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Archive for the ‘Bücher’ Category

Auf das Assassin’s Creed-Franchise kam ich Anfang des Jahres durch Man-at-Arms. Nun habe ich nicht die technischen Mittel, um das neueste Odyssee zu spielen und begnügte mich mit dem Spielfilm. Erst kürzlich, als ich den Film wieder hervorholte und das direkt davon angesiedelte Heresy las, einen der wenigen Romane (oder den einzigen?), der nicht auf einem spezifischen Spiel basiert, kam mir in den Sinn, daß ich ja problemlos die alten Games spielen könne – für ’nen Appel und ’n Ei zu kriegen.
Und so startete ich mit Teil 1 – wobei die Betonung auf „startete“ liegt. Ich bin zu langsam für solche Spiele, bei denen man gefühlt zehn Tasten gleichzeitig bedienen muß. Ohne Pausefunktion, bei der man sich mal kurz orientieren kann. Ausschließlich mit Autosave. Das störte mich bei Vampire: the Masquerade – Redemption eigentlich nur im Stephansdom. Aber hier?
Fast jedes Spiel enthält ja eine Haßqueste. Stephansdom. Werwolf. Efferdtempel. Und hier mein klarer Favorit: Taschendiebstahl. Ich scheitere grandios und beständig an dem verdammten Korbflechter und komme damit schon bei der gefühlt vierten Queste nicht weiter.

Ich hasse ihn!

Oh, übrigens, was ich mich schon seit Baldur’s Gate frage: Wie sind eigentlich so die Gesetze in den Spielwelten? Die Stadtwachen haben kein Problem damit, einen versuchten Taschendieb mal eben zu Tode zu befördern, ohne Verhaftung und ohne Gerichtsverhandlung. Da lobe ich mir doch weiterhin Drakensang, grummel…

Anyway. Nachdem ich genervt auf die Assassin’s Creed-Romane umgesattelt hatte, die aber nur die historische Handlung abbilden, fing ich nun an, auf YouTube die zusammengeschnittenen Gameplays und Cutscenes anzuschauen. (Taschendiebstahl? Kein Problem! Wie macht der das??) Und irgendwann grätschte Ancestrys Werbung ins Bild. Ich mußte lachen. Das nenne ich mal die perfekte personalized ad: Denn in Assassin’s Creed geht es ja massiv um DNA und Blutlinien.

„Die Vergangenheit deiner Familie ist voller Geschichten, die darauf warten, entdeckt zu werden.“

Ganz ehrlich: Um eine Sitzung im Animus würde ich mich reißen. Nicht, daß Assassinen dabei herauskämen, glaube ich. Aber die Chance, mal zu schauen, was die Ahnen während der Kreuzzüge oder in der Renaissance so machten? Cool!
Nun ja, gut. Ich kann es mir denken. Bauern in der Schweiz, Bauern in Norddeutschland, Bauern im Hildesheimer Raum. Meine Ahnen waren die, die im Hintergrund von Games herumlaufen.
Die Schweizer Linie konnte ich ja – leider unterbrochen – bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen, das ist satt in der Mitte zwischen Altaïr und Ezio. Bei den anderen Hauptlinien spätes 17., frühes 18. Jahrhundert. Vielleicht sollte ich mal wieder Zeit und Energie in sie investieren.

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Es ist gut, daß ich längst allen Glauben an die Menschheit verloren habe, sonst hätte mich Hiroshima, Nagasaki von Paul Ham sehr deprimiert. Aber auch so faßt man es immer noch nicht, diese Denke dahinter oder die Rechtfertigungen und das Verhalten hinterher.

Dabei schlägt Ham einen weiten Bogen; die beiden Bombenabwürfe kamen ja nicht aus dem Nichts, sondern waren eingebettet in die militärische, wissenschaftliche und soziale Situation ihrer Zeit. Er räumt auch mit *dem* Fehlschluß schlechthin auf, der bis heute „Allgemeinwissen“ ist: Nämlich daß die beiden Atombomben zur Kapitulation Japans führten. Wie Ham anhand der Faktenlage zeigt, ist das schlichtweg falsch. Weder Hiroshima noch Nagasaki hatten irgendeinen ausschlaggebenden Einfluß auf die Entscheidungsträger, sondern der wesentliche Faktor war die Kriegserklärung der Sowjetunion. Der Mythos der kriegsbeendenden Atombombe entstand erst später, und zwar auf beiden Seiten: Japan brauchte eine „gesichtswahrende“ Erklärung für die eigenen Militärs („Gegen so etwas können wir bei aller Tapferkeit nicht gewinnen“), und die USA brauchten eine moralische Rechtfertigung („Es hat den Krieg beendet“). Die wahren Hintergründe sind sehr viel komplexer und, man glaubt es kaum, fast noch unmoralischer als der Abwurf zweier Atombomben.

Mythos Nummer 2, zumindest laut Ham: Die Atombombe war niemals im Gespräch für Deutschland. Seit 1943 galt nur Japan als Ziel. Etwas, das insbesondere jüdischstämmige Wissenschaftler, die an dem Projekt beteiligt waren, empörte, als sie es erfuhren.

Die handelnden Personen lesen sich mitunter wie Klischees aus einschlägigen Filmen – vielleicht waren sie tatsächlich Vorbilder für diese Klischees? Der Militär, der auf Biegen und Brechen seine neue Wunderwaffe ausprobieren will. Der Wissenschaftler, der nur Forschungsergebnisse und keine Personen hinter seiner Erfindung sieht. Der skrupellose Machtpolitiker. Der mit amerikanischem Pathos um sich werfende Präsident. Der Kassandrarufer. Und so weiter, und so fort.

Ich habe mal stichprobenartig geschaut, was die Presse der Zeit schrieb. Das wirklich Gruselige bei dieser Lektüre ist, daß ja aus der Natur der Sache heraus noch niemand eine Vorstellung hatte, was eine Atombombe eigentlich anrichtet. Es wird zunächst immer nur von der Zerstörungs-, sprich Explosionskraft dieser Bombe geredet. Natürlich verstanden die Journalisten herzlich wenig von dem wissenschaftlichen Hintergrund und wiederholten nur das, was sie von offiziellen Bekanntmachungen erfuhren und umsetzen konnten. Die deutschsprachige Presse, selbst wenn sie besser informiert gewesen wäre, unterlag der Zensur der Siegermächte. Innerhalb eines Jahres wurde allmählich mehr bekannt. Dabei tat sich vor allem die britische Presse hervor, wie anhand der Meldungen in den britischen Besatzungszonen zu ersehen.

Oberösterreichische Nachrichten, 7. August 1945
(Washington, 6. August) Präsident Truman gab heute bekannt, daß vor 16 Stunden durch Flugzeuge die größte, in der Kriegsgeschichte jemals verwendete Bombe, eine Atombombe, die eine stärkere Wirkung hat als 20.000 Tonnen Dynamit, auf den japanischen Armeestützpunkt Hiroshima abgeworfen wurde.
Die Bombe hat eine Sprengkraft, die zweitausendmal stärker wirkt als die bisher wirkungsvollste Bombe, die britische „Grand Slam Bomb“.

Österreichische Zeitung, 9. August 1945
London meldete am 8. August: Seit dem Abwurf der ersten Atombombe über Hiroshima sind zwei Tage vergangen. Noch jetzt hängen gewaltige Rauch- und Staubwolken über der Stadt. Bisher ist es Erkundungsfliegern nicht gelungen, die Wirkungen dieser neuesten und verheerendsten Waffe festzustellen.
In einem Kommaniqué aus Kwang wird bekanntgegeben, daß mehr als die Hälfte der Stadt Hiroshima durch die eine Atombombe zerstört wurde. Achtzehn Quadratkilometer der Stadt und Umgebung sind dadurch völlig verwüstet.

Österreichische Volksstimme, 6. September 1945
Amerikanische Korrespondenten haben jetzt Hiroshima besucht, oder richtiger, das Gebiet, wo einst diese Stadt gestanden hat. Die Korrespondenten berichten übereinstimmend, daß nichts, was sie in Hamburg, Berlin oder anderen deutschen Städten gesehen haben, dem Ausmaß an Zerstörung gleichkommt, das hier eine einzige Atombombe angerichtet hat.
„Schon zehn Kilometer außerhalb des Stadtgebietes“, heißt es in dem Bericht, „sahen wir umgefallene Bäume, abgerissene Dächer und eingestürzte Häuser. Das eigentliche Zentrum der Zerstörung umfaßt ein Gebiet von mehreren Quadratkilometern. Im Kern des Explosionsherdes der Atombombe war eigentlich nichts. Man kann nicht einmal von Trümmern sprechen. Man konnte nicht einmal feststellen, was hier einst gestanden war, ob Wohnhäuser, Fabriken oder sonstige Anlagen. Nichts ist übriggeblieben als Schutt. […]“

Eine geheimnisvolle Krankheit

13.000 Personen wurden bei dem Angriff schwer verletzt. Wahrscheinlich werden alle sterben. Täglich erliegen ihren Verletzungen 100 Personen. Ohne jeden sichtbaren oder feststellbaren Grund beginnt ihr Gesundheitszustand nachzulassen. Sie verlieren den Appetit, die Haare fallen aus, bläuliche Flecken werden auf ihren Körpern sichtbar und sie beginnen aus Ohren, Mund und Nase zu bluten.

Neues Österreich, 11. September 1945
Peter Burchett, Reporter des „Daily Express“, berichtet, daß er nach einem Besuch von Hiroshima in Tokio unter ärztliche Kontrolle kam, um festzustellen, ob seine weißen Blutkörperchen durch die Radioaktivität angegriffen worden seien. Das Blatt schreibt, Londoner und New-Yorker Wissenschaftler hätten herausgefunden, daß die ersten offiziellen alliierten Berichte aus Gebieten, die von Atombomben getroffen worden sind, die Nachrichten über die nachträgliche tödliche Wirkung der Bombe bestätigen.
„Im zerschlagenen Hiroshima“, schreibt der „Daily Express“, „sterben Tausende von Japanern an den nachträglichen Wirkungen der Bombe, der sie, als sie vor 36 Tagen fiel, glücklich entronnen zu sein wähnten.“
Radiumspezialisten sind der Meinung, daß alle Symptome auf radioaktive Strahlungen hinweisen, die nach der Explosion der Bombe ausgelöst worden sind. Die gefährlichsten sind die Gammastrahlen, die beim Zerfall der Uranatome entstehen. Es sind dies die durchdringenden Kurzwellenstrahlen, die bei der Krebsbehandlung Anwendung finden.
Die Ärzte sind der Ansicht, daß mit der Explosion der Bombe dichte Schauer von Gammastrahlen mit einer Sekundengeschwindigkeit von 300.000 Kilometer überallhin ausgestrahlt werden. Wenn sie den menschlichen Körper treffen, gehen sie durch, schädigen aber die Gewebe, Teile der Haut sterben ab, werden nach wenigen Tagen blau und verfallen. Die Haarwurzeln werden zerstört, nach einer Woche fallen die Haare aus. Am schwersten wird das Knochenmark geschädigt, wo die Erneuerung der Blutzellen vor sich geht. Wenn das Mark einmal den Gammastrahlen ausgesetzt war, kann es den Anforderungen des Blutes nicht mehr genügen. Schwere Anämie tritt ein, blutendes Zahnfleisch ist eines der Symptome.
Den britischen Physikern ist es unfaßbar, wie die Opfer dem dichten Gammastrahlenregen so nahe gekommen sein können, ohne der Explosion der Bombe zum Opfer zu fallen: „Doch wissen wir so wenig darüber, was bei einer Massenexplosion von Atomen vor sich geht, daß es nicht unmöglich ist, daß Schauer von Gammastrahlen im Umkreis von mehr als eineinhalb Kilometer niedergehen“, sagte ein Professor am Samstag.

Wiener Kurier, 20. Oktober 1945 (aus „Yank“)
Die wenigen überlebenden Japaner, die sich am 6. August, als die Atombombe fiel, in Hiroshima befanden, werden schweigsam, wenn man sie um eine Schilderung dessen, was sie während der Explosion und in den folgenden Stunden gesehen und getan haben, bittet. Statt jeder Antwort starren sie auf die Decke oder auf den Fußboden. Dann machen sie eine hilflose Geste und sagen etwa: „Die Stadt befand sich in dem ärgsten Zustand, den man sich vorstellen kann“, oder „es war über alle Vorstellung schrecklich“. Augenscheinlich waren die Leute in Hiroshima zu erschüttert, zu niedergeschmettert, als daß sie sich darüber klar geworden wären, was sie taten oder was um sie herum vorging an jenem Morgen des 6. August. […]
Ein Japaner sagte, er sei von der Erschütterung eine Woche lang taub gewesen, aber er habe keinerlei Explosion gehört. Aber die Japaner in der Fliegerstation Kuri, 12 Meilen weit entfernt, erzählten, sie hätten einen fürchterlichen Krach gehört. Vizeadmiral Masao Kanazawa stellte fest, die Wirkung hätte der eines Tornados geglichen. Es war ein „großer Wind“, sagte er, und die Bäume wurden bis auf den Boden niedergebogen.
Die Ärzte, die die Verwundeten von Hiroshima behandeln, erklärten, daß eine Menge der grausigen Geschichten, die über die Wirkung der Atombombe unter der Zivilbevölkerung in Umlauf sind, anscheinend doch auf Wahrheit beruhen. Leute, die, als die Bombe fiel, nur leicht verwundet wurden und solche, die erst Stunden später die Stadt betraten, wären an Schwund der weißen Blutkörperchen gestorben. Soweit sie dies feststellen könnten, wäre die Wirkung der Atombombe etwa mit einer übermäßig langen Bestrahlung mit einem sehr starken Röntgenapparat vergleichbar. […]
Sowohl unter den Japaner als auch unter den amerikanischen Soldaten in den Philippinen, in Okinawa und in den Marianen hat sich das Gerücht verbreitet, daß jeder, der sich selbst eine Woche nach der Explosion oder noch später in das betroffene Gebiet begibt, von der Radioaktivität des Bodens sterilisiert würde. Die japanischen Ärzte haben noch nicht Zeit gehabt, dieses Gerücht zu überprüfen. Sie glauben, daß die Opfer, die dem Bombardement selbst ausgesetzt waren, möglicherweise zeugungsunfähig sind, wissen aber noch nichts Sicheres. Sie wissen auch nicht, wie lange es wohl dauern wird, bis Hiroshima wieder ein vollkommen gesunder Wohnort sein wird.

Das Kleine Volksblatt, 30. Juni 1946
Knapp vor den Atombombenversuchen [im Pazifik] ist der erste ausführliche Sachverständigenbericht über die Wirkung der Atombomben veröffentlicht worden, die vor fast einem Jahr auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. Der Bericht, der von einer hochqualifizierten britischen Mission zusammengestellt wurde, führt u. a. aus: „Der Eindruck, den die beiden einst blühenden Städte machen, ist, daß sie in einem Augenblick und ohne Kampf in eine höchst primitive Existenzform zurückgesunken sind.“ […]
Die Schäden und Verluste wurden durch Explosion, Hitzeausstrahlung und Radioaktivität verursacht. […]
Die bedeutendste radioaktive Wirkung in Hiroshima und in Nagasaki scheint von den durchdringenden Kurzwellenstrahlungen ausgegangen zu sein, deren genaue Beschaffenheit unbekannt ist und die man als „Gamma-Strahlen“ bezeichnet. Sie drangen durch die Haut, ohne diese zu verletzen. Nach 24 Stunden traten Übelkeit, Erbrechen und Fieber auf, der Tod stellte sich in den meisten Fällen nach drei Wochen ein. Die Gamma-Strahlen schädigen das Knochenmark und verhindern die Bildung neuer Blutkörperchen.
Selbst feste Gebäude wurden von den Gamma-Strahlen durchdrungen und gewährten keinen Schutz.
Schwangere, die innerhalb tausend Yards von der Schadsmitte in Hiroshima am Leben blieben, hatten Fehlgeburten oder brachten Frühgeburten zur Welt, die bald starben. […]
Der Bericht schließt lakonisch: „Das Gesamtbild ist düster.“

Optimistisch zeigt sich dagegen die Weltpresse vom 2. September 1946:

Die Atombombe bestätigt alle Erwartungen hinsichtlich ihrer unmittelbaren zerstörenden Wirkung. Die Voraussagen der Wissenschaftler über ihre Auswirkungen sind jedoch erfreulicherweise nicht eingetroffen.
Was sich mit Hiroshima und Nagasaki ereignen würde, wenn die Atombombe fällt, war durch Experimente ziemlich genau vorherbestimmt worden. [Nope – es gab *einen* Test unter völlig anderen Bedingungen.] Das verderbenbringende Projekt war in jeder Weise ausprobiert worden; Reichweite und Vollständigkeit ihrer zerstörenden Wirkung waren bekannt. Viele Menschen, die den Gedanken an die Massenzerstörung haßten, wurden durch die Hoffnung besänftigt, daß diese neue Art der Kriegsführung binnen wenigen Sekunden den Krieg beenden und tausende andere Opfer verschonen würde. Hiroshima und Nagasaki erlitten Wunden, die für das japanische Imperium tödlich waren. Das hatte man erwartet, das wurde auch erreicht.
Aber was die zeitliche Nachwirkung der Radioaktivität betrifft, waren die Wissenschaftler mehr oder weniger auf Spekulation angewiesen. Mit verschiedener Abstufung von Bestimmtheit sagten sie voraus, daß alles Leben – tierisches und pflanzliches – für viele Jahre unmöglich sein und daß das Gebiet der Explosion in eine verbrannte, öde Wüstenei verwandelt werden würde. Ihre Vorhersagen haben sich nun als falsch erwiesen. Sie unterschätzten die Widerstandskraft des Menschen und der Natur.
In den beiden ausgebombten Städten erheben sich bereits wieder Häuser und beginnt sich jede Art von menschlicher Tätigkeit zu regen. Die Erde, von der man erwartet hatte, daß sie unfruchtbar werden würde, bringt wieder Blüten hervor und trägt Früchte.
Bedeutet dies, daß die Schrecken des Atomkrieges über Gebühr vergrößert wurden? Diese Annahme wäre grundfalsch. Die Tötung von Menschen und die Devastierung ganzer Städte würde so umfassend sein, wie es die Wissenschaftler errechnet haben. Unsere Zivilisation würden zum erheblichen Teil verschwinden, sollte die Bombe jemals in einem neuen Krieg eingesetzt werden. Aber die bisher gewonnenen Resultate beweisen endgültig, daß die Welt es zumindest überleben wird. Einzelne Menschen, mit einer wunderbaren Immunität ausgestattet, werden aus den Ruinen hervorkriechen und so gut sie es vermögen, wieder zu bauen beginnen, Nahrungspflanzen und Blumen werden der Absicht der Wissenschaft, alles zu zerstören, Trotz bieten.

Das neue, atomare Zeitalter schlug die Menschen in seinen Bann, wie wir es uns heute überhaupt nicht mehr vorstellen können. Ham führt so einige Beispiele an, aber auch hierzulande machte es sich bemerkbar. Eine Ausgabe der Ins neue Leben beispielsweise widmete ihre Cartoon-Seite der Atomkraft (man liest es heute mit einer gewissen skeptischen Faszination), und mindestens ein sehr früher Nachkriegs-Science-Fiction-Roman nimmt sich des Themas an. (Nicht wirklich wissenschaftlich fundiert, aber es spiegelt eben das Verständnis und die Ängste des gemeinen Fußvolks zur Atomspaltung wider.) Nebenbei war in Sci-Fi-Filmen der 50er sowieso immer die Atombombe das rettende Element vor Aliens und Monstern aller Art. Ich vergleiche das ganz gern mit, sagen wir, Independence Day: Heutzutage schmeißen unsere Filmmilitärs, diesmal natürlich höchst ungern, die Atombombe auf die bösen Aliens, aber sie zeigt keine Wirkung. (Außer große Landstriche zu verseuchen, danke auch.) Das ist ein interessantes gewandeltes Verständnis. Die Wunderwaffe ist keine, und man kann sich ihren Einsatz gleich sparen. Köpfchen statt brute force bringt viel mehr.

„Oh, that’s your answer to everything: Just use the atom bomb.“

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Am 18. April erschien Eva Hermans neues Buch Blutgericht Europa. Da ich’s mir fürs Kindle vorbestellt hatte, konnte ich gleich morgens im Zug loslesen – schon eine dolle Sache! Ich saß dann abends über einer Rezension, die mich einiges Nachdenken kostete. Was es zu diesem Buch zu sagen gibt, ist einfach zu viel, um es in eine Besprechung zu packen. Wissend, daß es vor allem die Herman-Fans (und vermutlich die Autorin selbst – ich linse ja auch immer mal wieder nach neuen Rezensionen meiner Bücher) sein würden, die draufschauten, entschied ich mich für die abgespeckte Variante, die allerdings schon recht lang wurde, um gleich zum Kern der Sache zu kommen.
Morgens erwartete ich fast schon wütende Kommentare, aber nein – es gab immerhin drei „Personen, die diese Rezension hilfreich fanden“. Hilfreich glaube ich dann doch nicht; inzwischen gilt dieser Button ja eher als „Like“. Aber wie gesagt: Dafür, daß ich den Text erst um 23 Uhr abschickte und um neun Uhr morgens nachsah, ist die Reaktion ganz gut. (Zum Zeitpunkt des Schreibens. Kann inzwischen ja längst ganz anders aussehen.) Ulkig hingegen: Mehrere von Hermans früheren Büchern haben bis heute keine Bewertung. Sobald ich eine Drei-Sterne-Rezension veröffentliche, kommt prompt innerhalb von zehn Stunden eine andere nach, die den Schnitt nach oben zieht. Menschen. 🙂

Wie es mir nun immer so geht, kamen im Nachhinein noch einige Einfälle, was ich außerdem hätte schreiben können. Der Geist des Treppenhauses. Aber wozu hat man ein Blog? Im folgenden also der etwas veränderte Text der Rezension plus Zusatzgedanken.

Eva Herman befaßt sich in Blutgericht Europa mit nichts Geringerem als dem Völkerschicksal Deutschlands und dem Untergang des Abendlandes. Gerade letzterer ist ein Standardthema der Wissensmanufaktur – „Wird allmählich Zeit. Andreas Popp kündigt ihn seit fast zehn Jahren an“, um einen Facebook-Kommentator zu paraphrasieren. Da will ich mal einen Schritt weitergehen und erwähnen, daß die Kreuzträger ihn bereits zu Lebzeiten Abd-ru-shins jeden Tag erwarteten, und das ist immerhin über siebzig Jahre her. Ich bin also extrem vorsichtig mit solchen Vorhersagen; das kann ganz entspannt noch weitere siebzig Jahre so weitergehen.
Über Völkerkarma nun kann man sehr lange diskutieren. Gerade das deutsche hat natürlich viel auf dem Buckel, und mehr, als man gemeinhin glaubt. Ich zitiere mal einen längeren Text aus Abd-ru-shin und die Botschaft aus dem Gral.

Am 6. Dezembers 1941, nachmittags, schied Abd-ru-shin (Oskar Ernst Bernhardt) von dieser Erde. Siegfried Hagl beschreibt die welthistorische Situation dieses Zeitpunktes.

Europa Anfang Dezember 1941: Der Zweite Weltkrieg hat in der Form des „europäischen Krieges“ einen ersten Höhepunkt erreicht. Zwei Jahre lang waren deutsche Truppen von Sieg zu Sieg geeilt. Sie hatten das neue Schlagwort „Blitzkrieg“ nicht nur in die deutsche, sondern sogar in die englische Sprache eingebracht, und ihr Angriffsgeist und ihre Schlagkraft schienen nie zu erlahmen; die deutschen Armeen hatten sich bisher in allen Fällen als unüberwindlich erwiesen.

Ein Blick auf die Landkarte mußte das belegen:

Deutsche Soldaten hatten ab September 1939 zuerst Polen überrannt, dann Dänemark, Norwegen, Holland, Belgien und Frankreich erobert und England gefährlich bedroht. 1941 folgten Eroberungen von Jugoslawien, Griechenland sowie Kreta, und schließlich der Angriff auf Rußland. In den ersten Dezembertagen des Jahres 1941 stehen die deutschen Truppen am Nordkap wie in der Biskaya. Das Afrikakorps belagert Tobruk. An der Ostfront ist die alte russische Hauptstadt Kiew längst erobert, Leningrad eingekesselt und Moskau in Sichtweite; der russische Widerstand gilt nach offiziellen Meldungen seit Anfang Oktober als gebrochen und damit der Krieg im Osten als entschieden. In Deutschland glaubt man den Bolschewismus erledigt und will mit Hilfe der Rohstoffquellen der eroberten Teile der westlichen Sowjetunion den noch verbleibenden Kriegsgegner – England – in Kürze niederringen.

So die Beurteilung der militärischen Lage, nicht nur aus der Sicht der nationalsozialistischen Propaganda. Selbst maßgebliche militärische Stellen westlicher Staaten sehen die Situation nicht viel anders, und sogar der zähe Winston Churchill weiß, daß es schwierig sein wird, die Deutschen in Nordafrika aufzuhalten, den Suezkanal zu sichern und die nach einem siegreich beendeten Rußlandfeldzug zu erwartende Invasion gegen England abzuwehren.

Fast alle unterschätzen die Probleme der deutschen Armee. Tatsächlich sind die Kräfte der deutschen Kampfverbände aufs äußerste angespannt. Das zu kontrollierende Gebiet ist viel zu groß, die Truppen sind zersplittert und die Nachschubwege zu den weit auseinandergezogenen Fronten zu lang. Überdies gefährden im Mittelmeer englische Luft- und Seestreitkräfte die Nachschublinien, die im Osten unter schlechten Straßen, Eisenbahnen mit Breitspur, extremer Witterung und Partisanentätigkeit leiden. Solche Gefahren beachten allerdings auf deutscher Seite nur wenige „Schwarzseher“. Die Mehrzahl – auch der gut informierten Verantwortlichen – läßt sich von den nicht abreißenden Erfolgsserien blenden und glaubt den Sieg schon in der Hand zu halten.

In der Euphorie der ersten Kriegsjahre wurde leider oft auch vergessen oder verdrängt, daß es sich um einen von Hitler leichtfertig und mutwillig begonnenen Krieg handelte. Hitler wollte – wie schon in „Mein Kampf“ angekündigt – „Raum für die deutschen Bauern“ im Osten schaffen, und zwar ohne Rücksicht auf die dort lebenden Menschen. Diese wurden als „minderwertig“ abqualifiziert, damit man sie zurückdrängen oder – wie im Falle der Juden – gar ausrotten konnte. Ein rücksichtsloser Raubkrieg also, gegen alle Menschlichkeit, ohne Rücksicht auf moralische Kategorien und in Verkennung der jedem Historiker geläufigen Tatsache, daß noch jeder Eroberer gescheitert ist, der die Lebensrechte der Besiegten mißachtete.

Doch wie schon gesagt: Anfang Dezember 1941 schien die deutsche Siegesserie noch zu rollen, die Eroberungen waren überwältigend, und die deutschen Truppen galten als unbesiegbar. Dann aber änderte sich die Lage blitzartig, fast innerhalb von Stunden:

Nordafrika: An diesem Nebenkriegsschauplatz sind die Kräfte des deutschen Afrikakorps erschöpft, der Nachschub reicht nicht aus, und am 6. Dezember 1941 muß sich der Kommandeur der Panzertruppen, Manfred Rommel, zu einem Rückzug entschließen, der am 7. Dezember beginnt. Bis Ende 1941 ist die Cyrenaika mit dem wichtigen Hafen Benghasi wieder in britischer Hand; die Deutschen haben sich auf die Marsa-Brega-Stellung, westlich von El Agheila an der Großen Syrte, zurückgezogen. Wenn auch Geländegewinne im Wüstenkrieg nicht allzuviel besagen, so ist doch ein moralischer Erfolg für die Briten errungen.

Atlantik: Die „Schlacht im Atlantik“, in dem deutsche U-Boote die Versorgung Englands unterbinden sollen, tobt weiter. Zwar können die Verluste an U-Booten mit Neubauten deutscher Werften noch ausgeglichen werden, aber die Kräfte sind zersplittert durch Verlegung von U-Booten ins Mittelmeer und die Aufblähung der Operationsräume; im Dezember wird nur noch ein Drittel von dem Schiffsraum vernichtet, der im Mai 1941 versenkt werden konnte.

Ostfront: Hier bahnt sich die dramatische Wende an: Glaubte man im Oktober und November die Rote Armee bereits in Auflösung, so rennen sich nun die deutschen Angriffsspitzen vor Moskau im eisigen russischen Winter fest. Und: ein unerwarteter russischer Gegenangriff steht bevor!

Nachdem, neben anderen Hinweisen, Stalin durch einen Spion – dem berüchtigten deutschen Doppelagenten Sorge (1) – die Gewißheit erhielt, daß ein japanischer Entlastungsangriff auf Rußland im fernen Osten nicht zu befürchten ist, können sibirische Truppen an die deutsche Front verlegt werden. Am 6. Dezember 1941 startet die russische Gegenoffensive. Kältegewohnte Elite-Truppen mit Winterausrüstung stehen dem deutschen Landser in seiner Sommer-Montur gegenüber. Die deutsche Front droht einzustürzen, und der Nimbus von der Unbesiegbarkeit des deutschen Soldaten ist gebrochen.

Wer nach der Stunde fragt, die den Untergang des Dritten Reiches einläutete, kann sie an diesem Tage finden: Denn als am 6. Dezember 1941 die rotglühende Sonne hinter dem Horizont der russischen Steppe unterzutauchen begann, wußte man im deutschen Generalstab, daß der Rußlandfeldzug nicht zu gewinnen war. […]

Am Sonntag, den 7. Dezember 1941 um 7.30 Uhr Ortszeit greifen japanische Flugzeuge den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbour auf Hawaii an. Damit führt Japan Krieg gegen die USA. Eine Entlastung für Deutschland? Besser wäre der von deutscher Seite gewünschte japanische Angriff auf Rußland. Doch werden die USA wenigstens von Europa abgelenkt. Bisher hatten die Vereinigten Staaten nämlich England offener unterstützt und sich deutlicher gegen Deutschland ausgesprochen, als das für ein neutrales Land üblich ist. Nun aber fällt Hitler eine seiner unverständlichsten und törichtesten Entscheidungen: Er erklärt am 11. Dezember 1941 den USA den Krieg!

Nichts zwingt ihn dazu. Der Dreierpakt Deutschland-Italien-Japan verpflichtet diese Achsenmächte nur zur Hilfeleistung, wenn einer der Vertragspartner angegriffen wird, nicht, wenn er selbst angreift. Trotzdem sagt Hitler schon am 5. Dezember – die japanische Angriffsflotte ist bereits in Richtung Hawaii unterwegs – seine Hilfe im Kriegsfalle dem japanischen Botschafter zu. Was ihn zu dieser entsetzlichen Dummheit treibt, ist bis heute ein Rätsel geblieben; neben seiner Fehleinschätzung der USA sind nur irrationale Beweggründe vermutbar. Denn Deutschland kann die Vereinigten Staaten nicht angreifen, hat keine Chance, den USA ernsthaften Schaden zuzufügen. Die amerikanischen Waffenlieferungen an Rußland und England machen sich dagegen bald bemerkbar, und zuletzt werden amerikanische Truppen wesentlich zum Sieg der Alliierten beitragen.

Während also die deutschen Armeen im Osten mit letzter Kraft ein totales Debakel abzuwenden suchen, erklärt Hitler der stärksten Wirtschaftsmacht der Erde den Krieg. Er handelt so, als wolle er die sich anbahnende Niederlage zu einer unabwendbaren Katastrophe ausweiten, um mit seiner Partei und dem deutschen Volk, den Nibelungen gleich, im brennenden Europa unterzugehen.

Fünf Tage im Dezember 1941: Nur selten sind in der Weltgeschichte in so kurzer Zeit so schwerwiegende Entscheidungen gefallen wie in den 5 Tagen vom 6. bis zum 11. Dezember 1941.

– Der europäische Krieg war zum Weltkrieg geworden.
– Das Schicksal hatte gegen Deutschland entschieden.
– Japan löste einen Konflikt aus, den es verlieren mußte.

Der Traum vom deutschen Lebensraum im Osten war ausgeträumt, und Japan riskierte in seinem Großmachtstreben entschieden zu viel. Der unausbleibliche Rückschlag mußte für beide Nationen katastrophal werden.

So änderten nur 5 Tage im Dezember 1941 das Schicksal der Welt: Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft war an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gestoßen und mußte von nun an unaufhaltsam zurückweichen, bis zum bitteren Ende. Der unabwendbare Niedergang des Nationalsozialismus war begleitet von schlimmsten Greueln, die den Namen „Deutschland“ und das Deutschtum bis heute entehren.

Wie zuvor das auserwählte jüdische Volk hatte auch das auserwählte deutsche Volk auf ganzer Linie versagt, war dem falschen Heilsbringer nachgelaufen, und entsprechend sehe ich in seiner zukünftigen Entwicklung noch viele Parallelen zum jüdischen Volk auf uns zukommen. Eva Herman behandelt dieses spezielle Thema nicht, sondern widmet sich anderen Aspekten, über die es sich ebenfalls nachzudenken lohnt. (Sehr interessant zum Beispiel die „alten weißen Männer“ und der Rückschlag.) Womit wir nun endlich zur Rezension kommen.


Ganz sicher nicht zufällig erschien dieses Buch am 18. April, dem Geburtstag Abd-ru-shins, auf dessen Schriften sich Eva Herman umfassend bezieht. Ich selbst bin Bekennerin der Gralsbotschaft (und blogge in unregelmäßigen Abständen darüber); von daher ist mir grundsätzlich klar, was die Autorin zu sagen versucht, vielleicht mehr als Lesern, die sich mit der Thematik noch nie auseinandergesetzt haben. Ich möchte das vorausschicken, da ich mich aus Platzgründen in erster Linie auf die Punkte konzentrieren werde, denen ich so nicht zustimmen kann.
Daß Europas Probleme sehr viel mit Karma zu tun haben, dürfte jedem klar sein, der von Einzel- wie Völkerschicksalen überzeugt ist. Ob sie nun wirklich auf den Großen Karl zurückgehen, sei dahingestellt; zumindest aber bietet Herman einige gute Argumente dafür. Ein Fehler scheint mir jedoch zu sein, zwangsläufig auf der Gegenseite die „Guten“ zu sehen. Eva Herman steht da durchaus nicht allein da; quasi sämtliche Neuheiden verfallen in die gleiche… wie soll man’s nennen? Verklärung? Naivität? Hier unter den Amazon-Rezensionen fand ich einmal in einer Besprechung eines Buches über das Heidentum sinngemäß die treffende Anmerkung „Autorinnen X und Y beschreiben, wie die römischen Priester praktisch mit Tränen in den Augen die Christen anflehten, doch wenigstens das geforderte Mindestopfer zu erbringen, damit sie sie nicht töten müßten… Ich hoffe, den Autorinnen ist klar, wer hier wen aus religiöser Intoleranz umbrachte?“ Gleichermaßen halte ich Widukind, seine Sachsen und alle anderen zwangschristianisierten Völker nicht automatisch für die besseren Menschen, nur weil die Kirche unbestritten Verheerungen unter ihnen anrichtete. Sie verteidigten sich gegen die geplante Eroberung ihres Landes, was ihr gutes Recht war, keine Frage. Das bedeutet nicht, daß sie edel, hilfreich und gut waren. Der „Götter“glaube machte nicht aus sich heraus eine Gesellschaft zu einem Paradies auf Erden, zumal er zur Zeit Karls des Großen längst von menschlichen Phantasien durchzogen war. Die Arbeit des Verstandes, auch hier.*

Interessant hingegen das von Herman herausgearbeitete, wandelbare Bild Karls des Großen unter den Nationalsozialisten: Galt zuerst Widukind als wackerer Deutsche als der Gute der Geschichte, so wurde unvermittelt auf höchsten Befehl dessen Verehrung gekippt zugunsten Karls als europäischem Herrscher. Und dennoch denkt heute bei Karl dem Großen niemand an die Nazis – bei Widukind dagegen schon. Merkwürdige Geschichtsschreibung.
Dabei ist Hermans Kritik an Sabine Kuhlmanns Magisterarbeit ebenso unverständlich. Kuhlmann hat keine Biographie Widukinds geschrieben, sondern eine Arbeit über Widukinds Bild in der NS-Zeit. Und dafür sind die angeführten Zitate vollkommen korrekt.

Übrigens habe ich mal in meinem erprobten Götter- und Heldensagen der Germanen nachgeschlagen, das ja grob aus der Zeit stammt, und siehe da: Karl ist der Gute. Im Abschnitt „Karl und der Sachsenherzog“ gibt’s ein Happy End, wenn man so will: Widukind schleicht sich als Bettler verkleidet in Karls Lager und erlebt dort sowohl Karfreitag als auch die Ostertage mit, deren Rituale so einige Fragen in ihm aufwerfen. Weil er als Edler der Sachsen (die ursprünglichen Sachsen, wer’s nicht weiß – also die, die im nördlichen Niedersachsen lebten) nun einmal einen miesen Bettler abgibt, erkennt Karl ihn, läßt ihn festnehmen und zum Gespräch bitten. Nach einigem Hin und Her kommt das Thema auf die Feierlichkeiten:

„Vor zwei Tagen fand ich euch alle traurig, einen wie den andern. Heute sah ich euch alle fröhlich und im Festgewande an einen Tisch treten, hinter dem ein Mann im Purpurgewande stand, der dir und den andern ein ganz kleines Kind in den Mund schob. Etliche empfingen es mit Freuden und etliche mit Trauer, alle aber mit gleicher Demut und Inbrunst. Willst du mir das erklären?“
„Wahrlich,“ sagte der König ernst, „da hast du mehr gesehen, als ich und alle meine Priester.“
Und nun weiß die Sage zu melden, daß König Karl dem Herzog Widukind alle Dinge vom Karfreitag und von Ostern erklärte, auch wie es zu verstehen, daß ihm und allen andern der Leib des Herrn gereicht worden sei. Und so lehrte ihn der König den christlichen Glauben, so daß Widukind in sich ging und seinen heidnischen Göttern absagte und sich mit seiner Gemahlin und vielem Volk am Weihnachtsfeste taufen ließ. Und sind gute Christen geworden und nachher nimmer vom Glauben abgefallen.

Dann so ein paar Feinheiten:

– Der Allvater der germanischen/nordischen Völker war nicht Gott, sondern Wodan/Odin.

– „Die Germanen“ gab es in der Tat nicht. Vielmehr, es gab sie, aber nur bei den Römern, von denen dieser Sammelbegriff für die germanischen Völker kam und die ihn auch ausschließlich verwendeten. Johannes Fried leugnet nicht ihre Existenz, wie Herman das formuliert, sondern er lehnt die Bezeichnung ab.

– Die Umweltschädlichkeit von Kreuzfahrten ist hinlänglich bekannt und wird auch stark von Ökobewegungen kritisiert, was Frau Herman wüßte, wenn sie sich einmal ernstlich mit der Thematik auseinandergesetzt hätte. Es wird nur in den Medien wenig darüber berichtet (womit wir wieder beim Mainstreaming wären).

– Und was das angeht, ich habe nie verstanden, warum es dieser Tage offenbar nur das Komplettpaket zu beiden Seiten der politischen Mitte zu geben hat: Links, Ökos, Multikulti-Befürworter, pro-Gender-Mainstreaming vs. Rechts, anti-Zuwanderung, Klimawandelleugner. Ich bin konservativ und Öko und sehe darin keinerlei Widerspruch. Teddy Roosevelt war Umweltschützer. Diese Spaltung ist ein sehr, sehr junges Phänomen. Sollten nicht gerade diejenigen, die eine erklärte Heimatliebe besitzen, daran interessiert sein, diese Heimat zu schützen und zu bewahren?

– Daß die Toten der imperialistischen Kriege verharmlost oder verschwiegen werden, stimmt nun wahrhaftig nicht. Es ist nicht gerade Unterrichtsstoff an Schulen, sicher, aber dort wird in allen Bereichen nur ein grober Überblick gegeben.

Was nun die Behauptung angeht, die Nationalsozialisten seien nicht gleichzusetzen mit den Nazis – Entschuldigung, aber das ist Quatsch, und sehr beängstigender Quatsch noch dazu. Soll als nächstes die These aufgestellt werden, die Nationalsozialisten seien eigentlich ganz harmlos gewesen (die wollen nur spielen?), und erst ab 1933 tauchten plötzlich die bösen Nazis auf? Sprangen die bösen Nazis mit Adolfs Machtantritt aus dem Boden? Hatte da jemand Drachenzähne gesät? Wer bildete denn Hitlers Partei? Falls ich den Vergleich ziehen darf, weil die Argumentation die gleiche ist und es ja quasi zum Thema paßt: Wie viele Bekenner der Gralsbotschaft hat man schon sagen hören: Ja, natürlich, Abd-ru-shin – aber nein, Frau Maria, das ist doch etwas ganz anderes…

Nun verwende ich das böse Wort Verschwörungstheorie und behaupte, eine von langer Hand geplante Umschreibung der Geschichte wie auch einzelner Personen der Geschichte gebe es nicht. Daß instrumentalisiert wird – natürlich. Dazu gibt es mehr als genug Beispiele. Der wechselnde Blick beispielsweise auf Karl den Großen liegt aber meines Erachtens eher an der wechselnden „Linse“ der jeweiligen Zeit.

Daß „große Teile der Bevölkerung“ die Öffentlich-Rechtlichen als Lügenpresse bezeichnen… nun, Arne Hoffmann drückte es so schön aus: „Große Teile der Bevölkerung“, „ganz Deutschland“ etc. heißt einfach: Alle in unserer Redaktion.

Zum Abschluß zwei bis drei Gedanken, die ich einfach mal so dahinstellen möchte:

Bei allem Einsatz, den Eva Herman für die Deutschen zeigt (und ich weiß ihn zu schätzen, wirklich), sollte nicht vergessen werden, daß eine Volkszugehörigkeit immer nur eine Inkarnation betrifft. Im Leben davor sah sie vermutlich ganz anders aus, und im nächsten Leben wird sie wieder eine ganz andere sein. Natürlich hat es Gründe, warum wir in einem bestimmten Volk inkarnieren, und natürlich sollen wir die speziellen Erfahrungen aus diesem Leben machen und verinnerlichen, aber klammern dürfen wir nicht, ohne die Gefahr einzugehen, einen Hang zu entwickeln.
Was nun das deutsche Volk betrifft, so würde das Thema den Rahmen einer Rezension weit sprengen; es lohnt sich jedoch vielleicht, in Sachen Völkerkarma einmal über gewisse Parallelen zum jüdischen Volk nachzudenken.

Und immer als Mahnung für jeden von uns, schrieb Abd-ru-shin:
„Ich sagte schon, wenn Ihr Disteln säet, kann daraus kein Weizen wachsen!
So kann auch nie aus Hetzreden, Verhöhnungen und Schädigungen Eurer Nebenmenschen irgendwelcher Aufbau sich ergeben; denn jede Art und Weise kann ja Gleiches nur gebären, kann auch nur Gleichart anziehen! Dieses Gesetz der Schöpfung dürft Ihr nie vergessen! Es wirkt sich selbsttätig aus, und alles Menschenwollen kann niemals etwas dagegen tun!“


Letzteren Absatz fühlte ich mich verpflichtet einzubringen, weil Eva Herman inzwischen zunehmend zu solcher Häme zu neigen scheint, und von den auf ihrer Website verlinkten Nachrichtenseiten will ich lieber schweigen. Irgendwie wurde aus der Kerner-Show und ihrem Vorlauf nichts gelernt. Hetze gegen die Hetzenden macht nicht gut. Minus plus minus bleibt nun mal minus. Ich weiß nicht, ob sich Herman dessen überhaupt bewußt ist. Wie Abd-ru-shin ja schon schreibt, mit der Verengung unseres geistigen Fassungsvermögens geht automatisch eine Verengung der Fähigkeit mit sich, diese Verengung überhaupt zu bemerken.

Die Menschen, die über ihre Nebenmenschen Übles reden und verbreiten, müssen in sich selbst vom Übel sein, sonst würden sie derartiges nicht tun!

(Abd-ru-shin: Ermahnungen)

Aber wie gesagt, das sind so viele Themen, über die man tagelang diskutieren könnte.


*Hermans Quelle in diesem wie auch in vielen anderen Fällen ist die Urfassung des später „geschnittenen“ Verwehte Zeit erwacht III (1935). Zu Recht geschnitten, wie ich anmerken möchte. Die Wegbereiter haben grundsätzlich ein Problem mit Kitsch, und sie sind spürbar eingefärbt von den Anschauungen der Niederschreibenden. (Ich verweise auf Frau Gecks und natürlich „Der Irrtum des Hellsehens“ aus der Botschaft; man kann es übrigens auch daran erkennen, daß sich die gleichen Situationen in verschiedenen Niederschriften widersprechen.) Diese war nun eine stramme Deutsche, und so mußte ihr Jesuskind selbstverständlich blondgelockt und blauäugig sein und so gar „keine jüdische Nase“ haben. Hilfe. Der geschnittene Teil über die Sachsen nun stammt ja gar nicht mal von ihr, sondern ist die Nacherzählung einer angeblichen Schauung eines anderen, über deren Wahrheitsgehalt ich nicht urteilen kann. Doch wenn alles so ins Irdische gezogen wird, wie es in diesen Kapiteln geschieht, hege ich meine Zweifel. Ja, natürlich schrieb Abd-ru-shin, daß die alten Völker ihre „Götter“ teilweise sehen konnten. Das bedeutet nicht, daß sie auf Erden direkt unter ihnen weilten oder mal eben auf einen Plausch vorbeikamen! (Ich habe Donar einmal gesehen, aber deshalb stand er trotzdem nicht in meiner Ferienwohnung.) Alle deutschen/germanischen Helden sind wieder mal blond/rotblond, gutaussehend, aufrecht etc. pp., während die fiesen auswärtigen Feinde allesamt häßlich und feige sind und keinerlei guten Wesenszug an sich haben. Seufz. Als unser schöner, großer, rotblonder Barbarossa mit seiner zarten, anschmiegsamen, blonden Frau auftauchte, dachte ich nur: „Hallo, Jolanthe.“ Man sollte auch hier immer wieder prüfen und abwägen.

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Bei der Sichtung, was seinen Weg zu Momox finden soll und was nicht, wieder zur Hand genommen: Behind the Lawrence Legend und The Boy in the Mask. Ich kann mich von beiden Büchern nicht trennen. Sie beschreiben, jedes auf seine Art, die Freuden des Recherchierens so perfekt. Die Personen, denen man begegnet. Die toten Enden. Die ungeahnten Schatzfunde. Und auch lange, frustrierende Fleißarbeit. (Gestern zum Beispiel fast den gesamten Tag damit verbracht, digitalisierte Zeitungen auf Meldungen hin durchzusehen. Einzige vorhandene Suchfunktion: Die eigenen Augen.) Sie fassen das zusammen, was das ganze ausmacht, und sie sind eine Liebeserklärung, die jeder, der ähnliches unternommen hat, sofort versteht. Bei mir kamen so viele Erinnerungen wieder hoch! Das Endprodukt, eine Biographie, ist ja nur die Hälfte der Geschichte. Ich habe während der Marta-Recherche oft gewitzelt, ich müßte ein Making of schreiben. Und immer war da das schwer in Worte zu fassende Gefühl, Fäden aus anderen Leben aufzunehmen und weiterzuführen, neu zu verknüpfen. Was Marta und Trude und all die anderen wohl dazu gesagt hätten, daß ihre Freunde und Verwandten und deren Nachfahren plötzlich aktiviert und miteinander verbunden würden?

Dabei kurioser Fund diese Woche: Dagobert von Mikusch schrieb an einen Bekannten in der Steiermark, ehemals Oberleutnant, also mit größter Wahrscheinlichkeit einer seiner Kriegskameraden. Geboren, aufgewachsen und zum Zeitpunkt des Ersten Weltkrieges wohnhaft war dieser Oberleutnant in St. Ingbert. Bergmann von Beruf, wie nicht überrascht. Ich mußte blinzeln und etwas schief lächeln. St. Ingbert, die alte Heimat meiner Kleehaas-Seite (einige entfernte Verwandte leben noch dort), bevor die Altvorderen weiterzogen in den Ruhrpott und im Falle meines Großvaters dann von dort nach Norddeutschland.

An all die Personen, denen ich im Laufe meiner Recherchen begegnen durfte, also an dieser Stelle noch einmal: Es war eine Freude und eine Ehre, Sie/euch kennenlernen zu dürfen. Mir wurden Inkunabel-Sammlungen und Berliner Zimmer gezeigt, kofferweise Material überlassen, ich wurde zum Essen eingeladen, und wir haben gemeinsam an Lösungen und Zusammenhängen gekniffelt. Man hat mir Brote geschmiert und mich zum Bahnhof und/oder Hotel gefahren. Kontakte wurden vermittelt und Verwandtschaften neu entdeckt. Ich erhielt Einblicke hinter vermeintlich heile Fassaden und in vergessene Stadtviertelgeschichten. Häuser mit Vergangenheit wurden aufgesucht, Archivare haben sich für meine Suche begeistern lassen, und ohne diverse unbürokratische Verwaltungsangestellte wäre ich nie ans Ziel gekommen. Ganz, ganz herzlichen Dank an alle!

Ich liebe Recherche.

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Aber was zählen Fakten, wenn jemand zwischen Tatsache und Meinung weder unterscheiden kann noch will? Wenn es letztlich sowieso nur darum geht, im eigenen Weltbild und der gewohnten Art zu denken nicht gestört zu werden?

(Werner Huemer, http://www.werner-huemer.net/texte/kommentar/meinung-und-tatsache)

Mit viel überflüssiger Zeit in der DNB zu sitzen (liebe Kollegen, aktualisiert doch bitte, bitte endlich mal eure Bestandsangaben! Euer Katalog ist eine Schande für unseren Berufsstand), führt beinahe zwangsläufig dazu, daß man viel liest, das man vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. So kam ich, wohl irgendwie durch Maria Halsebands Ich klopfe an! gelenkt, auf Eva Herman. Ob sie Kreuzträgerin ist, weiß ich nicht, aber sie lebt definitiv nach den Grundsätzen der Gralsbotschaft (oder versucht es, wie wir alle); soweit war mir aus ihren Beiträgen auf der Wissensmanufaktur schon bekannt. Natürlich bin ich auch alt genug, um mich noch auszugsweise an den großen „Medienskandal“ zu erinnern, der seinerzeit um sie aufgeblasen wurde. Warum also nicht die Zeit nutzen, um mich ein bißchen mehr zu informieren?

So versuchte ich mich zunächst an dem, wie ich fälschlich glaubte, Stein des Anstoßes, ihrem Buch Das Eva-Prinzip. Kam nicht wirklich weit damit, denn einerseits bin ich als bewußt kinderloser Single das falsche Zielpublikum, andererseits sind mir manche Grundgedanken, über die sich so aufgeregt wurde, durch die Botschaft nicht fremd; und wieder anderen konnte ich so nicht zustimmen, zumal gewisse Behauptungen einfach dahingestellt wurden, ohne jeden Beleg. Für mich als Forscherin und großer Anhängerin von Quellenangaben ein Unding. Also griff ich zu Die Wahrheit und ihr Preis, Hermans Bericht über die „Hexenjagd“ (wie ein Journalist es mit vollem Recht bezeichnete), die auf sie veranstaltet wurde.

Mir kamen vor allem zwei Dinge in den Sinn. Erstens der Artikel, den ich die Tage erst in der Jüdischen Rundschau gelesen hatte: „Die deklamatorisch von links gewährte Meinungsfreiheit hält im Ernstfall nicht stand“. Wer hindert uns daran, unsere Meinung zu sagen? – Niemand. Was allerdings passiert, nachdem man seine Meinung gesagt hat, ist eine ganz andere Sache.



(Disclaimer: Ich mache mir das Gedankengut der JR nicht grundsätzlich zu eigen; und seit sie neuerdings die Hetze gegen Umweltschützer für sich entdeckt hat… nun ja. Kann man konservativ und ein Umweltschützer sein? Oh ja. Man nehme nur Teddy Roosevelt. Man nehme, wenn man denn möchte, mich. Um Eva Herman in einem anderen Kontext zu paraphrasieren: Es geht uns doch alle an. Warum macht man ein Politikum daraus?)
Zweitens der immer noch aktuelle Klassiker über die Macht der Medien: Die verlorene Ehre der Katharina Blum. Mich wundert, daß Herman ihn nie erwähnt.

Ich schrieb schon über die vermeintliche öffentliche Meinung – daß das, wovon man glaubt, es sei die Meinung der Mehrheit, weil man es ja überall so liest, überhaupt nicht die Mehrheit sein muß. Eva Herman berichtet von der gewaltigen Schere, die in ihrem Fall aufklaffte: Was die Medien der Öffentlichkeit zu verkaufen suchten und die große Gegenreaktion gegen eben die Medien. Vielleicht spielt da ein bißchen der eigene Mikrokosmos mit. Ich denke da beispielsweise an die große (medienwirksam verarbeitete) Pleite der Piraten vor Jahren. Sie feierten schon im voraus ihren großen Wahlerfolg, weil sie natürlich aus den eigenen Reihen immer nur Lobhudelei hörten und deshalb der Meinung waren, daß dies einen Großteil der öffentlichen Meinung widerspiegeln mußte… nur um dann festzustellen, daß sie in der öffentlichen Meinung sehr weit unter „ferner liefen“ verzeichneten. Ähnlich ja auch letztlich in Sachen Schreckgespenst AfD, der man die Pariah-Rolle zuspricht und dann verblüfft ist, daß so viele Wähler für sie stimmen. Die öffentliche Meinung ist eben nicht automatisch identisch mit der veröffentlichten Meinung, und wer glaubt, political correctness sei das, was die Menschheit wolle, wird sich umschauen müssen, fürchte ich. Wobei es ja hier mehr darum geht, „was die Menschheit brauche“. Ein sehr deutsches Konzept, finde ich: Wir müssen die Welt wieder einmal belehren, wie man richtig denkt. Außerhalb Europas wird man damit kläglich auf der Strecke bleiben, ach was, nicht einmal außerhalb – wir müssen nur Polen oder Ungarn als Beispiele nehmen, deren aktuelle Politik pc-resistent ist. Ich bin wahrhaftig kein Fan dieses aufgewärmten Nationalismus‘, aber die Realität ist eben, daß der – Entschuldigung – Hermann, der hierzulande um Diversität und staatlich verordnete Toleranz gemacht wird, nicht nur eine Ausnahmeerscheinung, sondern eine Lachnummer in den meisten Ländern der Erde ist. Deal with it.

Eva Hermans Sorge um die aussterbenden Deutschen wiederum (zum Zeitpunkt ihres Buches. Ist ja nun auch schon wieder diverse Jahre her) kann ich inzwischen nicht mehr nachvollziehen. Früher einmal, ja. Mir tat es leid um die unnötige Verschwendung, um eine reiche Geschichte, um Werte, die verschwinden würden. Heutzutage stehe ich auf dem Standpunkt, Werte seien schon lange nicht mehr vorhanden, und es seien sowieso zehnmal so viele Menschen auf der Erde wie sie verträgt. Ich glaube auch nicht, daß die großen Kulturvölker an Nachwuchsmangel zugrunde gingen, sondern an Bequemlichkeit. Das Gesetz der Bewegung, der Wachsamkeit, Frau Herman, Sie verstehen. Wer aufhört, sich zu regen, ob Einzelmensch oder Volk, der schließt sich selbst aus und wird nach den Schöpfungsgesetzen abgestoßen.* Weshalb haben denn Barbarenvölker das mächtige Rom zerstören können? Sie waren längst nicht so kultiviert, nicht so gebildet wie die Römer, hatten keine reiche philosophische Tradition oder eine kosmopolitische Weltanschauung. Sie regten sich ganz einfach, brutal, kriegerisch, ja, aber die Römer waren längst bequem geworden, ruhten sich auf ihren Errungenschaften aus und bemerkten nicht, daß die Welt sich um sie herum weiterdrehte. (So’n bißchen wie die DNB Leipzig.) Ich glaube kaum, daß eine sinkende Geburtenrate, die man nebenbei nicht einmal belegen könnte, verantwortlich war.

Auch gelesen, empfehlenswert: Liebe statt Furcht von Flor Namdar. Erinnerte mich wiederum in vielerlei Hinsicht an Suzanne Collins‘ Hunger Games-Trilogie. Wer nur Jugendbücher mit einer kämpferischen Heldin oder gar eine Liebesgeschichte darin sieht, hat die gesamte Aussage verpaßt. Und auch hier wird übrigens die Macht der Medien, die Inszenierung einer Meinungsmache überdeutlich dargestellt. Verdammt ehrliche Bücher – wer sie noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen.


* Ich will jetzt nicht auch noch Völkerschicksal ins Spiel bringen. Aber man sollte gewisse Parallelen des jüdischen und des deutschen Volkes nicht außer Acht lassen.


Nachtrag:
Weitere Leseempfehlung in Sachen Eva Herman: Der Fall Eva Herman – Hexenjagd in den Medien von Arne Hoffmann. Ganz ausgezeichnet. Der Autor stellt die Fülle der Medienmeldungen chronologisch zusammen und gleicht sie auf ihren Wahrheitsgehalt ab; mehr noch allerdings, er erklärt das Zustandekommen einer solchen medialen Hexenjagd, die Mechanismen und auch Gründe dafür, die gar nicht immer auf böser Absicht beruhen müssen. (Was am Ende dabei herauskommt, ist natürlich eine Sache für sich.) Ich habe das schon oft gedacht: Die Leute sind davon überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen. Sie glauben, daß ihre Sicht der Dinge die richtige ist. Ein anderes Weltbild können sie sich nicht vorstellen, und deshalb müssen alle, die ein anderes Weltbild haben, entweder irre, fehlgeleitet oder schlecht sein. Ein hochinteressantes Thema, und allein dafür kann ich Hoffmanns Buch nur allen wärmstens ans Herz legen.


Gerade die Begrenzung bringt ihnen einen sogenannten Höhepunkt des Begreifens, wodurch solche Überhebungen in der Einbildung entstehen müssen, weil sie glauben, wirklich auf der letzten Höhe zu stehen. Für sie selbst ist es auch so, da dann die Grenze kommt, die sie nicht überschreiten können.
Ihre Angriffe gegen die Wahrheitssucher zeigen aber in der so oft unverständlichen Gehässigkeit bei näherer Betrachtung deutlich die hinter ihnen geschwungene Peitsche des Dunkels. Selten ist bei diesen Anfeindungen ein Zug ehrlichen Wollens zu finden, das die oft unerhörte Art und Weise des Vorgehens einigermaßen entschuldigen könnte. In den meisten Fällen ist es ein blindes Draufloswüten, das jeder wirklichen Logik entbehrt. Man sehe sich die Angriffe einmal ruhig an. Wie selten ist ein Artikel dabei, dessen Inhalt den Versuch zeigt, wirklich sachlich auf die Reden oder Aufsätze eines Wahrheitssuchers einzugehen.
Ganz auffallend macht sich die gehaltlose Minderwertigkeit der Angriffe gerade immer darin bemerkbar, daß diese niemals rein sachlich gehalten sind! Immer sind es versteckte oder offene Beschmutzungen der Person des Wahrheitssuchers.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Der Kampf“)

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Zum Beitrag Fiktionen und Fakten gibt es etwas zu berichten, aber auch und, da aktuell, zunächst zu Das Presse-Echo. Die HAZ brachte heute einen Bericht über den Hannoveraner Gralskreis bzw. das Ehepaar Bernstein. Ich gebe zu, wenn ich allein nach diesem Artikel urteilen müßte, käme mir der Verein suspekt vor. Der Artikel selbst gibt sich, wie eine Freundin es ausdrückte, „bemüht wertneutral“. So neutral, daß nichts mehr übrigbleibt. Ich weiß nicht, ob die Minizitate der Bernsteins aus dem Kontext gerissen wurden oder nicht, ob der Verfasser des Artikels vielleicht nur das niederschrieb, was er verstanden hatte und was er erwartet hatte, daß er auf der Auslegeware so herumreitet.
Kleine Ergänzungen bzw. Korrekturen also: Der Altar ist nicht schmucklos; höchstwahrscheinlich war er zum Zeitpunkt des Besuchs ganz einfach abgedeckt. Ihn ziert ein Antependium, das gleichschenklige Kreuz hängt darüber, und zu Andachten gibt es natürlich Kerzen, Blumenschmuck und die Altarschale. Abd-ru-shin schreibt sich so, Herr Menkens, das hätte man einfach nur abschreiben müssen. Und eine Korrektur, die an die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (die Sektenbeauftragten) geht: Nein, die Gralsbotschaft enthält keine „starke Abwertung des Verstandes und der Vernunft“, es geht darum, den Verstand nicht über alles andere, namentlich das Geistige zu setzen, da er aus der Natur der Sache heraus an das Irdische gebunden bleibt und alles Darüberliegende nicht verstehen kann. Der Mensch ist (oder sollte es zumindest sein) aber vom Geiste – nur werden umgangssprachlich ja leider Geist und Verstand gern gleichbedeutend verwendet. Der Verstand als solcher soll natürlich genutzt werden, dazu haben wir ihn ja mitbekommen.
(Guter Zeitpunkt für das Zitat eines ehemaligen Mitschülers am Abendgymnasium, als er im ersten Band der Botschaft quergelesen hatte: „Du bist doch sonst so eine intelligente Frau…“ – Na, dann traue mir doch zu, daß ich auch in dieser Sache nicht blöd bin.)

Gutes Stichwort! Kommen wir zu den Fiktionen. Beim Stöbern auf Fontis fand ich im Sonderangebot den Dreiteiler Die Kreuzträgerin, den ich selbstverständlich schon als Gag kaufen mußte. Er sprang auf den Hunger Games-Zug auf; übrigens nicht die einzige christliche Variante – Melody Carlson versuchte sich mit Fallen World ebenfalls daran. Allerdings mit bislang noch weniger Erfolg als Lydia Schwarz. Ich will hier keine Rezension schreiben, das folgt vielleicht auf Amazon, aber eine Katniss ist „Heldin“ Anna definitiv nicht. Im ersten Buch ist sie sogar durchgehend dämlich, nicht zu verwechseln mit naiv. Es bessert sich ein wenig in den beiden Folgebüchern, aber auf irgendein gelungenes Niveau schafft es die Geschichte leider nie.

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I sorta, kinda liked The Golden Compass (née Northern Lights), even though Pullman’s simplistic, evangelical atheism is plainly apparent by the novel’s end. But after the first novel, the trilogy is a dismal affair, the sort of atheism that makes me ashamed of being an atheist. By the third book, the story has taken a backseat to Pullman’s unceasing proselytizing. I hear people talking about how a book made them want to throw it across the room, and mostly I take that sort of talk as hyperbole. But, truly, The Amber Spyglass made me want to, literally, throw it across the room. To quote Dorothy Parker, „This is not a novel to be tossed aside lightly. It should be thrown with great force.“

(Caitlín R. Kiernan)

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Die Jahresrückschau. Was gibt es zu erwähnen?

Meistgelesener Beitrag in diesem Blog: Die Symbolik in der Filmadaption von Die Marquise von O (Ich habe die Vermutung, er ist irgendwo verlinkt. Ähnlich wie der – ebenfalls sehr erfolgreiche – Rübezahl-Artikel, von dem ich ja irgendwann erfuhr, daß er auf Wikipedia zitiert ist…)

Bestes gelesenes Buch in 2018: Behind the Lawrence Legend von Philip Walker

Bester neuentdeckter Autor: E. M. Forster

Sonstiges:

Haus gekauft und im Laufe des Jahres jede Menge Handwerker kennengelernt (und finanziell unterstützt)
Vorher/Nachher in Aktion:

Bauarchäologie in Aktion:

Beinahe neues Recherchethema gehabt, aber leider von allen Seiten blockiert. (Ist vielleicht auch besser für mein armes Konto.)

Depression schlimmer denn je. Noch so ein Jahr möchte ich nicht erleben.

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Dank Bella Kotak (ja, ich weiß – ihre Arbeiten wiederholen sich schnell, aber für den Moment finde ich sie einfach schön) stöberte ich ein bißchen herum, was in den letzten Jahren Neues zu Labyrinth erschienen ist, und fand das etwas grandios betitelte Jim Henson’s Labyrinth – The Ultimate Visual History. Ich bin grundsätzlich skeptisch, wenn sich etwas als „ultimate“ tituliert, denn früher oder später wird immer etwas mit mehr und neuen Infos publiziert werden, aber das Buch ist wirklich sehr gut gemacht. Erschienen natürlich 2016, zusammen (wie das Buch zeigt) mit der BluRay-Ausgabe des Films sowie vielen anderen Veranstaltungen zum Thema. Nein, ich äußere mich jetzt nicht zu Geschäftssinn und dem Einfluß von populären Toden auf das Käuferverhalten.

Labyrinth ist ein sehr weiser, kreativer, nie ganz ernstzunehmender Film mit einem guten Herzen und viel schrägem Humor – nicht umsonst war Monty Pythons Terry Jones einer der Drehbuchschreiber. Heutzutage, im CGI-Zeitalter, ist kaum vorstellbar, welcher Aufwand dafür betrieben wurde. (Ich glaube, nur Guillermo del Toro schwört heute noch auf Animatronics, und auch er arbeitet natürlich zusätzlich mit Computergraphiken.) Obwohl 1986 nicht sonderlich erfolgreich, hat Labyrinth sich über die Jahre zu einem „Kultfilm“ entwickelt und besitzt ein großes Fandom, wobei ich da Abstriche machen würde – gerade viele weibliche Fans haben offensichtlich seine Aussage kein bißchen verstanden.

The Ultimate Visual History nun feiert die Kreativität und auch das Durchhaltevermögen all der vielen beteiligten Personen. Als Tribut an den Film und die Leute dahinter ist es definitiv (ultimativ?) ein würdiges Werk.

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Wie vermutet, sagte mir Michael Yardleys Backing into the Limelight sehr zu. Und ich nehme an, er steht bei den Lawrence-Fanatikern auf der Schwarzen Liste „detractors“.
Dabei ist seine Kritik an T. E. Lawrence, wo vorhanden, milde – aber begründet. Viel schwerwiegender ist, daß er, soweit mir bekannt, der einzige Autor war, der endlich mal Klartext redete, was die Auflagen und Aktionen der Copyright-Inhaber, namentlich A. W. Lawrence, betraf. Und das ist schon eine ganz üble Nummer. Wir sprechen hier von Zensur, von Mundtotmache, vom Versuch, Bücher zu verbieten, deren Wortlaut nicht gefiel. Und man fragt sich, wozu. Die Literatur, die bis zu Aldington (vom vergessenen Robinson abgesehen) über Lawrence erschien, war eine einzige lahme Lobhudelei. Ich kann sie wirklich nur in Maßen genießen, bevor mir vor lauter Zuckerguß schlecht wird oder ich vor lauter Langeweile einschlafe. Viele Jahre später, nachdem die Katze längst aus dem Sack war und sich kritische Auseinandersetzung mit Lawrence als durchaus wertvoll für die Forschung erwiesen hatte, holte Bruder Arnold dann Jeremy Wilson ins Boot, der ja bis kürzlich die Fahne hochhielt. (AWL irrte sich in der Dokumentation Lawrence and Arabia: Er wäre der Petrus oder Jacobus der Lawrence-Religion gewesen – die Paulus-Rolle füllte Wilson aus.)
Ich vermute, viele der früheren Aktionen hatten damit zu tun, daß die Mutter noch lebte und man sie von Negativpresse verschonen wollte. (Warum? Sie war auch keine Heilige.) Den Toten kann es nicht mehr schaden. Es verletzt höchstens die Gefühle der Angehörigen und Freunde, aber deshalb zu versuchen, einen der Grundpfeiler der Demokratie auszuhebeln? Das ist Selbstsucht hoch drei.

Above all else, the suppression of any book (even only a temporary suppression) is a dangerous precedent, especially when the grounds for such an action are basically that the book presents new and unpopular (or even inaccurate) aspects of a national figure.

(Charles Curran, zitiert von Yardley nach Knightley)

Yardley nun publizierte ganz offen und, wie es scheint, mit einer gewissen diebischen Schadenfreude die Tatsache, daß auch er nur unter Auflagen aus Seven Pillars zitieren durfte. Er enthüllt mit einem sichtbaren breiten Grinsen das Vorhandensein eines Vertragsentwurfes zwischen The Sunday Times (für Knightleys und Simpsons wegweisendes Buch) und A. W. Lawrence im IWM (ihre Werke folgen ihnen nach, Prof. Lawrence – Sie waren doch so bibelfest), in dem festgelegt wurde, welche Phrasen sie zu verwenden hätten. Er lobt Knightley und Simpson für ihr Geschick, ihre Arbeit davon nicht kompromittieren zu lassen, und es stimmt: Die Zitate sind alle vertragsgemäß vorhanden, aber clever in die Betrachtung eingebunden: „Professor Lawrence ist der Meinung… sieht die Sache so… glaubt das und das… während die Autoren der Ansicht sind… Die Fakten hingegen sprechen für…“ Das ist nebenbei auch richtig gute wissenschaftliche Arbeit: Zwei Positionen vorzustellen.

Guter Job, Mr Yardley. Danke dafür.

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