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Archive for the ‘Bücher’ Category

Ein Buch, das ich nur wärmstens ans Herz legen kann, ist Peter Wohllebens Das geheime Leben der Bäume. Der Förster und Umweltschützer beschreibt ungemein spannende neue Erkenntnisse über das Ökosystem Wald und seine inneren Zusammenhänge. Daß Bäume miteinander kommunizieren können oder insbesondere Wohllebens geliebte Buchen im Sippenverband wachsen, wobei sie schwächere Mitglieder mit Nährstoffen versorgen und am Leben erhalten, sind nur zwei der sehr unterhaltsam und so gar nicht esoterisch angehaucht geschilderten Beobachtungen.
Nebenbei erfreulich zu lesen, daß die Volksweisheit, am Moosbewuchs könne man die Himmelsrichtung erkennen, schlichtweg falsch ist. Ich stand schon so manches Mal im Wald und rätselte, wie das bei rundum bewachsenen Bäumen gehen soll oder bei solchen, die ganz unterschiedliche Bewuchse zeigen…

Ich frage mich, ob Wohlleben Tolkien gelesen hat. Ich lächelte so manches Mal über seine liebevollen Schilderungen des bäumischen Charakters („Warte doch erst mal 200 Jahre.“), in denen man haarscharf Tolkiens Ents wiedererkennt. Auch Tolkien liebte ja Bäume aus tiefster Seele, sprach sogar mit ihnen, und ich bin sicher, Wohllebens Buch hätte ihm sehr gefallen.


Hochgelobt nicht nur unter Christen ist ja The Shack. Die Verfilmung ist tatsächlich sehr gelungen. Manches Mal etwas zu sehr konventionell christlich, aber in keiner Weise vergleichbar mit beispielsweise den PureFlix-Produktionen, die sich niemals in die Tiefe zu gehen trauen. Ein bißchen wie Melody Carlson gegenüber Lynn Austin. Und sehr schön, daß endlich einmal der Fokus weniger auf Jesus als auf Gottvater liegt, etwas, das, wie ich finde, viele Christen gern vergessen. (Sicher auch die coolste Darstellung Jesu, die ich je gesehen habe.)
John Fusco, in erster Linie bekannt durch seine indianische Filmarbeit, war eindeutig ein Glücksgriff als Drehbuchschreiber. Ob von ihm der Einbau der indianischen Legende um die Prinzessin und den Wasserfall stammt? Dargestellt wurde diese bereits im wundervollen Dreamkeeper, dessen Drehbuch ebenfalls von Fusco stammt.

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Zwei Bücher gab’s zum Wochenende auch: Heiko Bräunings Mein Deadline-Experiment und Wolf-Dieter Storls Mein amerikanischer Kulturschock – Meine Jugend unter Hillbillies, Blumenkindern und Rednecks.

Das Deadline-Experiment las sich in der Vorankündigung recht vielversprechend: Der Autor setzte sich ein fiktives Todesdatum (knapp vier Jahre in der Zukunft) und beobachtete, wie sich seine Einstellung zum Leben dadurch veränderte. De facto war das Buch nun aber nicht sonderlich umwerfend – ganz nett, aber mehr auch nicht; eher allgemein und (dem Job des Autors geschuldet) seelsorgerisch gehalten. Amüsant waren einzig und allein die Reaktionen einiger Bekannter und Gemeindemitglieder, die sich entweder ereiferten, vier Jahre sei doch viel zu bald – die Kinder bräuchten ihn doch noch! („Recht hat sie! Aber wie war das bei der befreundeten Familie, deren Papa Andreas bei einem Motorradunfall mit 42 Jahren ums Leben kam?“) – oder aber unkten, er solle doch nichts herausfordern… so, als ließe sich der Tod herbeireden. Letzteres ist ein so verbreitetes Phänomen, das mich jedesmal wieder lachen läßt. Bloß nicht vom Sterben reden, das ist morbide – und wer weiß, vielleicht fällt man ja im nächsten Augenblick tot um, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt!

Storls neuestes Werk ist dagegen extrem lesenswert. Der Sohn deutscher Nachkriegsauswanderer beschreibt seine Jugend im Mittwesten der USA und seine Erfahrungen als Student und später Dozent an verschiedenen Universitäten während der 60er Jahre, inmitten von Flower Power, Rassenunruhen und dem Aufeinanderprallen gesellschaftlicher Ansichten und Lebenssysteme. Allein die unglaublichen Charaktere, von denen das Buch wimmelt, sorgen immer wieder für hilflose Lachattacken. Weniger witzig, wenn auch auf andere Art irgendwann belustigend, ist die Arbeit des Korrekturlesers. Ich hoffe, selbiger war nicht Dr. Willi Dommer (Lektorat). Falls doch, frage ich mich, welche Art Doktor er ist. Ein derartig von orthographischen Fehlern strotzendes Buch ist mir noch nicht begegnet. (Naja – vielleicht die Studienhefte des ILS-Geomantiekurses.) Grundsätzlich werden alle englischen Komposita mit Bindestrich geschrieben, wo keiner hingehört, während die deutschen Komposita, die einen Bindestrich erfordern, keinen erhalten. Und die Großschreibung von „Sie“ als Anredeform wird auch gern vergessen. (Dankbarerweise wird nicht, wie leider inzwischen oft gesehen, im Gegenzug Plural-Personalpronomen „sie“ großgeschrieben.) Und von den Kommas will ich gar nicht anfangen. Daß einer von Storls Freunden eine Datei im Schreibtisch gefunden haben will, ist hingegen fast schon ein netter Fehler: Verdammte Zweisprachigkeit! Nein, der Gute hat natürlich keine Zeitreise in die Computerära unternommen, sondern a file ausgegraben, eine Akte – was im elektronischen Äquivalent später eben als Datei übersetzt wurde.

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Bekommt man als Empfehlung von Amazon, wenn man die DVD The Case for Christ (dt. Der Fall Jesus) bestellt. Logischerweise, denn Lee Strobel ist ja nun mal der Autor des gleichnamigen Buches – oder der Bücher, denn es gibt verschiedene Versionen je nach Zielpublikum. Mehr zum Film, sobald ich ihn gesehen habe; aber ich finde definitiv das deutsche Buchcover der Jugend-Ausgabe sehr gelungen (und erheblich besser als das Original).

Des weiteren: Fallen gelesen, wegen vermeintlich geraffter Filmadaption; stellt sich heraus, daß der Film mehr als nur Band 1 rafft, was aber auch sinnvoll ist, da das Buch extrem wenig Inhalt hat. Die Autorin ist zu sehr damit beschäftigt, ihre offensichtlichen Steckenpferde Amerikanischer Bürgerkrieg, Deep South und Filme der 50er und 60er einzubauen (meist völlig ohne Sinn und Verstand), um zu bemerken, daß sie vergessen hat, ihrer Heldin ein Hirn zuzuschreiben, von einem Rückgrat ganz zu schweigen. Ich mußte der Bösewichtin in der großen dramatischen Szene völlig recht geben: Das Mädel kann nichts, merkt nichts und denkt nichts außer vielleicht ihre eigenen, selbstgeschaffenen Miniprobleme. Und die Handlung führt auch nirgendwohin außer zu Band 2. Fortsetzung folgt. Nope, lohnt das Lesen eindeutig nicht.

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Durch Amazons Kaufempfehlungen entdeckt – ich hatte bis dato von dieser anscheinend sehr erfolgreichen Romanreihe noch nie gehört. Gehypt als Nachfolger für Twilight-Fans, erschien mir Fallen (die Verfilmung) eher als Nachfolger für Fans der Vampire Diaries. (Auch wenn die deutschen Übersetzungstitel der Romane sich eindeutig an die Twilight-Reihe anbiedern.) Das Setting gefiel sofort, aber man merkt dem Film deutlich an, daß er die Handlung sehr komprimiert wiedergibt.


Im Reformationsjahr muß man sich ja auf jeden Fall ein bißchen mit Luther auseinandersetzen, sagte ich mir – immerhin war die Reformation eine wichtige Sache, und nebenbei erhalten wir in diesem Jahr einen Feiertag. (Müßten die Ultrakatholiken wie jener, der im letzten Akademischen Monatsblatt diesen bizarren Leserbrief veröffentlichte, nicht aus Prinzip dieses Privileg verweigern?) Da wieder einmal Amazon mir regelmäßig eine Luther-DVD empfahl, nur eben dann nicht, als ich drauf wartete, klickte ich ein bißchen rum; nicht sicher, daß ich wirklich die richtige Verfilmung erwischt habe. 1983 entstanden zu Luthers Geburtstag zwei deutsche Verfilmungen, nämlich Ost und West. Die östliche konnte logischerweise mit Originalschauplätzen aufwarten und war länger, ein Fünfteiler. Trotz lobender Stimmen verzichtete ich auf dieses Sehvergnügen, denn ich habe mir irgendwann den Magen an DDR-Produktionen mit ihren ständigen Parteischlagworten und ihrer Schwarz-weiß-Darstellung der Dinge verdorben. Sicher: Wenn ein Film durch die Zensur kommen wollte, mußte er halt den Sozialismus propagieren. Oder vielleicht *dachten* die Macher auch nur alle, dem wäre so, und die Zensur hätte es gar nicht gestört, wenn… Aber da fängt das Gehirn an zu rotieren.
Also: Die Entscheidung fiel für die West-Produktion, einen Zweiteiler. Die Kulissen sind minimalistisch, was der Sache keinen Abbruch tut. Auffallend an dieser Verfilmung ist, daß sie sich sehr auf die katholische Sicht der Dinge konzentriert und somit einen interessanten Kontrapunkt bildet: Gab es nicht sehr lebensnahe Gründe für das Verhalten der katholischen Kirche? Entgingen Luther vor lauter Eifer nicht einige logische Folgen seiner Lehre? Inwieweit schrieb man von katholischer Seite das Fehlverhalten der protestantischen Fürsten Luther zu? Ganz gleich, wie man also zu der Entwicklung steht, einige spannende Denkanstöße.


Inherit the Wind, ein Film, den ich schon seit Ewigkeiten mal sehen wollte. Er basiert auf einem Bühnenstück, was man merkt, und das Bemerkenswerteste an ihm ist sicherlich Gene Kelly als zynischer Reporter – meilenweit von seinem Strahlemann-Image entfernt. Statt, wie man vermuten könnte, ein Paradestück über die Dummheit der hinterwäldlerischen Kreationsgläubigen zu sein, geht es Inherit the Wind um ganz andere Dinge. Natürlich: Es wird einem schon angst und bange angesichts der bewußten Verweigerung jeglicher wissenschaftlicher Erkenntnis mit allen Auswüchsen, die daraus entstehen; nicht zuletzt, da man diese Anschauung ja teilweise auch heute noch antrifft. Aber die Aussagen, die der Film trifft, die Entwicklungen, die sich aus der Handlung ergeben, gehen in andere Richtungen. So steht nicht nur die Intoleranz der religiösen Hardcore-Fraktion am Pranger, sondern auch die Intoleranz der Gegenseite, die genausowenig die Argumentation der anderen verstehen will oder kann. Und auch der Nihilismus will nicht als Antwort überzeugen… Ein bißchen sehr konstruiertes Ende; Spencer Tracey spielt routiniert Spencer Tracey; aber als Denkanstoß durchaus sehenswert.


Diana Gabaldon schöpfte für „The Hellfire Club“, The Private Matter, das in meinen Augen immer noch ungeschlagene The Brotherhood of the Blade und „The Haunted Soldier“ kräftig aus Rictor Nortons Mother Clap’s Molly House – The Gay Subculture in England 1700-1830, das ich mir nun endlich mal über Fernleihe beschaffte. Eigentlich erwartete ich eine unterhaltsame Lektüre (ja, auch wissenschaftliche Arbeiten können unterhaltsam sein), aber mich beschlich im Laufe des Lesens zunehmend ein übler Verdacht. Daß ein Buch dieses Themas nicht unvoreingenommen ist, war vorauszusehen und als solches kein Problem. Es scheitert auch nicht an der Recherche – Nortons Forschung ist solide. Aber im Eifer des Autors, Homosexualität gegen Angriffe zu verteidigen, weigert er sich hartnäckig, die Möglichkeit von Gewalt in den angeführten Fällen auch nur in Betracht zu ziehen. Es darf in seiner Weltsicht offensichtlich keine homosexuellen Vergewaltiger geben. Selbst wenn die Fälle eine klare Sprache sprechen – die leider bis heute geradezu klassischen Übergriffe von Dienstherren oder Lehrern zum Beispiel -, nie fällt das Wort Vergewaltigung, und Norton amüsiert sich in erster Linie über die cleveren oder dreisten Verteidigungen der Täter gegenüber jeglicher Kritik oder Anklage. Seine Argumentation, Schwule in jener Zeit fühlten berechtigterweise keine Schuld für ihre Homosexualität (wie es in späteren Zeiten der Fall sein würde), weil die Täter in besagten Fällen keine Reue oder Schuldgefühle zeigten, ist so unglaublich, daß mir die Worte fehlen. Klar: Es ist nur eine Vergewaltigung, wenn sich der Täter schuldig fühlt?! Ebenso auffällig ist, daß das Wort „Vergewaltigung“ eben nur in Verbindung mit heterosexuellen Tätern fällt (einzige Ausnahme: Die Vergewaltigung einer Frau durch einen Homo-/Bisexuellen). Denn: Im homosexuellen Milieu kann es das ja nicht geben, das würde ja bedeuten, daß es böse Schwule gäbe – welch Gedanke! (Oder aber hat man als homosexuelles Vergewaltigungsopfer die Klappe zu halten, um kein schlechtes Licht auf die Szene zu werfen?)
Und so landet Norton schließlich folgerichtig beim „Blame the victim“.

It is not easy to identify what motivated some of the parties involved. Mr French was repulsed enough to vomit, but we do not know the ‚inconceivable Particulars‘ of what took place; the length of his stay in Thistlethwayte’s parlour suggests that he was persuaded to participate in some form of homosexual intercourse. The fact that he did not cry out for help, even when Swinton knocked on the door, suggests that he had not been violently attacked. His revulsion came somewhat after the event, probably due to an inner turmoil at having consented to something which people of his middle-class background believed to be quite wrong.

Völlig ignorierend, daß sämtliche zuvor angeführte Quellen eindeutig darauf hindeuten, daß Oxford-Student French genötigt worden war, entweder Dr. Thistlethwaytes Übergriffe zu dulden oder von der Uni zu fliegen. Nachdem Frenchs Freunde ihn (gegen seine begründete Angst vor Repressalien) endlich überzeugt hatten, Schritte zu unternehmen, was ist Nortons Kommentar?

On Saturday morning they brought the matter to the attention of the Vice-Chancellor, who prudently requested a Testimonium concerning Mr French’s character.

[Hervorhebung von mir.]

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Filmwitze über Bibliothekare kennt unser Berufsstand zur Genüge. Schön zu sehen, daß wir dann und wann auch mal Superhelden sein dürfen. Giles aus Buffy ist ein Beispiel; das nette Zombie-Comic der McPherson College Library (pdf derzeit offline) ein anderes; und The Librarians aus der gleichnamigen, auf dem Filmdreiteiler The Librarian beruhenden Serie ein weiteres. Und wie beide mit dem „deutschen“ Übersetzungstitel The Quest belastet wurden, darüber will ich lieber nicht spekulieren. Während unsere Bibliothekare sicher nicht viel über RAK oder RDA wissen, dürfen sie als klassische Heldengruppe immer mal wieder die Welt retten. Ich habe in letzter Zeit anspruchsvollere erste Staffeln gesehen, mit besseren Special Effects, aber The Librarians war die einzige (von The Frankenstein Chronicles abgesehen), bei der ich auch Lust auf die Folgestaffeln hatte.

Inspiriert von The Frankenstein Chronicles schaute ich die Tage wieder einmal Gothic, definitiv einen der interessanteren und sich verhältnismäßig gut gehaltenen Filme der 80er. Er ist nun nicht besonders historisch korrekt, egal, was er vorgibt; aber das ist auch nicht wirklich wichtig. Es ist ohnehin unmöglich zu sagen, wo die „reale“ Handlung in Träume abgleitet und in wessen Träume. Gothic ist eine Phantasie aus Erotik und Horror, und das ist Daseinsberechtigung genug.

Durch Melody Carlsons Newsletter wurde ich auf eine neue Jugendbuchserie aufmerksam gemacht, die allein durch ihre Idee neugierig machte.

What if Jesus was in high school today?
Who would he hang out with?
What would he do?
What would he say?

In Book 1, THE BATTLE BEGINS, the stage is set and introductions are made by none other than Satan himself . . . as he tries to destroy Eli’s mission before it ever begins.
Future episodes will be told from the personal viewpoints of Eli’s fellow students:

MAGGIE, the all-school sleep-around
JUDAS, the super-rich friend, always looking for an angle
MARTHA, the good, uber-religious girl
TOMMY, the pessimistic downer
PETE, the hot-tempered jock with a bad case of foot-in-mouth disease

BEST-SELLING AUTHORS: Bill Myers, Melody Carlson, Jeff Gerke, Krista MGee, and Shawn Hopkins unite their talents to write these thought-provoking novellas of what Jesus would do if he were a teen in today’s world.

For more information go to https://www.amarismedia.com/eli-diaries

Ich mag Melody Carlsons Bücher sehr. Sicher, sie ist eine Vielschreiberin, daher wiederholt sich nach einer Weile alles; aber im Gegensatz zu ihren Kollegen weicht sie „unangenehmen“ Themen nicht aus. Lynn Austin beispielsweise ist ein Paradebeispiel dieses Musters der christlichen Schreibe. Melody Carlson hingegen ignoriert die Probleme der Welt nicht und wiegelt sie auch nicht ab – ja, in ihren Büchern begehen selbst Christen Selbstmord, das date rape wird nicht in letzter Sekunde verhindert, homosexuelle Mitschüler sind weder die Bösen noch bekehren sie sich am Ende, und sie schrieb sogar eine Heldin mit „übernatürlichen“ Fähigkeiten. Eine unbequeme christliche Autorin, und das macht sie so lesenswert, selbst wenn sich ihre Plots vom nichtchristlichen Standpunkt immer noch sehr brav und bekehrend lesen. Keine Frage also, daß diese in einer Parallelwelt angesiedelte Buchreihe auf meiner Vormerkliste landete.

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„I mean, they can’t have been at it all the time, can they, as they’ll have us believe. […] I’ll bet Lord Byron, for example, spent many an evening on his own with a poached steak and the Times crossword puzzle.“

Mit diesem unerwartet angetroffenen Zitat mußte ich definitiv diesen Eintrag beginnen. Es stammt aus Rumpole of the Bailey, eine der Serien, die ich dank Amazons Kaufempfehlungen entdeckte und die neben einigen anderen das heutige Thema bildet. Und ja, „the late Lord Byron“ spielt tatsächlich eine verbindende Rolle. Wer hätt’s gedacht.

Wer diese Punkte im Leben kennt, wo sich so absolut nichts bewegt, kann nachvollziehen, daß ich recht verzweifelt nach Unterhaltung suchte. Während ich Rumpole schon früher gefunden und zunächst auf meine Beobachtungsliste gesetzt hatte, schaute ich nun gezielt nach interessant klingenden Serien in Amazons Sortiment. Treffer 1-10 sind dort natürlich sämtliche Ausgaben von Game of Thrones. Ich oute mich als untrendy und erkläre, daß ich zumindest Staffel 1 nicht das geringste abgewinnen konnte. Nun gut, vielleicht Sean Bean. Und die starken Anleihen beim Nibelungenlied (Kriemhilds Rache!) waren amüsant.

Von Rumpole of the Bailey hatte ich vor Amazon noch nie gehört. Die Serie lief Anfang der 80er auch hierzulande, aber das war vor meiner bewußten Erinnerung. Sie ist ein Produkt der späten 70er und bringt einen entsprechenden Charme mit. Eine Gerichtsserie, die so gar nichts mit Gerichtsverhandlungen zu tun hat, wie ich sie aus Film und Fernsehen kannte. Liegt entweder daran, daß sie so alt ist oder aus Großbritannien statt den USA stammt. Oder beides. Niemand kämpft bis zur Aufopferung für seine Klienten, die Juristen sind spöttische Pragmatiker, und jeder Richter hat so seine ganz eigenen Schrullen. Erhellendes Zeitkolorit. Wer Spannung, Helden und den Sieg des Guten über das Böse erwartet, ist hier falsch. Die Serie ist nett zu schauen, ein bißchen gemein, aus heutiger Sicht komplett politisch inkorrekt. Ganz nebenbei frischt man seine Kenntnisse in britischer Poesie auf.

Das hielten wohl auch die Macher von The Frankenstein Chronicles für eine gute Idee. Jeder glaubt den Plot von Frankenstein zu kennen, scheinen sie sich gesagt zu haben, doch keiner hat das Buch gelesen oder weiß viel über seine Entstehungsgeschichte und die Zeit und die Kreise, in die es eingebettet ist. Presto! Was erklärt all dies besser als eine Serie, die auf einer Ebene eine Kriminalgeschichte um Frankenstein und seine Autorin Mary Shelley aufbaut und auf einer anderen Ebene geschickt die Handlung des Buches innerhalb ihrer eigenen Handlung adaptiert? So fällt denn auch mal der Name Byron, Percy Shelley hat einen Gastauftritt, William Blake darf von der ahnungslosen jungen Generation kennengelernt werden, moderne Medizin und moderne Polizeiorganisation sind gerade erst im Entstehen begriffen. Sean Bean ermittelt als Vorläufer eines Scotland-Yard-Inspektors, die von mir sehr gern gesehene Anna Maxwell Martin besitzt als Mary Shelley einige wichtige Informationen. Spannend und für Kenner des Buches und „Byron’s crowd“ ein echter Genuß. Ich hoffe, die angekündigte zweite Staffel kommt zustande.
(Young Romantics von Daisy Hay bietet eine sehr schöne Darstellung der „crowd“. Byron, die Shelleys und ihr Kreis waren schon sehr moderne Promis, mit Skandalen, katastrophalen Beziehungen, Geliebten und unehelichen Kindern. Und dennoch ist etwas Schönes an der Freundschaft dieser „jungen Wilden“. Ich las das Buch 2014, das überhaupt ein gutes Lesejahr war – ich las sehr viele interessante Bücher. Amazons Bestellhistorie sei Dank.)

Keinen Lord Byron, aber jede Menge andere berühmte Charaktere der Geschichte trifft man in Da Vinci’s Demons an, das mir schon mehrfach von Amazon empfohlen worden war. Die Serie sieht sich wie eine Kreuzung aus Shakespeare in Love und Sherlock mit ein bißchen MacGyver und natürlich Game of Thrones untergemischt. Was sie definitiv nicht sein will, ist ein Biopic oder historisch korrekt. Der gute Leonardo ist ein fescher junger Abenteurer, der Rätsel löst und irre Gerätschaften baut und nebenbei Florenz vor dem päpstlichen Zugriff retten muß. Nach langer Zeit sah ich Alexander Siddig mal wieder, und besonders gefiel die Rolle, die Tarot sowohl in der Handlung als auch als Titelgeber der einzelnen Folgen spielt. Die Abschlußepisode der ersten Staffel mit den Liebenden zu besetzen, war ausgezeichnet. Unterhaltsame Abenteuerserie, macht Spaß. Nur am unnötigen Nacktheitsgehalt haben sie hoffentlich in späteren Staffeln gearbeitet.

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Im Zuge meiner Begeisterung für das Gartengrab in Jerusalem kaufte ich mir The Weekend that Changed the World von Peter Walker, der versucht, für das Gartengrab als authentische Stelle der biblischen Ereignisse zu argumentieren oder es doch zumindest als legitime Alternative zur Grabeskirche zu etablieren. Das als solches ist völlig in Ordnung. Daß er als Christ für die körperliche Auferstehung Jesu argumentiert, ebenso. Leider jedoch läßt seine Logik bei letzterem arg zu wünschen übrig. Ich schätze gute Argumentation sehr. Ich muß einer Argumentation nicht zustimmen, aber wenn sie Hand und Fuß hat, weiß ich sie zu schätzen. Peter Walkers hingegen läßt sich im besten Falle als bemüht bezeichnen.

Nun muß ich in dem Zusammenhang leider auf ein Thema zurückkommen, das ich schon anderswo aufgegriffen hatte. Und das ist etwas, das ich immer wieder beobachte, eben auch auf der Israel-Reise im Zusammensein mit meinen christlichen Mitreisenden. Ich ging mein Leben lang davon aus, daß Christen (wie alle sogenannten Gläubigen) eine spirituelle Basis ihres Glaubens besitzen, soll heißen, ihr Glaube basiert im Spirituellen und wird auf das „materielle“ Leben übertragen oder in diesem umgesetzt. Ich meine, was sonst ist Glauben denn als das Glauben an höhere Dinge als nur das Irdische?
Es war ein mittelschwerer Schock und – man verzeihe mir das Wortspiel – wirklicher Unglauben, mit dem ich nach und nach erfuhr, daß dem nicht so ist. Es begann mit einer langjährigen Freundin, einer Katholikin, die keinerlei wirkliches Konzept von der Seele hatte. Also etwas, von dem ich angenommen hatte, daß das eines der wesentlichen Punkte im Glauben sei. Ernsthaft, die Leute „glauben“ an Himmel und Hölle, sie „glauben“, daß sie nach ihrem Tod von Jesus willkommen geheißen werden, aber sie betrachten die Seele als etwas Externes? Etwas, das, wie meine Freundin bei unserer Diskussion über Reinkarnation sagte, an Fremde weitergegeben werden kann? „Wie, und dann läuft jemand anderes mit meiner Seele herum?“ – „Ähm, nein? Du läufst dann mit einem anderen Körper herum.“ Wie, bitteschön, stellen sie sich denn dann ihr Weiterleben nach dem Tode vor? Was soll da weiterleben?

Nun ging ich davon aus (entweder bin ich gnadenlos naiv oder wohlwollend), daß das ein Einzelfall sei. Meine Freundin habe sich eben noch nie Gedanken darüber gemacht. Aber je mehr ich spezifisch vom Christentum oder, besser gesagt, von praktizierenden Christen erfuhr, desto erschütterter wurde ich. Und ich möchte hier wahrhaftig nicht arrogant rüberkommen, ebensowenig wie ich verallgemeinern möchte – ich weiß, daß es immer Härtefälle in jeder Gruppierung gibt. Es existieren ja beispielsweise auch Kreuzträger, bei denen ich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte. Dennoch ist meine Beobachtung praktizierender Christen bisher sehr ernüchternd. Allein was ich regelmäßig an Verstößen gegen das zweite Gebot, das eigentlich sehr einfach einzuhalten ist und eines der wichtigsten Gebote für jeden Gottgläubigen sein sollte, höre, ist furchtbar. „Ihr nennt euch Christen?“ denke ich jedesmal. Es geht aber tiefer. Mein Eindruck der meisten (durchaus nicht aller) Gläubigen, und das beschränkt sich nicht nur spezifisch auf Christen, ist, daß ihr sogenannter Glaube eine rein irdische Angelegenheit ist. Das Irdische ist ihr Maßstab, sie lesen ihre heiligen Schriften in rein irdischer Auslegung, ihr Gottesbild ist das eines irdischen Gottes, eines Übermenschen oder Supermans oder, wie es in einer Doku über C. S. Lewis so zutreffend hieß, eines kosmischen Zauberers. Er hat Superkräfte, aber ansonsten ist er durchaus ein Mensch, der irgendwo in einem himmlischen Schloß sitzt. Diese Menschen machen sich ihren Gott so klein, so niedrig, und sie kriechen selbst nur am Boden herum.

Peter Walkers Argumentation für die körperliche Auferstehung Jesu ist wieder mal ein sprechendes Beispiel dafür. Ganz zu schweigen davon, daß sie unlogisch ist. Schauen wir doch mal ein paar seiner Antworten auf Alternativtheorien an.

More often, however, the disciples are not charged with outright deceit. Their preaching of Jesus‘ Resurrection (while his body was really decaying in the grave) is given a more charitable explanation. It all depends on what you mean (so we are told) by this talk of „resurrection.“ Perhaps we have misunderstood them to be referring to a physical resurrection of Jesus‘ body, when in fact they were never claiming any such thing!
What they were really trying to say was that Jesus‘ mission went on unhindered even though he was dead. His spirit lived on, and somehow through that spirit those who followed Jesus gained a sense that he was alive. […] If there were some resurrection appearances of Jesus, they were either a form of hallucination, or perhaps something of a mystical nature beyond comprehension, but either way Jesus‘ body was still in the grave.

Ich kenne diese spezielle Interpretation nicht, will sie Walker aber gern abnehmen. Und ich stimme mit seiner Gegenargumentation in Sachen Halluzinationen durchaus überein. Ohne jetzt auf das Thema „Haben die Jünger den Leichnam anderswohin gebracht?“ einzugehen, das den Rahmen sprengen würde, übersieht Walker jedoch das naheliegende Thema „Seele“ – womit wir wieder bei der guten R. wären! Was steht nach dem Tode auf? Meine Israel-Mitreisende Frau M., Ex-Pfarrerin, könnte sich sicher für den symbolischen Gehalt des obigen Argumentes begeistern; das war immer ihr Steckenpferd. Aber wer sagt, daß es nur Variante A (körperliche Auferstehung) oder B (symbolischer Gehalt – „Er wird in unserem Gedächtnis weiterleben“ und all das) gibt? Was steht nach dem Tode auf? Gehört Peter Walker auch zu den Christen, die nur das Materielle für wahr halten? Es klingt definitiv so.

In this connection it is sometimes argued that St Paul appears not to make much of the „empty tomb“ in 1 Corinthians 15 (his famous chapter on the Resurrection). Perhaps Paul would have been shocked to learn of these stories about mysterious disappearances in Jerusalem! Perhaps Paul provides us with evidence that the first Christians were quite content to accept that Jesus‘ body was still in the tomb. If so, then what Paul was talking about was again just a spiritual resurrection both for Jesus and for believers – hence his use of the term „spiritual body“ (v. 44). If this were true, needless to say, this would be enormously important. It would confirm that the claims for a physical Resurrection were a later development – out of keeping with the claims and beliefs of the first apostles.
Yet a close reading of this chapter reveals that Paul’s whole argument depends for its validity on Jesus‘ being raised from the tomb in a manner which includes his physical body: „If Christ has not been raised,“ he argues, „then your faith is futile!“ (v. 17). Paul’s conviction „that Jesus was buried, that he was raised on the third day“ (v. 4) implicitly presumes that the place of burial was thereafter physically empty. Given Paul’s background in Pharisaism (for Pharisees „resurrection“ necessarily involved the physical body), it is clear that Paul is not talking about a vague, unprovable piece of wishful thinking – that somehow after his death Jesus experienced an invisible spiritual resurrection. […]
So there is no way, I suggest, that the disciples could have honestly believed in the Resurrection while also accepting that Jesus‘ body was in the tomb. To hold these two beliefs simultaneously would be nonsense.

Nun ja, da muß ich herzlich widersprechen. Was ist daran Unsinn? Der Körper liegt tot im Grab, die Seele lebt – durchaus ein christliches Konzept, oder irre ich mich da? Und was hat das mit „wishful thinking“ zu tun? Oder mit „invisible“? Das Geistige ist zwar oftmals für irdische Augen unsichtbar, aber eben nicht immer. Und wie kommt es, daß sich Walker über diese Theorie lustig macht, während er doch sicherlich bei lieben Verstorbenen keine Seele hat austreten sehen und trotzdem glaubt, daß sie in den Himmel aufgefahren ist? Dieses zweierlei Maß ist ein wenig bestürzend.
Auch der gute Paulus ist natürlich ein Thema für sich. Ich möchte nur in Kürze darauf hinweisen, daß er a) Jesus niemals gekannt hat und weder bei Kreuzigung noch Auferstehung dabei war, sondern erst wesentlich später überhaupt zu den Jüngern stieß und b) mehr war als sein pharisäischer Hintergrund.

Andere Theorie:

Yet, even if by some remarkable oversight, Jesus was not in fact fully dead when he was laid in the tomb, is it all conceivable that he could have recovered from his ordeal sufficiently to set himself free from the grave clothes wrapped around him? And then to remove the rolling stone from the front of the tomb – an almost impossible feat even if one were in full health? Lying on a cold slab in April with numerous untended wounds is an unlikely precursor to such a recovery.

Seufz. Und das sind die Leute, die im gleichen Atemzug von den Wundertaten Jesu sprechen, von den Heilungen und Totenerweckungen beispielsweise, oder die annehmen, daß er auf Wunsch hin den Tempel abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen könne oder Steine in Brot verwandeln oder…

They fail to see how yet another failed messiah (as Jesus would have been if he had not been raised from death) would have been of any use to anyone.

Nutzen? Ich traue den Jüngern ehrlich gesagt mehr Integrität zu als irdisches Nutzdenken. Mehr Glauben und vor allem mehr Liebe zu Jesus. Das sind alles so mühsam konstruierte Argumente für die fleischliche Auferstehung, daß der ganze Versuch armselig wirkt. Ganz zu schweigen von dem Bild, das hier vom Christentum gezeichnet wird.

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Hach…

Der neue Trailer zu Outlanders dritter Staffel. Ich bin glücklich. Die Serienmacher haben sich schon in den letzten beiden Staffeln einiges einfallen lassen, um die Charaktere ausgewogener zu gestalten als sie es in den Bücher sind. Ich kenne, wie gesagt, nur die Lord-John-Abenteuer, aber über Outlander Kitchen kommt man ja doch zwangsläufig mit einigen Infos in Berührung. Und nach dem, was ich bisher gelesen habe, finde ich beispielsweise Buch-Jamie total öde. In der Serie hat er Witz, Charme und gefällt einfach. TV-Claire darf Fehler haben; sie ist kurzsichtig und teilweise schlichtweg egozentrisch. Im Buch muß sie, wie Jamie, perfekt sein; sämtliche Probleme in ihrem und Jamies Leben beruhen daher immer auf den anderen, imperfekten Leuten um sie herum. Und so bibberte ich schon ein bißchen davor, was nun wohl in Staffel 3 mit Frank werden würde, der bei den Fans in dem Buch-Zeitraum überhaupt nicht gut wegkommt (was natürlich auch damit zusammenhängen könnte, daß sie Fans sind). Aber der Trailer gibt mir Hoffnung – ich hätte wissen sollen, daß ich den Machern vertrauen kann. (Es hilft sicherlich, daß Ron Moore, wie’s scheint, Sympathien für Frank hat und sein Hauptschreiber ist.) Das Drama in Claires und Franks Ehe ist eben, daß ihre Liebe ungleich verteilt ist. Die Serie ist darin wesentlich realistischer, aber auch tragischer als es die einseitige Schuldzuweisung der Bücher hinbekommt.

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Nicht unpraktisch bei meinen sexlustigen Nachbarn auf der anderen Seite der Wohnzimmerwand war die Anschaffung der Fifty Shades Darker-DVD. Home cinema rules!
Der Film ist so lala – es fehlen die Farbstimmungen des ersten Teils (nicht unähnlich dem ersten und zweiten Twilight-Film); sehr amüsant hingegen das Nachholen einiger der klassischen Szenen des ersten Buches, die in dessen Filmadaption nicht gezeigt wurden. Ich sage nur: Liebeskugeln! Und ich bezweifle, daß ich jemals wieder dieses Wort hören kann, ohne an die vollkommen bizarre Unterhaltung zu denken, die ich mit meiner Mutter über das Thema hatte. Das trägt nun nicht gerade zum Erzählfluß bei, aber selbiger fehlte mir auch in der Romanvorlage, von daher… Dennoch werden selbst die wenigen dramatischen Szenen, die das Buch zu bieten hat, gnadenlos heruntergespielt. Es plätschert alles so vor sich hin. Schade, denn der Film hat auch einige eigentlich sehr amüsante Szenen – mehr davon wäre die Lösung!
Was ist auf der Plusseite zu verzeichnen? Dakota Johnson ist schön wie nie und rechtfertigt allein das Ansehen. (Jamie Dornan hingegen hat sich in den Jahren seit Teil 1 nicht ganz so gut gehalten.) Danny Elfman setzt seine gelungene Arbeit fort; überhaupt ist der Soundtrack wieder ausgezeichnet.

Teil 3 folgt wie immer am Valentinstag (2018), und a propos hier noch der Link zum entrüsteten Artikel im PureFlix-Blog: https://insider.pureflix.com/news/old-fashioned-a-christian-alternative-to-50-shades-darker

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Nachdem ich das Wochenende hindurch wieder einmal… zweimal, dreimal… zuhören mußte, wie meine neuesten Nachbarn Sex hatten (das Mädel hätte echt Chancen in der Pornobranche), ein etwas… anderer Beitrag heute.

Lord John Grey ist ja nur meine neueste Entdeckung in Sachen homosexueller Romane… nein, falsch, Romane mit homosexuellen Hauptfiguren. Romane können nicht schwul sein. Jedenfalls, die neueste und eine der besten und in historischer Literatur bisher auch die einzige. Aber eines Tages nach zu viel Mills & Boon mit viel Waten durch Frösche, um dann und wann einen Prinzen zu finden, mußte einfach mal eine Abwechslung ran. So landete ich beim eBook-Ableger Carina der gleichen Verlagsgruppe, die größere Bandbreite an Möglichkeiten (nicht nur sexueller Natur) zuläßt. Inzwischen herrscht leider auch dort die Inflation der (schwulen) Frösche. Aber zwei meiner damaligen Entdeckungen sind auch jetzt noch zwei meiner wiederholt gelesenen Bücher: The Stolen Luck von Shawna Reppert und Bad Judgment von Sidney Bell. Abgesehen vom „male/male“-Genre, wie Carina das tituliert, haben beide nichts miteinander gemein. The Stolen Luck ist Fantasy, wobei das world building zugunsten der Handlung zurücksteht… gute Entscheidung. In ganz groben Zügen basieren Land und Historie auf den USA, mit über das Meer gekommenen menschlichen Siedlern, die die einheimischen Elfen bekämpften und verdrängten, sowie dem sklavenhaltenden Süden und dem „freien“ Norden. Aber das ist im Grunde auch alles, was man über das Setting erfährt. The Stolen Luck ist sehr wenig explizit und setzt mehr auf Gefühle, dabei auch auf die grundlegende Frage, was Sklavenhaltung einem Menschen antut, nicht nur dem Sklaven, sondern auch dessen Besitzer. Schönes Erstlingswerk, manchmal etwas vorhersehbare Wendungen.
Bad Judgment ist sehr viel expliziter und besticht vor allem durch das Zusammenspiel seiner großartigen Charaktere. Modernes Setting, Wirtschaftskrimi und Rachestory, aber auch mit viel Witz.
Die Bücher des bekannten Schwulen-Autors Sean Michael hingegen erfüllen den Spruch „Kennste einen, kennste alle“. Sie sind alle gleich, mit den ewig gleich aussehenden Charakteren und wirklich 0% Plot. Die Charaktere essen was und haben Sex. Dann haben sie Sex und essen was. Wiederholung beliebig oft. (Vielleicht basierend auf meinen Nachbarn, hmm…)
„Female/female“-Geschichten sind extrem selten. Ich habe eine einzige gefunden, Cathy Pergaus Deep Deception, die vor allem von ihrem Setting (Science-Fiction-Krimi) lebt. Charaktere und Handlung schwächeln ein bißchen, aber das Lesen lohnt sich allein wegen der atmosphärisch dichten Schilderung.

Nebenbei: Der neueste Gabaldon, die Anthologie Seven Stones to Stand or Fall, ist hauptsächlich eine Neuauflage von A Trail of Fire, aber dazu mit zwei(!) neuen Lord-John-Geschichten! Für die doppelt kaufen müssenden Fans natürlich klare Abzocke; für mich, die die enthaltenen Geschichten sowieso noch „in echt“ (=nicht Kindle) kaufen wollte, extrem praktisch. Es fällt auf, daß der gute Lord John ab Jamaica im Zölibat zu leben scheint. (Ist vielleicht auch schlau. Mich schaudert bei der Vorstellung, was er sich alles einfangen kann.) Dafür bekommen wir endlich die berüchtigte Geschichte von Hal und Minnie und dem Kaminvorleger serviert…

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