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Dürfte aktuell mein Lieblingszitat sein.

Manche Filme gewinnen ja mit wiederholtem Sehen, so auch Doctor Strange. Er ist wohl am besten zu bezeichnen als „Inception meets Potterverse“, aber seine Handlung und Charakterzeichnung gehen leider völlig in (durchaus großartigen) CGI und Welt- und Ausrüstungserklärungen unter. Man freut sich auf einen zweiten Teil, in dem es vielleicht ein bißchen mehr zur Sache geht. Dennoch hat er seine Momente, die für mich wie so oft in den kleinen Dingen liegen.
Eindeutig mehr Leinwandpräsenz als üblich haben die Stuntmen und -women, die diesmal sehr prominent und sichtbar Rollen besetzen dürfen. Es freut, denn in dem Job muß man durchaus auch Schauspieltalent besitzen.
Das Eingangslogo der Marvel Studios zeigt, wie weit Comicverfilmungen inzwischen gekommen sind. Zu „modernen“ Anfangszeiten wie, sagen wir, Spiderman beschränkte sich das Logo noch auf reine Zeichnungen. Inzwischen ist der Teil stark zurückgefahren, und nach einer kurzen Einblende einer Drehbuchseite geht es direkt in Ausschnitte aus den zahlreichen Verfilmungen der letzten Jahre über. Nett.
Musik gefällt, Kostüme gefallen. Ich bin aus irgendwelchen Gründen besonders fasziniert von dem Schnitt des Levitationsmantels. Es ist nicht einfach, die Silhouette und den Faltenwurf so hinzubekommen, daß es elegant wirkt. (Und Faltenwurf war bekanntlich schon im Mittelalter eine Kunstform.)
Oh ja, und natürlich: Der coolste Bibliothekar aller Zeiten!

Auch auf der Metaebene gab es einiges zu entdecken, aber das ist ein Fall fürs Autorenblog.

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Allerdings hatte ich auch einen schweren Rucksack zu schleppen. 🙂

Supergirl Season 2 krankt ein bißchen an zu viel Beziehungsdrama, hat aber definitiv ihre Momente. Neues Chef-Ekel Snapper dürfte sicherlich der Knüller unter den neuen Charakteren sein, wobei auch die kleinen Alien-Rollen wie der ständig in Schwierigkeiten steckende Brian oder „Fish Head“ Kevin, Supergirls Entsprechung von Morn, sehr gefielen. Wie schon in Staffel 1 ist besonders die Metaebene schön, gerade die zahlreichen Anklänge an die jüdischen Wurzeln des dynamischen Erfinderduos Shuster und Siegel. Unschwer zu übersehen ist das aktuelle Zeitgeschehen: Die Verantwortung der Presse, wahrheitsgemäß, unparteiisch und doppelt überprüft zu berichten („The rules are there for a reason“, wie Snapper der bestürzten Kara erläutert), selbst wenn die Realität darin schon immer dem Ideal hinterherhinkte; Flüchtlingspolitik und Fremdenfurcht; und natürlich „Make Daxam great again“. Außerdem ist die Staffel eine Liebeserklärung an das geschriebene Wort, das in einer Folge die Lösung des Problems birgt, und daß man aus Büchern mehr lernen kann als von YouTube… nun ja!
Nett auch, Kevin Sorbo wiederzusehen, der sonst sein Dasein auf PureFlix fristet. Und nachdem vermutlich während Staffel 1 so viel gemeckert wurde, daß Superman nie auftritt (wobei ich den running gag schon sehr lustig fand), startet Staffel 2 gleich mit einer Doppelfolge Doppelpower aus dem Hause El und endet auch damit. (Yess – Frauenpower! Supergirl gewinnt den Zweikampf der Giganten.)

Während es für eine, sagen wir mal, Frauenserie zwar irgendwie paßt, kann ich mir die Anmerkung nicht verkneifen, daß Hollywood wie immer den sicheren Weg in Sachen Sexualität geht. Ich meine, hey, wir haben homosexuelle Charaktere, wie fortschrittlich von uns! Aber blickt man zurück auf Homosexualität in Serien, finde ich in erster Linie die lesbische Variante. Buffy hatte sie. Jessica Jones hatte sie. Supergirl hat sie. Liste beliebig verlängerbar. An die schwule Variante wagen sich die wenigsten heran – Game of Thrones, okay, aber das ist sicherlich nicht, was ich unter gut funktionierender homosexueller Beziehung zwischen Helden der Handlung verstehen würde. Outlander zähle ich gar nicht erst mit, denn Jack Randall ist erstens bisexuell und zweitens ein Sadist, und ich wette, daß wir von John Grey, meinem schwulen Helden ersten Ranges, und seinen Beziehungen nicht viel mitbekommen, es sei denn, er erhielte seine eigene Serie. Male/male ist immer noch ein schwieriges Thema, während female/female als sicher und harmlos durchgeht. Von einer Gleichberechtigung sind wir hier auf so vielen Ebenen weit entfernt.

Absolut nicht sicher und harmlos ist dagegen RuPaul’s Drag Race, eine Serie, die ich wie so vieles durch Caitlín R. Kiernan entdeckte. Reality TV nach altbekanntem Muster (ich frage mich wirklich, warum jeder meint, daß das Standardregelbuch die einzig gültige Autorität ist), aber mit Drag Queens. Großartig. Wäre noch besser, wäre sie nicht so abgekartet. Aber das ist ein Problem des Genres.

Nachdem ich von Wonder Woman so, nun ja, super-enttäuscht worden war, gab mir die erste Staffel von Supergirl den Glauben an weibliche Superhelden zurück. Obwohl längst nicht so finster und „noir“ wie Jessica Jones, teilt Supergirl die guten Qualitäten dieser Serie, namentlich eben, daß sie den Frauen ihrer Handlung eine Stimme verleiht, sie Frauen sein läßt.
Entsprechend werden Sexismus und Feminismus von verschiedenen Perspektiven betrachtet (es ist großartig, die beiden „Schulen“ des Feminismus‘ wiederzufinden), während die zahlreichen starken Frauen auf beiden Seiten der Gut-Böse-Skala zeigen, was Stärke ist – nämlich nicht nur, den Bösewicht/die Bösewichtin der Woche oder wahlweise die Heldin in den Hintern zu treten. Obwohl auch das in spektakulärer Weise geschieht.
Und das Tollste? Supergirl darf Strumpfhosen tragen statt halbnackt herumfliegen zu müssen! Eine kleine, aber feine Absage dem Sexismus. (Man denke an Jodi Picoults Überlegungen zu Wonder Womans Kostüm.)

The Woman is Present im Theaterlabor Bielefeld.

Selektive Wahrnehmung

Kein Wunder, daß so viel verschütt geht. Ich teile DHL mit, daß unser neuer Zusteller ständig vergißt, eine Benachrichtigungskarte zu hinterlassen, wenn er eine Sendung beim Nachbarn abgegeben hat. Ob man ihn bitte noch mal darauf hinweisen könnte. Antwort?

Wie Sie uns mitteilen, wurde Ihre Sendung entgegen Ihrem Wunsch an einen Ersatzempfänger ausgehändigt – das tut mir leid. Natürlich habe ich mich darum gekümmert und die Kollegen vor Ort informiert. Sie werden dafür sorgen, dass so etwas möglichst nicht mehr passiert.

Ähm – nein. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Mal schauen, ob ich zukünftig das Nachbarschaftsprinzip weiter nutzen kann (ob mit Benachrichtigung oder ohne) oder ob ich nun jedes Mal zur Filiale oder Packstation latschen muß…

Wonder Woman

Natürlich ist Blade Runner 2049 schwer zu toppen, aber enttäuscht war ich von Wonder Woman. Der Film will zu vieles sein, als daß er am Ende irgendetwas ist. Ein zusammengestückeltes Sammelsurium von Ideen, die keinerlei Zusammenhang besitzen und nie wirklich ausgespielt werden können. Das Setting im Ersten Weltkrieg ist zumindest mal was anderes und hätte Potential gehabt, wäre es nicht so billig schwarz-weiß gezeichnet worden. Was ist die Aussage hier? Alle Menschen tragen ihren Teil zum Bösen bei. Ausgezeichnet, ebenfalls Potential, aber warum wird das nicht gezeigt? Heldengruppe, schön. Nur daß ihre Bedeutung und Funktion schlichtweg nicht vorhanden ist. Ganz zu schweigen von dem übelsten aller üblen Klischees: Wir haben eine weibliche Heldin, also muß sie sich verlieben! Plumper Pubertärhumor fehlt ebenfalls nicht.
Ich zog Vergleiche mit Jessica Jones und trauerte ganz einfach vor mich hin. Ich dachte an War Horse und Joyeux Noel und trauerte.

Zum Glück gibt’s dann wenigstens Actionszenen, die eine Augenweide sind. Auch die auf Fresken getrimmte Hintergrundgeschichte gehört zu den visuellen Highlights.

Ich würde ja denken, daß eine Superheldin ganz gut dafür geschaffen wäre, sich in der modernen Zeit mit Fragen weiblicher Unterdrückung zu befassen. Aber das ist natürlich ein heißes Eisen, also weicht man doch lieber auf die sichere Vergangenheit aus. Und, um mit Ellen Moody zu sprechen, es geht hier ja nicht um Frauen, sondern um ein von Männern gemachtes Frauenbild. Wie gesagt: Jessica Jones konnte das besser. Ich lese lieber noch mal Jodi Picoults Wonder Woman-Comic. Sie hatte einige ganz gute Gedanken dazu.

Hoffen wir, daß die gute Diana in Justice League eine fairere Behandlung erfährt.

Blade Runner 2049

Die Unterhaltungen, die man so führt:
„Echt, Harrison Ford ist ein Replikant?“

Das weiß ich nun nicht, aber zumindest weiß ich, daß sich der Berlin-Ausflug inklusive Kinobesuch gelohnt hat – denn dort läuft aktuell noch die OV von Blade Runner 2049, nachdem die meisten anderen Städte bereits aufgegeben haben.
Ein Mitkinogänger faßte es im Abschluß zusammen: „Kein Wunder, daß nicht viele reingehen [obwohl unser Saal fast voll war], das ist doch sehr anspruchsvoll.“ Was man nach dem Original hätte vermuten können, aber wer sieht das schon.

Yesterday, of course, we went to see Blade Runner 2049, a film that I’d waited thirty-five years to see. I am not a film reviewer, and I no longer try to be, so my comments are, by design, simple. On Facebook, I said „I can now say, with great relief, that Blade Runner 2049 is exactly what I’d hoped it would be, smart and beautiful and a perfect continuation. This is twice now that Denis Villeneuve has blown me away.“ There’s not a lot to be added to that, not by me. I will say that I suspect the film hasn’t fared better at the box office for the very same reason that the original bombed at the box office. It’s intelligent SF, not just a shoot’em up action flick wearing an SF disguise. It’s P.K. Dick seen through the lens of Andrei Tarkovsky. And, too, it’s a sequel to a thirty-five year old film, a film a lot of the movie-going public has never seen and does not care enough to seek out. It’s their loss. It’s our gain that Ridley Scott entrusted his brilliant creation to Denis Villeneuve.
(https://greygirlbeast.livejournal.com/1326302.html)

After work, we still were able to make the late matinée of Blade Runner 2049. A second viewing only increased my awe of this beautiful film. I think this time I was more taken with the performances of a uniformly wonderful cast. Sylvia Hoeks is truly, truly marvelous, and her scene with Robin Wright is one of the best moments in a film comprised of best moments. This time, I was also more aware of Hans Zimmer and Benjamin Wallfisch’s score, a thing of beauty and sorrow unto itself, but also a perfect homage to Vangelis‘ score for the original film. There are layers upon layers upon layers to this film, and I can’t wait for the DVD to be out.
(https://greygirlbeast.livejournal.com/1327849.html)

Jede Zeit schafft Geschichten, die ihr entsprechen. Blade Runner (das Original) gehört im Grunde genommen noch zu einer früheren Mode, nämlich dem Konflikt der bewußtseienden Maschine. Sehr beliebt in den 70ern, teilweise auch in den 60ern. Was wiederum noch viel ältere Ahnen hat, mindestens bis zurück in die griechische Antike. Pinocchio beispielsweise gehört auch dazu. Das Werk, das Mensch werden möchte, das nach Leben verlangt, was häufig in Vernichtung seines Schöpfers ausufert. Also auch ein starker philosophischer/religiöser Subtext.
Blade Runner 2049 würde ich dieser Thematik nicht zuordnen, obwohl er natürlich Elemente enthält. Er gehört von seinem Grundmuster her zu den Erlöserfilmen. Und ich hoffe sehr, daß der dritte Teil nicht sogleich folgt, wie manches befürchten läßt, denn bekanntlich sollte man Perfektion nicht verschlimmbessern. Dreißig Jahre sind dafür nicht zu viel.

Wie Caitlín R. Kiernan fehlen mir eigentlich die richtigen Worte, um den Film zu beschreiben. Klügere Köpfe als ich haben das bereits getan. Was in den Bann schlägt, sind die Bilder – hier wurden die Möglichkeiten des CGI zur Fülle und mehr ausgeschöpft – und der unglaubliche Soundtrack, den ich mir sofort zulegen möchte, von dem ich aber überzeugt bin, daß er so eng zu dem Film gehört, daß er ausgekoppelt nicht funktioniert. Er besteht ja nicht aus einem klassischen Score, sondern ist einfach Instrumentalisierung, die die unweltlichen Bilder unterstreicht. (Ein bißchen wie True Detective 1.)

Ich kann verstehen, daß mancher Kinobesucher Längen in dem Film sah. Mir ging es absolut nicht so, aber wer auf konkrete Handlung wartet, wird sicher oft enttäuscht. Gleiches gilt für die Zuschauer, die schlicht und ergreifend einen Actionfilm erwarteten. (Noch einmal: Wer das Original gesehen hätte…) Blade Runner 2049 findet auf einer ganz anderen Ebene statt.
Einziger kleiner Minuspunkt ist, daß von Harrison Ford nicht wirklich Gebrauch gemacht wurde. Er ist ehrenhalber dabei, mehr nicht. Ich erwarte ja nun keine Stunts, immerhin ist er in seinen 70ern, aber ein bißchen mehr aktive Teilnahme hätte man ihm gönnen können. Seine Szene mit Jared Leto (Wallace) geht in die richtige Richtung.

Ich kann mich nicht entscheiden, welchen Trailer ich besser finde.

Sehr schön für die Freunde des Hintergrundwissens: Road to 2049. Eine Zeitlinie des Blade Runner-Universums, inklusive dreier Kurzfilme über den Weg von 2019 nach 2049.

Komprimiert notiert

Ein Buch, das ich nur wärmstens ans Herz legen kann, ist Peter Wohllebens Das geheime Leben der Bäume. Der Förster und Umweltschützer beschreibt ungemein spannende neue Erkenntnisse über das Ökosystem Wald und seine inneren Zusammenhänge. Daß Bäume miteinander kommunizieren können oder insbesondere Wohllebens geliebte Buchen im Sippenverband wachsen, wobei sie schwächere Mitglieder mit Nährstoffen versorgen und am Leben erhalten, sind nur zwei der sehr unterhaltsam und so gar nicht esoterisch angehaucht geschilderten Beobachtungen.
Nebenbei erfreulich zu lesen, daß die Volksweisheit, am Moosbewuchs könne man die Himmelsrichtung erkennen, schlichtweg falsch ist. Ich stand schon so manches Mal im Wald und rätselte, wie das bei rundum bewachsenen Bäumen gehen soll oder bei solchen, die ganz unterschiedliche Bewuchse zeigen…

Ich frage mich, ob Wohlleben Tolkien gelesen hat. Ich lächelte so manches Mal über seine liebevollen Schilderungen des bäumischen Charakters („Warte doch erst mal 200 Jahre.“), in denen man haarscharf Tolkiens Ents wiedererkennt. Auch Tolkien liebte ja Bäume aus tiefster Seele, sprach sogar mit ihnen, und ich bin sicher, Wohllebens Buch hätte ihm sehr gefallen.


Hochgelobt nicht nur unter Christen ist ja The Shack. Die Verfilmung ist tatsächlich sehr gelungen. Manches Mal etwas zu sehr konventionell christlich, aber in keiner Weise vergleichbar mit beispielsweise den PureFlix-Produktionen, die sich niemals in die Tiefe zu gehen trauen. Ein bißchen wie Melody Carlson gegenüber Lynn Austin. Und sehr schön, daß endlich einmal der Fokus weniger auf Jesus als auf Gottvater liegt, etwas, das, wie ich finde, viele Christen gern vergessen. (Sicher auch die coolste Darstellung Jesu, die ich je gesehen habe.)
John Fusco, in erster Linie bekannt durch seine indianische Filmarbeit, war eindeutig ein Glücksgriff als Drehbuchschreiber. Ob von ihm der Einbau der indianischen Legende um die Prinzessin und den Wasserfall stammt? Dargestellt wurde diese bereits im wundervollen Dreamkeeper, dessen Drehbuch ebenfalls von Fusco stammt.

Nach langer Zeit wieder einmal in der DNB Leipzig gewesen. Mußte mir eine neue Karte besorgen, da mein Konto ja in der Zwischenzeit gelöscht worden war, dank neuer Bestimmungen. (Das bekommen sie hin. Die 14-Uhr-Grenze abzuschaffen oder samstags auszuheben, not so much.)
Das schöne an der DNB ist, daß man als Nutzer ohne Schnickschnack freies WiFi hat. Das bekam denn auch mein treues Laptop zu spüren. Daheim abgeschnitten von allen Neuerungen, wurde es nun beim Start von Daten überflutet. Seine hilflose Fehlermeldung („Kann nicht!“) erschien mir doch sehr menschlich. Ich schaute mal nach: Jep, letztes Update 2015. Da würde ich als Mitarbeiter auch protestieren.
Eine ganze Weile schaltete es also auf Verweigerung. Beim ersten Herunterfahren (da für mich das Scannen von über 300 Seiten anstand) gehorchte es prompt und wortlos. Ich glaube, es stand unter Schock.
Beim späteren zweiten Hoch- und wieder Herunterfahren hatte es dann wohl eine resignierende Haltung eingenommen: Was hilft’s… Und updatete erst mal eine Stunde.

Mein bewährtes Hotel am Bayrischen Platz ist inzwischen auch in der Neuzeit angekommen, denn es bietet seinen Gästen endlich WiFi. Hier sog Laptop noch mal über siebzig Updates ein.