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Archive for the ‘Film & Fernsehen’ Category

Inzwischen auf DVD erschienen ist Die Kuckucks, für den Marta zusammen mit Robert A. Stemmle das Drehbuch schrieb. Unter ihrem Pseudonym Marta Moyland, daher wird nie die Verbindung gezogen zwischen Eine Frau in Berlin und ihrer Karriere jenseits davon, wie ja auch im Fall von Sündige Grenze und Toxi.

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Fertig mit der zweiten Runde Outlander. Nun, wo man nicht in erster Linie auf Handlung gucken muß, hat man viel Zeit für Nuancen, und, Mann, schwelgte ich!
Als ich seinerzeit mit der Serie anfing, erwartete ich nicht viel und war am Ende massiv beeindruckt. Jetzt, nach Wiederholung, kann ich unbesorgt sagen, daß Outlander ein wirkliches Qualitätswerk ist. Auch wenn ich die Sexszenen immer noch ein bißchen exzessiv finde. Solange sie im Kontext der Handlung eine Funktion erfüllen, kein Problem, aber Sex um des Sexes willen… naja.
Ich habe auch ganz neue Lieblingsszenen entdeckt. Man könnte sich darüber streiten, ob Leichtherzigkeit bei Claires und Jacks drittem Zusammentreffen in „Both Sides Now“ angebracht ist, aber die Szenen mit Black Jack Randall sind alle so intensiv und furchtbar, daß es guttut, zwischendrin mal etwas zum Schmunzeln zu haben. So kommt es denn, daß Claire in ihrem kurzlebigen Moment der Überlegenheit einen Klassiker des 50er-Jahre-Kinos ausspielen darf: Die Krawattenszene! Wer sich erinnert, auch Whoopi Goldberg durfte sie in Corrina, Corrina persiflieren. Sie geht ungefähr so: Ehemann macht sich bereit für den Weg ins Büro und kommt wieder einmal mit dem Binden seiner Krawatte nicht zurecht, so daß schließlich Ehefrau eingreift. In „Both Sides Now“ ist diese Szene doppelt witzig, weil: a) Okay, wir reden hier von Jack Randall, Sadist ersten Ranges, und die Vorstellung von Claires ehefraulicher Standpauke im Sinne der guten alten 50er… Ja, ich lachte. („Now you listen to me, Jonathan Randall…“ – „Yes, dear.“)

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b) Die zweite Humorebene entsteht natürlich dadurch, daß beide Darsteller in der 1940er-Zeitlinie tatsächlich ein Ehepaar verkörpern. Ein netter Bogenschlag auch zu der früheren Folge „The Garrison Commander“, Claires und Jacks zweitem Zusammentreffen, die – was mir beim ersten Anschauen völlig entgangen war – durch und durch eine Geschichte über Claire und Frank ist, obwohl sie de facto nur eine Rückblickszene zusammen haben. Als solches ist sie auch ein entscheidender Knotenpunkt der Handlung. Die Produzenten selbst weisen clever darauf hin, als sie in der Titelkarte (eine kurze Szene mit Detailaufnahmen des Sets, während derer der Episodentitel eingeblendet wird) Franks Armbanduhr neben Jacks Rasierset plazieren.

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Es ist eine Folge über die Verbindung, wenn nicht gar Gleichsetzung der beiden Männer für Claire. In den vorhergegangenen Folgen vermißt Claire Frank zunehmend; nun plötzlich steht sie dem Mann gegenüber, der Frank in dieser Zeitlinie zumindest äußerlich so sehr gleicht. Und obwohl sie ihr erstes Zusammentreffen nicht vergessen hat, ist sie doch geneigt, Frank in Jack zu sehen. Ihr ganzes Verhalten Jack gegenüber wird von dieser Hoffnung beeinflußt. Sie weint über den Verlust des Guten, das sie durch ihren inneren „Frank-Filter“ in Jack vorhanden glaubt. Sie gesteht Jack, sie sei glücklicher als er wisse, als sie glaubt, ihn auf den Pfad des Guten zurückgeführt zu haben. Und genauso – das ist das wirklich Interessante hier –, als Jack diesen Glauben effektiv zunichte macht (und sich nebenbei als der hochintelligente Menschenkenner und sadistische Mistkerl erweist, als den das Publikum ihn von nun an kennen und fürchten lernt), beginnt Claires Liebe zu Frank zu schwinden. Zwar versucht sie in „Both Sides Now“ noch einmal, zu ihm zurückzukehren, aber es ist bereits mehr eine Flucht vor den Veränderungen, die sie in sich bemerkt, als eine Flucht zu ihm. Es ist auch vielsagend, daß Claires Heirat mit Jamie gleich in die Folge nach „The Garrison Commander“ fällt.
„The Garrison Commander“ ist vermutlich meine Lieblingsfolge der ersten Staffel geworden. Sie ist ein Kammerstück, ungemein clever aufgebaut, vielschichtig, eines der besten Beispiele, wie in Outlander so viel ohne Worte, nur durch Blicke, Mimik und Gesten vermittelt wird, und natürlich großartig getragen von der schauspielerischen Leistung Caitriona Balfes und Tobias Menzies’ in ihrer langen Unterhaltung, die das Herz der Folge bildet.

Nun bin ich leicht abgeschweift.

Der zweite Lacher am Ende von „Both Sides Now“ ist so ziemlich der letzte, den wir in Verbindung mit Black Jack bekommen (sein Artus-Witz in Wentworth ist wirklich gut!), also ist er erlaubt und noch einmal ein kurzer Lichtblick, bevor die Szene scheußlich wird. „What kind of gentleman keeps a rope in his desk?“ regt Claire sich auf, ganz empörte englische Dame, während sie bereits Übles auf sich zukommen sieht. Schön!

Wo wir beim Thema sind: Ich hatte leichtes Magengrimmen in Bezug auf „Wentworth Prison“ / „To Ransom a Man’s Soul“. Es ist schwierig, finde ich, Folgen noch einmal zu sehen, von denen man weiß, daß sie an die Substanz gehen. Und ja, sie gehen auch in der Wiederholung an die Substanz. Gleichzeitig sind sie natürlich absolut sehenswert. Von Tobias Menzies’ wandelbarem Schauspieltalent hat man die ganze Serie hindurch schon viel zu sehen bekommen, obwohl er in der Abschlußdoppelfolge noch einen Schritt weitergehen darf; Sam Heughan hatte diese Chance noch nicht wirklich. Jamie ist zu sehr der Held ohne Furcht und Tadel, mit Fehlern und Schwächen zwar, aber letztlich immer obenauf. Dies, so schrecklich mitanzusehen ist, wie er langsam, qualvoll und mit perverser Psychologie gebrochen wird, ist Sam Heughans bester Moment. Es ist alles in seinen Augen, sage ich nur.

pietaDie Pieta. Ich liebe gelungenen Gebrauch von Ikonographie. Kurz darauf verspottet Jack Jamies Christ-gleiche Passivität im Leiden (man denke auch an Jamies festgenagelte Hand), was wiederum einen Bogen zu „Lallybroch“ schlägt, als Jamie anmerkt, es stecke ein Teufel in Jack Randall; ebenso zu Claires Schwur in „To Ransom a Man’s Soul“ (der Episodentitel selbst weist schon auf die religiöse Verbindung hin, ebenso die Titelkarte): „Randall may have had your body, but I’ll be damned if he has your soul as well.“ Und Murtagh kommt in Staffel 2 noch einmal darauf zurück, als er Jack als „the devil’s spawn“ bezeichnet.

A propos, ich glaube, ich habe nun endlich herausgefunden, was mich an Staffel 2 so störte: Ihr fehlen lange Zeit all die Parallelen und Verknüpfungen, das Spiegelbildliche, das Staffel 1 durchzieht. Staffel 2 ist über viele Folgen hinweg sehr, sehr wörtlich, keine Spur von Metaebene. Zwar ist die erste Hälfte von Folge 1, „Through a Glass, Darkly“, voll davon, aber – und das ist vielsagend – nur dadurch, daß Frank wieder ins Spiel kommt. Danach ist Sense, bis – aha! – Jack in Paris auftaucht. Ellen Moody analysierte Outlander als Dreiecksgeschichte, und sie hat völlig recht damit. In Fankreisen und auch seitens Autorin Diana Gabaldon, was ich bisher gesehen und gelesen habe, ist der Fokus immer auf Claire und Jamie. Aber die Geschichte hat keinerlei Tiefgang ohne was Ellen als den Doppelgänger Frank/Jack bezeichnet; wer weniger tiefenpsychologisch vorgehen möchte, macht eine Vierecksgeschichte daraus. Beides funktioniert. Und sobald Jack mit der dramatischen Verknüpfung sowohl zu Wentworth und dem Mißbrauch an Fergus (ich nenne das zuschlagendes Karma) als auch zu Claire (ein Leben für ein Leben) während des Duells die Bühne vorerst wieder verläßt, verschwindet ebenso die Metaebene. Nicht, daß die Serie an dieser Stelle schlechter wird – wir kommen nun zum herzzerreißenden und epischen Teil, und das hat eigenen Wert, aber es gibt herzlich wenig zu deuten. Den nächsten Bogenschlag finden wir tatsächlich erst wieder in „The Hail Mary“ mit, jep, Jacks Rückkehr. Erst jetzt, nachdem ich Staffel 1 noch einmal gesehen hatte, konnte ich die wundervolle Szene zwischen Claire und Jack als das Gegenstück zu ihrer Szene in „The Garrison Commander“ erkennen, das sie ist. Mit einer Wendung! Diesmal versucht Claire nicht, seine Seele zu retten, während man den Eindruck bekommt, daß das genau das ist, was Jack von ihr erbittet, zumindest den kleinen Teil seiner Seele, den er sich noch erhalten hat.

Diana Gabaldon ist in Staffel 2 als Gastautorin vertreten, nämlich bei der Folge „Vengeance is Mine“. Der Schwerpunkt dieser Aussage ist „Gast“. Man merkt, daß die Folge nicht aus der üblichen Schreibwerkstatt stammt, so sehr das Stammpersonal natürlich Rat und Tat leistete. Sie ist in vielem simpler, aber auch eigenständiger, ein in sich abgeschlossenes Abenteuer, wenn man so will. Star ist zum letzten Mal Simon Callow als der Duke of Sandringham, der wie immer jedem die Show stiehlt. Stellt Jack Randall den Finsterling dar, so ist Sandringham der witzige Schurke. Ich bedauere sehr, daß sie nie eine gemeinsame Szene haben. (Und ich tappe völlig im Dunkeln, was eigentlich ihre Beziehung ist. Wird vermutlich in den Büchern erläutert.)

Beginnend mit „Faith“ ziehen sich Tod, Abschied und Verlust als Leitthemen durch die Handlung. Von nun an verlieren wir eine erhebliche Anzahl von etablierten und liebgewonnenen Charakteren, ganz zu schweigen von all den Verlusten auf Culloden Moor, die wir nie zu sehen bekommen. Ich hoffe sehr, daß die Macher in Staffel 3 zumindest ein paar Rückblenden einbauen! Insbesondere Dougal darf in „The Hail Mary“ und „Dragonfly in Amber“ noch einmal richtig glänzen.

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Wie das dann immer so kommt. Angeregt von Franks Recherchen in Outlander hatte ich vor, meine Familienforschung wieder aufzunehmen, namentlich den eigentlichen Hauptzweig, wenn man so will, von dem ich meinen Nachnamen habe. Konzentrierte mich lange Zeit auf meine mütterliche Linie, weil, ganz einfach, diese wesentlich einfacher nachzuverfolgen war – denn ehrlich, so häufig ist „Kleehaas“ nicht… (Schweizer Wurzeln, früheste bisher gefundene Erwähnung 1331. Das ist älter als manches Adelshaus.)
Bei den Schnabels sieht’s schon schwieriger aus. Google hilft einem da auf Anhieb nicht weiter. Was ich auf alle Fälle näher begutachten wollte (und immer noch will), ist die Geschichte der zwei Brüder Carl und Christoph Schnabel aus Heyersum. Ich habe mir sagen lassen, daß in Heyersum ein Zwist zwischen zwei Schnabel-Linien existiert(e), von denen offenbar keiner mehr weiß, wie er entstanden ist, und möglicherweise liegen die Wurzeln bei diesem Brüderpaar. Es ging um die Erbschaft des Pachthofes – dramatische Geschichte, mir liegt die Akte vor.
Während ich aber noch hier nachschlug, kam mir der bisher älteste bekannte Ahnherr dieses Familienzweiges in den Sinn, der Hildesheimer Stadtsoldat Johann Otto Schnabell, auch ein interessanter Kandidat. Ich sah mir also seine Daten an… und mußte lachen. Zwar weiß ich bisher nicht viel über ihn, aber er heiratete 1750 Anna Catharina Pfingsten, verwitwete Fernhaber. Somit sind wir genau in der Zeit, die Outlander behandelt. Und sie teilen sogar einen Vornamen. Ich hoffe, die Parallelen enden hier – einen Black Jack Schnabell brauche ich wirklich nicht in meinem Stammbaum.
Johann Ottos Vater war vermutlich ebenfalls Stadtsoldat, und hier wird’s interessant. Im Stadtarchiv Hildesheim nämlich gibt es eine Akte „Klage des Neustädter [=Hildesheimer Neustadt] Magistrates gegen den Juden Moses Herz, den Advokaten Klebert und wegen des Stadtsoldaten Pfingsten. 1744-1748“. Dieser Stadtsoldat Pfingsten war unter Garantie entweder der Bruder oder der Vater von Anna Catharina, denn wie ist es bis heute? Man lernt die meisten Menschen durch den Beruf kennen. Und die Schnabels und die Pfingstens waren offenbar militärische Traditionsfamilien. Genauere Forschung folgt.

Was machten Hildesheimer Stadtsoldaten eigentlich? fragte ich mich. Laut den Beiträgen zur Hildesheimischen Geschichte, enthaltend die darauf Bezug habenden Aufsätze der sämmtlichen Hildesheimischen Wochen- und einiger kleinen Gelegenheitsschriften bis zum Jahre 1828, Band 1 (1829), Aufsatz „Von dem Landsturme, den Landsknechten und Soldaten im Hildesheimischen“:

Beständige Stadt-Soldaten hatte man aber in Hildesheim im sechzehnten Jahrhundert noch nicht, denn, ob wir gleich in den Chroniken lesen, daß die Stadt Hildesheim in der Stiftsfehde, außer den bewaffneten Bürgern, auch Knechte, d. i. Soldaten gehalten, und damit für Bischof Johann IV. die Festung Peine besetzt habe, so wurden diese doch nach beendigter Fehde wieder entlassen, wie dieß die Fürsten mit ihren Landsknechten eben so machten. Die ersten Versuche, beständige Stadt-Soldaten anzuwerben, fallen in die ersten Jahre des siebenzehnten Jahrhunderts. Die städtischen Chroniken besonders, das mehr erwähnte Verzeichniß der Merkwürdigkeiten des Stifts und der Stadt Hildesheim erzählt, daß im Jahre 1606 Soldaten angenommen, und täglich jedes Thor mit 6 Mann derselben besetzt worden sey. Eine andere Chronik erwähnt, daß 1614 den 20. September, im Rathe zu Hildesheim bewilliget sey, 100 Soldaten anzunehmen, und damit die Wache Tag und Nacht zu bestellen, und daß diese Neuerung aus Besorgniß einer Kriegsgefahr, weil die Spanier im gedachten Jahre Wesel eingenommen hätten, veranlaßt worden; diese Soldaten wären auch den 26. September gedachten Jahrs bewaffnet, aber bald wieder abgedankt, weil die Bürger sich geweigert hätten, das Soldatengeld aufzubringen. Ferner: am 20. Febr. 1620, wären 100 Mann Stadt-Soldaten angenommen, um die Wache auf den Wällen und vor den Thoren zu halten, sie wären mit rothen Manteldecken, mit gelben Schnüren (die Farbe des Stadtwappens) besetzt, bekleidet gewesen, und die Bürger hätten monatlich sechs Groschen Soldatengeld geben müssen.
Der bald nachher im dreißigjährigen Kriege in Hildesheim eingetretene gewaltsame Zustand, wo die Stadt in der Zeitperiode von 1632 bis 1643, zweimal von fremden Truppen occupirt wurde, und daher ihrer nicht mächtig war, ließ an keine eigene militärische Einrichtung denken; im Jahr 1643 wurde aber die Stadt, vermöge der damals abgeschlossenen Recesse in den Stand, worin sie vor 1630 gewesen hergestellt, und hiernächst vom Magistrat am 9. November 1643, eine Stadtmiliz von 450 Mann angenommen, welche Zahl sich aber später um etwas vermindert hat. Sie war in drei Compagnien eingetheilt, deren jede von einem Offizier, nämlich eine von dem Capitain-Lieutenant, die andere von dem Lieutenant, und die dritte von dem Fähnrich angeführt wurde. Das Ganze stand unter dem obenerwähnten Stadt-Capitain oder Commandanten, welcher, wenn er einen höhern Titel wünschte, sich solchen von einem Fürsten, dem er vorhin gedient hatte, verschaffte, z. B. Major ec. Zum Unterhalte dieser Stadt-Soldaten, war vorzüglich der Licent oder die Accise angewiesen. Man sehe das Licent-Patent des Magistrats von 1644.
Nichts destoweniger blieben auch die, in ihre neun Beuerschaften der Alt- und Neustadt, als so viele Compagnien, eingetheilten Bürger bewaffnet, unter Anführung ihrer Lieutenants, Fähnriche und Führer, und besetzen die innern Thore der Stadt, wogegen die Stadt-Soldaten die äußern Thore bewachten, man sehe z. B. die Verordnung des Magistrats der Neustadt Hildesheim, vom 13. Mai 1717. Erst in der letzten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, hörte die Bewachung der innern Thore durch die Bürger auf, und wurde den Stadt-Soldaten allein überlassen. Nur am Tage des jährlich abgehaltenen großen Freischießens, sahe man noch außer dem Stadt-Militair einige Compagnien der mit Ober- und Untergewehr bewaffneten Bürger mit ihren Fahnen, und unter Anführung ihrer Bürgeroffiziere, den feierlichen Aufzug machen, um das Andenken ihrer alten militärischen Einrichtung zu erhalten.

Auf http://www.polizeiuniform.de/html/body_tagespolizei.html heißt es:

Die in Hildesheim bereits 1643 gebildete Stadtmiliz trug gegen Ende des 18. Jahrhunderts blaue Röcke mit roten Aufschlägen. Rot waren auch Weste und Beinkleider, der schwarze Dreispitz bildete den Kontrast.

(Ähnlich wie der dort abgebildete Göttinger Nachtwächter, denke ich.)

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Unvermutet schnell (ich bin immer noch beeindruckt) trudelte letzte Woche die I’m Not Ashamed-DVD ein. Lieferung aus den USA innerhalb von 2 Wochen? Und das bei normalem Versand. Da war Outlander 2 bei Versand innerhalb Deutschlands fast langsamer.
Ich war wie erwähnt neugierig zu sehen, was die Filmemacher aus dem Stoff gemacht hatten. Die Antwort: erschütternd wenig. Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, daß in Biopics Dinge verändert werden, aber ich erwarte doch, daß das Leben der dargestellten Person zumindest halbwegs korrekt präsentiert wird. Ich habe auch grundsätzlich kein Problem mit christlichen Filmen, aber I’m Not Ashamed gehört leider zu den krasseren Vertretern seiner Art. Bei Rachel Scotts Mutter Beth Nimmo als treibender Kraft hinter der Produktion war so etwas leider zu befürchten – sie folgt einer recht fundamentalistischen, evangelikalen Ausübung des Christentums.

Bizarr ist die Zusammenlegung mehrerer realer Personen in einer fiktionalen Figur. Klar: Nicht jeder möchte seinen Namen in einem Film wiederfinden, besonders in einem christlichen Film. Anonymität ist somit völlig okay. Es ist allerdings eine Beleidigung, wie viele fiktive Gegenstücke der immer noch klar zu erkennenden realen Personen geschrieben sind. Ich als, sagen wir, Andrew Robinson, Steve Partridge oder Brooks Brown wäre not amused. Ob Darrell Scott bewußt nicht genannt werden wollte oder ob er kurzerhand aus der Handlung herausgeschrieben wurde, möchte ich nicht spekulieren. Es ist auch nicht so, daß das, was Rachel Scott ausmachte, weder ihre Persönlichkeit noch ihr Glauben, in irgendeiner Form realistisch vermittelt wird. Rachel hatte einen großen Freundeskreis, sie war überall beliebt – wo bleibt das im Film? Nein, I’m Not Ashamed sieht sich in erster Linie wie ein Lehrstück. Oder, Schrecken, wie eine dieser fürchterlichen Aufführungen, denen wir in der Realschule ständig ausgesetzt wurden – AIDS, Neo-Nazis, Drogen; Kinder, laßt euch belehren, dies und dies ist böse und dieses und jenes Verhalten wird zu einem schrecklichen Ende führen. Ich kann bis heute nicht glauben, daß jemand ernsthaft glaubte, diese Moralstücke würden zu einer sittlichen Hebung der Jugend führen oder was auch immer. Aber offensichtlich gibt es diese Zunft immer noch. Somit wurde Rachel Scotts Geschichte umgeschrieben in ein Moralstück für die christliche Jugend, denn, ganz ehrlich, bekehren kann man damit niemanden. Partys, Alkohol und Zigaretten sind böse, ein nicht-christlicher Freund ist böse, und die ganze moderne Jugend ist insgeheim unglücklich und verloren und braucht Jesus.

Ich verstehe zumindest nun genau, warum der Filmstart letztes Jahr im April verschoben wurde auf Oktober. Hatte bereits gemutmaßt, daß Sue Klebolds im Februar erschienenes Buch der Anlaß war, und, jep, nach ihrer alles hinterfragenden Analyse über die Mittäterschaft ihres Sohnes an der Columbine-Schießerei ist Dylans und Erics Darstellung in I’m Not Ashamed reichlich klischeebeladen. Man wartet die ganze Zeit darauf, daß Satan hinter der Kommode vorspringt oder ähnliches.

Schade. Gutes Thema zielsicher verfehlt.

Um aber fairerweise die wenigen gelungenen Dinge auch zu erwähnen: Es gibt viele kleine Szenen abseits der „message“, in denen Rachels Persönlichkeit doch durchscheinen darf. In die Dialoge werden Originalzitate von Rachel, Eric, Dylan und Brooks eingebaut, und Originalvideoaufnahmen werden entweder gezeigt oder nachgestellt.

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Weil in Ellen Moodys Blogs so oft die Rede davon ist*, legte ich mir Staffel 1 von Outlander zu. Wie erwartet, ist die Geschichte eher Standard, mit allen Historische-Romanze-Zutaten: Gleich zwei historische Settings (1945 als „Gegenwart“ und 1743), jede Menge Braveheart, klassische Rollenverteilung (Held, Schurke, comic relief…) und eine Heldin, die oft gerettet werden muß (ich zählte 8 Male in 16 Folgen). Das Nachkriegssetting war in meinen Augen eine praktische Erklärung, woher unsere Heldin die Fähigkeiten hat, die sie so brauchbar im Schottland des 18. Jahrhunderts machen; moderne Heldinnen wären da entweder völlige Loser oder komplett unglaubwürdig. Was mal eine interessante Überlegung ist.
Claire verhält sich und spricht natürlich wie jemand aus 2015, nicht 1945 – sind sich die Macher nicht bewußt, daß man sich vor siebzig Jahren anders ausdrückte als heute? Und daß Claire mit diesem Verhalten in 1945 nicht als moderne Frau, sondern als Gossenweib mit entsprechendem miesen Benehmen eingestuft würde? Von 1743 ganz zu schweigen.
Outlander ist letztlich in guter Tradition beginnend mit Doctor Who oder wohl noch älter. Ich schrieb schon einmal, daß der gute Doctor anfänglich auch nur ein Storyelement war, das erklärt, wie unsere Helden historische Epochen aufsuchen und erleben können. Bei ihm war’s außerirdische Technologie, in Outlander ist es eben Magie.

Während die Handlung eher gemächlich fortschreitet, fand ich überraschenderweise die formalen Dinge viel fesselnder. Die Kameraarbeiten bestechen; mir gefielen besonders die Teaser, die Detailaufnahmen aus alternativen Einstellungen, die für die opening credits verwendet wurden.

Auch die Farbgebung – blaß für 1945, kräftigere Einfärbung für 1743 – gefällt. Bear McCrearys Musik ist großartig, und insbesondere die Verflechtung beider Zeitlinien durch Musik ist originell: Wir finden idyllische Highlandszenen des 18. Jahrhunderts unterlegt mit Jazz… Außerdem natürlich zwei meiner großen Leidenschaften: Kostüme und Sprache! Lange Dialogstrecken in Outlander erfolgen tatsächlich in Gälisch. Was wieder einmal eine meiner Theorien als Hobby-Philologin bestätigt, nämlich daß Dialekte Überreste früherer Stammes- oder Regionalsprachen sind. Die Sprachen selbst sind verschwunden, aber ihre Melodie hat sich erhalten. Vergleicht man die Sprachmelodie des Gälischen und des schottisch eingefärbten Englisch, erhält man das gleiche Ergebnis.

Was gibt’s zur Besetzung zu sagen? Ich kannte bis auf Gary Lewis keinen einzigen der Darsteller, aber das ist das Schöne an der Hoch-Zeit, die Serien aktuell erleben (was ein Thema für einen eigenen Blogeintrag wäre): Es haben viel mehr Schauspieler die Gelegenheit, einen Job und Bekanntheit zu erringen als es bei der früheren Fixierung auf Hollywood-Spielfilme der Fall war.
Eine imposante Erscheinung ist Graham McTavish als der vielschichtige und sich immer in der Grauzone bewegende Dougal – klassischer können die schottischen Highlands nicht werden! Caitriona Balfe mag oder mag nicht eine gute Wahl für Claire sein – ich kenne die Bücher nicht und kann das somit nicht beurteilen. Ich gestehe, mir ging die angebliche Heldin der Geschichte sehr auf die Nerven. Sie ist keine starke, moderne Frau, sondern kurzsichtig, egozentrisch und mitunter schlichtweg dumm, aber vielleicht soll das im Zuge der Charakterentwicklung so sein. Ihre große Stunde schlägt, wie für alle drei Hauptfiguren und ihre Darsteller, erst am Ende der Staffel. Sam Heughan dürfte natürlich der Fanliebling sein, mit viel Schmachtfaktor. Schön dargestellt ist ohne Zweifel die Entwicklung der Beziehung zwischen Claire und Jamie. Sie fängt weder mit Schmacht noch wilder Leidenschaft an, sondern schreitet langsam und über einen langen Zeitraum rein freundschaftlich voran.
Die beste Rolle beziehungsweise Rollen hat Tobias Menzies ergattert: Seine Darstellung wechselt kraß zwischen Claires liebendem, wenn auch zweifelndem Ehemann Frank und dem völlig unberechenbaren, direkt aus einem de-Sade-Roman entstiegenen „Black Jack“ Randall. (Ellen Moody analysiert ausgezeichnet die Faszination dieser grundverschiedenen Darstellung.) Entsprechend ist nach all den mehr oder weniger Standardepisoden die Abschlußdoppelfolge „Wentworth Prison“ / „To Ransom a Man’s Soul“ großes, wenn auch nicht leichtes Kino. Sexszenen sind nie einfach darzustellen; gewalttätige Sexszenen vermutlich noch schwerer; und eine Nummer wie diese… sagen wir, Tobias Menzies und Sam Heughan dürfen sich die Seele aus dem Leib spielen.

Bemerkung am Rande: Ich habe die FSK-Freigaben immer noch nicht verstanden. Dachte lange Zeit, das Zeigen von primären Geschlechtsteilen verdiene eine rote 18, aber schon bei True Blood stellte ich Ungereimtheiten fest. Auch Outlander 1 ist im Deutschen mit einer 16er-Freigabe eher entspannt (UK und US: 18), trotz „the full monty“.

Und noch was, das mir so in den Sinn kam: Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, daß die Redcoats in Fiktion (zumindest bis zu Napoleon) immer als die Bösen dargestellt werden? Ich habe nach Büchern oder Filmen gegoogelt, in denen dem nicht so ist, aber null Treffer. Das nennt man mal einen schlechten Ruf. Findet sich denn so gar kein Schreiber von historischen Romanen mit einem Herz für die britische Armee?


Staffel 2 bricht dann erheblich mit der Highlander-Romantik, als Claire und Jamie ins französische Exil gehen. Da ich nun so überhaupt keine Faszination für die französische Kultur und vor allem für die fiktionale Umsetzung von Paris Mitte des 18. Jahrhunderts aufbringen kann, war es erst einmal eine Beobachtungsübung in „Wie viele Klischees können wir bedienen?“ Auch die Kostüme, die natürlich mehr als üppig sind, halfen da nicht weiter. Zum Glück gab es brauchbarere Szenen – die Staffel mit dem Ende beginnen zu lassen, als eine schwer traumatisierte Claire 1948 ihren (ersten) Ehemann Frank wiedersieht und ihr Leben im modernen Zeitalter wieder aufnehmen muß, war nicht nur eine gute Entscheidung, sondern bietet Raum für einige der besten Charakterszenen. Und a propos, entgegen meiner Befürchtung, daß die Macher bezüglich Jamie schnell zur Tagesordnung übergehen würden, wird sein Trauma nicht ignoriert. Reduziert vielleicht, auf Momente, die Claire betreffen, namentlich versuchte (und scheiternde) Intimitäten oder Jamies Schlaflosigkeit, die Claire zum Handeln treibt, aber zumindest wird nicht behauptet, die Geschehnisse hätten keine Spuren hinterlassen.**

Was dann natürlich auch erhebliche Auswirkungen auf Claires Plan hat, einerseits die Zukunft zu verändern, andererseits aber nicht. Man muß nicht einmal andere Zeitreisegeschichten kennen, um zu wissen, daß das zum Scheitern verurteilt ist! „History takes care of itself“ hieß es sinngemäß in einer anderen Zeitreisegeschichte. Wir sehen das in Outlander: Je mehr Claire und Jamie versuchen, die Geschichte umzuschreiben, desto mehr repariert sich jeder angerichtete Schaden, bis am Ende schließlich alles auf das gleiche Ergebnis hinausläuft.
Meine Mutter äußerte sich einmal, hätte sie einen früheren Verehrer genommen, wäre ihr Leben vermutlich trotzdem sehr ähnlich verlaufen. Es gibt Punkte, die man abarbeiten muß.
So ziehen sich gar nicht mal versteckt übergeordnete Zusammenhänge durch die Handlung der beiden Staffeln. Jack Randall nennt es das Werk des Schicksals, Reverend Wakefield Gottes Plan.

Charaktertechnisch nett zu sehen, daß Claire nach ihrer bitteren Selbsterkenntnis am Ende der 1. Staffel endlich so weit ist, auch Frank in ihre Überlegungen einzubeziehen, nachdem sie ihn zuvor ja recht entspannt zugunsten ihres schottischen Abenteuers abgestreift hatte.
St. Germain als Gegenspieler wollte so gar nicht überzeugen. Während Jack Randalls Verfolgung von Claire und Jamie innerhalb seiner perversen Persönlichkeit immerhin noch Logik ergab, fehlte mir der gesamte Zusammenhang für St. Germains Feindseligkeiten.
Nicht nur Claire und Jamie sind erleichtert, schließlich Paris den Rücken zu kehren und heim nach Schottland zu gehen. Hier nimmt die Handlung auch endlich Fahrt auf.

Die letzte Folge springt – für meinen Geschmack ein bißchen zu viel – zwischen „Neuzeit“ und Vergangenheit hin und her. Die Verwebungen selbst sind schön gemacht und erinnern daran, daß, so selten wir uns das bewußt machen, die Vergangenheit unlösbar mit uns und unserer Gegenwart verwoben ist. Weniger glaubhaft hingegen ist, daß Claire sich zwanzig Jahre später immer noch so nach Jamie sehnt wie gleich nach ihrer Trennung. Stoff für einen Liebesroman, sicher, aber mal ehrlich… (Ich mußte an des Scouts Kritik am Titanic-Ende denken!)

Staffel 2 dreht sich in vielen Dingen um Gut und Böse und wie dünn die Grenze ist, die zwischen ihnen verläuft. Unsere Helden verlieren zunehmend ihren Anspruch auf Rechtschaffenheit, als sie versuchen, die Schlacht von Culloden zu verhindern. Im Gegenzug, wie mit jedem Schurken, den man so lange haßt, bis er zu einem beliebten Gesicht der Truppe geworden ist, werden am Ende selbst Black Jack einige lichtere Momente gegönnt. Auch hier finden wir wieder die Verknüpfungen, Zusammenhänge, Bande, wenn man so will, die die Charaktere der Geschichten aneinander fesseln, so daß jede ihrer Handlungen Auswirkungen auf sie alle haben.
So wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft sind und – ich verweise noch einmal auf Ellen Moody – durch das Medium des Films beständig einander überlappen, sich kreuzen, ineinander übergehen, ist natürlich das Thema der Ahnen, das einen so großen Bereich in Outlander einnimmt, noch ein weiterer Aspekt davon. Frank ist auf den Spuren Jack Randalls, dem Claire begegnet, woraufhin sich der gesamte Stammbaum als verzweigter erweist als gedacht; Brianna wurde 1746 gezeugt und trifft 1968 sowohl den Nachfahren Geillis’ und Dougals als auch dessen Ahnherrin Geillis/Gillian selbst. Eine Metapher für den Einfluß, den die Vergangenheit immer auf die Gegenwart haben wird? Wie es bei Tolkien ungefähr heißt: Es ist immer noch die gleiche Geschichte, nur die Charaktere haben gewechselt. Und, wenn man wie ich an Reinkarnation glaubt, nicht einmal das!

Outlander sollte somit unbedingt mit einem Auge auf die Metaebene gesehen werden, nicht nur auf Handlung und Liebe – langweilig wird das nie!

Übrigens: Schottlands Touristikbranche hat eine nette Seite zu Outlander: https://www.visitscotland.com/see-do/attractions/tv-film/outlander/



* Zum Beispiel (Achtung, massive Spoiler): Folge 1, 2-3, 4-5, 6-7, 8-9, 10-11, 12-13, 14-16, klick, klick und klick

Ich kann nicht allen ihrer Interpretationen zustimmen; sie schreibt grundsätzlich, nicht nur bezüglich Outlander, aus einer Mann-vs.-Frau-Sicht, die, wie jede Auslegung, mehr über ihre persönlichen Anschauungen verrät als über das Thema ihrer Abhandlungen. So entgeht ihr beispielsweise, daß Jack Randall nicht so sehr von Fragen des Geschlechts motiviert ist, sondern von Erniedrigungs- und Unterwerfungsphantasien. Soll heißen, ob er bisexuell/homosexuell ist (sie behauptet in verschiedenen Artikeln beides), hat keinerlei Einfluß auf die Wahl seiner Opfer. Es ist ihm offenkundig völlig egal, ob Männlein oder Weiblein, jung oder alt, die Hauptsache ist, daß er am Ende ihren Widerstand und Willen gebrochen hat. Wir sehen das am Beispiel von Jenny und natürlich Jamie sowie versucht bei Claire und in geringerem Maße („nur“ als Bestrafung für Diebstahl gedacht) bei Fergus. Daß Ellen Moody als Expertin für Literatur des 17. bis 19. Jahrhunderts die klaren Anleihen bei de Sade nicht erwähnt, inklusive Randalls völlig rationale Vorgehensweise, überrascht.

** Angesichts der Popularität der Outlander-Romane wundert es mich ein bißchen, daß dieser Aspekt erst so viel später kopiert wurde. Ich meine, so weit ich das sehen kann, bedeutete Outlander bei Mills & Boon / Harlequin das Ende der Bürgerkriegs- und den Beginn der Highlander-Romanzen. Das ist ein gesamtes Genre. Sexueller Mißbrauch an den Helden von Liebesromanen hingegen tauchte erst in den letzten paar Jahren wieder auf, beispielsweise in Gena Showalters Original Heartbreakers-Serie, Jane Kindreds Waking the Serpent oder Sidney Bells Bad Judgment.

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Nicht geliehen, sondern meine:

A Life in Dirty Movies. Eine Dokumentation über Joe Sarno, der in den 60ern und teilweise 70ern als Softporn-Filmemacher berühmt wurde. In einer Ära, in der Pornos als solche noch nicht existierten, drehte Sarno Sexfilme, in denen wenig explizit gezeigt, aber dem Zuschauer vorgegaukelt wurde, er würde alles sehen. Sarnos Filme besaßen einen überraschend künstlerischen Look, Handlung und Dialoge(!), sie konzentrierten sich auf weibliche Sexualität (insbesondere den psychologischen Teil derselben), und sie waren auch sonst, wie einer der Kommentatoren erläutert, eigentlich das komplette Gegenteil dessen, was man heute von Pornos erwartet – namentlich dadurch, daß in ihnen Sex immer irgendwie mit Schuld assoziiert wird. Darf ich „Antiklimax“ sagen? Sarnos Ära endete mit dem Aufkommen von Hardcore-Filmen, einem Stil, mit dem Sarno nichts anfangen konnte.
Die Doku folgt Sarno und seiner Frau bei ihrem letzten geplanten Projekt. Sehr schräg, sehr seltsam, aber unterhaltsam!

Jessica Jones, Staffel 1. Hochgelobt von der Kritik, und zu Recht. JJ ist eine Frauenserie im besten Sinne, nicht nur mit einer weiblichen Superheldin, sondern mit einer starken Riege von Frauengestalten. Jessica Jones schafft genau das, woran True Detective wie erwähnt scheitert, nämlich Frauen glaubhaft darzustellen, mit Stärken und Schwächen, als Opfer und Täter und alles dazwischen. Es überrascht nicht, daß die Serie eine Frau am Steuer hat! In einer Umkehrung quasi aller Superheldenproduktionen und Krimiserien stellen Frauen die Überzahl der Charaktere, die Männer dürfen diesmal als unterstützende (und hindernde) Kräfte auftreten. Und in logischer Folge ist Superschurke Kilgrave die Horrorvorstellung eines Gegenspielers aus weiblicher Sicht. Hier geht es nicht um Weltherrschaft, Waffen oder coole Kostüme. Das sind männliche Dinge. Nein, Kilgrave ist eine archetypische Manifestation jahrtausendealter weiblicher Alptraumszenarios, und das macht ihn als Figur so glaubhaft. Er ist Stalker und Vergewaltiger, er beraubt Frauen ihres freien Willens und versucht sie nach seinen Vorstellungen zu formen, und, was ich für eine ungemein gelungene, weil realistische Darstellung halte, er versteht dabei die Vorwürfe seiner Opfer nicht, weil er sich keiner Schuld bewußt ist. Kilgrave ist einer der extrem wenigen Gegenspieler, ob Superschurke oder Normalo, die in meinen Augen überzeugen – weil er real ist. Ich frage mich, ob männliche Zuschauer das so nachvollziehen können.
David Tennant liefert hier natürlich eine andere Vorstellung als in Doctor Who, ein bißchen einseitiger, weniger sprühend, aber erheblich gruseliger. Was mich allerdings permanent irritierte, war dank Fünftagebart seine Ähnlichkeit zu Bruce Marchianos Jesus aus der Encounter-Film- und nun auch Fernsehserie!

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Carrie-Anne Moss hat mit Anwältin Hogarth endlich wieder eine richtig gute Rolle ergattert, was mich freut.
Auffällig neben der hohen Anzahl von leading ladies ist außerdem die hohe Anzahl schwarzer Charaktere. Quotenschwarze? I don’t think so.
Für die Fans gibt auch eine Menge Anspielungen auf das Marvel-Universum, bei denen ich leider zu 99% passen mußte.

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Dank eines Kollegen, der Auszüge seiner großen DVD-Sammlung zum Verleih stellte, habe ich ein paar Dinge nachgeholt, die noch auf der Liste standen oder aber komplett neu waren. In Kürze zusammengefaßt:

True Detective 2. Ich war vorgewarnt, daß die Staffel langsam anfange, zum Schluß aber richtig klasse werde. Der ersten Hälfte dieser Aussage kann ich zustimmen, der zweiten leider nicht. Zugegeben, Staffel 2 mußte einen heftigen Vergleich antreten. Und ich erkenne durchaus die philosophischen Gegensätze wie auch gleiche Themen beider Staffeln. (Mehr dazu gleich.) Aber ganz abgesehen von dem superdepressiven Ende schwächelte Staffel 2 für mich an der Zerfaserung des Kernteams. Wir haben die doppelte Anzahl von Hauptpersonen plus Anhang, aber nicht mehr Zeit für Charakterentwicklung. Die Handlung zieht sich in der ersten Hälfte enorm, um dann plötzlich in eine entscheidende Actionszene zu münden, auf die kein Spannungsbogen hingeführt hat. Danach wird’s zeitweilig interessant und verläuft sich irgendwann in Absurditäten. Abgesehen von Paul konnte ich für keinen Charakter auch nur das leiseste Interesse aufbringen.
Sei’s drum: Natürlich paßt das auf seine Art durchaus in den Serienkontext, womit wir beim philosophischen Teil wären. „True Detective“ ist nicht ein willkürlicher Titel, sondern Programm. Denn „true“ heißt ja nicht nur schnöde „wahr“, sondern in seiner älteren Bedeutung „wahrhaftig“, „treu“ (man erkennt die Wortherkunft, gelt?), „loyal“. „True“ und „false“ sind also nicht nur alltägliche Bewertungen, sondern Konzepte von Integrität. (Man vergleiche beispielsweise das Lied „The Bonny Swans“, in dem von „my false sister“ die Rede ist – keine Hochstaplerin, sondern eine „falsche“, also verräterische Schwester. Das gleiche findet sich im Deutschen im Lied von den zwei Königskindern: „Eine falsche Nonne“. Die Dame hatte sich nicht als Nonne verkleidet, sondern sie hinterging, betrog und verriet somit die Prinzessin.)
In Staffel 1 von True Detective nun finden wir genau dieses Konzept. Der Bösewicht fordert im großen Showdown unsere Helden auf, ihre Masken abzulegen. Allerdings tragen sie zu diesem Zeitpunkt keine mehr! Rust hat sich sowieso nie etwas vorgemacht, und Marty ist nach bitterer Erfahrung bei Selbsterkenntnis und Ehrlichkeit angekommen. Sie sind „true detectives“, während es den Schurken der Handlung überlassen bleibt, sich in Lügen und Betrug zu hüllen. Was passiert? Unsere Helden werden schwer angeschlagen, aber sie überleben und humpeln gemeinsam in den Sonnenaufgang.
Staffel 2 nun fährt mit vier Hauptpersonen auf, die alles andere als „true“ sind. Jeder von ihnen schleppt irgendeine Leiche im Keller mit sich herum, und mit der Ausnahme von Ani bleiben sie ihrer Geheimniskrämerei bis zum Ende verhaftet. Was passiert? Alle bis auf Ani kommen um.
Das paßt wiederum zum Thema der Frauen in True Detective, die weiser, stärker und klüger sind als die dazugehörigen Männer. Ein bißchen zu sehr Superfrau für meinen Geschmack, aber über diese Verklärung von Weiblichkeit durch Männer habe ich schon an anderer Stelle geschrieben – nett gemeint, aber realitätsfremd. Staffel 2 hat natürlich zusätzlich das Leitthema Mutterschaft; nicht umsonst endet die Handlung mit einer Madonnenfeier.

The Night Manager. War ein „Kann ich ja mal mitnehmen“-Titel und setzte sich auch so fort. Kann man sehen, war für meinen Geschmack aber ein bißchen zu sehr Le Carré mit allen Standardzutaten.

The Merchant of Venice. Schon extrem lange auf meiner Liste, jetzt endlich abgehakt. Eine Adaption, die die Probleme von Shakespeares Stück deutlich macht – ein Kuddelmuddel aus Tragödie, Farce und fehlender Linie. Großartig Al Pacino als Shylock, womit er natürlich auch die beste Figur erwischt hat. Neben halbgar umgesetzten Themen hat Shakespeare hier aber etwas Erstaunliches geschafft: The Merchant of Venice ist im Grunde genommen eine Gegenüberstellung von Altem und Neuem Testament, was spezifisch in der Gerichtsszene deutlich wird. Durch Shylock symbolisiert finden wir den „alten Bund“ mit seinen Gesetzen, die zwar Gerechtigkeit schaffen, aber denen das wesentliche Element der Nächstenliebe fehlt.

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Ich wünschte, ich hätte einen netten Jahresanfang-Eintrag, aber leider hat sich bisher noch nichts gefunden. WordPress* hat nach den „tollen Verbesserungen“ im letzten Jahr offenbar den beliebten Service „The Year in Review“ eingestellt, und ich fange an, mich zu fragen, wann ich mir eine bessere Plattform suche. Also: In diesem Jahr kein statistischer Rückblick – nicht meine Schuld.
Bin derzeit an einem extremen Tiefpunkt angelangt; nicht wegen WordPress natürlich, aber diese Aktion half auch nicht. Worauf habe ich Silvester getrunken? „Daß 2017 besser werde als das fürchterliche 2016.“ Bisher sehe ich noch keine Verbesserung (schlimmer geht immer, ist eine bekannte Weisheit).
Was sind so die kleinen Lichtblicke? Diesen Monat erscheint die I’m Not Ashamed-DVD, interessanterweise bisher nur in den USA, obwohl Großbritannien und neuerdings auch Deutschland bei den Pureflix-Produktionen recht zeitnah folgen. Vielleicht wird’s eine Last-Minute-Bekanntgabe. Und es kommt eine Spielfilmadaption von The Case for Christ, von der ich mir zwar nicht viel verspreche, aber die ich mir wohl antun werde.



* Ich schreibe es hier mit kleinem p, da ich Binnengroßbuchstaben boykottiere. Die automatische Rechtschreibkorrektur, die wirklich nur für den Begriff WordPress durchgeführt wird (die Herrschaften müssen echt viel von sich halten), ändert das jedesmal. Ich möchte hier nur nachdrücklich darauf hinweisen. Keine freiwilligen Binnengroßbuchstaben bei Schnabeline!

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Eine US-Filmproduktion, von der ich bis dato noch nie gehört hatte, entdeckte ich durch Amazons Kaufempfehlungen: The Trials of Oscar Wilde von 1960. Keine Frage, daß ich mir diesen Film nicht entgehen lassen konnte – dieses Thema im moralistischen Hollywood der späten 50er und sehr frühen 60er Jahre? Mutig!

Natürlich drängten sich beim Ansehen Vergleiche mit dem großartigen Wilde von 1997 auf, unschlagbar getragen von Stephen Fry in der Titelrolle (es ist unglaublich, sich vorzustellen, daß dies seine erste große Rolle und dann gleich Lead war!) und insbesondere auch Jude Law (damals ein Newcomer) als Bosie. Wilde als Produkt moderner Zeiten konnte selbstverständlich sehr explizit sein, eine Freiheit, die The Trials of Oscar Wilde nicht besaß. Somit fällt das H-Wort den ganzen Film hindurch nicht, oder wie auch immer die Entsprechung 1960 lautete. Seinem Titel Ehre machend, behandelt The Trials of Oscar Wilde die Prozesse ausführlich, während sie in dem sowieso sehr gerafften Wilde kurz zusammengefaßt werden. Überhaupt nimmt sich die ältere Verfilmung mehr Zeit (130 Minuten, fast zwanzig Minuten länger als Wilde), läßt dafür aber auch Wildes frühe Jahre aus und steigt erst bei dem Erfolg von Lady Windermere’s Fan ein. Peter Finch als Wilde kommt sicherlich nicht an Fry heran, darf die Rolle dafür aber auch etwas weniger… wie soll ich’s sagen? Etwas weniger als Sympathieträger anlegen. Wilde wird ja gern als Märtyrer für die homosexuelle Sache angesehen, aber bei aller berechtigter Systemkritik stimme ich eher den Biographen zu, die ihn gleichermaßen als Täter wie als Opfer sehen. Er war definitiv nicht unschuldig; wissentlich und bewußt die Zukunft seiner Familie, seiner Frau und seiner Kinder, aufs Spiel zu setzen, sowohl finanziell als auch gesellschaftlich, ist so ziemlich das Niedrigste, das ein Ehemann und Vater tun kann. Er war selbstverliebt und hatte kein Rückgrat. Alles Dinge, die in eine Charakterdarstellung gehören, und Peter Finch kann zumindest ein wenig davon vermitteln. Überraschend prominent besetzt ist die kleine Rolle des Gegenanwalts Carson mit James Mason, und John Fraser gibt einen im Vergleich mit Law weniger komplexen, aber gleichermaßen unerfreulichen Bosie. Lionel Jeffries wirkt ein bißchen zu klapprig als Queensberry und hat auch nicht den unterschwelligen Witz, den Tom Wilkinson bei aller Brutalität der Rolle verleiht. Verlierer hüben wie drüben sind wieder einmal die Frauen; Yvonne Mitchells Constance ist wie Jennifer Ehles eine standhafte und kluge weibliche Präsenz, aber letztlich eben doch nur das arme Opfer.

Was nun das moralistische Hollywood angeht: Trotz weitgehender Beschränkung auf Fakten fehlt die Moral von der Geschicht‘ dann doch nicht. Obwohl aus heutiger Sicht natürlich wertend, fällt das Urteil für seine Zeit freundlich-neutral aus und spiegelt allein dadurch einen Wandel in der öffentlichen Meinung wider. (Filmgeschichtlich beginnt etwa hier die Ära „Homosexuelle als sympathische Opfer“; man denke beispielsweise an The Children’s Hour/Infam.) Die beiden kommentierenden Anwälte wissen selbst nicht so recht, ob sie ihren Klienten verdammen können oder nicht und landen schließlich beim Urteil „Krankheit“. Andere Vertreter der öffentlichen Meinung sind die entrüsteten Verurteiler und die gemäßigte Stimme, die verlauten läßt, solange „sie“ es nicht in aller Öffentlichkeit täten, sei es doch so was von egal.

Einer der Berater für The Trials of Oscar Wilde war übrigens Vyvyan Holland, der in den Anhängen zu seinen Memoiren trocken anmerkt:

At Portora Royal School, Wilde’s name was removed from the „Honours Board.“
In about 1933 the Headmaster of Portora Royal School, the Rev. E. G. Seale, restored the name of Oscar Wilde to the „Honours Board.“ And in September 1953 the Rev. D. L. Graham, who was then Headmaster, wrote to me: „A portrait of Oscar Wilde now hangs in the school and we have from time to time produced his plays over the last thirty years.“
(Vyvyan Holland: Son of Oscar Wilde)

Ein Bildersturm ohnegleichen geht in diesen Tagen durch Deutschland. Ob es nach solcher Götterdämmerung wohl jemals wieder eine Auferstehung der Nazigrößen gibt? Unbedingt muß ich, sobald ich den Kopf freier habe, mich mal mit Napoleon befassen, den sie auch seinerzeit verbannt und ausgetilgt, doch dann wieder hervorgeholt und erhöht haben.
(Anonyma: Eine Frau in Berlin)

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Victorian Bakers

Eine weitere tolle BBC-„Realdoku“: 4 britische Bäcker entdecken ihr Handwerk aus der Sicht ihrer Vorgänger in den verschiedenen Epochen des viktorianischen Zeitalters. Auch ein Teil deutscher Geschichte!

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