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Archive for the ‘Kriegsende – Nachkriegszeit – Massenvergewaltigungen – Vertreibung’ Category

Diesen Monat erschienen ist die ukrainische Übersetzung von Eine Frau in Berlin, die letztes Jahr in den Siggener Residenzen angefertigt wurde. Ich halte das natürlich nicht für Zufall. Es gibt überraschende Übersetzungen, wie zum Beispiel die aus Sri Lanka (deren Schrift gängige Programme nicht einmal über Sonderzeichen darstellen können). Aber nach all den Spannungen zwischen der Ukraine und Rußland in den letzten Jahren ist diese eher eine politische Aussage. Wobei Grauzonen nicht immer vermieden werden können: Eine durchaus prominente Rolle spielt schließlich „Anatol“ aus der Ukraine. (Der in Realität mit Bestimmtheit nicht Anatol hieß und vielleicht nicht aus der Ukraine stammte.)

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Es ist gut, daß ich längst allen Glauben an die Menschheit verloren habe, sonst hätte mich Hiroshima, Nagasaki von Paul Ham sehr deprimiert. Aber auch so faßt man es immer noch nicht, diese Denke dahinter oder die Rechtfertigungen und das Verhalten hinterher.

Dabei schlägt Ham einen weiten Bogen; die beiden Bombenabwürfe kamen ja nicht aus dem Nichts, sondern waren eingebettet in die militärische, wissenschaftliche und soziale Situation ihrer Zeit. Er räumt auch mit *dem* Fehlschluß schlechthin auf, der bis heute „Allgemeinwissen“ ist: Nämlich daß die beiden Atombomben zur Kapitulation Japans führten. Wie Ham anhand der Faktenlage zeigt, ist das schlichtweg falsch. Weder Hiroshima noch Nagasaki hatten irgendeinen ausschlaggebenden Einfluß auf die Entscheidungsträger, sondern der wesentliche Faktor war die Kriegserklärung der Sowjetunion. Der Mythos der kriegsbeendenden Atombombe entstand erst später, und zwar auf beiden Seiten: Japan brauchte eine „gesichtswahrende“ Erklärung für die eigenen Militärs („Gegen so etwas können wir bei aller Tapferkeit nicht gewinnen“), und die USA brauchten eine moralische Rechtfertigung („Es hat den Krieg beendet“). Die wahren Hintergründe sind sehr viel komplexer und, man glaubt es kaum, fast noch unmoralischer als der Abwurf zweier Atombomben.

Mythos Nummer 2, zumindest laut Ham: Die Atombombe war niemals im Gespräch für Deutschland. Seit 1943 galt nur Japan als Ziel. Etwas, das insbesondere jüdischstämmige Wissenschaftler, die an dem Projekt beteiligt waren, empörte, als sie es erfuhren.

Die handelnden Personen lesen sich mitunter wie Klischees aus einschlägigen Filmen – vielleicht waren sie tatsächlich Vorbilder für diese Klischees? Der Militär, der auf Biegen und Brechen seine neue Wunderwaffe ausprobieren will. Der Wissenschaftler, der nur Forschungsergebnisse und keine Personen hinter seiner Erfindung sieht. Der skrupellose Machtpolitiker. Der mit amerikanischem Pathos um sich werfende Präsident. Der Kassandrarufer. Und so weiter, und so fort.

Ich habe mal stichprobenartig geschaut, was die Presse der Zeit schrieb. Das wirklich Gruselige bei dieser Lektüre ist, daß ja aus der Natur der Sache heraus noch niemand eine Vorstellung hatte, was eine Atombombe eigentlich anrichtet. Es wird zunächst immer nur von der Zerstörungs-, sprich Explosionskraft dieser Bombe geredet. Natürlich verstanden die Journalisten herzlich wenig von dem wissenschaftlichen Hintergrund und wiederholten nur das, was sie von offiziellen Bekanntmachungen erfuhren und umsetzen konnten. Die deutschsprachige Presse, selbst wenn sie besser informiert gewesen wäre, unterlag der Zensur der Siegermächte. Innerhalb eines Jahres wurde allmählich mehr bekannt. Dabei tat sich vor allem die britische Presse hervor, wie anhand der Meldungen in den britischen Besatzungszonen zu ersehen.

Oberösterreichische Nachrichten, 7. August 1945
(Washington, 6. August) Präsident Truman gab heute bekannt, daß vor 16 Stunden durch Flugzeuge die größte, in der Kriegsgeschichte jemals verwendete Bombe, eine Atombombe, die eine stärkere Wirkung hat als 20.000 Tonnen Dynamit, auf den japanischen Armeestützpunkt Hiroshima abgeworfen wurde.
Die Bombe hat eine Sprengkraft, die zweitausendmal stärker wirkt als die bisher wirkungsvollste Bombe, die britische „Grand Slam Bomb“.

Österreichische Zeitung, 9. August 1945
London meldete am 8. August: Seit dem Abwurf der ersten Atombombe über Hiroshima sind zwei Tage vergangen. Noch jetzt hängen gewaltige Rauch- und Staubwolken über der Stadt. Bisher ist es Erkundungsfliegern nicht gelungen, die Wirkungen dieser neuesten und verheerendsten Waffe festzustellen.
In einem Kommaniqué aus Kwang wird bekanntgegeben, daß mehr als die Hälfte der Stadt Hiroshima durch die eine Atombombe zerstört wurde. Achtzehn Quadratkilometer der Stadt und Umgebung sind dadurch völlig verwüstet.

Österreichische Volksstimme, 6. September 1945
Amerikanische Korrespondenten haben jetzt Hiroshima besucht, oder richtiger, das Gebiet, wo einst diese Stadt gestanden hat. Die Korrespondenten berichten übereinstimmend, daß nichts, was sie in Hamburg, Berlin oder anderen deutschen Städten gesehen haben, dem Ausmaß an Zerstörung gleichkommt, das hier eine einzige Atombombe angerichtet hat.
„Schon zehn Kilometer außerhalb des Stadtgebietes“, heißt es in dem Bericht, „sahen wir umgefallene Bäume, abgerissene Dächer und eingestürzte Häuser. Das eigentliche Zentrum der Zerstörung umfaßt ein Gebiet von mehreren Quadratkilometern. Im Kern des Explosionsherdes der Atombombe war eigentlich nichts. Man kann nicht einmal von Trümmern sprechen. Man konnte nicht einmal feststellen, was hier einst gestanden war, ob Wohnhäuser, Fabriken oder sonstige Anlagen. Nichts ist übriggeblieben als Schutt. […]“

Eine geheimnisvolle Krankheit

13.000 Personen wurden bei dem Angriff schwer verletzt. Wahrscheinlich werden alle sterben. Täglich erliegen ihren Verletzungen 100 Personen. Ohne jeden sichtbaren oder feststellbaren Grund beginnt ihr Gesundheitszustand nachzulassen. Sie verlieren den Appetit, die Haare fallen aus, bläuliche Flecken werden auf ihren Körpern sichtbar und sie beginnen aus Ohren, Mund und Nase zu bluten.

Neues Österreich, 11. September 1945
Peter Burchett, Reporter des „Daily Express“, berichtet, daß er nach einem Besuch von Hiroshima in Tokio unter ärztliche Kontrolle kam, um festzustellen, ob seine weißen Blutkörperchen durch die Radioaktivität angegriffen worden seien. Das Blatt schreibt, Londoner und New-Yorker Wissenschaftler hätten herausgefunden, daß die ersten offiziellen alliierten Berichte aus Gebieten, die von Atombomben getroffen worden sind, die Nachrichten über die nachträgliche tödliche Wirkung der Bombe bestätigen.
„Im zerschlagenen Hiroshima“, schreibt der „Daily Express“, „sterben Tausende von Japanern an den nachträglichen Wirkungen der Bombe, der sie, als sie vor 36 Tagen fiel, glücklich entronnen zu sein wähnten.“
Radiumspezialisten sind der Meinung, daß alle Symptome auf radioaktive Strahlungen hinweisen, die nach der Explosion der Bombe ausgelöst worden sind. Die gefährlichsten sind die Gammastrahlen, die beim Zerfall der Uranatome entstehen. Es sind dies die durchdringenden Kurzwellenstrahlen, die bei der Krebsbehandlung Anwendung finden.
Die Ärzte sind der Ansicht, daß mit der Explosion der Bombe dichte Schauer von Gammastrahlen mit einer Sekundengeschwindigkeit von 300.000 Kilometer überallhin ausgestrahlt werden. Wenn sie den menschlichen Körper treffen, gehen sie durch, schädigen aber die Gewebe, Teile der Haut sterben ab, werden nach wenigen Tagen blau und verfallen. Die Haarwurzeln werden zerstört, nach einer Woche fallen die Haare aus. Am schwersten wird das Knochenmark geschädigt, wo die Erneuerung der Blutzellen vor sich geht. Wenn das Mark einmal den Gammastrahlen ausgesetzt war, kann es den Anforderungen des Blutes nicht mehr genügen. Schwere Anämie tritt ein, blutendes Zahnfleisch ist eines der Symptome.
Den britischen Physikern ist es unfaßbar, wie die Opfer dem dichten Gammastrahlenregen so nahe gekommen sein können, ohne der Explosion der Bombe zum Opfer zu fallen: „Doch wissen wir so wenig darüber, was bei einer Massenexplosion von Atomen vor sich geht, daß es nicht unmöglich ist, daß Schauer von Gammastrahlen im Umkreis von mehr als eineinhalb Kilometer niedergehen“, sagte ein Professor am Samstag.

Wiener Kurier, 20. Oktober 1945 (aus „Yank“)
Die wenigen überlebenden Japaner, die sich am 6. August, als die Atombombe fiel, in Hiroshima befanden, werden schweigsam, wenn man sie um eine Schilderung dessen, was sie während der Explosion und in den folgenden Stunden gesehen und getan haben, bittet. Statt jeder Antwort starren sie auf die Decke oder auf den Fußboden. Dann machen sie eine hilflose Geste und sagen etwa: „Die Stadt befand sich in dem ärgsten Zustand, den man sich vorstellen kann“, oder „es war über alle Vorstellung schrecklich“. Augenscheinlich waren die Leute in Hiroshima zu erschüttert, zu niedergeschmettert, als daß sie sich darüber klar geworden wären, was sie taten oder was um sie herum vorging an jenem Morgen des 6. August. […]
Ein Japaner sagte, er sei von der Erschütterung eine Woche lang taub gewesen, aber er habe keinerlei Explosion gehört. Aber die Japaner in der Fliegerstation Kuri, 12 Meilen weit entfernt, erzählten, sie hätten einen fürchterlichen Krach gehört. Vizeadmiral Masao Kanazawa stellte fest, die Wirkung hätte der eines Tornados geglichen. Es war ein „großer Wind“, sagte er, und die Bäume wurden bis auf den Boden niedergebogen.
Die Ärzte, die die Verwundeten von Hiroshima behandeln, erklärten, daß eine Menge der grausigen Geschichten, die über die Wirkung der Atombombe unter der Zivilbevölkerung in Umlauf sind, anscheinend doch auf Wahrheit beruhen. Leute, die, als die Bombe fiel, nur leicht verwundet wurden und solche, die erst Stunden später die Stadt betraten, wären an Schwund der weißen Blutkörperchen gestorben. Soweit sie dies feststellen könnten, wäre die Wirkung der Atombombe etwa mit einer übermäßig langen Bestrahlung mit einem sehr starken Röntgenapparat vergleichbar. […]
Sowohl unter den Japaner als auch unter den amerikanischen Soldaten in den Philippinen, in Okinawa und in den Marianen hat sich das Gerücht verbreitet, daß jeder, der sich selbst eine Woche nach der Explosion oder noch später in das betroffene Gebiet begibt, von der Radioaktivität des Bodens sterilisiert würde. Die japanischen Ärzte haben noch nicht Zeit gehabt, dieses Gerücht zu überprüfen. Sie glauben, daß die Opfer, die dem Bombardement selbst ausgesetzt waren, möglicherweise zeugungsunfähig sind, wissen aber noch nichts Sicheres. Sie wissen auch nicht, wie lange es wohl dauern wird, bis Hiroshima wieder ein vollkommen gesunder Wohnort sein wird.

Das Kleine Volksblatt, 30. Juni 1946
Knapp vor den Atombombenversuchen [im Pazifik] ist der erste ausführliche Sachverständigenbericht über die Wirkung der Atombomben veröffentlicht worden, die vor fast einem Jahr auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. Der Bericht, der von einer hochqualifizierten britischen Mission zusammengestellt wurde, führt u. a. aus: „Der Eindruck, den die beiden einst blühenden Städte machen, ist, daß sie in einem Augenblick und ohne Kampf in eine höchst primitive Existenzform zurückgesunken sind.“ […]
Die Schäden und Verluste wurden durch Explosion, Hitzeausstrahlung und Radioaktivität verursacht. […]
Die bedeutendste radioaktive Wirkung in Hiroshima und in Nagasaki scheint von den durchdringenden Kurzwellenstrahlungen ausgegangen zu sein, deren genaue Beschaffenheit unbekannt ist und die man als „Gamma-Strahlen“ bezeichnet. Sie drangen durch die Haut, ohne diese zu verletzen. Nach 24 Stunden traten Übelkeit, Erbrechen und Fieber auf, der Tod stellte sich in den meisten Fällen nach drei Wochen ein. Die Gamma-Strahlen schädigen das Knochenmark und verhindern die Bildung neuer Blutkörperchen.
Selbst feste Gebäude wurden von den Gamma-Strahlen durchdrungen und gewährten keinen Schutz.
Schwangere, die innerhalb tausend Yards von der Schadsmitte in Hiroshima am Leben blieben, hatten Fehlgeburten oder brachten Frühgeburten zur Welt, die bald starben. […]
Der Bericht schließt lakonisch: „Das Gesamtbild ist düster.“

Optimistisch zeigt sich dagegen die Weltpresse vom 2. September 1946:

Die Atombombe bestätigt alle Erwartungen hinsichtlich ihrer unmittelbaren zerstörenden Wirkung. Die Voraussagen der Wissenschaftler über ihre Auswirkungen sind jedoch erfreulicherweise nicht eingetroffen.
Was sich mit Hiroshima und Nagasaki ereignen würde, wenn die Atombombe fällt, war durch Experimente ziemlich genau vorherbestimmt worden. [Nope – es gab *einen* Test unter völlig anderen Bedingungen.] Das verderbenbringende Projekt war in jeder Weise ausprobiert worden; Reichweite und Vollständigkeit ihrer zerstörenden Wirkung waren bekannt. Viele Menschen, die den Gedanken an die Massenzerstörung haßten, wurden durch die Hoffnung besänftigt, daß diese neue Art der Kriegsführung binnen wenigen Sekunden den Krieg beenden und tausende andere Opfer verschonen würde. Hiroshima und Nagasaki erlitten Wunden, die für das japanische Imperium tödlich waren. Das hatte man erwartet, das wurde auch erreicht.
Aber was die zeitliche Nachwirkung der Radioaktivität betrifft, waren die Wissenschaftler mehr oder weniger auf Spekulation angewiesen. Mit verschiedener Abstufung von Bestimmtheit sagten sie voraus, daß alles Leben – tierisches und pflanzliches – für viele Jahre unmöglich sein und daß das Gebiet der Explosion in eine verbrannte, öde Wüstenei verwandelt werden würde. Ihre Vorhersagen haben sich nun als falsch erwiesen. Sie unterschätzten die Widerstandskraft des Menschen und der Natur.
In den beiden ausgebombten Städten erheben sich bereits wieder Häuser und beginnt sich jede Art von menschlicher Tätigkeit zu regen. Die Erde, von der man erwartet hatte, daß sie unfruchtbar werden würde, bringt wieder Blüten hervor und trägt Früchte.
Bedeutet dies, daß die Schrecken des Atomkrieges über Gebühr vergrößert wurden? Diese Annahme wäre grundfalsch. Die Tötung von Menschen und die Devastierung ganzer Städte würde so umfassend sein, wie es die Wissenschaftler errechnet haben. Unsere Zivilisation würden zum erheblichen Teil verschwinden, sollte die Bombe jemals in einem neuen Krieg eingesetzt werden. Aber die bisher gewonnenen Resultate beweisen endgültig, daß die Welt es zumindest überleben wird. Einzelne Menschen, mit einer wunderbaren Immunität ausgestattet, werden aus den Ruinen hervorkriechen und so gut sie es vermögen, wieder zu bauen beginnen, Nahrungspflanzen und Blumen werden der Absicht der Wissenschaft, alles zu zerstören, Trotz bieten.

Das neue, atomare Zeitalter schlug die Menschen in seinen Bann, wie wir es uns heute überhaupt nicht mehr vorstellen können. Ham führt so einige Beispiele an, aber auch hierzulande machte es sich bemerkbar. Eine Ausgabe der Ins neue Leben beispielsweise widmete ihre Cartoon-Seite der Atomkraft (man liest es heute mit einer gewissen skeptischen Faszination), und mindestens ein sehr früher Nachkriegs-Science-Fiction-Roman nimmt sich des Themas an. (Nicht wirklich wissenschaftlich fundiert, aber es spiegelt eben das Verständnis und die Ängste des gemeinen Fußvolks zur Atomspaltung wider.) Nebenbei war in Sci-Fi-Filmen der 50er sowieso immer die Atombombe das rettende Element vor Aliens und Monstern aller Art. Ich vergleiche das ganz gern mit, sagen wir, Independence Day: Heutzutage schmeißen unsere Filmmilitärs, diesmal natürlich höchst ungern, die Atombombe auf die bösen Aliens, aber sie zeigt keine Wirkung. (Außer große Landstriche zu verseuchen, danke auch.) Das ist ein interessantes gewandeltes Verständnis. Die Wunderwaffe ist keine, und man kann sich ihren Einsatz gleich sparen. Köpfchen statt brute force bringt viel mehr.

„Oh, that’s your answer to everything: Just use the atom bomb.“

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Wo bleibt Gehorsam dem zehnten Gebote Gottes, möchte man den Staaten warnend zurufen! In der erbarmungslosesten Begier strebt jeder der irdischen Staaten nur nach dem Besitz des anderen! Sie scheuen nicht vor Einzelmord, auch nicht vor Massenmord dabei zurück, nicht vor Versklavung ganzer Völker, nur um sich selbst damit zur Größe aufzuschwingen. Die schönen Reden über Selbsterhaltung oder Selbstschutz sind nur Ausflüchte, weil sie selbst deutlich fühlen, daß etwas gesagt sein muß, um diese ungeheueren Verbrechen gegen die Gebote Gottes etwas abzuschwächen, zu entschuldigen!

(Abd-ru-shin: Die zehn Gebote Gottes / Das Vaterunser)

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„Das war der Mensch in der Vergangenheit…“ Es gibt schon Gründe, warum sich Dinge geändert haben. Mehr oder weniger. Einen Weltkrieg später bot sich übrigens noch das gleiche Bild. Klischees entstehen nicht grundlos.

Der Rheinische Frauenverband hatte bei den zuständigen Stellen in Paris und London Schritte unternommen, um Alimentationsbeiträge für die 15.000 unehelichen Kinder zu erhalten, die nach dem Abzug der französischen und englischen Besatzungstruppen im Rheinland zurückgeblieben sind. Das französische Gesetz kennt nur Alimentationen für den Fall, daß der Vater sich ausdrücklich zur Vaterschaft bekennt. Eine Alimentationspflicht besteht im übrigen nicht; die zuständigen französischen Stellen haben eine glatte Absage erteilt. Noch peinlicher war die Antwort Englands; das englische Gesetz bestimmt, daß ein britischer Untertan keinerlei Verpflichtungen gegen Nachkommen hat, die nicht unter der englischen Flagge geboren wurden. Der Rheinische Frauenverband hat sich mit dieser Antwort nicht zufrieden gegeben und hat bei den Gerichten in Paris und London Klagen angestrengt. Wenn auch diese Bemühungen vergeblich sein sollten, wird der Verband diese Angelegenheit vor den Völkerbund bringen.
(Freie Stimmen, 18.12.29)

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Die Brexit-Befürworter haben ein Klima von Wut und Angst geschaffen. Sie müssen einen Teil der Verantwortung dafür übernehmen, dass ein Verrückter die proeuropäische Labour-Abgeordnete und langjährige Oxfam-Mitarbeiterin Jo Cox ermordete.
(Hans Dembowski: Schlechte Nachricht aus London)

Nach einigem Lesen in Ellen Moodys privatem Blog kam mir plötzlich der Gedanke um Völkerkarma. Heute nicht mehr unbedingt bekannt außer bei Leuten, die sich mit der Zeit beschäftigen (so eben auch yours truly), aber ein heißes Thema nach Ende des Zweiten Weltkriegs war, in erster Linie gepusht von den USA, die Kollektivschuldfrage. Soll heißen: Das deutsche Volk als solches trage die Schuld an den Verbrechen des Nazi-Regimes. Die Begründungen dafür muten naiv an, aus der unerschütterlichen Sicherheit eines rechtsstaatlichen, demokratischen Systems heraus geboren. The Land of the Free statt Old Europe. Und natürlich ist die Schuldfrage, die letztlich mit der Geschichte der Demokratie in Deutschland zusammenhängt, ein weites Feld, über das sich trefflich diskutieren und streiten läßt. Mein Punkt hier ist ein spiritueller. Ellen Moody und Caitlin Kiernan und viele andere beobachten mit Sorge die Entwicklung in ihrem Land. Es wird viel Unheil prophezeit, das eintreten mag oder auch nicht. Die interessante Frage ist: Sollte besagtes Unheil eintreten, vielleicht gar auf internationaler Ebene – oder ganz breit gefächert könnte man auf das bereits angerichtete Unheil eingehen, das die USA seit Jahrzehnten in aller Welt anrichten – würde das US-amerikanische Volk seine eigene Geschichte darin wiedererkennen? Trägt nach der gleichen Logik, die seitens der USA damals auf Deutschland angewandt wurde, nicht auch das amerikanische Volk als solches die Schuld an den Verbrechen seiner Führung?
Früher oder später holen einen diese Dinge immer wieder ein.

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Weihnachtsgeschenke vor siebzig Jahren – Tipps aus der Nachkriegszeit und zwei Hungerwintern.

„Nun ist die Zeit der Heimlichkeiten…“ aus Ins neue Leben, 28/1946

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„Höchste Zeit für Weihnachtsbastler“ aus Ins neue Leben, 22/1947

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Und auch die Witzseite nimmt sich der Notsituation an. Ich liebe die Ins neue Leben für ihre Nicht-Vermeidungspolitik. (Ebenfalls 28/1946)

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A propos, ein Artikel, hinter dem ich Marta Hillers als Autorin vermute. (Ebenfalls 28/1946) Die Thematik paßt, und es ist ihr Stil – nicht der, in dem sie ihre „erwachsenen“ Artikel oder gar Eine Frau in Berlin verfaßte, aber ihre Jugendartikel.

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„Würden Sie erkennen, ob sie einen Text geschrieben hat oder nicht?“ fragte mich im Zuge meiner Recherchen eine ihrer Verwandten. Ich beantwortete das mit einem Ja, unter Einschränkungen. Sicherlich hätte ich keine hundertprozentige Trefferquote, aber ich traue mir zu, recht gut aussieben zu können. (Geheimtipp: Um Marta als Autorin von nicht gekennzeichneten Artikeln zu erkennen, ist ein starker Anhaltspunkt das „wir“. Eine Stilform, die sie in fast jedem ihrer Artikel bis ins hohe Alter verwendete.)

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Muttern und ich hatten am Wochenende das beliebte Gespräch: Man möchte immer das, was der andere hat. Während ich in jungen Jahren meine beste Freundin um ihre Jeans‘ und ihr Kosmetikset für Kinder (Creme etc.) beneidete, waren andere auf meine „spanische“ Barbie und die Cowboystiefel meiner, ja, Cowgirl-Barbie scharf. Muttern, in einer bizarren Umkehrung der Wünsche nach Kinderart, beneidete die Flüchtlingskinder, die in der Dorfschule mit Kakaosuppe (also quasi heißer Schokolade) versorgt wurden, sowie um deren „urgemütliche“ Unterkunft in der Baracke. Die Eltern eines Kollegen, die ebenfalls als Ostpreußenflüchtlinge ankamen, hatten das ganz anders in Erinnerung…

Irgendwie passend dazu stolperte ich in der August-Vorschau von Harlequin Comics (warum diese Sparte keinerlei Internetpräsenz außerhalb ihres japanischen Originals hat, ist mir schleierhaft) auf die Adaption von Michelle Celmers Money Man’s Fiancée Negotiation, namentlich die Szene, in der Heldin Melody beeindruckt ist, wieviel sie laut Fotos aus ihrer mageren Oberweite herausholen kann, wohl mittels ganz erstaunlicher Push-up-BHs. Zeichnerin und… wie nennt man das? Adapterin? Nasuno Amano fügte einen Witz für das japanische Publikum ein.

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Ließ mich vermuten, daß die ja meist ebenfalls mit wenig Vorbau versehenen Japanerinnen einen großen Markt für solche Kontraptionen bilden. (Jaja, Muttern: Massage. Frau Rütting hat’s gesagt.) Ähnlich wie es vor Jahren mal hieß, Japanerinnen ließen sich gern ihre Augenform auf „europäisch“ umoperieren – während es im Westen genug Leute gibt, die für „Mandelaugen“ töten würden…
Wer sich mal mit dem Thema befassen möchte – Dinge, die man nie wissen wollte – sollte sich diesen Blogeintrag einer Texanerin in Tokio durchlesen: http://howibecametexan.com/2013/06/08/foreigners-guide-for-bra-shopping-in-japan-how-to-try-on-japanese-bras/ (Warnung: Kulturschock!)

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Nun habe ich doch unwissentlich was Falsches erzählt. Berichtete ja, daß noch kein Film direkt über Columbine existiere, und prompt wurde ich auf etwas geschupst, das mich eines Besseren belehrte. Wollte mir nach Jahren mal wieder Zero Day ansehen und stellte fest, daß er bei Amazon.de derzeit nur für teuer Geld zu haben ist. (Man soll bekanntlich nichts weggeben. Auch April Showers ist so gut wie gar nicht mehr als Original-DVD zu erhalten [eBay, wenn man Glück hat], sondern nur mit internationalem Titel oder in polnischer Ausgabe zu ebenfalls nicht wenig Moneten. Seinerzeit bekam ich alles zu völlig annehmbaren Preisen.) Aber Schnabeline ist ja Welteinkäuferin und schaute bei Amazon.co.uk nach, wo sie die DVD inklusive Porto für läppische 4,20 Euro einsackte. Ich war dann schon fast wieder weg, als ich aus dem Augenwinkel noch eine Kaufempfehlung erspähte, mit dem *leicht* reißerischen Titel Massacre at Columbine High. Au Backe, das mag ja was sein, dachte ich mir unter Vorstellung zweifelhafter Fanproduktionen… aber nö. Der Discovery Channel co-produzierte diese Dokumentation mit Interviews und Reenactment im Zuge der Zero Hour-Serie. Im Sinne der Serie konzentriert sich die Doku kaum auf Hintergründe und Folgen, sondern schildert in erster Linie die Geschehnisse am 20. April 1999, dabei hauptsächlich der ersten Stunde, in der alle Morde und Selbstmorde stattfanden.
„Au Backe“ sagte ich teilweise trotzdem, denn die Darstellung der Täter ist mitunter doch etwas… überzogen. Reales Leben ist nicht Hitmen for Hire, Leute. Man muß beim Ansehen bedenken, daß die Dokumentation von 2004 stammt, also lange vor dem Erscheinen von Dave Cullens Columbine. Entsprechend fehlen noch einige wesentliche Informationen. Andererseits sind Infos enthalten, von denen ich bis dato noch nie gehört hatte – Brooks Brown (der mit seinen trockenen Kommentaren weite Interviewstrecken trägt) beispielsweise erwähnt etwas zu den Dialogen in der Bibliothek, was mich schlußfolgern läßt, daß er die Aufzeichnung von Pattie Nielsens Notruf in Gänze gehört haben muß, vielleicht zu Zwecken der Identifizierung? Ebenfalls enthalten ist ein Video, das Sue Klebold in ihrem Buch erwähnt – leider mit VO überdeckt, so daß die Originaltonspur kaum zu verstehen ist.

Übrigens: Belas mich nun, daß I’m Not Ashamed schon zweimal verschoben wurde. Ursprünglich war geplant, ihn am 20. April, dem siebzehnten Jahrestag, in die Kinos zu bringen. Das wurde dann auf September verschoben (inzwischen Oktober), und ich vermute stark, daß dies mit der Veröffentlichung von Sue Klebolds Buch im Februar zusammenhängt.

More time was needed to make the best picture possible and it was also requested by Rachel’s mom and family.

heißt es auf Facebook, was für mich mehrere Möglichkeiten zuläßt. a) Man wollte nicht um Medienaufmerksamkeit konkurrieren oder b) in den Verdacht des Trittbrettfahrens kommen. c) Das Schlüsselwort lautet „Nachdreh“. Vielleicht wurden einige Szenen nach den Erkenntnissen von A Mother’s Reckoning neu gedreht oder d) geschnitten – ich hoffe zum Beispiel, daß, sofern sie jemals enthalten war, die Trench-Coat-Mafia-Legende rausgenommen wurde. Sie wurde schon 1999 widerlegt, spukt aber immer noch durchs Netz und fand ihren Weg noch in das knapp ein Jahr nach Columbine veröffentlichte Rachel’s Tears, auf dem der Film, soweit ich es einschätzen kann, hauptsächlich basiert. Gleiches gilt für Cassie Bernall, deren vermeintliche Geschichte perfekt in einen Pureflix-Film passen würde und auch zur Märtyrer-Thematik, auf die sich Beth Nimmo eingeschossen hat… aber leider nicht der Wahrheit entspricht. Schon in Rachel’s Tears wurde sie, wenn auch sichtlich widerstrebend, mit Vorsicht genossen. Wer sich hingegen auf Facebook durch die Kommentare liest, wird sie wiederholt finden. Man sollte keine Fakten in den Weg einer guten Legende kommen lassen!

Eine Frage, die ich Columbine-Autor Dave Cullen frustriert stellte, nachdem ich mit tiefem Stoßseufzer wieder einmal ein Wiederkäuen der Marta-Legende „Ihr Buch stieß auf empörte Ablehnung… blabla… Ehre der deutschen Frau verletzt… bla“ antraf, war, ob ihn die nicht totzukriegenden Mythen nicht nervten. Ich meine, die Leute könnten es ohne große Mühe besser wissen, aber selbst keine große Mühe ist offenbar schon zuviel Mühe für sie. Oh ja, es nervt, sagte er. Aber er arbeitet dazu unter verschärften Bedingungen, da (grusel) Columbine eine Menge extrem fragwürdiger Fans hat, deren Weltsicht er mit seinen verdammten Fakten verletzt – und deshalb eine Menge entsprechender Kommentare und nicht ganz so freundliche Benennungen auf Social Media kassiert. Er formulierte das in seiner Antwort höflich als „Leute, die wenig Arbeit in das Thema investieren, aber seine Erkenntnisse kritisieren“. Auf Twitter ist er etwas direkter gegenüber den so titulierten „Columbullies“ (und ich warne ernsthaft vor dem Lesen ihrer Kommentare, wenn man keine Stabilitätspunkte verlieren möchte).
Wie er es speziell betreffend der Nachahmtäter ausdrückt:

Columbine created a new template for these attacks. But Columbine is so misunderstood that these attacks are following a false script.
http://www.davecullen.com/columbine.htm

„Forschen gefährdet die Dummheit, bringt aber nicht immer die Ergebnisse, die man gern hätte. Das macht Recherche vielleicht so unliebsam“, schrieb ich in einem früheren Eintrag, und diesen erstaunlich weisen Eintrag, in dem ich mich spezifisch auf die russische Erinnerungskultur bezog, der aber, wie ich heute finde, auch ganz global gelten kann.
Und ich kann nicht glauben, daß ich mich in einem Atemzug mit hochdekorierten Schreibern nenne, aber als „myth buster“ lernt man schnell Frustration kennen. Die Leute wollen es gar nicht besser wissen. Die Legenden sind viel schöner, und man kann so viel persönliche Anschauung darin unterbringen.

A propos Atemzug, etwas, für das ich im Laufe meiner Recherchen sehr sensibel geworden bin, ist die Erwähnung des, wie ich es nenne, PTSD aus zweiter Hand. Ich habe es an mir erlebt und stellte später zu meiner Erleichterung fest, daß ich nicht der dumme Laie bin, dem das im Gegensatz zu den Profis passiert, sondern daß auch große Namen berichten, davon betroffen zu sein.

Antony Beevor:

The horrors do get to you. For years after writing Stalingrad, I could not look at a plate of food without thinking how much it would have meant to people at the time, whether Germans, civilians or Soviet soldiers. When working in the Russian archives with my colleague, Lyuba Vinogradova, she was often in tears at the material we encountered. I did everything I could not to let it influence me then. I had to concentrate on getting every detail correct, but it would get to me later.
http://bookslive.co.za/blog/2013/05/06/sophy-kohler-interviews-antony-beevor-about-the-second-world-war/

Dave Cullen:

It’s emotionally exhausting, but I hardly ever cry – that comes much later, if I’m lucky. More often, when I’m working, I go numb, and it’s hard to feel anything through that. I can feel the joy draining out of me, like a spigot has opened somewhere inside, but I can’t feel how or where or why it all goes.
http://www.vanityfair.com/news/2016/06/dave-cullen-on-orlando-shooting

Sowie auf Twitter:

I actually had to pull back from everything Columbine-related after this [=Sue Klebolds Buch], because it sent me over the brink into depression again […].

CS:

Ansonsten natürlich viel Herzeleid bei der Literatur […]. Ich schrieb schon mal, daß ich eine miese Akademikerin abgäbe. Wie sich Leute hinsetzen und emotionslos Zahlen gegeneinander verrechnen oder analysieren können, hat etwas Unmenschliches für mich. Vielleicht muß es das geben. […] Aber es war am zweiten Tag, […] daß ich im Lesesaal saß und stillschweigend vor mich hinweinte. Mein Forschungsgebiet erfordert viel inneres Eisen. Ich behaupte, ich habe das, anderenfalls wäre ich nie so weit gekommen – und wenn ich gerade englische Rezensionen von Martas Buch lese, staune ich immer wieder, wie erschüttert die Leser sind: Eine Frau in Berlin ist harmlos gegen das, was ich im Laufe der Jahre alles gelesen und gehört habe. Aber mein Eisen ist nicht ausreichend. Ich kann nicht einfach meine Gefühle ausschalten. Ich bin immer noch davon überzeugt, das Richtige zu tun, aber ich zahle einen hohen Preis dafür.
https://schnabeline.wordpress.com/2014/10/20/when-brian-eno-ruled-chicago/

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Marta beschreibt – ohne Titelnennung – das Erleben „ihres“ Films Die Kuckucks im Kino. Mit Rainer Penkert („der mit der Brille“) und dem noch vor Ausstrahlung verstorbenen Günther Güssefeldt („der Hübsche“).

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