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Archive for the ‘Bücher’ Category

Buy with confidence

Naja, das war einmal. Ich kann mich rühmen, Amazon-Kundin seit 2000 zu sein; die deutsche Seite gab es, glaube ich, damals noch überhaupt nicht, oder falls doch, bot sie noch keine englischsprachigen Bücher an. Ich habe die Entwicklung gerade in dem Bereich also lange Zeit verfolgt und begleitet, und was heute daraus geworden ist, ist einfach nur traurig.
Schon seit einigen Jahren kam es – vermutlich je nach (noch) vorhandenem Lagerbestand – vor, daß man bei der Bestellung eines neuen englischsprachigen Paperbacks mitunter einen billigen Nachdruck erhielt. Beziehungsweise, es war ein inoffizielles On-demand-Exemplar, das Amazon wohl anhand einer vom Verlag gelieferten oder selbstgescannten Datei in Polen produzieren ließ. (Ich bin mir sicher, daß dazu irgendein Statut in den AGBs steht.) Dieses Verfahren hat inzwischen extrem zugenommen. Die Qualität dieser Produktionen ist mies. Unscharfes Druckbild, pixelige Bilder (so vorhanden) und Cover, eventuelle Verzierungen, wie beispielsweise bei der wunderschönen Ausstattung von Lynn Austins Restoration Chronicles, sind durch den Scan natürlich völlig ruiniert. Innerhalb kürzester Zeit erhielt ich nun von Amazon gleich drei solcher Schrottanfertigungen. Gingen zurück und werden das auch in Zukunft postwendend tun. Die Folge ist, daß ich nun vor einem Neukauf bei Amazon zurückschrecke und lieber auf Gebrauchthändler ausweiche – deren Exemplare aber wiederum oft zerlesen sind.

Abgesehen von Amazons Geiz-ist-geil-Politik steckt vermutlich dahinter, daß man den Kunden des europäischen Festlandes einen „Service“ zu bieten glaubt – nämlich den der schnellen Lieferung. Oder vielleicht möchte man gedruckte Bücher sowieso am liebsten abschaffen und nur noch Kindle-Ausgaben verkaufen, wer weiß. Daß Leser schöne, originale Ausgaben in den Händen halten möchten, scheint den Entscheidungsträgern noch nicht in den Sinn gekommen zu sein.
Derzeit ist mir dieses Vorgehen nur bei englischen Paperbacks bekannt. Vermutlich (ich erfahre es bald) auch nur von Büchern kleinerer Verlage. Gebundene Ausgaben und deutsche Bücher scheinen davon (noch) nicht betroffen zu sein.

Oh, und nebenbei: Was soll derzeit die Portoberechnung bei Büchern (die eigentlich portofrei geliefert werden), die dann dank eines „Gutscheins“ wieder abgezogen wird? Will man die Kunden mit Angstmacherei zu Prime zwingen? Will man suggerieren, man sei so nett, daß man den Kunden eigentlich anfallendes Porto erlasse? Oder hat es technische Gründe?

Amazon, was bist du gefallen. Ich schaue mich langsam mal nach Alternativen um.

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In Planung ist ein Artikel, wohl fürs Autorenblog: „Die neue Religiosität in Hollywood“. Kein Beitrag über christliche Filme, sondern über die Ballung christlicher Motive in Filmen und Serien während der letzten Jahre. Da alle künstlerischen Trends ein Zeichen ihrer Zeit sind, frage ich mich, ob das auch für andere Religionen zutrifft. Falls jemand etwas weiß, bitte melden.

Unter anderem in meinem Stapel abzuarbeitender DVDs und Bücher: Agents of S.H.I.E.L.D., Staffel 4 + 5, Supergirl, Staffel 3, sowie jede Menge Lawrence und verwandte Thematik.
Nachdem Agents 3 die mangelhafte 2. Staffel ausgeglichen hatte, wollte ich ja nun wissen, wie es gerade in Hinsicht auf Infinity War weiterging – stelle mir die Planung schwierig vor. Staffel 4 ist insbesondere in der ersten Hälfte ausgezeichnet und greift – daher der Eingangsabsatz – die christliche Symbolik der 3. Staffel wieder auf. Mit etwas Terry Brooks gemischt, großartig! Danach wird’s schwächer. Mindfuck-Episoden treten in jeder Serie dann auf, wenn Fonzies Hai übersprungen ist. Kein gutes Zeichen also. Ebenso, wenn eine Serie anfängt, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Das passiert bereits in Staffel 4 und nimmt in Staffel 5 erheblich zu. Sie hat ihre Momente, kein Zweifel. Yoyo nimmt zum ersten Mal eine zentrale Rolle ein und rettet die fünfte Staffel, gemeinsam mit den wiederkehrenden Agenten der zweiten Liga. Komponist Bear McCreary, seit Outlander immer wieder gern gehört, verzerrt das Titelthema in eine kaum wiedererkennbare Form – mir fiel’s nur auf, weil er eben diesen Trick auch bei Outlanders „Stone Theme“ anwandte. Die Framework-Variante in Staffel 4 ist einfach bizarr; die – oh, das muß jetzt einfach sein – „Zukunftsmusik“ in Staffel 5 macht starke Anleihen bei dem phantastischen Blade Runner 2049-Score.
Aber alles in allem ließ mich Staffel 5 ratlos zurück. Zeitreisen sind immer eine unlogische Angelegenheit, aber Doctor Who beispielsweise hatte sehr viel sinnmachendere Plots. Ich verstehe immer noch nicht, wie unsere Helden nun eigentlich die Schleife durchbrochen haben. An Coulson kann es nicht gelegen haben, obwohl das nahegelegt wird, aber die Handlung spricht dagegen. Ebenso rätselhaft ist der Masken-Tick der Ausstattung. Er dient keiner Symbolik – wäre es um Masken im übertragenen Sinne gegangen, wunderbar! Aber so läuft ganz einfach jeder mit einer Maske herum. Warum auch immer. Talbot als unbeabsichtigter Superschurke hingegen hat was.

Und a propos, „Talbot“ und „Piper“ finden sich in ähnlichen Rollen im DC-Universum wieder, nämlich als Agentin zweiter Liga auf Supergirls Seite sowie als Schurke (wenn auch nicht Super-) in Staffel 3. Und, Überraschung, die christliche Symbolik ist da! Leider auch der bereits in Staffel 2 erkennbare Trend zur Soap. Supersoap. Beste Folge der Staffel ist „Midvale“, über Karas und Alex‘ ersten Fall und ihre nicht ganz einfachen Anfänge als Schwestern; Brainy bereichert das Team, obwohl man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß die Legion of Superheroes hier ein breites Sprungbrett für ihre eigene neue Serie bekam. Unsinnig, aber immerhin vollkommen im Modus der Comics sind die Wiederkehr sowohl J’onns Vater als auch Karas Mutter.
Das diesjährige DC-Crossover hat gegenüber seinem Vorgänger erheblich zugelegt. Das Zusammenspiel der Charaktere ist hervorragend, wobei Alex und Sarah natürlich den Vogel abschießen, die Handlung ist rund, und endlich, endlich, hurra!: Eine Serie (mehrere Serien? Ein Seriencrossover?) hat sich getraut! Bedeutete bis dato (ich meckerte hier bereits darüber und könnte noch so viel mehr sagen) Homosexualität ausschließlich zwei heiße Frauen, so hat Crisis on Earth X endlich den Mut, nicht nur ein männliches Pärchen aufzubieten, sondern dabei auch einen schwulen Superhelden.

Und dann hat’s, kaum weniger verwirrend als S.H.I.E.L.D.s Zeitreise, die Lawrence-Literatur. „Consistency for Lawrence was a matter of the utmost inconsequentiality“, schreibt Rodney Legg in Lawrence in Dorset. „It was to be his lasting joke at the expense of historians and his annual biographers who are accustomed to taking such things seriously.“ Und er hat recht. Nichts paßt wirklich zusammen. Es ist kein Wunder, daß Philip Walker in seinem wunderbaren Erstlingswerk Behind the Lawrence Legend – The Forgotten Few Who Shaped the Arab Revolt offen sagt, Lawrence sei unerklärbar. Man kann sich einzelnen Facetten seiner Persönlichkeit nähern, aber niemals der Gesamtheit, ganz gleich, was manche Forscher glauben. Natürlich hilft es nicht, wenn beispielsweise Legg Quellenangaben für überflüssig hält… und das in einem Werk, das Quellen aufführt, die vorher und seitdem von niemandem beachtet worden zu sein scheinen!
Nichtsdestotrotz, speziell Walker, aber auch Michael Asher oder all die interessanten Beiträge im diesjährigen T. E. Lawrence Society Symposium, zeigen Forschung mit Herzblut und Entdeckerfreude. Ich erkenne meine beste Marta-Zeit darin wieder. Es macht mich glücklich zu sehen, daß diese Art Forschung existiert, und gleichzeitig bricht es mein Herz. Seit Jahren suche ich nach einer neuen Richtung für mein Leben, denn da ist nichts, das es auszufüllen scheint. Nachdem ich Walkers Buch zu Ende gelesen hatte, schrieb ich in mein Tagebuch:

[I]ch weiß, was ich will, und es ist Recherche. So sehr. Das ist es, was mir Freude macht.
Was soll ich tun?

Und das ist das grundlegende Problem in meinem Leben. Nichts paßt zusammen. Ganz ohne Lawrencesches Lügengebilde. In meinem Beruf hat Forschung keinen Platz, und ich kann Forschung nicht zu meinem Beruf machen, weil mir eine hochtönende Qualifikation fehlt, ohne die ich immer als Laie abgestempelt bleibe. Eine entsprechende Qualifikation, spricht Studium, nachzuholen ist unmöglich, weil ich nun einmal finanziell auf meinen Job angewiesen bin. (Selbst die Recherche zu Martas Biographie kostete mich eine Menge Erspartes.)
In jedem Fall. Ich genieße auch die Forschung aus zweiter Hand, grolle über unsinnige Schlußfolgerungen oder das Ignorieren von anderen Quellen und schreibe Anmerkungen für niemanden zu beispielsweise Oliver Stallybrass‘ Einleitung zu E. M. Forsters The Life to Come and Other Stories, in der er sich über Lawrences Reaktion – Gelächter – zur Titelgeschichte wundert… offenbar ohne sich über die frömmelnde, heuchlerische Situation in seinem Elternhaus belesen zu haben, die so ausgezeichnet zu Forsters Werk paßt. Oh, ja, und ich vermute, Lawrence hat sich wie immer nicht die Mühe gemacht, seinem Freund diesen Hintergrund zu erläutern.

The Life to Come and Other Stories jedenfalls ist eine Lektüre wert. „Dr Woolacott“, das Lawrence so in seinen Bann geschlagen hatte (er schrieb einen bemerkenswerten Brief darüber an Forster), gehört zu den hervorstechenden Geschichten, ebenso das sehr viel direktere „Arthur Snatchfold“. „The Obelisk“ bewahrt sich seine wahre Überraschung für den Schluß auf – großartig! Bitterböse und ungemein erotisch „The Torque“. „The Other Boat“ ist nicht nur schreibtechnisch interessant (wiederverwertete Fragmente), sondern auch eine auf vielen Leveln funktionierende Gesellschaftskritik.

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Nach vielen Jahren mal wieder mit Seven Pillars of Wisdom angefangen. Seinerzeit auf deutsch gelesen, nun im Original, bin ich fasziniert von seiner Sprache und den komplexen Gedankengängen dahinter.

Daher auf Youtube eine alte BBC-Dokumentation ausgegraben:







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… wie flüchtige Leser eines Buches, die es um der Spannung willen lesen, nur um freie Stunden damit auszufüllen und sich abzulenken von dem einseitigen Denken über ihre alltägliche Tätigkeit.
Sie sehen während des Lesens nicht die Menschen in dem Buche vor sich lebend auferstehen, achten nicht der einzelnen Entwickelungen, die die darin handelnden Personen in sich zu durchleben haben, sehen nicht die daraus sich entwickelnden haarscharfen Folgerungen, welche die Verhältnisse und die Umgebung immer wieder zu verändern fähig sind. Das alles wird von ihnen nicht beachtet, sondern es geht sprunghaft vorwärts, nur um dieses oder jenes in der Handlung schnell noch zu erfahren! Sie haben keinen Nutzen von den besten Büchern, welche ein Stück Erdenleben wiedergeben, woraus der Leser vieles für sich schöpfen könnte, wenn er alles richtig in sich miterlebte!
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Verbogene Seelen“)

Wenn es etwas gibt, das man mir vorwerfen kann, dann sicherlich, daß ich Buch- und Filmcharaktere lebe. Ich ernte mitunter karierte Blicke, wenn ich zu einer Abhandlung über diese oder jene Zusammenhänge in den Entscheidungen der Figuren aushole; vielleicht sind meine geplagten Zuhörer beeindruckt, aber viel wahrscheinlicher halten sie mich einfach für merkwürdig.
Dennoch. Ich habe es schon mehrfach geschrieben und kann es nur wiederholen: Ein Buch, ein Film, eine Serie fesselt mich nur, wenn Charaktere darin auftreten, die mir etwas geben. Nehmen wir zum Beispiel mein aktuelles Nachholen der Superheldenfilme der letzten Jahre. Ja, Wonder Woman ist visuell großartig und Justice League sehr unterhaltsam. Aber ihre Charaktere haben zu wenige Facetten, sind viel zu schnell ausgeschöpft, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Betrachten wir dagegen den gar nicht so heimlichen Star diverser Marvel-Verfilmungen, Loki, und die Sache sieht schon anders aus.
(Achtung, Abhandlung.)
Sicherlich geschuldet der nicht ganz so erfolgreichen Koordinierung der Marvel-Filme und ihrer verschiedenen Drehbuchschreiber sowie der engen zeitlichen Abfolge, die es den Autoren nicht erlaubt, das endgültige Produkt ihrer Kollegen zu begutachten und danach ihr eigenes Drehbuch auszurichten (eigentlich hat man dafür einen Script Supervisor), variiert die Figur sehr. Eingeführt wird Loki in Thor, den ich aus so vielen Gründen für den besten Film der Reihe halte. Thors eigene Entwicklung ist ein Fall für sich, den ich schon einmal analysiert habe und deshalb hier weglasse; der Fokus dieses Blogeintrages liegt auf Loki.

Thor ist eine Geschichte über zwei Söhne und ihren Vater: Thor, strahlend, überragend, aber arrogant und selbstzufrieden; sein jüngerer Bruder Loki stets in seinem Schatten, obwohl ihm intellektuell überlegen, scharf beobachtend und dabei den Eindruck gewinnend, daß ihr Vater Odin den Erstgeborenen bevorzugt. Ein klassischer Geschwisterkonflikt, der nicht einfacher wird durch die Tatsache, daß Thor nach Odins naher Abdankung zum neuen König ernannt werden soll, eine Aufgabe, für die er in Lokis Augen denkbar ungeeignet ist. So versucht Loki, das Unvermeidliche für eine kurze Weile noch zu verhindern, doch die Ereignisse, die er in Bewegung setzt, verselbständigen sich. Thor endet in der Verbannung, Loki erfährt, daß er adoptiert wurde und hält nun diese Tatsache für die Erklärung aller vermeintlichen Zurücksetzung, die er erfahren hat. Er sieht sich als Schachfigur in den Plänen seines Vaters und ist taub für die Versicherungen Odins, er sei sein Sohn, Blut oder nicht. Als Odin in Folge des Streites zwischen ihnen in eine Art Koma fällt, wird Loki zwangsläufig Regent. Er schmiedet einen vom Standpunkt der Charakterentwicklung betrachtet komplexen Plan: Gleichermaßen sich zum Helden der Geschichte zu machen und es damit endlich Thor gleichzutun, als auch, das auszulöschen, was ihn anders, nach seinem irrtümlichen Verständnis in den Augen seines Vaters minderwertig macht.
Der Plan mißlingt. Odin ist willens, Loki zu verzeihen, doch dieser sieht in der sanften Ablehnung des letztlich aus Liebe geschmiedeten Planes eine Zurückweisung seiner Person. Und so läßt er wortwörtlich das gebotene Rettungsseil fahren und stürzt ins Bodenlose, vermeintlich in seinen Tod. (Man kann, wenn man möchte, hier sehr leicht eine christliche Symbolik erkennen.)
Als ein trauernder Thor am Ende zu seinem Vater sagt, er hoffe, ihn eines Tages stolz zu machen und Odin erwidert, Thor mache ihn bereits stolz, so meint man, darin auch die unausgesprochenen Selbstvorwürfe Odins zu erkennen, seinen beiden Söhnen niemals diese einfache Wahrheit mitgeteilt und damit vielleicht all das Leid verhindert zu haben.

Die Fortsetzung folgt in The Avengers, der sich berechtigterweise mehr um die Charakterzeichnung seiner zahlreichen Helden kümmert als um die des Gegenspielers, aber darum leider auch ärmer ist als er sein könnte. Loki taucht hier, nach einem Jahr des nicht näher erläuterten Umherirrens, in ganz anderer Gestalt auf. Er hat kaum etwas von der Verletzlichkeit, die ihn in Thor auszeichnet, nichts von der inneren Logik seines Verhaltens und seiner Pläne, die einzig und allein dem Bedürfnis entsprangen, sich in den Augen seines Vaters zu beweisen. In erster Linie wird ihm hier als Motiv Machtstreben unterstellt. Ich wünschte mir eine Zwischengeschichte herbei, die diesen krassen Schnitt erklärte – genau genommen wartete ich den ganzen Film auf die Enthüllung, daß das Szepter, das die Gedanken von Menschen manipulieren kann, auch ihn beeinflußt hatte.
Dabei gehen seine Beweggründe tiefer, wenn man genau darauf achtet. Sie wurden bereits in Thor etabliert: Während Loki im ersten Film Thor als Hindernis auf dem Weg zu seinem Ziel betrachtet (nicht auf dem Weg zur Macht – es ist wichtig, hier zu unterscheiden), so ist er nun zum Fokus von Lokis Haß geworden. Machtstreben, ja, aber als Ersatz für das, was Thor Loki nach dessen Auffassung genommen hat. Nicht von ungefähr ist Lokis Ziel die Erde, für die Thor sich verantwortlich fühlt. Es ist Rache, der Wunsch, Schmerz um Schmerz zurückzugeben. Schade, daß das nicht deutlicher herausgearbeitet wurde.
Einige wenige Momente werden ihm gegönnt. Es liegt da in seinen Augen eine tiefe Traurigkeit und Sehnsucht, als Thor ihn zweimal bittet, seinen Plan aufzugeben und nach Hause zu kommen. Er schleudert Thor entgegen, all die Jahre „als Schatten“ gelebt zu haben, überragt von seinem strahlenden Bruder. Zu seltenen Gelegenheiten beweist er seinen Witz. Doch mehr schöpft das Drehbuch aus diesen Möglichkeiten nicht. (Eigentlich seltsam, da Drehbuchautor Josh Whedon üblicherweise immer sprücheklopfende Bösewichte schreibt.)
So bleibt Loki in The Avengers ein größtenteils sehr einseitiger, klischeehafter Schurke, der am Ende in Ketten nach Asgard abgeführt wird, um dort der Gerichtsbarkeit zugeführt zu werden.

Thor – The Dark World muß nun mit diesem anderen, sehr viel finstereren Loki arbeiten und tut es mit Aplomb. The Dark World ist, als Gegenstück zu Thor, eine Geschichte über zwei Söhne und ihre Mutter. Frigga ist die einzige, die die Familie durch ihre Liebe noch zusammenhält. Odin, eine sehr viel härtere, kältere Version seiner selbst als in Thor, läßt sich von ihr dazu erweichen, Loki nicht zum Tode, sondern zu lebenslanger Gefangenschaft zu verurteilen, doch er verbietet ihr jeden Kontakt zu ihm. Lokis Haß auf Odin (und darunter sein Schmerz über dessen verlorene Liebe) steigt ins Unermeßliche.
In vielen kleinen Momenten und Gesten lernt der Zuschauer nun Friggas Einfluß auf ihren Mann und ihre beiden Söhne kennen, die Liebe, die jeder für sie hegt, ihre Weisheit und Menschenkenntnis. Sie ist die einzige, die Lokis Herz noch erreichen kann und der, wie man erfährt, immer eher „ihr“ Sohn war, so wie Thor eher Odins Sohn war.
Nachdem dies alles etabliert ist, folgt zwangsläufig Friggas gewaltsamer Tod.
Um sie zu rächen und die Urheber ihres Todes an ihren Plänen zu hindern, befreit Thor Loki aus seinem Kerker – auf Zeit, wie er dabei zur Bedingung macht. In ihrem unausgesprochenen Schmerz vereinigt, der sich bisweilen in bitteren Vorwürfen Bahn bricht, nehmen die beiden Brüder die Verfolgung der Mörder auf. Nachdem er seine Rache stillen konnte, täuscht Loki seinen Tod vor und kehrt unerkannt nach Asgard zurück.
Dort begegnet Thor ihm nach beendeter Mission in Gestalt Odins. Seinem vermeintlichen Vater gegenüber erklärt Thor, die Herrschaft nicht annehmen zu wollen, und verläßt Asgard, um auf der Erde zu leben.
The Dark World ist nach The Avengers wieder wunderbar vielschichtig. Vieles liegt in kleinen Dingen, in Blicken, Gesten oder auch in auf verschiedene Weise zu deutenden Szenen.

Thor: Ragnarok schließt als letzter Film der Trilogie den Kreis. Nach einer besorgniserregenden Prophezeiung durch den Feuerriesen Surtur kehrt Thor nach Asgard zurück und entlarvt Loki, der, wie man erfährt, Odin mit einem Zauber belegt und auf der Erde zurückgelassen hat. Die beiden Brüder suchen ihn auf, doch nach einer letzten versöhnlichen Aussprache mit seinen ungleichen Söhnen stirbt er. Sein Dahinscheiden ermöglicht es Hela, Odins totgeschwiegener Erstgeborenen, aus ihrem Exil nach Asgard zurückzukehren und die Macht an sich zu reißen. Fern des Geschehens gefangen, suchen Thor und Loki, jeder auf seine Art, Mittel, Wege und Verbündete, aus ihrer mißlichen Lage zu entkommen. Die Geschehnisse und die Enthüllungen über ihre Familie schweißen die Brüder zu einem erstaunlich guten Team zusammen, wenn sich auch am Ende Loki einmal mehr an Verrat versucht. Wohl eher aus Gewohnheit; denn als Thor sich beinahe im Alleingang an den Kampf gegen Hela und ihre Heere wagt, kommt Loki ihm (und ihrem Volk) gegen jeden Selbsterhaltungstrieb zu Hilfe. Ein drittes Mal scheint er in den sicheren Tod zu gehen, und ein drittes Mal entkommt er. Die Geschichte schließt mit Asgards Zerstörung durch Surtur, der Flucht der Überlebenden und Thors Ernennung zum neuen König, diesmal mit Loki an und auf seiner Seite.
Mit dieser, zweifelsohne der enormen Beliebtheit der Figur geschuldeten, versöhnlichen, teils humorvollen, teils nahezu heldenhaften, aber nie ganz vertrauenserweckenden Darstellung sind auch sämtliche Facetten des Lokis der nordischen Mythologie abgeschlossen. Ironischerweise ausgerechnet zu Ragnarök, als der mythologische Loki seinen Höhepunkt an Negativdarstellung erreicht.

Renate Steinbach schreibt in ihrem, sicher nicht zufällig 2012 (also nach Thors Kinostart und im Jahr der Avenger-Verfilmung) erschienenen Buch Loki Laufeyson – Die Geschichte eines Gottes:

Loki gilt als der widersprüchlichste Gott der nordischen Mythologie. Selbst jene, die sich bemühen, ihm wohlgesonnen zu sein, gestehen ihm bestenfalls die Notwendigkeit des negativen Gegengewichtes zu den hehren Asengöttern zu. […] Er brachte die Götter immer wieder in Verlegenheit und Gefahr, auch wenn er stets listenreich eine Lösung fand. […]
[W]er sich selbst auf Loki einlässt, der wird einem ganz anderen Gott begegnen, nämlich jemandem, der treu und verlässlich ist und dessen Heiterkeit sehr bereichert.

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Ich kann kaum ausdrücken, wie glücklich ich über die ersten beiden Thor-Verfilmungen bin. Die Götter- und Heldensagen der Germanen war das Buch, anhand dessen ich im zarten Alter von acht oder neun nicht nur Frakturschrift lesen lernte, sondern auch den nordischen Mythen begegnete. (Okay, vorher war da noch Mutterns Loewe-LP mit dem „Schmied auf Helgoland“, aber auch die Geschichte traf ich natürlich im Buch wieder, und Vattern wußte sowieso immer sehr spannend von Odins Raben zu fabulieren.)

Ich verschlang die Sagen, und die Götter der germanischen Völker blieben mir seitdem gute Freunde. Bei den Midgaard Skalden gab’s vor ein paar Jahren die Geschichte vom Diebstahl von Thors Hammer, ein Klassiker der Sagen. Für Haithabu natürlich kindgerecht aufbereitet, also fiel das große Massaker am Ende aus, aber die Geschichte lebt sowieso in erster Linie von ihrem Humor. Man kann sich heute noch das Gelächter der Wikinger vorstellen. Mit ordentlich Action zum Schluß, also eigentlich ein erprobtes Erzählsystem…
ARTEs Dokudrama Götterdämmerung verbindet Ragnarök mit dem Untergang des heidnischen Glaubens.

Nun wagte ich mich zum Neuaufbau meines Heimkinos an Thor, The Avengers und Thor – The Dark World. (Deutscher Titel des letzteren: The Dark Kingdom. No comment.) Während die Avengers eher enttäuschend konventionell sind – und hat mal jemand gesehen, wie lange die Endschlacht in New York dauert?! –, war ich hin und weg von den beiden Thors. Nicht nur von Handlung und Bildern, obwohl die allein schon großartig sind, und nicht nur von den Schauspielern, obwohl mit Stellan Skarsgaard und Tom Hiddleston zwei meiner Favoriten vertreten sind. Und nicht nur von der Charakterzeichnung und Charakterentwicklung, letztere gerade im ersten Teil unglaublich gut. Nein, was außerdem dazu kam, war die Metaebene. (Ich liebe dieses Wort.) Die Schreiber haben ihre Hausaufgaben gemacht. Es ist so viel von den Sagen in die beiden Filme eingebaut worden, nicht nur Äußerlichkeiten wie die Regenbogenbrücke Bifröst oder Mjölnir oder der einäugige Odin oder – sehr klasse! – sein achtbeiniger Hengst Sleipnir. Sondern auch kleinere Dinge aus den Sagas in neuer Form, in neue Zusammenhänge eingebunden. Heimdalls Zweikampf gegen Loki, direkt aus Ragnarök übernommen. Lokis Fesselung. Und – entdecke ich da ein Muster? – Loki als Schiffslenker, ebenfalls aus Ragnarök. Odins Verschwinden! Ich warte noch auf Thors Kampf gegen eine Riesenschlange oder eben den Diebstahl seines Hammers, oder Lokis Verwandlung in einen Falken oder eine Fliege. Oder eine meiner Lieblingsepisoden aus den Sagas, Odin zwischen den Feuern.
Über das Treffen zweier Glaubenssysteme habe ich bereits im Autorenblog geschrieben.
Die Schwarzelfen, na gut. Eigentlich sind die Bewohner von Svartalfheim Zwerge. Aber im Zeitalter der Tolkienverfilmungen… Wobei sich The Dark Worlds Elfen natürlich in erster Linie an del Toros Hellboy – The Golden Army orientieren.

Der dritte Thor soll ja etwas leichtherziger sein; ich versuche mich daran, wenn die DVD günstiger geworden ist.

Fortsetzung

Und da wären wir. Ich bin glücklich. Thor: Ragnarok war ja teilweise stark kritisiert worden wegen seiner… sagen wir, farbenfrohen Elemente. Ja, er ist ein krasser Unterschied zu seinen Vorgängern. Aber diese Szenen kann man einfach ihres Slapsticks wegen genießen, während die Metaebene wieder voll ins Schwarze trifft. Schlichtweg großartig. Wie schon in den beiden ersten Thor-Filmen werden viele Elemente aus der nordischen Mythologie genommen und anders arrangiert, teilweise unglaublich clever. Thor erzählt von seiner Zuneigung für Schlangen (ich lachte – siehe oben). Am besten jedoch: Loki löst tatsächlich Ragnarök aus, inklusive Schiff, in dem er ankommt, inklusive Surtur, dessen er sich (hier in einem komplett anderen Zusammenhang) bedient. Und wie in den Sagen bringt er unsere Helden in Schwierigkeiten und haut sie auch wieder raus, mit Witz und Stil und immer einem Hauch von Fiesheit. Gratulation, gelungen! Wenn nicht bonbonfarben, dürften die Bilder übrigens die besten der drei Thor-Filme sein.

Aber verkneifen kann ich’s mir doch nicht. Ausgewählte Marvel-Filme und ihre Titel im Original und in (neu)deutscher Übersetzung:

OT: Thor: The Dark World – Deutscher Titel: Thor: The Dark Kingdom
OT: Captain America: The Winter Soldier – Deutscher Titel: The Return of the First Avenger
OT: Captain America: Civil War – Deutscher Titel: The First Avenger: Civil War
OT: Thor: Ragnarok – Deutscher Titel: Thor: Tag der Entscheidung

Right.

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Durch die Lord-John-Geschichten habe ich ja ein bißchen was gelernt. Diese Schlacht des Siebenjährigen Krieges fand ich insofern interessant, daß nicht nur Lord Johns Erlebnisse während dieser* witzig und spannend geschildert wurden, sondern daß es sich um einen Punkt in Krefelds Geschichte handelt, den ich zu meiner Zeit ignoriert hatte – mich interessierte das frühe 20. Jahrhundert. Dumm gelaufen; die Landwehr hätte ich mir gern angeschaut.

* Fiktiv, nicht nur weil Lord John eine Romanfigur ist, sondern weil die britische Armee an dieser Schlacht nicht teilnahm.

Berichte der Zeit. Wer sich über die etwas einseitige Berichterstattung wundert: Österreich war damals mit Frankreich verbündet. Die Gegner waren mehrere deutsche Staaten, darunter Preußen und Hannover/Großbritannien (Personalunion unter den Georgen). Und was einseitig betrifft: Die deutsche Wikipedia konzentriert sich mehr auf die Folgen vor Ort (vermutlich geschrieben von den engagierten Krefelder Historikern), die englische kümmert sich auch um die in den Berichten erwähnten Gisors und Clermont.

Wienerisches Diarium, 5.7.1758

Schreiben aus der Gegend von Neuss 24. Junii.
Sie werden allbereits wissen, daß gestern zwischen denen Franzosen und Hanoveranern ein Treffen vorgefallen; da nun aber die Berichte hievon sehr unterschieden seyn werden, so hab ich vermeint, Ihnen ein Genügen zu thun, wann ich (der ich mich auf dem Schlacht-feld selbst eingefunden, und alles, so viel möglich, beobachtet hab) etwas zuverläßiges und umständliches von den Vorgang dieses Treffens einberichtete… Es ware vorgestern, als sich der Prinz Ferdinand von Braunschweig mit einigen Trupen nach Crevelt verfügte, und daselbst den höchsten Thurm bestiege, um die bey Vischelen stehende Französische Armee von allen Seiten zu übersehen und zu recognosciren. Die Franzosen wurden dieses zwar bald innen, schickten auch ein Detaschement auf Crevelt ab, die alda befindliche Hanoveraner aufzuheben; allein der Prinz Ferdinand ware mit denen Seinigen schon wieder glücklich von dar zu seiner, zwischen Hüls und Kempen gelagerten Armee zuruck gekehret, welche nun auf seinen Befehl gestern Morgen aufbrechen, und in 3. Colonnen gegen die Franzosen anrucken muste.
Als nun hierauf die voraus commandirte Französische Hussaren-regimenter von Turpin, Poleresky ec. eilends zu der Haupt-armee stiessen, so merkte man Französischer Seits den Hanöverischen Angrif, es wurden dahero von dem rechten Flügel die diesseits des Landförts (so ein alter tieffer Graben ist) dick gepflanzte Canonen auf die anrückende Hanoveraner loß gebrannt. Diese kamen jedoch, ungeachtet des Feuers, immer näher, und da man sollte vermutet haben, die Hanoveraner würden den Französischen rechten Flügel angreiffen so äusserte es sich bald darauf, daß sie es auf den Französischen linken Flügel gemünzet hatten. Ihre Cavallerie machte den Vortrab, und als diese, bis auf einige Entfernung, dem Französischen linken Flügel beygekommen ware, schwenkte sie sich seitwärts, da dann die Hanöverische Creutz weiß gepflanzte, und mit Cartuschen geladene Canonen, sich blos deckten, und darauf gegen letzt-gedachten Flügel ein entsetzliches Feuer gemacht wurde, welches man jedoch Französischer Seits auch triftig beantwortete. Mit dem Canonen- und darauf gefolgten Musqueten-feuer wurde von beyden Seiten sehr hitzig, und über 2. Stunden unabläßig fortgefahren; Es ergabe sich demnächst, daß die Hanoveraner zum Weichen genöhtiget wurden, diese aber machten mitlerweile mit einer Colonne eine Schwenkung, griffen den Französischen linken Flügel an einem anderen Ort unvermutet vom neuen, und zwar in der Flanque an, daß andurch der Französische linke Flügel weichen muste, worauf zwar vom rechten Flügel (der nicht zum Agiren gekommen, und durch Canoniren den Hanöverischen linken Flügel stäts repoußirte) 5. Regimenter Infanterie, und 3. Regimenter Cavallerie zur Verstärkung abgeschickt wurden, allein es war zu spät. Der linke Flügel bliebe in der Retirade, wobey aber die Französische Trupen noch immer mit dem besten Mut agirten und Stand hielten. Gegen 6. Uhren schwiege das Feuer von beyden Seiten, und man gerieht mit aufgepflanzten Bajonetten und Säbel hitzig aneinander. Endlich musten die Franzosen denen Hanoveranern weichen, sie retirirten sich aber in der besten Ordnung noch selbigen Abends von dem Kampfplatz, also, daß heute morgen das Hauptquartier nach Neuss, und die Armee auch in dieser Gegen zu stehen kame.
Der Verlust von beyden Seiten, ist dermalen noch nicht zu schätzen, doch ist leicht zu denken, daß es bey diesem hartnäckigen Gefecht vieler brafer Soldaten Leben gekostet habe. Das Französische Regiment Carabiniers du Roi und Schweitzer-regiment von Lochmann (welche Wunder der Tapferkeit bewiesen) haben ungemein stark, die Regimenter Champagne, la Marche, Auviguier ec. auch viel gelitten. Unter andern distinguirten Personen, ist der Graf von Gisors, einziger Sohn des Marschalls von Bellisle tödtlich bleßirt. Das Treffen hat ungefähr 7. Stunden, bis gegen Abends angehalten. Die andere und mehrere Umstände muß man der Zeit zur Erörterung überlassen.

Wienerisches Diarium, 8.7.1758

Cöln 27. Junii.
Die nahe Position, in welcher sich die Französisische und Hanöverische Armee am Nieder-rhein seit den 20. Junii befunden, hat endlich den 23. ein hitziges Treffen veranlasset, von welchem wir nunmehro aus dem Französischen Lager bey Neus folgende weitere Umstände liefern können. Den 23. rückten Se. Durchl. der Prinz Ferdinand unvermutet in 3. Colonnen gegen dem Französischen linken Flügel auf der Seite von Aurad an. Die Regimenter Brancas und Lochmann Schweitzer, welche sich an der äussertsten Spitze der ersten Linie befanden, hatten die gröste Hitze der ersten Attaque auszustehen. Um 11. Uhr zeigten sich die 3. Hanöverische Colonnen noch in der Entfernung, alleine gegen Mittag endeckte man ihr Vorhaben. Die 2. erst-benannten Regimenter griffen sogleich zu denen Waffen. Gegen 1. Uhr breiteten sich die Feinde in der Ebene aus, und man feuerte auf sie mit denen 2. Canonen deren besagten Regimentern. Allein eine halbe Stund hernach wurde die Canonade von der feindlichen Artillerie sehr lebhaft. Die Canonen deren Regimentern wurden hierauf vermehret, das Canoniren wurde hitziger, und die Brigaden von Marine und Touraine vereinigten sich mit denen attaquirten Regimentern. Um 2. Uhr griffen die Hanoveraner förmlich an, und das Musqueten-feuer ware von beyden Seiten sehr heftig. Die Regimenter Brancas und Lochmann hielten eine gute Stunde aus, und zogen sich nicht eher zur Armee, als bis sie sich verschossen, und von der Generalität hiezu Befehl hatten, welche sahe, daß sie bereits viele Leute verloren hatten. Die Hanoveraner rückten immer stärker an, und ihre Cavallerie und Hussaren würden unfehlbar die Französische Infanterie über den Hauffen geworfen haben, wann nicht der Graf von Gisors an der Spitze des Carabinier-corps die Infanterie und Cavallerie getrennet, und ersterer aus dem Gedränge geholfen hatte. Das Regiment Royal Roußillon manoeuvrirte gleichfalls mit aller Unerschreckenheit, und gegen Abend um 6. Uhr zog sich die Armee nach Neus zurücke, ohne daß sie bey ihrer Retraite verfolget worden.
Die Brigaden Marine, Tourraine, die Regimenter Couronne, Chartres, Brancas la Marche und Lochmann haben fast allein das feindliche Feuer ausgehalten. Sie repoußirten die 2. Hanöverischen Colonnen, die 25000. Mann stark waren 2. mal, und zogen sich wegen Uebrmacht zurücke, wobey der Graf von Rochambau die Arrier-garde führte. Auf der Ebene wurde er von der feindlichen Cavallerie coupirt, und verlor einen Capitain und etliche Soldaten, welche von denen Preußischen Dragonern niedergemacht wurden. Er repoußirte endliche diese Cavallerie mit Beyhülfe derer Bataillonen Couronne und Chartres. Die Brigade selbst verlor weder Canonen noch Fahnen, allein sie zehlet 71. Officiers und 528. Gemeine, Todte und Bleßirte. Das Regiment Chartres stunde am Walde, formirte ebenfalls die Arrier-garde, und beobachtete eine männliche Contenance. Der Verlust desselben bestehet in 27. Officiers, und 300. Soldaten. Das Regiment Couronne zehlet 39. todte und bleßirte Stabs-officiers, 13. Capitains bleßirt, 4. Leutenants todt, und bleßirt. An Gebliebenen rechnet man 350. Gemeine, 43. Grenadiers, 18. Canoniers. Bey nahe alle Sergeanten und Coporals seynd geblieben oder bleßirt. Die Carabiniers haben 60. todte und bleßirte Officiers, und 600. Gemeine verloren. Bey dem Regiment Roussillon seynd nur wenig Officiers ohne Wunden, und 2. todt. Das Regiment Lochmann hat 220. Mann verloren, und das von Brancas eben so viel. Der Graf von Gisors ist tödtlich bleßirt. Der Ritter von Muy hat 2. bis 3. Säbel-hiebe bekommen. Der Graf von Maille ist durch eine Canon-kugel tödtlich bleßirt. Der Graf von Montmorenci, der Graf Laurogais, und der Herr von Lochmann seynd gleichfalls bleßirt, und letzterem der Arm zerschmettert worden. Der Hr. Graf von Clermont hat sich alle Mühe gegeben, denen Officieren, und vornämlich denen vom Regiment Lochmann wegen ihres Wol-verhaltens seine Zufriedenheit zu erkennen zugeben. Er zog letztere mit an die Tafel, allwo die Generals und Prinzen speiseten.
Den 15. brache die Französische Armee in 5. Colonnen von Neus nach Wohringen auf, allwo sich dermalen das Haupt-quartier befindet. Die grosse Equipage komme über Zonst hieher, wann aber, oder wohin die Armee aufbrechen wird, ist noch unbekannt. Von denen weiteren Bewegungen derer Hanoveranern seynd gleichfalls noch keine Nachrichten eingeloffen.

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Die Leitungsstelle einer Bibliothek, in der ich mich vor einiger Zeit beworben hatte und in der ich wirklich, wirklich gern gearbeitet hätte, ist ausgeschrieben. Die bisherige Leitung, die mich im Vorstellungsgespräch verhörte, ist vermutlich in Ruhestand gegangen. Ich nehme es den Entscheidungsträgern (und damit auch ihr) etwas übel, daß sie mich nicht nur nicht genommen haben, sondern nicht einmal eine Absage schickten. (Mangelnde Kommunikation ist aber generell ein Problem dort. Von Berufs wegen mußte ich dort jahrelang Berichten hinterherreklamieren.) Sie hätten eine Menge schwierige Dinge verhindern können. Nun ja. Irgendwie passend, ausgerechnet jetzt diese Ausschreibung vorzufinden.

Ganz was anderes: Die Tage die The Hunger Games-Trilogie gelesen und schwer beeindruckt. Für ein Jugendbuch sowieso ungemein bemerkenswert, aber der erwachsene Leser findet noch ganz andere Dinge jenseits der Handlung darin.

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Vor vielen Jahren, als das Internet noch ein überschaubarer Ort war, gerade, was Suchtreffer zur Gralsbewegung betraf, entdeckte ich eine Seite, die man heute wohl als Schreibwerkstatt bezeichnen würde. Die Geschichten der Mitglieder waren nicht öffentlich, nur eine Zusammenfassung gab es. Und darunter fand sich eine Jugenderzählung des Inhalts, ein junges Mädchen stünde kurz vor der „Aufnahme in die Gralsbewegung“, sei sich über ihren zukünftigen Weg aber nicht sicher und verliebe sich. Eine klassische Sektengeschichte, denke ich. Nun hatte die Autorin, deren Namen ich längst vergessen habe, sicher nicht von ungefähr diesen Rahmen gewählt; vermutlich war sie die Tochter von Kreuzträgern. Ich kenne die „Problematik“, um mal diesen Ausdruck zu wählen, was sicherlich ein gutes Thema für eine eigene Folge in dieser Serie wäre…

Im fiktionalen/erzählenden Bereich sieht es mit Umsetzungen der Gralsbotschaft mau aus. Es gibt die Wegbereiter, nun gut. Die erzählenden Werke von Susanne Schwarzkopf. Frau Wolfrum hat das von mir sehr geliebte Büchlein Mehr Dinge zwischen Himmel und Erde… (Neuauflage unter dem Titel Die unsichtbare Brücke) geschrieben. Einige extrem seltene Exemplare des Buches von Maria Halseband, Ich klopfe an!, haben überlebt. Und das ist im großen und ganzen auch schon alles. Klassiker für Kreuzträger sind Die drei Lichter der kleinen Veronika, Von Stufe zu Stufe oder Ein Wanderer im Lande der Geister. Von einem Markt wie beispielsweise für christliche Romane kann keine Rede sein. Als Leserin von christlichen Romanen stelle ich mir manchmal vor, einen Roman mit der Thematik Gralsbotschaft zu schreiben. Als Kind wollte ich Schriftstellerin werden. Aber inzwischen habe ich gelernt, daß erzählende Literatur mir nicht liegt. Ich kann Sachbücher schreiben (und habe es getan), aber ich kann keinen Plot aufbauen. Das muß also anderen überlassen bleiben.
Wie sähe ein solcher Roman aus? Wer wären seine Protagonisten, und mit welchen Konflikten hätten sie zu kämpfen?

Was sonstige Fiktionen angeht: Über Erdenbann von Oskar Ernst Bernhardt habe ich hier schon mehrfach geschrieben; das wohl einzige seiner fiktionalen Werke, das bereits viele geistige Inhalte besitzt. Gerade das Vorspiel ist gewaltig.
Dann gab es das bei Kreuzträgern damals nicht sehr beliebte Filmessay Der Gral – ein Weg von Marion Jerrendorf und Olga Kuksinskaja, das ich wegen seiner zweiten Hälfte mit Aufnahmen vom Berg für mich wiederentdeckt habe. Und wer Interesse hat, sei auf meine Artikelserie Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht verwiesen. Herr Huemer betreibt zwei Videokanäle mit interessanten Beiträgen, und natürlich gab es die Grals-TV-Produktionen, das sind aber alles Sachvideos.

Nachtrag:
Herr H. wies mich auf einen weiteren Roman hin, Ludwig II. – Aufstieg ins Licht von Johanna Arnold. Darin wird die Gralsbotschaft explizit erwähnt, und es wird auch weitflächig aus ihr zitiert. Dennoch kann ich das Buch nur der Neugierde halber empfehlen. Es weist leider sämtliche klassischen Schwächen einer Selbstpublikation auf: Miserabler Stil, hölzerne Dialoge (zudem sämtlich in Kursiv!), Rechtschreibfehler ohne Zahl, und die Zeichensetzung ist auch schauerlich. Eine Aussage und letztlich auch eine Handlung sucht man vergebens; mir erschien es eher, als habe die Autorin versucht, all ihr angelesenes „Wissen“ über Ludwig II., Alchemie und verschiedene Glaubensrichtungen vorzuführen und es dafür in eine dünne Romanhandlung zu packen.

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Gerade auf Diana Gabaldons Facebook-Seite gesehen. In den USA erscheint die DVD/BluRay erst am 10.4., während sie in Großbritannien und auch in Deutschland bereits Anfang März auf den Markt kam. Muß man nicht verstehen und ist das gleiche wie bei den Shannara Chronicles, Staffel 2. In jedem Fall freut das Lob gerade für Tanya Reynolds als Isobel und die Szene – über beide hatte ich ja bereits geschrieben. Und schön zu lesen (irgendwo in den Kommentaren), daß diese Szene in Lord Johns viertem Roman auftauchen wird – nicht, wie hier dargestellt, dafür unterscheidet sich Buch-John zu sehr von TV-John, aber immerhin in absehbarer Zeit.

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Kürzlich in einer Diskussion zur Outlander-Serie gelesen. Sehr schön. Auch als Schreckgespenst kann man in die Geschichte (und die englische Sprache) eingehen…

Und da isses offiziell (nein, nicht GoT):

Hatte ja bereits beim Lesen von „Besieged“ so einige Nachtigallen trapsen hören.

A propos, gelesen habe ich – wegen Lord John wohlgemerkt, nicht Jamie (kann nicht nachvollziehen, was alle an ihm finden) – kürzlich An Echo in the Bone und Written in My Own Heart’s Blood. Die gekürzte Fassung. Soll heißen: „Charaktere, die mich interessieren? Nein… *blätter* nein…*blätter* ja… *les*.“ Erleichterte die Sache sehr. Und prompt bloggte Lynn Austin diese schöne Anmerkung:

Every good novel needs to have characters who grow and change over time […]. A satisfying sequel should feel fresh and new, and not like a warmed-over episode in a never-ending soap opera.

Ich nenne das „Eine gute Geschichte hat einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende“. Und es ist genau das, was Diana Gabaldon in ihren Outlander-Büchern nicht hinbekommt. Es gibt ein paar Grundmuster, und das war’s. Die Geschichte eiert endlos vor sich hin. Sie versucht zu viele Charaktere zu bedienen, zu viele Ideen (warum lagert man Rogers Storyline – bzw. das, was Gabaldon darin verstaut – nicht in ein Prequel aus?), was nur dazu führt, daß nichts wirklich vertieft werden kann. Und ja, mit ihrer ausufernden Vier-Generationen-Familiensaga ist sie tatsächlich eine Seifenoper.
Die Lord-John-Geschichten hingegen haben den Vorteil, daß viele von ihnen eben das sind: Geschichten, keine Romane. Sie werden sehr viel straffer durchgezogen, was bei Gabaldons Tendenz zum sinnlosen Ausschweifen ein Segen ist. Aber auch die ersten beiden Romane sind großartig – The Private Matter, der „versehentliche“ Roman, mit seiner Krimihandlung in der Londoner Ober- und Unterwelt 1757, und The Brotherhood of the Blade, der Gipfel von Gabaldons Schreibkunst. Besser geht’s nicht. Bißchen schwächer The Scottish Prisoner (Jaaamiiieee!), aber in Ordnung, da es immerhin bei zwei Blickwinkeln bleibt.

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