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Archive for the ‘Musik’ Category

Am Freitag gastierten in der Herrenhäuser Kirche Esther Lorenz und Peter Kuhz mit ihrem Konzertprogramm Hebräische Lieder, eine Sammlung vom Mittelalter bis heute. Anders als in anderen Konzerten der letzten Zeit wollte hier jedoch der Funke nicht so recht überspringen. Nun bin ich nicht unbedingt ein Fan von Vorstellungen, in denen die Interpreten lange Reden schwingen (ich denke noch mit Schaudern an Rebekka Bakken vor einigen Jahren), aber hier vermißte man es dann doch. Wenn die Vortragenden schon eine musikalische Reise durch das Judentum als Thema wählen, sollten sie vielleicht ein bißchen mehr erläutern als Sepharden und Chassiden und „dieses und jenes Lied bezieht sich auf Feiertag X“. Entertainment ist keine schlechte Sache! Man erhaschte Blicke darauf in dem einen einzigen jüdischen Witz, der erzählt wurde – warum nicht mehr? Das Judentum hat einen großartigen selbstironischen Humor, und allein das zu präsentieren, gehört meiner Ansicht nach unbedingt in eine Vorstellung dieser Art. Mehr über Kultur und Brauchtum! Musik entsteht ja zwangsläufig innerhalb dieses Rahmens, niemals isoliert. Wer waren all diese Gelehrten und Religionsausleger, die angesprochen wurden? Was machte ihre Sicht der Dinge speziell, worin unterschieden sie sich von anderen ihrer Zeit? Also: Etwas mehr Pep, das Publikum ein bißchen mehr engagieren, damit es nicht spätestens beim zweiten Wiegenlied einschläft…

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Am Samstag war ich in der schönen Herrenhäuser Kirche zum Weihnachtsoratorium von Gottfried Heinrich Stölzel. Wohl der Zeit halber wurde vorweg zusätzlich die 1. Kantate aus Bachs Werk gegeben – zur großen Unterhaltung aller gemeinsam mit dem Kinderchor. Die Wiener Sängerknaben sind die Nachwuchstalente eindeutig nicht. Das Ziel der Knirpse, vor allem mit fortschreitendem Werk, war es, sich gegenseitig und das Orchester zu übertönen (man versuche das mal im „Jauchzet, frohlocket“! Chorleiter? Vielleicht vor dem nächsten Mal ein paar grundlegende Dinge erklären?), und so wurde mehr geschrien als gesungen. Die professionellen „Großen“ nahmen es mit Humor und Leidensfähigkeit.

Stölzel fand dann (zum Glück) ohne Junioren statt. Ich finde es immer schwierig, Besprechungen zur hohen Kunst der Musik zu geben, denn obwohl ich Klassik sehr, sehr liebe, habe ich wenig Ahnung von Formalien. Man sehe mir also meine Laienhaftigkeit nach.
Stölzels Weihnachtsoratorium hat nichts von der Wucht Bachs, ist dafür aber auch kein „klassisches“ (haha) Weihnachtsstück. Ein Hauptthema ist Verfolgung für den Glauben. (Wäre mal interessant, da etwas Hintergrund zu recherchieren.) Stölzel referiert darüber, wie sich „Friede auf Erden“ mit Jesu Wort, er komme nicht, um den Frieden zu bringen, sondern das Schwert, vertrage. Derlei. Also ganz interessante Überlegungen inmitten schöner Musik. Das Programmheft schreibt dazu:

Nun, dessen ganz ungeachtet, ist Stölzel nach seinem Tode gänzlich in Vergessenheit geraten, wie Johann Sebastian Bach auch, allerdings weitaus länger bis in unsere Tage hinein. Seine Werke, so weit sie nicht verloren gegangen sind, werden erst heute wieder entdeckt und aufgeführt. Mit Erstaunen, tiefer Betroffenheit und Erschütterung nimmt ein interessiertes Publikum endlich wahr, was es bislang – und dies seit Generationen – stets unbeachtet und unbeeindruckt gelassen hatte: Gottfried Heinrich Stölzel war kein freundlicher Kleinmeister neben Bach, Händel und Telemann, sondern eine höchst eigenständige Komponistenpersönlichkeit mit einer Musiksprache voller Wirkung auf „Gemüt und Seele“ – dazu kompositorisch-handwerklich von hohem, ja außerordentlichem Niveau.
Es ist davon auszugehen, dass die Kantaten, um die es hier geht, am 25. und 26. Dezember 1736 erstmalig musiziert worden sind. Sie geben ein „Weihnachtsoratorium“ analog der Kantaten-Bestimmung in J. S. Bachs berühmtem Werk ab – allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass Stölzels Kantaten nicht im engeren Sinne die Weihnachtsgeschichte zum Inhalt haben, sondern darin das weihnachtliche Geschehen in kunstvollen Bibelwortumschreibungen, freier madrigalischer Dichtung (Rezitative und Arien) sowie Chorälen „betrachtet“ und kommentiert wird.

Ein verhältnismäßig starkes Kirchenmusikjahr für mich: Andy Lang und „Musik aus Luthers Zeiten“ in der Zachäuskirche, nun dies, und alles war sehr schön. (Wobei, Herr Lang: Trainieren Sie lieber auf eine Stimmlage [ein Register?] höher. Klänge besser.) Würde mich freuen, wenn sich das in 2018 fortsetzt.

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Nach Jahren endlich Turandot at the Forbidden City of Beijing gesehen. Einstens war meine Mutter darauf gestoßen, aber entgegen der Angaben bei Amazon war die DVD nicht Region 2, sondern 1. Und zu dem Zeitpunkt wußte ich noch nicht, daß man fast jedes Gerät codefrei schalten kann.
Nun kann ich wenig Fachfrauisches zu Opern im Allgemeinen sagen. Ich kenne zwar eine Menge Opern, aber ich verstehe nichts davon. Experten mögen also entschuldigen, falls ich hier Unsinn schreibe. Puccini gehört nicht zu meinen Lieblingskomponisten; eine Stufe oder so über Verdi, würde ich sagen. Tosca beispielsweise hat mich nie von den Socken gehauen. Turandot hingegen fand ich insofern spannend, daß hier schon sehr wenig „klassische“ Oper vorhanden ist. Zum einen gibt es – natürlich – viele chinesische Anklänge, zum anderen ist bereits das Konzept von Arien und Chorpassagen aufgebrochen. Nicht umsonst findet man in Opernpotpourris aus Turandot bestenfalls „Nessun dorma“, eine der wenigen Arien im klassischen Stil. Ich fühlte mich ein bißchen an Wagners frühe Opern erinnert, halb im alten Stil verankert und bereits halb in etwas ganz Neuem. (Man denke an den noch relativ klassischen Fliegenden Holländer, der weniger durch gefällige Passagen wie „Steuermann, laß die Wacht“ besticht, sondern durch seine Erzählspielelemente, oder den schon etwas avantgardistischeren Lohengrin, der ebenfalls gerade so zwei, drei Stücke enthält, die ausgekoppelt gehört werden können.)

Kritiker bemängeln an der Inszenierung in der Verbotenen Stadt, daß sie statisch wirkt. Zweifelsohne ist dem so. Man findet wenig Schauspiel; die Darsteller interagieren nur in seltenen Schlüsselszenen direkt. Das ist hier allerdings kein Manko. Sicherlich, Einsteiger sollten sich für die erforderliche Dramatik erst einmal eine andere Inszenierung aussuchen, aber im Kontext der Aufführung in der Verbotenen Stadt macht diese Taktik durchaus Sinn. Es wurden hier bewußt Elemente des traditionellen chinesischen Theaters integriert, und da gab es eben wenig Berührungspunkte. Musikqualitativ muß ich den Kritikern leider recht geben – ich weiß nicht, ob es an der Akustik scheitert, aber die Sänger schwächeln ein bißchen. Allerdings, wenn ich das so blasphemisch sagen darf, schaut man sich die Beijing-Aufführung nicht in erster Linie wegen der musikalischen Leistung an, sondern wegen der Ausstattung. Und da haben sich die chinesischen Bühnen- und Kostümbildner wirklich selbst übertroffen. Prachtvoll, üppig, eine Augenweide.

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Ich weiß, ich weiß, ich bin spät dran. Aber mir fiel schlichtweg nichts Gescheites ein, das ich hätte schreiben können. Bis ich im Newsletter der Christopher & Dana Reeve Foundation diesen Artikel fand: I’m a fan girl. Ein Nachruf auf David Bowie aus einer etwas anderen Perspektive. Sicherlich: Die Autorin tut da deutlich etwas, das man im Englischen „projecting“ nennt – sie projektiert ihre Ansichten auf die „Leinwand“ des Künstlers. Mit der realen Person hat das nur am Rande etwas zu tun. Bowie selbst lieferte dazu das perfekte Zitat, das ich in diesem Blog tatsächlich schon mal anwandte (ausgerechnet in einem Eintrag über Richard III. Ich verweise auf meinen Eintrag vom 11., dem Tag der Bekanntgabe seines Todes. Keine Zufälle hier). “The artist doesn’t exist. He’s strictly a figment of the public’s imagination.” Genauer gesagt, der Künstler existiert natürlich, aber die Figur, die die Öffentlichkeit sieht, ist immer nur das, was sie in ihm sehen will. Candance Cable bildet da keine Ausnahme. Aber ihr Nachruf ist trotzdem schön.


In anderen Nachrichten: Ich empfehle Scouting LAs neuesten Artikel über den St.-Francis-Dammbruch. Unbedingt die Kommentare (inklusive Video) mitnehmen.

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Adventskalender 24


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Adventskalender 22

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Ein Schlager für jede Lebenssituation, wie meine kenntnisreiche Mutter immer wieder beweist – von der Existenz dieses lernte ich allerdings erst durch Lynn Austins A Woman’s Place.

Es war natürlich ein klarer Propagandasong, aber andererseits muß man bedenken, daß Frauen in „Männerberufen“ damals jede Propaganda brauchten, die sie bekommen konnten. Entsprechend hier noch ein paar Videos der Zeit zu „Rosie the Riveter“.


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Völlig unsortiert und nur, um’s für später festzuhalten:

Inzwischen die Shades-of-Grey-Bücher gelesen (es sind drei, nicht vier, wie ursprünglich angenommen), und nein, Jaguro, es gibt keine Rezension, nur ein paar Gedanken dazu.
Die Verfilmung ist tatsächlich recht nah an der Vorlage, auch wenn die Fans und Autorin das bezweifeln mögen. Natürlich minus diverser sexueller Aktivitäten. Ich habe kein Problem mit der fehlenden Tampon-Szene. Die im Buch nicht vorhandene Verhandlungsszene ist eines der Highlights der Filmadaption, aber ich weiß bizarren Humor auch zu schätzen.
Buch 2 schleppte sich schon ziemlich: Oh, Spannung!… nein, schon vorbei. Aber jetzt… nein, doch nicht. Todeszuckungen nennt man’s wohl. (Übrigens habe ich noch nie von einem metallenen Vibrator gehört, aber vielleicht kaufe ich bei den falschen richtigen Anbietern.)
Durch Buch 3 bin ich schlichtweg nicht durchgekommen. Anscheinend kämpfte auch die Autorin, denn am Ende hängen ein paar Nebenprodukte des Schreibens, Fingerübungen etc., wohl um die Seiten vollzukriegen. Konzept. Spannungsbogen. Die Anforderungen an einen Roman existieren nicht ohne Grund, Mrs James. (Aber wie man sieht, kann man auch ohne sie Millionen verdienen, also was weiß ich schon?)

Score ausgekoppelt gehört und erfreut festgestellt, daß ich mich nicht getäuscht hatte: Er ist verdammt gut. Ich hoffe auf eine Oscar-Nominierung. Besonders klasse: „Variations On A Shade“, das im Abspann läuft.
Dito für eine Nominierung gut ist Annie Lennox mit dem Eingangsstück „I Put A Spell On You“ vom Soundtrack. Diese Frau kann jede Stilrichtung singen und ist immer phantastisch. Und der Filmremix von Beyoncés „Crazy In Love“ ist heady, wie die Angelsachsen sagen.

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Weihnachtslieder, Teil 24

Josef, lieber Josef mein

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