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Archive for the ‘Kriegsende – Nachkriegszeit – Massenvergewaltigungen – Vertreibung’ Category

Die Brexit-Befürworter haben ein Klima von Wut und Angst geschaffen. Sie müssen einen Teil der Verantwortung dafür übernehmen, dass ein Verrückter die proeuropäische Labour-Abgeordnete und langjährige Oxfam-Mitarbeiterin Jo Cox ermordete.
(Hans Dembowski: Schlechte Nachricht aus London)

Nach einigem Lesen in Ellen Moodys privatem Blog kam mir plötzlich der Gedanke um Völkerkarma. Heute nicht mehr unbedingt bekannt außer bei Leuten, die sich mit der Zeit beschäftigen (so eben auch yours truly), aber ein heißes Thema nach Ende des Zweiten Weltkriegs war, in erster Linie gepusht von den USA, die Kollektivschuldfrage. Soll heißen: Das deutsche Volk als solches trage die Schuld an den Verbrechen des Nazi-Regimes. Die Begründungen dafür muten naiv an, aus der unerschütterlichen Sicherheit eines rechtsstaatlichen, demokratischen Systems heraus geboren. The Land of the Free statt Old Europe. Und natürlich ist die Schuldfrage, die letztlich mit der Geschichte der Demokratie in Deutschland zusammenhängt, ein weites Feld, über das sich trefflich diskutieren und streiten läßt. Mein Punkt hier ist ein spiritueller. Ellen Moody und Caitlin Kiernan und viele andere beobachten mit Sorge die Entwicklung in ihrem Land. Es wird viel Unheil prophezeit, das eintreten mag oder auch nicht. Die interessante Frage ist: Sollte besagtes Unheil eintreten, vielleicht gar auf internationaler Ebene – oder ganz breit gefächert könnte man auf das bereits angerichtete Unheil eingehen, das die USA seit Jahrzehnten in aller Welt anrichten – würde das US-amerikanische Volk seine eigene Geschichte darin wiedererkennen? Trägt nach der gleichen Logik, die seitens der USA damals auf Deutschland angewandt wurde, nicht auch das amerikanische Volk als solches die Schuld an den Verbrechen seiner Führung?
Früher oder später holen einen diese Dinge immer wieder ein.

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https://clarissaschnabel.wordpress.com/
Unter anderem eine spannende neue Übersetzung von Eine Frau in Berlin. Ich finde die Ausgabe hochpolitisch…

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Weihnachtsgeschenke vor siebzig Jahren – Tipps aus der Nachkriegszeit und zwei Hungerwintern.

„Nun ist die Zeit der Heimlichkeiten…“ aus Ins neue Leben, 28/1946

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„Höchste Zeit für Weihnachtsbastler“ aus Ins neue Leben, 22/1947

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Und auch die Witzseite nimmt sich der Notsituation an. Ich liebe die Ins neue Leben für ihre Nicht-Vermeidungspolitik. (Ebenfalls 28/1946)

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A propos, ein Artikel, hinter dem ich Marta Hillers als Autorin vermute. (Ebenfalls 28/1946) Die Thematik paßt, und es ist ihr Stil – nicht der, in dem sie ihre „erwachsenen“ Artikel oder gar Eine Frau in Berlin verfaßte, aber ihre Jugendartikel.

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„Würden Sie erkennen, ob sie einen Text geschrieben hat oder nicht?“ fragte mich im Zuge meiner Recherchen eine ihrer Verwandten. Ich beantwortete das mit einem Ja, unter Einschränkungen. Sicherlich hätte ich keine hundertprozentige Trefferquote, aber ich traue mir zu, recht gut aussieben zu können. (Geheimtipp: Um Marta als Autorin von nicht gekennzeichneten Artikeln zu erkennen, ist ein starker Anhaltspunkt das „wir“. Eine Stilform, die sie in fast jedem ihrer Artikel bis ins hohe Alter verwendete.)

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Muttern und ich hatten am Wochenende das beliebte Gespräch: Man möchte immer das, was der andere hat. Während ich in jungen Jahren meine beste Freundin um ihre Jeans‘ und ihr Kosmetikset für Kinder (Creme etc.) beneidete, waren andere auf meine „spanische“ Barbie und die Cowboystiefel meiner, ja, Cowgirl-Barbie scharf. Muttern, in einer bizarren Umkehrung der Wünsche nach Kinderart, beneidete die Flüchtlingskinder, die in der Dorfschule mit Kakaosuppe (also quasi heißer Schokolade) versorgt wurden, sowie um deren „urgemütliche“ Unterkunft in der Baracke. Die Eltern eines Kollegen, die ebenfalls als Ostpreußenflüchtlinge ankamen, hatten das ganz anders in Erinnerung…

Irgendwie passend dazu stolperte ich in der August-Vorschau von Harlequin Comics (warum diese Sparte keinerlei Internetpräsenz außerhalb ihres japanischen Originals hat, ist mir schleierhaft) auf die Adaption von Michelle Celmers Money Man’s Fiancée Negotiation, namentlich die Szene, in der Heldin Melody beeindruckt ist, wieviel sie laut Fotos aus ihrer mageren Oberweite herausholen kann, wohl mittels ganz erstaunlicher Push-up-BHs. Zeichnerin und… wie nennt man das? Adapterin? Nasuno Amano fügte einen Witz für das japanische Publikum ein.

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Ließ mich vermuten, daß die ja meist ebenfalls mit wenig Vorbau versehenen Japanerinnen einen großen Markt für solche Kontraptionen bilden. (Jaja, Muttern: Massage. Frau Rütting hat’s gesagt.) Ähnlich wie es vor Jahren mal hieß, Japanerinnen ließen sich gern ihre Augenform auf „europäisch“ umoperieren – während es im Westen genug Leute gibt, die für „Mandelaugen“ töten würden…
Wer sich mal mit dem Thema befassen möchte – Dinge, die man nie wissen wollte – sollte sich diesen Blogeintrag einer Texanerin in Tokio durchlesen: http://howibecametexan.com/2013/06/08/foreigners-guide-for-bra-shopping-in-japan-how-to-try-on-japanese-bras/ (Warnung: Kulturschock!)

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Nun habe ich doch unwissentlich was Falsches erzählt. Berichtete ja, daß noch kein Film direkt über Columbine existiere, und prompt wurde ich auf etwas geschupst, das mich eines Besseren belehrte. Wollte mir nach Jahren mal wieder Zero Day ansehen und stellte fest, daß er bei Amazon.de derzeit nur für teuer Geld zu haben ist. (Man soll bekanntlich nichts weggeben. Auch April Showers ist so gut wie gar nicht mehr als Original-DVD zu erhalten [eBay, wenn man Glück hat], sondern nur mit internationalem Titel oder in polnischer Ausgabe zu ebenfalls nicht wenig Moneten. Seinerzeit bekam ich alles zu völlig annehmbaren Preisen.) Aber Schnabeline ist ja Welteinkäuferin und schaute bei Amazon.co.uk nach, wo sie die DVD inklusive Porto für läppische 4,20 Euro einsackte. Ich war dann schon fast wieder weg, als ich aus dem Augenwinkel noch eine Kaufempfehlung erspähte, mit dem *leicht* reißerischen Titel Massacre at Columbine High. Au Backe, das mag ja was sein, dachte ich mir unter Vorstellung zweifelhafter Fanproduktionen… aber nö. Der Discovery Channel co-produzierte diese Dokumentation mit Interviews und Reenactment im Zuge der Zero Hour-Serie. Im Sinne der Serie konzentriert sich die Doku kaum auf Hintergründe und Folgen, sondern schildert in erster Linie die Geschehnisse am 20. April 1999, dabei hauptsächlich der ersten Stunde, in der alle Morde und Selbstmorde stattfanden.
„Au Backe“ sagte ich teilweise trotzdem, denn die Darstellung der Täter ist mitunter doch etwas… überzogen. Reales Leben ist nicht Hitmen for Hire, Leute. Man muß beim Ansehen bedenken, daß die Dokumentation von 2004 stammt, also lange vor dem Erscheinen von Dave Cullens Columbine. Entsprechend fehlen noch einige wesentliche Informationen. Andererseits sind Infos enthalten, von denen ich bis dato noch nie gehört hatte – Brooks Brown (der mit seinen trockenen Kommentaren weite Interviewstrecken trägt) beispielsweise erwähnt etwas zu den Dialogen in der Bibliothek, was mich schlußfolgern läßt, daß er die Aufzeichnung von Pattie Nielsens Notruf in Gänze gehört haben muß, vielleicht zu Zwecken der Identifizierung? Ebenfalls enthalten ist ein Video, das Sue Klebold in ihrem Buch erwähnt – leider mit VO überdeckt, so daß die Originaltonspur kaum zu verstehen ist.

Übrigens: Belas mich nun, daß I’m Not Ashamed schon zweimal verschoben wurde. Ursprünglich war geplant, ihn am 20. April, dem siebzehnten Jahrestag, in die Kinos zu bringen. Das wurde dann auf September verschoben (inzwischen Oktober), und ich vermute stark, daß dies mit der Veröffentlichung von Sue Klebolds Buch im Februar zusammenhängt.

More time was needed to make the best picture possible and it was also requested by Rachel’s mom and family.

heißt es auf Facebook, was für mich mehrere Möglichkeiten zuläßt. a) Man wollte nicht um Medienaufmerksamkeit konkurrieren oder b) in den Verdacht des Trittbrettfahrens kommen. c) Das Schlüsselwort lautet „Nachdreh“. Vielleicht wurden einige Szenen nach den Erkenntnissen von A Mother’s Reckoning neu gedreht oder d) geschnitten – ich hoffe zum Beispiel, daß, sofern sie jemals enthalten war, die Trench-Coat-Mafia-Legende rausgenommen wurde. Sie wurde schon 1999 widerlegt, spukt aber immer noch durchs Netz und fand ihren Weg noch in das knapp ein Jahr nach Columbine veröffentlichte Rachel’s Tears, auf dem der Film, soweit ich es einschätzen kann, hauptsächlich basiert. Gleiches gilt für Cassie Bernall, deren vermeintliche Geschichte perfekt in einen Pureflix-Film passen würde und auch zur Märtyrer-Thematik, auf die sich Beth Nimmo eingeschossen hat… aber leider nicht der Wahrheit entspricht. Schon in Rachel’s Tears wurde sie, wenn auch sichtlich widerstrebend, mit Vorsicht genossen. Wer sich hingegen auf Facebook durch die Kommentare liest, wird sie wiederholt finden. Man sollte keine Fakten in den Weg einer guten Legende kommen lassen!

Eine Frage, die ich Columbine-Autor Dave Cullen frustriert stellte, nachdem ich mit tiefem Stoßseufzer wieder einmal ein Wiederkäuen der Marta-Legende „Ihr Buch stieß auf empörte Ablehnung… blabla… Ehre der deutschen Frau verletzt… bla“ antraf, war, ob ihn die nicht totzukriegenden Mythen nicht nervten. Ich meine, die Leute könnten es ohne große Mühe besser wissen, aber selbst keine große Mühe ist offenbar schon zuviel Mühe für sie. Oh ja, es nervt, sagte er. Aber er arbeitet dazu unter verschärften Bedingungen, da (grusel) Columbine eine Menge extrem fragwürdiger Fans hat, deren Weltsicht er mit seinen verdammten Fakten verletzt – und deshalb eine Menge entsprechender Kommentare und nicht ganz so freundliche Benennungen auf Social Media kassiert. Er formulierte das in seiner Antwort höflich als „Leute, die wenig Arbeit in das Thema investieren, aber seine Erkenntnisse kritisieren“. Auf Twitter ist er etwas direkter gegenüber den so titulierten „Columbullies“ (und ich warne ernsthaft vor dem Lesen ihrer Kommentare, wenn man keine Stabilitätspunkte verlieren möchte).
Wie er es speziell betreffend der Nachahmtäter ausdrückt:

Columbine created a new template for these attacks. But Columbine is so misunderstood that these attacks are following a false script.
http://www.davecullen.com/columbine.htm

„Forschen gefährdet die Dummheit, bringt aber nicht immer die Ergebnisse, die man gern hätte. Das macht Recherche vielleicht so unliebsam“, schrieb ich in einem früheren Eintrag, und diesen erstaunlich weisen Eintrag, in dem ich mich spezifisch auf die russische Erinnerungskultur bezog, der aber, wie ich heute finde, auch ganz global gelten kann.
Und ich kann nicht glauben, daß ich mich in einem Atemzug mit hochdekorierten Schreibern nenne, aber als „myth buster“ lernt man schnell Frustration kennen. Die Leute wollen es gar nicht besser wissen. Die Legenden sind viel schöner, und man kann so viel persönliche Anschauung darin unterbringen.

A propos Atemzug, etwas, für das ich im Laufe meiner Recherchen sehr sensibel geworden bin, ist die Erwähnung des, wie ich es nenne, PTSD aus zweiter Hand. Ich habe es an mir erlebt und stellte später zu meiner Erleichterung fest, daß ich nicht der dumme Laie bin, dem das im Gegensatz zu den Profis passiert, sondern daß auch große Namen berichten, davon betroffen zu sein.

Antony Beevor:

The horrors do get to you. For years after writing Stalingrad, I could not look at a plate of food without thinking how much it would have meant to people at the time, whether Germans, civilians or Soviet soldiers. When working in the Russian archives with my colleague, Lyuba Vinogradova, she was often in tears at the material we encountered. I did everything I could not to let it influence me then. I had to concentrate on getting every detail correct, but it would get to me later.
http://bookslive.co.za/blog/2013/05/06/sophy-kohler-interviews-antony-beevor-about-the-second-world-war/

Dave Cullen:

It’s emotionally exhausting, but I hardly ever cry – that comes much later, if I’m lucky. More often, when I’m working, I go numb, and it’s hard to feel anything through that. I can feel the joy draining out of me, like a spigot has opened somewhere inside, but I can’t feel how or where or why it all goes.
http://www.vanityfair.com/news/2016/06/dave-cullen-on-orlando-shooting

Sowie auf Twitter:

I actually had to pull back from everything Columbine-related after this [=Sue Klebolds Buch], because it sent me over the brink into depression again […].

CS:

Ansonsten natürlich viel Herzeleid bei der Literatur […]. Ich schrieb schon mal, daß ich eine miese Akademikerin abgäbe. Wie sich Leute hinsetzen und emotionslos Zahlen gegeneinander verrechnen oder analysieren können, hat etwas Unmenschliches für mich. Vielleicht muß es das geben. […] Aber es war am zweiten Tag, […] daß ich im Lesesaal saß und stillschweigend vor mich hinweinte. Mein Forschungsgebiet erfordert viel inneres Eisen. Ich behaupte, ich habe das, anderenfalls wäre ich nie so weit gekommen – und wenn ich gerade englische Rezensionen von Martas Buch lese, staune ich immer wieder, wie erschüttert die Leser sind: Eine Frau in Berlin ist harmlos gegen das, was ich im Laufe der Jahre alles gelesen und gehört habe. Aber mein Eisen ist nicht ausreichend. Ich kann nicht einfach meine Gefühle ausschalten. Ich bin immer noch davon überzeugt, das Richtige zu tun, aber ich zahle einen hohen Preis dafür.
https://schnabeline.wordpress.com/2014/10/20/when-brian-eno-ruled-chicago/

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Marta beschreibt – ohne Titelnennung – das Erleben „ihres“ Films Die Kuckucks im Kino. Mit Rainer Penkert („der mit der Brille“) und dem noch vor Ausstrahlung verstorbenen Günther Güssefeldt („der Hübsche“).

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Gerade für Leser von Eine Frau in Berlin dürften dieser und der nächste Eintrag interessant sein. Marta beschreibt Alltagsszenen aus dem Nachkriegsberlin.

In der StraßenbahnRadieschen

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Neuer Eintrag im Autorenblog.

Irgendwas muß los sein: Habe in dieser Woche zwei meiner drei spanischen Ausgaben von Eine Frau in Berlin bei Marketplace verkauft. Literaturprojekt? Hinweis in spanischen Medien auf Una mujer en Berlín?

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Was habe ich getan?! Ein Berlin-Tourist aus Seattle schreibt mir, die Berliner Unterwelten(!) schreiben mir… und das wenige Stunden, nachdem ich meine englische Kurz- und Neufassung von Martas Biographie gestartet habe.
Ich hatte von englischsprachiger Seite ja schon ein paarmal Anfragen zwecks einer Übersetzung erhalten und mich nun endlich mal hingesetzt und mir den Kopf zerbrochen. Eine reguläre Übersetzung ist schon wegen der vielen Zitate schwierig. Ich habe also die wesentlichen Punkte aus der Biographie herausgezogen und angefangen, sie nach bestem Wissen und Gewissen ins Englische zu übertragen. Die Serie wird nach momentaner Schätzung 6-8 Teile haben.
Interesse dafür ist offensichtlich vorhanden…

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