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Archive for the ‘Geistiges’ Category

Als Christus zur Erde kam, um die Gottesbotschaft der Wahrheit zu verkünden, mußte er sich deshalb auch eines grobstofflichen Körpers bedienen, also des Fleisches. Darin müßte schließlich schon jeder denkende Mensch die Unabänderlichkeit der Naturgesetze erkennen, wie auch in dem durch die Kreuzigung erfolgten körperlichen Tode.
Dieses grobstoffliche Fleisch aber konnte nach diesem Tode auch keine Ausnahme bilden, sondern mußte in der grobstofflichen Welt verbleiben! Es konnte
nicht auferstehen, um in eine andere Welt einzugehen! Die feststehenden göttlichen oder natürlichen Gesetze lassen das durch ihre aus dem göttlichen Willen hervorgegangene Vollkommenheit nicht zu. […]
Ein Auferstehen zu einer anderen Welt im Fleische ist vollkommen ausgeschlossen, für die Menschen, wie auch damals für Christus!
Der irdische Leib des Erlösers ging denselben Weg, den jeder andere grobstoffliche Leib zu gehen hat, nach den Naturgesetzen des Schöpfers.
Jesus von Nazareth, der Gottessohn, ist demnach nicht fleischlich auferstanden!
Es wird nun trotz aller Logik und der gerade darin enthaltenen viel größeren Gottesverehrung noch viele geben, die in der Blindheit und Trägheit ihres falschen Glaubens so einfachen Wegen der Wahrheit nicht folgen wollen. So manche wohl auch, die aus eigener Einengung nicht folgen können. Andere wieder, die mit voller Absicht wütend dagegen zu kämpfen versuchen, aus der begründeten Angst heraus, daß damit ihr mühsam errichtetes Gebäude bequemen Glaubens zusammenbrechen muß.
Es kann ihnen nichts nützen, wenn sie sich als Grundlage nur auf die wörtlichen Überlieferungen stützen; denn auch die Jünger waren Menschen. Es ist ja nur rein menschlich, wenn die damals durch alles furchtbare Geschehen stark erregten Jünger bei der Erinnerung in ihre Schilderungen manche eigenen Gedanken mit verwoben, die durch das vorangegangene Erschauen ihnen selbst noch unerklärlicher Wunder so manches anders wiedergaben, als es in Wirklichkeit gewesen war. […]
Auch wenn ihnen die stärkste geistige Inspiration helfend zur Seite stand, so greifen trotzdem bei der Wiedergabe vorgefaßte eigene Meinungen sehr stark mit ein und trüben oft das bestgewollte und klarste Bild.
Jesus selbst hat aber keine Niederschriften vorgenommen, auf die allein man unbedingt sich streitbar stützen könnte.
Er würde nie etwas gesagt oder geschrieben haben, das sich mit den Gesetzen seines Vaters, den göttlichen Naturgesetzen oder dem schöpferischen Willen, nicht voll und ganz in Einklang stellte. Sagte er doch selbst ausdrücklich:
“Ich bin gekommen, die Gesetze Gottes zu erfüllen!“
Die Gesetze Gottes aber liegen klar in der Natur, die sich allerdings weiter erstreckt als nur auf die Grobstofflichkeit, aber doch auch in der feinstofflichen wie in der wesenhaften und geistigen Welt überall „natürlich“ bleibt. […]
Außerdem aber kann jeder Mensch darüber auch Anhaltspunkte in der Bibel finden; denn Jesus erschien vielen. Was aber geschah? Maria erkannte ihn dabei zuerst nicht, Magdalena erkannte ihn nicht sogleich, die zwei Jünger auf dem Wege nach Emmaus erkannten ihn stundenlang nicht, trotzdem er mit ihnen ging und mit ihnen sprach… Was ist daraus zu folgern?
Daß es ein anderer Körper sein mußte, den sie sahen, sonst hätten sie ihn alle sofort erkannt!

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Auferstehung des irdischen Körpers Christi“)

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Bei Christi Tod zerriß im Tempel der Vorhang, der das Allerheiligste von der Menschheit abschloß. Dieser Vorgang wird als Symbol dafür angenommen, daß mit dem Opfertod des Heilandes im gleichen Augenblick die Trennung zwischen der Menschheit und der Gottheit aufhörte, also eine unmittelbare Verbindung geschaffen wurde.
Die Deutung ist aber
falsch. Mit der Kreuzigung lehnten die Menschen den Gottessohn als den erwarteten Messias ab, wodurch die Trennung größer wurde! Der Vorhang zerriß, weil das Allerheiligste daraufhin nicht mehr notwendig war. Es wurde den Blicken und unreinen Strömungen geöffnet, da, symbolisch ausgedrückt, das Göttliche nach dieser Tat seinen Fuß nicht mehr auf die Erde setzte, womit das Allerheiligste überflüssig wurde.
Also gerade das Gegenteil der bisherigen Deutungen, in denen sich wiederum wie so oft nur eine große Überhebung des Menschengeistes zeigt.
Der Tod am Kreuze war auch nicht ein
notwendiges Opfer, sondern ein Mord, ein regelrechtes Verbrechen. Jede andere Erklärung ist eine Umschreibung, die entweder als Entschuldigung gelten soll oder aus Unwissenheit heraus erstand. Christus kam durchaus nicht auf die Erde in der Absicht, sich kreuzigen zu lassen. Darin ruht auch die Erlösung nicht! Sondern Christus wurde gekreuzigt als lästiger Wahrheitsbringer um seiner Lehre willen.
Nicht sein Kreuzestod konnte und sollte die Erlösung bringen, sondern
die Wahrheit, die er der Menschheit in seinen Worten gab!
Die Wahrheit war aber den damaligen Religionsführern unbequem, ein Ärgernis, weil sie ihren Einfluß stark erschütterte. […] Die damaligen Führer stützten sich wie auch die heutigen zwar auf alte, gute Überlieferungen, aber diese waren durch Ausübende und Erklärende zu nur starrer, leerer Form geworden, ohne noch in sich lebendig zu sein. […]
Der aber dieses notwendige Leben in das bestehende Wort bringen wollte, brachte damit selbstverständlich einen
Umsturz in der Ausübung und Erklärung, nicht in dem Worte selbst. Er befreite das Volk von der niederzwingenden Starrheit und Hohlheit, erlöste es davon, und das war denen ganz natürlich ein großes Ärgernis, die bald erkennen konnten, wie energisch damit in die Zügel ihrer falschen Führung eingegriffen wurde.
Deshalb mußte der Wahrheitsbringer und Befreier von der Last der irrtümlichen Auslegungen verdächtigt und verfolgt werden. Als es trotz aller Mühe nicht gelang, ihn lächerlich zu machen, suchte man ihn als unglaubwürdig hinzustellen. Die „irdische Vergangenheit“ als Zimmermannssohn mußte dazu dienen, ihn als „ungelehrt und deshalb minderwertig für ein Aufklären“ zu stempeln! Als einen „Laien“. […]
Auf seine Aufklärungen selbst ging vorsichtigerweise niemand von den Gegnern ein, da sie ganz richtig fühlten, daß sie bei rein
sachlicher Entgegnung unterliegen mußten. So blieben sie bei der böswilligen Verleumdung durch ihre käuflichen Organe, bis sie sich zuletzt nicht scheuten, bei einem für sie günstigen Augenblick ihn öffentlich und fälschlich anzuklagen und ans Kreuz zu bringen, um mit ihm die Gefahr für ihre Macht und ihr Ansehen zu bannen.
Dieser gewaltsame, damals durch die Römer übliche Tod war nicht als solcher die Erlösung und brachte sie auch nicht.
Er löste keine Schuld der Menschheit, befreite sie von nichts, sondern er belastete die Menschheit als ein Mord im niedrigsten Sinne nur noch mehr!
Wenn sich nun bis heute hier und da ein Kult daraus entwickelt hat, in diesem Morde eine notwendige Hauptsache des Erlösungswerkes des Gottessohnes zu sehen, so wird der Mensch damit gerade von dem Wertvollsten abgezogen, das die Erlösung einzig und allein zu bringen vermag. Es lenkt ihn ab von der
eigentlichen Mission des Heilandes, von dem, was sein Kommen aus dem Göttlichen zur Erde notwendig machte.
Das war aber nicht, um den Tod am Kreuze zu erleiden,
sondern um in den Wust der den Menschengeist herabzerrenden dogmatischen Starrheit und Hohlheit hinein die Wahrheit zu verkünden! Die Dinge zwischen Gott, der Schöpfung und den Menschen so zu schildern, wie sie wirklich sind. […]
Nur in dem Bringen dieser Wahrheit und der damit verbundenen Befreiung von Irrtümern
ruht die Erlösung einzig und allein! […]
Es ist ein großer Fehler, wenn die Menschen glauben, durch den Kreuzestod sei die Vergebung ihrer Sünden gewährleistet. Dieser Gedanke zieht den furchtbaren Schaden nach sich, daß alle die, so daran glauben, dadurch von dem wahren Wege zur Erlösung
zurückgehalten werden, der einzig und allein darin liegt, nach dem Worte des Heilandes zu leben, nach den Erläuterungen, die er als Wissender und alles Überschauender gab. Und diese Erläuterungen zeigen in praktischen Bildern die notwendige Einhaltung und Beachtung des in den Schöpfungsgesetzen liegenden göttlichen Willens, sowie deren Auswirkungen bei Einhaltung und bei Nichteinhaltung.
Sein Erlöserwerk lag in dem Bringen dieser Aufklärung, welche die Mängel und die Schäden der Religionsausübung zeigen mußte, weil sie die Wahrheit in sich trug, damit sie Licht gab in die steigende Verdunkelung des Menschengeistes.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Der Kreuzestod des Gottessohnes und das Abendmahl“)

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„Bist Du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuze! Hilf Dir selbst und uns!“ Höhnend schallten diese Sätze zu dem Gottessohn hinauf, als er unter brennenden Sonnenstrahlen am Kreuz litt.
Die Menschen, welche also riefen, hielten sich für ganz besonders klug. Sie höhnten, triumphierten, lachten haßerfüllt, ohne einen eigentlichen Grund dafür zu haben; denn das Leiden Christi war doch sicherlich kein Grund zu Spott und Hohn, noch weniger zum Lachen. Es würde ihnen auch vergangen sein, wenn sie nur einen Augenblick die gleichzeitigen Vorgänge im feinstofflichen und im geistigen Reiche hätten „sehen“ können; denn ihre Seelen wurden dabei schwer gebunden auf Jahrtausende. Und wenn auch grobstofflich die Strafe nicht so schnell sichtbar werden konnte, so kam sie doch in
allen weiteren Erdenleben, zu denen die frevelnden Seelen daraufhin gezwungen waren.
Die Höhnenden dünkten sich damals klug. Sie konnten aber keinen treffenderen Ausdruck als Beweis ihrer Beschränktheit abgeben als diese Worte; denn darin liegt die kindischste Anschauung, die man sich denken kann. Weit entfernt sind also Sprechende von irgendeinem Verständnisse der Schöpfung und des Gotteswillens in der Schöpfung. Wie drückend ist deshalb das traurige Bewußtsein, daß auch heute noch ein großer Teil von denen, welche überhaupt noch an Gott glauben und an die damalige Sendung seines Sohnes, mit Bestimmtheit denken, daß Jesus von Nazareth vom Kreuze hätte steigen können, wenn er es nur wollte.
Nach zweitausend Jahren noch die gleiche, schläfrige Beschränktheit, ohne Änderung zum Fortschritt! Als von Gott gekommen, mußte Christus nach naiven Anschauungen vieler Gottgläubigen unbeschränkt in seinen Handlungen auf dieser Erde sein.
Das ist Erwarten, aus der ungesündesten Naivität entsprungen, Glaube der Denkträgheit.
Mit einer Fleischwerdung wurde der Gottessohn auch „unter das Gesetz getan“, das heißt, er unterwarf sich damit den Schöpfungsgesetzen, dem unabänderlichen Willen Gottes in der Schöpfung. Da gibt es keine Änderungen, was den irdischen und erdgebundenen Körper betrifft. […]
Deshalb war er an alles mit gebunden, an das der Erdenmensch gebunden ist, und konnte auch als Gottessohn nicht von dem Kreuze steigen trotz seiner Gotteskraft und Macht, solange er im grobstofflichen Fleisch und Blute sich befand. […]
Ist ein grobstofflicher Körper an dem Kreuze festgenagelt, so vermag er ohne fremde Hilfe, ohne grobstoffliche Hilfe, auch nicht freizukommen. Das ist Gesetz nach göttlichem Schöpfungswillen, das sich nicht überbrücken läßt.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Steige herab vom Kreuze!“)

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Die Brexit-Befürworter haben ein Klima von Wut und Angst geschaffen. Sie müssen einen Teil der Verantwortung dafür übernehmen, dass ein Verrückter die proeuropäische Labour-Abgeordnete und langjährige Oxfam-Mitarbeiterin Jo Cox ermordete.
(Hans Dembowski: Schlechte Nachricht aus London)

Nach einigem Lesen in Ellen Moodys privatem Blog kam mir plötzlich der Gedanke um Völkerkarma. Heute nicht mehr unbedingt bekannt außer bei Leuten, die sich mit der Zeit beschäftigen (so eben auch yours truly), aber ein heißes Thema nach Ende des Zweiten Weltkriegs war, in erster Linie gepusht von den USA, die Kollektivschuldfrage. Soll heißen: Das deutsche Volk als solches trage die Schuld an den Verbrechen des Nazi-Regimes. Die Begründungen dafür muten naiv an, aus der unerschütterlichen Sicherheit eines rechtsstaatlichen, demokratischen Systems heraus geboren. The Land of the Free statt Old Europe. Und natürlich ist die Schuldfrage, die letztlich mit der Geschichte der Demokratie in Deutschland zusammenhängt, ein weites Feld, über das sich trefflich diskutieren und streiten läßt. Mein Punkt hier ist ein spiritueller. Ellen Moody und Caitlin Kiernan und viele andere beobachten mit Sorge die Entwicklung in ihrem Land. Es wird viel Unheil prophezeit, das eintreten mag oder auch nicht. Die interessante Frage ist: Sollte besagtes Unheil eintreten, vielleicht gar auf internationaler Ebene – oder ganz breit gefächert könnte man auf das bereits angerichtete Unheil eingehen, das die USA seit Jahrzehnten in aller Welt anrichten – würde das US-amerikanische Volk seine eigene Geschichte darin wiedererkennen? Trägt nach der gleichen Logik, die seitens der USA damals auf Deutschland angewandt wurde, nicht auch das amerikanische Volk als solches die Schuld an den Verbrechen seiner Führung?
Früher oder später holen einen diese Dinge immer wieder ein.

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Aber, höre ich Sie fassungslos stammeln, nachdem Sie mühsam die Sprache wiedergefunden haben, wie kann denn ein Mensch, ein Unternehmer noch dazu, ohne Handy leben? Heute, hier, in diesem unserem Lande? Ohne Religion, ohne Weltanschauung, ohne Ideale, kein Problem, aber ohne Handy?!!

(Stefan Leszko, „The Unavailable“, in: DEGA GaLaBau, 71.2017,3)

Jep, ganz meine Ansicht. Ich bin übrigens auch „unavailable“ und sehe wie Herr Leszko in erster Linie Vorteile darin.

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Bei der Vollkommenheit der Schöpfung als Werk Gottes ist der Zeugungsakt unbedingt notwendig; denn die Allweisheit des Schöpfers hat in der Schöpfung von Urbeginn an alles so eingerichtet, daß nichts zu viel oder überflüssig ist. Wer einen derartigen Gedanken hegt, sagt damit gleichzeitig, daß das Werk des Schöpfers nicht vollkommen sei. Dasselbe gilt dem, der behauptet, daß die Geburt Christi ohne normale vom Schöpfer der Menschheit vorgeschriebene Zeugung vor sich ging. Es muß eine normale Zeugung durch einen Menschen von Fleisch und Blut erfolgt sein! Auch in diesem Falle.
Jeder Mensch, der sich dessen richtig bewußt ist, preist den Schöpfer und Herrn damit mehr als solche, die andere Möglichkeiten zulassen wollen. Die ersteren setzen damit ein so unerschütterliches Vertrauen in die Vollkommenheit ihres Gottes, daß nach ihrer Überzeugung in den von ihm bedingten Gesetzen eine Ausnahme oder Veränderung überhaupt nicht möglich ist. Und
das ist der größere Glaube! Außerdem spricht ja auch alles andere Geschehen unbedingt dafür. Christus wurde Erdenmensch. Mit diesem Entschluß mußte er sich auch den zur grobstofflichen Fortpflanzung von Gott gewollten Gesetzen unterwerfen, da die Vollkommenheit Gottes dies bedingt. […]
Auch könnte man begründen, daß, wenn in
diesem Sinne bei Gott kein Ding unmöglich ist, er ebensogut hätte mit einem einzigen Willensakte alle Menschen der Erde gläubig machen können! Dann brauchte er nicht seinen Sohn mit der Menschwerdung dem irdischen Ungemache und dem Kreuzestode auszusetzen. Dieses gewaltige Opfer wäre erspart geblieben.
Daß es aber
so geschah, zeugt für die Unbeugsamkeit der von Anfang an laufenden göttlichen Gesetze in der Schöpfung, in die ein gewaltsamer Eingriff zu irgendeiner Änderung durch deren Vollkommenheit nicht möglich ist.
Daraufhin könnte von blind streithafter Seite wiederum hartnäckig entgegnet werden, daß es Gottes Wille war, wie es geschah. Das ist ganz richtig gesagt, aber durchaus kein Gegenbeweis, sondern in Wirklichkeit ein
Zugeben vorstehender Begründung, wenn man die naivere Auffassung wegfallen läßt und tieferer Erklärung folgt, die alle Aussprüche geistiger Art unbedingt verlangen.
Es war Gottes Wille! Das hat aber mit einer Willkür nichts zu tun, sondern es bedeutet im Gegenteil nichts anderes, als die Bestätigung der von Gott in die Schöpfung gelegten Gesetze, die seinen Willen tragen, und die damit verbundene unbedingte Einfügung in dieselben, die eine Ausnahme oder Umgehung nicht zulassen.
Gerade in der Erfüllungsnotwendigkeit zeigt und betätigt sich ja Gottes Wille. Sonst brauchte Jesus ja gar nicht erst von einem Erdenweibe geboren zu werden, sondern hätte einfach plötzlich da sein können.
Deshalb mußte sich auch Christus zur Ausführung seiner Mission unabwendbar allen Naturgesetzen, also dem Willen seines Vaters, unterwerfen. Daß Christus dies alles tat, beweist sein ganzes Leben. Die normale Geburt, das Wachstum, der auch bei ihm eintretende Hunger und die Ermüdung, die Leiden und zuletzt der Kreuzestod. Allem, dem ein irdischer Menschenkörper unterworfen ist, war auch er unterworfen. Warum soll nun einzig und allein die Zeugung anderer Art gewesen sein, wozu absolut keine Notwendigkeit vorlag. Gerade in der Natürlichkeit wird des Heilandes Aufgabe noch größer, durchaus nicht kleiner! Ebenso ist Maria deshalb nicht weniger begnadet gewesen in ihrer hohen Berufung.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Die unbefleckte Empfängnis und Geburt des Gottessohnes“)

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Unser letzter Tag führte zu den zwei möglichen Stätten des biblischen Emmaus. Abu Gosh ist berühmt für den teuersten Hummus der Welt; unser Guide zeigte uns das Restaurant, damit wir auf keinen Fall dorthin gingen.
Es folgten zwei weitere Kirchen, eine Kreuzfahrerkirche, in der die Gruppe das Abendmahl zelebrierte, während ich im Untergeschoß meine Andacht abhielt, und Unsere liebe Frau von der Bundeslade (klingt schräg, aber es gibt eine Symbolik dazu). Dann nach Latrun, mehr Ruinen, die aber von der Entfernung her wohl nicht Emmaus gewesen sind. An diesem Tag regnete es kräftig.

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Schließlich ging es zurück nach Tel Aviv, Abschied nehmen. Zwei aus der Gruppe blieben noch ein paar Tage, der Rest von uns stürzte sich in die vier Sicherheitschecks, die man bei Abflug durchläuft. Im Flieger saß ich völlig ungeplant neben einem Mitglied unserer Gruppe, und wir verbrachten die vier Stunden Flug mit interessanten Gesprächen über Glaube und Dinge zwischen Himmel und Erde.

Ich möchte hier mit einem Zitat Pater Nikodemus‘ schließen.

Offenbar ist es auch nicht das Privileg einer bestimmten Religion, Idioten in ihren Reihen zu haben. Es war sicher nie leichter als heute, Gründe zu finden, um Atheist zu werden, auch wenn ein Blick auf die großen zerstörerischen atheistischen Ideologien wie den Nationalsozialismus oder den Kommunismus zeigen, dass ein Zurückdrängen von Religion und eine Abkehr von Gott offenbar auch keine wasserdichte Friedensalternative ist.
Ich weigere mich vehement, diese Gewalttäter im Namen einer Religion als gläubige oder religiöse Menschen anzusehen. Es ist unfair, diese Leute mit den oben beschriebenen 5:00 Uhr-morgens-Betern in einen Topf zu schmeißen! Das sind für mich nämlich die wahren religiösen Menschen! Die Gewalttäter haben dagegen so viel mit Religion zu tun wie ein Hooligan mit dem Fußballspiel! Während ich meine 5:00 Uhr-Freunde – um im Bild zu bleiben – mit den wahren Fußballfans vergleichen möchte, die voller Begeisterung und Leidenschaft für das brennen, was auf dem Platz geschieht, so sind die Gewalttäter für mich Hooligans, die zwar rein äußerlich wie ein echter Fan gekleidet sind, aber doch nicht wirklich für die Sache leben, also für das, was auf dem Platz geschieht, sondern allein das stärkende Gruppengefühl suchen und dieses in Abgrenzung zu anderen auch mit Gewalt ausleben: Das Fußballspiel selbst ist dabei lediglich der Anlass, um sich zur „dritten Halbzeit“, der Gewalteskalation, zu treffen.
Deshalb schlage ich vor, diese Menschen „Hooligans der Religion“ zu nennen. Sie sehen einem echten Gläubigen sehr ähnlich, da sie sich äußerlich mit allen Accessoires eines Religiösen schmücken – darin ja nicht unähnlich den Hooligans im Stadion, die Fanbekleidung tragen –, doch im Gegensatz zu den Tiefgläubigen, die voller Begeisterung und Leidenschaft für Gott brennen, geht es den Religionshooligans um die identitätsstiftende Gruppenidentität, welche immer wieder bewusst die Abgrenzung zu den anderen Religionen sucht, gerne auch gewaltsam.

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Am Morgen hatte ich dann allerdings einen kräftigen Sonnenbrand und zog meine langärmlige Bluse mit Kragen an. Darunter sah man das Kreuz sowieso kaum. Ein Tuch darüber – Fall erledigt. Mit einem solchen Kompromiß kann ich leben. (Unter den Nazis trugen die Kreuzträger ihr Kreuz verdeckt, und viele machen es heute im Alltag auch so. Ich ja auch, wenn ich einen Rollkragenpulli anziehe.) Sollte es trotzdem jemand bemerken und bemängeln, würde ich eben umkehren.
Beim Frühstück erntete mein Entschluß eine gewisse Zustimmung. Es führte zu einem guten Gespräch über das Einstehen (oder nicht) für eigene Werte, gerade in der christlichen Kirche, die von einigen durchaus als zu nachgiebig empfunden wurde.

Interessanterweise schreibt die aktuelle Jüdische Rundschau, die sowieso wieder gut in Fahrt ist:

Bei einem Besuch des Tempelbergs in Jerusalem nahmen der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sowie sein katholischer Kollege Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz, ihre Brustkreuze ab, bevor sie den Tempelberg besuchten. Heinrich Bedford-Strohm rechtfertigt die Entscheidung mit diesen Worten: „Wir haben aus Respekt vor den Gastgebern gehandelt.“ Es handele sich „um eine Antwort auf den Wunsch der Gastgeber.“
Wie Bedford-Strohm vor Journalisten weiter sagte, trage er bei Moscheebesuchen sonst das Bischofskreuz: „Das halte ich für den Normalfall.“ Den eigenen Glauben im interreligiösen Dialog zu verleugnen, sei der verkehrte Weg. In dieser besonderen Situation in Jerusalem wäre es aber falsch gewesen, dem Wunsch der islamischen Gastgeber nicht nachzukommen, erklärte er.

Sehr geehrter Heinrich Bedford-Strohm,

da möchte ich ihnen [sic] vehement widersprechen. Gerade auf dem Tempelberg war es besonders falsch, das Kreuz abzunehmen, denn es gab da mal jemanden, der sagte, genau dieser Ort „soll ein Haus des Gebetes für alle Völker sein.“ Wissen Sie, wer das gesagt hat? Jesus! Kennen Sie den? Wenn nicht, schlagen Sie mal bei Markus 11,17 nach.
Wissen Sie auch, was dieser Jesus mit Leuten gemacht hat, die den Ort, an dem Sie Ihr Kreuz abgenommen haben, nicht als einen Ort des Gebets für alle behandelt haben. Schlagen Sie mal bei Johannes 2,15 nach. Jesus wurde erstaunlich ungemütlich:
„Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus.“
Ich gebe zu, Jesus war an dem Tag etwas hart drauf. Sonst war er nicht so gewalttätigt [sic]. Eins aber war Jesus recht konsequent: Er stand zu seinen Überzeugungen und er leugnete seinen Glauben nie. Er ließ sich weder in der Wüste noch vom Hohen Rat von seinem Glauben abbringen. Aber hey, wer war schon dieser Jesus, nicht wahr, Herr Bedford-Strohm?

Abgesehen von der Parallele zu Lynn Austins Fehlschluß (s. Teil 1) ist sicherlich was dran. Wie ein Mitreisender sagte: „Man stelle sich mal vor, wenn wir als Christen so etwas [=Verbot anderer Glaubenszeichen in Kirchen] versuchen würden. Was dann los wäre!“ De facto hatten aber auch mehrere die Bibel auf ihrem Smartphone dabei, was völlig unkontrollierbar ist. Über Sinn und Unsinn der Kontrollen läßt sich also streiten.
In jedem Fall berichtete unser Guide, daß auch die meisten Zionisten nicht vorhätten, den Tempel wieder aufzubauen und zu Brandopfern zurückzukehren. Verständlich, wenn man bedenkt, daß sie beim geringsten Versuch, am Felsendom nur zu kratzen, die gesamte islamische Welt in Waffen am Hals hätten… Andererseits existiert auf muslimischer Seite die Verschwörungstheorie, die archäologischen Ausgrabungen zu Füßen des Tempelberges dienten dazu, den Berg zu unterhöhlen und den Felsendom einstürzen zu lassen. Seufz!

Zuerst ging es aber zur Westmauer. Ich gestehe, seitdem ist mein Vertrauen in die israelische Sicherheit ein bißchen erschüttert. Bei der Taschenkontrolle schlug das Gerät an, wohl weil ich mein Kindle mitführte. Der Wachtuende bat mich, am Tisch zu warten. Allerdings war er allein, und die Massen strömten. Ich wartete also und wartete… und fragte schließlich nach, ob er meine Tasche noch kontrollieren wolle.
Pause. „Sind Sie damit durchgegangen?“
„Äh…nein? Sie sagten mir, ich solle hier warten.“
Pause. „Habe ich das?“ Pause. „Ich erinnere mich nicht.“
Seufz! Schnabeline war also offiziell freigegeben. Unser Guide hielt wieder einmal einen zwar interessanten, aber viel zu langen Vortrag, so daß ich schon mal vorging. Was sich an der Mauer sammelte, waren einige Betende und viele Fotographierende. Es machte mich fertig, dieses Verhalten, das man überall antraf: Selfies in heiligen Stätten. Sich in Pose schmeißen vor heiligen Stätten. Alltagsgespräche in heiligen Stätten.
Nebenan in der Männerabteilung wurde Bar Mitzvah gefeiert.

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Beim Felsendom vertat sich unser Guide leider, da Araber offenbar eine andere Sommer- und Winterzeit haben. Uns blieb etwa eine Viertelstunde, dann scheuchten die Aufpasser bereits. Nicht, daß das unsere träge Gruppe irgendwie gestört hätte. Schnabeline schämte sich wieder einmal fremd.
Daraufhin standen wir eine geschlagene halbe Stunde an der „Kleinen Klagemauer“, der Weiterführung der Westmauer. Diese Stelle ist halbwegs akzeptiert als Ort, an dem jüdische Männer und Frauen gemeinsam beten, und entsprechend stecken auch überall Gebetszettel in den Ritzen und Löchern. Dennoch ist der Ort ein besserer Hinterhof. Eine halbe Stunde muß man dort nicht bleiben. Ich war wieder einmal frustriert.
Danach war endlich Zeit zur freien Verfügung. Unser Guide wollte noch durch die Davidstadt, dort etwas zeigen und erklären; unser Pfarrer, der meinen Unmut wohl bemerkt hatte, bot mir an, mich auf dem direkten Wege zur Grabeskirche, dem Sammelpunkt, zu bringen. Über das Damaskustor ging ich dann zum Gartengrab, einer Alternativstelle für Golgatha und das Grab. Ob historisch korrekt oder nicht, zumindest bekommt man dort ein viel besseres Gefühl dafür, wie die Stätten zur Zeit Jesu ausgesehen haben. Die Anlage ist wunderschön und friedlich, und ich hätte mich noch lange dort aufhalten können. Leider wurde sie über Mittag geschlossen.

We continue to walk for another block or two up a small hill until we reach the entrance to a walled garden. This peaceful, tree-filled grove contains a first-century tomb in its original state and I find it much easier to visualize the biblical events here. Whether or not this is the authentic site doesn’t matter.
We walk to the rear of the garden to view the craggy, undeveloped cliff that is part of this hill and see that the weathered rocks bear the features of a skull. As we make our way to a secluded grove to celebrate Communion, I hear voices and singing. Groups of tourists from all over the world sit tucked in private grottos, celebrating Communion, as well. Their songs are in several languages – German, Korean, Italian, and others that I can’t identify. […]
I’m reluctant to leave the garden and reenter the world, but that’s exactly what we are supposed to do. „Don’t cling to me,“ Jesus told the women that Easter Sunday. „Go and tell the others“ (see John 20:17). The minute I stop outside the garden walls and see cars and buses and people streaming by, I am hurled back from the past and into the present.

„I see more groups coming“, sagte der Guide einer anderen Gruppe, als wir noch vor dem Abendmahlsaal saßen. Wir lachten, denn das war ein gutes Motto für die gesamte Reise. Von nun an wurde es immer wieder gern zitiert.
Abschluß war St. Peter in Gallicantu, einer der zwei möglichen Orte für das Haus des Kaiphas. Es ist dreigeschossig, da am Hang liegend. Die obere Kirche hatten wir quasi für uns, weil alle Gruppen gleich nach unten strömten. Die untere Kirche war voll mit Finnen, die eine Andacht abhielten, die lange dauerte. Im untersten Geschoß sind dann Ruinen, in denen früher möglicherweise abtrünnige Juden gefoltert wurden, um sie wieder auf den rechten Weg zu bringen. Immer eine überzeugende Methode, finde ich.

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Sonntag. Als Motto des Tages wurde mein Zettel gezogen, ein Zitat aus der Gralsbotschaft:

„Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“
Wäre diese Bitte denn nötig, wenn der Kreuzestod ein notwendiges Opfer zur Versöhnung sein sollte? „Sie wissen nicht, was sie tun!“ ist doch eine Anklage der schwersten Art. Ein deutlicher Hinweis, daß es falsch ist, was sie tun.

Ich hatte die letzten beiden Tage schon gezittert, daß es drankäme und damit viel zu früh sei. Aber hier paßte es. „Sehr philosophisch“, äußerte sich unsere Ex-Pfarrerin diplomatisch.

Die Gruppe teilte sich am Jaffator, je nachdem, welchen Gottesdienst sie besuchen wollten. Die Dormitio bot den katholischen, die Erlöserkirche den protestantischen Reisenden einen deutschsprachigen Dienst. Ich setzte mich auf der Zitadelle in den schönen Außenbereich und hielt meine eigene Andacht.

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Anschließend ging es ins Israel-Museum mit dem großen Modell der Stadt zur Zeit des zweiten Tempels. Endlich erkannte man etwas und konnte zuordnen, wo wir was gesehen hatten. Die ältesten Schriftrollen der Welt bewunderte besonders ich aus Berufsgründen und als Hebräisch-Lernende im Schrein des Buches (und wurde aufgefordert, die vokalisierte Rolle vorzulesen, scheiterte aber kläglich). Das Museum selbst hätte Stunden verschlungen; wir wählten die extrem abgespeckte Version und sahen nur an, was bibelwesentlich war. Innerhalb von zwanzig Minuten oder so waren wir durch. 🙂 Völlig unverständlich blieb mir die Begeisterung meiner Mitreisenden über den Kreuzigungsnagel mit noch vorhandenem Fersenknochen. Hier war ein Mensch auf fürchterliche Weise zu Tode gekommen. Jesus selbst, das Zentrum ihres Glaubens, war auf gleiche fürchterliche Weise zu Tode gekommen. Berührt das diese Leute nicht? Mich packte einfach nur das nackte Grauen.

Yad Vashem war bewußt der letzte Stop des Tages. Die Meinungen waren unterschiedlich. Wir hatten nur eine Stunde zur Verfügung – ich persönlich wäre gern länger geblieben, andere fanden es positiv, daß die Berührung somit stark beschränkt blieb. Es waren auffallend viele orthodoxe Juden dort, von denen ich angenommen hätte, daß sie es längst kennen.

Vor dem Abendessen stattete ich dem Hotelshop einen Besuch ab und verbrachte eine unterhaltsame Zeit dort mit Anproben (der Betreiber gab mir ständig die falschen Größen) und generellem Schnack. Alles ist „Made in Israel“ dort; von „Made in China“ hält der Betreiber so überhaupt nichts.

Beim Abendtreff fiel uns dann auf, daß das Hotel offenbar als respektabler Treffpunkt für heiratswillige junge orthodoxe Juden gilt. Überall saßen Pärchen einander züchtig gegenüber und beschnupperten sich wohl.

Mein größter Konflikt des Tages galt dem nächsten Morgen, namentlich dem Besuch auf dem Tempelberg. Es ist nicht erlaubt, irgendein Glaubenszeichen mit hinaufzunehmen, das nicht muslimisch ist. „Also Bibeln, Kreuze besser im Hotel lassen.“ Klingt soweit machbar; allerdings ist mein Kreuz nicht einfach ein Schmuckstück oder ein Zeichen meines Glaubens, es ist das äußerliche Zeichen des Bundes mit Gott. Wo sollte ich also Kompromisse schließen? Am Ende kam ich zu dem Entschluß, daß mir Gott doch erheblich wichtiger sei als ein paar Muslime da oben auf dem Berg. Wesentlich wichtiger auch als ein Bauwerk. Also würde ich ganz einfach nicht mit hinaufgehen.

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Von biblischen Zeiten merkt man in der Metropole so gut wie nichts mehr. Die Höhen sind überbaut, durch die Täler ziehen sich Schnellstraßen. Vielleicht kann ich es also meinen Mitreisenden nicht verargen, daß sie so wenig religiöse Andacht an „heiligen“ Orten zeigten, obwohl das permanente Alltagsgeschnabbel meine Empfindung trotzdem verletzte.

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Wir starteten auf dem touristisch überlaufenen Ölberg mit seinen Souvenirhändlern. Unser Guide hatte uns schon darauf vorbereitet, daß er ein wenig „mitspielen“ müsse, da die Araber ihn (auf Arabisch) aufforderten, uns zum Kaufen zu animieren und er sie ja nun häufiger sehe… Beliebter waren der Esel und das Kamel, die für Fotos und als Taxi zu Verfügung standen.

Den Ölberg ging es hinab zur Kirche Dominus flevit, die ich mir aufgrund der Touristenscharen ersparte. Der Garten war einer Andacht viel zuträglicher, mit seiner noch einigermaßen authentischen Landschaft aus Felsen und Olivenbäumen. Netterweise hatte ich ihn auch größtenteils für mich, weil eben alle in der Kirche waren und der nächste Schwung erst etwas später kam.
Am Ölberg lassen sich übrigens strenggläubige (und wohlhabende) Juden bestatten, weil im Jüngsten Gericht dort die Toten als erste auferstehen…

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Der Garten Getsemane ist heute kleiner als erwartet, denn – wie überraschend – auf einem Großteil steht eine Kirche. Auch hier ersparte ich sie mir und hielt statt dessen meine persönliche Andacht ab.
Am Fuß des Berges wartete das orthodoxe Mariengrab mit viel Weihrauch und Gold, aus dem ich gleich wieder floh.
Viel schöner die Kreuzfahrerkirche St. Anna mit ihrer wunderbaren Akustik, die unsere sangesfreudige Gruppe gleich wieder etwas zu exzessiv nutzte. Zum Glück vor dem professionellen Männerchor, der dann nachrückte und zeigte, was Singen ist. Herrliches Erlebnis! Eine wohl amerikanische Gruppe kam danach dran, beziehungsweise ihre Solistin, die sicherlich mit Mikrophon gut rüberkommt, aber deren Stimme viel zu dünn war, um hier zu wirken.
Anschließend zu den Ruinen am Teich Bethesda, wo Jesus am Sabbat einen Gelähmten heilte (inzwischen hatten wir eine ganz gute Vorstellung, warum die jüdischen Priester so sauer darüber waren – der Gelähmte durfte nämlich, da Sabbat, im Anschluß auch nicht seine Trage schleppen). Wieder einmal eine Predigt voll Allgemeinplätze. Noch vor Ort notierte ich mir:

„Dafür braucht man einen Pfarrer: Daß er mit seinen Auslegungen, Bezügen, Symbolen, modernen Deutungen im Weg steht zwischen Mensch und Gott.“

Es stellte sich später heraus, daß ich nicht die einzige war, die so empfand. Das Nicht-vertiefen-Können wurde durchaus kritisiert. Und ein protestantisches Mitglied der Gruppe erklärte, es fiele jetzt erst so richtig auf, wie wortlastig die evangelische Kirche sei.

Mittag gab es wie immer in einem arabischen Lokal, wo wir endlich die berühmte Limonade zu trinken bekamen. Trotz Bedenken, denn mehrere Reisende hatten inzwischen die gefürchteten gesundheitlichen Probleme des Nahen Ostens zu spüren bekommen, vermutlich durch das Leitungswasser, das es abends kostenlos gab.

Eigentlich sollte die Via Dolorosa schweigend zurückgelegt werden – nun ja, bei unserer Gruppe ein vergebliches Unterfangen. Mich nahmen zumindest die ersten Stationen doch sehr mit. Später, inmitten des arabischen Bazars, verlief sich das. Dank unseres Guides, der ja jeden kennt, konnte wir sogar offiziell Station 1 besuchen, die heute in einer arabischen Schule liegt, in direkter Nachbarschaft zum Felsendom. Im Innenhof, wurde uns berichtet, filmte Mel Gibson übrigens die Gerichtsszene seines Films Passion.
Die letzten fünf Stationen liegen innerhalb der Grabeskirche. Zunächst standen wir ahnungslos und friedlich in einem verlassenen Hinterhof und sahen Gerüste der wirklich notwendigen Renovierung, die derzeit stattfindet. Und dann ging es ins Innere.

We walk into the church through an arched doorway and enter an altogether different world. These holy places have been gilded and polished and adorned by thousands of years of Christian devotion until I feel as though I can hardly move forward through the glittering clutter. The trappings of ornate religion seem to weigh me down: gleaming silver and bronze, embroidered tapestries, sputtering candles, cloying incense, priests in flowing robes, marble statues. To say that it no longer resembles a place of execution or a graveyard is an understatement.
I wait in line to climb a short set of steps to where the cross supposedly stood, but once there, I can’t see past the gaudiness to imagine Christ’s passion. A man in a brown robe prods me and my fellow tourists to keep moving. I wait in line again to peer inside a square, stone monument, all that remains of the rocky hillside from which the borrowed tomb was hewn. Empty or not, it no longer resembles a tomb. I have to confess that since I don’t belong to the religious traditions represented in this church, I find it difficult to feel awe or amazement or any of the other emotions that I thought I would.

Unser Guide nannte diese Erfahrung später unser „Grabeskirchentrauma“. Von Andacht oder Heiligkeit keine Spur; alles, was man sah, waren Touristenmassen und Baugerüste. Wir blieben stecken, als vor dem heiligen Grab eine Feier stattfand und wegen Baumaßnahmen kein zweiter Weg frei war. Irgendwie schaffte unser Guide es dennoch, uns auf anderem Wege hinauszuführen; vor uns gab es fast eine Keilerei; ein orthodoxer Bischof mit Gefolge rückte an… „Keine zehn Pferde bringen mich da noch mal rein!“ erklärte ich, als wir endlich das Freie erreicht hatten. Denn Erklärungen mußten wegen Überfüllung und Zeitknappheit warten bis zu einem zweiten Besuch.

Auf dem Weg zur Dormitioabtei, wo ein Treffen mit den hiesigen Benediktinern anstand, beobachteten wir eine Szene, über die wir ein wenig rätselten. Eine Touristin fragte einen orthodoxen Juden nach dem Weg zur Westmauer, doch er ignorierte sie. Unfreundlichkeit? Oder Verbot?

In der Dormitio erwies sich, wie gut einige Mitreisende bereits „indoktriniert“ waren. Die Dormitio gehört zur Brotvermehrungskirche in Tabgha, und auch hier hatte es einen Brandanschlag gegeben sowie Schmierereien an den Außenmauern. Frage eines Mitreisenden: „Aber das waren die Juden, oder?“ Schnabeline stöhnte innerlich auf. Bruder Nathanael hielt es etwas differenzierter. In Tabgha habe man die Täter nicht gefaßt, aber die Vorfälle hier stammten von jüdischer Seite, ja. Die darauf folgende Frage, ob man seitens der israelischen Behörden Schikanen ausgesetzt sei, verneinte er entschieden. Natürlich wußte er nicht, welchen Hintergrund die Frage hatte, nämlich daß sich gerade besagter Frager ein wenig zu sehr ins Pro-Palästinensische hineingesteigert hatte. Das sind aber gerade die gleichen Personen, die, hätten wir einen israelischen Guide gehabt, zu 100% auf israelischer Seite gestanden hätten. Hinterfragen, abwägen ist das Geheimnis.
Bruder Nathanael jedenfalls schilderte, wie schockiert die Gemeinschaft gewesen sei. „Wir machen ja gar nichts, wir sind einfach nur hier. Und daß bewußt Menschenleben in Gefahr gebracht werden… das ist unverständlich.“
Pater Nikodemus schreibt in seinem Buch:

Uns allen hat geholfen, dass wir von einer unbeschreiblichen Welle der Solidarität und des Gebets getragen wurden: Juden, Christen, Muslime, Drusen und religiös weniger musikalische Menschen standen uns bei und haben auf vielfältige Weise an unserem Schicksal Anteil genommen. Da ist der Mann aus der Nachbarschaft, der fünf Brote und zwei Fische als Stärkung für Leib und Seele vorbeibrachte. Da sind die einheimischen Christen, die ein eigenes Solidaritäts-T-Shirt drucken ließen mit der Aufschrift „Angesichts des Feuers bezeugen wir das Licht“. Und da ist die Gruppe von Rabbinern, die eine eigene Crowdfunding-Kampagne unter orthodoxen Juden für den Wiederaufbau unseres Klosters initiiert haben, um nur drei Beispiele zu nennen. Die Täter haben Hass und Zerstörung gesät, doch die Ernte in diesen Tagen war unbeschreibliche Solidarität von vielen, vielen Menschen, auch von jenen, bei denen wir es nicht immer erwartet hätten.

Und um nun auf Lifegate zurückzukommen: Unser Guide erzählte, daß Zionisten aktiv Häuser im arabischen Teil der Stadt aufkauften und dann dort provokativ die israelische Flagge aushängten. (Wir sahen Beispiele davon.) Ich hätte ja Angst um meine Fenster, aber bitte. Auf die Frage, warum die Araber ihre Häuser an Israelis verkauften, ging er auf die vorherrschende Mentalität ein. Das Gemeinschaftsgefühl, in diesem Fall der Staatsgedanke, sei ganz einfach nicht verbreitet. Den Eigentümern ginge es in erster Linie darum, gutes Geld für ihre Häuser zu bekommen, damit sie irgendwo, wo es ruhiger sei, mit ihren Familien leben könnten.

Abends hielt unsere mitreisende Pfarrerin a.D. einen spannenden Vortrag über die Legende der Heiligen Veronika. (Ihren ersten in Tiberias hatte ich wegen extremem Totseins geschwänzt.) Symbole waren immer ihr Ding; alles in der Bibel ist im Grunde genommen nur symbolisch gemeint. Ich fragte mich, warum sie eigentlich Christin sei und wann sie so weit sei zu sagen, auch Gott sei nur symbolisch gemeint. An diesem Abend sagte sie etwas, das eine schöne Antwort darauf war, nämlich nach einem Disput mit einer Katholikin, der der symbolische Hintergrund ziemlich wurscht war. (Eine der wenigen Mitreisenden, bei denen ich eine spirituelle Ader wahrnahm.) „Nun ja“, gab unsere gewesene Pfarrerin zu, „Theologie verdirbt jede Art des Glaubens.“

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