Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Geistiges’ Category

Ein Wort zum…

Maria Magdalena ging leise betend zu dem Grab und trug einen Korb mit Blumen, unter denen sie Tiegel mit köstlichem Balsam verborgen hatte. Damit wollte sie den Körper des Herrn nach der Sitte der Juden zu langem Schlaf bereiten.
Als sie an das Grab kam, umfing sie eine große Kraft. Ihr war, als träte sie über sich selbst hinaus und schaute alles: die noch nächtlichgrauen Nebel der Ebene, die leise aufglühenden Hügelketten und die dichten Gärten, die sich in weitem Bogen über die Höhen zogen, in weißem, überirdischem Glanze.
Maria Magdalenas Fuß stockte; sie stand an der Wölbung des Felsengrabes, an dessen beiden Seiten ein lichter Glanz erstrahlte. Geblendet war ihr Auge; doch sie vermochte mit der Kraft, die ihr gegeben war, den Glanz zu ertragen.
In dem hellen Lichte wurden Gestalten sichtbar, die sich immer deutlicher hervorhoben, je weniger Magdalena sich vor dem Außerordentlichen ihrer Wahrnehmung fürchtete.
Sie nahmen so deutliche Form an, daß sie ihr wie irdische Körper erschienen, und dennoch waren sie durchsichtig und leuchteten in silbernem Schimmer.
„Fürchte Dich nicht!“ so sagte eine der Gestalten, „und höre, was wir Dir sagen: Jesus, der Sohn Gottes, ist auferstanden mit seinem Göttlichen Teile, der in Ihm war. Er wird noch vierzig Tage bei Euch weilen und unter Euch wandeln. Ihr werdet Ihn erkennen hier und da und von Seiner Kraft empfangen zum Segen der Nachschöpfung. Sein Leib aber wird bewahrt zum Zeugnis für das Gericht, das nun unabwendbar über die Schöpfung kommen muß, und für die Zeit des Menschensohnes hier auf Erden.“
Wie wenn ein Meißel die Worte in Stein grübe, so gruben sich die Worte auf Ewigkeit in den Geist Maria Magdalenas ein. Ihr Geist nahm sie auf, verstand sie und bewahrte sie. Ihr Mund aber sprach zu den Frauen, die ihr leise nachgefolgt waren:
„Seht, als ich kam, da fand ich den Stein weggenommen, und zwei leuchtende Gestalten waren im Innern des Grabes. Laßt uns zu den Jüngern gehen und es ihnen sagen, daß wir das Grab leer fanden.“
Als sie aber, bebend und schluchzend vor Erregung, auf dem Wege zurückgingen und das Rosenrot der Sonne die feinen Nebel färbte, da erschien aus der Wolkenschicht, die über die Hügel zog, vor Maria Magdalena eine Gestalt. Ein leuchtendes Angesicht, verklärt von dem Weißlicht Gottes, blickte sie an. Hände streckten sich ihr entgegen, wie gehoben zum Segen, darin glühten die Male der Nägel gleich Rubin, und die Stimme des Herrn sprach mit dem schwingenden Glanze und der Weichheit des Tones, die nur ihr eigen war:
„Rühre mich nicht an, Maria! Du würdest die Kraft nicht ertragen. Ich bin’s! Gehe hin und sage es meinen Jüngern.“

(Verwehte Zeit erwacht I)

Read Full Post »

Am 18. April erschien Eva Hermans neues Buch Blutgericht Europa. Da ich’s mir fürs Kindle vorbestellt hatte, konnte ich gleich morgens im Zug loslesen – schon eine dolle Sache! Ich saß dann abends über einer Rezension, die mich einiges Nachdenken kostete. Was es zu diesem Buch zu sagen gibt, ist einfach zu viel, um es in eine Besprechung zu packen. Wissend, daß es vor allem die Herman-Fans (und vermutlich die Autorin selbst – ich linse ja auch immer mal wieder nach neuen Rezensionen meiner Bücher) sein würden, die draufschauten, entschied ich mich für die abgespeckte Variante, die allerdings schon recht lang wurde, um gleich zum Kern der Sache zu kommen.
Morgens erwartete ich fast schon wütende Kommentare, aber nein – es gab immerhin drei „Personen, die diese Rezension hilfreich fanden“. Hilfreich glaube ich dann doch nicht; inzwischen gilt dieser Button ja eher als „Like“. Aber wie gesagt: Dafür, daß ich den Text erst um 23 Uhr abschickte und um neun Uhr morgens nachsah, ist die Reaktion ganz gut. (Zum Zeitpunkt des Schreibens. Kann inzwischen ja längst ganz anders aussehen.) Ulkig hingegen: Mehrere von Hermans früheren Büchern haben bis heute keine Bewertung. Sobald ich eine Drei-Sterne-Rezension veröffentliche, kommt prompt innerhalb von zehn Stunden eine andere nach, die den Schnitt nach oben zieht. Menschen. 🙂

Wie es mir nun immer so geht, kamen im Nachhinein noch einige Einfälle, was ich außerdem hätte schreiben können. Der Geist des Treppenhauses. Aber wozu hat man ein Blog? Im folgenden also der etwas veränderte Text der Rezension plus Zusatzgedanken.

Eva Herman befaßt sich in Blutgericht Europa mit nichts Geringerem als dem Völkerschicksal Deutschlands und dem Untergang des Abendlandes. Gerade letzterer ist ein Standardthema der Wissensmanufaktur – „Wird allmählich Zeit. Andreas Popp kündigt ihn seit fast zehn Jahren an“, um einen Facebook-Kommentator zu paraphrasieren. Da will ich mal einen Schritt weitergehen und erwähnen, daß die Kreuzträger ihn bereits zu Lebzeiten Abd-ru-shins jeden Tag erwarteten, und das ist immerhin über siebzig Jahre her. Ich bin also extrem vorsichtig mit solchen Vorhersagen; das kann ganz entspannt noch weitere siebzig Jahre so weitergehen.
Über Völkerkarma nun kann man sehr lange diskutieren. Gerade das deutsche hat natürlich viel auf dem Buckel, und mehr, als man gemeinhin glaubt. Ich zitiere mal einen längeren Text aus Abd-ru-shin und die Botschaft aus dem Gral.

Am 6. Dezembers 1941, nachmittags, schied Abd-ru-shin (Oskar Ernst Bernhardt) von dieser Erde. Siegfried Hagl beschreibt die welthistorische Situation dieses Zeitpunktes.

Europa Anfang Dezember 1941: Der Zweite Weltkrieg hat in der Form des „europäischen Krieges“ einen ersten Höhepunkt erreicht. Zwei Jahre lang waren deutsche Truppen von Sieg zu Sieg geeilt. Sie hatten das neue Schlagwort „Blitzkrieg“ nicht nur in die deutsche, sondern sogar in die englische Sprache eingebracht, und ihr Angriffsgeist und ihre Schlagkraft schienen nie zu erlahmen; die deutschen Armeen hatten sich bisher in allen Fällen als unüberwindlich erwiesen.

Ein Blick auf die Landkarte mußte das belegen:

Deutsche Soldaten hatten ab September 1939 zuerst Polen überrannt, dann Dänemark, Norwegen, Holland, Belgien und Frankreich erobert und England gefährlich bedroht. 1941 folgten Eroberungen von Jugoslawien, Griechenland sowie Kreta, und schließlich der Angriff auf Rußland. In den ersten Dezembertagen des Jahres 1941 stehen die deutschen Truppen am Nordkap wie in der Biskaya. Das Afrikakorps belagert Tobruk. An der Ostfront ist die alte russische Hauptstadt Kiew längst erobert, Leningrad eingekesselt und Moskau in Sichtweite; der russische Widerstand gilt nach offiziellen Meldungen seit Anfang Oktober als gebrochen und damit der Krieg im Osten als entschieden. In Deutschland glaubt man den Bolschewismus erledigt und will mit Hilfe der Rohstoffquellen der eroberten Teile der westlichen Sowjetunion den noch verbleibenden Kriegsgegner – England – in Kürze niederringen.

So die Beurteilung der militärischen Lage, nicht nur aus der Sicht der nationalsozialistischen Propaganda. Selbst maßgebliche militärische Stellen westlicher Staaten sehen die Situation nicht viel anders, und sogar der zähe Winston Churchill weiß, daß es schwierig sein wird, die Deutschen in Nordafrika aufzuhalten, den Suezkanal zu sichern und die nach einem siegreich beendeten Rußlandfeldzug zu erwartende Invasion gegen England abzuwehren.

Fast alle unterschätzen die Probleme der deutschen Armee. Tatsächlich sind die Kräfte der deutschen Kampfverbände aufs äußerste angespannt. Das zu kontrollierende Gebiet ist viel zu groß, die Truppen sind zersplittert und die Nachschubwege zu den weit auseinandergezogenen Fronten zu lang. Überdies gefährden im Mittelmeer englische Luft- und Seestreitkräfte die Nachschublinien, die im Osten unter schlechten Straßen, Eisenbahnen mit Breitspur, extremer Witterung und Partisanentätigkeit leiden. Solche Gefahren beachten allerdings auf deutscher Seite nur wenige „Schwarzseher“. Die Mehrzahl – auch der gut informierten Verantwortlichen – läßt sich von den nicht abreißenden Erfolgsserien blenden und glaubt den Sieg schon in der Hand zu halten.

In der Euphorie der ersten Kriegsjahre wurde leider oft auch vergessen oder verdrängt, daß es sich um einen von Hitler leichtfertig und mutwillig begonnenen Krieg handelte. Hitler wollte – wie schon in „Mein Kampf“ angekündigt – „Raum für die deutschen Bauern“ im Osten schaffen, und zwar ohne Rücksicht auf die dort lebenden Menschen. Diese wurden als „minderwertig“ abqualifiziert, damit man sie zurückdrängen oder – wie im Falle der Juden – gar ausrotten konnte. Ein rücksichtsloser Raubkrieg also, gegen alle Menschlichkeit, ohne Rücksicht auf moralische Kategorien und in Verkennung der jedem Historiker geläufigen Tatsache, daß noch jeder Eroberer gescheitert ist, der die Lebensrechte der Besiegten mißachtete.

Doch wie schon gesagt: Anfang Dezember 1941 schien die deutsche Siegesserie noch zu rollen, die Eroberungen waren überwältigend, und die deutschen Truppen galten als unbesiegbar. Dann aber änderte sich die Lage blitzartig, fast innerhalb von Stunden:

Nordafrika: An diesem Nebenkriegsschauplatz sind die Kräfte des deutschen Afrikakorps erschöpft, der Nachschub reicht nicht aus, und am 6. Dezember 1941 muß sich der Kommandeur der Panzertruppen, Manfred Rommel, zu einem Rückzug entschließen, der am 7. Dezember beginnt. Bis Ende 1941 ist die Cyrenaika mit dem wichtigen Hafen Benghasi wieder in britischer Hand; die Deutschen haben sich auf die Marsa-Brega-Stellung, westlich von El Agheila an der Großen Syrte, zurückgezogen. Wenn auch Geländegewinne im Wüstenkrieg nicht allzuviel besagen, so ist doch ein moralischer Erfolg für die Briten errungen.

Atlantik: Die „Schlacht im Atlantik“, in dem deutsche U-Boote die Versorgung Englands unterbinden sollen, tobt weiter. Zwar können die Verluste an U-Booten mit Neubauten deutscher Werften noch ausgeglichen werden, aber die Kräfte sind zersplittert durch Verlegung von U-Booten ins Mittelmeer und die Aufblähung der Operationsräume; im Dezember wird nur noch ein Drittel von dem Schiffsraum vernichtet, der im Mai 1941 versenkt werden konnte.

Ostfront: Hier bahnt sich die dramatische Wende an: Glaubte man im Oktober und November die Rote Armee bereits in Auflösung, so rennen sich nun die deutschen Angriffsspitzen vor Moskau im eisigen russischen Winter fest. Und: ein unerwarteter russischer Gegenangriff steht bevor!

Nachdem, neben anderen Hinweisen, Stalin durch einen Spion – dem berüchtigten deutschen Doppelagenten Sorge (1) – die Gewißheit erhielt, daß ein japanischer Entlastungsangriff auf Rußland im fernen Osten nicht zu befürchten ist, können sibirische Truppen an die deutsche Front verlegt werden. Am 6. Dezember 1941 startet die russische Gegenoffensive. Kältegewohnte Elite-Truppen mit Winterausrüstung stehen dem deutschen Landser in seiner Sommer-Montur gegenüber. Die deutsche Front droht einzustürzen, und der Nimbus von der Unbesiegbarkeit des deutschen Soldaten ist gebrochen.

Wer nach der Stunde fragt, die den Untergang des Dritten Reiches einläutete, kann sie an diesem Tage finden: Denn als am 6. Dezember 1941 die rotglühende Sonne hinter dem Horizont der russischen Steppe unterzutauchen begann, wußte man im deutschen Generalstab, daß der Rußlandfeldzug nicht zu gewinnen war. […]

Am Sonntag, den 7. Dezember 1941 um 7.30 Uhr Ortszeit greifen japanische Flugzeuge den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbour auf Hawaii an. Damit führt Japan Krieg gegen die USA. Eine Entlastung für Deutschland? Besser wäre der von deutscher Seite gewünschte japanische Angriff auf Rußland. Doch werden die USA wenigstens von Europa abgelenkt. Bisher hatten die Vereinigten Staaten nämlich England offener unterstützt und sich deutlicher gegen Deutschland ausgesprochen, als das für ein neutrales Land üblich ist. Nun aber fällt Hitler eine seiner unverständlichsten und törichtesten Entscheidungen: Er erklärt am 11. Dezember 1941 den USA den Krieg!

Nichts zwingt ihn dazu. Der Dreierpakt Deutschland-Italien-Japan verpflichtet diese Achsenmächte nur zur Hilfeleistung, wenn einer der Vertragspartner angegriffen wird, nicht, wenn er selbst angreift. Trotzdem sagt Hitler schon am 5. Dezember – die japanische Angriffsflotte ist bereits in Richtung Hawaii unterwegs – seine Hilfe im Kriegsfalle dem japanischen Botschafter zu. Was ihn zu dieser entsetzlichen Dummheit treibt, ist bis heute ein Rätsel geblieben; neben seiner Fehleinschätzung der USA sind nur irrationale Beweggründe vermutbar. Denn Deutschland kann die Vereinigten Staaten nicht angreifen, hat keine Chance, den USA ernsthaften Schaden zuzufügen. Die amerikanischen Waffenlieferungen an Rußland und England machen sich dagegen bald bemerkbar, und zuletzt werden amerikanische Truppen wesentlich zum Sieg der Alliierten beitragen.

Während also die deutschen Armeen im Osten mit letzter Kraft ein totales Debakel abzuwenden suchen, erklärt Hitler der stärksten Wirtschaftsmacht der Erde den Krieg. Er handelt so, als wolle er die sich anbahnende Niederlage zu einer unabwendbaren Katastrophe ausweiten, um mit seiner Partei und dem deutschen Volk, den Nibelungen gleich, im brennenden Europa unterzugehen.

Fünf Tage im Dezember 1941: Nur selten sind in der Weltgeschichte in so kurzer Zeit so schwerwiegende Entscheidungen gefallen wie in den 5 Tagen vom 6. bis zum 11. Dezember 1941.

– Der europäische Krieg war zum Weltkrieg geworden.
– Das Schicksal hatte gegen Deutschland entschieden.
– Japan löste einen Konflikt aus, den es verlieren mußte.

Der Traum vom deutschen Lebensraum im Osten war ausgeträumt, und Japan riskierte in seinem Großmachtstreben entschieden zu viel. Der unausbleibliche Rückschlag mußte für beide Nationen katastrophal werden.

So änderten nur 5 Tage im Dezember 1941 das Schicksal der Welt: Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft war an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gestoßen und mußte von nun an unaufhaltsam zurückweichen, bis zum bitteren Ende. Der unabwendbare Niedergang des Nationalsozialismus war begleitet von schlimmsten Greueln, die den Namen „Deutschland“ und das Deutschtum bis heute entehren.

Wie zuvor das auserwählte jüdische Volk hatte auch das auserwählte deutsche Volk auf ganzer Linie versagt, war dem falschen Heilsbringer nachgelaufen, und entsprechend sehe ich in seiner zukünftigen Entwicklung noch viele Parallelen zum jüdischen Volk auf uns zukommen. Eva Herman behandelt dieses spezielle Thema nicht, sondern widmet sich anderen Aspekten, über die es sich ebenfalls nachzudenken lohnt. (Sehr interessant zum Beispiel die „alten weißen Männer“ und der Rückschlag.) Womit wir nun endlich zur Rezension kommen.


Ganz sicher nicht zufällig erschien dieses Buch am 18. April, dem Geburtstag Abd-ru-shins, auf dessen Schriften sich Eva Herman umfassend bezieht. Ich selbst bin Bekennerin der Gralsbotschaft (und blogge in unregelmäßigen Abständen darüber); von daher ist mir grundsätzlich klar, was die Autorin zu sagen versucht, vielleicht mehr als Lesern, die sich mit der Thematik noch nie auseinandergesetzt haben. Ich möchte das vorausschicken, da ich mich aus Platzgründen in erster Linie auf die Punkte konzentrieren werde, denen ich so nicht zustimmen kann.
Daß Europas Probleme sehr viel mit Karma zu tun haben, dürfte jedem klar sein, der von Einzel- wie Völkerschicksalen überzeugt ist. Ob sie nun wirklich auf den Großen Karl zurückgehen, sei dahingestellt; zumindest aber bietet Herman einige gute Argumente dafür. Ein Fehler scheint mir jedoch zu sein, zwangsläufig auf der Gegenseite die „Guten“ zu sehen. Eva Herman steht da durchaus nicht allein da; quasi sämtliche Neuheiden verfallen in die gleiche… wie soll man’s nennen? Verklärung? Naivität? Hier unter den Amazon-Rezensionen fand ich einmal in einer Besprechung eines Buches über das Heidentum sinngemäß die treffende Anmerkung „Autorinnen X und Y beschreiben, wie die römischen Priester praktisch mit Tränen in den Augen die Christen anflehten, doch wenigstens das geforderte Mindestopfer zu erbringen, damit sie sie nicht töten müßten… Ich hoffe, den Autorinnen ist klar, wer hier wen aus religiöser Intoleranz umbrachte?“ Gleichermaßen halte ich Widukind, seine Sachsen und alle anderen zwangschristianisierten Völker nicht automatisch für die besseren Menschen, nur weil die Kirche unbestritten Verheerungen unter ihnen anrichtete. Sie verteidigten sich gegen die geplante Eroberung ihres Landes, was ihr gutes Recht war, keine Frage. Das bedeutet nicht, daß sie edel, hilfreich und gut waren. Der „Götter“glaube machte nicht aus sich heraus eine Gesellschaft zu einem Paradies auf Erden, zumal er zur Zeit Karls des Großen längst von menschlichen Phantasien durchzogen war. Die Arbeit des Verstandes, auch hier.

Interessant hingegen das von Herman herausgearbeitete, wandelbare Bild Karls des Großen unter den Nationalsozialisten: Galt zuerst Widukind als wackerer Deutsche als der Gute der Geschichte, so wurde unvermittelt auf höchsten Befehl dessen Verehrung gekippt zugunsten Karls als europäischem Herrscher. Und dennoch denkt heute bei Karl dem Großen niemand an die Nazis – bei Widukind dagegen schon. Merkwürdige Geschichtsschreibung.
Dabei ist Hermans Kritik an Sabine Kuhlmanns Magisterarbeit ebenso unverständlich. Kuhlmann hat keine Biographie Widukinds geschrieben, sondern eine Arbeit über Widukinds Bild in der NS-Zeit. Und dafür sind die angeführten Zitate vollkommen korrekt.

Übrigens habe ich mal in meinem erprobten Götter- und Heldensagen der Germanen nachgeschlagen, das ja grob aus der Zeit stammt, und siehe da: Karl ist der Gute. Im Abschnitt „Karl und der Sachsenherzog“ gibt’s ein Happy End, wenn man so will: Widukind schleicht sich als Bettler verkleidet in Karls Lager und erlebt dort sowohl Karfreitag als auch die Ostertage mit, deren Rituale so einige Fragen in ihm aufwerfen. Weil er als Edler der Sachsen (die ursprünglichen Sachsen, wer’s nicht weiß – also die, die im nördlichen Niedersachsen lebten) nun einmal einen miesen Bettler abgibt, erkennt Karl ihn, läßt ihn festnehmen und zum Gespräch bitten. Nach einigem Hin und Her kommt das Thema auf die Feierlichkeiten:

„Vor zwei Tagen fand ich euch alle traurig, einen wie den andern. Heute sah ich euch alle fröhlich und im Festgewande an einen Tisch treten, hinter dem ein Mann im Purpurgewande stand, der dir und den andern ein ganz kleines Kind in den Mund schob. Etliche empfingen es mit Freuden und etliche mit Trauer, alle aber mit gleicher Demut und Inbrunst. Willst du mir das erklären?“
„Wahrlich,“ sagte der König ernst, „da hast du mehr gesehen, als ich und alle meine Priester.“
Und nun weiß die Sage zu melden, daß König Karl dem Herzog Widukind alle Dinge vom Karfreitag und von Ostern erklärte, auch wie es zu verstehen, daß ihm und allen andern der Leib des Herrn gereicht worden sei. Und so lehrte ihn der König den christlichen Glauben, so daß Widukind in sich ging und seinen heidnischen Göttern absagte und sich mit seiner Gemahlin und vielem Volk am Weihnachtsfeste taufen ließ. Und sind gute Christen geworden und nachher nimmer vom Glauben abgefallen.

Dann so ein paar Feinheiten:

– Der Allvater der germanischen/nordischen Völker war nicht Gott, sondern Wodan/Odin.

– „Die Germanen“ gab es in der Tat nicht. Vielmehr, es gab sie, aber nur bei den Römern, von denen dieser Sammelbegriff für die germanischen Völker kam und die ihn auch ausschließlich verwendeten. Johannes Fried leugnet nicht ihre Existenz, wie Herman das formuliert, sondern er lehnt die Bezeichnung ab.

– Die Umweltschädlichkeit von Kreuzfahrten ist hinlänglich bekannt und wird auch stark von Ökobewegungen kritisiert, was Frau Herman wüßte, wenn sie sich einmal ernstlich mit der Thematik auseinandergesetzt hätte. Es wird nur in den Medien wenig darüber berichtet (womit wir wieder beim Mainstreaming wären).

– Und was das angeht, ich habe nie verstanden, warum es dieser Tage offenbar nur das Komplettpaket zu beiden Seiten der politischen Mitte zu geben hat: Links, Ökos, Multikulti-Befürworter, pro-Gender-Mainstreaming vs. Rechts, anti-Zuwanderung, Klimawandelleugner. Ich bin konservativ und Öko und sehe darin keinerlei Widerspruch. Teddy Roosevelt war Umweltschützer. Diese Spaltung ist ein sehr, sehr junges Phänomen. Sollten nicht gerade diejenigen, die eine erklärte Heimatliebe besitzen, daran interessiert sein, diese Heimat zu schützen und zu bewahren?

– Daß die Toten der imperialistischen Kriege verharmlost oder verschwiegen werden, stimmt nun wahrhaftig nicht. Es ist nicht gerade Unterrichtsstoff an Schulen, sicher, aber dort wird in allen Bereichen nur ein grober Überblick gegeben.

Was nun die Behauptung angeht, die Nationalsozialisten seien nicht gleichzusetzen mit den Nazis – Entschuldigung, aber das ist Quatsch, und sehr beängstigender Quatsch noch dazu. Soll als nächstes die These aufgestellt werden, die Nationalsozialisten seien eigentlich ganz harmlos gewesen (die wollen nur spielen?), und erst ab 1933 tauchten plötzlich die bösen Nazis auf? Sprangen die bösen Nazis mit Adolfs Machtantritt aus dem Boden? Hatte da jemand Drachenzähne gesät? Wer bildete denn Hitlers Partei? Falls ich den Vergleich ziehen darf, weil die Argumentation die gleiche ist und es ja quasi zum Thema paßt: Wie viele Bekenner der Gralsbotschaft hat man schon sagen hören: Ja, natürlich, Abd-ru-shin – aber nein, Frau Maria, das ist doch etwas ganz anderes…

Nun verwende ich das böse Wort Verschwörungstheorie und behaupte, eine von langer Hand geplante Umschreibung der Geschichte wie auch einzelner Personen der Geschichte gebe es nicht. Daß instrumentalisiert wird – natürlich. Dazu gibt es mehr als genug Beispiele. Der wechselnde Blick beispielsweise auf Karl den Großen liegt aber meines Erachtens eher an der wechselnden „Linse“ der jeweiligen Zeit.

Daß „große Teile der Bevölkerung“ die Öffentlich-Rechtlichen als Lügenpresse bezeichnen… nun, Arne Hoffmann drückte es so schön aus: „Große Teile der Bevölkerung“, „ganz Deutschland“ etc. heißt einfach: Alle in unserer Redaktion.

Zum Abschluß zwei bis drei Gedanken, die ich einfach mal so dahinstellen möchte:

Bei allem Einsatz, den Eva Herman für die Deutschen zeigt (und ich weiß ihn zu schätzen, wirklich), sollte nicht vergessen werden, daß eine Volkszugehörigkeit immer nur eine Inkarnation betrifft. Im Leben davor sah sie vermutlich ganz anders aus, und im nächsten Leben wird sie wieder eine ganz andere sein. Natürlich hat es Gründe, warum wir in einem bestimmten Volk inkarnieren, und natürlich sollen wir die speziellen Erfahrungen aus diesem Leben machen und verinnerlichen, aber klammern dürfen wir nicht, ohne die Gefahr einzugehen, einen Hang zu entwickeln.
Was nun das deutsche Volk betrifft, so würde das Thema den Rahmen einer Rezension weit sprengen; es lohnt sich jedoch vielleicht, in Sachen Völkerkarma einmal über gewisse Parallelen zum jüdischen Volk nachzudenken.

Und immer als Mahnung für jeden von uns, schrieb Abd-ru-shin:
„Ich sagte schon, wenn Ihr Disteln säet, kann daraus kein Weizen wachsen!
So kann auch nie aus Hetzreden, Verhöhnungen und Schädigungen Eurer Nebenmenschen irgendwelcher Aufbau sich ergeben; denn jede Art und Weise kann ja Gleiches nur gebären, kann auch nur Gleichart anziehen! Dieses Gesetz der Schöpfung dürft Ihr nie vergessen! Es wirkt sich selbsttätig aus, und alles Menschenwollen kann niemals etwas dagegen tun!“


Letzteren Absatz fühlte ich mich verpflichtet einzubringen, weil Eva Herman inzwischen zunehmend zu solcher Häme zu neigen scheint, und von den auf ihrer Website verlinkten Nachrichtenseiten will ich lieber schweigen. Irgendwie wurde aus der Kerner-Show und ihrem Vorlauf nichts gelernt. Hetze gegen die Hetzenden macht nicht gut. Minus plus minus bleibt nun mal minus. Ich weiß nicht, ob sich Herman dessen überhaupt bewußt ist. Wie Abd-ru-shin ja schon schreibt, mit der Verengung unseres geistigen Fassungsvermögens geht automatisch eine Verengung der Fähigkeit mit sich, diese Verengung überhaupt zu bemerken.

Die Menschen, die über ihre Nebenmenschen Übles reden und verbreiten, müssen in sich selbst vom Übel sein, sonst würden sie derartiges nicht tun!

(Abd-ru-shin: Ermahnungen)

Aber wie gesagt, das sind so viele Themen, über die man tagelang diskutieren könnte.

Read Full Post »

Dunkel lagerte wieder über der Erde. Triumphierend beschattete es die Menschen und versperrte den Weg nach dem urgeistigen Reiche. Das Gotteslicht war von ihnen gewichen. Der Körper, der als irdisches Gefäß dazu gedient hatte, hing blutend und zerstört am Kreuze, als Opfer des Protestes derer, denen es das Glück und den heiligen Frieden bringen wollte.
Auf dem Gipfel der gesamten Schöpfung, in der strahlenden Nähe Gottes, steht die Gralsburg als Tempel des Lichtes. In dieser herrschte große Trauer über die verirrten Menschengeister in der Tiefe, die sich in blindem Besserwissenwollen der Wahrheit feindselig verschlossen und bis zu dem Verbrechen an dem Gottessohne von dem haßerfüllten Dunkel peitschen ließen. Schwer senkte sich der von der Menschheit in dieser Art geschaffene Fluch auf alle Welt und drückte sie in nur noch größere Begriffsbeschränkung.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Der Fremdling“)

Read Full Post »

18. April

Read Full Post »

Hell aber schimmerte über dem weiten Blau des Meeres das wogende, ziehende Gespinst der feineren Grobstofflichkeit, das reine wesenhafte Kräfte durchdrangen. Die Sonne glitzerte in den Fluten, die unaufhörlich ihr brausendes Rauschen zur Ehre Gottes wie fernen, tiefen Orgelchor vernehmen ließen.
Jubelnde Nereiden durcheilten diese brausende Welt, griffen in die lichten Gespinste und reichten den luftigen Wesen die Hände. Helle, zackige Landstrecken, Inseln und Buchten glänzten ferne im Lichte der Sonne.
Rein und schlicht in seiner natürlichen Unberührtheit schimmerte auch Griechenlands Küste über dem Meere. Der weite Rücken des Olymp ragten in den tiefblauen Himmel, und um ihn dehnte sich die rauhe Schönheit des Landes.
Eine besondere Bewegung machte sich über dem Lande der Griechen, über dem Meere und der gegenüberliegenden Küste Kleinasiens bemerkbar. Silberklares, durchscheinendes Licht schien diesen Punkt der Erde besonders zu verklären. […]
Mächtige Städte leuchteten im Licht der Sonne, und ihre Bauten redeten eine strenge, kraftvolle Sprache von Glauben, Zucht und Ordnung, von Fleiß und Verehrung der ewigen Götter.
Noch war nichts von dem leichtsinnigen und prunkliebenden Taumel zu spüren, der später die beste Kraft dieses Volkes brach, doch lebte schon jener zähe heroische Eigensinn auf, der aus den frohen, gottesfürchtigen Helden gewalttätige, trotzige Abenteurer machen wollte, die den Schwächeren unterjochten, nicht um des Aufbaues, sondern um der Macht willen.

(Verwehte Zeit erwacht I)

Am Freitag besuchten meine Mutter und ich die Ausstellung „Mykene – Die sagenhafte Welt des Agamemnon“ in Karlsruhe.
Mykene, das war vor langer Zeit einmal meine Heimat. Meine Mutter hoffte wohl auf „neue Erkenntnisse“, aber witzigerweise war es in erster Linie sie, die da das „Schauergefühl“ ergriff. Sie hatte völlig vergessen – und ich mußte ihr damaliges Leben erst wieder in den zeitlichen Kontext stellen, um sie zu erinnern –, daß auch sie in jenen Jahren in Griechenland (das noch für eine ganze Weile nicht diesen Namen tragen sollte) inkarniert war. Ein Stück von Mykene entfernt, aber Kultur und Handelsgüter waren ja durchaus verwandt. So bewunderten wir unzählige Krüge und Gefäße, die uns sonst in Museen immer das Gähnen entlocken, standen Schlange vor der umlagerten Vitrine des Grabes des Greifenkriegers und ließen uns im Nachbau des Megarons (Thronsaals) durchschauern. (Natürlich nahmen wir auf dem Thron Platz.)
Im Ausstellungsraum, der den Untergang der mykenischen Kultur behandelt, trafen wir dann auf einen weiteren Besucher aus der Vergangenheit, einen jungen Mann „Marke Paris“, wie ich witzelte. Meine Mutter war so fasziniert von ihm, daß ich sie knuffen und ihr zuzischen mußte, sie möge ihn doch nicht immer so anstarren – denn mit der allergrößten Wahrscheinlichkeit hatte er keine Ahnung, daß er hier auf den eigenen Spuren wandelte! Ich frage mich, wie viele Besucher dieser Ausstellung im speziellen und aller Ausstellungen im allgemeinen wohl unerkannt ein früheres Leben Revue passieren lassen, ohne sich dessen überhaupt bewußt zu sein. Was ist es, das sie zu diesen Relikten zieht? Und hat das vielleicht einen symbolischen Wert, lassen sich auf diese Weise vielleicht noch alte, vorhandene Fäden aus jenen Leben lösen? Erfolgt hier vielleicht ein Ringschluß irgendeiner Art?

Kassandra […] stand in Agamemnons Obhut. Ihr Blick, der in die Tiefen der Vergangenheit reichte und die Weite der Zukunft zu erfassen vermochte, war wieder lebendig. […]
Aber sie schaute der Menschen furchtbares Geschick, den Verfall der Völker und der Geschlechter.
„Agamemnon, höre, sei gewarnt! Deiner harren die Mörder, feige Mörder im eigenen Hause, hüte Dich! Ein Weib, einer giftigen Natter gleich, schön und gefährlich, lebt in Deinem Hause, und ein Mann, ein Schwächling in ihrer Hand, feig und voll des Lasters, ist ihr Gefährte. Oh, daß uns die Winde würgten auf hoher See, daß wir niemals das Ende schauen müßten, das Ende stolzer Helden!“
So sprach Kassandra, und trübe Kunde war es für Agamemnon.
Während die anderen Gefangenen, die in der Tiefe des Schiffes lagen, schwere Zeit erlitten, durfte Kassandra häufig oben bei Agamemnon verweilen. Er liebte es, ihre stolze, ruhige, gemessene Art zu schauen. Reinheit und Friede strömten von ihr, der Besiegten, der Sklavin aus und gingen über auf den gefürchteten Feldherrn, den Feind! Es war kein Haß zwischen den beiden, auch keine Liebe, aber größte Achtung zollte einer dem andern; denn sie waren es wert. […]

Die griechische Flotte war in den großen Stürmen zerstreut worden. Agamemnon aber war wohlbehalten mit dem Rest seiner Schiffe, reicher Beute und vielen Sklaven, zu denen auch Kassandra zählte, in Argolis gelandet. […] Agamemnon war heimgekehrt, er, von dem viele Seher gekündet hatten, daß er nie mehr seinen Fuß in sein Land setzen werde. […]
In der Ferne erhob sich hoch und stolz die schöne, reiche Stadt. Drohend und dunkel sahen die bräunlich-grauen Mauern aus; dahinter aber leuchteten weiße Bauten, und prächtige Baumgruppen erzählten von schönen Gärten.
Aber alles war so fremd, so völlig anders als in Troja. Wo war das prangende, köstliche Leben, von dem die Dichter so viel sangen? Wo das Walten seliger Götter? Es sah nicht aus wie ein glückliches Land. Trauer, Not und Unzufriedenheit atmete hier die Erde, und über dem Volke drohte die Medusa.
Als der Zug der Sklaven endlich die Stadt erreichte, war diese in großer, freudiger Erregung. Das Volk war glücklich, erhoffte es doch durch die Rückkehr des Fürsten neuen Aufstieg und bessere Zeiten. Die drückende Herrschaft der Klytämnestra aber fürchtete man. […]
Die Begrüßung ihres Gatten glich einem wohlgeübten Schauspiel; denn die Kunst der Verstellung und der schönen Rede verstand sie meisterlich. Agamemnon aber war enttäuscht. Kassandras Worte fielen ihm wieder ein, und er verstand auf einmal, was sie ihm gesagt hatte.

(Verwehte Zeit erwacht I)

Read Full Post »

Ein weiterer Angriffspunkt für Hermans Kritiker scheint darin zu bestehen, dass Herman sehr gläubig ist, und zwar nicht nur „privat“, wie viele andere, sondern sehr offensiv. Viele andere, die sich „aufgeklärt“ dünken, setzen Gläubigkeit allerdings nicht erst seit Richard Dawkins „Gotteswahn“ rhetorisch gerne mal mit der geistigen Verfassung von Kindern gleich, die an den Weihnachtsmann glauben.

(Arne Hoffmann)

Read Full Post »

Aber was zählen Fakten, wenn jemand zwischen Tatsache und Meinung weder unterscheiden kann noch will? Wenn es letztlich sowieso nur darum geht, im eigenen Weltbild und der gewohnten Art zu denken nicht gestört zu werden?

(Werner Huemer, http://www.werner-huemer.net/texte/kommentar/meinung-und-tatsache)

Mit viel überflüssiger Zeit in der DNB zu sitzen (liebe Kollegen, aktualisiert doch bitte, bitte endlich mal eure Bestandsangaben! Euer Katalog ist eine Schande für unseren Berufsstand), führt beinahe zwangsläufig dazu, daß man viel liest, das man vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. So kam ich, wohl irgendwie durch Maria Halsebands Ich klopfe an! gelenkt, auf Eva Herman. Ob sie Kreuzträgerin ist, weiß ich nicht, aber sie lebt definitiv nach den Grundsätzen der Gralsbotschaft (oder versucht es, wie wir alle); soweit war mir aus ihren Beiträgen auf der Wissensmanufaktur schon bekannt. Natürlich bin ich auch alt genug, um mich noch auszugsweise an den großen „Medienskandal“ zu erinnern, der seinerzeit um sie aufgeblasen wurde. Warum also nicht die Zeit nutzen, um mich ein bißchen mehr zu informieren?

So versuchte ich mich zunächst an dem, wie ich fälschlich glaubte, Stein des Anstoßes, ihrem Buch Das Eva-Prinzip. Kam nicht wirklich weit damit, denn einerseits bin ich als bewußt kinderloser Single das falsche Zielpublikum, andererseits sind mir manche Grundgedanken, über die sich so aufgeregt wurde, durch die Botschaft nicht fremd; und wieder anderen konnte ich so nicht zustimmen, zumal gewisse Behauptungen einfach dahingestellt wurden, ohne jeden Beleg. Für mich als Forscherin und großer Anhängerin von Quellenangaben ein Unding. Also griff ich zu Die Wahrheit und ihr Preis, Hermans Bericht über die „Hexenjagd“ (wie ein Journalist es mit vollem Recht bezeichnete), die auf sie veranstaltet wurde.

Mir kamen vor allem zwei Dinge in den Sinn. Erstens der Artikel, den ich die Tage erst in der Jüdischen Rundschau gelesen hatte: „Die deklamatorisch von links gewährte Meinungsfreiheit hält im Ernstfall nicht stand“. Wer hindert uns daran, unsere Meinung zu sagen? – Niemand. Was allerdings passiert, nachdem man seine Meinung gesagt hat, ist eine ganz andere Sache.



(Disclaimer: Ich mache mir das Gedankengut der JR nicht grundsätzlich zu eigen; und seit sie neuerdings die Hetze gegen Umweltschützer für sich entdeckt hat… nun ja. Kann man konservativ und ein Umweltschützer sein? Oh ja. Man nehme nur Teddy Roosevelt. Man nehme, wenn man denn möchte, mich. Um Eva Herman in einem anderen Kontext zu paraphrasieren: Es geht uns doch alle an. Warum macht man ein Politikum daraus?)
Zweitens der immer noch aktuelle Klassiker über die Macht der Medien: Die verlorene Ehre der Katharina Blum. Mich wundert, daß Herman ihn nie erwähnt.

Ich schrieb schon über die vermeintliche öffentliche Meinung – daß das, wovon man glaubt, es sei die Meinung der Mehrheit, weil man es ja überall so liest, überhaupt nicht die Mehrheit sein muß. Eva Herman berichtet von der gewaltigen Schere, die in ihrem Fall aufklaffte: Was die Medien der Öffentlichkeit zu verkaufen suchten und die große Gegenreaktion gegen eben die Medien. Vielleicht spielt da ein bißchen der eigene Mikrokosmos mit. Ich denke da beispielsweise an die große (medienwirksam verarbeitete) Pleite der Piraten vor Jahren. Sie feierten schon im voraus ihren großen Wahlerfolg, weil sie natürlich aus den eigenen Reihen immer nur Lobhudelei hörten und deshalb der Meinung waren, daß dies einen Großteil der öffentlichen Meinung widerspiegeln mußte… nur um dann festzustellen, daß sie in der öffentlichen Meinung sehr weit unter „ferner liefen“ verzeichneten. Ähnlich ja auch letztlich in Sachen Schreckgespenst AfD, der man die Pariah-Rolle zuspricht und dann verblüfft ist, daß so viele Wähler für sie stimmen. Die öffentliche Meinung ist eben nicht automatisch identisch mit der veröffentlichten Meinung, und wer glaubt, political correctness sei das, was die Menschheit wolle, wird sich umschauen müssen, fürchte ich. Wobei es ja hier mehr darum geht, „was die Menschheit brauche“. Ein sehr deutsches Konzept, finde ich: Wir müssen die Welt wieder einmal belehren, wie man richtig denkt. Außerhalb Europas wird man damit kläglich auf der Strecke bleiben, ach was, nicht einmal außerhalb – wir müssen nur Polen oder Ungarn als Beispiele nehmen, deren aktuelle Politik pc-resistent ist. Ich bin wahrhaftig kein Fan dieses aufgewärmten Nationalismus‘, aber die Realität ist eben, daß der – Entschuldigung – Hermann, der hierzulande um Diversität und staatlich verordnete Toleranz gemacht wird, nicht nur eine Ausnahmeerscheinung, sondern eine Lachnummer in den meisten Ländern der Erde ist. Deal with it.

Eva Hermans Sorge um die aussterbenden Deutschen wiederum (zum Zeitpunkt ihres Buches. Ist ja nun auch schon wieder diverse Jahre her) kann ich inzwischen nicht mehr nachvollziehen. Früher einmal, ja. Mir tat es leid um die unnötige Verschwendung, um eine reiche Geschichte, um Werte, die verschwinden würden. Heutzutage stehe ich auf dem Standpunkt, Werte seien schon lange nicht mehr vorhanden, und es seien sowieso zehnmal so viele Menschen auf der Erde wie sie verträgt. Ich glaube auch nicht, daß die großen Kulturvölker an Nachwuchsmangel zugrunde gingen, sondern an Bequemlichkeit. Das Gesetz der Bewegung, der Wachsamkeit, Frau Herman, Sie verstehen. Wer aufhört, sich zu regen, ob Einzelmensch oder Volk, der schließt sich selbst aus und wird nach den Schöpfungsgesetzen abgestoßen.* Weshalb haben denn Barbarenvölker das mächtige Rom zerstören können? Sie waren längst nicht so kultiviert, nicht so gebildet wie die Römer, hatten keine reiche philosophische Tradition oder eine kosmopolitische Weltanschauung. Sie regten sich ganz einfach, brutal, kriegerisch, ja, aber die Römer waren längst bequem geworden, ruhten sich auf ihren Errungenschaften aus und bemerkten nicht, daß die Welt sich um sie herum weiterdrehte. (So’n bißchen wie die DNB Leipzig.) Ich glaube kaum, daß eine sinkende Geburtenrate, die man nebenbei nicht einmal belegen könnte, verantwortlich war.

Auch gelesen, empfehlenswert: Liebe statt Furcht von Flor Namdar. Erinnerte mich wiederum in vielerlei Hinsicht an Suzanne Collins‘ Hunger Games-Trilogie. Wer nur Jugendbücher mit einer kämpferischen Heldin oder gar eine Liebesgeschichte darin sieht, hat die gesamte Aussage verpaßt. Und auch hier wird übrigens die Macht der Medien, die Inszenierung einer Meinungsmache überdeutlich dargestellt. Verdammt ehrliche Bücher – wer sie noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen.


* Ich will jetzt nicht auch noch Völkerschicksal ins Spiel bringen. Aber man sollte gewisse Parallelen des jüdischen und des deutschen Volkes nicht außer Acht lassen.


Nachtrag:
Weitere Leseempfehlung in Sachen Eva Herman: Der Fall Eva Herman – Hexenjagd in den Medien von Arne Hoffmann. Ganz ausgezeichnet. Der Autor stellt die Fülle der Medienmeldungen chronologisch zusammen und gleicht sie auf ihren Wahrheitsgehalt ab; mehr noch allerdings, er erklärt das Zustandekommen einer solchen medialen Hexenjagd, die Mechanismen und auch Gründe dafür, die gar nicht immer auf böser Absicht beruhen müssen. (Was am Ende dabei herauskommt, ist natürlich eine Sache für sich.) Ich habe das schon oft gedacht: Die Leute sind davon überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen. Sie glauben, daß ihre Sicht der Dinge die richtige ist. Ein anderes Weltbild können sie sich nicht vorstellen, und deshalb müssen alle, die ein anderes Weltbild haben, entweder irre, fehlgeleitet oder schlecht sein. Ein hochinteressantes Thema, und allein dafür kann ich Hoffmanns Buch nur allen wärmstens ans Herz legen.


Gerade die Begrenzung bringt ihnen einen sogenannten Höhepunkt des Begreifens, wodurch solche Überhebungen in der Einbildung entstehen müssen, weil sie glauben, wirklich auf der letzten Höhe zu stehen. Für sie selbst ist es auch so, da dann die Grenze kommt, die sie nicht überschreiten können.
Ihre Angriffe gegen die Wahrheitssucher zeigen aber in der so oft unverständlichen Gehässigkeit bei näherer Betrachtung deutlich die hinter ihnen geschwungene Peitsche des Dunkels. Selten ist bei diesen Anfeindungen ein Zug ehrlichen Wollens zu finden, das die oft unerhörte Art und Weise des Vorgehens einigermaßen entschuldigen könnte. In den meisten Fällen ist es ein blindes Draufloswüten, das jeder wirklichen Logik entbehrt. Man sehe sich die Angriffe einmal ruhig an. Wie selten ist ein Artikel dabei, dessen Inhalt den Versuch zeigt, wirklich sachlich auf die Reden oder Aufsätze eines Wahrheitssuchers einzugehen.
Ganz auffallend macht sich die gehaltlose Minderwertigkeit der Angriffe gerade immer darin bemerkbar, daß diese niemals rein sachlich gehalten sind! Immer sind es versteckte oder offene Beschmutzungen der Person des Wahrheitssuchers.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Der Kampf“)

Read Full Post »

Mangels einer Statistik kann ich nur mutmaßen, aber wie in so vielen anderen Bereichen hört man auch in der Gralsbewegung vom Schreckgespenst (nun ja, einem von vielen) der Neuzeit: Nachwuchsmangel. Die Kreise schrumpfen, überaltern, heißt es. Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, seit wann die Gralskreise die Bewegung ausmachen (und ich habe so meine Gedanken zu der Thematik), stellt sich die Überlegung: Was ist mit all den Kindern von Kreuzträgern, die ich in meiner Zeit angetroffen habe?

Ich bin ja ebenfalls „zweite Generation“, wenn man es so titulieren will. Habe mir einmal sagen lassen, die meisten Kinder nähmen den Glauben (oder Unglauben) des Elternteils an, der am „aktivsten“ in seiner Ausübung sei – trifft in meinem Fall absolut zu. In einem Buch über Amish-Jugendliche wurde berichtet, die wenigsten sagten sich letztlich vom Glauben ihrer Familien los – auch das Phänomen begegnete mir bei einer Freundin, die am Ende wieder in den Schoß der katholischen Kirche zurückkehrte (wohlgemerkt, sie bezeichnet sich ausdrücklich als Katholikin, nicht als Christin). Wie das statistisch aussieht, weiß ich nicht.
Zumindest weiß ich, daß ich seinerzeit viel zu unreif für die Versiegelung war, vielleicht aus völlig falschen Gründen um sie gebeten habe, obwohl mir das damals nicht bewußt war. Der große Schritt von Tradition, um es mal so zu nennen, hin zu echter Überzeugung kam erst viel später. Und ich denke, das ist eine wesentliche Erkenntnis, der sich jeder irgendwann stellen muß, aber zu viele weichen ihr aus oder kommen aus welchen Gründen auch immer niemals dorthin.
Vermutlich ist das große Bild so, daß die junge Generation sich entweder vom Glauben oder Unglauben der Eltern lossagt oder ihn mehr oder weniger fraglos, eben aus Tradition, übernimmt. Und wenn meine Erfahrungen über die Jahre aussagekräftig sind, so unterscheidet sich die Bewegung da nicht sehr von christlichen oder anderen Gemeinschaften, besonders kleinen, in denen jeder jeden kennt. Was wurde da an Köpfen geschüttelt, wenn Einzelpersonen oder Familien sich aus den Kreisen zurückzogen oder – Horror! – lieber Mitglieder einer Kirchengemeinde wurden. Die Gründe dafür waren häufig entweder Unzufriedenheit mit den Kreuzträgern in einem Gralskreis oder aber der Wunsch nach engerem Gemeindeleben; beides gleichermaßen legitime wie fragwürdige Gründe, aber in beiden Fällen kein Anlaß zum Exkommunizieren, wie ich finde.
Jedenfalls fließt auf diesem Wege Nachwuchs ab. Andere mögen gleichgültig gegenüber jeder Art spiritueller Ausrichtung geworden sein. Wieder andere haben kein Interesse an „organisierter“ Ausübung ihrer Überzeugung oder eben kommen mit anderen Personen in ihrem Kreis nicht zurecht und werden deshalb sogenannte Einzelleser: Kreuzträger, die keinem Gralskreis angehören.

Wenn nun gewisse Jünger der Meinung sind, Einzelleser kämen in die Hölle… Nun ja, wörtlich wurde es so nicht ausgedrückt, aber das ist, wenn man den Gedanken zu seinem logischen Ende führt, genau die Aussage. „Wer auf Erden keine Sehnsucht nach einer Andacht hat, hat es drüben auch nicht“, so in etwa das Zitat. Heißt: Lichtsehnsucht ist mit einer Andachtsstätte verbunden. Heißt: Wer hier nicht zur Andacht geht, hat keine Lichtsehnsucht. Heißt: Ohne Lichtsehnsucht ist man „drüben“, also im Jenseits, in der feinstofflichen Ebene, verloren, steigt nicht auf, gerät in die Zersetzung. Dumme verlorene Einzelleser.
Das ist eine so unglaubliche Arroganz und Ignoranz, daß ich es nicht in Worte fassen kann. Was denkt besagter Jünger, daß Einzelleser tun? Ich finde ja, es wird aus dem Wortbegriff deutlich, aber vielleicht irre ich mich da. Einzelleser lesen die Botschaft ohne Anschluß an einen Gralskreis, aus welchen Gründen auch immer. Das ist alles. Andacht können sie auch ohne eine Lichtstätte abhalten.

Ausschlaggebend dazu ist immer nur die innere Beschaffenheit des Einzelmenschen. […] Wie er, der Einzelmensch, sich dabei öffnet, so viel wird er erhalten. Manche finden Andacht nur im Walde, andere am Meere, wieder andere in der Musik und zahlreiche tatsächlich nur in Kirchen.
(Abd-ru-shin: Fragenbeantwortungen)

Wie viele Einzelleser kennt besagter Jünger, daß er für sich in Anspruch nimmt, ihre Lichtsehnsucht und Lichtverbundenheit beurteilen, vielmehr aburteilen zu können? Vielleicht sollte er lieber einmal seine eigene hinterfragen. Oh, und übrigens:

Das Kirchengehen ganz allein kann einem Menschen natürlich keine Seligkeit bringen; es nützt ihm nichts, wenn er nicht selbst in sich dazu erwacht!

Betrifft natürlich ebenso Andachten in Lichtstätten.
Dies eher am Rande, aber es ist ein Beispiel, warum Kreuzträger der Bewegung, wie sie sich in einer Organisation präsentiert, den Rücken kehren – und die Reaktion darauf ist nicht gerade ein Anreiz, in den Schoße eines Gralskreises zurückzukehren.

Wie gesagt, ich weiß nicht, was aus meinen Altersgenossen geworden ist – ob sie sich in der Bewegung engagieren oder Einzelleser sind oder einen anderen Weg gehen. Genausowenig habe ich eine Lösung dafür, daß, zumindest hierzulande, die Zahl der Kreuzträger rückläufig zu sein scheint. Aber das menschliche Hickhack hilft eindeutig nicht. Ebensowenig die Erwartungen, die unausweichlich an Kinder von Kreuzträgern gestellt werden, an ihre Art zu leben, daran, daß sie die Reihen eines Tages verstärken werden – mit der fast zwangsläufigen Folge, daß das Gegenteil eintritt.

Es ist nicht einfach, der zweiten Generation anzugehören. Mir gestand eine Kreuzträgerin einmal, daß sie mich beneide – sie habe so lange suchen müssen; da hätten wir, die wir in das Wissen hineingeboren seien, es so viel einfacher. Das stimmt eindeutig nicht. Die Ironie hier war, daß ich diejenigen immer beneidete, die durch Suchen gefunden hatten – denn sie konnten sicher sein, daß ihr Finden echt war. Was aber war mit uns, die wir nie suchen mußten? Wie konnten wir behaupten, gefunden zu haben, wenn wir mit der Lehre aufwuchsen? Ich habe unter diesem Konflikt durchaus gelitten. Was mir erst im Laufe vieler Jahre klar wurde, war, daß das „Finden“ der Kinder von Kreuzträgern ein anderes ist. Wir müssen heraus“finden“, was angelernt ist, was geglaubt wird, und wo unsere eigene Überzeugung einsetzt. Überhaupt müssen wir unsere eigene Überzeugung erst einmal finden! Die lebendige Überzeugung, von der Abd-ru-shin spricht. Ich schrieb bereits, daß ich bei meiner Versiegelung unreif war. Aus heutiger Sicht weiß ich das. Mein Glaube damals war echt, aber ich war viel zu jung, noch viel zu unsicher und uneigenständig, um so etwas wie eine eigene, lebendige Überzeugung entwickelt zu haben. Das kam später, nach und nach, mit Erfahrungen und Reife. Es ging auch Hand in Hand mit dem Hinterfragen dessen, was in Kindheit und Jugend als selbstverständlich galt.

Jeder Mensch muß seinen eigenen Weg finden. Ob man nun gleich das Kind mit dem Bade ausschütten und sich komplett lossagen muß, weil gewisse Strömungen innerhalb der Gralsbewegung oder bestimmte Personen nicht gefallen, sei dahingestellt – man sollte doch die Botschaft und die Bewegung nicht gleichsetzen. Im Gegenteil, ich bin überzeugt, daß was heute in der Bewegung gelebt wird (auf allen Seiten des Schismas), größtenteils im kompletten Widerspruch zu dem steht, was Abd-ru-shin wollte. Aber das ist ja kein Einzelfall. Jesus würde seine Worte in der Kirche vollkommen verdreht wiederfinden, Mohammed würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen angesichts dessen, was aus seiner Lehre gemacht wurde… Traditionen statt lebendiger Überzeugung eben.
Glaube an den Glauben der Väter reicht nicht aus, wie Abd-ru-shin in „Im Lande der Dämmerung“ erklärt. Aber auch diesen Vortrag beziehen ja viele Kreuzträger aufgrund des Schwerpunktes seiner Schilderung (das christliche und spiritistische Gewand) nicht auf sich.

Read Full Post »

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Kenntnis der Gralsbotschaft ist der erweiterte Blick auf die Dinge. Namentlich im näheren Umfeld, wo so manches „gesehen“ wird. Wir haben über die Jahrzehnte viel erfahren dürfen.
Nun wird das nicht an die große Glocke gehängt, weil auch Kreuzträger dem oft skeptisch gegenüberstehen. Keine unbedingt schlechte Sache, finde ich, denn wie überall hat’s auch in der Bewegung Spinner. („Die Gralsspinner“, wie die großartige Frau J. es so schön ausdrückte.) Man muß unterscheiden lernen zwischen echt und Ente, nicht immer einfach mit den eigenen Wunschvorstellungen, die so gern dazwischengrätschen. Am besten ist eine zweite, unabhängige Meinung.

Den Weg einer Seele durch verschiedene Erdenleben verfolgen zu können, ist spannend. Allerdings auch oft ernüchternd. Man erkennt die Persönlichkeit – jedenfalls nach meiner Erfahrung – leicht, was in erster Linie bedeutet, daß man sich weniger verändert, als man hofft. Ich betrachte die Personen, die ich einmal war und wünschte mir, ich wäre in diesem Leben so patent wie sie; Tatsache hingegen ist vermutlich, daß sie ähnliche Unsicherheiten aufwiesen wie ich. (Mein römisches Ich tut mir sehr leid – ich kann mich gut in sie hineinversetzen.) Meine Mutter kritisiert die Fehler ihrer früheren Inkarnationen, ohne zu bemerken, daß sie sie immer noch besitzt. Mein Vater war in hohem Maße er selbst geblieben; ich lache jedesmal, wenn ich über seine zwei wohl berühmtesten Leben lese, weil ich ihn so sehr darin wiedererkenne. Mein Bruder hat es nie gelernt, sich in den Hintern zu treten… mit traurigem Ergebnis heute. Und so weiter.

Vor diesem Hintergrundwissen betrachtet man natürlich auch all die religiös/nationalistisch/rassistisch/sonstwie extremistisch begründeten Hetzereien mit… nun, sicher nicht Humor, aber einer gewissen Ironie. Die so fanatisch verfochtene Sache läßt man mit jedem Leben zurück – nur der Fanatismus kommt mit. Was dazu führt, daß im nächsten Leben vielleicht gegen genau die Sache gehetzt wird, die man vorher verfocht. Lachhaft, wenn’s nicht so traurig wäre.
Amüsanter, wenn auch nicht weniger seltsam, sind die Fans historischer Persönlichkeiten. Natürlich sehen sie (wie Fans moderner Berühmtheiten) nicht die wirkliche Person, sondern in erster Linie ihre eigene Phantasie. Aber auf einer Website zu lesen, die Schreiberin sei „besessen“ davon, Informationen über mein früheres Ich zu finden und habe nie ein Bild von ihr finden können; ob *diese* Miniatur vielleicht…? Das war schon seltsam. Ich habe nicht nur einen Fan, sondern einen Stalker. (Meine Mutter schlug vor, ich könne ihr ja ein aktuelles Foto schicken. „Leider kein Bild von damals, aber so sehe ich heute aus.“)

Andererseits bin ich vermutlich selbst nicht besser. Als Biographin und historisch Interessierte greife ich gern Figuren der näheren oder ferneren Vergangenheit auf, versuche sie zu verstehen – und frage mich, wie es mit ihnen weiterging, nachdem sie jenes Leben hinter sich ließen. Ich habe leider bislang nur einmal (nun ja, immerhin!) eine Antwort erhalten. Geht mich ja auch gar nichts an. Trotzdem…

Read Full Post »

Sonderbar ist der Streit über das Für und Wider eines Lebens nach dem irdischen Tode, eigentlich oft bis zur Lächerlichkeit. Wer ruhig, vorurteilsfrei und wunschlos zu denken und beobachten vermag, wird bald finden, daß tatsächlich alles, aber auch alles für die Wahrscheinlichkeit einer bestehenden andersstofflichen Welt spricht, die der jetzige Durchschnittsmensch nicht zu sehen vermag. Es sind so viele Vorgänge, die daran immer und immer wieder mahnen und die nicht einfach als nichtbestehend achtlos zur Seite geschoben werden können.
Dagegen ist für ein unbedingtes Aufhören nach dem irdischen Ableben weiter nichts vorhanden als der Wunsch vieler, die sich damit gern jeder geistigen Verantwortung entziehen möchten […].

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Spiritismus“)

Read Full Post »

Older Posts »