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Kürzlich überließ Muttern mir die Fotoalben und den Wehrdienstordner meines Vaters. Ich kannte die Inhalte natürlich von früherem Ansehen; aber nun nahm ich mir noch mal die Zeit dafür und amüsierte mich kräftig. Es war eine andere Zeit. Aber nicht unbedingt uncool.

„Jeder Soldat der Kompanie […] ist zur Rücksichtnahme verpflichtet, er hat Ruhe und Ordnung zu halten: lautes Singen, Pfeifen und Musizieren auf den Stuben sowie innerhalb des Kasernenbereichs ist verboten. Während der Dienstzeit ist das Spielen von Radio, Tonbandgeräten und Plattenspielern verboten. Das Türenschlagen mutwilliger oder fahrlässiger Art hat zu unterbleiben.“ Ich wünschte, das hätte mal jemand meinen gesammelten Nachbarn beigebracht…

(Vattern hätte übrigens keinen Wehrdienst leisten müssen, so waren damals noch die Bestimmungen: Sein Vater, Opa Wilfried, war im Krieg geblieben und Vattern der einzige Sohn der Familie – der Stammhalter also, der für die Fortsetzung des Namens zu sorgen hatte. Ich vermute, diese Regelung hing auch mit Rücksichtnahme gegenüber den Kriegswitwen zusammen.)

„Verhalte dich in der Öffentlichkeit stets so, daß das Ansehen der Uniform gewahrt wird. Von deinem Benehmen hängt der ganze Ruf der Bundesmarine ab.“

Yeah, right. Vattern, du bist ein wandelndes Klischee.

Mutti ist doch die Beste.


Jazzkapelle. Vattern trompetet links.

Mal so gesagt

Andererseits dürfte dieser Widerwille auch auf ein organisationssoziologisches und somit zeitloses Phänomen zurückzuführen sein, nämlich dass besonders in autoritären Strukturen […] ein gewisser Wiederholungszwang vorherrscht, der Reformen gegenüber grundsätzlich kritisch gegenübersteht: Das selbst Erlernte wird zum Maß aller Dinge erhoben und jede Veränderung erscheint, wenn nicht schon als Zeichen des Verfalls, so doch als lediglich dem Zeitgeist geschuldeter Reflex der ohnehin kritisch beäugten Politik.

(Martin Würfel: Das Reichsjustizprüfungsamt)

Top Searches

In meinen beiden Blogs tauchte in den Top Searches die Suchanfrage „ist abd ru shin christlich eingestellt ?“ auf. Die Antwort ist zunächst einmal eine Gegenfrage: Was genau ist mit „christlich“ gemeint? Ich vermute, es geht hier weniger um die christliche Kirche (obwohl das natürlich mit hineinspielt), sondern mehr um Jesus Christus. Ich erwähnte ja schon, daß mir Fragen zu dem Thema während der Israel-Reise gestellt wurden. Wenn hier also eigentlich gefragt wird, ob Jesus als Gottessohn angesehen wird, lautet die Antwort unumstößlich Ja. Wenn es um Jesu Lehre geht, lautet die Antwort ebenfalls Ja. Abstriche hingegen sind zu machen, wenn die Frage auch die kirchliche Lehre umfaßt. Sühneopfertod? Nein. (Eva Hermans hier besprochenes Buch enthält einen interessanten Teil dazu.) Erlösung durch den Glauben? Nein. Oder jein, sofern dieser Glaube auch die Tat beinhaltet.
Ich zitiere mal die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen:

Allerdings offenbart ein Blick auf die tatsächlichen Lehrinhalte, dass die Gralsbotschaft an praktisch keiner Stelle mit den christlichen Begriffen das meint, was die ökumenische Christenheit darunter versteht: Während Jesus Christus als Weisheitslehrer kam und scheiterte, wurde seine Heilsrolle durch Abd-ru-shin in vollkommener Weise erfüllt. Obwohl Abd-ru-shins Lehre über seiner Person stehen soll, sah er sich doch als den besseren Christus und betrachtete seine Familie und sich als heilsmittelnd („göttliches Trigon“). So wie Abd-ru-shin Jesus überlegen war, ist die Gralsbotschaft der Bibel überlegen. Es ist offensichtlich, dass all dies christlichen Vorstellungen diametral widerspricht.

Das ist, wie ich anmerken möchte, bis auf den ersten Halbsatz ausgekochter Quatsch. Nirgendwo wird etwas derartiges behauptet (bitte mal ein paar konkrete Quellen für eine solche Unterstellung!), und ohne auch nur den Hauch eines Zweifels hätte Abd-ru-shin dieses Konzept eines „Wettkampfes“ strikt zurückgewiesen. Auf wessen Mist wächst so etwas?

Wenn dennoch Kreuzträger häufig betonen, der Unterschied zum christlichen Glauben sei gar nicht so groß, so kann dies daran liegen, dass christliche Elemente in die persönliche Frömmigkeit hineingenommen werden (Bezug zu einem personal als Gegenüber erlebten Gott im Gebet z. B.), obwohl sie im Grunde nicht zur Gralslehre passen.

Sagt wer?
Nebenbei verrät dieser Absatz wie so oft mehr über den Verfasser als über die Thematik. Er (bzw. seine Quelle) geht hier klar von einem „christlichen“, sprich kirchlich-konfessionellen Hintergrund der Bekenner der Gralsbotschaft aus – das in der Kirche Gelernte wird mitgenommen in die neue Lehre.
Ob der Unterschied tatsächlich nicht so groß ist, wage ich hingegen zu bezweifeln. Ich verweise noch einmal auf meine Israel-Berichte. Mir kam der konfessionelle Teil der Reise schon sehr fremd vor. Berührungspunkte, ja. Davon gibt es viele. Gemeinsamkeiten? Hm…

Dabei ist aus christlicher Sicht das aktive Glaubensleben einer Tatreligion und das Bemühen der Anhänger um ein ethisch verantwortungsvolles Leben zu würdigen und nicht durch den Vorwurf der „Selbsterlösung“ leichtfertig zu entwerten, zumal die zugrunde liegende Ethik der christlichen nicht erkennbar widerspricht.

Und das ist, glaube ich, der springende Punkt. Danke dafür, Herr Funkschmidt. Irgendwo las ich auch einmal, besagte Ethik könne sogar als ein Vorbild für Christen gelten. Wie immer kommt es dabei natürlich darauf an, daß diese Ethik auch gelebt wird, aber das ist – ebenfalls wie immer – ja leider oft der große Unterschied zwischen Lehre und Ausübenden. Wie sagte Gandhi angeblich? „I like your Christ. I do not like your Christians. Your Christians are so unlike your Christ.“ Gilt ebenso für Bekenner der Gralsbotschaft.

Naja, nicht ganz. Im hiesigen Landesmuseum hat’s derzeit die Sonderausstellung “Saxones”, was ein nettes Zusammentreffen mit Eva Hermans neuestem Buch darstellt.
Bei mir hinterließ die Ausstellung allerdings in erster Linie die Anregung, einen Blogeintrag über Museumsausstellungen und Zeitgeist zu schreiben. Es ist ein bißchen peinlich, wie bemüht das Landesmuseum sich bei einem potentiellen Publikum anzubiedern versucht: Alles Game of Thrones und Migration. Seufz. Im Vergleich mit der Mykene-Ausstellung, die sachlich und interessant ist, ohne hip sein zu wollen, fremdschämte ich mich schon ein wenig. Niedersachsen halt. Immerhin: Endlich erfahren, warum die Sachsen nicht mehr in Niedersachsen sind, sondern in (Neu-)Sachsen.

Diesen Monat erschienen ist die ukrainische Übersetzung von Eine Frau in Berlin, die letztes Jahr in den Siggener Residenzen angefertigt wurde. Ich halte das natürlich nicht für Zufall. Es gibt überraschende Übersetzungen, wie zum Beispiel die aus Sri Lanka (deren Schrift gängige Programme nicht einmal über Sonderzeichen darstellen können). Aber nach all den Spannungen zwischen der Ukraine und Rußland in den letzten Jahren ist diese eher eine politische Aussage. Wobei Grauzonen nicht immer vermieden werden können: Eine durchaus prominente Rolle spielt schließlich „Anatol“ aus der Ukraine. (Der in Realität mit Bestimmtheit nicht Anatol hieß und vielleicht nicht aus der Ukraine stammte.)

Strahlende Zukunft

Es ist gut, daß ich längst allen Glauben an die Menschheit verloren habe, sonst hätte mich Hiroshima, Nagasaki von Paul Ham sehr deprimiert. Aber auch so faßt man es immer noch nicht, diese Denke dahinter oder die Rechtfertigungen und das Verhalten hinterher.

Dabei schlägt Ham einen weiten Bogen; die beiden Bombenabwürfe kamen ja nicht aus dem Nichts, sondern waren eingebettet in die militärische, wissenschaftliche und soziale Situation ihrer Zeit. Er räumt auch mit *dem* Fehlschluß schlechthin auf, der bis heute „Allgemeinwissen“ ist: Nämlich daß die beiden Atombomben zur Kapitulation Japans führten. Wie Ham anhand der Faktenlage zeigt, ist das schlichtweg falsch. Weder Hiroshima noch Nagasaki hatten irgendeinen ausschlaggebenden Einfluß auf die Entscheidungsträger, sondern der wesentliche Faktor war die Kriegserklärung der Sowjetunion. Der Mythos der kriegsbeendenden Atombombe entstand erst später, und zwar auf beiden Seiten: Japan brauchte eine „gesichtswahrende“ Erklärung für die eigenen Militärs („Gegen so etwas können wir bei aller Tapferkeit nicht gewinnen“), und die USA brauchten eine moralische Rechtfertigung („Es hat den Krieg beendet“). Die wahren Hintergründe sind sehr viel komplexer und, man glaubt es kaum, fast noch unmoralischer als der Abwurf zweier Atombomben.

Mythos Nummer 2, zumindest laut Ham: Die Atombombe war niemals im Gespräch für Deutschland. Seit 1943 galt nur Japan als Ziel. Etwas, das insbesondere jüdischstämmige Wissenschaftler, die an dem Projekt beteiligt waren, empörte, als sie es erfuhren.

Die handelnden Personen lesen sich mitunter wie Klischees aus einschlägigen Filmen – vielleicht waren sie tatsächlich Vorbilder für diese Klischees? Der Militär, der auf Biegen und Brechen seine neue Wunderwaffe ausprobieren will. Der Wissenschaftler, der nur Forschungsergebnisse und keine Personen hinter seiner Erfindung sieht. Der skrupellose Machtpolitiker. Der mit amerikanischem Pathos um sich werfende Präsident. Der Kassandrarufer. Und so weiter, und so fort.

Ich habe mal stichprobenartig geschaut, was die Presse der Zeit schrieb. Das wirklich Gruselige bei dieser Lektüre ist, daß ja aus der Natur der Sache heraus noch niemand eine Vorstellung hatte, was eine Atombombe eigentlich anrichtet. Es wird zunächst immer nur von der Zerstörungs-, sprich Explosionskraft dieser Bombe geredet. Natürlich verstanden die Journalisten herzlich wenig von dem wissenschaftlichen Hintergrund und wiederholten nur das, was sie von offiziellen Bekanntmachungen erfuhren und umsetzen konnten. Die deutschsprachige Presse, selbst wenn sie besser informiert gewesen wäre, unterlag der Zensur der Siegermächte. Innerhalb eines Jahres wurde allmählich mehr bekannt. Dabei tat sich vor allem die britische Presse hervor, wie anhand der Meldungen in den britischen Besatzungszonen zu ersehen.

Oberösterreichische Nachrichten, 7. August 1945
(Washington, 6. August) Präsident Truman gab heute bekannt, daß vor 16 Stunden durch Flugzeuge die größte, in der Kriegsgeschichte jemals verwendete Bombe, eine Atombombe, die eine stärkere Wirkung hat als 20.000 Tonnen Dynamit, auf den japanischen Armeestützpunkt Hiroshima abgeworfen wurde.
Die Bombe hat eine Sprengkraft, die zweitausendmal stärker wirkt als die bisher wirkungsvollste Bombe, die britische „Grand Slam Bomb“.

Österreichische Zeitung, 9. August 1945
London meldete am 8. August: Seit dem Abwurf der ersten Atombombe über Hiroshima sind zwei Tage vergangen. Noch jetzt hängen gewaltige Rauch- und Staubwolken über der Stadt. Bisher ist es Erkundungsfliegern nicht gelungen, die Wirkungen dieser neuesten und verheerendsten Waffe festzustellen.
In einem Kommaniqué aus Kwang wird bekanntgegeben, daß mehr als die Hälfte der Stadt Hiroshima durch die eine Atombombe zerstört wurde. Achtzehn Quadratkilometer der Stadt und Umgebung sind dadurch völlig verwüstet.

Österreichische Volksstimme, 6. September 1945
Amerikanische Korrespondenten haben jetzt Hiroshima besucht, oder richtiger, das Gebiet, wo einst diese Stadt gestanden hat. Die Korrespondenten berichten übereinstimmend, daß nichts, was sie in Hamburg, Berlin oder anderen deutschen Städten gesehen haben, dem Ausmaß an Zerstörung gleichkommt, das hier eine einzige Atombombe angerichtet hat.
„Schon zehn Kilometer außerhalb des Stadtgebietes“, heißt es in dem Bericht, „sahen wir umgefallene Bäume, abgerissene Dächer und eingestürzte Häuser. Das eigentliche Zentrum der Zerstörung umfaßt ein Gebiet von mehreren Quadratkilometern. Im Kern des Explosionsherdes der Atombombe war eigentlich nichts. Man kann nicht einmal von Trümmern sprechen. Man konnte nicht einmal feststellen, was hier einst gestanden war, ob Wohnhäuser, Fabriken oder sonstige Anlagen. Nichts ist übriggeblieben als Schutt. […]“

Eine geheimnisvolle Krankheit

13.000 Personen wurden bei dem Angriff schwer verletzt. Wahrscheinlich werden alle sterben. Täglich erliegen ihren Verletzungen 100 Personen. Ohne jeden sichtbaren oder feststellbaren Grund beginnt ihr Gesundheitszustand nachzulassen. Sie verlieren den Appetit, die Haare fallen aus, bläuliche Flecken werden auf ihren Körpern sichtbar und sie beginnen aus Ohren, Mund und Nase zu bluten.

Neues Österreich, 11. September 1945
Peter Burchett, Reporter des „Daily Express“, berichtet, daß er nach einem Besuch von Hiroshima in Tokio unter ärztliche Kontrolle kam, um festzustellen, ob seine weißen Blutkörperchen durch die Radioaktivität angegriffen worden seien. Das Blatt schreibt, Londoner und New-Yorker Wissenschaftler hätten herausgefunden, daß die ersten offiziellen alliierten Berichte aus Gebieten, die von Atombomben getroffen worden sind, die Nachrichten über die nachträgliche tödliche Wirkung der Bombe bestätigen.
„Im zerschlagenen Hiroshima“, schreibt der „Daily Express“, „sterben Tausende von Japanern an den nachträglichen Wirkungen der Bombe, der sie, als sie vor 36 Tagen fiel, glücklich entronnen zu sein wähnten.“
Radiumspezialisten sind der Meinung, daß alle Symptome auf radioaktive Strahlungen hinweisen, die nach der Explosion der Bombe ausgelöst worden sind. Die gefährlichsten sind die Gammastrahlen, die beim Zerfall der Uranatome entstehen. Es sind dies die durchdringenden Kurzwellenstrahlen, die bei der Krebsbehandlung Anwendung finden.
Die Ärzte sind der Ansicht, daß mit der Explosion der Bombe dichte Schauer von Gammastrahlen mit einer Sekundengeschwindigkeit von 300.000 Kilometer überallhin ausgestrahlt werden. Wenn sie den menschlichen Körper treffen, gehen sie durch, schädigen aber die Gewebe, Teile der Haut sterben ab, werden nach wenigen Tagen blau und verfallen. Die Haarwurzeln werden zerstört, nach einer Woche fallen die Haare aus. Am schwersten wird das Knochenmark geschädigt, wo die Erneuerung der Blutzellen vor sich geht. Wenn das Mark einmal den Gammastrahlen ausgesetzt war, kann es den Anforderungen des Blutes nicht mehr genügen. Schwere Anämie tritt ein, blutendes Zahnfleisch ist eines der Symptome.
Den britischen Physikern ist es unfaßbar, wie die Opfer dem dichten Gammastrahlenregen so nahe gekommen sein können, ohne der Explosion der Bombe zum Opfer zu fallen: „Doch wissen wir so wenig darüber, was bei einer Massenexplosion von Atomen vor sich geht, daß es nicht unmöglich ist, daß Schauer von Gammastrahlen im Umkreis von mehr als eineinhalb Kilometer niedergehen“, sagte ein Professor am Samstag.

Wiener Kurier, 20. Oktober 1945 (aus „Yank“)
Die wenigen überlebenden Japaner, die sich am 6. August, als die Atombombe fiel, in Hiroshima befanden, werden schweigsam, wenn man sie um eine Schilderung dessen, was sie während der Explosion und in den folgenden Stunden gesehen und getan haben, bittet. Statt jeder Antwort starren sie auf die Decke oder auf den Fußboden. Dann machen sie eine hilflose Geste und sagen etwa: „Die Stadt befand sich in dem ärgsten Zustand, den man sich vorstellen kann“, oder „es war über alle Vorstellung schrecklich“. Augenscheinlich waren die Leute in Hiroshima zu erschüttert, zu niedergeschmettert, als daß sie sich darüber klar geworden wären, was sie taten oder was um sie herum vorging an jenem Morgen des 6. August. […]
Ein Japaner sagte, er sei von der Erschütterung eine Woche lang taub gewesen, aber er habe keinerlei Explosion gehört. Aber die Japaner in der Fliegerstation Kuri, 12 Meilen weit entfernt, erzählten, sie hätten einen fürchterlichen Krach gehört. Vizeadmiral Masao Kanazawa stellte fest, die Wirkung hätte der eines Tornados geglichen. Es war ein „großer Wind“, sagte er, und die Bäume wurden bis auf den Boden niedergebogen.
Die Ärzte, die die Verwundeten von Hiroshima behandeln, erklärten, daß eine Menge der grausigen Geschichten, die über die Wirkung der Atombombe unter der Zivilbevölkerung in Umlauf sind, anscheinend doch auf Wahrheit beruhen. Leute, die, als die Bombe fiel, nur leicht verwundet wurden und solche, die erst Stunden später die Stadt betraten, wären an Schwund der weißen Blutkörperchen gestorben. Soweit sie dies feststellen könnten, wäre die Wirkung der Atombombe etwa mit einer übermäßig langen Bestrahlung mit einem sehr starken Röntgenapparat vergleichbar. […]
Sowohl unter den Japaner als auch unter den amerikanischen Soldaten in den Philippinen, in Okinawa und in den Marianen hat sich das Gerücht verbreitet, daß jeder, der sich selbst eine Woche nach der Explosion oder noch später in das betroffene Gebiet begibt, von der Radioaktivität des Bodens sterilisiert würde. Die japanischen Ärzte haben noch nicht Zeit gehabt, dieses Gerücht zu überprüfen. Sie glauben, daß die Opfer, die dem Bombardement selbst ausgesetzt waren, möglicherweise zeugungsunfähig sind, wissen aber noch nichts Sicheres. Sie wissen auch nicht, wie lange es wohl dauern wird, bis Hiroshima wieder ein vollkommen gesunder Wohnort sein wird.

Das Kleine Volksblatt, 30. Juni 1946
Knapp vor den Atombombenversuchen [im Pazifik] ist der erste ausführliche Sachverständigenbericht über die Wirkung der Atombomben veröffentlicht worden, die vor fast einem Jahr auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. Der Bericht, der von einer hochqualifizierten britischen Mission zusammengestellt wurde, führt u. a. aus: „Der Eindruck, den die beiden einst blühenden Städte machen, ist, daß sie in einem Augenblick und ohne Kampf in eine höchst primitive Existenzform zurückgesunken sind.“ […]
Die Schäden und Verluste wurden durch Explosion, Hitzeausstrahlung und Radioaktivität verursacht. […]
Die bedeutendste radioaktive Wirkung in Hiroshima und in Nagasaki scheint von den durchdringenden Kurzwellenstrahlungen ausgegangen zu sein, deren genaue Beschaffenheit unbekannt ist und die man als „Gamma-Strahlen“ bezeichnet. Sie drangen durch die Haut, ohne diese zu verletzen. Nach 24 Stunden traten Übelkeit, Erbrechen und Fieber auf, der Tod stellte sich in den meisten Fällen nach drei Wochen ein. Die Gamma-Strahlen schädigen das Knochenmark und verhindern die Bildung neuer Blutkörperchen.
Selbst feste Gebäude wurden von den Gamma-Strahlen durchdrungen und gewährten keinen Schutz.
Schwangere, die innerhalb tausend Yards von der Schadsmitte in Hiroshima am Leben blieben, hatten Fehlgeburten oder brachten Frühgeburten zur Welt, die bald starben. […]
Der Bericht schließt lakonisch: „Das Gesamtbild ist düster.“

Optimistisch zeigt sich dagegen die Weltpresse vom 2. September 1946:

Die Atombombe bestätigt alle Erwartungen hinsichtlich ihrer unmittelbaren zerstörenden Wirkung. Die Voraussagen der Wissenschaftler über ihre Auswirkungen sind jedoch erfreulicherweise nicht eingetroffen.
Was sich mit Hiroshima und Nagasaki ereignen würde, wenn die Atombombe fällt, war durch Experimente ziemlich genau vorherbestimmt worden. [Nope – es gab *einen* Test unter völlig anderen Bedingungen.] Das verderbenbringende Projekt war in jeder Weise ausprobiert worden; Reichweite und Vollständigkeit ihrer zerstörenden Wirkung waren bekannt. Viele Menschen, die den Gedanken an die Massenzerstörung haßten, wurden durch die Hoffnung besänftigt, daß diese neue Art der Kriegsführung binnen wenigen Sekunden den Krieg beenden und tausende andere Opfer verschonen würde. Hiroshima und Nagasaki erlitten Wunden, die für das japanische Imperium tödlich waren. Das hatte man erwartet, das wurde auch erreicht.
Aber was die zeitliche Nachwirkung der Radioaktivität betrifft, waren die Wissenschaftler mehr oder weniger auf Spekulation angewiesen. Mit verschiedener Abstufung von Bestimmtheit sagten sie voraus, daß alles Leben – tierisches und pflanzliches – für viele Jahre unmöglich sein und daß das Gebiet der Explosion in eine verbrannte, öde Wüstenei verwandelt werden würde. Ihre Vorhersagen haben sich nun als falsch erwiesen. Sie unterschätzten die Widerstandskraft des Menschen und der Natur.
In den beiden ausgebombten Städten erheben sich bereits wieder Häuser und beginnt sich jede Art von menschlicher Tätigkeit zu regen. Die Erde, von der man erwartet hatte, daß sie unfruchtbar werden würde, bringt wieder Blüten hervor und trägt Früchte.
Bedeutet dies, daß die Schrecken des Atomkrieges über Gebühr vergrößert wurden? Diese Annahme wäre grundfalsch. Die Tötung von Menschen und die Devastierung ganzer Städte würde so umfassend sein, wie es die Wissenschaftler errechnet haben. Unsere Zivilisation würden zum erheblichen Teil verschwinden, sollte die Bombe jemals in einem neuen Krieg eingesetzt werden. Aber die bisher gewonnenen Resultate beweisen endgültig, daß die Welt es zumindest überleben wird. Einzelne Menschen, mit einer wunderbaren Immunität ausgestattet, werden aus den Ruinen hervorkriechen und so gut sie es vermögen, wieder zu bauen beginnen, Nahrungspflanzen und Blumen werden der Absicht der Wissenschaft, alles zu zerstören, Trotz bieten.

Das neue, atomare Zeitalter schlug die Menschen in seinen Bann, wie wir es uns heute überhaupt nicht mehr vorstellen können. Ham führt so einige Beispiele an, aber auch hierzulande machte es sich bemerkbar. Eine Ausgabe der Ins neue Leben beispielsweise widmete ihre Cartoon-Seite der Atomkraft (man liest es heute mit einer gewissen skeptischen Faszination), und mindestens ein sehr früher Nachkriegs-Science-Fiction-Roman nimmt sich des Themas an. (Nicht wirklich wissenschaftlich fundiert, aber es spiegelt eben das Verständnis und die Ängste des gemeinen Fußvolks zur Atomspaltung wider.) Nebenbei war in Sci-Fi-Filmen der 50er sowieso immer die Atombombe das rettende Element vor Aliens und Monstern aller Art. Ich vergleiche das ganz gern mit, sagen wir, Independence Day: Heutzutage schmeißen unsere Filmmilitärs, diesmal natürlich höchst ungern, die Atombombe auf die bösen Aliens, aber sie zeigt keine Wirkung. (Außer große Landstriche zu verseuchen, danke auch.) Das ist ein interessantes gewandeltes Verständnis. Die Wunderwaffe ist keine, und man kann sich ihren Einsatz gleich sparen. Köpfchen statt brute force bringt viel mehr.

„Oh, that’s your answer to everything: Just use the atom bomb.“

Zum ersten Mal in meinem Leben als Wahlberechtigte wußte ich nicht, wen ich wählen sollte. Es ist immer ein Haken an der Sache. Die Dinge, um deretwillen ich eine Partei wählen würde, werden absehbarerweise aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt; dafür dann die Dinge, die mich am Parteiprogramm stören. Wie man’s macht, ist es falsch.
Die etablierten Parteien haben bei mir verloren. Nach einigem Rumhorchen wird die Stimme wohl an eine kleinere Partei gehen, die meine Werte noch einigermaßen vertritt. Oder vielleicht nehme ich Die Partei. Wobei deren Wahlplakate auch jegliche Satire verloren haben.

Ein Wort zum…

Wo bleibt Gehorsam dem zehnten Gebote Gottes, möchte man den Staaten warnend zurufen! In der erbarmungslosesten Begier strebt jeder der irdischen Staaten nur nach dem Besitz des anderen! Sie scheuen nicht vor Einzelmord, auch nicht vor Massenmord dabei zurück, nicht vor Versklavung ganzer Völker, nur um sich selbst damit zur Größe aufzuschwingen. Die schönen Reden über Selbsterhaltung oder Selbstschutz sind nur Ausflüchte, weil sie selbst deutlich fühlen, daß etwas gesagt sein muß, um diese ungeheueren Verbrechen gegen die Gebote Gottes etwas abzuschwächen, zu entschuldigen!

(Abd-ru-shin: Die zehn Gebote Gottes / Das Vaterunser)

It does give me pause to wonder what has happened to feminism when intelligent people can’t distinguish between a strong, assertive woman and a cold-blooded sociopath.
(Diane Reynolds über „Feminismus“ in Game of Thrones)

„Die Sache ist ja die: Wir entfernen uns immer weiter von der Natur, wissen nicht über Stockenten und ihr Gedächtnis Bescheid, weil wir zu beschäftigt sind mit Sex and Crime auf einem Planeten, den es gar nicht gibt.“
(Kollege D rückt die Dinge in die richtige Perspektive. [Die Stockenten sind Interna.])

Eigentlich wollte ich gar nichts zum Ende von GoT schreiben. Aber eine Diskussion mit einem Kollegen (*nicht* Kollege D mit den Stockenten) ließ mich nachdenken. Es geht da gar nicht mal so um unterschiedliche Meinungen – wir haben fast komplett entgegengesetzte zum Ende, aber wir haben auch sehr unterschiedliche Ansprüche an eine Geschichte, von Weltsichten ganz zu schweigen. Nein, ich fing an, über Feminismus in Fiktion nachzudenken. In Fiktion deshalb, weil in dem Bereich offensichtlich Ansprüche gestellt werden, die in der Realität weder funktionieren würden noch irgendetwas mit Gleichberechtigung zu tun hätten. Interessantes Paradox. Es wirft natürlich auch eine Menge Fragen auf.

Ich habe GoT nie als politisches Manifest gesehen. Es ist eine Fantasy-Geschichte, die sich selbstverständlich an realer Politik und realer Geschichte anlehnt, aber das macht sie nicht zu einem Politikum. Es macht sie zu einer Produktion, die den Zeitgeist widerspiegelt.

Staffel 8 hat ein klares Thema. Es ist so klar, daß es schon wieder plump wirkt, weil es so oft wiederholt wird. Es lautet „Tod und Erinnerung“. Erinnerung wird definiert als der Gegensatz zum Tod. Deshalb erhält das Gedenken an die Toten wie auch an die Geschichte eine solche Wichtigkeit. Damit verbunden ist etwas, das ebenfalls überproportional oft zur Sprache kommt, nämlich daß die Vergangenheit das Jetzt formt: Die handelnden Personen sind das, was sie sind, weil sie all diese Dinge in ihrer Vergangenheit erlebt und getan haben.
Spoiler-Beginn!
Daraus erschließt sich nun nicht, daß diese Dinge als „in Ordnung“ empfunden werden, wie mein Kollege kurzerhand behauptete: „Sansa hält die Vergewaltigungen für okay.“ Falsch. Sie hat die beiden verantwortlichen Männer niedergemacht, wie man sich erinnert.

Viel irritierender fand ich jedoch die Aussage, die Frauen der Handlung seien von ihren Scenario- und Drehbuchschreibern „verraten“ worden. Ich kann diesen Vorwurf schlicht und einfach nicht nachvollziehen. Es ist kein Kampf der Geschlechter, sondern ein Konflikt der Charaktere. Ihr Geschlecht spielt dabei keine Rolle; *dieser* Kampf wurde natürlich thematisiert und ist von wesentlicher Bedeutung für die Charakter- wie auch die Storyentwicklung, aber das Ende hätte sich ebenso logisch abgespult, wären die Geschlechter vertauscht gewesen.
Überhaupt: Angenommen, Jon hätte seinen Anspruch auf den Thron durchgesetzt, und er wäre zum Massenmörder geworden, und Dani hätte ihn umbringen müssen – das wäre akzeptabel? Würde da jemand protestieren und eine Geschlechterfrage daraus machen? Aber so ist die Schnellschußreaktion: „Dani wird von einem Mann getötet! Frauen dürfen sichtlich nicht auf dem Thron sitzen!“
Ähem. Sansa sitzt auf einem Thron, die erste Königin ihres Landes, dessen Unabhängigkeit sie durchgesetzt hat. Wo ist das jetzt Verrat am Charakter?
Nebenbei: Danis Ende ist gehetzt, ja. Man hätte das etwas auseinanderziehen sollen. Aber es ist nicht übers Knie gebrochen, sondern es wurde seit langer Zeit angedeutet und vorbereitet. (Nachtrag 31.5.19: Gerade die 5. Staffel noch einmal gesehen, und es ist verblüffend, wie viele Hinweise dort schon gestreut werden, nicht nur Daenerys betreffend.) Dani durchläuft eine Entwicklung, aber die ersten Zeichen für ihren Größen- und Verfolgungswahn manifestieren sich bereits in Staffel 1. Sie nehmen im Laufe der Serie zu. Weil sie aber so gern als Heldin und starke Frau angesehen wird und ja nun mal trotz allem sympathisch ist, verdrängt der Zuschauer die Warnzeichen zu leicht.

I fear some people may have misunderstood my meaning as regards Games of Thrones last night. In point of fact, I think „The Bells“ was brilliant. It was even beautiful, at times. It was also horrific, one of the most horrific things I ever have seen on TV, but it was brilliant, and it follows logically from all that has gone before it. That it isn’t the way I wanted things to go is irrelevant. That it was painful to watch is irrelevant. That it means someone you and I might have loved and might have thought of as a hero is actually an insane, mass-murdering villain, that’s irrelevant. It was always one possible outcome, Daenerys losing herself to madness, one that has seemed ever more likely the last couple of seasons. And it was done right. Bravo, no matter how hard it was for me (or you) to watch.
(Caitlín R. Kiernan)

Uund: Wer wie ich begeistert auf solche Sachen achtet, hat vielleicht bemerkt, daß es sich bei Danis Tod um eine Spiegelszene handelt! Ihr Vater beabsichtigte, die Stadt niederzubrennen, und wurde von jemandem, dem er vertraute, ermordet, um das Unheil zu verhindern. Dani brennt die Stadt nieder und wird ebenfalls von jemandem, dem sie (einigermaßen) vertraut, ermordet, um Schlimmeres zu verhindern. Beide Szenen finden an genau der gleichen Stelle statt. Und sie sind kein Geschlechterkampf, sondern eine griechische Tragödie: Der unlösbare Konflikt zwischen Treueschwur bzw. Liebe und Gewissen.

Völlig bizarr wird es dann, wenn Brienne dadurch „verraten“ wird, daß sie um den geliebten Mann weint. Total reaktionär! Starke, emanzipierte Frauen weinen doch nicht, schon gar nicht um einen Mann! Jedenfalls nicht, wenn sie – wie Brienne – vorher immer eine Steinmiene trugen. Gefühle zeigen ist Rückschritt! Okay, sie war seit Jahren in Jamie verliebt (auch so ‘ne grenzwertige, weil weibische Sache); okay, sie war für eine kurze Zeit glücklich mit ihm; und okay, er verläßt sie und zieht in den ziemlich sicheren Tod, weil er die andere mehr liebt. Hätte Brienne ihm einen Tritt in den Allerwertesten mit auf den Weg gegeben, alles wäre gut. Aber Tränen? Ja, pfui Teufel, was für ein frauenbeleidigendes Klischee!
Als emanzipierte Frau fühle ich mich beleidigt, ganz ehrlich. Und zwar von dieser Erwartungshaltung, wie sich starke Frauen in Fiktion offenbar zu verhalten haben.
Wenn Männer weinen, ist die Darstellung in Ordnung, das ist schließlich fortschrittlich und entspricht keinem veralteten Rollenbild. Weinen Frauen, ist das ein Rückschritt in Zeiten, in den Frauen auf der Leinwand immer nur flennen durften. Die Frauen von heute sind die harten Männer von gestern.
Ich habe ein Problem damit.
Natürlich wünscht sich niemand die Art von Filmen zurück, in denen Frauen sich als hübsches, aber nutzloses Beiwerk herumdrücken durften oder permanent gerettet werden mußten. Aber irgendwie schlägt das Pendel derzeit ins andere Extrem aus. Ich denke zum Beispiel an die ersten beiden Staffeln von True Detective, deren weibliche Helden ein völlig unerreichbares Ideal präsentierten. Die Superfrauen. Sie sollten vielleicht bewundert werden, aber de facto konnte man sich ihnen nicht nähern. Sie waren unnahbar und damit aus der Natur der Sache heraus un-sympathisch. Wenn das das neue Frauenbild in den Medien ist, dann ist der Feminismus irgendwo falsch abgebogen.
Da habe ich doch lieber eine starke Heldin, die ihren Mann stehen und gleichzeitig Gefühle zeigen kann. (War da nicht was mit dem alten Vorwurf: „Nie zeigt er Gefühle“?)
In The Lord of the Rings haben sie die Kurve noch gekriegt. Auch dort war ja zuerst geplant, aus Arwen eine weitere schwertschwingende Amazone zu machen – offensichtlich das einzige Bild, das in den Köpfen auftaucht, wenn von einer starken Frau die Rede ist. Bis heftige Fanproteste dann ein Umdenken der Verantwortlichen bewirkten. „Vielleicht kann frau auch auf andere Art stark sein…“

Auto(metro)nom

Ich sitze ja gewissermaßen an der Quelle, was die Entwicklung in Sachen autonomes Fahren betrifft – sämtliche Fachzeitschriften zum Thema halten bei uns im Büro Einzug. Von den Monographien, Forschungsberichten etc., die generell im Haus angekommen, gar nicht zu sprechen. Im Straßenverkehr bin ich als Radlerin eher skeptisch, gerade weil ich schon so einiges über die elektronische Erkennbarkeit von Radfahrern gelesen habe. *Aber*! Wir erhalten ja außerdem alles zum Thema Schienenverkehr und Straßenbahnen. So zum Beispiel die Zeitschrift Der Fahrgast, in deren aktueller Ausgabe mehr Schienenkapazität (in Form von mehr Gleisen), nicht weniger (in Form von enger getakteten Zügen) gefordert wurde. Als Berufspendlerin stimme ich dem völlig zu. Die Züge haben sowieso fast ständig Verspätung. Eine engere Taktung führt im Dominoverfahren zu noch mehr Verspätung. Und ich bin generell der Meinung, angesichts der steigenden Bevölkerungszahl brauchen wir dringend eine Erweiterung des Zugverkehrs. Hey, ich fahre mindestens fünf Tage die Woche, plus berufsunabhängige Touren. Ich weiß, wovon ich spreche.

Ein Problem, das dabei allerdings noch gar nicht angesprochen wurde, ist der Fahrermangel. Wie in so vielen Bereichen fehlt es ganz einfach an Leuten. Da kann man noch so einen engen Takt vorgeben oder mehr Züge einsetzen; wenn niemand da ist, um die Dinger zu fahren, hat sich der ganze Plan von vornherein erledigt.
Nehmen wir mein alltägliches Beispiel. Heute fiel zum zweiten Mal innerhalb von knapp zwei Wochen mein morgendlicher Zug schlichtweg aus. Vermutlich war wieder ein Fahrer krank geworden, und es gab keinen Ersatz.

Und nun überlegte ich. Wenn schon jeder in der Industrie so scharf auf autonome Fahrsysteme ist, warum fängt man nicht im Schienenverkehr an? Abgesehen von den üblichen Bahnübergangsstörungen oder „Personen im Gleis“, bei denen ein menschliches Auge in der Tat entscheidend ist, wären Züge doch die idealen Kandidaten dafür. Sie laufen auf Schienen. Weichenstellungen erfolgen sowieso längst ferngesteuert. Signale entlang der Strecke sollte ein Computer problemlos lesen können. Ein Tracking vorausfahrender Züge gibt es laut Fahrgast bereits oder ist schwer in der Entwicklung.

Ich halte das für eine erheblich bessere Lösung als autonome LKWs oder gar LKW-Kolonnen, ganz ehrlich. Die mögen auf Amerikas weiten Flächen funktionieren, aber nicht in einer europäischen Innenstadt. Von PKWs will ich gleich ganz schweigen. Autonome Züge hingegen kann ich mir sogar gut vorstellen.