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Archive for the ‘Geistiges’ Category

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Kenntnis der Gralsbotschaft ist der erweiterte Blick auf die Dinge. Namentlich im näheren Umfeld, wo so manches „gesehen“ wird. Wir haben über die Jahrzehnte viel erfahren dürfen.
Nun wird das nicht an die große Glocke gehängt, weil auch Kreuzträger dem oft skeptisch gegenüberstehen. Keine unbedingt schlechte Sache, finde ich, denn wie überall hat’s auch in der Bewegung Spinner. („Die Gralsspinner“, wie die großartige Frau J. es so schön ausdrückte.) Man muß unterscheiden lernen zwischen echt und Ente, nicht immer einfach mit den eigenen Wunschvorstellungen, die so gern dazwischengrätschen. Am besten ist eine zweite, unabhängige Meinung.

Den Weg einer Seele durch verschiedene Erdenleben verfolgen zu können, ist spannend. Allerdings auch oft ernüchternd. Man erkennt die Persönlichkeit – jedenfalls nach meiner Erfahrung – leicht, was in erster Linie bedeutet, daß man sich weniger verändert, als man hofft. Ich betrachte die Personen, die ich einmal war und wünschte mir, ich wäre in diesem Leben so patent wie sie. Tatsache ist vermutlich, daß sie ähnliche Unsicherheiten aufwiesen wie ich. (Mein römisches Ich tut mir sehr leid – ich kann mich gut in sie hineinversetzen.) Meine Mutter kritisiert die Fehler ihrer früheren Inkarnationen, ohne zu bemerken, daß sie sie immer noch besitzt. Mein Vater war in hohem Maße er selbst geblieben; ich lache jedesmal, wenn ich über seine zwei wohl berühmtesten Leben lese, weil ich ihn so sehr darin wiedererkenne. Mein Bruder hat es nie gelernt, sich in den Hintern zu treten… mit traurigem Ergebnis heute. Und so weiter.

Vor diesem Hintergrundwissen betrachtet man natürlich auch all die religiös/nationalistisch/rassistisch/sonstwie extremistisch begründeten Hetzereien mit… nun, sicher nicht Humor, aber einer gewissen Ironie. Die so fanatisch verfochtene Sache läßt man mit jedem Leben zurück – nur der Fanatismus kommt mit. Was dazu führt, daß im nächsten Leben vielleicht gegen genau die Sache gehetzt wird, die man vorher verfocht. Lachhaft, wenn’s nicht so traurig wäre.
Amüsanter, wenn auch nicht weniger seltsam, sind die Fans historischer Persönlichkeiten. Natürlich sehen sie (wie Fans moderner Berühmtheiten) nicht die wirkliche Person, sondern in erster Linie ihre eigene Phantasie. Aber auf einer Website zu lesen, die Schreiberin sei „besessen“ davon, Informationen über mein früheres Ich zu finden und habe nie ein Bild von ihr finden können; ob *diese* Miniatur vielleicht…? Das war schon seltsam. Ich habe nicht nur einen Fan, sondern einen Stalker. (Meine Mutter schlug vor, ich könne ihr ja ein aktuelles Foto schicken. „Leider kein Bild von damals, aber so sehe ich heute aus.“)

Andererseits bin ich vermutlich selbst nicht besser. Als Biographin und historisch Interessierte greife ich gern Figuren der näheren oder ferneren Vergangenheit auf, versuche sie zu verstehen – und frage mich, wie es mit ihnen weiterging, nachdem sie jenes Leben hinter sich ließen. Ich habe leider bislang nur einmal (nun ja, immerhin!) eine Antwort erhalten. Geht mich ja auch gar nichts an. Trotzdem…

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Sonderbar ist der Streit über das Für und Wider eines Lebens nach dem irdischen Tode, eigentlich oft bis zur Lächerlichkeit. Wer ruhig, vorurteilsfrei und wunschlos zu denken und beobachten vermag, wird bald finden, daß tatsächlich alles, aber auch alles für die Wahrscheinlichkeit einer bestehenden andersstofflichen Welt spricht, die der jetzige Durchschnittsmensch nicht zu sehen vermag. Es sind so viele Vorgänge, die daran immer und immer wieder mahnen und die nicht einfach als nichtbestehend achtlos zur Seite geschoben werden können.
Dagegen ist für ein unbedingtes Aufhören nach dem irdischen Ableben weiter nichts vorhanden als der Wunsch vieler, die sich damit gern jeder geistigen Verantwortung entziehen möchten […].

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Spiritismus“)

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Kein Mensch denkt daran, die Persönlichkeit auch durch Ehrfurcht dem Körperlichen gegenüber zu dem zu machen, was sie sein sollte, sein kann und sein muß.
Der Körper hat gleich der Seele etwas Kostbares, deshalb Unantastbares zu sein, das man nicht zur Anlockung zur Schau stellt. Und deshalb läßt sich auf Erden auch in dieser Beziehung der Körper von der Seele nicht trennen. Beides ist gleichzeitig als Unantastbares zu achten und zu bewahren, wenn es irgendeinen Wert haben soll. Sonst wird es Plunder, an dem man sich beschmutzt, dem nur gebührt, in die Ecke geworfen zu werden, um dem ersten besten vorüberziehenden Trödler billig anzugehören.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Die Ehe“)

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Mit der einfachen Erklärung der „unerforschlichen Wege Gottes, die alles zum Besten führen“, ist der Drang nach dem „Warum“ nicht aus der Welt geschafft. Wer damit zufrieden sein soll, muß sich stumpf darein ergeben, oder jeden fragenden Gedanken sofort als Unrecht unterdrücken.
So ist es nicht gewollt! Durch Fragen findet man den rechten Weg. Stumpfsinn oder gewaltsames Zurückdrängen erinnert nur an Sklaventum. Gott aber will nicht Sklaven! Er will nicht das stumpfsinnige Sichfügen, sondern freies, bewußtes Aufwärtsschauen.
Seine herrlichen, weisen Einrichtungen brauchen nicht in mystisches Dunkel gehüllt zu sein, sondern gewinnen an ihrer erhabenen, unantastbaren Größe und Vollkommenheit, wenn sie frei vor uns liegen! Unwandelbar und unbestechlich, in gleichmäßiger Ruhe und Sicherheit verrichten sie unaufhaltsam ihr ewiges Wirken.
Sie kümmern sich nicht um Groll oder Anerkennung der Menschen, nicht um ihre Unwissenheit, sondern sie geben jedem einzelnen bis auf das Allerfeinste abgetönt in reifen Früchten das zurück, was er als Saat ausstreute.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Das Geheimnis der Geburt“)

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Herr Huemer hat einen hochinteressanten Artikel auf Thanatos.tv veröffentlicht. Was mir beim Lesen des obigen Zitates allerdings in den Sinn kam, war der Evolutionsunterricht im Abendgymnasium. Ich war absolut fasziniert von den Vorgängen, von der Größe der Schöpfung und damit des Schöpfers, und gleiches ist der Fall bei der Astronomie! Wie da jemand desillusioniert sein kann, erschließt sich mir nicht. Vielleicht sind das Menschen sowohl der „strenggläubigen“ als auch der atheistischen Ausrichtung, ich weiß es nicht. Die einen klammern sich an ihr winziges Gottesbild, die anderen sehen hier sofort einen Beweis für die Nichtexistenz Gottes. Wenn man darüber nachdenkt, sind beide eigentlich gleich. Beiden schwebt eine so kleine, beschränkte Vorstellung von Gott vor. Wer sich davon losringen kann, der wird still und bescheiden, aber auch unendlich glücklich angesichts des großen Webens um uns herum.

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Aus dem Autorenblog, paßt hier eindeutig besser.

Für den Menschen braucht es in der Schöpfung kein Mysterium zu geben, darf es nicht; denn Gott will, daß seine Gesetze, die in der Schöpfung wirken, dem Menschen gut bekannt sind, damit er sich darnach richten kann und durch sie leichter seinen Weltenlauf vollendet und erfüllt, ohne in Unwissenheit abzuirren.

Der ehemalige Herrenhäuser Pastor Jan Olaf Rüttgardt stellte am 23.1. im Kirchsaal der Herrenhäuser Kirche sein Buch Die Botschaft der Evangelisten vor. „Der Evangelisten“, wie er betonte, „nicht der Evangelien.“ Denn nach derzeitigem Stand der Forschung lassen sich die Berichte über Jesu Wirken erst auf Quellen aus zweiter bis dritter Hand zurückführen. Aufgrund der Kürze der Zeit konnte Herr Rüttgardt das spannende Thema seines Buches nur anreißen, ein Thema, das ihn spürbar fasziniert – ich mag es sehr, wenn ein Forscher vom Thema seiner Forschung begeistert ist und dies auch vermitteln kann! Gleichzeitig ist er bei aller Theologie, aller Wissenschaft also, ein gläubiger Mensch, und auch dies ist eine Mischung, die ich sehr wertschätze. Zurückdenkend an meine Israelreise beispielsweise konnte ich diese Mischung bei unserer mitreisenden Pastorin a.D. nicht feststellen; sie war Theologin allein mit Hirn, nicht mit Herz und sah alle Niederschriften als Symbol für etwas. Ich wartete nur darauf, daß sie eines Tages sagen würde, auch Gott sei nur ein Symbol. „Theologie zerstört jede Art von Glauben“, wie sie bekannte.

Das ist nun eine interessante Aussage. Herr Rüttgardt hätte sicherlich einiges darauf zu erwidern. Aber auch seine Sicht der Dinge ist aus dem Blickwinkel der Lehre der Gralsbotschaft befremdlich. Ja, die vier Evangelien widersprächen sich teilweise, erklärte er, und manches in ihnen stehe in direktem Widerspruch zu dem, was man heute als Christ erwarten würde. Vieles, so Rüttgardt, könne man aus heutiger Sicht, aus unserem kulturellen Umfeld heraus gar nicht verstehen. Denn man dürfe nicht vergessen, daß das Christentum in seinen Anfängen aus einer sehr fremden Kultur stamme. Und manches sei ganz einfach unverständlich. Das spiele aber gar nicht so eine wichtige Rolle, erläuterte er. Nicht für ihn und in seinen Augen auch nicht für das Christentum, für das Verständnis des Glaubens. Kurzgefaßt: Man muß nicht alles verstehen, um zu glauben.

Das sind nun zwei entgegengesetzte Standpunkte: Glauben, ohne sich von Widersprüchen, Unklarheiten oder auch wissenschaftlich belegten Fehlern in der Bibel beirren zu lassen versus dem Voranstellen wissenschaftlicher Erkenntnisse und dem damit verbundenen Verlust des – ich nenne es mal kindlichen – Glaubens. Ein dritter Standpunkt, auf den ich im Buch The Sisters of Sinai stieß: Echter Glaube überlebt wissenschaftliche Erkenntnisse. Nicht in dem Sinne, daß diese Erkenntnisse ausgeblendet werden, sondern daß der Glaube stark genug ist, Neuerungen zu überleben. Ich kann nicht sagen, welcher Standpunkt der wertvollere ist.

Die Gralsbotschaft ist sehr deutlich in dieser Hinsicht mit ihrer Warnung vor blindem Glauben. Und dennoch halte ich es für wichtig, sich auch als Kreuzträger Gedanken über diese Dinge zu machen. Im Vortrag „Im Lande der Dämmerung“ beispielsweise warnt Abd-ru-shin sehr deutlich auch die Kreuzträger. Es ist so bequem, diesen Vortrag nur auf das Christentum zu beziehen, weil dies das Beispiel ist, das aus der zur Zeit und im Umfeld des Herrn vorherrschenden Kultur heraus gewählt wurde. Vielleicht läßt man sich auch herab, andere Religionen, vielleicht noch den Spiritismus oder Okkultismus darin zu erkennen. Doch „… von dem ich heute nur einen ganz kleinen Teil erklärte“, warnt Abd-ru-shin im Abschluß des Vortrages. Von diesem An-Äußerlichkeiten-Festkrallen sehen wir unter den Kreuzträgern mehr als genug. Sei es das Schisma zwischen „Berg-Kreuzträgern“ und „Bewegungs-Kreuzträgern“ und allen den Splittergrüppchen, die nebenher existieren, sei es der Streit um die „richtige“ Ausgabe der Botschaft, sei es der Verjüngungs- und Modernisierungstick, der aktuell in der Bewegung grassiert (kein Feuerzeug verwenden beim Anzünden der Altarkerzen und die bizarre Begründung dafür – mir fehlen die Worte)… was ist das alles? Kein lebendiger Glaube, keine lebendige Überzeugung, so viel steht fest. Das ist Dogma. Das ist Sektierertum. Und das sind Äußerlichkeiten, über denen viele Kreuzträger vergessen, was wichtig ist.

Aber gehen wir noch weiter. Auch in der Botschaft finden wir Voraussagen, die sich sehr aktuell auf das Datum der Niederschrift bezogen lesen und bis heute nicht eingetroffen sind. Es gibt verschiedenste Reaktionen darauf, die alle dem Muster der drei oben genannten Standpunkte entsprechen. Die Wegbereiter sind unübersehbar persönlich eingefärbt und widersprechen sich in den gleichen Schilderungen, und dennoch gelten sie für die einen Kreuzträger als beinahe gleichbedeutend mit den Schriften Abd-ru-shins, während die anderen sie als Kitsch ablehnen. Die „Sekundärschriften“, Memoiren etc., widersprechen sich, je nach dem persönlichen Standpunkt des Erinnernden, und dennoch werden einzelne Aussagen von heutigen Kreuzträgern als Offenbarungen gehandhabt und andere abgelehnt. Muster unbekannt.

Wie gehen wir als Kreuzträger mit all dem um? Wie beziehen wir Widersprüche, Unklarheiten, Zweifel in unseren Glauben oder unsere Überzeugung mit ein? Sind wir, so beliebt es ist, sich als besser oder fortgeschrittener vorzustellen als beispielsweise die Christen, wirklich so anders?
Ich würde mir gern vorstellen, daß wir zumindest geistiger wären, nicht so ausschließlich dem Irdischen verhaftet, wie mir das Christentum in vielem zu sein scheint. Ob ich damit recht habe, wer weiß?

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wunderkreuz

Der Heiland am Kreuze! Zu Tausenden sind diese Kreuze aufgestellt, als Wahrzeichen dafür, daß Christus um der Menschheit willen litt und starb. Sie rufen den Gläubigen von allen Seiten zu: „Denket daran!“
Auf einsamer Flur, in den belebten Großstadtstraßen, in stiller Kammer, in den Kirchen, an Gräbern und zu Hochzeitsfeiern, überall dient es zum Trost, zur Stärkung und zur Mahnung. Denket daran! Um Euerer Sünden willen ist es geschehen, daß der Gottessohn, der Euch das Heil zur Erde brachte, an dem Kreuze litt und starb.
Mit innigem Erschauern tritt der Gläubige herzu, in tiefer Ehrfurcht und voll Dankbarkeit. Mit Frohgefühl verläßt er dann die Stätte in dem Bewußtsein, durch den Opfertod auch seiner Sünden ledig geworden zu sein.
Du ernsthaft Suchender jedoch, geh hin, tritt vor das Wahrzeichen heiligen Ernstes und bemühe Dich, Deinen Erlöser zu verstehen! Wirf ab den weichen Mantel der Bequemlichkeit, der Dich so angenehm erwärmt und Wohlgefühl behaglichen Geborgenseins erzeugt, das Dich hindämmern läßt bis zu der letzten Erdenstunde, wo Du dann jäh aus Deinem Halbschlummer gerissen wirst, Dich loslöst von der irdischen Befangenheit und plötzlich ungetrübter Wahrheit gegenüberstehst. Dann ist Dein Traum schnell ausgeträumt, an den Du Dich geklammert hast, mit dem Du Dich in Tatenlosigkeit versenktest.
Deshalb erwache, Deine Erdenzeit ist kostbar! Um Eurer Sünden willen kam der Heiland, das ist unantastbar und buchstäblich richtig. Auch daß er um der Schuld der Menschheit willen starb.
Doch dadurch werden Deine Sünden nicht von Dir genommen! Das Erlösungswerk des Heilands war, den Kampf mit dem Dunkel aufzunehmen, um der Menschheit Licht zu bringen, ihr den Weg zu öffnen zur Vergebung aller Sünden.
Wandern muß ein jeder diesen Weg allein, nach des Schöpfers unumstößlichen Gesetzen. Auch Christus kam nicht, die Gesetze umzustoßen, sondern zu erfüllen. Verkenne doch nicht den, der Dir Dein bester Freund sein soll! Nimm für die wahren Worte nicht irrtümlichen Sinn!
Wenn es ganz richtig heißt: Um der Menschheit Sünden willen geschah dies alles, so ist damit gesagt, daß Jesu Kommen nur deshalb notwendig wurde, weil sich die Menschheit nicht mehr allein aus dem selbstgeschaffenen Dunkel herauszufinden und von dessen Klammern zu befreien vermochte.
Christus mußte diesen Weg der Menschheit zeigen. Hätte sich diese nicht so tief in ihre Sünden verstrickt, das heißt, wäre die Menschheit nicht den falschen Weg gegangen, so würde das Kommen Jesu nicht notwendig geworden sein, ihm wäre der Kampf- und Leidensweg erspart geblieben.
Deshalb ist es ganz richtig, daß er nur um der Sünden der Menschheit willen kommen mußte, wenn diese nicht auf dem falschen Wege ganz in den Abgrund, in das Dunkel gleiten sollte.
Das sagt aber nicht, daß damit jedem Einzelmenschen im Handumdrehen auch seine persönliche Schuld quittiert werden soll, sobald er nur wirklich an die Worte Jesu glaubt und darnach lebt. Lebt er aber nach den Worten Jesu, so werden ihm seine Sünden vergeben werden. Allerdings erst nach und nach zu einer Zeit, sobald die Auslösung durch die Gegenarbeit des guten Wollens in der Wechselwirkung erfolgt. Nicht anders. Zum Unterschiede dafür ist bei denen, die nicht nach den Worten Jesu leben, eine Vergebung überhaupt nicht möglich.
Das besagt nun aber nicht, daß nur Angehörige der christlichen Kirche Vergebung der Sünden erlangen können.
Jesus verkündete die Wahrheit. Seine Worte müssen deshalb auch alle Wahrheiten anderer Religionen mitenthalten. Er wollte nicht eine Kirche gründen, sondern der Menschheit den wahren Weg zeigen, der ebensogut auch durch die Wahrheiten anderer Religionen führen kann. Deshalb finden sich in seinen Worten auch so viele Anklänge an damals schon bestehende Religionen.
Jesus hat diese nicht daraus entnommen, sondern, da er die Wahrheit brachte, mußte sich darin auch alles das wiederfinden, was in anderen Religionen schon von Wahrheit vorhanden war.
Auch wer die Worte Jesu selbst nicht kennt und ernsthaft nach der Wahrheit und Veredelung strebt, lebt oft schon ganz im Sinne dieser Worte und geht deshalb mit Sicherheit auch einem reinen Glauben und der Vergebung seiner Sünden zu. Hüte Dich deshalb vor einseitiger Anschauung. Es ist Entwertung des Erlöserwerkes.
Wer ernsthaft nach der Wahrheit, nach der Reinheit strebt, dem fehlt auch nicht die Liebe. Er wird, wenn auch manchmal durch harte Zweifel und Kämpfe, geistig von Stufe zu Stufe emporgeführt und, gleichviel, welcher Religion er angehört, schon hier oder auch erst in der feinstofflichen Welt dem Christusgeiste begegnen, der ihn dann letzten Endes weiterführt bis zur Erkenntnis Gottvaters, worin sich das Wort erfüllt: „Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“
Das „letzte Ende“ beginnt aber nicht mit den letzten irdischen Stunden, sondern auf einer gewissen Stufe in der Entwicklung des geistigen Menschen, für den das Hinübergehen aus der grobstofflichen in die feinstoffliche Welt nur eine Wandlung bedeutet.

Nun zu dem Geschehen des großen Erlöserwerkes selbst: Die Menschheit irrte in geistiger Dunkelheit. Sie hatte sich diese selbst geschaffen, indem sie sich mehr und mehr nur dem Verstande unterwarf, den sie erst mühsam großgezogen hatte. Damit zogen die Menschen auch die Grenzen des Begriffsvermögens immer enger, bis sie gleich dem Gehirn bedingungslos an Raum und Zeit gebunden waren und den Weg zu Unendlichem und Ewigem nicht mehr erfassen konnten.
So wurden sie ganz erdgebunden, beschränkt auch Raum und Zeit. Jede Verbindung mit dem Licht, dem Reinen, Geistigen war damit abgeschnitten. Das Wollen der Menschen vermochte sich nur noch auf Irdisches zu richten bis auf wenige, die als Propheten nicht die Macht besaßen, durchzudringen, freie Bahn zu schaffen zu dem Licht.
Durch diesen Zustand waren dem Übel alle Tore geöffnet. Dunkel quoll herauf und strömte unheilbringend über die Erde. Das konnte nur ein Ende bringen: geistigen Tod. Das Furchtbarste, das den Menschen treffen kann.
Die Schuld an allem diesem Elend aber trugen die Menschen selbst! Sie hatten es herbeigeführt, da sie freiwillig diese Richtung wählten. Sie hatten es gewollt und großgezogen, waren sogar noch stolz auf die Errungenschaft in ihrer maßlosen Verblendung, ohne in der sich mühevoll selbst aufgezwungenen Beschränktheit des Begreifens die Furchtbarkeit der Folgen zu erkennen. Von dieser Menschheit aus war kein Weg zu dem Licht zu schaffen. Die freiwillige Einengung war schon zu groß.
Wenn Rettung überhaupt noch möglich werden sollte, mußte von dem Lichte aus Hilfe kommen. Sonst war der Untergang der Menschheit in das Dunkel nicht mehr aufzuhalten.
Das Dunkel selbst hat durch die Unreinheit eine größere Dichtheit, die Schwere mit sich bringt. Wegen dieser Schwere vermag es von sich aus nur bis zu einer bestimmten Gewichtsgrenze emporzudringen, wenn ihm nicht von anderer Seite her eine Anziehungskraft zu Hilfe kommt. Das Licht aber besitzt eine seiner Reinheit entsprechende Leichtheit, die es ihm unmöglich macht, sich bis zu diesem Dunkel hinabzusenken.
Es ist dadurch zwischen beiden Teilen eine unüberbrückbare Kluft, in der der Mensch mit seiner Erde steht!
In der Menschen Hand nun liegt es, je nach Art ihres Wollens und Wünschens dem Lichte oder dem Dunkel entgegenzukommen, die Tore zu öffnen und die Wege zu ebnen, damit entweder das Licht oder das Dunkel die Erde überflutet. Sie selbst bilden dabei das Postament, durch dessen Wollenskraft Licht oder Dunkel festen Halt bekommt und von da aus mehr oder weniger kraftvoll wirken kann.
Je mehr das Licht oder das Dunkel dadurch auf Erden Macht gewinnt, desto mehr überschüttet es die Menschheit mit dem, was es zu geben hat, mit Gutem oder Bösem, Heil oder Unheil, Glück oder Unglück, Paradiesesfrieden oder Höllenqual.
Der Menschen reines Wollen war zu schwach geworden, um in dem schon überwiegenden schweren, alles erstickenden Dunkel auf Erden dem Lichte einen Punkt zu bieten, an den es sich halten konnte, mit dem es sich zu verbinden vermochte, derart, daß es in ungetrübter Reinheit und dadurch ungeschmälerter Kraft das Dunkel spaltete und die Menschheit erlöste, die sich dann an der dadurch angeschlagenen Quelle Kraft holen und den Weg aufwärts finden konnte zu den lichten Höhen.
Dem Lichte selbst aber war es nicht möglich, sich so weit herabzusenken in den Schmutz, ohne daß ein starker Halt dazu geboten wurde. Deshalb mußte ein Mittler kommen. Nur ein Gesandter aus lichten Höhen konnte durch Fleischwerdung die durch der Menschen Wollen gebildete dunkle Mauer sprengen und unter allem Bösen das grobstoffliche Postament für das göttliche Licht bilden, das fest mitten in dem schweren Dunkel steht. Von dieser Verankerung aus vermochten dann die reinen Strahlen des Lichtes die dunklen Massen zu spalten und zu zerstreuen, damit die Menschheit nicht vollständig im Dunkel versank und erstickte.
So kam Jesus um der Menschheit und deren Sünde willen!
Die so geschaffene neue Verbindung mit dem Licht konnte bei der Reinheit und Stärke des Lichtgesandten nicht vom Dunkel abgeschnitten werden. Damit war für die Menschen ein neuer Weg zu den geistigen Höhen gebahnt.

Von Jesus, diesem entstandenen irdischen Postament des Lichtes, gingen nun dessen Strahlen in das Dunkel durch das lebendige Wort, das die Wahrheit brachte. Er konnte diese Wahrheit unverfälscht übermitteln, da er Wort und Wahrheit selbst war.
Die Menschen wurden nun aus ihrem Dämmerzustand aufgerüttelt durch die gleichzeitig geschehenden Wunder. Diesen nachgehend, stießen sie auf das Wort. Mit dem Hören der von Jesus gebrachten Wahrheit aber und dem Nachdenken darüber erwachte nach und nach in Hunderttausenden der Wunsch, dieser Wahrheit nachzugehen, mehr davon zu wissen. Und damit strebten sie dem Lichte langsam entgegen.
Durch den Wunsch wurde das sie umgebende Dunkel gelockert, ein Lichtstrahl nach dem anderen drang sieghaft ein, indem die Menschen über die Worte nachdachten und sie für richtig fanden. Es wurde heller und heller um sie, das Dunkel fand keinen festen Halt mehr an solchen und fiel zuletzt von ihnen abgleitend zurück, womit es mehr und mehr an Boden verlor. So wirkte das Wort der Wahrheit in dem Dunkel wie ein keimendes Senfkorn und wie Sauerteig im Brote.
Und das war das Erlöserwerk des Gottessohnes Jesus, des Licht- und Wahrheitsbringers.
Das Dunkel, das die Herrschaft über die gesamte Menschheit schon zu haben wähnte, bäumte sich dagegen auf in wildem Kampfe, um das Erlöserwerk unmöglich zu machen. An Jesus selbst konnte es nicht heran, es glitt an seiner reinen Empfindung ab. Da war es selbstverständlich, daß es sich seiner willigen Werkzeuge bediente, die es zum Kampfe zur Verfügung hatte.
Dies waren die Menschen, die sich ganz richtig „Verstandesmenschen“ nannten, also sich dem Verstande fügten und somit wie dieser fest an Raum und Zeit gebunden waren, wodurch sie höhere, geistige Begriffe, weit über Raum und Zeit stehend, nicht mehr erfassen konnten. Es wurde ihnen deshalb auch unmöglich, der Lehre der Wahrheit zu folgen.
Sie alle standen ihrer eigenen Überzeugung nach auf zu „realem“ Boden, wie auch heute noch so viele. Realer Boden aber heißt in Wirklichkeit ein arg beschränkter Boden. Und alle diese Menschen waren gerade die Mehrzahl derer, die die Macht vertraten, also obrigkeitliche und religiöse Gewalt in den Händen hatten.
So peitschte das Dunkel in tobender Gegenwehr diese Menschen auf bis zu den groben Übergriffen, die sie gegen Jesus mit der in ihren Händen liegenden irdischen Gewalt ausübten.
Das Dunkel hoffte, dadurch das Erlöserwerk zerstören zu können. Daß es diese Macht auf Erden überhaupt ausüben konnte, war lediglich Schuld der Menschheit, die durch ihre selbstgewählte falsche Einstellung ihr Begriffsvermögen verengt und somit dem Dunkel Oberhand gegeben hatte.
Und um dieser Sünde der Menschheit willen mußte Jesus leiden! Das Dunkel peitschte weiter bis zum äußersten: Jesus erlitt den Kreuzestod, wenn er bei seinen Behauptungen blieb, der Wahrheit- und Lichtbringer zu sein. Es galt die letzte Entscheidung. Eine Flucht, ein Sichzurückziehen von allem konnte ihn von dem Kreuzestod retten. Das aber würde Sieg des Dunkels im letzten Augenblicke bedeutet haben, weil dann das ganze Wirken Jesu langsam im Sande verlaufen wäre und das Dunkel sich siegreich über allem schließen konnte. Jesus hätte seine Sendung nicht erfüllt, das begonnene Erlösungswerk wäre unvollendet geblieben.
Der innere Kampf in Gethsemane war hart, aber kurz. Jesus scheute den irdischen Tod nicht, sondern ging für die von ihm gebrachte Wahrheit ruhig in den irdischen Tod. Mit seinem Blute am Kreuze drückte er das Siegel auf alles das, was er gesagt und gelebt hatte.
Durch diese Tat überwand er das Dunkel völlig, das den letzten Trumpf damit ausgespielt hatte. Jesus siegte. Aus Liebe zur Menschheit, der dadurch der Weg zur Freiheit in das Licht blieb, weil sie durch diesen Tod an der Wahrheit seiner Worte bestärkt wurde.
Ein Entziehen durch die Flucht und das damit verbundene Aufgeben seiner Arbeit hätte ihnen Zweifel bringen müssen.
Jesus starb also um der Menschheit Sünde willen! Wäre die Sünde der Menschheit nicht gewesen, die Abwendung von Gott in Einengung durch den Verstand, so konnte sich Jesus sein Kommen ersparen, ebenso seinen Leidensweg und seinen Kreuzestod. Deshalb ist es ganz richtig, wenn es lautet: Um unserer Sünde willen kam Jesus, litt und starb den Kreuzestod!

Darin liegt aber nicht, daß Du Deine eigenen Sünden nicht selbst zu lösen hättest!
Du kannst es nur jetzt leicht, weil Jesus Dir den Weg durch Überbringung der Wahrheit in seinen Worten gezeigt hat.
So vermag auch der Kreuzestod Jesu nicht einfach Deine eigenen Sünden wegzuwaschen. Sollte derartiges geschehen, so müßten vorher die ganzen Gesetze des Weltalls gestürzt werden. Das geschieht aber nicht. Jesus selbst beruft sich oft genug auf alles das, „was geschrieben steht“, also auf das Alte. Das neue Evangelium der Liebe hat auch nicht die Absicht, das alte der Gerechtigkeit zu stürzen oder abzustoßen, sondern zu ergänzen. Es will damit verbunden sein.
Vergiß deshalb nicht die Gerechtigkeit des großen Schöpfers aller Dinge, die sich nicht um ein Haar verrücken läßt, die ehern steht von Anbeginn der Welt und bis zu deren Ende! Sie würde gar nicht zulassen können, daß jemand die Schuld eines anderen auf sich nimmt, um sie zu sühnen.
Jesus konnte um anderer Schuld willen, also wegen der Schuld anderer, kommen, leiden, sterben, als Kämpfer aufzutreten für die Wahrheit, aber er selbst blieb unberührt und rein von dieser Schuld, deshalb vermochte er sie auch nicht persönlich auf sich zu nehmen.
Das Erlöserwerk ist deshalb nicht geringer, sondern ein Opfer, wie es größer nicht sein kann. Jesus kam aus der lichten Höhe für Dich in den Schmutz, er kämpfte um Dich, litt und starb für Dich, um Dir Licht zu bringen zu dem rechten Weg aufwärts, damit Du nicht im Dunkel Dich verlierst und untergehst!
So steht Dein Erlöser vor Dir. Das war sein gewaltiges Liebeswerk.
Gottes Gerechtigkeit blieb in den Weltgesetzen ernst und streng bestehen; denn was der Mensch säet, das wird er ernten, sagt auch Jesus selbst in seiner Botschaft. Kein Heller kann ihm nachgelassen werden auf Grund der göttlichen Gerechtigkeit!
Daran denke, wenn Du vor dem Wahrzeichen heiligen Ernstes stehst. Danke innig dafür, daß Dir der Erlöser mit seinem Wort den Weg neu eröffnete zur Vergebung Deiner Sünden, und verlasse die Stätte mit dem ernsten Vorsatze, diesen Dir gezeigten Weg zu gehen, damit Dir Vergebung werden kann.
Den Weg gehen aber heißt nicht etwa nur, das Wort zu lernen und daran zu glauben, sondern dieses Wort zu leben! Daran zu glauben, es für richtig zu halten und nicht in allem auch darnach zu handeln, würde Dir gar nichts nützen. Im Gegenteil, Du bist schlimmer daran als solche, die gar nichts von dem Worte wissen.
Deshalb wache auf, die Erdenzeit ist für Dich kostbar!

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft)

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Über diesen Bereich habe ich schon einmal geschrieben. Geändert hat sich seitdem wenig. Für Damen gewünscht ist an Andachtskleidung das lange Kleid mit langen Ärmeln und wenig bis keinem Ausschnitt, aber dieser Wunsch läßt sich kaum noch verwirklichen, sofern man nicht selbst schneidert oder jemanden kennt, der es tut (auch das wird immer weniger). Oft anzutreffen ist also inzwischen die Rock-Bluse-Blazer-Kombination. Seit dem Erscheinen des oben verlinkten Artikels habe ich noch EMP als Quelle für diejenigen gefunden, die sich vor Gothic nicht scheuen. Aber auch hier muß manches mit Bolero oder Blazer kombiniert werden. Außerdem bietet die muslimische Mode inzwischen viele Möglichkeiten, wenn man das Kopftuch wegläßt; ich verweise hier beispielhaft mal auf den Anbieter Alvina.

Soweit zur Andachtskleidung. Im Alltag wird es schon sehr viel variierter. Als eine Kollegin mich einmal nach den Kleider“vorschriften“ fragte, mußte ich leicht zerknirscht zugeben, daß Welten zwischen Theorie und Praxis klaffen. Ich kenne Kreuzträgerinnen, die im „normalen Leben“ langen Rock und Bluse tragen, wie es ja eigentlich sein sollte. Dazu gehöre ich nicht, zu einem nicht geringen Maße deshalb, weil ich Radfahrerin bin und ein langer Rock dabei höchst unpraktisch ist. Aber auch zu Hause bevorzuge ich Hosen. Mein bevorzugter Stil sind Schlag- oder Marlene-Hosen, also nicht die hautenge Variante, und ich besitze einen ganz interessanten Hosenrock von der chinesischen Schneiderei Xiaolizi auf Etsy. (Ebenfalls eine gute Quelle für andachtstaugliche/züchtige Kleidung, aber nicht billig.)
Sofern ich nicht radelnd unterwegs bin, trage ich durchaus auch lange Röcke. Auch knielange Röcke werden getragen, allerdings keine Shorts, wobei ich im Sommer durchaus mal lange Hosen auf Wadenhöhe hochkrempele. Und ich trage T-Shirts.

Die christliche Autorin Lynn Austin hat sich in ihrem Reisebuch Pilgrimage (dt. Oasenzeiten) über diese Thematik Gedanken gemacht.

As I tour modern Israel, it’s still pretty easy to tell which Jews are Orthodox and which are not. Religious men still wear beards and head coverings and tassels on the corners of their garments. Religious women dress conservatively with long sleeves, long hemlines, and high necklines. I can’t help wondering what our tour group looks like to them. Can they tell by looking at us that we’re Christians? I have seen Orthodox men avert their gaze as the young women in our group parade by in tank tops and plunging necklines, and I shudder at the message we’re sending.
Christians are difficult to spot in our culture, blending in so well that we’re indistinguishable from typical Americans. A cross dangling from a necklace has become such a common decoration that it’s no longer an indicator of the wearer’s faith. Jesus said that His followers “are not of the world any more than I am of the world” (John 17:14), but how do we draw that line, separating ourselves from the popular culture without becoming bogged down in legalism? Should we stand out in a crowd or shouldn’t we?

Kreuzträger sollen auffallen, vorzugsweise natürlich in positiver Hinsicht, gerade auch in der Kleidung. Ich bin da sicherlich nicht das beste aller Vorbilder. Aber ich bemühe mich auch, nicht das schlechteste aller Beispiele zu sein. Dennoch lohnt es sich, über Mrs Austins Überlegungen nachzudenken. Wo ziehen wir die Grenze? Wo fängt es an, dogmatisch zu werden?

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So sollte der Titel eines geplanten Blogs lauten, und gänzlich vom Tisch ist der Gedanke noch nicht. Doch ich will erst einmal sehen, was an Themen zusammenkommt, und außerdem habe ich hier (und im Autorenblog) ja bereits so einige Beiträge geschrieben, die damit zusammenhängen. Also: Neue Kategorie, die für den interessierten Leser schnell zu finden ist; alle nicht interessierten Leser können gleich wegklicken, wenn sie die Überschrift sehen.

Karfreitag fand nachmittags in der Herrenhäuser Kirche eine Andacht statt, mit Auszügen aus der Markus-Passion und aus dem Markus-Evangelium. Ich ging hauptsächlich wegen der Musik hin, aber auch, weil ich den Tag „begehen“ wollte und mir wegen des ganzen Stresses in der letzten Zeit nicht in den Sinn kam, mich bei Herrn Bernstein zu erkundigen, ob im Hannoveraner Gralskreis eine Andacht stattfände.

Ich schrieb ja schon mehrfach an anderer Stelle, daß ich mit der christlichen (und anderen) Religionsausübung keinerlei Erfahrungen habe – naja, inzwischen dank Israel-Reise ein bißchen mehr. Aber sie ist mir immer noch sehr fremd und wird es vermutlich auch immer bleiben. Diese Andacht fing gleich mit dem vollen Negativprogramm an: Gemeinsames Singen (ich kannte das Stück nicht, hätte mich vielleicht hineinfinden können, aber mein Sitznachbar sang so fürchterlich falsch – und laut – , daß ich eher Mühe hatte, mir ein Lachen zu verkneifen) und Wechselherunterleiern. Danach aber wurde es weitaus angenehmer, denn bis zum Vaterunser (mehr Leiern) beschränkte sich der Ablauf auf abwechselnd Passionsmusik und Lesung aus dem Markus-Evangelium. Es ist schön, daß auf die sonst so üblichen (Um-)Deutungsversuche und Bezügesucherei verzichtet wurde. Der Text spricht für sich, sehr viel eindringlicher und aussagekräftiger als jede Predigt.

Doch ich muß noch einmal zurückgehen zum Anfang. Es war mir ganz persönlich an diesem Tag ein Anliegen, mich dem Anlaß entsprechend festlich zu kleiden. Ich kenne es auch nicht anders aus den Andachten im Sinne der Gralsbotschaft, aber das spielte hier nur eine zweite Rolle. Dennoch berührte es merkwürdig, die meisten anderen Besucher in normaler Alltagskleidung zu sehen. Ja, ich kenne sämtliche Anmerkungen dazu von christlicher Seite. Dennoch fühlt es sich falsch an, respektlos vielleicht, gleichgültig in jedem Fall. Man kommt vom Sofa und geht nach der Veranstaltung auch wieder dort hin. Das Anlegen einer besonderen Kleidung für besondere Anlässe ist ja etwas, das einem selbst hilft, sich auf dieses Besondere einzustellen. Wir sprechen von geistigen Dingen, geistiger Aufnahmefähigkeit, nicht von „Gott liebt uns auch in Jeans“.

Oh, und ist es heutzutage auch nicht mehr in, pünktlich zu kommen? Was da lange nach Beginn noch hereinströmte, war erstaunlich.

Warum gehen all diese Menschen in die Kirche? Und sie war voll, keine Frage. Was führt sie also dorthin? Was geht ihnen während der Andacht im Kopf herum? Was nehmen sie am Ende mit? Es ist doch wohl eher Tradition, etwas, „das man eben so macht“, als echte Gläubigkeit. Gerade die christliche Kirche, scheint mir, ist sehr eng verwoben mit… wie soll ich es nennen? Einem Gemeinschaftsgefühl im Sinne eines sozialen Zusammenkommens. Man trifft Bekannte. Man „besucht“ gemeinsam einen Gottesdienst, wie Abd-ru-shin das bereits betonte.
Nicht, daß Kreuzträger dagegen gefeit sind, wie ich leider sagen muß. Nach meiner Erfahrung sind viele von ihnen auch mehr an irdischen Dingen interessiert, und ich frage mich oft, warum sie Kreuzträger geworden sind, wenn sie so sichtlich nichts von einer Andacht mitnehmen und schon beim Herausgehen wieder schnabbeln müssen, natürlich über rein irdische Dinge. Sollten Bekenner der Gralsbotschaft es nicht viel besser wissen?

Andererseits – und darüber sprach ich schon mehrfach mit meiner Mutter – habe ich große Hochachtung vor Kreuzträgern, die an ihrer Überzeugung festhalten, obwohl sie vielleicht ein Leben lang kein… nennen wir es: sichtbares Zeichen erhalten oder zumindest es nie wahrnehmen. Meine Mutter und ich „sehen“. Wir haben vieles erfahren dürfen. Und obwohl wir natürlich auch im Alltag versumpfen und kräftig Fehler begehen, ist das Zweifeln erheblich schwerer, wenn man einmal im Frieden des Lichtes gestanden hat.
Genauso ist die Nichtigkeit und Kleinheit der meisten Menschen danach schwer zu verstehen.

In jedem Fall: Wie kann es sein, daß all die Menschen in der Herrenhäuser Kirche nicht erschüttert waren? Vielleicht waren es einige, das will ich nicht ausschließen. Die anderen kommentierten über die Geigenkästen für die Kollekte, wie schön das Konzert war…
Gerechterweise muß vielleicht bedacht werden, daß der Karfreitag nach der christlichen Kirchenlehre ja eigentlich ein Freudentag ist. Aber auch davon merkte man nicht unbedingt etwas.

Ich wünschte mir streckenweise, doch lieber zur Andacht in eine Lichtstätte gegangen zu sein. Andererseits: Keine Markus-Passion. Perfekt bekommt man’s nie. Aber zumindest hatte ich eine Menge Anregung zum Nachdenken.

Nun möchte ich’s aber nicht so dargestellt lassen, als wäre ich nur am Kritisieren. Heute erst in „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ gelesen:

Sogar die sogenannten Wahrheitssucher sind jetzt selten auf dem rechten Wege. Neun Zehntel davon werden nur zu Pharisäern, die kritisierend hochmütig auf ihre Nebenmenschen schauen, dabei noch eifrig sich befehdend.

Ich habe die Tendenz, gebe ich ja zu. Also: Ich sehe auch viel Gutes im Christentum, und auch darüber schreibe ich natürlich gern.

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Ein Wort zum…

„Ich bin. Ich wandle vor Dir her nach Galiläa. Drei von Euch werden mich schauen und es dennoch nicht glauben und nicht begreifen; denn sie verstehen noch nicht das Wirken der Gesetze meines Vaters und verwischen in ihrer Vorstellung Form und Auswirkungen der göttlichen Strahlungsvorgänge. […] Du wirst es ihnen allen mit tausend Worten erklären wollen, und sie werden es nicht verstehen und nicht glauben. Darum sage ihnen nur dieses:
‚Ich wandle vor Euch her nach Galiläa‘, sprach der Herr; denn Er ist auferstanden und hat es mir gesagt, daß ich es Euch künde!“

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