Position, in welcher sich die Französisische und Hanöverische Armee am Nieder-rhein seit den 20. Junii befunden, hat endlich den 23. ein hitziges Treffen veranlasset, von welchem wir nunmehro aus dem Französischen Lager bey Neus folgende weitere Umstände liefern können. Den 23. rückten Se. Durchl. der Prinz Ferdinand unvermutet in 3. Colonnen gegen dem Französischen linken Flügel auf der Seite von Aurad an. Die Regimenter Brancas und Lochmann Schweitzer, welche sich an der äussertsten Spitze der ersten Linie befanden, hatten die gröste Hitze der ersten Attaque auszustehen. Um 11. Uhr zeigten sich die 3. Hanöverische Colonnen noch in der Entfernung, alleine gegen Mittag endeckte man ihr Vorhaben. Die 2. erst-benannten Regimenter griffen sogleich zu denen Waffen. Gegen 1. Uhr breiteten sich die Feinde in der Ebene aus, und man feuerte auf sie mit denen 2. Canonen deren besagten Regimentern. Allein eine halbe Stund hernach wurde die Canonade von der feindlichen Artillerie sehr lebhaft. Die Canonen deren Regimentern wurden hierauf vermehret, das Canoniren wurde hitziger, und die Brigaden von Marine und Touraine vereinigten sich mit denen attaquirten Regimentern. Um 2. Uhr griffen die Hanoveraner förmlich an, und das Musqueten-feuer ware von beyden Seiten sehr heftig. Die Regimenter Brancas und Lochmann hielten eine gute Stunde aus, und zogen sich nicht eher zur Armee, als bis sie sich verschossen, und von der Generalität hiezu Befehl hatten, welche sahe, daß sie bereits viele Leute verloren hatten. Die Hanoveraner rückten immer stärker an, und ihre Cavallerie und Hussaren würden unfehlbar die Französische Infanterie über den Hauffen geworfen haben, wann nicht der Graf von Gisors an der Spitze des Carabinier-corps die Infanterie und Cavallerie getrennet, und ersterer aus dem Gedränge geholfen hatte. Das Regiment Royal Roußillon manoeuvrirte gleichfalls mit aller Unerschreckenheit, und gegen Abend um 6. Uhr zog sich die Armee nach Neus zurücke, ohne daß sie bey ihrer Retraite verfolget worden.
Die Brigaden Marine, Tourraine, die Regimenter Couronne, Chartres, Brancas la Marche und Lochmann haben fast allein das feindliche Feuer ausgehalten. Sie repoußirten die 2. Hanöverischen Colonnen, die 25000. Mann stark waren 2. mal, und zogen sich wegen Uebrmacht zurücke, wobey der Graf von Rochambau die Arrier-garde führte. Auf der Ebene wurde er von der feindlichen Cavallerie coupirt, und verlor einen Capitain und etliche Soldaten, welche von denen Preußischen Dragonern niedergemacht wurden. Er repoußirte endliche diese Cavallerie mit Beyhülfe derer Bataillonen Couronne und Chartres. Die Brigade selbst verlor weder Canonen noch Fahnen, allein sie zehlet 71. Officiers und 528. Gemeine, Todte und Bleßirte. Das Regiment Chartres stunde am Walde, formirte ebenfalls die Arrier-garde, und beobachtete eine männliche Contenance. Der Verlust desselben bestehet in 27. Officiers, und 300. Soldaten. Das Regiment Couronne zehlet 39. todte und bleßirte Stabs-officiers, 13. Capitains bleßirt, 4. Leutenants todt, und bleßirt. An Gebliebenen rechnet man 350. Gemeine, 43. Grenadiers, 18. Canoniers. Bey nahe alle Sergeanten und Coporals seynd geblieben oder bleßirt. Die Carabiniers haben 60. todte und bleßirte Officiers, und 600. Gemeine verloren. Bey dem Regiment Roussillon seynd nur wenig Officiers ohne Wunden, und 2. todt. Das Regiment Lochmann hat 220. Mann verloren, und das von Brancas eben so viel. Der Graf von Gisors ist tödtlich bleßirt. Der Ritter von Muy hat 2. bis 3. Säbel-hiebe bekommen. Der Graf von Maille ist durch eine Canon-kugel tödtlich bleßirt. Der Graf von Montmorenci, der Graf Laurogais, und der Herr von Lochmann seynd gleichfalls bleßirt, und letzterem der Arm zerschmettert worden. Der Hr. Graf von Clermont hat sich alle Mühe gegeben, denen Officieren, und vornämlich denen vom Regiment Lochmann wegen ihres Wol-verhaltens seine Zufriedenheit zu erkennen zugeben. Er zog letztere mit an die Tafel, allwo die Generals und Prinzen speiseten.
Den 15. brache die Französische Armee in 5. Colonnen von Neus nach Wohringen auf, allwo sich dermalen das Haupt-quartier befindet. Die grosse Equipage komme über Zonst hieher, wann aber, oder wohin die Armee aufbrechen wird, ist noch unbekannt. Von denen weiteren Bewegungen derer Hanoveranern seynd gleichfalls noch keine Nachrichten eingeloffen.

Mal so gesagt

Die Wiederholung ist eines der wesentlichen Grundgesetze der propagandistischen Arbeit. Was der Mensch immer und immer wieder vernimmt, mag es auch mehr oder weniger falsch sein, erscheint ihm zuletzt als unumstößliche Tatsache. Es dauert nicht lange, und mancher plappert die durch Wiederholung gewonnene Erkenntnis nach. Man mag das bedauern, man es als Geheimrezept auffassen – rechnen muß man mit dieser menschlichen Eigenschaft.

(Max Radebeck in Rufer und Hörer, Januar 1952, zitiert in Schulfunk [Süddeutscher Rundfunk Stuttgart], 5. Jg. 1952)

Spuren

Im Fachwerker-Forum entdeckt und mich sofort sehr heimisch gefühlt. 🙂

… auf den Hundertwasser-Kindergarten schauend: An den Brandfleck kommt ein Pfeil dran, daneben schreibst Du „War ne geile Party!“ – und die Möbelkonturen malst Du nach und schreibst

„Omis Lieblingskommode“…

…“Der hässliche Schrank ist endlich weg!“…

… und „Platz für neues Sofa“…

… dran.
Sorry, der musste sein 😉

Dirk

🙂
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Ramona
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Lach, gar keine schlechte Idee. So könnten die geschätzt 7000 Macken des Hauses eine ganz neue Bedeutung gewinnen 🙂

Jep, gute Taktik. Werde ich übernehmen. 🙂 An den mysteriösen Buckel neben meiner Küchentür:

„Hast du einen Buckel?“
„Äh… nein.“
„Hier – hast du einen.“

(Drakensang-Spieler werden den verstehen.)

Oder an meinen feuchten Gewölbekeller: „Innenpool.“ (Pro m² können angeblich bis zu 100 l Wasser gespeichert sein.)

Oder…

Mal so gesagt

Yes, I can be committed to resisting fascism *and* refuse to support Antifa. Not only do I find Anifa’s frequently violent tactics objectionable, I cannot support any group largely composed of communists, socialists, and anarchists, political and economic systems I find almost as frightening as fascism.

(Caitlín R. Kiernan)