Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Film & Fernsehen’ Category

The Chosen

Ich mag ja interessante Projekte. Eines, auf das ich kürzlich stieß, ist The Chosen, die erste Serie über das Leben Jesu. Sie finanziert sich über crowd funding (das größte Projekt dieser Art, wie es in der Presse heißt) und ist, was einen besonderen Reiz ausmacht, mit „ethnisch korrekten“ Darstellern besetzt. (Über die Römer kann man streiten.) Leider, leider ist bislang noch kein Streaming außerhalb der USA möglich, aber sie arbeiten daran; auch die bald erscheinende DVD soll beizeiten aus dem Ausland zu beziehen sein. Mal abwarten! Frei zugänglich, auch international, sind die erste Folge und der „Pilotfilm“, wenn man ihn so nennen kann – eigentlich eher ein kurzes Prequel. Die Folgen 5-8 wurden gerade gedreht, und das Team hofft, eine zweite Staffel finanziert zu bekommen.

Natürlich ist der Plot christlich geprägt; das ist nicht anders zu erwarten, gefällt aber dennoch. Erzählt wird die Geschichte durch die Augen der Jünger und Anhänger Jesu und erhält somit den „menschlichen“ Bezug.

Read Full Post »

It does give me pause to wonder what has happened to feminism when intelligent people can’t distinguish between a strong, assertive woman and a cold-blooded sociopath.
(Diane Reynolds über „Feminismus“ in Game of Thrones)

„Die Sache ist ja die: Wir entfernen uns immer weiter von der Natur, wissen nicht über Stockenten und ihr Gedächtnis Bescheid, weil wir zu beschäftigt sind mit Sex and Crime auf einem Planeten, den es gar nicht gibt.“
(Kollege D rückt die Dinge in die richtige Perspektive. [Die Stockenten sind Interna.])

Eigentlich wollte ich gar nichts zum Ende von GoT schreiben. Aber eine Diskussion mit einem Kollegen (*nicht* Kollege D mit den Stockenten) ließ mich nachdenken. Es geht da gar nicht mal so um unterschiedliche Meinungen – wir haben fast komplett entgegengesetzte zum Ende, aber wir haben auch sehr unterschiedliche Ansprüche an eine Geschichte, von Weltsichten ganz zu schweigen. Nein, ich fing an, über Feminismus in Fiktion nachzudenken. In Fiktion deshalb, weil in dem Bereich offensichtlich Ansprüche gestellt werden, die in der Realität weder funktionieren würden noch irgendetwas mit Gleichberechtigung zu tun hätten. Interessantes Paradox. Es wirft natürlich auch eine Menge Fragen auf.

Ich habe GoT nie als politisches Manifest gesehen. Es ist eine Fantasy-Geschichte, die sich selbstverständlich an realer Politik und realer Geschichte anlehnt, aber das macht sie nicht zu einem Politikum. Es macht sie zu einer Produktion, die den Zeitgeist widerspiegelt.

Staffel 8 hat ein klares Thema. Es ist so klar, daß es schon wieder plump wirkt, weil es so oft wiederholt wird. Es lautet „Tod und Erinnerung“. Erinnerung wird definiert als der Gegensatz zum Tod. Deshalb erhält das Gedenken an die Toten wie auch an die Geschichte eine solche Wichtigkeit. Damit verbunden ist etwas, das ebenfalls überproportional oft zur Sprache kommt, nämlich daß die Vergangenheit das Jetzt formt: Die handelnden Personen sind das, was sie sind, weil sie all diese Dinge in ihrer Vergangenheit erlebt und getan haben.
Spoiler-Beginn!
Daraus erschließt sich nun nicht, daß diese Dinge als „in Ordnung“ empfunden werden, wie mein Kollege kurzerhand behauptete: „Sansa hält die Vergewaltigungen für okay.“ Falsch. Sie hat die beiden verantwortlichen Männer niedergemacht, wie man sich erinnert.

Viel irritierender fand ich jedoch die Aussage, die Frauen der Handlung seien von ihren Scenario- und Drehbuchschreibern „verraten“ worden. Ich kann diesen Vorwurf schlicht und einfach nicht nachvollziehen. Es ist kein Kampf der Geschlechter, sondern ein Konflikt der Charaktere. Ihr Geschlecht spielt dabei keine Rolle; *dieser* Kampf wurde natürlich thematisiert und ist von wesentlicher Bedeutung für die Charakter- wie auch die Storyentwicklung, aber das Ende hätte sich ebenso logisch abgespult, wären die Geschlechter vertauscht gewesen.
Überhaupt: Angenommen, Jon hätte seinen Anspruch auf den Thron durchgesetzt, und er wäre zum Massenmörder geworden, und Dani hätte ihn umbringen müssen – das wäre akzeptabel? Würde da jemand protestieren und eine Geschlechterfrage daraus machen? Aber so ist die Schnellschußreaktion: „Dani wird von einem Mann getötet! Frauen dürfen sichtlich nicht auf dem Thron sitzen!“
Ähem. Sansa sitzt auf einem Thron, die erste Königin ihres Landes, dessen Unabhängigkeit sie durchgesetzt hat. Wo ist das jetzt Verrat am Charakter?
Nebenbei: Danis Ende ist gehetzt, ja. Man hätte das etwas auseinanderziehen sollen. Aber es ist nicht übers Knie gebrochen, sondern es wurde seit langer Zeit angedeutet und vorbereitet. (Nachtrag 31.5.19: Gerade die 5. Staffel noch einmal gesehen, und es ist verblüffend, wie viele Hinweise dort schon gestreut werden, nicht nur Daenerys betreffend.) Dani durchläuft eine Entwicklung, aber die ersten Zeichen für ihren Größen- und Verfolgungswahn manifestieren sich bereits in Staffel 1. Sie nehmen im Laufe der Serie zu. Weil sie aber so gern als Heldin und starke Frau angesehen wird und ja nun mal trotz allem sympathisch ist, verdrängt der Zuschauer die Warnzeichen zu leicht.

I fear some people may have misunderstood my meaning as regards Games of Thrones last night. In point of fact, I think „The Bells“ was brilliant. It was even beautiful, at times. It was also horrific, one of the most horrific things I ever have seen on TV, but it was brilliant, and it follows logically from all that has gone before it. That it isn’t the way I wanted things to go is irrelevant. That it was painful to watch is irrelevant. That it means someone you and I might have loved and might have thought of as a hero is actually an insane, mass-murdering villain, that’s irrelevant. It was always one possible outcome, Daenerys losing herself to madness, one that has seemed ever more likely the last couple of seasons. And it was done right. Bravo, no matter how hard it was for me (or you) to watch.
(Caitlín R. Kiernan)

Uund: Wer wie ich begeistert auf solche Sachen achtet, hat vielleicht bemerkt, daß es sich bei Danis Tod um eine Spiegelszene handelt! Ihr Vater beabsichtigte, die Stadt niederzubrennen, und wurde von jemandem, dem er vertraute, ermordet, um das Unheil zu verhindern. Dani brennt die Stadt nieder und wird ebenfalls von jemandem, dem sie (einigermaßen) vertraut, ermordet, um Schlimmeres zu verhindern. Beide Szenen finden an genau der gleichen Stelle statt. Und sie sind kein Geschlechterkampf, sondern eine griechische Tragödie: Der unlösbare Konflikt zwischen Treueschwur bzw. Liebe und Gewissen.

Völlig bizarr wird es dann, wenn Brienne dadurch „verraten“ wird, daß sie um den geliebten Mann weint. Total reaktionär! Starke, emanzipierte Frauen weinen doch nicht, schon gar nicht um einen Mann! Jedenfalls nicht, wenn sie – wie Brienne – vorher immer eine Steinmiene trugen. Gefühle zeigen ist Rückschritt! Okay, sie war seit Jahren in Jamie verliebt (auch so ‘ne grenzwertige, weil weibische Sache); okay, sie war für eine kurze Zeit glücklich mit ihm; und okay, er verläßt sie und zieht in den ziemlich sicheren Tod, weil er die andere mehr liebt. Hätte Brienne ihm einen Tritt in den Allerwertesten mit auf den Weg gegeben, alles wäre gut. Aber Tränen? Ja, pfui Teufel, was für ein frauenbeleidigendes Klischee!
Als emanzipierte Frau fühle ich mich beleidigt, ganz ehrlich. Und zwar von dieser Erwartungshaltung, wie sich starke Frauen in Fiktion offenbar zu verhalten haben.
Wenn Männer weinen, ist die Darstellung in Ordnung, das ist schließlich fortschrittlich und entspricht keinem veralteten Rollenbild. Weinen Frauen, ist das ein Rückschritt in Zeiten, in den Frauen auf der Leinwand immer nur flennen durften. Die Frauen von heute sind die harten Männer von gestern.
Ich habe ein Problem damit.
Natürlich wünscht sich niemand die Art von Filmen zurück, in denen Frauen sich als hübsches, aber nutzloses Beiwerk herumdrücken durften oder permanent gerettet werden mußten. Aber irgendwie schlägt das Pendel derzeit ins andere Extrem aus. Ich denke zum Beispiel an die ersten beiden Staffeln von True Detective, deren weibliche Helden ein völlig unerreichbares Ideal präsentierten. Die Superfrauen. Sie sollten vielleicht bewundert werden, aber de facto konnte man sich ihnen nicht nähern. Sie waren unnahbar und damit aus der Natur der Sache heraus un-sympathisch. Wenn das das neue Frauenbild in den Medien ist, dann ist der Feminismus irgendwo falsch abgebogen.
Da habe ich doch lieber eine starke Heldin, die ihren Mann stehen und gleichzeitig Gefühle zeigen kann. (War da nicht was mit dem alten Vorwurf: „Nie zeigt er Gefühle“?)
In The Lord of the Rings haben sie die Kurve noch gekriegt. Auch dort war ja zuerst geplant, aus Arwen eine weitere schwertschwingende Amazone zu machen – offensichtlich das einzige Bild, das in den Köpfen auftaucht, wenn von einer starken Frau die Rede ist. Bis heftige Fanproteste dann ein Umdenken der Verantwortlichen bewirkten. „Vielleicht kann frau auch auf andere Art stark sein…“

Read Full Post »

Entdeckt:

Innsbruck, 26. August. Der Auslandskameramann der Fernsehabteilung von BBC., London, Charles de Jäger, befindet sich seit einigen Tagen in Österreich, um Aufnahmen für die britische Fernsehwochenschau zu drehen. Jäger filmte Ausschnitte von den Salzburger Festspielen, machte Aufnahmen im „Weißen Rössel“ in St. Wolfgang und filmte in Tirol zuletzt Bilder aus dem Leben in der Gralsiedlung, einer Sektengemeinde am Vomperberg, sowie die Arbeit in der Innsbrucker Glasmalereianstalt.

(Die Weltpresse, 26.8.1948)

Ob die Aufnahmen vom Vomperberg jemals ausgestrahlt wurden? Die Glasmalerei existiert, aber das war vielleicht auch besser an den Mann (und die Frau) zu bringen als ein solches Spezialthema. Das BBC-Archiv hat leider eine miese Findbarkeit.

Und Charles de Jaeger hat Quatermass gefilmt, ich glaube es kaum. Quatermass and the Pit ist ein großartiges Beispiel früher Fernseherzählkunst. Alt, aber immer noch packend.

Read Full Post »

Zu vermelden: Hatte zwischenzeitlich nun auch Fate/Stay Night gesehen, zu der Zero das Prequel darstellt. Und mir wurde sehr schnell klar, um wie viele Längen besser das (jüngere) Prequel gegenüber der (älteren) Hauptgeschichte ist. Vielleicht hat es aber auch etwas mit dem Zielpublikum zu tun: Harry Potter vs. Fantastic Beasts sozusagen. Stay Nights Magierhelden sind durch die Bank Teenager, und die Erwachsenen, die auftreten, stellen entweder das stützende Element dar, die Gegenspieler oder den (erfolglosen, aber was verstehe ich vom japanischen Humor?) comic relief. Teenager-Themen dürfen somit auch die Handlung dominieren; der Krieg hält sich netterweise hübsch im Hintergrund, bis Held Shirou ein paar Grundlagen gelernt und sich mit seinen vielen Weibern arrangiert hat.
Zero wiederum fährt mit fast ausschließlich erwachsenen Hauptfiguren auf, und sein Krieg verdient den Namen tatsächlich. Die Manöver, wechselnden Bündnisse, versteckten Agenden und angeknacksten Hauptpersonen machen seine Faszination aus. Es ist übrigens auch eine sehr urbane Geschichte. Stay Night folgt traditionellen Mustern; seine Helden verbringen ihre Zeit in Hogwarts der Schule oder in Shirous Samurai-Komplex, die Charaktere kämpfen mit Schwert, Stab und Magie, und der Showdown findet natürlich in einem Tempel statt. Zero geht, wo es nur kann, den gegenteiligen Weg. Seine Arena ist die nächtliche Großstadt, Kiritsugu und Maiya führen Maschinenpistolen, Snipergewehre und Bomben, und Autor Gen Urobuchi verlegt den Showdown bewußt in die neugebaute, moderne Stadthalle.

Überraschungen hatte es in Stay Night nach dem Prequel natürlich wenige bis keine – wer der Schurke war, stand von vornherein fest, die Enthüllungen über Kiritsugu hatte man live und in Farbe miterlebt. Immerhin schön zu sehen, daß Gilgamesh (großartiger Charakter, aber man wünscht sich trotzdem irgendwann, jemand möge ihn endlich mal von seinem hohen Roß herunterholen) sein Fett abbekam… Viel zu kurz allerdings Medeas Handlungsstrang – da war eine ganze Geschichte, die man sich in wenigen Sätzen erschließen mußte.

Fakt ist: Hätte ich die Unterserien in der „richtigen“ Reihenfolge gesehen, also mit Stay Night angefangen, wäre ich nie bis zu Zero gelangt. Und das täte mir leid. Bei Stay Night habe ich auch nicht eine Träne vergossen, während ich bei Zero am Ende wie ein Schloßhund heulte. 🙂 Sehr schön auch, wie Gen Urobuchi Arturias Motivation für beide Unterserien stimmig machte. In Stay Night will sie aus Reue die Vergangenheit ändern. Urobuchi nahm diesen Aufhänger und machte in Zero eine ganz eigene Geschichte, eine Charakterentwicklung daraus, die ihresgleichen sucht. Haben Arturia und Kiritsugu zunächst für lange Zeit das gleiche Ziel, die gleiche Motivation, so werden sie am Ende zu Erkenntnissen gezwungen, die ihre Positionen grundlegend verändern.

Even if I really could change the past, it would be wrong to take all the tears, the memories, the cruelty of reality that stabbed at our hearts, all the deaths and sadness that people have endured and overcome over the years, and make it all for nothing. […] No matter how much it hurts, even if you carry wounds that will never heal, I believe that this path is the right one.

Read Full Post »

Nun hatte ich mich doch entschlossen, die Serie zu Ende zu schauen, und ich muß zugeben, jetzt verstehe ich, woher die Begeisterung dafür kommt. War der Anfang noch gewöhnungsbedürftig und etwas unausgewogen, um nicht zu sagen streckenweise albern, so mag man in der zweiten Hälfte gar nicht mehr abschalten. Zwar hat’s weiterhin Anleihen bei allem möglichem (besonders auffallend natürlich The Matrix im großen Showdown), aber die Geschichte hat inzwischen eine solche Fahrt aufgenommen, daß das gar nicht stört.
Ein Happy End sucht man, wie zu erwarten, größtenteils vergebens, aber doch nicht gänzlich. Siegt gut über böse? Schwer zu sagen – bei all den Grauzonen verschwimmt die Definition, und woran macht man einen Sieg fest? Ich würde dennoch behaupten: Ja. Oberflächlich mögen vielleicht die Unsympathen gestärkt aus dem Kampf hervorgehen, aber der Sieg liegt in den kleinen Dingen, in den richtigen Entscheidungen und, wie so oft, in Liebe und Menschlichkeit. Es sind die Charaktere, deren Entscheidungen und Ent- wie Verwicklungen so faszinieren.

Beim erneuten Anschauen, wenn man nicht ausschließlich auf Handlung achtet, fällt auch auf, wie perfekt der formale Aufbau der Geschichte ist. Ich bin begeistert!
Was hingegen etwas irritiert, ist, daß die englischen und die deutschen Untertitel mitunter auffallend voneinander abweichen. Ich gehe grundsätzlich davon aus, daß sich deutsche Synchronstudios nicht die Mühe machen, original aus dem Japanischen zu übersetzen, solange sie auf die englische Übersetzung zurückgreifen können. Und ja, manche Dinge lassen sich einfach nicht gut übertragen. Aber bei einigen Dialogen fragt man sich doch, was genau jetzt gesagt wird. (Weiß jemand etwas darüber?) Ich hoffe mal, die Untertitel sind einfach der Synchrontext, und Abweichungen gehen auf die Anpassung an die Lippenbewegungen zurück… Nebenbei: Abweichungen oder nicht, ich kann nur allerwärmstens empfehlen, die japanische Tonspur laufen zu lassen. Eine solche Perfektion der Sprecher habe ich noch nicht erlebt – und bekanntlich bin ich ein Connaisseur in diesen Dingen.

Man betrachte mich als bekehrt: Fate/Zero ist großartig!

Read Full Post »

Im aktuellen Newsletter der T. E. Lawrence Society gelesen, daß ein neuer, „kontroverser“ Film über Lawrence gedreht werden soll. Ich amüsiere mich immer über all die „controversies“ und „detractors“, von denen es im Wortschatz des Lawrence-Fans nur so wimmelt. Was nun so kontrovers an der geplanten Produktion sein soll, bleibt unklar. Es wird nur unterschwellig suggeriert. Vermutungen meinerseits sind: L könnte als homosexuell dargestellt werden. Es könnte um seinen Masochismus gehen (was allerdings kein Geheimnis ist und somit nicht kontrovers sein kann). Es könnten die Schattenseiten seines Charakters porträtiert werden. Also in meinen Augen alles legitime Themen für eine filmische Umsetzung – und vielleicht wird es ja auch eine Miniserie, was viel passender wäre!

Nachtrag: Oder natürlich das: https://www.bournemouthecho.co.uk/news/17204204.row-erupts-as-new-telawrence-film-denied-access-to-his-former-home-cloud-hill/
Ich gebe zu, das Verhalten paßt zu vielen Lawrence-Fans, zu denen „custodian and volunteers“ von Clouds Hill nun mal gehören. Mit der Unterscheidung von Fiktionen und Fakten haben’s die Hardliner nun mal nicht so… Die Entscheidung wurde inzwischen (mit Recht) widerrufen, daher ja auch der Aufreger im Newsletter.

Und noch ein Nachtrag:
Erinnert sich jemand an Rühmanns Pater Brown, wie er seine Gemeinde nicht vor Karl Schönböcks kontroverser Show warnt? „Zu schlecht.“ Ähnliches ging mir beim Betrachten des Vortrailers (die Dreharbeiten sind noch nicht mal abgeschlossen, also…) von Lawrence after Arabia durch den Kopf. Was regt sich die Fangemeinschaft eigentlich so über diesen „kontroversen Film“ auf? Was ich bislang gesehen habe, ist einfach zu schlecht. Vor allem für eine Produktion, die sich als Abschlußteil der „Lawrence-Trilogie“ versteht. A Dangerous Man war auch eine kleine Indie-Produktion, aber sie funktionierte, weil sie keine Höhenflüge erstrebte. Um mit David Lean mitzuhalten, muß sich „Teil 3“ definitiv noch tüchtig anstrengen.

Read Full Post »

Vor kurzem verspürte ich den Wunsch, einen vor Jahren gesehenen Film noch einmal zu schauen – leider war mir inzwischen der Titel entfallen. Zum Glück gibt es ja Werner Huemer, dessen ursprüngliche Rezension in der Gralswelt mich überhaupt erst auf diese Produktion aufmerksam machte: Nämlich Hereafter.

Der Film läßt sich nicht in irgendein gängiges Genre einordnen. Die Handlung folgt drei Protagonisten, die alle auf unterschiedliche Weise mit dem Tod und einem Leben danach konfrontiert werden:
Die erfolgreiche Fernsehjournalistin Marie hat ein Nahtoderlebnis und findet danach nicht in ihren Alltag zurück. Für politische Enthüllungsgeschichten fehlt ihr zunehmend das Interesse; als sie jedoch beginnt, der „Verschwörung des Schweigens“ über ein mögliches Leben nach dem Tode nachzugehen, muß sie feststellen, wie schnell ihre Umwelt bereit ist, sie in die Spinner- und Esoteriker-Ecke abzuschieben.
George besitzt seit seiner Kindheit die Fähigkeit, mit Verstorbenen Kontakt aufzunehmen. Diese Gabe empfindet er jedoch als Fluch und wünscht sich nichts mehr, als ein normales Leben führen zu können.
Der scheue zwölfjährige Marcus verliert seinen Zwillingsbruder, den bislang tonangebenden Teil des Paares, durch einen Unfall. Unfähig, ihn loszulassen, versucht Marcus sein Glück bei allen möglichen vermeintlichen Sehern und Medien.

Wie Herr Huemer schreibt:

Mag sein, dass das US-amerikanische Publikum mehr […] Action erwartete, denn der große Erfolg an der Kinokasse blieb dem 50 Millionen Dollar teuren Film verwehrt. Mag auch sein, dass sich Clint Eastwood mit „Hereafter“ für manche Zeitgenossen allzu konsequent zwischen die Genre-Stühle gesetzt hat: Ein „Jenseits“-Film ohne Horror und Spektakel? Ein „Fantasy“-Film, der konsequent realitätsnah bleibt? Ein Film über das Weiterleben nach dem Tod, der kein Jenseits-Szenario bietet? Ein Film, der ebenso konkret am Thema bleibt, wie er Spielräume für Interpretationen lässt?

Hereafter ist ein leiser, langsamer, dabei aber niemals langweiliger Film, wie Eastwoods Spätwerk sie ja häufig vorzuweisen hat. Die Filmmusik besteht interessanterweise aus einem einzigen Thema in zahlreichen Varianten – beeindruckend! Ebenso immer noch beeindruckend (ich erinnere mich an meine Reaktion beim allerersten Ansehen) ist die unglaublich realistische Tsunami-Szene. Keine Spur von Katastrophenfilm-Aufbau mit düsteren Vorandeutungen und großer Show: Die Naturgewalt – und als solche nimmt man sie wortwörtlich wahr – bricht aus buchstäblich heiterem Himmel über nichtsahnende Urlauber herein und rasiert in Augenblicken alles ab, was sich ihr in dem Touristenparadies in den Weg stellt.
Überhaupt bezieht Hereafter diverse Geschehnisse der Zeit in seine Handlung mit ein; wir, die sie damals durch die Nachrichten mitverfolgten, haben sie schon längst wieder verdrängt: Der Tsunami von 2004, der Bombenanschlag in der Londoner U-Bahn 2005, Mitterand…

Read Full Post »

Dank Man at Arms komme ich ja viel rum. So nun, durch ihre Arbeiten zu Fate/Zero und Fate/Apocrypha, zur Fate-Serie, sprich Animes.

Ich gebe zu, mich reizte das Genre nie. Damals, als ich noch zum Zielpublikum gehörte, wurde natürlich regelmäßig Heidi geschaut, und wir hatten als VHS-Mitschnitt (wow, ich bin ein Fossil) Die kleine Seejungfrau, eine japanische Produktion, bei der am Ende jeder Zuschauer hoffnungslos am Heulen war. Auch Wiederholungstäter.
Aber danach – hm. Einfach nicht mein Ding. Aber weil’s ja nun so hoch gelobt wurde und nicht komplett uninteressant aussah, versuchte ich mich mal an Fate/Zero, Vol. 1. (Warum das Ding nicht als Komplettbox angeboten wird, erschließt sich mir nicht.) Und ich muß sagen, es tat fast gar nicht weh. Am schlimmsten fand ich wohl das… wie nennt man das jetzt? Jenglisch – immerhin interessant zu sehen, daß es da auch schon angekommen ist. Soll heißen, es wird zwar japanisch gesprochen, aber mit englischen Brocken, die direkt aus einem Game entnommen klingen. Ach ja, damit dann gleich zusammenhängend: Wir brauchen einen Kämpfer, einen Magier, einen Dieb… Die beschworenen Heldengeister sind in Klassen eingeteilt und haben – kein Witz – eine Stufe und Werte. Argh!

Aber vielleicht zunächst etwas zur Grundgeschichte: Alle 60 Jahre verwüstet Godzilla… nein, falsch, erscheint der Gral in Japan. (Gut zu wissen.) Weil er einen einzigen Wunsch gewähren kann, sind entsprechend eine Menge Leute scharf darauf, ihn für sich zu gewinnen, namentlich einige große Magierdynastien, die sich regelmäßig alle 60 Jahre darum bekriegen und in der Interimszeit Pläne fürs nächste Mal schmieden. Jedes Mal sind aber auch unerwartete Teilnehmer dabei, kleine Fische, denen sowieso niemand Chancen einräumt.
Um das ganze etwas aufzumischen (wann hätten je die Entscheidungsträger ihre eigenen Schlachten geschlagen?), beschwören die vom Gral auserwählten Magier mächtige Geister, Helden früherer Epochen, die sie tatkräftig unterstützen sollen… jedenfalls in der Theorie, denn diese Geister sind natürlich starke Persönlichkeiten mit ganz eigenen Plänen und Vorgehensweisen.

Hierin liegt auch der eigentliche Reiz der Serie. Die teilnehmenden Magier haben unterschiedlichste Motivationen, und nicht immer sind diese gleich erkennbar. Klassisch sind die tragischen, zerrissenen Helden unter ihnen. Hinter ihnen wiederum stehen oft Strippenzieher, und verwickelt in dieses Intrigenspiel sind Menschen, die ihnen nahestehen. Dazu kommen nun die Heldengeister, die sehr selten seelenverwandt mit ihren Meistern sind, aber mitunter eine gewisse Sympathie für sie entwickeln. Und hier schöpft die Serie direkt aus der Pop Culture. Ich habe bestimmt die Hälfte aller Anspielungen nicht bemerkt, aber Assassin’s Creed ist vertreten (der Film jedenfalls), der Glöckner von Notre Dame treibt sich im Look der Tremere von Vampire: the Masquerade – Redemption als irrer Massenmörder herum, und ein junger Severus Snape darf sich unter dem Alias Waver Velvet mit Iskander oder Alexander dem Großen herumschlagen. Letztere Zusammenstellung ist ganz klar das comic relief der Serie: Der völlig überforderte Zauberlehrling und der hünenhafte Haudegen mit einem Herz aus Gold. Die auf den ersten Blick komplexeste Geschichte dreht sich um die Vertreter des alten deutschen Magieradelsgeschlechts (komplett mit Schloß à la Neuschwanstein natürlich) Einzbern, den eingekauften und eingeheirateten Japaner Kiritsugu, ein berufsmäßiger Magiermörder, und vor allem seine Frau Irisviel, eine künstlich geschaffene Kreatur, die als Lockvogel dienen muß. Die Szenen zwischen ihr und dem Überraschungshelden Artus, oder vielmehr Arturia, gehören zu den Highlights, als sich zwischen den beiden Frauen eine tiefe Freundschaft entwickelt. Ebenfalls auf der tragischen Seite findet sich Kariya, der sich aufopfert, um die kleine Sakura zu retten. Dann gibt’s noch das einzig wirklich zusammenpassende Paar Ryuunosuke und Blaubart/Gilles de Rais, von denen man nie so recht weiß, ob sie jetzt den schwarzen Humor oder die Haßgegner vertreten sollen. Wahrscheinlich beides.

Ob ich dranbleibe… ich weiß nicht. Wie gesagt, man kann es ganz gut sehen, aber umgehauen hat es mich jetzt auch nicht. Ich werde wohl nie zu den Anhängern der Anime-Religion gehören – und daß es eine Religion ist, kann man ganz leicht an den Rezensionen auf Amazon sowie den Kommentaren dazu ersehen. Ein Gruselkabinett.
(„Was, die Kämpfe und der Soundtrack konnten dich auch nicht überzeugen? Die gehören für mich immer zu den Highlights!“ Ähm, ja. Es sind Zeichentrickkämpfe, ne?)

Read Full Post »

Dank Bella Kotak (ja, ich weiß – ihre Arbeiten wiederholen sich schnell, aber für den Moment finde ich sie einfach schön) stöberte ich ein bißchen herum, was in den letzten Jahren Neues zu Labyrinth erschienen ist, und fand das etwas grandios betitelte Jim Henson’s Labyrinth – The Ultimate Visual History. Ich bin grundsätzlich skeptisch, wenn sich etwas als „ultimate“ tituliert, denn früher oder später wird immer etwas mit mehr und neuen Infos publiziert werden, aber das Buch ist wirklich sehr gut gemacht. Erschienen natürlich 2016, zusammen (wie das Buch zeigt) mit der BluRay-Ausgabe des Films sowie vielen anderen Veranstaltungen zum Thema. Nein, ich äußere mich jetzt nicht zu Geschäftssinn und dem Einfluß von populären Toden auf das Käuferverhalten.

Labyrinth ist ein sehr weiser, kreativer, nie ganz ernstzunehmender Film mit einem guten Herzen und viel schrägem Humor – nicht umsonst war Monty Pythons Terry Jones einer der Drehbuchschreiber. Heutzutage, im CGI-Zeitalter, ist kaum vorstellbar, welcher Aufwand dafür betrieben wurde. (Ich glaube, nur Guillermo del Toro schwört heute noch auf Animatronics, und auch er arbeitet natürlich zusätzlich mit Computergraphiken.) Obwohl 1986 nicht sonderlich erfolgreich, hat Labyrinth sich über die Jahre zu einem „Kultfilm“ entwickelt und besitzt ein großes Fandom, wobei ich da Abstriche machen würde – gerade viele weibliche Fans haben offensichtlich seine Aussage kein bißchen verstanden.

The Ultimate Visual History nun feiert die Kreativität und auch das Durchhaltevermögen all der vielen beteiligten Personen. Als Tribut an den Film und die Leute dahinter ist es definitiv (ultimativ?) ein würdiges Werk.

Read Full Post »

Im Zuge meiner Begeisterung für E. M. Forster (danke, Mr. Lawrence!) sah ich nun A Passage to India. Es ist ein merkwürdiger Film. Nicht im geringsten schlecht, aber für eine Produktion von 1984 wirkt er seltsam anachronistisch – und das nicht, weil er ein Historienstück ist. Auch in den 80ern wurden period films gedreht, und man sieht die Ära ihrer Entstehung immer! A Passage to India hingegen sieht eher aus wie ein Werk aus den frühen 60ern oder vielleicht späten 50ern. (Ich bin sicher, jemand mit Ahnung von technischen Aspekten könnte mir den Look erklären.) Ist nun nicht ganz überraschend, war das doch die große Zeit von Regisseur und Drehbuchschreiber David Lean. Aber eben… seltsam. Es irritierte mich die gesamte Zeit, vielleicht mehr als es jeder 80er-Horror gekonnt hätte.
Der Film sahnte zwei Oscars ab, für Leans erprobten Score-Schreiber Maurice Jarré, den ich hier eher zurückhaltend fand, und für Peggy Ashcroft als Mrs. Moore, was definitiv verdient ist – eine wundervolle Darstellung!

Nun ja, der Trailer ist sehr 80er.

Read Full Post »

Older Posts »