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Archive for the ‘Geistiges’ Category

Aber, höre ich Sie fassungslos stammeln, nachdem Sie mühsam die Sprache wiedergefunden haben, wie kann denn ein Mensch, ein Unternehmer noch dazu, ohne Handy leben? Heute, hier, in diesem unserem Lande? Ohne Religion, ohne Weltanschauung, ohne Ideale, kein Problem, aber ohne Handy?!!

(Stefan Leszko, „The Unavailable“, in: DEGA GaLaBau, 71.2017,3)

Jep, ganz meine Ansicht. Ich bin übrigens auch „unavailable“ und sehe wie Herr Leszko in erster Linie Vorteile darin.

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Bei der Vollkommenheit der Schöpfung als Werk Gottes ist der Zeugungsakt unbedingt notwendig; denn die Allweisheit des Schöpfers hat in der Schöpfung von Urbeginn an alles so eingerichtet, daß nichts zu viel oder überflüssig ist. Wer einen derartigen Gedanken hegt, sagt damit gleichzeitig, daß das Werk des Schöpfers nicht vollkommen sei. Dasselbe gilt dem, der behauptet, daß die Geburt Christi ohne normale vom Schöpfer der Menschheit vorgeschriebene Zeugung vor sich ging. Es muß eine normale Zeugung durch einen Menschen von Fleisch und Blut erfolgt sein! Auch in diesem Falle.
Jeder Mensch, der sich dessen richtig bewußt ist, preist den Schöpfer und Herrn damit mehr als solche, die andere Möglichkeiten zulassen wollen. Die ersteren setzen damit ein so unerschütterliches Vertrauen in die Vollkommenheit ihres Gottes, daß nach ihrer Überzeugung in den von ihm bedingten Gesetzen eine Ausnahme oder Veränderung überhaupt nicht möglich ist. Und
das ist der größere Glaube! Außerdem spricht ja auch alles andere Geschehen unbedingt dafür. Christus wurde Erdenmensch. Mit diesem Entschluß mußte er sich auch den zur grobstofflichen Fortpflanzung von Gott gewollten Gesetzen unterwerfen, da die Vollkommenheit Gottes dies bedingt. […]
Auch könnte man begründen, daß, wenn in
diesem Sinne bei Gott kein Ding unmöglich ist, er ebensogut hätte mit einem einzigen Willensakte alle Menschen der Erde gläubig machen können! Dann brauchte er nicht seinen Sohn mit der Menschwerdung dem irdischen Ungemache und dem Kreuzestode auszusetzen. Dieses gewaltige Opfer wäre erspart geblieben.
Daß es aber
so geschah, zeugt für die Unbeugsamkeit der von Anfang an laufenden göttlichen Gesetze in der Schöpfung, in die ein gewaltsamer Eingriff zu irgendeiner Änderung durch deren Vollkommenheit nicht möglich ist.
Daraufhin könnte von blind streithafter Seite wiederum hartnäckig entgegnet werden, daß es Gottes Wille war, wie es geschah. Das ist ganz richtig gesagt, aber durchaus kein Gegenbeweis, sondern in Wirklichkeit ein
Zugeben vorstehender Begründung, wenn man die naivere Auffassung wegfallen läßt und tieferer Erklärung folgt, die alle Aussprüche geistiger Art unbedingt verlangen.
Es war Gottes Wille! Das hat aber mit einer Willkür nichts zu tun, sondern es bedeutet im Gegenteil nichts anderes, als die Bestätigung der von Gott in die Schöpfung gelegten Gesetze, die seinen Willen tragen, und die damit verbundene unbedingte Einfügung in dieselben, die eine Ausnahme oder Umgehung nicht zulassen.
Gerade in der Erfüllungsnotwendigkeit zeigt und betätigt sich ja Gottes Wille. Sonst brauchte Jesus ja gar nicht erst von einem Erdenweibe geboren zu werden, sondern hätte einfach plötzlich da sein können.
Deshalb mußte sich auch Christus zur Ausführung seiner Mission unabwendbar allen Naturgesetzen, also dem Willen seines Vaters, unterwerfen. Daß Christus dies alles tat, beweist sein ganzes Leben. Die normale Geburt, das Wachstum, der auch bei ihm eintretende Hunger und die Ermüdung, die Leiden und zuletzt der Kreuzestod. Allem, dem ein irdischer Menschenkörper unterworfen ist, war auch er unterworfen. Warum soll nun einzig und allein die Zeugung anderer Art gewesen sein, wozu absolut keine Notwendigkeit vorlag. Gerade in der Natürlichkeit wird des Heilandes Aufgabe noch größer, durchaus nicht kleiner! Ebenso ist Maria deshalb nicht weniger begnadet gewesen in ihrer hohen Berufung.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Die unbefleckte Empfängnis und Geburt des Gottessohnes“)

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Unser letzter Tag führte zu den zwei möglichen Stätten des biblischen Emmaus. Abu Gosh ist berühmt für den teuersten Hummus der Welt; unser Guide zeigte uns das Restaurant, damit wir auf keinen Fall dorthin gingen.
Es folgten zwei weitere Kirchen, eine Kreuzfahrerkirche, in der die Gruppe das Abendmahl zelebrierte, während ich im Untergeschoß meine Andacht abhielt, und Unsere liebe Frau von der Bundeslade (klingt schräg, aber es gibt eine Symbolik dazu). Dann nach Latrun, mehr Ruinen, die aber von der Entfernung her wohl nicht Emmaus gewesen sind. An diesem Tag regnete es kräftig.

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Schließlich ging es zurück nach Tel Aviv, Abschied nehmen. Zwei aus der Gruppe blieben noch ein paar Tage, der Rest von uns stürzte sich in die vier Sicherheitschecks, die man bei Abflug durchläuft. Im Flieger saß ich völlig ungeplant neben einem Mitglied unserer Gruppe, und wir verbrachten die vier Stunden Flug mit interessanten Gesprächen über Glaube und Dinge zwischen Himmel und Erde.

Ich möchte hier mit einem Zitat Pater Nikodemus‘ schließen.

Offenbar ist es auch nicht das Privileg einer bestimmten Religion, Idioten in ihren Reihen zu haben. Es war sicher nie leichter als heute, Gründe zu finden, um Atheist zu werden, auch wenn ein Blick auf die großen zerstörerischen atheistischen Ideologien wie den Nationalsozialismus oder den Kommunismus zeigen, dass ein Zurückdrängen von Religion und eine Abkehr von Gott offenbar auch keine wasserdichte Friedensalternative ist.
Ich weigere mich vehement, diese Gewalttäter im Namen einer Religion als gläubige oder religiöse Menschen anzusehen. Es ist unfair, diese Leute mit den oben beschriebenen 5:00 Uhr-morgens-Betern in einen Topf zu schmeißen! Das sind für mich nämlich die wahren religiösen Menschen! Die Gewalttäter haben dagegen so viel mit Religion zu tun wie ein Hooligan mit dem Fußballspiel! Während ich meine 5:00 Uhr-Freunde – um im Bild zu bleiben – mit den wahren Fußballfans vergleichen möchte, die voller Begeisterung und Leidenschaft für das brennen, was auf dem Platz geschieht, so sind die Gewalttäter für mich Hooligans, die zwar rein äußerlich wie ein echter Fan gekleidet sind, aber doch nicht wirklich für die Sache leben, also für das, was auf dem Platz geschieht, sondern allein das stärkende Gruppengefühl suchen und dieses in Abgrenzung zu anderen auch mit Gewalt ausleben: Das Fußballspiel selbst ist dabei lediglich der Anlass, um sich zur „dritten Halbzeit“, der Gewalteskalation, zu treffen.
Deshalb schlage ich vor, diese Menschen „Hooligans der Religion“ zu nennen. Sie sehen einem echten Gläubigen sehr ähnlich, da sie sich äußerlich mit allen Accessoires eines Religiösen schmücken – darin ja nicht unähnlich den Hooligans im Stadion, die Fanbekleidung tragen –, doch im Gegensatz zu den Tiefgläubigen, die voller Begeisterung und Leidenschaft für Gott brennen, geht es den Religionshooligans um die identitätsstiftende Gruppenidentität, welche immer wieder bewusst die Abgrenzung zu den anderen Religionen sucht, gerne auch gewaltsam.

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Am Morgen hatte ich dann allerdings einen kräftigen Sonnenbrand und zog meine langärmlige Bluse mit Kragen an. Darunter sah man das Kreuz sowieso kaum. Ein Tuch darüber – Fall erledigt. Mit einem solchen Kompromiß kann ich leben. (Unter den Nazis trugen die Kreuzträger ihr Kreuz verdeckt, und viele machen es heute im Alltag auch so. Ich ja auch, wenn ich einen Rollkragenpulli anziehe.) Sollte es trotzdem jemand bemerken und bemängeln, würde ich eben umkehren.
Beim Frühstück erntete mein Entschluß eine gewisse Zustimmung. Es führte zu einem guten Gespräch über das Einstehen (oder nicht) für eigene Werte, gerade in der christlichen Kirche, die von einigen durchaus als zu nachgiebig empfunden wurde.

Interessanterweise schreibt die aktuelle Jüdische Rundschau, die sowieso wieder gut in Fahrt ist:

Bei einem Besuch des Tempelbergs in Jerusalem nahmen der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sowie sein katholischer Kollege Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz, ihre Brustkreuze ab, bevor sie den Tempelberg besuchten. Heinrich Bedford-Strohm rechtfertigt die Entscheidung mit diesen Worten: „Wir haben aus Respekt vor den Gastgebern gehandelt.“ Es handele sich „um eine Antwort auf den Wunsch der Gastgeber.“
Wie Bedford-Strohm vor Journalisten weiter sagte, trage er bei Moscheebesuchen sonst das Bischofskreuz: „Das halte ich für den Normalfall.“ Den eigenen Glauben im interreligiösen Dialog zu verleugnen, sei der verkehrte Weg. In dieser besonderen Situation in Jerusalem wäre es aber falsch gewesen, dem Wunsch der islamischen Gastgeber nicht nachzukommen, erklärte er.

Sehr geehrter Heinrich Bedford-Strohm,

da möchte ich ihnen [sic] vehement widersprechen. Gerade auf dem Tempelberg war es besonders falsch, das Kreuz abzunehmen, denn es gab da mal jemanden, der sagte, genau dieser Ort „soll ein Haus des Gebetes für alle Völker sein.“ Wissen Sie, wer das gesagt hat? Jesus! Kennen Sie den? Wenn nicht, schlagen Sie mal bei Markus 11,17 nach.
Wissen Sie auch, was dieser Jesus mit Leuten gemacht hat, die den Ort, an dem Sie Ihr Kreuz abgenommen haben, nicht als einen Ort des Gebets für alle behandelt haben. Schlagen Sie mal bei Johannes 2,15 nach. Jesus wurde erstaunlich ungemütlich:
„Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus.“
Ich gebe zu, Jesus war an dem Tag etwas hart drauf. Sonst war er nicht so gewalttätigt [sic]. Eins aber war Jesus recht konsequent: Er stand zu seinen Überzeugungen und er leugnete seinen Glauben nie. Er ließ sich weder in der Wüste noch vom Hohen Rat von seinem Glauben abbringen. Aber hey, wer war schon dieser Jesus, nicht wahr, Herr Bedford-Strohm?

Abgesehen von der Parallele zu Lynn Austins Fehlschluß (s. Teil 1) ist sicherlich was dran. Wie ein Mitreisender sagte: „Man stelle sich mal vor, wenn wir als Christen so etwas [=Verbot anderer Glaubenszeichen in Kirchen] versuchen würden. Was dann los wäre!“ De facto hatten aber auch mehrere die Bibel auf ihrem Smartphone dabei, was völlig unkontrollierbar ist. Über Sinn und Unsinn der Kontrollen läßt sich also streiten.
In jedem Fall berichtete unser Guide, daß auch die meisten Zionisten nicht vorhätten, den Tempel wieder aufzubauen und zu Brandopfern zurückzukehren. Verständlich, wenn man bedenkt, daß sie beim geringsten Versuch, am Felsendom nur zu kratzen, die gesamte islamische Welt in Waffen am Hals hätten… Andererseits existiert auf muslimischer Seite die Verschwörungstheorie, die archäologischen Ausgrabungen zu Füßen des Tempelberges dienten dazu, den Berg zu unterhöhlen und den Felsendom einstürzen zu lassen. Seufz!

Zuerst ging es aber zur Westmauer. Ich gestehe, seitdem ist mein Vertrauen in die israelische Sicherheit ein bißchen erschüttert. Bei der Taschenkontrolle schlug das Gerät an, wohl weil ich mein Kindle mitführte. Der Wachtuende bat mich, am Tisch zu warten. Allerdings war er allein, und die Massen strömten. Ich wartete also und wartete… und fragte schließlich nach, ob er meine Tasche noch kontrollieren wolle.
Pause. „Sind Sie damit durchgegangen?“
„Äh…nein? Sie sagten mir, ich solle hier warten.“
Pause. „Habe ich das?“ Pause. „Ich erinnere mich nicht.“
Seufz! Schnabeline war also offiziell freigegeben. Unser Guide hielt wieder einmal einen zwar interessanten, aber viel zu langen Vortrag, so daß ich schon mal vorging. Was sich an der Mauer sammelte, waren einige Betende und viele Fotographierende. Es machte mich fertig, dieses Verhalten, das man überall antraf: Selfies in heiligen Stätten. Sich in Pose schmeißen vor heiligen Stätten. Alltagsgespräche in heiligen Stätten.
Nebenan in der Männerabteilung wurde Bar Mitzvah gefeiert.

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Beim Felsendom vertat sich unser Guide leider, da Araber offenbar eine andere Sommer- und Winterzeit haben. Uns blieb etwa eine Viertelstunde, dann scheuchten die Aufpasser bereits. Nicht, daß das unsere träge Gruppe irgendwie gestört hätte. Schnabeline schämte sich wieder einmal fremd.
Daraufhin standen wir eine geschlagene halbe Stunde an der „Kleinen Klagemauer“, der Weiterführung der Westmauer. Diese Stelle ist halbwegs akzeptiert als Ort, an dem jüdische Männer und Frauen gemeinsam beten, und entsprechend stecken auch überall Gebetszettel in den Ritzen und Löchern. Dennoch ist der Ort ein besserer Hinterhof. Eine halbe Stunde muß man dort nicht bleiben. Ich war wieder einmal frustriert.
Danach war endlich Zeit zur freien Verfügung. Unser Guide wollte noch durch die Davidstadt, dort etwas zeigen und erklären; unser Pfarrer, der meinen Unmut wohl bemerkt hatte, bot mir an, mich auf dem direkten Wege zur Grabeskirche, dem Sammelpunkt, zu bringen. Über das Damaskustor ging ich dann zum Gartengrab, einer Alternativstelle für Golgatha und das Grab. Ob historisch korrekt oder nicht, zumindest bekommt man dort ein viel besseres Gefühl dafür, wie die Stätten zur Zeit Jesu ausgesehen haben. Die Anlage ist wunderschön und friedlich, und ich hätte mich noch lange dort aufhalten können. Leider wurde sie über Mittag geschlossen.

We continue to walk for another block or two up a small hill until we reach the entrance to a walled garden. This peaceful, tree-filled grove contains a first-century tomb in its original state and I find it much easier to visualize the biblical events here. Whether or not this is the authentic site doesn’t matter.
We walk to the rear of the garden to view the craggy, undeveloped cliff that is part of this hill and see that the weathered rocks bear the features of a skull. As we make our way to a secluded grove to celebrate Communion, I hear voices and singing. Groups of tourists from all over the world sit tucked in private grottos, celebrating Communion, as well. Their songs are in several languages – German, Korean, Italian, and others that I can’t identify. […]
I’m reluctant to leave the garden and reenter the world, but that’s exactly what we are supposed to do. „Don’t cling to me,“ Jesus told the women that Easter Sunday. „Go and tell the others“ (see John 20:17). The minute I stop outside the garden walls and see cars and buses and people streaming by, I am hurled back from the past and into the present.

„I see more groups coming“, sagte der Guide einer anderen Gruppe, als wir noch vor dem Abendmahlsaal saßen. Wir lachten, denn das war ein gutes Motto für die gesamte Reise. Von nun an wurde es immer wieder gern zitiert.
Abschluß war St. Peter in Gallicantu, einer der zwei möglichen Orte für das Haus des Kaiphas. Es ist dreigeschossig, da am Hang liegend. Die obere Kirche hatten wir quasi für uns, weil alle Gruppen gleich nach unten strömten. Die untere Kirche war voll mit Finnen, die eine Andacht abhielten, die lange dauerte. Im untersten Geschoß sind dann Ruinen, in denen früher möglicherweise abtrünnige Juden gefoltert wurden, um sie wieder auf den rechten Weg zu bringen. Immer eine überzeugende Methode, finde ich.

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Sonntag. Als Motto des Tages wurde mein Zettel gezogen, ein Zitat aus der Gralsbotschaft:

„Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“
Wäre diese Bitte denn nötig, wenn der Kreuzestod ein notwendiges Opfer zur Versöhnung sein sollte? „Sie wissen nicht, was sie tun!“ ist doch eine Anklage der schwersten Art. Ein deutlicher Hinweis, daß es falsch ist, was sie tun.

Ich hatte die letzten beiden Tage schon gezittert, daß es drankäme und damit viel zu früh sei. Aber hier paßte es. „Sehr philosophisch“, äußerte sich unsere Ex-Pfarrerin diplomatisch.

Die Gruppe teilte sich am Jaffator, je nachdem, welchen Gottesdienst sie besuchen wollten. Die Dormitio bot den katholischen, die Erlöserkirche den protestantischen Reisenden einen deutschsprachigen Dienst. Ich setzte mich auf der Zitadelle in den schönen Außenbereich und hielt meine eigene Andacht.

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Anschließend ging es ins Israel-Museum mit dem großen Modell der Stadt zur Zeit des zweiten Tempels. Endlich erkannte man etwas und konnte zuordnen, wo wir was gesehen hatten. Die ältesten Schriftrollen der Welt bewunderte besonders ich aus Berufsgründen und als Hebräisch-Lernende im Schrein des Buches (und wurde aufgefordert, die vokalisierte Rolle vorzulesen, scheiterte aber kläglich). Das Museum selbst hätte Stunden verschlungen; wir wählten die extrem abgespeckte Version und sahen nur an, was bibelwesentlich war. Innerhalb von zwanzig Minuten oder so waren wir durch. 🙂 Völlig unverständlich blieb mir die Begeisterung meiner Mitreisenden über den Kreuzigungsnagel mit noch vorhandenem Fersenknochen. Hier war ein Mensch auf fürchterliche Weise zu Tode gekommen. Jesus selbst, das Zentrum ihres Glaubens, war auf gleiche fürchterliche Weise zu Tode gekommen. Berührt das diese Leute nicht? Mich packte einfach nur das nackte Grauen.

Yad Vashem war bewußt der letzte Stop des Tages. Die Meinungen waren unterschiedlich. Wir hatten nur eine Stunde zur Verfügung – ich persönlich wäre gern länger geblieben, andere fanden es positiv, daß die Berührung somit stark beschränkt blieb. Es waren auffallend viele orthodoxe Juden dort, von denen ich angenommen hätte, daß sie es längst kennen.

Vor dem Abendessen stattete ich dem Hotelshop einen Besuch ab und verbrachte eine unterhaltsame Zeit dort mit Anproben (der Betreiber gab mir ständig die falschen Größen) und generellem Schnack. Alles ist „Made in Israel“ dort; von „Made in China“ hält der Betreiber so überhaupt nichts.

Beim Abendtreff fiel uns dann auf, daß das Hotel offenbar als respektabler Treffpunkt für heiratswillige junge orthodoxe Juden gilt. Überall saßen Pärchen einander züchtig gegenüber und beschnupperten sich wohl.

Mein größter Konflikt des Tages galt dem nächsten Morgen, namentlich dem Besuch auf dem Tempelberg. Es ist nicht erlaubt, irgendein Glaubenszeichen mit hinaufzunehmen, das nicht muslimisch ist. „Also Bibeln, Kreuze besser im Hotel lassen.“ Klingt soweit machbar; allerdings ist mein Kreuz nicht einfach ein Schmuckstück oder ein Zeichen meines Glaubens, es ist das äußerliche Zeichen des Bundes mit Gott. Wo sollte ich also Kompromisse schließen? Am Ende kam ich zu dem Entschluß, daß mir Gott doch erheblich wichtiger sei als ein paar Muslime da oben auf dem Berg. Wesentlich wichtiger auch als ein Bauwerk. Also würde ich ganz einfach nicht mit hinaufgehen.

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Von biblischen Zeiten merkt man in der Metropole so gut wie nichts mehr. Die Höhen sind überbaut, durch die Täler ziehen sich Schnellstraßen. Vielleicht kann ich es also meinen Mitreisenden nicht verargen, daß sie so wenig religiöse Andacht an „heiligen“ Orten zeigten, obwohl das permanente Alltagsgeschnabbel meine Empfindung trotzdem verletzte.

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Wir starteten auf dem touristisch überlaufenen Ölberg mit seinen Souvenirhändlern. Unser Guide hatte uns schon darauf vorbereitet, daß er ein wenig „mitspielen“ müsse, da die Araber ihn (auf Arabisch) aufforderten, uns zum Kaufen zu animieren und er sie ja nun häufiger sehe… Beliebter waren der Esel und das Kamel, die für Fotos und als Taxi zu Verfügung standen.

Den Ölberg ging es hinab zur Kirche Dominus flevit, die ich mir aufgrund der Touristenscharen ersparte. Der Garten war einer Andacht viel zuträglicher, mit seiner noch einigermaßen authentischen Landschaft aus Felsen und Olivenbäumen. Netterweise hatte ich ihn auch größtenteils für mich, weil eben alle in der Kirche waren und der nächste Schwung erst etwas später kam.
Am Ölberg lassen sich übrigens strenggläubige (und wohlhabende) Juden bestatten, weil im Jüngsten Gericht dort die Toten als erste auferstehen…

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Der Garten Getsemane ist heute kleiner als erwartet, denn – wie überraschend – auf einem Großteil steht eine Kirche. Auch hier ersparte ich sie mir und hielt statt dessen meine persönliche Andacht ab.
Am Fuß des Berges wartete das orthodoxe Mariengrab mit viel Weihrauch und Gold, aus dem ich gleich wieder floh.
Viel schöner die Kreuzfahrerkirche St. Anna mit ihrer wunderbaren Akustik, die unsere sangesfreudige Gruppe gleich wieder etwas zu exzessiv nutzte. Zum Glück vor dem professionellen Männerchor, der dann nachrückte und zeigte, was Singen ist. Herrliches Erlebnis! Eine wohl amerikanische Gruppe kam danach dran, beziehungsweise ihre Solistin, die sicherlich mit Mikrophon gut rüberkommt, aber deren Stimme viel zu dünn war, um hier zu wirken.
Anschließend zu den Ruinen am Teich Bethesda, wo Jesus am Sabbat einen Gelähmten heilte (inzwischen hatten wir eine ganz gute Vorstellung, warum die jüdischen Priester so sauer darüber waren – der Gelähmte durfte nämlich, da Sabbat, im Anschluß auch nicht seine Trage schleppen). Wieder einmal eine Predigt voll Allgemeinplätze. Noch vor Ort notierte ich mir:

„Dafür braucht man einen Pfarrer: Daß er mit seinen Auslegungen, Bezügen, Symbolen, modernen Deutungen im Weg steht zwischen Mensch und Gott.“

Es stellte sich später heraus, daß ich nicht die einzige war, die so empfand. Das Nicht-vertiefen-Können wurde durchaus kritisiert. Und ein protestantisches Mitglied der Gruppe erklärte, es fiele jetzt erst so richtig auf, wie wortlastig die evangelische Kirche sei.

Mittag gab es wie immer in einem arabischen Lokal, wo wir endlich die berühmte Limonade zu trinken bekamen. Trotz Bedenken, denn mehrere Reisende hatten inzwischen die gefürchteten gesundheitlichen Probleme des Nahen Ostens zu spüren bekommen, vermutlich durch das Leitungswasser, das es abends kostenlos gab.

Eigentlich sollte die Via Dolorosa schweigend zurückgelegt werden – nun ja, bei unserer Gruppe ein vergebliches Unterfangen. Mich nahmen zumindest die ersten Stationen doch sehr mit. Später, inmitten des arabischen Bazars, verlief sich das. Dank unseres Guides, der ja jeden kennt, konnte wir sogar offiziell Station 1 besuchen, die heute in einer arabischen Schule liegt, in direkter Nachbarschaft zum Felsendom. Im Innenhof, wurde uns berichtet, filmte Mel Gibson übrigens die Gerichtsszene seines Films Passion.
Die letzten fünf Stationen liegen innerhalb der Grabeskirche. Zunächst standen wir ahnungslos und friedlich in einem verlassenen Hinterhof und sahen Gerüste der wirklich notwendigen Renovierung, die derzeit stattfindet. Und dann ging es ins Innere.

We walk into the church through an arched doorway and enter an altogether different world. These holy places have been gilded and polished and adorned by thousands of years of Christian devotion until I feel as though I can hardly move forward through the glittering clutter. The trappings of ornate religion seem to weigh me down: gleaming silver and bronze, embroidered tapestries, sputtering candles, cloying incense, priests in flowing robes, marble statues. To say that it no longer resembles a place of execution or a graveyard is an understatement.
I wait in line to climb a short set of steps to where the cross supposedly stood, but once there, I can’t see past the gaudiness to imagine Christ’s passion. A man in a brown robe prods me and my fellow tourists to keep moving. I wait in line again to peer inside a square, stone monument, all that remains of the rocky hillside from which the borrowed tomb was hewn. Empty or not, it no longer resembles a tomb. I have to confess that since I don’t belong to the religious traditions represented in this church, I find it difficult to feel awe or amazement or any of the other emotions that I thought I would.

Unser Guide nannte diese Erfahrung später unser „Grabeskirchentrauma“. Von Andacht oder Heiligkeit keine Spur; alles, was man sah, waren Touristenmassen und Baugerüste. Wir blieben stecken, als vor dem heiligen Grab eine Feier stattfand und wegen Baumaßnahmen kein zweiter Weg frei war. Irgendwie schaffte unser Guide es dennoch, uns auf anderem Wege hinauszuführen; vor uns gab es fast eine Keilerei; ein orthodoxer Bischof mit Gefolge rückte an… „Keine zehn Pferde bringen mich da noch mal rein!“ erklärte ich, als wir endlich das Freie erreicht hatten. Denn Erklärungen mußten wegen Überfüllung und Zeitknappheit warten bis zu einem zweiten Besuch.

Auf dem Weg zur Dormitioabtei, wo ein Treffen mit den hiesigen Benediktinern anstand, beobachteten wir eine Szene, über die wir ein wenig rätselten. Eine Touristin fragte einen orthodoxen Juden nach dem Weg zur Westmauer, doch er ignorierte sie. Unfreundlichkeit? Oder Verbot?

In der Dormitio erwies sich, wie gut einige Mitreisende bereits „indoktriniert“ waren. Die Dormitio gehört zur Brotvermehrungskirche in Tabgha, und auch hier hatte es einen Brandanschlag gegeben sowie Schmierereien an den Außenmauern. Frage eines Mitreisenden: „Aber das waren die Juden, oder?“ Schnabeline stöhnte innerlich auf. Bruder Nathanael hielt es etwas differenzierter. In Tabgha habe man die Täter nicht gefaßt, aber die Vorfälle hier stammten von jüdischer Seite, ja. Die darauf folgende Frage, ob man seitens der israelischen Behörden Schikanen ausgesetzt sei, verneinte er entschieden. Natürlich wußte er nicht, welchen Hintergrund die Frage hatte, nämlich daß sich gerade besagter Frager ein wenig zu sehr ins Pro-Palästinensische hineingesteigert hatte. Das sind aber gerade die gleichen Personen, die, hätten wir einen israelischen Guide gehabt, zu 100% auf israelischer Seite gestanden hätten. Hinterfragen, abwägen ist das Geheimnis.
Bruder Nathanael jedenfalls schilderte, wie schockiert die Gemeinschaft gewesen sei. „Wir machen ja gar nichts, wir sind einfach nur hier. Und daß bewußt Menschenleben in Gefahr gebracht werden… das ist unverständlich.“
Pater Nikodemus schreibt in seinem Buch:

Uns allen hat geholfen, dass wir von einer unbeschreiblichen Welle der Solidarität und des Gebets getragen wurden: Juden, Christen, Muslime, Drusen und religiös weniger musikalische Menschen standen uns bei und haben auf vielfältige Weise an unserem Schicksal Anteil genommen. Da ist der Mann aus der Nachbarschaft, der fünf Brote und zwei Fische als Stärkung für Leib und Seele vorbeibrachte. Da sind die einheimischen Christen, die ein eigenes Solidaritäts-T-Shirt drucken ließen mit der Aufschrift „Angesichts des Feuers bezeugen wir das Licht“. Und da ist die Gruppe von Rabbinern, die eine eigene Crowdfunding-Kampagne unter orthodoxen Juden für den Wiederaufbau unseres Klosters initiiert haben, um nur drei Beispiele zu nennen. Die Täter haben Hass und Zerstörung gesät, doch die Ernte in diesen Tagen war unbeschreibliche Solidarität von vielen, vielen Menschen, auch von jenen, bei denen wir es nicht immer erwartet hätten.

Und um nun auf Lifegate zurückzukommen: Unser Guide erzählte, daß Zionisten aktiv Häuser im arabischen Teil der Stadt aufkauften und dann dort provokativ die israelische Flagge aushängten. (Wir sahen Beispiele davon.) Ich hätte ja Angst um meine Fenster, aber bitte. Auf die Frage, warum die Araber ihre Häuser an Israelis verkauften, ging er auf die vorherrschende Mentalität ein. Das Gemeinschaftsgefühl, in diesem Fall der Staatsgedanke, sei ganz einfach nicht verbreitet. Den Eigentümern ginge es in erster Linie darum, gutes Geld für ihre Häuser zu bekommen, damit sie irgendwo, wo es ruhiger sei, mit ihren Familien leben könnten.

Abends hielt unsere mitreisende Pfarrerin a.D. einen spannenden Vortrag über die Legende der Heiligen Veronika. (Ihren ersten in Tiberias hatte ich wegen extremem Totseins geschwänzt.) Symbole waren immer ihr Ding; alles in der Bibel ist im Grunde genommen nur symbolisch gemeint. Ich fragte mich, warum sie eigentlich Christin sei und wann sie so weit sei zu sagen, auch Gott sei nur symbolisch gemeint. An diesem Abend sagte sie etwas, das eine schöne Antwort darauf war, nämlich nach einem Disput mit einer Katholikin, der der symbolische Hintergrund ziemlich wurscht war. (Eine der wenigen Mitreisenden, bei denen ich eine spirituelle Ader wahrnahm.) „Nun ja“, gab unsere gewesene Pfarrerin zu, „Theologie verdirbt jede Art des Glaubens.“

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Es blieb heiß!

Und meine Dauerfrage blieb auch hier, ob meine Mitreisenden meinten, mit einem dahergesagten Gebet und einer Predigt sei dem Glauben Genüge getan?

Durch das Jordantal, ein ödes Niemandsland, ging es zur Taufstelle. Über Jordaniens wichtige Rolle als Vermittler hatten wir schon einiges erfahren; im Westen ist das so gut wie unbekannt.
Der Jordan ist nach europäischen Maßstäben ein besserer Bach. Viele Christen erneuern hier im Jordanwasser ihre Taufe; es gibt dafür extra Taufgewänder und Duschen für hinterher. Vorherrschend sind vor allem die Fliegen, die man nicht los wird, aber auch nie erwischt, wenn sie erschlagen möchte. Die Gruppe hielt Andacht, ich saß wie immer ein Stück entfernt und hielt sie auf meine Art.

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Weiter zu den Ruinen von Jericho, die bisher so gar keine Bestätigung der biblischen Ereignisse herausrücken. Mit der Seilbahn schwebten wir dann hinauf zur Station unterhalb des orthodoxen Versuchungsklosters, wo ich mich wieder einmal fremdschämen mußte über die sangesfreudige Gruppe.
Dummerweise hatte unser Guide nicht das Schild gesehen, daß eine einstündige Mittagspause der Bahn von halb eins bis halb zwei verkündete – Freitagsgebet der Muslime. Wir waren also unter Zeitdruck auf dem Berg gestrandet. Nun konnte er immerhin die Betreiber dazu bewegen, unsere Gruppe als erstes nach unten zu befördern… aber wie üblich dauerte es ewig, bis sich die Masse überhaupt dazu aufschwang, mal das Lokal zu verlassen. Schnabeline schämte sich in Grund und Boden.

Qumran versprach spannend zu werden; leider kam zuerst das Mittagessen im angeschlossenen Selbstbedienungsrestaurant, das a) völlig überlaufen und b) dreckig war. Uns schauderte. In brütender Hitze schritten wir dann über das Ruinenfeld und schafften es, recht gut zwischen den Touristenströmen zu navigieren.

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Der beste Programmpunkt war dann das Tote Meer! Obwohl die Umweltschützerin in mir natürlich entsetzt ist über das Verschwinden dieses Binnenmeeres, dessen Ausmaße noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts unser Guide uns zeigte – es liegen kilometerweite Flächen dazwischen! Im Wasser hätte ich stundenlang bleiben können. Nur waren die meisten anderen offenbar keine solche Wasserratten wie ich, und ich wollte ihnen nicht zumuten, drei Stunden später nach mir suchen zu müssen, während ich selig auf den Wogen dahintrieb… also zwang ich mir Zurückhaltung auf. Was einem übrigens keiner erzählt: Man merkt trotz Nichtuntergehens sehr schnell, daß man die Bauchmuskeln mehr trainieren sollte!

Nun ging es hinauf nach Jerusalem, das wir am Anfang der Reise schon durchfahren hatten; denn Betlehem und Jerusalem sind inzwischen fast zusammengewachsen.
Unser Hotel war ein streng jüdisches, das sogar das Zertifikat für koscheres Essen bekommen hat und einen eigenen Shabbat-Aufzug besitzt (da ganz strenggläubige Juden am Shabbat keinen Knopf drücken dürfen). Jetzt, am Freitagabend, war es voll mit feiernden Juden. Beim Essen hatte ich einen Blick auf eine feiernde Familie, und unser Guide erläuterte mir, was dort geschah. Die drei Söhne oder Schwiegersöhne waren keine praktizierenden Juden, denn sie hatten keine Kippah dabei; zwei legten sich schnell noch eine Serviette auf den Kopf, während der Patriarch der Familie den Wein segnete. Der dritte im Bunde jedoch verweigerte sich komplett. Man beobachtete also einen klassischen Generationenkonflikt; die Familie spielte mehr oder weniger mit, weil es Papa ja nun mal wichtig war…

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Am See Genezaret ist die Gegend fruchtbar und üppig, aber durch die hohe Luftfeuchtigkeit auch heiß und schwül. In den beiden Tagen, die wir dort verbrachten, hatte ich oft das Gefühl, jeden Moment einen Hitzschlag zu erleiden. Ich litt.

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Am Berg der Seligpreisungen gab’s natürlich erst mal wieder eine Predigt mit abschließender Aufforderung, einander brüder- und schwesterlich „Friede sei mit dir!“ zu wünschen und einander zu umarmen. Mir stellten sich alle Haare auf. Das war nun so weit außerhalb meiner Komfortzone wie es überhaupt nur geht. Leider entkam ich den ja durchaus wohlmeinenden Mitreisenden nicht. Die Kirche war zum Glück schlicht, aber überlaufen, von einem sehr internationalen Publikum. Die seltsamste Begegnung war mit einer völlig fremden Touristin, die, wie ich glaubte, wollte, daß ich sie fotographiere. Erst als sie hartnäckig ihr Smartphone in der Hand behielt und „Smile!“ sagte, wurde mir klar, daß sie Fotos von uns beiden machte. Wahrscheinlich sind sie inzwischen als „Ich und meine neue Freundin“ im Netz zu finden.
Die angekündigte kleine „Wanderung“ hinunter nach Tabgha entpuppte sich als leichter Spaziergang, der schweigend zurückgelegt wurde und mir schon allein dadurch sehr gefiel. Bisher hatte ich herzlich wenig christliche Vertiefung gefunden in unserer Gruppe, die Kirchen hauptsächlich zum Knipsen und Quasseln benutzte.

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Von der Hitze halbtot, schleppte ich mich vor der Brotvermehrungskirche in den Schatten und ließ mich auf einem Steinbecken nieder. Stellte sich heraus, daß das ein historisches Taufbecken war und sich die Touristen drängten. Die ironischste Situation der Reise folgte, als unser Guide ausgerechnet hier begann, die Gruppe in die Bibelvorlesungen einzubeziehen und ausgerechnet bei mir den Anfang machte. „Möchten Sie die Stelle vorlesen?“ – „Öhm… nein…?“ – „Gut. Sie fangen hier an, bis hier.“ Ich hasse rhetorische Fragen!
So kam es, daß die einzige Nichtchristin der Gruppe die erste Bibelstelle vorlas, von der Vermehrung des Brotes und der Fische, die ich sowieso ganz anders verstehe als Otto Normalchrist.
Weiterhin knapp an der Grenze zum Hitzschlag schleppte ich mich nach der obligatorischen Kirchenbesichtigung (es hatte im Jahr zuvor einen Brandanschlag gegeben, und Renovierungsarbeiten waren in vollem Gange) weiter zur Primatskapelle, wo angeblich Petrus beauftragt wurde, die Schafe zu weiden. Sie liegt direkt am See, das gefiel. Ebenso der junge orthodoxe Priester mit Sonnenhut.

Kafarnaum war auch nicht gerade kühler. Ich litt vor mich hin. Am Geländer zur Kirche über Petri Haus lehnend, stand ich einer jungen Touristin im Weg, die auf ihre Weise litt. „I’m a little bit afraid of heights“, gestand sie, sich ans Geländer anklammernd. Dabei ist die Höhe wirklich ein Witz, also muß es sie wirklich schlimm erwischt haben.
Mittagessen gab es im Deutschen Pilgerhaus mit seiner schönen Gartenanlage.

*Das* nenne ich einen Gummibaum!
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Anschließend fuhren wir nach Migdal, genauer gesagt zu den Ruinen Magdalas. Dort ist die neue Kirche Duc In Altum erbaut worden, mit ihrer Säulenvorhalle, die den Frauen im Kreise Jesu gewidmet ist, und dem Altar in Form eines Fischerbootes.
Den Abschluß des „aktiven“ Teiles des Tages bildete eine Bootsfahrt auf dem See Genezaret, die eindrucksvoller gewesen wäre, hätte man auf das Vorlesen der dazugehörigen Bibelstellen verzichtet. Übrigens grenzen die Golanhöhen direkt an den See.

Den ganzen Tag über (wahrscheinlich durch teilweises Mithören) sprachen mich verschiedene Leute der Gruppe bezüglich der Gralsbotschaft und -bewegung an. Inzwischen waren wir ja auch vertrauter miteinander, so daß Glaubensfragen nicht mehr zurückgehalten wurden. Ich hoffe, ich konnte vermitteln (wie auch im Laufe der kommenden Tage), daß Bekenner der Gralsbotschaft weder Atheisten noch Wagner-Anhänger noch Sektierer sind. 🙂

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So ganz hatte sich der Gedanke immer noch nicht gefestigt, daß wir hier waren. Jeder erlebte immer noch so einen Moment des: „Ist das wirklich real?“

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Es ging zum Berg Garizim, dem Heiligtum der Samaritaner. Unterwegs hielten wir in einem Örtchen, weil unser Fahrer uns Baklava ausgeben wollte! In der Bäckerei hatte man aber noch gar nicht angefangen, so daß wir eine ganze Weile einfach dasaßen und das Straßenleben beobachteten, mit Ladenbesitzern in Kaftanen und Eseln und Kühen, die in Garagen angebunden waren. Sehr übel ist in den palästinensischen Gebieten übrigens der allgegenwärtige Müll. Alle Hänge, alle Straßenränder, alle Grundstücke liegen voll mit Müll. Später schlug eine Mitreisende vor, daß die israelische Regierung, wenn sie schon so viele Vorschriften und Verbote erlasse, doch die Plastikflaschen verbieten und damit wenigstens etwas Gutes tun solle.

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Schließlich kehrte unser Fahrer triumphierend mit frischer, warmer Baklava zurück, und die Reise ging weiter. Auf dem Garizim war außer uns niemand, und wir erfuhren eine Menge über die Geschichte der Samaritaner und woher eigentlich der in der Bibel erwähnte Konflikt mit den Juden stammte. Daraufhin ging’s hinunter nach Nablus zum Jakobsbrunnen und dessen orthodoxen Hüter, dessen Sarkophag schon zu Lebenszeiten neben dem Eingang der Kirche steht. Der berühmte Jakobsbrunnen, Stelle der Begegnung zwischen Jesus und der Frau von Samaria, ist kleiner als vermutet, dafür aber stolze 40 Meter tief. Wir tranken von seinem Wasser… und hielten natürlich eine Andacht ab, komplett mit Predigt, Gebet, Gesang, noch mehr Gebet und Gesang. Die nächste Gruppe drängte sich *lange* wartend auf der Treppe, und ich fing an, mich fremdzuschämen.

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Bei den Ruinen oberhalb Samarias kehrten wir ein, in einem patriotischen Lokal mit Tischdecken in den palästinensischen Farben. Vorher stiefelten wir durch die Ruinen und hörten die Geschichte vom Kampf um die Flagge. Da der Ort ganz oder teilweise unter israelischer Verwaltung steht und gegenüber eine illegale Siedlung entstanden ist, ist es eine Art Volkssport geworden, nachts auf den Hügel bei den Ruinen zu steigen, die palästinensische Flagge zu hissen und ein paar Reifen anzuzünden, damit man’s von der Siedlung jenseits des Tales auch sehen kann. Daraufhin rückt das israelische Militär an, räumt die Flagge ab, und irgendwann geht’s von vorne los. Zu unserem Besuch wehte die Flagge noch; wahrscheinlich wegen des gerade stattgefundenen Laubhüttenfestes.
In Samaria lebt eine einzige Christenfamilie.
Während des Essens führten wir ein Gespräch, das aus westlicher Sicht irgendwie seltsam wirkte: Wir verspürten wenig Bedrohungsstimmung, weil wir in Palästina seien! 🙂 (Soll heißen: Warum sollten die Extremisten im eigenen Land zuschlagen?)

Übrigens ist das Heilige Land so international, daß man problemlos mit Shekel, Euros und Dollars bezahlen kann und manchmal auch Wechselgeld in einer anderen Währung als der, in der man bezahlt hat, zurückbekommt.

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Nach Jenin gerieten wir dann zum ersten und einzigen Mal in einen „richtigen“ Checkpoint mit Aussteigen und Paßkontrolle. Da man aber wie gesagt an Touristen gewohnt ist, waren wir wohl relativ unverdächtig. Auffällig ist, daß alle Soldaten, die uns begegneten, sehr jung waren, ebenso das Personal am Flughafen. Und wer an diesem Checkpoint herausgezogen wurde, waren ebenfalls hauptsächlich junge Leute. Unser Guide wußte andererseits aber auch von den täglichen kleinen Schikanen zu erzählen, denen man als grenzübertretender Araber ausgesetzt ist (viele arbeiten im israelischen Gebiet).
Ich hätte mir im Laufe der Reise gern Gespräche mit Israelis gewünscht. Unser Guide war alles andere als ein Agitator, er hielt seine Schilderungen relativ neutral und in keiner Weise propagandistisch, aber natürlich kennt er nur die palästinensische Sicht. Es baute sich also ganz automatisch eine pro-palästinensische Stimmung unter vielen Mitgliedern der Gruppe auf. Aber jede Situation hat mindestens zwei Seiten.

Our bus has traveled through military checkpoints manned by unsmiling, well-armed soldiers. We’ve seen barbed wire security fences and protective walls and signs that warn about the danger of buried land mines. We have passed through metal detectors on our way into restaurants and shopping malls and had our purses and backpacks searched. And it is commonplace to see teenage Israeli soldiers munching French fries at McDonald’s with rifles strapped to their backs. Yes, Israel is very much aware of her enemies.

So Lynn Austins Sicht, die wiederum einen israelischen Guide hatte. „Das kommt darauf an, wen man fragt“, sagte unser Guide einmal, als wir über diese erwähnten „protective walls“ sprachen, die sich quer durch das Land ziehen und in dem deutschen Betrachter unangenehme Assoziationen mit einer anderen Mauer erwecken (auch so’n Schutzwall, je nachdem, wen man damals fragte).

Es ging weiter nach Nazaret, zur Verkündigungskirche und Josefkirche, die weitere biblische Orte symbolisierten (Kichern und Kopfschütteln herrschte selbst in unserer christlichen Gruppe vor). Ich fing gezielt an, mich abzusetzen, wenn Predigtrunden und zu lange historische Vorträge anstanden und/oder die Gruppe wieder einmal Ewigkeiten brauchte, um in die Pötte zu kommen. Durch die Altstadt mit ihrem traurigen, toten Bazarbereich ging’s zur Gabrielskirche und dem Nazarener Brunnen zu Jesu Zeiten.

Schließlich fuhren wir nach Tiberias am See Genezaret.

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„Was ist das?“ fragte ich mich verschlafen, als mich ein enthusiastischer Sänger um fünf Uhr morgens aus dem Schlummer riß. Bis mir klar wurde: Wir sind in Palästina. Und es wird zum Gebet gerufen. Die komische Sache ist, daß man hierzulande mit einer gewissen Haltung derlei Religionsausübung gegenübersteht. Das mag von Skepsis bis Bauchgrimmen oder schlimmerem gehen. „Vor Ort“ jedoch paßte es ganz einfach, fügte sich ein, und ich stellte fest, daß dieser spezielle Muezzin wirklich schön sang/rief. (Ich habe später schlechtere gehört.) Vor allem auch ausdauernd: Es dauerte bestimmt eine halbe Stunde.
Mit dem Schlaf war es dennoch trotz weit nach mitternächtlichem Ins-Bett-Gehen vorbei.

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Unsere ersten Stationen der Reise waren das Herodeion und die Hirtenfelder sowie auf Wunsch „Beit Sahour Souvenir Store Co.“ in Bet Sahour, das berühmt ist für seine Olivenholzschnitzereien. Wenn ich mich richtig erinnere, ist Bet Sahour auch sozusagen das christliche Zentrum Palästinas, die einzige Ortschaft, in der Christen in der Mehrheit sind. Im Laden wurden wir mit süßem Tee bewirtet, wir konnten handeln (guter Tipp unseres Guides!), es gab sogar deutschsprachige Angestellte, und so kaufte fast jeder zumindest eine Kleinigkeit für die Lieben zu Hause.

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Weiter ging’s nach Betlehem, wo wir erst einmal Mittagspause einlegten, natürlich in einem echt arabischen Lokal. Noch recht überwältigt saßen wir an der langen Tafel mit vielen kleinen Gerichten und stellten fest, wie bizarr es irgendwie sei, daß wir jetzt hier in Betlehem bei Hummus und Fladenbrot und Kardamonkaffee saßen, als wär’s das normalste der Welt.

A propos, weil die Frage ständig auftauchte und noch auftaucht: Ja, ernährungstechnisch war die Reise ins Heilige Land die einfachste, die ich als Vegetarierin je gemacht habe!

Weiter ging’s mit dem Programm in die Geburtskirche, unserer ersten Begegnung mit den Touristenhotspots. Alles in allem hatten wir wunderbares Timing und entgingen den Massen größtenteils, aber es gibt Punkte, an denen funktioniert es ganz einfach nicht. Die Geburtsgrotte unterhalb der Kirche ist einer davon. Ich floh. Von Andacht keine Spur! A propos Andacht, dies war auch der erste Tag, an dem ich mit dem konfessionellen Bereich der Reise konfrontiert wurde, besonders in der benachbarten Katharinenkirche (Hieronymus und Paula, die mir nichts sagten, aber einen kleinen Fankreis in der Gruppe hatten). Hier wurde zum ersten Mal eine Andacht oder was man in Kirchenkreisen so bezeichnen mag abgehalten. Ich fühlte mich schon sehr fremd.

Zum Abschluß des Tages stand ein Besuch bei Lifegate an, einer Einrichtung schwerpunktmäßig für behinderte palästinensische Kinder und deren Eltern – denn, wie der deutsche Leiter uns erklärte, die Familie wird unbedingt in die Arbeit mit einbezogen. Hier hat man auf jahrzehntelange Erfahrung im Westen zurückgegriffen, als das System der Heime langsam abgelöst wurde vom Verbleib in der Familie. Die Geburtenquote behinderter Kinder ist übrigens steigend, da seit Generationen in einer Großfamilie untereinander geheiratet wird. Die Arbeit ist natürlich nicht einfach, zumal, wie wir erfuhren, die Idee der Nächstenliebe als solche in der arabischen Gesellschaft nicht vorhanden ist. Die Familie ist das einzige, das zählt. Wir sollten diesem Phänomen, auf Staatsform übertragen, viel später noch einmal in Jerusalem begegnen. Als solches gibt es kein soziales Netz, keine finanzielle Unterstützung für Behinderte. Lifegate erfüllt hier eine wichtige, wenn auch herausfordernde Rolle. Während die Probleme in West und Ost andere sind (wir sprachen später auch viel mit unserem Guide darüber), gab man uns doch Worte der Erfahrung mit auf den Weg: „Respekt muß auch eingefordert werden.“ Nimmt man beispielsweise als Christ die Einladung an, eine Moschee zu besuchen, so muß man auch darauf bestehen, daß die einladenden Muslime im Gegenzug eine Kirche besuchen. Toleranz darf nicht einseitig verbleiben, wenn man Werte vertritt. Das Vorleben, Für-etwas-Stehen ist ein wesentlicher Punkt, um respektiert zu werden. Lifegate und seine christlichen Betreiber jedenfalls werden vor Ort respektiert.

Meine Erfahrung war: Sobald ein afghanischer Muslim das Gefühl hat, sein Gesprächspartner sei ungläubig, hat er absolut keine Achtung mehr vor ihm. Solange mein Gesprächspartner aber spürt, ich habe selbst einen Glauben, egal welchen, dann wird das akzeptiert, auch wenn man sich als Christ zu erkennen gibt. Damit bin ich zwar nach seiner Auffassung nicht rechtgläubig, aber immerhin auch nicht ungläubig.
Was ein Muslim hingegen gar nicht verstehen kann, ist, dass jemand an überhaupt nichts glaubt. Die Hauptsache für einen gläubigen Muslim ist, man hat einen Gott, dem man sich verbunden fühlt.
(Bruder Longinus Beha: Ab morgen Mönch)

Der Tag beschloß nach dem Abendessen mit einer Kennenlernrunde, in der ich mich als Nichtchristin outete, und Predigt, Gebet, Gesang. Schon an diesem zweiten Abend notierte ich mir: „Es bleibt festzuhalten, daß der religiöse/konfessionelle Bereich der Reise doch sehr fremd ist – Katholiken/Protestanten samt unterschiedlicher Bibelübersetzung, Gesänge, Bibel, Pilgerberichte.“

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