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Archive for the ‘Film & Fernsehen’ Category

Nach vielen Jahren mal wieder mit Seven Pillars of Wisdom angefangen. Seinerzeit auf deutsch gelesen, nun im Original, bin ich fasziniert von seiner Sprache und den komplexen Gedankengängen dahinter.

Daher auf Youtube eine alte BBC-Dokumentation ausgegraben:







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Colour-coding ist eine meiner beliebtesten Techniken in der Filmemacherei. Ähnlich wie Filmmusik kann es entweder unter einem rein ästhetischen Aspekt verwendet werden oder aber dazu dienen, Zusammenhänge aufzuzeigen – wie Wagners Leitmotiv, das John Williams mit großem Effekt für Star Wars wiederbelebte und das seitdem unter dem Namen „Thema“ Standard im Bereich der Filmmusik geworden ist. Im Bereich des Visuellen ist sicherlich Guillermo del Toro das Vorzeigebeispiel für colour-coding. Wer den Begriff nicht kennt: Er bezeichnet die Technik, eine Szene farblich zu „codieren“, ihr also durch Ausstattung und Kostüme eine spezifische Farbpalette zuzuordnen. Del Toro beispielsweise verwendete sie in Hellboy 2 – The Golden Army als Leitmotiv, wenn er Nuala und Nuada anfangs die gleiche Palette zuteilte, um ihre für die Handlung so wichtige Verbindung aufzuzeigen; dann brach er dieses Motiv und teilte Nuala und Abe die gleiche Farbpalette zu, um wiederum ihre Verbindung zueinander zu betonen; und im Showdown wiederum kehrte die Farbgebung für die Zwillinge zurück. Gleichermaßen teilten aber auch Helden und Schurken eine Farbpalette gegenüber der menschlichen Welt, um ihre Zugehörigkeit zum Andersartigen zu unterstreichen.

Es ist wie gesagt eine hochinteressante Technik, und so war ich verblüfft, sie ausgerechnet in The Night Manager wiederzufinden, eine jetzt nicht wirklich künstlerisch wertvolle Produktion. Beim ersten Anlauf hatte ich natürlich in erster Linie auf die Handlung geachtet, aber beim zweiten Anschauen stellte ich fest, daß colour-coding eigentlich unübersehbar ist. Hier wird es nicht als Leitmotiv eingesetzt, sondern in erster Linie ästhetisch. Vorwiegend sind blau und gold, was den zusätzlichen Bonus mit sich bringt, daß es den beiden blonden Helden der Handlung verdammt gut steht. (Erinnert sich jemand an die Szene in der Little House-Reihe, in der die braunhaarige Laura und ihre blonde Schwester Mary stets farbcodiert werden, nämlich rot respektive blau, und wie glücklich beide sind, als ihre Mutter versehentlich in Eile ihre Haarschleifen vertauscht?)

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(Sorry, das Zitat unseres Bibliotheksdirektors mußte früher oder später mal sein. Man könnte so viel dazu sagen.)

Ich hätte es nie für möglich gehalten, daß ich mir nach dem Kauf einer deutschen Jarmusch-DVD die UK-Version zulege. Eigentlich findet man diese erzwungenen deutschen Untertitel bei O-Ton nicht mehr, weshalb ich gar nicht damit rechnete – hier gibt es sie, fürchterlich –, und außerdem sprachen mich Jarmusch-Filme bisher nie so an, daß ich sie hätte aufbewahren wollen. Man kann sie sehen, keine Frage. Sie haben immer auch kurzweilige Momente. Aber alles in allem waren alle bisherigen Anläufe leeres Geplänkel.
Gänzlich entgeht auch Only Lovers Left Alive den typischen Jarmusch-Schwächen nicht. Er ist ein weiterer Angeberfilm. „Seht alle her, was ich alles weiß alles gelesen habe!“ Ja, schon gut, JJ. (Andererseits begeistere ich mich ja auch durchaus für Dinge, und wenn man die Option hat, mal eben einen Film daraus zu machen… nicht komplett uncool.) Aber davon ab bin ich sehr, sehr glücklich mit dem Film. Er ist rund. Er hat wundervolle Musik und Bilder. Er fährt gleich mit dreien meiner Lieblingsschauspieler auf, kaum auszuhalten. Er ist witzig und nostalgisch und melancholisch und sollte eigentlich Caitlín R. Kiernans Lieblingsfilm sein, wenn ich das mal sagen darf. Das Editing hat perfekte Arbeit geleistet (wie an den geschnittenen Szenen festzustellen), zuletzt mit solcher Wirkung in Garden State gesehen. Und kombiniert mit einer Pulle Wein ist er *der* Film für die Zeiten, in denen ich ins tiefe Tal der Depression abstürze. Was will man mehr von einer DVD unter 10 Euro (inkl. Porto)?

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Gesehen: Die erste Staffel von Agents of S.H.I.E.L.D. Nach einem… ich möchte nicht sagen holprigen Start, denn er war im Gegenteil viel zu glatt, nimmt die Serie schnell Fahrt auf. Zwar erkennt man überdeutlich Josh Whedons Einfluß als Produzent. Caitlín R. Kiernan faßte das Phänomen in ihrem Verriß von Justice League sehr treffend zusammen:

I’m mostly blaming the screenplay, chocked full of Whedonisms, and the bizarre decision to lighten the mood relative to the other films in the series. I do not hate Joss Whedon. Often I have loved him. But his cornball comedic touches do not always work, and they especially often do not work in the hands of other directors (see 1997’s Alien Resurrection). And then there’s the way that the script (which, it’s true, was coauthored by Chris Terrio) breaks all the characters down into the classic Whedon Archetypes: Aquaman has the Jayne Cobb/Spike role, Bruce Wayne has the Malcolm Reynolds/Angel role, Diana Prince is a weird fusion of Buffy and Inara, Alfred fills the Giles/Shepherd Book slot, and…you see what I mean. Or you will if you see Justice League. You’d think Whedon would have outgrown this long ago, but he has not.

Obwohl Agents of S.H.I.E.L.D. bis auf den Pilotfilm nicht von Josh Whedon geschrieben wurde, sind diese Archetypen doch an den Charakterkonzepten und der übergeordneten Geschichte erkennbar. Wer Buffy oder Firefly kennt, kennt auch Agents of S.H.I.E.L.D. Nichtsdestotrotz baut die 1. Staffel gehörig Spannung auf, hat einige überraschende Enthüllungen und Wendungen, und, was das Schöne ist, sie ist nahtlos in die Geschehnisse des Marvel-Universums eingebunden, was beispielsweise Jessica Jones’ erster Staffel nicht so sehr gelang. Die Handlung baut auf den Geschehnissen von Thor und The Avengers auf, bezieht dann Thor: The Dark World in die laufende Handlung mit ein und verknüpft sich selbstverständlich mit dem großen Knall von Captain America: The Winter Soldier. Immer wieder nett sind Gastauftritte bekannter Charaktere der Filme (Samuel L. Jackson als Nick Fury oder Jamie Alexander als Sif, und natürlich darf Stan Lee nicht fehlen). Mir gefielen dabei besonders die beiden Asgard-Folgen, und ich amüsierte mich sehr über das Aufräumen in Greenwich. Thor: The Dark World endet episch und romantisch mit Thor und Jane endlich wiedervereint… während in der Zwischenzeit Coulsons Team die Trümmer der großen Endschlacht beseitigen darf.

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Eigentlich suchte ich bei Caitlín R. Kiernan etwas ganz anderes, aber diese beiden Blogeinträge lege ich meinen Lesern gern ans Herz:

https://greygirlbeast.livejournal.com/1084774.html, über die USA in The Newsroom

und

https://greygirlbeast.livejournal.com/1120228.html, letzter Abschnitt, über Feminismus. Ich zitiere mal das unglaubliche Zitat:

The latter is the feminism of “social justice,” summed up by video game critic Anita Sarkeesian (a friend of Whedon’s, ironically enough) when she tweeted recently, “Feminism is about the collective liberation of women as a social class. Feminism is not about personal choice.”

A feminism that isn’t about personal choice is a perverse thing indeed.

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… wie flüchtige Leser eines Buches, die es um der Spannung willen lesen, nur um freie Stunden damit auszufüllen und sich abzulenken von dem einseitigen Denken über ihre alltägliche Tätigkeit.
Sie sehen während des Lesens nicht die Menschen in dem Buche vor sich lebend auferstehen, achten nicht der einzelnen Entwickelungen, die die darin handelnden Personen in sich zu durchleben haben, sehen nicht die daraus sich entwickelnden haarscharfen Folgerungen, welche die Verhältnisse und die Umgebung immer wieder zu verändern fähig sind. Das alles wird von ihnen nicht beachtet, sondern es geht sprunghaft vorwärts, nur um dieses oder jenes in der Handlung schnell noch zu erfahren! Sie haben keinen Nutzen von den besten Büchern, welche ein Stück Erdenleben wiedergeben, woraus der Leser vieles für sich schöpfen könnte, wenn er alles richtig in sich miterlebte!
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Verbogene Seelen“)

Wenn es etwas gibt, das man mir vorwerfen kann, dann sicherlich, daß ich Buch- und Filmcharaktere lebe. Ich ernte mitunter karierte Blicke, wenn ich zu einer Abhandlung über diese oder jene Zusammenhänge in den Entscheidungen der Figuren aushole; vielleicht sind meine geplagten Zuhörer beeindruckt, aber viel wahrscheinlicher halten sie mich einfach für merkwürdig.
Dennoch. Ich habe es schon mehrfach geschrieben und kann es nur wiederholen: Ein Buch, ein Film, eine Serie fesselt mich nur, wenn Charaktere darin auftreten, die mir etwas geben. Nehmen wir zum Beispiel mein aktuelles Nachholen der Superheldenfilme der letzten Jahre. Ja, Wonder Woman ist visuell großartig und Justice League sehr unterhaltsam. Aber ihre Charaktere haben zu wenige Facetten, sind viel zu schnell ausgeschöpft, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Betrachten wir dagegen den gar nicht so heimlichen Star diverser Marvel-Verfilmungen, Loki, und die Sache sieht schon anders aus.
(Achtung, Abhandlung.)
Sicherlich geschuldet der nicht ganz so erfolgreichen Koordinierung der Marvel-Filme und ihrer verschiedenen Drehbuchschreiber sowie der engen zeitlichen Abfolge, die es den Autoren nicht erlaubt, das endgültige Produkt ihrer Kollegen zu begutachten und danach ihr eigenes Drehbuch auszurichten (eigentlich hat man dafür einen Script Supervisor), variiert die Figur sehr. Eingeführt wird Loki in Thor, den ich aus so vielen Gründen für den besten Film der Reihe halte. Thors eigene Entwicklung ist ein Fall für sich, den ich schon einmal analysiert habe und deshalb hier weglasse; der Fokus dieses Blogeintrages liegt auf Loki.

Thor ist eine Geschichte über zwei Söhne und ihren Vater: Thor, strahlend, überragend, aber arrogant und selbstzufrieden; sein jüngerer Bruder Loki stets in seinem Schatten, obwohl ihm intellektuell überlegen, scharf beobachtend und dabei den Eindruck gewinnend, daß ihr Vater Odin den Erstgeborenen bevorzugt. Ein klassischer Geschwisterkonflikt, der nicht einfacher wird durch die Tatsache, daß Thor nach Odins naher Abdankung zum neuen König ernannt werden soll, eine Aufgabe, für die er in Lokis Augen denkbar ungeeignet ist. So versucht Loki, das Unvermeidliche für eine kurze Weile noch zu verhindern, doch die Ereignisse, die er in Bewegung setzt, verselbständigen sich. Thor endet in der Verbannung, Loki erfährt, daß er adoptiert wurde und hält nun diese Tatsache für die Erklärung aller vermeintlichen Zurücksetzung, die er erfahren hat. Er sieht sich als Schachfigur in den Plänen seines Vaters und ist taub für die Versicherungen Odins, er sei sein Sohn, Blut oder nicht. Als Odin in Folge des Streites zwischen ihnen in eine Art Koma fällt, wird Loki zwangsläufig Regent. Er schmiedet einen vom Standpunkt der Charakterentwicklung betrachtet komplexen Plan: Gleichermaßen sich zum Helden der Geschichte zu machen und es damit endlich Thor gleichzutun, als auch, das auszulöschen, was ihn anders, nach seinem irrtümlichen Verständnis in den Augen seines Vaters minderwertig macht.
Der Plan mißlingt. Odin ist willens, Loki zu verzeihen, doch dieser sieht in der sanften Ablehnung des letztlich aus Liebe geschmiedeten Planes eine Zurückweisung seiner Person. Und so läßt er wortwörtlich das gebotene Rettungsseil fahren und stürzt ins Bodenlose, vermeintlich in seinen Tod. (Man kann, wenn man möchte, hier sehr leicht eine christliche Symbolik erkennen.)
Als ein trauernder Thor am Ende zu seinem Vater sagt, er hoffe, ihn eines Tages stolz zu machen und Odin erwidert, Thor mache ihn bereits stolz, so meint man, darin auch die unausgesprochenen Selbstvorwürfe Odins zu erkennen, seinen beiden Söhnen niemals diese einfache Wahrheit mitgeteilt und damit vielleicht all das Leid verhindert zu haben.

Die Fortsetzung folgt in The Avengers, der sich berechtigterweise mehr um die Charakterzeichnung seiner zahlreichen Helden kümmert als um die des Gegenspielers, aber darum leider auch ärmer ist als er sein könnte. Loki taucht hier, nach einem Jahr des nicht näher erläuterten Umherirrens, in ganz anderer Gestalt auf. Er hat kaum etwas von der Verletzlichkeit, die ihn in Thor auszeichnet, nichts von der inneren Logik seines Verhaltens und seiner Pläne, die einzig und allein dem Bedürfnis entsprangen, sich in den Augen seines Vaters zu beweisen. In erster Linie wird ihm hier als Motiv Machtstreben unterstellt. Ich wünschte mir eine Zwischengeschichte herbei, die diesen krassen Schnitt erklärte – genau genommen wartete ich den ganzen Film auf die Enthüllung, daß das Szepter, das die Gedanken von Menschen manipulieren kann, auch ihn beeinflußt hatte.
Dabei gehen seine Beweggründe tiefer, wenn man genau darauf achtet. Sie wurden bereits in Thor etabliert: Während Loki im ersten Film Thor als Hindernis auf dem Weg zu seinem Ziel betrachtet (nicht auf dem Weg zur Macht – es ist wichtig, hier zu unterscheiden), so ist er nun zum Fokus von Lokis Haß geworden. Machtstreben, ja, aber als Ersatz für das, was Thor Loki nach dessen Auffassung genommen hat. Nicht von ungefähr ist Lokis Ziel die Erde, für die Thor sich verantwortlich fühlt. Es ist Rache, der Wunsch, Schmerz um Schmerz zurückzugeben. Schade, daß das nicht deutlicher herausgearbeitet wurde.
Einige wenige Momente werden ihm gegönnt. Es liegt da in seinen Augen eine tiefe Traurigkeit und Sehnsucht, als Thor ihn zweimal bittet, seinen Plan aufzugeben und nach Hause zu kommen. Er schleudert Thor entgegen, all die Jahre „als Schatten“ gelebt zu haben, überragt von seinem strahlenden Bruder. Zu seltenen Gelegenheiten beweist er seinen Witz. Doch mehr schöpft das Drehbuch aus diesen Möglichkeiten nicht. (Eigentlich seltsam, da Drehbuchautor Josh Whedon üblicherweise immer sprücheklopfende Bösewichte schreibt.)
So bleibt Loki in The Avengers ein größtenteils sehr einseitiger, klischeehafter Schurke, der am Ende in Ketten nach Asgard abgeführt wird, um dort der Gerichtsbarkeit zugeführt zu werden.

Thor – The Dark World muß nun mit diesem anderen, sehr viel finstereren Loki arbeiten und tut es mit Aplomb. The Dark World ist, als Gegenstück zu Thor, eine Geschichte über zwei Söhne und ihre Mutter. Frigga ist die einzige, die die Familie durch ihre Liebe noch zusammenhält. Odin, eine sehr viel härtere, kältere Version seiner selbst als in Thor, läßt sich von ihr dazu erweichen, Loki nicht zum Tode, sondern zu lebenslanger Gefangenschaft zu verurteilen, doch er verbietet ihr jeden Kontakt zu ihm. Lokis Haß auf Odin (und darunter sein Schmerz über dessen verlorene Liebe) steigt ins Unermeßliche.
In vielen kleinen Momenten und Gesten lernt der Zuschauer nun Friggas Einfluß auf ihren Mann und ihre beiden Söhne kennen, die Liebe, die jeder für sie hegt, ihre Weisheit und Menschenkenntnis. Sie ist die einzige, die Lokis Herz noch erreichen kann und der, wie man erfährt, immer eher „ihr“ Sohn war, so wie Thor eher Odins Sohn war.
Nachdem dies alles etabliert ist, folgt zwangsläufig Friggas gewaltsamer Tod.
Um sie zu rächen und die Urheber ihres Todes an ihren Plänen zu hindern, befreit Thor Loki aus seinem Kerker – auf Zeit, wie er dabei zur Bedingung macht. In ihrem unausgesprochenen Schmerz vereinigt, der sich bisweilen in bitteren Vorwürfen Bahn bricht, nehmen die beiden Brüder die Verfolgung der Mörder auf. Nachdem er seine Rache stillen konnte, täuscht Loki seinen Tod vor und kehrt unerkannt nach Asgard zurück.
Dort begegnet Thor ihm nach beendeter Mission in Gestalt Odins. Seinem vermeintlichen Vater gegenüber erklärt Thor, die Herrschaft nicht annehmen zu wollen, und verläßt Asgard, um auf der Erde zu leben.
The Dark World ist nach The Avengers wieder wunderbar vielschichtig. Vieles liegt in kleinen Dingen, in Blicken, Gesten oder auch in auf verschiedene Weise zu deutenden Szenen.

Thor: Ragnarok schließt als letzter Film der Trilogie den Kreis. Nach einer besorgniserregenden Prophezeiung durch den Feuerriesen Surtur kehrt Thor nach Asgard zurück und entlarvt Loki, der, wie man erfährt, Odin mit einem Zauber belegt und auf der Erde zurückgelassen hat. Die beiden Brüder suchen ihn auf, doch nach einer letzten versöhnlichen Aussprache mit seinen ungleichen Söhnen stirbt er. Sein Dahinscheiden ermöglicht es Hela, Odins totgeschwiegener Erstgeborenen, aus ihrem Exil nach Asgard zurückzukehren und die Macht an sich zu reißen. Fern des Geschehens gefangen, suchen Thor und Loki, jeder auf seine Art, Mittel, Wege und Verbündete, aus ihrer mißlichen Lage zu entkommen. Die Geschehnisse und die Enthüllungen über ihre Familie schweißen die Brüder zu einem erstaunlich guten Team zusammen, wenn sich auch am Ende Loki einmal mehr an Verrat versucht. Wohl eher aus Gewohnheit; denn als Thor sich beinahe im Alleingang an den Kampf gegen Hela und ihre Heere wagt, kommt Loki ihm (und ihrem Volk) gegen jeden Selbsterhaltungstrieb zu Hilfe. Ein drittes Mal scheint er in den sicheren Tod zu gehen, und ein drittes Mal entkommt er. Die Geschichte schließt mit Asgards Zerstörung durch Surtur, der Flucht der Überlebenden und Thors Ernennung zum neuen König, diesmal mit Loki an und auf seiner Seite.
Mit dieser, zweifelsohne der enormen Beliebtheit der Figur geschuldeten, versöhnlichen, teils humorvollen, teils nahezu heldenhaften, aber nie ganz vertrauenserweckenden Darstellung sind auch sämtliche Facetten des Lokis der nordischen Mythologie abgeschlossen. Ironischerweise ausgerechnet zu Ragnarök, als der mythologische Loki seinen Höhepunkt an Negativdarstellung erreicht.

Renate Steinbach schreibt in ihrem, sicher nicht zufällig 2012 (also nach Thors Kinostart und im Jahr der Avenger-Verfilmung) erschienenen Buch Loki Laufeyson – Die Geschichte eines Gottes:

Loki gilt als der widersprüchlichste Gott der nordischen Mythologie. Selbst jene, die sich bemühen, ihm wohlgesonnen zu sein, gestehen ihm bestenfalls die Notwendigkeit des negativen Gegengewichtes zu den hehren Asengöttern zu. […] Er brachte die Götter immer wieder in Verlegenheit und Gefahr, auch wenn er stets listenreich eine Lösung fand. […]
[W]er sich selbst auf Loki einlässt, der wird einem ganz anderen Gott begegnen, nämlich jemandem, der treu und verlässlich ist und dessen Heiterkeit sehr bereichert.

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Ich kann kaum ausdrücken, wie glücklich ich über die ersten beiden Thor-Verfilmungen bin. Die Götter- und Heldensagen der Germanen war das Buch, anhand dessen ich im zarten Alter von acht oder neun nicht nur Frakturschrift lesen lernte, sondern auch den nordischen Mythen begegnete. (Okay, vorher war da noch Mutterns Loewe-LP mit dem „Schmied auf Helgoland“, aber auch die Geschichte traf ich natürlich im Buch wieder, und Vattern wußte sowieso immer sehr spannend von Odins Raben zu fabulieren.)

Ich verschlang die Sagen, und die Götter der germanischen Völker blieben mir seitdem gute Freunde. Bei den Midgaard Skalden gab’s vor ein paar Jahren die Geschichte vom Diebstahl von Thors Hammer, ein Klassiker der Sagen. Für Haithabu natürlich kindgerecht aufbereitet, also fiel das große Massaker am Ende aus, aber die Geschichte lebt sowieso in erster Linie von ihrem Humor. Man kann sich heute noch das Gelächter der Wikinger vorstellen. Mit ordentlich Action zum Schluß, also eigentlich ein erprobtes Erzählsystem…
ARTEs Dokudrama Götterdämmerung verbindet Ragnarök mit dem Untergang des heidnischen Glaubens.

Nun wagte ich mich zum Neuaufbau meines Heimkinos an Thor, The Avengers und Thor – The Dark World. (Deutscher Titel des letzteren: The Dark Kingdom. No comment.) Während die Avengers eher enttäuschend konventionell sind – und hat mal jemand gesehen, wie lange die Endschlacht in New York dauert?! –, war ich hin und weg von den beiden Thors. Nicht nur von Handlung und Bildern, obwohl die allein schon großartig sind, und nicht nur von den Schauspielern, obwohl mit Stellan Skarsgaard und Tom Hiddleston zwei meiner Favoriten vertreten sind. Und nicht nur von der Charakterzeichnung und Charakterentwicklung, letztere gerade im ersten Teil unglaublich gut. Nein, was außerdem dazu kam, war die Metaebene. (Ich liebe dieses Wort.) Die Schreiber haben ihre Hausaufgaben gemacht. Es ist so viel von den Sagen in die beiden Filme eingebaut worden, nicht nur Äußerlichkeiten wie die Regenbogenbrücke Bifröst oder Mjölnir oder der einäugige Odin oder – sehr klasse! – sein achtbeiniger Hengst Sleipnir. Sondern auch kleinere Dinge aus den Sagas in neuer Form, in neue Zusammenhänge eingebunden. Heimdalls Zweikampf gegen Loki, direkt aus Ragnarök übernommen. Lokis Fesselung. Und – entdecke ich da ein Muster? – Loki als Schiffslenker, ebenfalls aus Ragnarök. Odins Verschwinden! Ich warte noch auf Thors Kampf gegen eine Riesenschlange oder eben den Diebstahl seines Hammers, oder Lokis Verwandlung in einen Falken oder eine Fliege. Oder eine meiner Lieblingsepisoden aus den Sagas, Odin zwischen den Feuern.
Über das Treffen zweier Glaubenssysteme habe ich bereits im Autorenblog geschrieben.
Die Schwarzelfen, na gut. Eigentlich sind die Bewohner von Svartalfheim Zwerge. Aber im Zeitalter der Tolkienverfilmungen… Wobei sich The Dark Worlds Elfen natürlich in erster Linie an del Toros Hellboy – The Golden Army orientieren.

Der dritte Thor soll ja etwas leichtherziger sein; ich versuche mich daran, wenn die DVD günstiger geworden ist.

Fortsetzung

Und da wären wir. Ich bin glücklich. Thor: Ragnarok war ja teilweise stark kritisiert worden wegen seiner… sagen wir, farbenfrohen Elemente. Ja, er ist ein krasser Unterschied zu seinen Vorgängern. Aber diese Szenen kann man einfach ihres Slapsticks wegen genießen, während die Metaebene wieder voll ins Schwarze trifft. Schlichtweg großartig. Wie schon in den beiden ersten Thor-Filmen werden viele Elemente aus der nordischen Mythologie genommen und anders arrangiert, teilweise unglaublich clever. Thor erzählt von seiner Zuneigung für Schlangen (ich lachte – siehe oben). Am besten jedoch: Loki löst tatsächlich Ragnarök aus, inklusive Schiff, in dem er ankommt, inklusive Surtur, dessen er sich (hier in einem komplett anderen Zusammenhang) bedient. Und wie in den Sagen bringt er unsere Helden in Schwierigkeiten und haut sie auch wieder raus, mit Witz und Stil und immer einem Hauch von Fiesheit. Gratulation, gelungen! Wenn nicht bonbonfarben, dürften die Bilder übrigens die besten der drei Thor-Filme sein.

Aber verkneifen kann ich’s mir doch nicht. Ausgewählte Marvel-Filme und ihre Titel im Original und in (neu)deutscher Übersetzung:

OT: Thor: The Dark World – Deutscher Titel: Thor: The Dark Kingdom
OT: Captain America: The Winter Soldier – Deutscher Titel: The Return of the First Avenger
OT: Captain America: Civil War – Deutscher Titel: The First Avenger: Civil War
OT: Thor: Ragnarok – Deutscher Titel: Thor: Tag der Entscheidung

Right.

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Ein Film, der mich persönlich sehr berührte, ist The Case for Christ (dt. Der Fall Jesus) nach einer wahren Geschichte. Die Ausgangslage: Nach einigen Jahren glücklicher Ehe konvertiert Leslie Strobel zum Christentum. Ihr Ehemann Lee, Atheist, kommt mit diesem Wandel nicht zurecht; das Ehe- und Familienleben wird zum Schlachtfeld.
Lee und Leslies Geschichte hat ein Happy End, und der sehr gelungene Film ist schon allein wegen Lees Recherche in die Wahrheit hinter dem Christentum ausgesprochen sehenswert. Aber wie gesagt, für mich spielt auch die persönliche Ebene mit hinein. Meine Eltern waren, was die Strobels in einem ihrer Bücher „spiritually mismatched“ nennen, ein auf spiritueller Ebene unpassendes Paar. Die Ausgangslage war ähnlich: Meine Mutter Suchende, zunächst zur Kirche tendierend, womit mein Vater keine Probleme hatte – er war sein Leben lang „Nennchrist“, also getauft und auch nicht bereit, aus der Kirche auszutreten, obwohl er sonst damit nichts zu tun hatte. Es war das Normale, das, was man kannte. Seine Eltern und Großeltern waren getauft. Die Nachbarn waren es. Mein Vater mochte Prinzipien. („Flexibel wie eine Eichenschrankwand“, sagt mein Kollege immer.)
Dann fand meine Mutter zur Gralsbotschaft, und von da an geriet das Familienleben aus den Fugen. Vermutlich war auch vorher nicht die vollkommene Harmonie vorhanden, aber mein Vater gab „dem Gral“ die Schuld am Scheitern der Ehe (wenn man’s so nennen möchte – meine Eltern blieben verheiratet, bis wortwörtlich der Tod sie schied). Kindererziehung wurde ein Problem. Der schlimmste Krach, an den ich mich erinnern kann – und sie hatten so einige spektakuläre –, resultierte, als auch ich „mit dieser Spinnerei anfing“.

Sicher keine Einzelsituation. Ich weiß nicht, wie die Statistik aussieht, aber wohl die wenigsten Kreuzträger lernen ihren zukünftigen Ehe- oder Lebenspartner kennen, nachdem beide bereits Kreuzträger sind. Und es ist nicht einmal eine Situation, die nur auf Leser und Bekenner der Gralsbotschaft zutrifft. Lee und Leslie Strobel haben ein Buch zum Thema geschrieben, in diesem Fall das Christentum betreffend: Spiritual Mismatch (in einer früheren Ausgabe Surviving a Spiritual Mismatch in Marriage, diese ins Deutsche übersetzt unter dem Titel Wenn der Glaube zwischen uns steht). Ja, ich habe meine Eltern darin wiedergefunden. Und vielleicht wäre es gut gewesen, hätte meine Mutter dieses Buch damals gehabt… wobei ich bezweifle, daß sie es angewendet hätte, aber das ist eine andere Sache. Wem als Leserin oder Leser der Gralsbotschaft diese Situation bekannt vorkommt, dem sei das Buch auf jeden Fall ans Herz gelegt. Auch wenn es auf Christen zugeschnitten ist, sind viele universell anwendbare Ratschläge darin zu finden.

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Nachdem ich insbesondere durch Ellen Moody immer davon gehört hatte, aber davor zurückgeschreckt war, tat ich mir nun endlich die erste Staffel von The Handmaid’s Tale an – und bin froh darüber. Obwohl die Geschichte natürlich nicht einfach ist, ist die Umsetzung großartig und berechtigterweise mehrfach preisgekrönt. Für mich liegt der Fokus gar nicht mal so sehr auf dem Plot. Es sind die Charaktere und ihre verflochtenen Beziehungen zueinander, die bestechen; all das, was nicht ausgesprochen wird, aber durch die Bilder, durch Komposition, Schnitt und Gegenschnitt um so deutlicher hervortritt. Selbst die nominellen Antagonisten sind keine Gewinner der Situation, sondern ebenso in der Maschinerie ihres eigenen Schaffens gefangen wie die vermeintlichen Opfer. Ich kann nicht behaupten, daß ich auch nur einen von ihnen herzlos fand, auch wenn sie furchtbare Dinge taten, und das ist die Stärke der Geschichte. Man versteht die Charaktere, selbst wenn man mit ihren Handlungen nicht übereinstimmt.

Zwillingsszenen ohne Worte: Serena beobachtet verstohlen Offred/June und Nick…

… die einfache, grundlegende Verbindung beider, die sie selbst mit ihrem Mann nicht mehr haben darf, nach ihren eigenen, sich verselbständigt habenden Gesetzen.

Kurios ist, daß ich, die bei Sexszenen immer „Hm“ sagt, ausgesprochen angetan bin von dem großen – hust – Klimax am Ende von „Faithful“. Überhaupt ist diese Folge für mich die entscheidendste und am besten gestaltete der ganzen Staffel. Das zunehmende Interesse des Commanders an Offred, aber noch mehr ihr eigenes, nicht mehr zu leugnendes Begehren für Nick lassen sie mit ihrem Gewissen kämpfen – ist sie Luke untreu, selbst wenn er (wie sie zu diesem Zeitpunkt glaubt) tot ist? Die Antwort kommt durch Emilys Handlungsstrang, und nun machen für den Zuschauer auch die zahlreichen Rückblenden Sinn: In allererster Linie muß June sich selbst treu sein. Großartig umgesetzt.
(Nicht unwitziger, dabei aber sehr akkurater Artikel dazu: https://www.tor.com/2017/05/11/the-handmaids-tale-faith-television-review/)

Da die Listen über die zweite Staffel eher durchwachsener Meinung sind, werde ich wohl darauf verzichten. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. (So auch Outlander, die, wie ich gelesen habe, bereits bis Staffel 6 abgesegnet wurde.)

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Nachdem Esther Lorenz bei ihrem Konzert in der Herrenhäuser Kirche den Film erwähnte, wollte ich ihn natürlich einmal sehen: Brennender Sand, der seinerzeit den Durchbruch sowohl für Daliah Lavi als auch für die Ofarims bedeutete.
Ich kann verstehen, daß Brennender Sand damals sehr erfolgreich war. Er ist für eine Produktion von 1960 in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich: Eine Frau als Heldin und Hauptperson, und der junge Staat Israel war eine viel exotischere Kulisse als, sagen wir, Bella Italia oder das verkitscht dargestellte Kino-Indien. Genau das macht den deutsch-israelischen Film heute noch interessant, wo er storytechnisch längst veraltet ist: Die vielen inzwischen historischen Aufnahmen von Tel Aviv, Jerusalem oder dem Grenzland zwischen Israel und Jordanien (das gar nicht so anders aussah als heute) sowie das Flair, das eingefangen wurde – Menschen, Kultur, Musik.

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