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Einige der Irrsinnigkeiten, die einem beim Versuch, einen Kredit aufzunehmen, begegnen:

– Banken setzen voraus, daß man die Kosten für Notar, Makler und Grunderwerbssteuer aus eigener Tasche bezahlen kann. In meinem Fall rund 15.000 Euro. Hat man dieses nötige Kleingeld nicht auf der hohen Kante, muß ein gesonderter Kredit über die fehlende Summe aufgenommen werden. Hoch lebe der kleine Mann.

– Derzeitiger Trend: Immobilien werden nicht reserviert, während man sich um die Finanzierung kümmert. Das heißt, zwei, fünf, zehn, fünfzig Interessenten klären zeitgleich die Finanzierung, was mit einem großen Aufwand verbunden ist, und der schnellste gewinnt.

– Warum gilt beim Kauf immer noch die Regelung, daß der Käufer den Makler bezahlen muß?

Und amüsante kleine Beobachtung beim Kreditberater: Ausgelegt war der Focus, nicht auch das Konkurrenzblatt Spiegel. Das Klientelgefälle. Als wäre jeder Hausbesitzer automatisch Investor, Kapitalist und Großverdiener. Läßt mich bei der Mieterzeitung auch jedes Mal den Kopf schütteln. Andererseits: So, wie die Konditionen aktuell festgelegt werden (s.o.), scheint’s, als könnten sich nur Leute mit großem Eigenkapital einen Kredit leisten…

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Leipziger Zeitungen, 26.5.1746

London den 13. May. Heute hat man im Ober-Hause in Vorschlag gebracht, den König in einer Adresse zu ersuchen, den Krieg über See nicht weiter fortzusetzen, wo nicht die General-Staaten als ein Haupt-Theil dabei hielten; es ist aber solcher Vorschlag durch 81. Stimmen gegen 26. verworffen worden. Wegen der durch den Herzog von Cumberland über die Rebellen in Schottland erfochtenen Vortheile soll einer Königl. Proclamation zu Folge, die man ehestens publiciren wird, durch das ganze Reich ein Danck-Fest gehalten werden, und der König wird sich an solchem Tage in Ceremonie nach der St. Pauls-Kirche begeben. Durch einen gestern aus Schottland gekommenen Expressen hat man eine Relation von den Folgen dieses Siegs über die Rebellen erhalten. Man findet nach der gemachten genauen Ausrechnung, daß ihrer 2509. auf der Wahlstatt, und 1500. im Nachsetzen geblieben, auch 1800. Gefangene von ihnen gemacht worden, welches zusammen 5809. Mann beträgt. Unter diesen leztern befinden sich der Lord Georg Murrai, der Lord Kilmarnock, der Herzog von Perth, und die Lords Balmereno und Gordon von Glenbucket. Der Lord Ogilvie ist geblieben, und der Lord Ludwig Gordon von den Rebellen gehangen worden. Der Sohn des Prätendenten ist blos mit 8. Mann entronnen, und der Graf von Albemarle verfolget in Begleitung des Lords Kilmarnock die Flüchtigen. Der Französischen Officiers, die in der Action gefangen worden, sind 50. an der Zahl, nehmlich der Brigadier Stapleton, der Oberste Macdonell, der Marquis d’Aiguilee, 23. Capitains, 17. Lieutenants, 1. Adjutant, 1. Quartiermeister, 1. Cornet, 2. Artillerie-Officiers, 1. Ingenieur, und 1. Volontaire. Hiernächst hat man auch einen Aumonier und den zweyten Capitain eines Spanischen Schiffs bekommen. Der gefangenen rebellischen Officiers aber sind 15. als 3. Obersten, 1. Major, 5. Capitains, 1. Lieutenant, 3. Fähndriche, 1. Ingenieur, und der Ritter John Wedderburn, von der Garde du Corps des jungen Prätendenten. Von den Königl. Truppen sind nur 50. Mann an Officiers so wohl als Gemeinen geblieben, 259. verwundet, und einer verlohren. Die Heßischen Truppen, welche nach Brabant zurück kehren, sollen sich zu Leith bey Edimburg zu Schiffe setzen, und es ist würcklich an verschiedene unsrer Regimenter Befehl ergangen, sich dahin ebenfalls marschfertig zu halten.

Leipziger Zeitungen, 9.6.1746

Inverneß den 16. May. Allem Ansehen nach wird unser Aufenthalt allhier nicht lange mehr währen, und wir urtheilen solches daraus, weil der Herzog von Cumberland sehr viel Provision zusammen bringen lässet, die theils weiter vorwerts geschaffet werden soll. Der Ritter Jacob Kinloch, 2. seiner Brüder, und einige andere Anhänger des Prätendenten, sind von den Husaren des Prinzen von Hessen gefangen worden. Der Commandeur Smith, der sich hier befindet, hat gestern einen Brief von dem Capitain Jeffereys, Commandanten des Schiffs Scarborough, erhalten, der zu Deersound auf den Orcadischen Insuln am 8. dieses geschrieben ist, und worinn gemdlet wird, daß ein Schiff daselbst angekommen wäre, das der Gourverneur von Neu-Engelland nach London abgeschicket, um dem Herzoge von Newcastle Nachricht zu geben, daß ein Königl. Schiff von 20. Canonen und ein Armateur sich einer Spanischen Gallione bemächtiget, welches die reichste Prise wäre, die seit dem Anfange des Kriegs gemacht worden, indem sie nur an Silber-Barren eine Million Pfund Sterlings am Bord gehabt. Wie man vernimmt, befindet sich der junge Prätendent zu Kilmaroi in Lochaber.

Leipziger Zeitungen, 31.5.1746

London den 17. May. Von der Cammer der Gemeinen, welche bisher mit Abhörung der Zeugen wider verschiedene Personen, die in gegenwärtige Rebellion verwickelt sind, beschäftiget gewesen, ist die Verfügung geschehen, eine Bill abzufassen, worinn der Graf von Kellie, die Vicomten von Strathallan und Dundee, die Lords Pitsligo und Elcho, der Herzog von Perth, die Lords John und Jacob Drummond, George und John Murrai, Ludwig Gordon und Ogilvi, die Ritter William Gordon, Carl Stuart, und 29. andere vom geringern Range, des Hochverraths schuldig erkläret werden sollen. Die Truppen, die man nach Brabant schicken will, bestehen aus 12. Infanterie-Regimentern, und einem ansehnlichen Detachement von der Garde zu Fuß, und sie werden zusammen ein Corps von 12000. Mann ausmachen. Es sollen auch noch 2500. Mann Cavallerie dahin gesendet werden. Die Heßischen Truppen werden nunmehr von Leith unter Segel gegangen seyn. Der Prinz Friedrich von Hessen, der sie commandiret hat, wird ehestens hier erwartet, und einen kostbaren Degen, reich mit Diamanten und besezt, von dem Könige zum Präsent empfangen.

Leipziger Zeitungen, 9.6.1746

Edimburg den 17. May. Man hat Nachricht, daß der Graf von Mirobell, ein Officier vom Rang und erster Ingenieur des jungen Prätendenten, nebst 3. Bedienten durch eine Parthey von Broadalbin gefangen, und in das Haupt-Quartier des Herzogs vom Cumberland nach Inverneß gebracht worden. Das Elend unter den Rebellen ist nicht auszusprechen. Man findet ihrer bey hunderten in den Gebürgen, die vor Hunger und an ihren Wunden gestorben sind. Es ist auch gewis, daß kein Corps von ihnen mehr beysammen sey, und man spricht, der Herzog von Cumberland würde mit dem Prinzen Friedrich von Hessen und dem Lord-Präsidenten noch in dieser Woche anhero kommen. Nachdem man sicher in Erfahrung gebracht, wo sich der Graf von Lovat versteckt halte, ist ein Detachement abgeschickt worden, ihn bey dem Kopfe zu nehmen, und man gedencket noch mehr andere mit ihm zu bekommen.

Leipziger Zeitungen, 26.5.1746

Inverneß den 29. April. Man kan den Verlust, den die Rebellen erlitten, nicht leicht bestimmen, weil die Wege bis auf 4. Meilen von der Wahlstatt mit erschlagenen bedeckt gelegen; dem Augenschein nach aber muß er sich über 2000. an Todten, und über 800. an Gefangenen erstrecken. Der Lord Kilmarnock, der sich unter den leztern befindet, ist in die Brust verwundet, und man spricht, der junge Prätendent, der bey der Action zugegen gewesen, hätte eine Blessur am Knie empfangen. Man hat einen Degen gefunden, den man dem Herzoge von Cumberland präsentiret hat, weil man nicht ohne Grund glaubt, daß er dem jungen Prätendenten zugehöret. Man hat es nächst Gott den guten Dispositionen Sr. Königl. Hoheit zu dancken, daß dieser Sieg uns so wenig Blut gekostet hat, und Höchst-Dieselbe haben das gute Verhalten der Officiers so wohl als Gemeinen bey dieser Gelegenheit öffentlich sehr gerühmet. Die grosse Würckung, welche die aufgepflanzten Bajonetten gethan, haben unsere Truppen überzeuget, daß dieses Gewehr den langen Säbeln der Hochländer vorzuziehen sey. Ubrigens ist die Armee der Rebellen, die ungefehr aus 10000. Mann bestund, dergestalt zerstreuet, daß man nicht glaubt, daß sie sich leicht in ein Corps wieder zusammen finden solle.

Leipziger Zeitungen, 31.5.1746

Inverneß den 11. May. Der General-Major Blakeney wird hier erwartet, das Commando der Truppen zu übernehmen, die man hier lassen wird, und der Oberst-Lieutenant Leighton von dessen Regiment wird das Commando in dem Castell zu Sterling führen. Heute hat sich der Lord Ancram mit dem Regiment Mark-Kerr nach der Oestlichen Küste auf den Marsch begeben. Der Herzog von Cumberland hat eine Proclamation publiciren lassen, sich aller Rebellen, deren man habhaft werden kan, nebst ihrem Gewehr zu versichern. Man wendet allen möglichen Fleiß an, eine hinlängliche Anzahl Barcken auf dem See von Loch-Neß zusammen zu bringen, und so bald man sie haben wird, will sich der Herzog mit 15. Bataillons und dem Cavallerie-Regiment von Kingston in 2. Märschen nach dem Fort August begeben; da immittelst der Lord Loudoun mit der Militz aus der Grafschaft Argyle und den Frey-Compagnien durch das Gebürge zur rechten und zur lincken zu Verfolgung der Rebellen marschiren wird. Der Sohn des Prätendenten, der Herzog von Perth, und der Lord John Drummond durchwandern anietzo das Land der Camerons mit dem jüngern Lochiel, der in dem leztern Treffen verwundet worden, und sie haben nur gegen 20. bis 30. Mann bey sich.

Edimburg den 11. May. Zu Inverneß, Aberdeen, Montroß und Sterling sind die Gefängnisse mit Rebellen angefüllet, und nach Perth, Dumferling, Dundee, Irwine und Dumfreis werden auch noch beständig viele Gefangene gebracht. Durch einen Expressen von Dumbarton vernimmt man, daß der Marquis von Tullebardine, und ein Italiäner, Mitchel mit Nahmen, der seinem Vorgeben nach 30. Jahre in des Prätendenten Diensten gestanden, sich bey dem Friede-Richter, Hrn. Buchanan von Drumakill, gemeldet, der sie auf das Schloß selbiger Stadt habe setzen lassen. Vor etlichen Tagen hat man etliche Detachements von dem Regiment hiesiger Stadt ausgeschicket, Südwerts nach dem Firth zu patrouilliren, und auf die Rebellen, die sich dort herum blicken lassen möchten, wohl acht zu haben. Sie haben auch gestern einen, Robert Murrai genannt, der sonst bey hiesiger Stadt gedienet hat, und bey der Armee der Rebellen unter der Garde du Corps gewesen, ertappet und anhero gesendet. Gestern hat sich Jacob Hey, ein Schottländer von Geburt, der bey dem Regiment des Lords John Drummond als Capitain und Zahlmeister gestanden haben will, hier bey der Obrigkeit selbst angegeben, und man hat ihn in das Castell gebracht. Nach seiner Aussage haben bey dem leztern Treffen alle Französische Truppen, als das Regiment von Drummond, die Irrländischen Piquets, und die Cavallerie des Regiments Fitzjames, zusammen nicht mehr als 6. bis 700. Mann ausgemacht, und gegen 150. sind in der Action geblieben. Er saget ferner, er hätte den Lord Drummond zu Ruthuen verlassen, nachdem er ihm die ganze Regiments-Casse geben müssen, wovon er das Geld unter seine Officiers getheilet, und ihnen angerathen, daß jeder auf seine eigene Sicherheit bedacht seyn möchte, gleichwie er es auch selbst thun würde. Weil hiernächst die Rebellen schon etliche Wochen keinen Sold empfangen gehabt, und ihre Magazine ausgeleeret gewesen, hätten sie eine Schlacht wagen müssen, ob sie gleich die Nacht vorher durch Hin- und Wieder-Märsche starck abgemattet worden, und weil die Annäherung des Herzogs ihnen keine Zeit, sich zu erhohlen, gestattet. Die den Rebellen abgenommene Standarten und Fahnen sollen hier durch die Hände des Scharffrichters öffentlich verbrannt werden.

Leipziger Zeitungen, 19.5.1746

London den 6. May. Vorgestern empfieng der Hof einen Expressen von Edimburg mit folgender Nachricht. Nachdem der Herzog von Cumberland am 25. April seinen Marsch fortgesetzet, langte er 2. Tage hernach in den Gegenden von Inverneß an, und stieß daselbst auf ein Corps Rebellen von ungefehr 7000. Mann, das sich über Culloden bey gedachter Stadt versammlet hatte. Se. Königl. Hoheit befahlen sogleich, die nöthigen Dispositiones zu machen, um sie anzugreifen. Man canonirte anfangs auf einander, das Feuer aber hatte kaum eine Viertel-Stunde gedauert, als der rechte Flügel der Rebellen, der aus Macdonals und Frasers bestund, gegen unsern lincken anrückte, und ihn ziemlich hitzig angriff. Unsere Truppen feuerten hierbey zu zweyen mahlen so glücklich auf die Feinde, daß diese bald die Flucht ergriffen, und den Rest ihrer Armee nach sich zogen, nachdem sie gegen 500. Todte auf der Wahlstatt gelassen. Die Cavallerie, die Dragoner, und das Volck aus der Grafschaft Argyle wurden ihnen nachgeschicket, und man rechnet, daß fast eine gleiche Anzahl auf ihrem Rückzuge getödtet worden. Die Rebellen haben sich theils gegen Badenoch und in das Fort August, theils durch Inverneß in die Grafschaft Roß geflüchtet. Der Graf von Kilmarnock, der Ritter John Wedderburn, und die Person, welche die Rebellen den Französischen Gesandten nennen, ingleichen die Französischen Truppen, sind zu Gefangenen gemacht. Unser Verlust erstrecket sich nicht auf 30. Mann an Todten, worunter niemand von Distinction ist. Der Herzog von Cumberland hat sich nach dieser Action nach Inverneß begeben, wo Se. Königl. Hoheit Abends gegen 5. Uhr angelanget sind. Diese Nachricht ist über Perth und Aberdeen nach Edimburg gebracht worden. Ob man sich nun gleich im Anfang gewundert, daß solche wichtige Bothschaft nicht unmittelbar von dem Herzoge von Cumberland gekommen: so hat man doch gestern frühe die Ursache davon erfahren, da der Lord Bury, ältester Sohn des Grafen von Albemarle, und General-Adjutant des Herzogs von Cumberland, der von Sr. Königl. Hoheit mit der Nachricht an den König von dem am 27. vorigen Monaths über die Rebellen erhaltenen vollkommenen Siege abgeschicket worden, bey Hofe anlangte. Er hat um grösserer Sicherheit halber sich zu Inverneß zu Schiffe gesetzet, und ist am 2. dieses zu Berwick ans Land gestiegen. Der Inhalt des Schreibens von dem Herzoge geht dahin. Man rechnete, daß sich die Armee der Rebellen über 8000. Mann belauffen, wovon 1000. auf dem Platze geblieben, und gegen 600. gefangen worden. Unter den leztern wäre der Graf von Kilmarnock, der Ritter John Wedderburn, Hr. Murrai von Broughton, Secretarius des jungen Prätendenten, und der so genannte Französische Gesandte. Man glaubte, daß der Lord Strathallan in dem Treffen geblieben. Drey Französische Piquets, die gegen 300. Mann ausmachten, hätten sich auf Discretion ergeben, und den Rebellen wären alle ihre Canonen nebst einigen Fahnen abgenommen worden. Se. Königl. Hoheit melden ferner, der Lord Kets, Capitain bey dem Regiment Barrel, und der Capitain Grossette wären geblieben, über 100. Gemeine aber todt oder verwundet, und der Oberst-Lieutenant Rich hätte eine Hand eingebüsset. Ueberhaupt hätten alle Officiers so wohl als Gemeine eine besondere Tapferkeit bewiesen. Der junge Prätendent soll sich blos mit 12. Mann in die Grafschaft Roß salviret haben. Der König hat den Lord Bury ein Präsent von 1000. Guineen gemacht, und man spricht, daß er mit ehestem ein Regiment bekommen solle. Gestern Abends wurden dieses Siegs halber durch die ganze Stadt so grosse Freuden-Bezeigungen angestecket, als man jemahls gesehen hat. Einigen Nachrichten aus Schottland zu Folge ist der Graf von Cromarti durch die Leute des Lords Rea in der Grafschaft Sutherland gefangen worden. Da nun die Rebellen geschlagen und zerstreuet sind, und man zu glauben Ursache hat, daß die Rebellion bald völlig gedämpfet seyn solle; so zweiffelt man nicht, daß die Heßischen Truppen nebst einem Corps der unsrigen im kurzen nach Brabant wieder geschicket werden dürften.

Leipziger Zeitungen, 24.5.1746

London den 10. May. Vorgestern wurde wegen der über die Rebellen erfochtenen Vortheile in der Königl. Capelle zu St. James das Te Deum Laudamus angestimmet, welchem der König, der Prinz und die Prinzeßin von Wallis, die Prinzeßin Amalia, und der gesammte Hof beywohnten. Gestern beschloß das Oberhaus, dem Könige eine Glückwünschungs-Adresse wegen dieser Vortheile zu überreichen, ingleichen dem Herzoge von Cumberland für seine dem Vaterlande hierunter geleistete Dienste zu dancken. Am 7. kam ein zweyter Expresser von Sr. Königl. Hoheit mit einer ausführlichen Relation von der vorgefallenen Action an. Nach selbiger hat sich das Treffen durch eine Canonade von Seiten der Rebellen angefangen, ihre Stücken aber sind schlecht gerichtet und schlecht serviret worden; da im Gegentheil die unsrigen starck unter ihnen aufgeräumet. Hierauf ist man gegen einander angerücket, und die Rebellen sind völlig geschlagen worden. Ferner wird in der Relation gesaget, sie hätten ihrer Seits 2000. Todte auf der Wahlstatt und im Nachsetzen gehabt; man hätte ihnen alle ihre Artillerie, Munition und Bagage, die von dem jungen Prätendenten darunter begriffen, desgleichen 12. Fahnen abgenommen. Die Anzahl der Gefangenen erstrecke sich auf 222. Franzosen und 326. Rebellen: unter den erstern wäre der Marquis von Guilles, Capitain bey dem Marine-Regiment, welcher von den Rebellen der Französische Gesandte genennet wird; der Verlust auf unsrer Seiten aber belauff sich an Todten und Verwundeten nur auf 310. Mann. Einigen Particular-Briefen zu Folgen sollen sich unter den Gefangenen, auch 4. Damen von Distinction befinden. Die Nacht nach dem Treffen hat der Sohn des Prätendenten in dem Hause des Lords Lovat zu Aird geschlaffen, ohne daß man weiß, wo er weiter hingekommen ist; es ist aber der Brigadier Mordaunt mit einigen Truppen detachiret worden, ihm nachzusetzen, und dem Verlaut nach ist mit gedachtem Brigadier der Lord Kilmarnock gegangen, dem man Pardon und die Zurückgebung aller seiner Güter versprochen hat, daferne er den jungen Prätendenten entdecken hilft. Man glaubt, daß der Herzog von Cumberland bald zurück kommen, und sich hierauf nach den Niederlanden begeben werde. Gleichergestalt ist Befehl ausgefertiget, die Heßischen Truppen ungesäumt nach Brabant wieder hinüber zu bringen. Die zu Verstärckung der Armee des Herzogs von Cumberland leztens abgeschickte 4. Regimenter sollen sich ebenfalls am Bord der Schiffe, die sie nach Schottland gebracht haben, nach den Niederlanden begeben, und man spricht, daß noch mehrere Truppen dahin folgen werden.

Mal so gesagt

Das Denken unseres Jahrhunderts ist geprägt von einem Weltbild, das man „naturwissenschaftlich“ nennt. Dieses Adjektiv „wissenschaftlich“ wurde zu einem Kriterium, mit dem man versucht, die Richtigkeit einer Behauptung, einer Theorie oder eines Gedankens zu messen. Wir alle denken in wissenschaftlichen Kategorien, selbst in Bereichen, die im eigentlichen Sinn mit Wissenschaft nichts zu tun haben. So wurden wir in einem hohen Maße „wissenschaftsgläubig“, ohne uns des Widersinns in diesem Wort so recht bewußt zu werden. […] Jede Theorie ist zur Zeit ihrer Erstellung jeweils ein Abbild des Bewußtseinszustandes ihrer Erzeuger. Durch das ständige Weiterforschen entwickelt sich auch der Bewußtseinszustand weiter und läßt bald die frühere Theorie als zu eng erscheinen; eine neue, umfassendere Theorie wird notwendig und so fort. So ergibt sich als zwangsläufiges Gesetz, daß durch die immer weiter fortschreitende Ausweitung des Bewußtseins der Menschheit jede Theorie früher oder später überwachsen wird und neuen Erkenntnissen Platz machen muß. Denn die Wahrheit von heute ist der Irrtum von morgen.
Ein Blick auf die Geschichte der Wissenschaft bestätigt in eindrucksvoller Weise diesen Satz. Die Geschichte der Wissenschaft ist die Geschichte menschlicher Irrtümer. Es gibt jedoch keinen Grund, sich dieser Tatsache zu schämen, denn jeder weiß, daß man am besten aus Fehlern lernt. Grotesk ist lediglich, daß jede Generation absolut sicher ist, daß Irrtümer ausschließlich in der Vergangenheit begangen wurden und sich deshalb durch nichts in ihrer tiefen Überzeugung erschüttern läßt, jetzt die absolute und endgültige Wahrheit gefunden zu haben. In diesem Punkt übertrifft die Glaubensstärke der Wissenschaft mit Leichtigkeit jede religiöse Sekte.
Auch das Verhalten jenen gegenüber, die durch neue Anschauungen die „allgemeingültige Wahrheit“ der Zeit in Zweifel ziehen, hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit religiösem Fanatismus. Allerdings ist es eine der menschlichen Kardinalschwächen, sich gedanklich zu fixieren und diesen eigenen Standpunkt mit aller Kraft bis ans Lebensende zu verteidigen. Hier steht die Wissenschaft lediglich in einer besonders reizvollen Diskrepanz zur (verdächtig) lauten Betonung ihrer Objektivität.

(Thorwald Dethlefsen)

Wienerisches Diarium, 21.5.1746

Extact eines Schreiben aus Londen von 5. May.
Ein von Edinburg vorgestern alhier angekommener Currier / hat die Nachricht gebracht / daß der Hertzog von Cumberland den 26. April eine vollkommene Victori über die Rebellen erhalten / und gestern ist solches durch den Lord Bury / Adjutanten des Hertzogs / welchen Seine Königl. Hoheit mit gedachter Zeitung zu den König geschicket / bekräftiget worden: um 2. Uhr Nach-mittag fienge das Canoniren auf beyden Seiten an; der rechte Flügel deren Rebellen / deren gantzes Corps in mehr / als 8000. Mann bestunde / griffe den Linken Flügel deren Königl. Truppen sehr hertzhaft an; kaum aber hatten sie das zweyte Feuer deren Mußquetierern ausgehalten / als sie mit denen aufgepflantzten Bajonetten über den Hauffen geworfen wurden / und alle mit größter Eil und Unordnung rechts und linker Hand die Flucht ergriffen / da indessen die völlige Königl. Reiterey / nebst der Militz aus der Provintz Argile nicht nachliessen sie zu verfolgen. Von Seiten deren Rebellen seynd tausend Mann / theils auf dem Platz / theils in der Verfolgung todt geblieben / und ungefähr 600. gefangen genommen worden: der Lord Kilmarnock / der Ritter Wedderburn / der Herr Murray / Secretari des Sohns des Prätendenten / und der sich also nennende Französis. Bottschafter befinden sich unter diesen letzten. Die Frantzösische in fast 300. Mann bestandene Piketer haben / ohne einen Schuß zu thun / das Gewehr niedergeleget / und sich auf Discretion ergeben. Die Rebellen haben noch über dieses ihre gantze Artillerie nebst einigen Fahnen verloren. Man sagt / der Sohn des Prätendenten habe sich mit ungefähr 10. Personen / wie viele behaupten / gar über das Meer salviret / mit dem Zusatz / daß die Mannschaft des Lords Reay / den Lord Cormardy mit 100. Mann in der Provintz Sutherland sollen gefangen genommen haben. Der gantze Verlust deren Engländern bestehet nur in 30. Todten / und gegen 100. Verwundten / zwey Haupt-Leute / worunter der Lord Kerr / werden unter die ersteren gezehlet.

Wienerisches Diarium, 28.5.1746

Newcastle 2. May.
Diesen Nachmittag um 2. Uhr langte alhier die erfreuliche Bottschaft an / daß der Hertzog von Cumberland die Rebellen bey Invernes völlig geschlagen habe. Man hat niemals eine so erfreuliche Nachricht in dieser Stadt verspühret. Das Regiment von Granby rukte sogleich aus / und gabe auf dem Sand-Berg eine 3-malige Salve. Die Gloken wurden auf allen Thürnen geläutet / die Canonen abgefeuret / und auf dem Strome wimmelten die Schiffe. Des Abends ware die gantze Stadt illuminiret / und an verschiedenen Orten brannten Freuden-Feuer / in welchen das Bildnuß des Prätendenten mit eingeäschert worden. Fast in allen Gesellschaften wurden auf das Wolseyn des Königs / des Printzen von Wallis / des Hertzogs von Cumberland / nebst des Printzen von Hessen / die Gläser geleeret.

Leipziger Zeitungen, 10.5.1746

London den 29. April. Die Transport-Schiffe, die man in grosser Anzahl auf der Themse und sonst kürzlich gemiethet hat, sind dem Verlaut nach zu einer geheimen Unternehmung bestimmt. Es haben über 11000. Mann Befehl, sich zum Einschiffen fertig zu halten, und man muthmasset, daß es mit diesem grossen Armement auf eine Landung in Franckreich abgesehen seyn dürfte. Nach Briefen von Edimburg unterm 21. dieses hat die Armee des Herzogs von Cumberland am 16. frühe sich von Aberdeen auf den Marsch begeben. Verschiedenen Briefen zu Folgen wären seit dem 14. die Rebellen bey hunderten zu dem General Bland gekommen, welcher ihnen erlaubt hätte, wieder nach Hause zu kehren, nachdem sie ihr Gewehr abgeleget. Gestern Nachmittags um 4. Uhr langte bey dem Herzoge von Newcastle ein Expresser von dem Herzoge von Cumberland mit der Nachricht an, daß die Rebellen, fast 3000. Mann starck, nachdem die Armee die Spey paßiret, sich aufs eiligste zurück gezogen. Dieser Courier hat die Armee den 23. Abends um 8. Uhr jenseit der Spey verlassen. Man hat auch folgendes Extract-Schreiben unter eben dem Tage. Diesen Morgen hat sich der Herzog von Cumberland von Collin, einem dem Grafen von Finlater gehörigen Gute, auf den Marsch begeben, und ist um 1. Uhr an dem Ufer der Spey angelanget, über welchem Fluß man 4. Corps der Rebellen mit 4. weissen Fahnen bemercket. Se. Kön. Hoheit liessen Halte machen, den Rest der Armee zu erwarten, und befahlen nach der Ankunft aller Truppen der leichten Cavallerie, dem Regiment von Campbell, und den Grenadiers, an einem seichten Orte überzusetzen, da immittelst die Dragoner es an einem andern Orte thaten. Das Cavall. Regiment von Kingston hat sich am ersten ins Wasser gewagt, und ist, nachdem es sich auf jener Seite befunden, in starckem Galop mit dem Degen in der Faust gegen das Gebürge, wo die Rebellen gestanden, geritten, welche so fort die Flucht ergriffen, ob sie gleich sehr vortheilhaft postirt gewesen. Weil man aber ihre Absicht nicht weiß, und weil zu dem Ubergang der Infanterie 3. Stunden Zeit erfordert wird, so hat der Herzog beschlossen, diese Nacht Nordwerts des Flusses zu campieren. Wir haben bey der Passage nur einen einzigen Mann verlohren. Die Rebellen waren gegen 2000. Mann an der Zahl, und sie haben nur 2. Flinten-Schüsse gethan.

Leipziger Zeitungen, 17.5.1746

London den 3. May. Am Sonnabend Nachmittags verfügte sich der König in das Parlement, und gab seine Einwilligung zu verschiedenen öffentlichen und Privat-Bills. Heute ist im Ober-Hause beschlossen worden, Sr. Maj. eine Adresse zu überreichen, und um Communication der Vorschläge zu Lieferung eines Corps Hannöverischer Truppen, wie auch um Abschrift von dem am 13. April durch den Kaiserl. gevollmächtigten Minister, Baron von Wasner, dem Grafen von Harrington übergebenen Memorial, nebst der Abschrift von einem durch den Ritter Osorio übergebenen Memorial, einem Schreiben des Grafen von Harrington an die Herren von Boetzelaer und Hop, und endlich der von den General-Staaten abgefaßten Resolution zu bitten. Man vernimmt, daß das Lager, das in dem District bey Finchley errichtet werden solle, vorietzo nicht statt haben werde. Am Sonntage hat der Hof wegen Absterbens des Herzogs von Braunschweig-Bevern die Trauer angeleget. Die Regierung soll wegen eines von dem Französischen Hofe gemachten Anschlages zu Vergrösserung der gegenwärtigen Rebellion wichtige Dinge entdecket, aber auch schon die nöthige Vorsicht gebrauchet haben, solches Project zu nichte zu machen. Einigen Nachrichten aus Schottland zu Folge ist der Secretarius des jungen Prätendenten, Murrai, daselbst gestorben. Von Aberdeen wird gemeldet, daß ein Detachement von dem Corps des Generals Bland 3. Deserteurs dahin gebracht, welche ausgesaget, daß die Bestürzung und Unordnung bey den Rebellen durch den Verlust des Chaloupe, der Hazard, wegen des darauf befindlich gewesenen Geldes sehr vermehret worden, wovon ein Drittel für die Französischen Truppen und die Mannschaft des Lords Drummond bestimmt gewesen, und daß dieser Zufall ein gewaltiges Murren und eine grosse Desertion verursacht hätte. Wie sie ferner ausgesaget, hätte sich bey ihrem Abgange der Sohn des Prätendenten zu Inverneß bey Mylady Makintosh befunden, und er hätte sich seit einiger Zeit viel Mühe gegeben, daß die Chefs ihre Leute aufmuntern möchten, mit dem Herzoge von Cumberland eines zu wagen. Weil aber verschiedene ihrer Detachements das Land bis in die Grafschaft Sutherland durchstreiften, und 2. ziemlich starcke Corps, die zu den Rebellen gestossen, sich von ihnen wieder getrennet, um nach Hause zu kehren, nachdem sie gehöret, daß der Lord Reay sich des Schatzes bemächtiget, darauf man sie vertröstet, und versichert, daß er glücklich aus Franckreich gekommen wäre: so glaubte man durchgehends, daß die Rebellen genöthiget werden würden, Inverneß zu verlassen, um sich weiter Nordwerts zu wenden, wo sie endlich ihren unvermeidlichen Ruin finden dürten, weil sie unmöglich daselbst bestehen könten. Damit [unleserlich] nicht dergestalt aufs äusserste gebracht werden möchten, zögen sie alle ihre zerstreuete Detachemens so wohl als das Corps von 1000. Mann, welches das Fort William belagern sollen, zusammen, um, wo möglich, Stand zu halten, und es auf ein Treffen ankommen zu lassen. Sonst weiß man auch aus Schottland, daß die Einnehner wieder angefangen haben, das von der Land-Taxe eingehende Geld zum Exchequer zu zahlen; welches, da es fast seit dem Ausbruch der Rebellion nicht geschehen, zu erkennen giebt, daß die Sachen in selbigem Königreiche besser lauffen.

Leipziger Zeitungen, 19.5.1746

Berwick den 26. April. Verwichenen Freytag langte das Kriegs-Schiff Sherneß hier an, und den Sonnabend sezte es die am Bord habende Gefangene ans Land, welche in 22. Officiers und über 110. Matrosen und Gemeinen bestunden. Von erstern sind 18. welche Engelländer, Schott- oder Irrländer sind, in die Gefängnisse gebracht worden, um genau bewahret zu werden, die 4. andern aber, welche Franzosen von Geburt sind, hat man in einen Gasthof geleget, und ihnen erlaubt, auf den Gassen herum zu gehen. Die 3. vornehmsten Officiers von der Chaloupe, der Hazard, liegen in Ketten und Banden. Heute frühe ist das Kriegs-Schiff wieder unter Segel gegangen, Nordwerts zu kreutzen. Den einlauffenden Nachrichten zu Folge ist die Desertion unter den Rebellen sehr groß, und sie kommen alle Tage bey ganzen Haufen mit ihren Officiers zu dem General Bland, welcher ihnen Pardon verspricht, wenn sie ruhig nach Hause kehren, und so gleich darauf ihre häusliche Verrichtungen nebst dem Feldbau zu Verhütung einer allgemeinen Theurung wieder vornehmen wollen.

Wienerisches Diarium, 14.5.1746

Londen, 29. April.
Diejenige Transport-Schiffe welche man gedungen, und deren eine grosse Anzahl ist, sollen zu einer besondern Unternehmung bestimmet seyn. Mehr als 11000. Mann haben Befehle erhalten, sich zum Einschiffen bereit zu halten. Der Hertzog von Neucastell bekame gestern Nach-mittags um 4. Uhr mit einem aus der Armee Ihro Majest. des Königs den 23. Dito Abends um 8. Uhr, jenseits des Spay-Flusses abgegangenen Currier, von Ihro Königl. Hoheit dem Hertzog von Cumberland die Nachricht, daß die Rebellen ihr vortheilhaftes Lager, so sie an jener Seite des besagten Spay-Flusses gehabt, in gröster Eilfertigkeit verlassen, und die Flucht genommen, so bald besagte Rebellen gesehen, daß die Königl. Truppen über den Strom gesetzet. Unter andern wird in diesem Brief, welchen der Currier mitgebracht, folgendes gemeldet: Heute brache der Hertzog bey Callin auf, welches eine dem Grafen von Finlater gehörige Herrschaft ist, und langte gegen 1. Uhr am Ufer des Spay-Flusses an, man wurde über diesem Fluß ein Corp Rebellen mit 4. Fahnen gewahr; Es liessen hierauf Ihro Königl. Hoheit Halt machen, um die nachfolgende Armee zu erwarten, da nun dieselbe angelanget, gienge es in vollem Galopp mit dem Säbel in der Faust auf die Anhöhen, wo die Rebellen stunden, loß, welche aber alsogleich die Flucht ergriffen. Wir haben bey dem Ubersetzen dieses Flusses nur einen Mann verloren, die Rebellen aber waren 3000. Mann stark.

Wienerisches Diarium, 18.5.1746

Londen 29. April.
Von Bath vernimet man, daß den 23. dieses dasjenige Hause, in welchem Ihro Königl. Hoheit die Prinzessin ihr Quartier währender Bad-Cur gehabt, in den Brand gerahten, und einige Equipage dadurch verloren gegangen. Von der Französischen Chaluppe, welche der Capitain Talbot, ein Irrländer, commandiret, und von dem Engländischen Kriegs-Schif des Capitain Obrian auf der Höhe von Fratzeburg angetroffen, und bis an die Küste von Strahnarern verfolget worden, wo berichterer massen die Chaluppe gestrandet, hat man noch folgende Particularia erhalten, daß besante Chaluppe von dem Kriegs-Schif dergestalt beschossen worden, daß 87. Matrosen, nebst t[?]ichen Officiers getödtet worden, man habe auch 14. Küsten mit Pistolen, und Säbeln, 13. Fässer Pulfer, und 15000. Pfund Sterling erobert. Unter denen Officiers, die man gefangen, seyen ohne dem Obristen Broun, und Capitain Talbot 3. in Französischen, und Spanischen Diensten stehende Capitains, Schottisch, und Irrländischer Nation, einige Leutenants, 2. Pyloten, und gemeine Matrosen, nebst einigen Deserteurs von des Königs Truppen.

(Mehr dazu hier und hier.

Etatfragen!

Wienerisches Diarium, 14.5.1746

Londen 26. April.
Der am Freytage in dem Unter-Hause wegen Unterhaltung eines neuen Corp Hannöverischen Truppen in Braband geschehene Vortrag, ist nach langen Worten-Wechsel durch 255. gegen 122. Stimmen nach dem Sinn Ihro Majestät des Königs angenommen, und zum Unterhalt deren Hannöverischen Truppen in Braband 300. tausend Pfund Sterling bewilliget worden. Besagte Hannöverische Truppen bestehen in 5000. Mann zu Pferd, und 13000. Mann zu Fuß. So seynd auch 10000. Pfund Sterling für den Train der zu diesem Corp gehörigen Artillerie verewilliget worden. Nicht weniger hat man für Ihro Majest. die Kaiserin, und Königin von Ungarn eine Subsidien von 400. tausend Pfund Sterling, wie auch 100. tausend Pfund für Ihro Majest. den König von Sardinien durch 189. gegen 83. Stimmen zugestanden. Ein Expresser, so am Freytage aus Aberdeen bey Hofe angelanget, hat die Bestättigung mitgebracht, daß die Rebellen die Belagerung des Forts William aufgehoben, ihre Batterien welche mit 8. Stüken, und 7. Mörsern besetzt gewesen, im Stich gelassen, und sich retiriret, worauf der Commandant des Forts diese Stüke, und Mörser in das Fort bringen lassen.

Leipziger Zeitungen, 9.5.1746

London den 26. April. Am 22. brachte man in der Cammer der Gemeinen in Vorschlag, 300000. Pfund Sterlings für die 2. Corps Hannöverische Truppen von 5000. Mann Cavallerie und 13000. Mann Infanterie, die in den Niederlanden mit den Oesterr. und Holländischen Truppen in dem jetzigen Jahre agiren sollen, zu verwilligen. Hierüber kam es zu grossen Debatten, bis endlich solcher Vorschlag durch 255. Stimmen gegen 122. gebilliget wurde. Man fassete hierauf noch folgende Entschliessungen, als 10000. Pfund Sterlings zu einem Zuge Artillerie, der mit diesen Truppen kommen soll, 400000. Pfund Sterlings aber für die Kaiserin Königin in Ungarn, um sie in den Stand zu setzen, ihre Alliirten zu unterstützen, und zu solchem Ende heuer 50000. Mann in den Niederlanden zu unterhalten, und 100000. Pfund Sterlings für den König von Sardinien zu bewilligen, um ihn in den Stand zu setzen, den Krieg in Italien heuer fortzuführen. Diese Entschliessungen wurden gestern durch 189. gegen 83. Stimmen gebilliget. Man vernimmt, daß die Commissarien der Admiralität gestern einen gewissen Admiral vor sich beruffen lassen, und dessen Nahmen in seiner Gegenwart in der Admirals-Liste ausgestrichen. In Briefen von Aberdeen wird gemeldet, daß die Zerstöhrung der Wohnungen der Rebellen in Lochaber und die Wegnehmung alles ihres Viehs eine so gute Würckung gehabt, daß die Rebellen in daseigen Gegenden die Parthey des Prätendenten verlassen, und zu den ihrigen zurück gekehret. Am 22. Abends langte eine Expresser von Edimburgh zu Whitehall an, von welchem man erfuhr, daß die Rebellen die Belagerung des Forts William mit Hinterlassung ihres Geschützes an 8. Canonen und 7. Mörsern aufgehoben. Vorgestern überbrachte ein anderer Expresser aus Aberdeen von dem Herzoge von Cumberland die Nachricht, daß das Kriegs-Schiff Sheerneß die Chaloupe, der Hazard, welcher die Rebellen den Nahmen Prinz Carl Stuart beygeleget, und die aus Franckreich nach Schottland gesegelt, bey Strathnavern in der Grafschaft Sutherland ans Land gejaget, wovon sich zwar die Equipage, und über 20. Officiers nebst etwa 100. Gemeinen mit der bey sich gehabten Baarschaft von 12000. Guineen ans Land geflüchtet, sie wären aber durch die Mackais dasigen Lands unter Anführung des Capitains George Mackai, Sohns des Lords Rae, angegriffen, geschlagen und gefangen worden. Man hat mit diesem Courier zugleich vernommen, daß der Herzog von Cumberland den 19. von Aberdeen über Bampf nach Inverneß aufbrechen, die Armee aber 2. Tage hernach daselbst auch anlangen sollen.

Ein Wort zum…

Die Eitelkeit will Wahrheit nie erkennen lassen, gleichviel, wo sie zu finden ist. Was sie sich darin alles leistet, zeigt die Stellungnahme dieser Erdenmenschheit schon dem Erdensein des Gottessohnes gegenüber, welches in seiner wahren, großen Einfachheit dem eitlen Menschensinne nicht genügt. Der Gläubige will „seinen“ Heiland nur nach seinem Sinne haben! Deshalb schmückt er den Erdenweg des Gottessohnes Christus Jesus mit erdachten Vorkommnissen aus.
Nur aus „Demut“ allem Göttlichen gegenüber muß dieser Heiland nach der Menschen Sinn als Gottessohn auch unbedingt „übernatürlich“ sein. Sie überlegen dabei nicht, daß Gott selbst die Vollkommenheit des Natürlichen ist, und die Schöpfung aus dieser seiner vollkommenen Natürlichkeit heraus durch seinen Willen sich entwickelte. Vollkommenheit trägt aber auch die Unabänderlichkeit in sich. Wäre eine Ausnahme in den Schöpfungsgesetzen möglich, die nach dem Willen Gottes sind, so müßte darin eine Lücke sein, es hätte an Vollkommenheit gemangelt.
Menschliche Demut aber hebt sich über all dies hinaus; denn sie erwartet, ja verlangt bei einem Erdensein des Gottessohnes Abänderung bestehender Gesetze in der Schöpfung, also Übertretung. Ausgerechnet nun von dem, der doch gekommen war, alle Gesetze seines Vaters zu erfüllen, wie er selbst es sagte! Sie erwartet von ihm Dinge, die nach den Gesetzen der natürlichen Entwicklung einfach unmöglich sein müssen. Und ausgerechnet damit soll sich seine Gottheit zeigen, das Göttliche, das die Grundlage der Naturgesetze lebendig in sich trägt!
Ja, Menschendemut kann viel fertigbringen. Aber ihr richtiges Gesicht ist Forderung, nicht wahre Demut. Höchste Anmaßung, ärgster, geistiger Hochmut! Die liebe Eitelkeit deckt nur ein Mäntelchen darüber, das der Demut ähnlich scheint.
Traurig ist nur, daß auch so oft wirklich Gutwollende sich in der anfänglich ganz echten Demut unbewußt in ihrer Hingerissenheit bis zu den unmöglichsten Dingen steigern.
Es erstanden Einbildungen, deren Weitergabe großen Schaden brachte.
So mußte schon das Jesuskind die größten Wunderdinge ausgeführt haben. Sogar bei den kindlichsten Spielen, die es trieb wie jedes Kind, wenn es gesund und geistig rege ist. Die kleinen Vögel, die es spielend aus einfachem Lehm formte, wurden lebend, flogen lustig singend in die Luft, und viele solcher Dinge mehr. Es sind die Vorgänge einfach unmöglich, weil sie allen Gottgesetzen in der Schöpfung widersprechen!
Dann hätte ja Gottvater seinen Sohn auch fertig auf die Erde stellen können! Wozu war eine Menschenmutter nötig! Die Unannehmlichkeiten der Geburt! Können die Menschen denn nicht einmal einfach denken? Sie unterlassen es aus eigener Eitelkeit heraus. Der Erdengang des Gottessohnes muß nach ihrer Ansicht anders sein. Sie wollen es, damit „ihr“ Heiland, „ihr“ Erlöser nicht den Gesetzen Gottes in der Schöpfung unterworfen war. In Wirklichkeit wäre das zwar in ihrem Denken nicht zu klein für ihn gewesen, den Gottessohn, aber für alle die, welche in ihm ihren Erlöser anerkennen wollen! Menschliche Eitelkeit und weiter nichts!
Sie überlegen nicht, daß es für Jesus noch viel größer war, daß er sich freiwillig diesen Gesetzen unterwarf durch seine Fleischwerdung, nur um die Wahrheit in dem Wort zu bringen jenen Menschen, welche frevelnd durch Verbiegung ihres Erdenwerkzeuges sich unfähig dafür gemacht hatten, die Wahrheit aus sich selbst heraus noch aufzunehmen, zu erkennen. Sie waren viel zu eitel, um in dem Worte selbst die Sendung Christi als erfüllt zu sehen. Für sie, die eitlen Menschen, mußte Größeres geschehen!
Und als der Gottessohn am Kreuze dann den Erdentod erlitt und starb, wie jeder Mensch am Kreuze sterben muß, weil es den Gottgesetzen in der Schöpfung so entspricht, als der menschliche Körper nicht einfach vom Kreuze steigen konnte, unverletzt, da blieb der Eitelkeit nichts weiter übrig als die Ansicht, daß der Gottessohn so sterben mußte, nicht heruntersteigen wollte, um den armen Menschlein ihre Sünden dadurch abzunehmen, damit sie daraufhin nun froh empfangen werden in dem Himmelreich!
Und so erstand der Grund zu der späteren Auffassung der Notwendigkeit des Kreuzestodes, die die traurige, große Irrung unter die heutigen Christen brachte, nur aus der Menscheneitelkeit heraus. […]
Wenn Christus fleischlich hätte auferstehen können, so war es unbedingt auch folgerichtig, zu erwarten, daß er die Möglichkeit besaß, auch fleischlich fertig schon von dort auf diese Erde hier herabzukommen, wohin er bei der Auferstehung fleischlich gegangen sein soll. Daß dieses aber nicht geschah, daß er im Gegenteil von Anfang an die Wege eines jeden Menschenkörpers von Geburt an auch durchleben mußte, mit allen kleinen und mit allen großen Mühen, spricht mit vielen anderen Notwendigkeiten seines Erdenseins deutlich genug dagegen, ganz abgesehen aber davon, daß es so und anders nicht sein konnte, weil auch der Gottessohn sich den vollkommenen Gesetzen seines Vaters in der Schöpfung fügen mußte.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Das verbogene Werkzeug“)