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Mal so gesagt

Jeder einzelne Mensch nimmt sein Ich überall mit hin. Es sind sehr wenige, die in schlimmen Zeiten über sich selbst hinauswachsen; sehr wenige fand ich, die diese Prüfungen hinnahmen, um die nötigen Schlüsse daraus zu ziehen. Gott wurde in einem Ausmaß geleugnet, daß einem das Herz weh tat. Ohne ein sehr tiefes Gottvertrauen hätte ich selbst diese drei schlimmen Jahre nicht überstanden. […] Jeden Morgen oder Abend […] habe ich die Erkenntnisse der durchlebten Stunden überdacht, und ich kann sagen, daß die äußere Armut durch geistigen Reichtum überwunden werden kann.
(Resi Weglein)

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Rupi, I love you!

Beim Querklicken auf Amazon entdeckt: Diese Rezension samt dazugehöriger Kommentare. Sie sind leider nicht ganz chronologisch, und die von Amazon angegebene Zeit scheint mir auch irgendwie merkwürdig.
https://www.amazon.de/gp/customer-reviews/R3BABN8HE90OA2/ref=cm_cr_getr_d_rvw_ttl?ie=UTF8&ASIN=B00S5VYVNI

Kommentator Rupi jedenfalls ist ein Quellenkritiker nach meinem Herzen. Genau so sieht es nämlich oft aus, wenn man mal anfängt zu prüfen. Leider bezeugt die Erfahrung, daß, wenn die Wahl zwischen Wahrheit und Mythos/interessanter Geschichte/gut anzubringenden Gerüchten besteht, immer letzteres gewinnt. Marta ist nur ein Fall von vielen.

Ein Wort zum…

Die Menschen stehen abseits von dem Herrn, weil sie selbst Herren werden wollen auf der Erde! Und trotzdem führen sie den Namen Gott jetzt mehr im Munde als zuvor, um ihn für ihre Eigenzwecke zu benützen, als Schild voranzutragen, reines Wollen damit anzuzeigen.
Doch ihr Inneres hat mit dem so gezeigten Schilde nichts zu tun; denn ihre Seelen sind von Mißtrauen erfüllt, aus Furcht, es könnte ihnen jemand streitig machen, was sie selbst erstreben: Erdenmacht und Erdeneinfluß.
Und dieses Mißtrauen trübt jedes reine Wollen, es zerrt hinab, macht ungerecht, fanatisch und erhöht den Mißbrauch des Heiligen Namens „Gott“!

(Abd-ru-shin: Ermahnungen, Vortrag „Mißtrauen“)

Mal so gesagt

Erst viel später, als ich mich viele Jahre danach in der Bundesrepublik niederließ, lernte ich, dass solche Gedankengänge nicht erlaubt sind – das wäre „Aufrechnung“, wäre der Versuch, die Einmaligkeit und Ungeheuerlichkeit der deutschen Schuld zu relativieren. Es schien mir, als sehen sich die Bundesdeutschen als die Weltmeister der Schuldgefühle und zugleich aufgrund ihrer Sühneanstrengungen und ihres Wiedergutmachungseifer als Weltmeister der Moral.

(Wolf-Dieter Storl)

Zwei Bücher gab’s zum Wochenende auch: Heiko Bräunings Mein Deadline-Experiment und Wolf-Dieter Storls Mein amerikanischer Kulturschock – Meine Jugend unter Hillbillies, Blumenkindern und Rednecks.

Das Deadline-Experiment las sich in der Vorankündigung recht vielversprechend: Der Autor setzte sich ein fiktives Todesdatum (knapp vier Jahre in der Zukunft) und beobachtete, wie sich seine Einstellung zum Leben dadurch veränderte. De facto war das Buch nun aber nicht sonderlich umwerfend – ganz nett, aber mehr auch nicht; eher allgemein und (dem Job des Autors geschuldet) seelsorgerisch gehalten. Amüsant waren einzig und allein die Reaktionen einiger Bekannter und Gemeindemitglieder, die sich entweder ereiferten, vier Jahre sei doch viel zu bald – die Kinder bräuchten ihn doch noch! („Recht hat sie! Aber wie war das bei der befreundeten Familie, deren Papa Andreas bei einem Motorradunfall mit 42 Jahren ums Leben kam?“) – oder aber unkten, er solle doch nichts herausfordern… so, als ließe sich der Tod herbeireden. Letzteres ist ein so verbreitetes Phänomen, das mich jedesmal wieder lachen läßt. Bloß nicht vom Sterben reden, das ist morbide – und wer weiß, vielleicht fällt man ja im nächsten Augenblick tot um, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt!

Storls neuestes Werk ist dagegen extrem lesenswert. Der Sohn deutscher Nachkriegsauswanderer beschreibt seine Jugend im Mittwesten der USA und seine Erfahrungen als Student und später Dozent an verschiedenen Universitäten während der 60er Jahre, inmitten von Flower Power, Rassenunruhen und dem Aufeinanderprallen gesellschaftlicher Ansichten und Lebenssysteme. Allein die unglaublichen Charaktere, von denen das Buch wimmelt, sorgen immer wieder für hilflose Lachattacken. Weniger witzig, wenn auch auf andere Art irgendwann belustigend, ist die Arbeit des Korrekturlesers. Ich hoffe, selbiger war nicht Dr. Willi Dommer (Lektorat). Falls doch, frage ich mich, welche Art Doktor er ist. Ein derartig von orthographischen Fehlern strotzendes Buch ist mir noch nicht begegnet. (Naja – vielleicht die Studienhefte des ILS-Geomantiekurses.) Grundsätzlich werden alle englischen Komposita mit Bindestrich geschrieben, wo keiner hingehört, während die deutschen Komposita, die einen Bindestrich erfordern, keinen erhalten. Und die Großschreibung von „Sie“ als Anredeform wird auch gern vergessen. (Dankbarerweise wird nicht, wie leider inzwischen oft gesehen, im Gegenzug Plural-Personalpronomen „sie“ großgeschrieben.) Und von den Kommas will ich gar nicht anfangen. Daß einer von Storls Freunden eine Datei im Schreibtisch gefunden haben will, ist hingegen fast schon ein netter Fehler: Verdammte Zweisprachigkeit! Nein, der Gute hat natürlich keine Zeitreise in die Computerära unternommen, sondern a file ausgegraben, eine Akte – was im elektronischen Äquivalent später eben als Datei übersetzt wurde.

Außerdem liegt gar keine zwingende Notwendigkeit vor, böswillige Gegner unbedingt überzeugen zu wollen! Es ist doch bekannt, daß diese nicht zu glauben bereit sein würden, auch wenn ein Engel direkt vom Himmel käme, um ihnen die Wahrheit zu verkünden. Nach dessen Weggange würden sie eben behaupten, daß es eine Massenhalluzination gewesen sei, nicht aber ein Engel, oder sonst eine Ausrede gebrauchen. Und wenn irgend etwas oder jemand gebracht wird, das oder der irdisch bleibt, also nicht wieder verschwindet oder unsichtbar wird, so gibt es wieder andere Ausflüchte, gerade weil es den an ein Jenseits nicht Glaubenwollenden wiederum zu irdisch sein würde. […]
Sei es nun zu irdisch oder unirdisch oder auch beides zusammen, etwas werden sie immer auszusetzen und zu bezweifeln haben.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Moderne Geisteswissenschaft“)

The Case for Christ (dt. Der Fall Jesus) kam früher als zunächst angekündigt – so mag man’s. Auch den Film selbst mag man; von allen christlichen Produktionen, die ich bislang gesehen habe (und es waren so einige), gefiel er tatsächlich am besten. Ausgezeichnet geschrieben, inszeniert und geschauspielert – es gibt nichts zu meckern. Sicher, einige Argumente werden nie oder zumindest nicht vertieft angebracht, aber die Stärke des Films ist eben, daß es gar nicht in erster Linie um schlagende Argumente geht. Die Suche nach ihnen macht Lees Storyline aus, aber das eigentliche Zentrum des Films ist die Beziehung zwischen Lee und Leslie, die Spannungen, die durch ihre plötzlich weit auseinanderklaffenden spirituellen Ansichten entstehen, aber auch ihre Liebe zueinander, die verzweifelt versucht, die Kluft zu überbrücken. Wunderbare schauspielerische Leistung von Mike Vogel und Erika Christensen!

Die vielleicht beste (und für einen christlichen Film beachtliche) Aussage darf am Ende Lees atheistischer Mentor Ray machen: Egal, ob man sich nun für Theismus oder Atheismus entschiede, beides erfordere einen „leap of faith“, da so oder so immer Fragen offenblieben, nie alles erklärt werden könne.
Das sehe ich als Bekennerin der Gralsbotschaft zwar etwas anders, aber es ist viel Wahres dran. Und eigentlich auch ein versöhnlicher Gedanke zwischen beiden Lagern.
Beste Figur des Films ist natürlich Lees Kollege Kenny, der als der Statler und Waldorf der Handlung Lees Werdegang kommentiert…

Ganz persönlich berührte The Case for Christ auch – meine Eltern führten so eine „spiritual mismatch“-Ehe, und es war mörderisch. Und das, obwohl ich die schlimmste Zeit, als meine Mutter zur Botschaft fand, gar nicht miterlebt habe.
Mein Vater war Zeit seines Lebens theoretischer, aber nicht praktizierender Christ: Er war getauft, und als ich klein war, betete er abends mit mir, aber ich kann mich nicht erinnern, daß er jemals in die Kirche gegangen wäre oder die Bibel gelesen hätte. Wie seine spirituelle Überzeugung aussah, weiß ich nicht; über solche inneren Dinge sprach er nie. Ähnlich wie Lee Strobel (er beschreibt das in seinem Buch Spiritual Mismatch sehr anschaulich) sah wohl auch mein Vater seine Ehe, seine Beziehung zu meiner Mutter durch ihren neuen, ihm so völlig fremden Glauben bedroht; plötzlich war alles anders. Und wie Lee Strobel reagierte auch er mit kompletter Feindseligkeit. Als er Jahre später herausfand, daß ich angefangen hatte, nach der Botschaft zu leben, führte das zu dem übelsten Krach, den ich je zwischen meinen Eltern erlebt habe – und ich habe oft die Fetzen fliegen erlebt. Wann er sich mit den Tatsachen abfand oder resignierte… keine Ahnung. Es herrschte ein stillschweigendes Übereinkommen, nicht darüber zu sprechen.

Mal so gesagt

Ähnlich wie kriegführende Regierungen, die ihrem Volk immer nur Siege berichten, aber die Niederlagen verschweigen, so hören wir auch aus den Kreisen der Medizin nur von Siegen über die Krankheiten. Nach so vielen gemeldeten Siegen dürfte aber langsam vom Gegner keine Spur mehr zu sehen sein…
(Thorwald Dethlefsen)

Bekommt man als Empfehlung von Amazon, wenn man die DVD The Case for Christ (dt. Der Fall Jesus) bestellt. Logischerweise, denn Lee Strobel ist ja nun mal der Autor des gleichnamigen Buches – oder der Bücher, denn es gibt verschiedene Versionen je nach Zielpublikum. Mehr zum Film, sobald ich ihn gesehen habe; aber ich finde definitiv das deutsche Buchcover der Jugend-Ausgabe sehr gelungen (und erheblich besser als das Original).

Des weiteren: Fallen gelesen, wegen vermeintlich geraffter Filmadaption; stellt sich heraus, daß der Film mehr als nur Band 1 rafft, was aber auch sinnvoll ist, da das Buch extrem wenig Inhalt hat. Die Autorin ist zu sehr damit beschäftigt, ihre offensichtlichen Steckenpferde Amerikanischer Bürgerkrieg, Deep South und Filme der 50er und 60er einzubauen (meist völlig ohne Sinn und Verstand), um zu bemerken, daß sie vergessen hat, ihrer Heldin ein Hirn zuzuschreiben, von einem Rückgrat ganz zu schweigen. Ich mußte der Bösewichtin in der großen dramatischen Szene völlig recht geben: Das Mädel kann nichts, merkt nichts und denkt nichts außer vielleicht ihre eigenen, selbstgeschaffenen Miniprobleme. Und die Handlung führt auch nirgendwohin außer zu Band 2. Fortsetzung folgt. Nope, lohnt das Lesen eindeutig nicht.

Mal so gesagt

Auf Werner Huemers Seite entdeckt und mich gut amüsiert. Ich werde ja gern als pingelig und kleinlich bezeichnet, weil es mir um solche Unterscheidungen geht und bequeme Schlagworte (Fake News!) ein rotes Tuch für mich sind.

Die Grenze zwischen Tatsache und Meinung verschwimmt – nicht nur im Internet. Aber wen interessiert das?

Ein Mädchen berichtet in einem „YouTube“-Video von ihrer Nahtoderfahrung. Sie habe sich im Verlauf einer lebensbedrohlichen Erkrankung plötzlich über ihrem Körper befunden, auf diesen hinabgesehen und die Ärzte beobachtet, die um ihr Leben kämpften.

Unter dem Video sind Kommentare von Zusehern zu lesen, denn längt ist das Internet vom Informations- zum Kommunikationsmedium geworden. Empfangen allein ist zu wenig, es soll auch gesendet werden, die eigene Meinung zum Gesehenen, Gehörten, Gelesenen, die eigene Weltsicht der Welt präsentiert werden.

Also kommentiert jemand: „Alles Einbildung. Eine NAHtoderfahrung ist eben keine TODerfahrung. Wenn im Gehirn nichts mehr läuft und das EEG 20 Minuten nach einem Herzstillstand nur noch die Null-Linie zeigt, dann erlebt der Mensch auch nichts mehr.“

Zweiter Kommentar: „Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass diese Erfahrungen nur letzte Stressreaktionen des Gehirns sind. Wer an andere Märchen glauben will, soll das ruhig tun.“

Dritter Kommentar: „Ich glaube dem Mädchen. Ihre Augen zeigen mir, dass sie die Wahrheit sagt.“

Vierter Kommentar: „Der Mensch findet die Liebe nur in Jesus Christus.“

In dieser Art, üblicherweise garniert mit orthographischen Fehlern, die zum Fremdschämen einladen, verläuft der ganz normale Kommentar-Alltag im Internet, wie er heute das Urteilsvermögen und das Weltbild nicht weniger Menschen mit prägt. Leider, denn was in der Online-Kommunikations-Unkultur durchwegs auf der Strecke bleibt, ist die klare Unterscheidung zwischen Tatsache und Meinung.

Würde der erste Kommentator beispielsweise korrekt formulieren: „Meines Erachtens ist eine NAHtoderfahrung keine TODerfahrung“, dann wäre damit klar, dass dies eine persönliche Meinung ist. So aber überhöht er eine (fragwürdige) subjektive Ansicht zur Tatsache: „Eine NAHtoderfahrung ist eben keine TODerfahrung.“

Fakt ist, nebenbei erwähnt, dass ein EEG nicht 20 Minuten nach einem Herzstillstand, sondern bereits binnen 15 Sekunden eine Null-Linie zeigt; Studien an reanimierten Patienten haben gezeigt, dass sie dennoch Nahtoderfahrungen erleben können. Und es gibt auch keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass es sich bei solchen Erfahrungen um „letzte Stressreaktionen des Gehirns“ handelt. Ja, es gibt diese plausibel erscheinende Theorie, und sie kann auch einige Aspekte von Nahtoderfahrungen erklären, aber es gibt keinen Beweis, der das gesamte Phänomen wirklich erklären würde.

Aber was zählen Fakten, wenn jemand zwischen Tatsache und Meinung weder unterscheiden kann noch will? Wenn es letztlich sowieso nur darum geht, im eigenen Weltbild und der gewohnten Art zu denken nicht gestört zu werden?

„Der eine glaubt halt das, der andere das …“ – „Es gibt ja wohl noch die Meinungsfreiheit …“ – Mit Totschlag-Argumenten dieser Art werden nach meiner Erfahrung bisweilen auch Diskussionen zu der Frage beendet, welche Strategien es für Otto Normalverbraucher geben könnte, wirkliche Fakten von unreflektierten Meinungen klarer zu unterscheiden.

Das scheint jedenfalls nur wenigen Menschen ein Anliegen zu sein. Insofern ist es recht erfrischend, Kommentare zu lesen, die gar nicht erst versuchen, ihren subjektiven Charakter zu verbergen: „Ihre Augen zeigen mir, dass sie die Wahrheit sagt …“

Komprimiert notiert

Durch Amazons Kaufempfehlungen entdeckt – ich hatte bis dato von dieser anscheinend sehr erfolgreichen Romanreihe noch nie gehört. Gehypt als Nachfolger für Twilight-Fans, erschien mir Fallen (die Verfilmung) eher als Nachfolger für Fans der Vampire Diaries. (Auch wenn die deutschen Übersetzungstitel der Romane sich eindeutig an die Twilight-Reihe anbiedern.) Das Setting gefiel sofort, aber man merkt dem Film deutlich an, daß er die Handlung sehr komprimiert wiedergibt.


Im Reformationsjahr muß man sich ja auf jeden Fall ein bißchen mit Luther auseinandersetzen, sagte ich mir – immerhin war die Reformation eine wichtige Sache, und nebenbei erhalten wir in diesem Jahr einen Feiertag. (Müßten die Ultrakatholiken wie jener, der im letzten Akademischen Monatsblatt diesen bizarren Leserbrief veröffentlichte, nicht aus Prinzip dieses Privileg verweigern?) Da wieder einmal Amazon mir regelmäßig eine Luther-DVD empfahl, nur eben dann nicht, als ich drauf wartete, klickte ich ein bißchen rum; nicht sicher, daß ich wirklich die richtige Verfilmung erwischt habe. 1983 entstanden zu Luthers Geburtstag zwei deutsche Verfilmungen, nämlich Ost und West. Die östliche konnte logischerweise mit Originalschauplätzen aufwarten und war länger, ein Fünfteiler. Trotz lobender Stimmen verzichtete ich auf dieses Sehvergnügen, denn ich habe mir irgendwann den Magen an DDR-Produktionen mit ihren ständigen Parteischlagworten und ihrer Schwarz-weiß-Darstellung der Dinge verdorben. Sicher: Wenn ein Film durch die Zensur kommen wollte, mußte er halt den Sozialismus propagieren. Oder vielleicht *dachten* die Macher auch nur alle, dem wäre so, und die Zensur hätte es gar nicht gestört, wenn… Aber da fängt das Gehirn an zu rotieren.
Also: Die Entscheidung fiel für die West-Produktion, einen Zweiteiler. Die Kulissen sind minimalistisch, was der Sache keinen Abbruch tut. Auffallend an dieser Verfilmung ist, daß sie sich sehr auf die katholische Sicht der Dinge konzentriert und somit einen interessanten Kontrapunkt bildet: Gab es nicht sehr lebensnahe Gründe für das Verhalten der katholischen Kirche? Entgingen Luther vor lauter Eifer nicht einige logische Folgen seiner Lehre? Inwieweit schrieb man von katholischer Seite das Fehlverhalten der protestantischen Fürsten Luther zu? Ganz gleich, wie man also zu der Entwicklung steht, einige spannende Denkanstöße.


Inherit the Wind, ein Film, den ich schon seit Ewigkeiten mal sehen wollte. Er basiert auf einem Bühnenstück, was man merkt, und das Bemerkenswerteste an ihm ist sicherlich Gene Kelly als zynischer Reporter – meilenweit von seinem Strahlemann-Image entfernt. Statt, wie man vermuten könnte, ein Paradestück über die Dummheit der hinterwäldlerischen Kreationsgläubigen zu sein, geht es Inherit the Wind um ganz andere Dinge. Natürlich: Es wird einem schon angst und bange angesichts der bewußten Verweigerung jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis mit allen Auswüchsen, die daraus entstehen; nicht zuletzt, da man diese Anschauung ja teilweise auch heute noch antrifft. Aber die Aussagen, die der Film trifft, die Entwicklungen, die sich aus der Handlung ergeben, gehen in andere Richtungen. So steht nicht nur die Intoleranz der religiösen Hardcore-Fraktion am Pranger, sondern auch die Intoleranz der Gegenseite, die genausowenig die Argumentation der anderen verstehen will oder kann. Und auch der Nihilismus will nicht als Antwort überzeugen… Ein bißchen sehr konstruiertes Ende; Spencer Tracey spielt routiniert Spencer Tracey; aber als Denkanstoß durchaus sehenswert.


Diana Gabaldon schöpfte für „The Hellfire Club“, The Private Matter, das in meinen Augen immer noch ungeschlagene The Brotherhood of the Blade und „The Haunted Soldier“ kräftig aus Rictor Nortons Mother Clap’s Molly House – The Gay Subculture in England 1700-1830, das ich mir nun endlich mal über Fernleihe beschaffte. Eigentlich erwartete ich eine unterhaltsame Lektüre (ja, auch wissenschaftliche Arbeiten können unterhaltsam sein), aber mich beschlich im Laufe des Lesens zunehmend ein übler Verdacht. Daß ein Buch dieses Themas nicht unvoreingenommen ist, war vorauszusehen und als solches kein Problem. Es scheitert auch nicht an der Recherche – Nortons Forschung ist solide. Aber im Eifer des Autors, Homosexualität gegen Angriffe zu verteidigen, weigert er sich hartnäckig, die Möglichkeit von Gewalt in den angeführten Fällen auch nur in Betracht zu ziehen. Es darf in seiner Weltsicht offensichtlich keine homosexuellen Vergewaltiger geben. Selbst wenn die Fälle eine klare Sprache sprechen – die leider bis heute geradezu klassischen Übergriffe von Dienstherren oder Lehrern zum Beispiel -, nie fällt das Wort Vergewaltigung, und Norton amüsiert sich in erster Linie über die cleveren oder dreisten Verteidigungen der Täter gegenüber jeglicher Kritik oder Anklage. Seine Argumentation, Schwule in jener Zeit fühlten berechtigterweise keine Schuld für ihre Homosexualität (wie es in späteren Zeiten der Fall sein würde), weil die Täter in besagten Fällen keine Reue oder Schuldgefühle zeigten, ist so unglaublich, daß mir die Worte fehlen. Klar: Es ist nur eine Vergewaltigung, wenn sich der Täter schuldig fühlt?! Ebenso auffällig ist, daß das Wort „Vergewaltigung“ eben nur in Verbindung mit heterosexuellen Tätern fällt (einzige Ausnahme: Die Vergewaltigung einer Frau durch einen Homo-/Bisexuellen). Denn: Im homosexuellen Milieu kann es das ja nicht geben, das würde ja bedeuten, daß es böse Schwule gäbe – welch Gedanke! (Oder aber hat man als homosexuelles Vergewaltigungsopfer die Klappe zu halten, um kein schlechtes Licht auf die Szene zu werfen?)
Und so landet Norton schließlich folgerichtig beim „Blame the victim“.

It is not easy to identify what motivated some of the parties involved. Mr French was repulsed enough to vomit, but we do not know the ‚inconceivable Particulars‘ of what took place; the length of his stay in Thistlethwayte’s parlour suggests that he was persuaded to participate in some form of homosexual intercourse. The fact that he did not cry out for help, even when Swinton knocked on the door, suggests that he had not been violently attacked. His revulsion came somewhat after the event, probably due to an inner turmoil at having consented to something which people of his middle-class background believed to be quite wrong.

Völlig ignorierend, daß sämtliche zuvor angeführte Quellen eindeutig darauf hindeuten, daß Oxford-Student French genötigt worden war, entweder Dr. Thistlethwaytes Übergriffe zu dulden oder von der Uni zu fliegen. Nachdem Frenchs Freunde ihn (gegen seine begründete Angst vor Repressalien) endlich überzeugt hatten, Schritte zu unternehmen, was ist Nortons Kommentar?

On Saturday morning they brought the matter to the attention of the Vice-Chancellor, who prudently requested a Testimonium concerning Mr French’s character.

[Hervorhebung von mir.]