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Archive for the ‘Leben mit der Gralsbotschaft’ Category

Dieser Tage habe ich oft den Eindruck, als wollten uns alle in den Irrsinn treiben oder, alternativ, es seien alle bereits so irre, daß sie den Irrsinn nicht mehr bemerken. Ich lese zwangsläufig die Schlagzeilen, wenn ich mich in meinen E-Mail-Konten einlogge. (Zugegeben: Es sind die kostenfreien Accounts auf den Bildzeitungsniveau-Seiten.) Jeder überbietet sich mit Promi- oder aber Horrormeldungen in ewig gleicher Formulierung und mit steigender Hysterie, weil: Blood sells, sex sells. Wird zumindest immer noch von der Journaille geglaubt.
Ich überfliege Artikel im Spiegel, in der Zeit oder in der Wirtschaftswoche, wenn unsere Exemplare ankommen, oder in technischen Fachzeitschriften aller Art und denke oft: Ihr habt den Schuß auch nicht mehr gehört, oder?
Ich schaue bei der Wissensmanufaktur vorbei und möchte schreiend wegrennen.
Ich lese die Jüdische Rundschau und bekomme schlechte Laune.
Ich erhalte den Newsletter des Zentrums der Erdenhüterkristalle und stelle fest, daß er auch immer weiter abdriftet.
Ich radele durch die Innenstadt und fahre Zug und komme aus dem Kopfschütteln nicht heraus.

Ist die Welt wirklich so irre oder ballt es sich in, nun ja, Ballungszentren wie Großstadt, Bahnhof und Internet einfach nur?

Das schlimme ist ja, daß diese Art Umgebung abfärbt, wenn man nicht *wirklich* aufpaßt. Man wird schneller davon aufgesogen als man denkt. Lesern der Gralsbotschaft ist der Mechanismus dahinter gut bekannt, nämlich die Gedanken- und Empfindungsformen oder -zentralen, aber das ist häufig eine theoretische Bekanntschaft, die man in den seltensten Fällen auf die eigene Meinung und das eigene Verhalten bezieht.

(Wer es riskieren will, wage mal ein Selbstexperiment: Man lese eine Weile nur Meldungen einer spezifischen „Richtung“, egal welcher, nur sollte es nicht gerade die sein, die der eigenen entspricht. Innerhalb kürzester Zeit wird man der Überzeugung sein, daß alle Andersdenkenden entweder blind, bösartig oder irre sind. Und irgendwann wacht man hoffentlich auf und betrachtet auch den Hexenkessel, in dem man sich bislang bewegt hat, mit neuen Augen.)

Aggression und Hoffnungslosigkeit sind die beiden Gefühle, die momentan zu überwiegen scheinen, wohin man schaut. Dahinter, nicht allzu gut versteckt, auch Angst, die Wurzel allen Hasses. Das Ende der Welt, der Zivilisation, der Demokratie, der Toleranz, der Freiheit, des Wohlstands wird von allen Seiten in den verschiedensten Formen prophezeit. Der Feind sitzt immer woanders, wahlweise nach jeder politischen oder weltanschaulichen Richtung. Mir kam dazu die Tage in den Sinn:

Es gibt nun allerdings auch manche, welche schon Jahrzehnte hindurch gegen diesen Feind ankämpfen, mit zäher Energie und Überzeugung, versteckt und teilweise auch offen, mitunter auch den schwersten Leiden ausgesetzt. Doch sie kämpfen, ohne den Feind selbst zu kennen! Und das erschwerte selbstverständlich den Erfolg. Es machte ihn von vornherein unmöglich. Das Schwert der Kämpfer war nicht gut geschärft, weil sie es stets an nebensächlichen Geschehen schartig schlugen. Mit diesen Nebensachen aber trafen sie auch stets zur Seite in das Leere, vergeudeten die eigne Kraft und brachten nur Zersplitterung unter sich.
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Es war einmal…!“)

Der Feind sitzt nämlich weder im rechten noch im linken Lager, nicht bei den Klimaleugnern noch bei den Anhängern der Klimareligion, nicht bei den Juden noch bei den Palästinensern, bei den Amerikanern oder den Russen, beim Kapitalismus, Kommunismus, Faschismus oder Antifaschismus, beim Feminismus oder Antifeminismus, Nationalismus oder Antinationalismus, bei Presse, Politik, Esoterikern oder Verschwörungstheoretikern, Christen, Muslimen oder Atheisten, Lesern der Urfassung oder der Ausgabe letzter Hand, bei Greta oder Trump. *Das* sind die Nebensachen. „Wacht doch auf!“ möchte ich so manches Mal gern rufen. Alle sind so von der Richtigkeit ihrer Anschauungen überzeugt, daß Gegenargumente überhaupt nicht durchdringen. (Und werden es entsprechend auch beim Lesen dieser Worte nicht tun. Die Stimme der Erfahrung.) Die Rechtschaffenheit und Seligkeit sind unser! Alles könnte so schön sein, wenn die anderen nicht ständig blockierten oder falsche Wege einschlügen und dem Bösen zu Dienste wären.

Mal ehrlich.

Nachdem ich einer Portion dieses Irrsinns ausgesetzt war, suche ich immer verzweifelt nach einer spirituellen Dusche. Leider findet man sie kaum noch. Selbst die Botschaft hilft mir, je nach Stimmung, nicht immer weiter – sie enthält natürlich die Grundlagen alles dessen, was auch in unserer Zeit gilt, aber häufig wünschte ich mir einfach mal konkrete, aktuelle Aussagen für heute, nicht Bezüge auf Dinge, die vor nun bald hundert Jahren aktuell waren. Es gibt eigentlich nur zwei Antidote für mich: Natur und Schönheit. Ich hungere förmlich danach. Ein Morgen mit meinen Pflänzchen, mit Insekten und vorüberdüsenden Mauerseglern in meinem Hof, und es geht mir gut. Eine Wanderung im Osterwald, und meine Seele atmet auf. Ein Blick zwischen all den Internetmeldungen auf die Enchanted Living-Facebook-Seite (*nicht* die Kommentare), und ich entspanne mich.
Unsere arme geplagte Erde wäre ein besserer Ort, wenn mehr Menschen Schönheit an sich heranließen.

Als Richtschnur eines gottgewollten Lebens hier auf Erden wurde Euch der Schönheitssinn geschenkt, der aus reinster Empfindung kommt. Diese Empfindung trägt Erinnerung in sich an lichte Höhen, wo Schönheit zur Selbstverständlichkeit gehört! Denn Licht und Schönheit läßt sich gar nicht trennen. Sie sind eins! Wenn Ihr nun Licht auf diese Erde tragen wollt, so müßt Ihr Schönheit bringen. Schönheit in allem, was Ihr tut!
(Abd-ru-shin: Ermahnungen, Vortrag „Laßt Ostern in Euch werden!“)

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In meinen beiden Blogs tauchte in den Top Searches die Suchanfrage „ist abd ru shin christlich eingestellt ?“ auf. Die Antwort ist zunächst einmal eine Gegenfrage: Was genau ist mit „christlich“ gemeint? Ich vermute, es geht hier weniger um die christliche Kirche (obwohl das natürlich mit hineinspielt), sondern mehr um Jesus Christus. Ich erwähnte ja schon, daß mir Fragen zu dem Thema während der Israel-Reise gestellt wurden. Wenn hier also eigentlich gefragt wird, ob Jesus als Gottessohn angesehen wird, lautet die Antwort unumstößlich Ja. Wenn es um Jesu Lehre geht, lautet die Antwort ebenfalls Ja. Abstriche hingegen sind zu machen, wenn die Frage auch die kirchliche Lehre umfaßt. Sühneopfertod? Nein. (Eva Hermans hier besprochenes Buch enthält einen interessanten Teil dazu.) Erlösung durch den Glauben? Nein. Oder jein, sofern dieser Glaube auch die Tat beinhaltet.
Ich zitiere mal die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen:

Allerdings offenbart ein Blick auf die tatsächlichen Lehrinhalte, dass die Gralsbotschaft an praktisch keiner Stelle mit den christlichen Begriffen das meint, was die ökumenische Christenheit darunter versteht: Während Jesus Christus als Weisheitslehrer kam und scheiterte, wurde seine Heilsrolle durch Abd-ru-shin in vollkommener Weise erfüllt. Obwohl Abd-ru-shins Lehre über seiner Person stehen soll, sah er sich doch als den besseren Christus und betrachtete seine Familie und sich als heilsmittelnd („göttliches Trigon“). So wie Abd-ru-shin Jesus überlegen war, ist die Gralsbotschaft der Bibel überlegen. Es ist offensichtlich, dass all dies christlichen Vorstellungen diametral widerspricht.

Das ist, wie ich anmerken möchte, bis auf den ersten Halbsatz ausgekochter Quatsch. Nirgendwo wird etwas derartiges behauptet (bitte mal ein paar konkrete Quellen für eine solche Unterstellung!), und ohne auch nur den Hauch eines Zweifels hätte Abd-ru-shin dieses Konzept eines „Wettkampfes“ strikt zurückgewiesen. Auf wessen Mist wächst so etwas?

Wenn dennoch Kreuzträger häufig betonen, der Unterschied zum christlichen Glauben sei gar nicht so groß, so kann dies daran liegen, dass christliche Elemente in die persönliche Frömmigkeit hineingenommen werden (Bezug zu einem personal als Gegenüber erlebten Gott im Gebet z. B.), obwohl sie im Grunde nicht zur Gralslehre passen.

Sagt wer?
Nebenbei verrät dieser Absatz wie so oft mehr über den Verfasser als über die Thematik. Er (bzw. seine Quelle) geht hier klar von einem „christlichen“, sprich kirchlich-konfessionellen Hintergrund der Bekenner der Gralsbotschaft aus – das in der Kirche Gelernte wird mitgenommen in die neue Lehre.
Ob der Unterschied tatsächlich nicht so groß ist, wage ich hingegen zu bezweifeln. Ich verweise noch einmal auf meine Israel-Berichte. Mir kam der konfessionelle Teil der Reise schon sehr fremd vor. Berührungspunkte, ja. Davon gibt es viele. Gemeinsamkeiten? Hm…

Dabei ist aus christlicher Sicht das aktive Glaubensleben einer Tatreligion und das Bemühen der Anhänger um ein ethisch verantwortungsvolles Leben zu würdigen und nicht durch den Vorwurf der „Selbsterlösung“ leichtfertig zu entwerten, zumal die zugrunde liegende Ethik der christlichen nicht erkennbar widerspricht.

Und das ist, glaube ich, der springende Punkt. Danke dafür, Herr Funkschmidt. Irgendwo las ich auch einmal, besagte Ethik könne sogar als ein Vorbild für Christen gelten. Wie immer kommt es dabei natürlich darauf an, daß diese Ethik auch gelebt wird, aber das ist – ebenfalls wie immer – ja leider oft der große Unterschied zwischen Lehre und Ausübenden. Wie sagte Gandhi angeblich? „I like your Christ. I do not like your Christians. Your Christians are so unlike your Christ.“ Gilt ebenso für Bekenner der Gralsbotschaft.

ist gralswelt eine sekte

lautete eine weitere Frage. Die Gralswelt war eine Zeitschrift. Sie kann aus der Natur der Sache heraus keine Sekte sein, glaube ich. Falls hingegen das Gralswerk gemeint ist – dazu gehen die Meinungen auseinander. Ich fühle mich nicht qualifiziert, darauf zu antworten.

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Hell aber schimmerte über dem weiten Blau des Meeres das wogende, ziehende Gespinst der feineren Grobstofflichkeit, das reine wesenhafte Kräfte durchdrangen. Die Sonne glitzerte in den Fluten, die unaufhörlich ihr brausendes Rauschen zur Ehre Gottes wie fernen, tiefen Orgelchor vernehmen ließen.
Jubelnde Nereiden durcheilten diese brausende Welt, griffen in die lichten Gespinste und reichten den luftigen Wesen die Hände. Helle, zackige Landstrecken, Inseln und Buchten glänzten ferne im Lichte der Sonne.
Rein und schlicht in seiner natürlichen Unberührtheit schimmerte auch Griechenlands Küste über dem Meere. Der weite Rücken des Olymp ragten in den tiefblauen Himmel, und um ihn dehnte sich die rauhe Schönheit des Landes.
Eine besondere Bewegung machte sich über dem Lande der Griechen, über dem Meere und der gegenüberliegenden Küste Kleinasiens bemerkbar. Silberklares, durchscheinendes Licht schien diesen Punkt der Erde besonders zu verklären. […]
Mächtige Städte leuchteten im Licht der Sonne, und ihre Bauten redeten eine strenge, kraftvolle Sprache von Glauben, Zucht und Ordnung, von Fleiß und Verehrung der ewigen Götter.
Noch war nichts von dem leichtsinnigen und prunkliebenden Taumel zu spüren, der später die beste Kraft dieses Volkes brach, doch lebte schon jener zähe heroische Eigensinn auf, der aus den frohen, gottesfürchtigen Helden gewalttätige, trotzige Abenteurer machen wollte, die den Schwächeren unterjochten, nicht um des Aufbaues, sondern um der Macht willen.

(Verwehte Zeit erwacht I)

Am Freitag besuchten meine Mutter und ich die Ausstellung „Mykene – Die sagenhafte Welt des Agamemnon“ in Karlsruhe.
Mykene, das war vor langer Zeit einmal meine Heimat. Meine Mutter hoffte wohl auf „neue Erkenntnisse“, aber witzigerweise war es in erster Linie sie, die da das „Schauergefühl“ ergriff. Sie hatte völlig vergessen – und ich mußte ihr damaliges Leben erst wieder in den zeitlichen Kontext stellen, um sie zu erinnern –, daß auch sie in jenen Jahren in Griechenland (das noch für eine ganze Weile nicht diesen Namen tragen sollte) inkarniert war. Ein Stück von Mykene entfernt, aber Kultur und Handelsgüter waren ja durchaus verwandt. So bewunderten wir unzählige Krüge und Gefäße, die uns sonst in Museen immer das Gähnen entlocken, standen Schlange vor der umlagerten Vitrine des Grabes des Greifenkriegers und ließen uns im Nachbau des Megarons (Thronsaals) durchschauern. (Natürlich nahmen wir auf dem Thron Platz.)
Im Ausstellungsraum, der den Untergang der mykenischen Kultur behandelt, trafen wir dann auf einen weiteren Besucher aus der Vergangenheit, einen jungen Mann „Marke Paris“, wie ich witzelte. Meine Mutter war so fasziniert von ihm, daß ich sie knuffen und ihr zuzischen mußte, sie möge ihn doch nicht immer so anstarren – denn mit der allergrößten Wahrscheinlichkeit hatte er keine Ahnung, daß er hier auf den eigenen Spuren wandelte! Ich frage mich, wie viele Besucher dieser Ausstellung im speziellen und aller Ausstellungen im allgemeinen wohl unerkannt ein früheres Leben Revue passieren lassen, ohne sich dessen überhaupt bewußt zu sein. Was ist es, das sie zu diesen Relikten zieht? Und hat das vielleicht einen symbolischen Wert, lassen sich auf diese Weise vielleicht noch alte, vorhandene Fäden aus jenen Leben lösen? Erfolgt hier vielleicht ein Ringschluß irgendeiner Art?

Kassandra […] stand in Agamemnons Obhut. Ihr Blick, der in die Tiefen der Vergangenheit reichte und die Weite der Zukunft zu erfassen vermochte, war wieder lebendig. […]
Aber sie schaute der Menschen furchtbares Geschick, den Verfall der Völker und der Geschlechter.
„Agamemnon, höre, sei gewarnt! Deiner harren die Mörder, feige Mörder im eigenen Hause, hüte Dich! Ein Weib, einer giftigen Natter gleich, schön und gefährlich, lebt in Deinem Hause, und ein Mann, ein Schwächling in ihrer Hand, feig und voll des Lasters, ist ihr Gefährte. Oh, daß uns die Winde würgten auf hoher See, daß wir niemals das Ende schauen müßten, das Ende stolzer Helden!“
So sprach Kassandra, und trübe Kunde war es für Agamemnon.
Während die anderen Gefangenen, die in der Tiefe des Schiffes lagen, schwere Zeit erlitten, durfte Kassandra häufig oben bei Agamemnon verweilen. Er liebte es, ihre stolze, ruhige, gemessene Art zu schauen. Reinheit und Friede strömten von ihr, der Besiegten, der Sklavin aus und gingen über auf den gefürchteten Feldherrn, den Feind! Es war kein Haß zwischen den beiden, auch keine Liebe, aber größte Achtung zollte einer dem andern; denn sie waren es wert. […]

Die griechische Flotte war in den großen Stürmen zerstreut worden. Agamemnon aber war wohlbehalten mit dem Rest seiner Schiffe, reicher Beute und vielen Sklaven, zu denen auch Kassandra zählte, in Argolis gelandet. […] Agamemnon war heimgekehrt, er, von dem viele Seher gekündet hatten, daß er nie mehr seinen Fuß in sein Land setzen werde. […]
In der Ferne erhob sich hoch und stolz die schöne, reiche Stadt. Drohend und dunkel sahen die bräunlich-grauen Mauern aus; dahinter aber leuchteten weiße Bauten, und prächtige Baumgruppen erzählten von schönen Gärten.
Aber alles war so fremd, so völlig anders als in Troja. Wo war das prangende, köstliche Leben, von dem die Dichter so viel sangen? Wo das Walten seliger Götter? Es sah nicht aus wie ein glückliches Land. Trauer, Not und Unzufriedenheit atmete hier die Erde, und über dem Volke drohte die Medusa.
Als der Zug der Sklaven endlich die Stadt erreichte, war diese in großer, freudiger Erregung. Das Volk war glücklich, erhoffte es doch durch die Rückkehr des Fürsten neuen Aufstieg und bessere Zeiten. Die drückende Herrschaft der Klytämnestra aber fürchtete man. […]
Die Begrüßung ihres Gatten glich einem wohlgeübten Schauspiel; denn die Kunst der Verstellung und der schönen Rede verstand sie meisterlich. Agamemnon aber war enttäuscht. Kassandras Worte fielen ihm wieder ein, und er verstand auf einmal, was sie ihm gesagt hatte.

(Verwehte Zeit erwacht I)

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Zum Beitrag Fiktionen und Fakten gibt es etwas zu berichten, aber auch und, da aktuell, zunächst zu Das Presse-Echo. Die HAZ brachte heute einen Bericht über den Hannoveraner Gralskreis bzw. das Ehepaar Bernstein. Ich gebe zu, wenn ich allein nach diesem Artikel urteilen müßte, käme mir der Verein suspekt vor. Der Artikel selbst gibt sich, wie eine Freundin es ausdrückte, „bemüht wertneutral“. So neutral, daß nichts mehr übrigbleibt. Ich weiß nicht, ob die Minizitate der Bernsteins aus dem Kontext gerissen wurden oder nicht, ob der Verfasser des Artikels vielleicht nur das niederschrieb, was er verstanden hatte und was er erwartet hatte, daß er auf der Auslegeware so herumreitet.
Kleine Ergänzungen bzw. Korrekturen also: Der Altar ist nicht schmucklos; höchstwahrscheinlich war er zum Zeitpunkt des Besuchs ganz einfach abgedeckt. Ihn ziert ein Antependium, das gleichschenklige Kreuz hängt darüber, und zu Andachten gibt es natürlich Kerzen, Blumenschmuck und die Altarschale. Abd-ru-shin schreibt sich so, Herr Menkens, das hätte man einfach nur abschreiben müssen. Und eine Korrektur, die an die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (die Sektenbeauftragten) geht: Nein, die Gralsbotschaft enthält keine „starke Abwertung des Verstandes und der Vernunft“, es geht darum, den Verstand nicht über alles andere, namentlich das Geistige zu setzen, da er aus der Natur der Sache heraus an das Irdische gebunden bleibt und alles Darüberliegende nicht verstehen kann. Der Mensch ist (oder sollte es zumindest sein) aber vom Geiste – nur werden umgangssprachlich ja leider Geist und Verstand gern gleichbedeutend verwendet. Der Verstand als solcher soll natürlich genutzt werden, dazu haben wir ihn ja mitbekommen.
(Guter Zeitpunkt für das Zitat eines ehemaligen Mitschülers am Abendgymnasium, als er im ersten Band der Botschaft quergelesen hatte: „Du bist doch sonst so eine intelligente Frau…“ – Na, dann traue mir doch zu, daß ich auch in dieser Sache nicht blöd bin.)

Gutes Stichwort! Kommen wir zu den Fiktionen. Beim Stöbern auf Fontis fand ich im Sonderangebot den Dreiteiler Die Kreuzträgerin, den ich selbstverständlich schon als Gag kaufen mußte. Er sprang auf den Hunger Games-Zug auf; übrigens nicht die einzige christliche Variante – Melody Carlson versuchte sich mit Fallen World ebenfalls daran. Allerdings mit bislang noch weniger Erfolg als Lydia Schwarz. Ich will hier keine Rezension schreiben, das folgt vielleicht auf Amazon, aber eine Katniss ist „Heldin“ Anna definitiv nicht. Im ersten Buch ist sie sogar durchgehend dämlich, nicht zu verwechseln mit naiv. Es bessert sich ein wenig in den beiden Folgebüchern, aber auf irgendein gelungenes Niveau schafft es die Geschichte leider nie.

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Ein sehr schönes Zitat einer Freundin, das ich mir bei sich bietender Gelegenheit immer gern ins Gedächtnis rufe.
Grund dafür war meine Schilderung der Septemberfeier in Münster bzw. der Umziehaktionen. Anreise im weißen Feierkleid ist verständlicherweise aus mehreren Gründen nicht erwünscht (die Herren haben es mit ihren Fracks wie immer einfacher. Typisch.), daher schleppten die Damen also mit großen Kleiderhüllen an, suchten sich im für die Menge etwas beengten Umkleideraum zu behaupten und schleppten im Anschluß wieder ab. Mit ihren langen Röcken oder (Alltags-)Kleidern war das an der großen Verkehrskreuzung sowieso schon ein Hingucker – wäre da eine Schar in weißen Gewändern vorbeigezogen, hätte die Gerüchteküche wieder ordentlich Futter bekommen. Stichwort natürlich: Sekte!!!
Besagte Freundin, die mich ja nun lange genug kennt und weiß, daß ich manchmal vielleicht unverständliches Zeug von mir gebe, aber alles in allem ganz normal bin, prägte dazu eben jenes Zitat.

Erinnert wurde ich daran bei einer der kürzlichen „Top Searches“ zu meinem Blog, nämlich

gralsbotschaft sekte

Naja, das ist nicht neu. Ich weiß nicht, ob eine frühere Offenheit statt der jahrzehntelang gepflegten und sicher mit Recht kritisierten Geheimnistuerei dem Abhilfe verschafft hätte. Vermutlich nicht. Die Leute kennen Kirche, sie kennen Atheisten, und sie kennen Sekten. So zumindest in ihrer etwas behelfsmäßigen Weltsicht.
Ich habe mal Wikipedia befragt, was dort die Definition einer Sekte ist.

Sekte (von lateinisch secta ‚Partei‘, ‚Lehre‘, ‚Schulrichtung‘) ist eine Bezeichnung für eine religiöse, philosophische oder politische Richtung und ihre Anhängerschaft. Die Bezeichnung bezieht sich auf Gruppierungen, die sich durch ihre Lehre oder ihren Ritus von vorherrschenden Überzeugungen unterscheiden und oft im Konflikt mit ihnen stehen.
In erster Linie steht Sekte für eine von einer Mutterreligion abgespaltene religiöse Gemeinschaft. Der ursprünglich wertneutrale Ausdruck hat aufgrund seiner Geschichte und Prägung durch den kirchlichen Sprachgebrauch einen meist abwertenden Charakter erhalten und wird seit den 1960er Jahren verstärkt in negativem Sinn verwendet.
In der modernen Religionswissenschaft und Soziologie werden statt des Begriffs Sekte neutrale, nicht wertende Bezeichnungen wie „religiöse Sondergemeinschaft“, „neureligiöse Gemeinschaft“ oder „neue religiöse Bewegung“ verwendet.

Das läßt die Sache schon ganz anders aussehen. In dem Sinne könnte man die Gralsbewegung durchaus mit Recht als Sekte benennen. Es geht aber weiter:

Heutige Begriffsverwendung

Umgangssprachlicher Gebrauch

Im landläufigen Sprachgebrauch werden als Sekten oft religiöse Gruppen bezeichnet, die in irgendeiner Weise als gefährlich oder problematisch angesehen werden oder die in orthodoxer theologischer Hinsicht als „Irrlehre“ angesehen werden. Dies betrifft sowohl seit Langem bestehende christliche Gemeinschaften, die sich in Lehre oder Praxis vom Herkömmlichen unterscheiden, als auch neue Gruppen. Zu Letzteren zählen insbesondere solche, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden sind und damals als „Jugendreligionen“ bezeichnet wurden, weil sie anfänglich viele junge Mitglieder hatten. „Sekte“ wird heute oftmals als Kampfbegriff gebraucht. So wird sogenannten Sekten häufig vorgeworfen, sie würden sich vor allem aus wirtschaftlichen Gründen als religiöse Glaubensgemeinschaften ausgeben, um den besonderen Schutz des Staates, größere Freiheiten und Rechte sowie die Befreiung von Steuern zu genießen. Bekanntestes Beispiel dafür ist Scientology.
In jüngerer Zeit wird der Terminus „Sekte“ auch im säkularen Bereich verwendet, um beispielsweise Kritiker von vorherrschenden wissenschaftlichen Lehrmeinungen, sozialen Üblichkeiten oder Absplitterungen von politischen Parteien abwertend zu charakterisieren. Im Juni 2018 akzeptierte das OLG Frankfurt es als Teil der freien Meinungsäußerung, ein Unternehmen als „Sekte“ zu bezeichnen.

Man erkennt hier deutlich, daß die Begriffsverwendung größtenteils im Auge des Betrachters und in der gerade geltenden gesellschaftlichen Norm liegt.

Kontroversen
Das Thema Sekten führt immer wieder zu Kontroversen. Dabei stehen sich zwei Grundhaltungen gegenüber: Auf der einen Seite eine Betonung der Religionsfreiheit und der weltanschaulichen Neutralität des Staates. Hier wird Zurückhaltung bei der öffentlichen Bewertung religiöser und weltanschaulicher Positionen und bei Maßnahmen gegen missliebige Minderheiten empfohlen. Die gegenteilige Haltung nehmen diejenigen ein, die insbesondere neureligöse weltanschauliche Sondergruppen zum Teil scharf verurteilen und in manchen Fällen deren gesellschaftliche Ächtung anstreben.

Im Einzelnen drehen sich die Kontroversen beispielsweise um mutmaßliche oder tatsächliche

• Einschränkungen der Religionsfreiheit religiöser Randgruppen, etwa durch Kritik ihrer Praktiken, und juristische Zwangsmaßnahmen,
• Einschränkungen der religiösen Freiheit durch unterschiedliche Grade der gesetzlichen Anerkennung
o Art. 4 GG der Bundesrepublik Deutschland gesteht grundsätzlich die freie Religionsausübung zu. Einschränkungen ergeben sich aus dem Artikel selber nicht, sind aber oft genug Gegenstand der aktuellen Rechtsprechung. Das Grundrecht auf Religionsfreiheit ist nur beschränkt durch die Grundrechte anderer Menschen und die sonstigen Grundwerte des Grundgesetzes.
• Einschränkungen der Meinungsfreiheit von Gruppenmitgliedern,
• Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Gruppenmitgliedern,
• wirtschaftliche Ausbeutung der Mitglieder durch lange Arbeitszeiten und minimales Gehalt,
• sexuelle Ausbeutung oder Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Gruppenmitglieder,
• Menschenrechtsverletzungen durch gruppeninterne, gerichtsähnliche Verfahren,
• Personenkulte um die Anführer der betreffenden Gruppe, z. B. Osho (Bhagwan),
• Familienkonflikte, insbesondere wenn ein Elternteil oder Kinder die Gruppe verlassen haben oder wollen,
• Behinderung von Kindern beim Zugang zu Ausbildung, ärztlicher Versorgung und Familienangehörigen außerhalb der Gruppe.

Was dann wiederum überhaupt nicht auf die Gralsbewegung zutrifft. (Wobei ich die Familienkonflikte nicht ausschließen möchte, aber das ist ja nun eindeutig kein Alleinstellungsmerkmal von Sekten…)

(https://gralsbewegung.net/abd-ru-shin/)

Über sein Ziel sagte Abd ru shin im Jahre 1936:
„Mein Ziel ist geistiger Art!
Aber ich bringe keine neue Religion, will keine neue Kirche gründen, ebensowenig irgend eine Sekte, sondern ich gebe in aller Einfachheit ein klares Bild des selbsttätigen Schöpfungswirkens, das den Willen Gottes trägt, woraus der Mensch deutlich zu erkennen vermag, welche Wege für ihn gut sind.“
Diesem Leitgedanken entsprechend, wollte Abd ru shin seine Botschaft in den Mittelpunkt gestellt wissen, niemals aber den Blick auf seine Person als Zentrum der Gralslehre lenken. Personenkult lehnte er ab. Klar und deutlich forderte er seine Leser auf, „nicht des Bringers, sondern des Wortes“ zu achten.

Und in dem Zusammenhang noch ein Nachtrag zur Kleiderfrage. Ich habe den Fehler gemacht und die Kommentare zu Artikeln über „Modest Fashion“ gelesen, die, wie vielleicht nicht anders zu erwarten, einige starke Meinungen hervorgerufen haben. Diese Meinungen sind oft sehr persönlich gefärbt. Viele konzentrieren sich ausschließlich auf den Zusammenhang mit dem Islam, nicht auf beispielsweise das Juden- und Christentum, und damit landet die Diskussion sehr schnell bei ganz anderen Themen. Andere machen im Kern ihrer Argumentation die Aussage, alle „Modest Fashion“-Trägerinnen seien einer religiösen Gehirnwäsche unterlegen. Wieder andere, und diese Argumentation kann ich noch am besten nachvollziehen, stören sich an dem Begriff und daran, was er suggeriert. Ich stehe zwar auf dem Standpunkt, jedes Kind brauche nun mal einen Namen und diese Wahl sei so gut wie jede andere, aber natürlich hängt ein gewaltiger Rattenschwanz daran: Wenn impliziert würde, nur Trägerinnen der Modest Fashion seien züchtig, bescheiden, anständig… und was bedeute diese Bewertung überhaupt? Und wieso gelte sie wie immer nur für Frauen?
Also hier zur Info: Keine Gehirnwäsche, wie vermutlich meine mehrfach in dieser Artikelserie angebrachte Kritik beweisen kann, und wenn ich es vorziehe, nicht halbnackt durch die Gegend zu stiefeln, dann ist das nicht nur meine freie feministische Wahl, sondern auch eine ästhetische Frage (und das gilt für Männlein und Weiblein).

Und a propos Kritik (Disclaimer: Nein, ich wurde nicht darauf angesprochen, und ich wurde von niemandem in irgendeiner Form unter Druck gesetzt.): Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, daß ich die Gralsbewegung für abschaffenswert halte. Was ich kritisiere, sind gewisse Strömungen innerhalb der Bewegung, Verschwörungstheorien, dogmatische Ansichten einzelner und Entscheidungen seitens der Leitung, die ich für fragwürdig bis falsch halte. Ich gehöre nicht zu denen, die für eine Auflösung der Internationalen Gralsbewegung und eine Rückkehr zu nie stattgefundenen guten alten Zeiten plädieren. Die Bewegung als Organisation hat ihre Berechtigung: Wer würde ohne sie Versiegelungen durchführen, Feiern ausrichten, die Botschaft vertreiben und auch übersetzen? Ich setze sie nur nicht gleich mit der übergeordneten „Bewegung“ außerhalb einer juristischen Form, die von Lesern und Bekennern der Gralsbotschaft getragen wird.

In dem Sinne: Mehr Mut und mehr Drüberstehen!

Nachtrag:
Und soeben in der aktuellen National Geographic (Februar 2019) gelesen, im Titelbeitrag „Magisches Deutschland“:

Eines ist jedenfalls bemerkenswert: Insgeheim sehnen sich viele Deutsche nach einem spirituellen Leben.
Nur reden sie nicht so gern darüber. Umfragen zeigen: Jeder sechste sympathiert mit den Ideen der Anthroposophen und ihrer Liebe zu okkulten Wissenschaften, zu Ätherwesen und Engeln. Jeder Vierte ist offen für Geist- und Wunderheiler, und fast die Hälfte glaubt an Astrologie und New-Age-Esoterik mit Seelenwanderung, Erinnerungen aus einem früheren Leben oder der Übertragung „feinstofflicher“ Energien.

Und das umfaßt nicht einmal die Angehörigen der großen Religionen. Vielleicht sind, ungeachtet, was uns die öffentliche Meinung weismachen will, die Materialisten also tatsächlich in der Minderheit…

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Mangels einer Statistik kann ich nur mutmaßen, aber wie in so vielen anderen Bereichen hört man auch in der Gralsbewegung vom Schreckgespenst (nun ja, einem von vielen) der Neuzeit: Nachwuchsmangel. Die Kreise schrumpfen, überaltern, heißt es. Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, seit wann die Gralskreise die Bewegung ausmachen (und ich habe so meine Gedanken zu der Thematik), stellt sich die Überlegung: Was ist mit all den Kindern von Kreuzträgern, die ich in meiner Zeit angetroffen habe?

Ich bin ja ebenfalls „zweite Generation“, wenn man es so titulieren will. Habe mir einmal sagen lassen, die meisten Kinder nähmen den Glauben (oder Unglauben) des Elternteils an, der am „aktivsten“ in seiner Ausübung sei – trifft in meinem Fall absolut zu. In einem Buch über Amish-Jugendliche wurde berichtet, die wenigsten sagten sich letztlich vom Glauben ihrer Familien los – auch das Phänomen begegnete mir bei einer Freundin, die am Ende wieder in den Schoß der katholischen Kirche zurückkehrte (wohlgemerkt, sie bezeichnet sich ausdrücklich als Katholikin, nicht als Christin). Wie das statistisch aussieht, weiß ich nicht.
Zumindest weiß ich, daß ich seinerzeit viel zu unreif für die Versiegelung war, vielleicht aus völlig falschen Gründen um sie gebeten habe, obwohl mir das damals nicht bewußt war. Der große Schritt von Tradition, um es mal so zu nennen, hin zu echter Überzeugung kam erst viel später. Und ich denke, das ist eine wesentliche Erkenntnis, der sich jeder irgendwann stellen muß, aber zu viele weichen ihr aus oder kommen aus welchen Gründen auch immer niemals dorthin.
Vermutlich ist das große Bild so, daß die junge Generation sich entweder vom Glauben oder Unglauben der Eltern lossagt oder ihn mehr oder weniger fraglos, eben aus Tradition, übernimmt. Und wenn meine Erfahrungen über die Jahre aussagekräftig sind, so unterscheidet sich die Bewegung da nicht sehr von christlichen oder anderen Gemeinschaften, besonders kleinen, in denen jeder jeden kennt. Was wurde da an Köpfen geschüttelt, wenn Einzelpersonen oder Familien sich aus den Kreisen zurückzogen oder – Horror! – lieber Mitglieder einer Kirchengemeinde wurden. Die Gründe dafür waren häufig entweder Unzufriedenheit mit den Kreuzträgern in einem Gralskreis oder aber der Wunsch nach engerem Gemeindeleben; beides gleichermaßen legitime wie fragwürdige Gründe, aber in beiden Fällen kein Anlaß zum Exkommunizieren, wie ich finde.
Jedenfalls fließt auf diesem Wege Nachwuchs ab. Andere mögen gleichgültig gegenüber jeder Art spiritueller Ausrichtung geworden sein. Wieder andere haben kein Interesse an „organisierter“ Ausübung ihrer Überzeugung oder eben kommen mit anderen Personen in ihrem Kreis nicht zurecht und werden deshalb sogenannte Einzelleser: Kreuzträger, die keinem Gralskreis angehören.

Wenn nun gewisse Jünger der Meinung sind, Einzelleser kämen in die Hölle… Nun ja, wörtlich wurde es so nicht ausgedrückt, aber das ist, wenn man den Gedanken zu seinem logischen Ende führt, genau die Aussage. „Wer auf Erden keine Sehnsucht nach einer Andacht hat, hat es drüben auch nicht“, so in etwa das Zitat. Heißt: Lichtsehnsucht ist mit einer Andachtsstätte verbunden. Heißt: Wer hier nicht zur Andacht geht, hat keine Lichtsehnsucht. Heißt: Ohne Lichtsehnsucht ist man „drüben“, also im Jenseits, in der feinstofflichen Ebene, verloren, steigt nicht auf, gerät in die Zersetzung. Dumme verlorene Einzelleser.
Das ist eine so unglaubliche Arroganz und Ignoranz, daß ich es nicht in Worte fassen kann. Was denkt besagter Jünger, daß Einzelleser tun? Ich finde ja, es wird aus dem Wortbegriff deutlich, aber vielleicht irre ich mich da. Einzelleser lesen die Botschaft ohne Anschluß an einen Gralskreis, aus welchen Gründen auch immer. Das ist alles. Andacht können sie auch ohne eine Lichtstätte abhalten.

Ausschlaggebend dazu ist immer nur die innere Beschaffenheit des Einzelmenschen. […] Wie er, der Einzelmensch, sich dabei öffnet, so viel wird er erhalten. Manche finden Andacht nur im Walde, andere am Meere, wieder andere in der Musik und zahlreiche tatsächlich nur in Kirchen.
(Abd-ru-shin: Fragenbeantwortungen)

Wie viele Einzelleser kennt besagter Jünger, daß er für sich in Anspruch nimmt, ihre Lichtsehnsucht und Lichtverbundenheit beurteilen, vielmehr aburteilen zu können? Vielleicht sollte er lieber einmal seine eigene hinterfragen. Oh, und übrigens:

Das Kirchengehen ganz allein kann einem Menschen natürlich keine Seligkeit bringen; es nützt ihm nichts, wenn er nicht selbst in sich dazu erwacht!

Betrifft natürlich ebenso Andachten in Lichtstätten.
Dies eher am Rande, aber es ist ein Beispiel, warum Kreuzträger der Bewegung, wie sie sich in einer Organisation präsentiert, den Rücken kehren – und die Reaktion darauf ist nicht gerade ein Anreiz, in den Schoße eines Gralskreises zurückzukehren.

Wie gesagt, ich weiß nicht, was aus meinen Altersgenossen geworden ist – ob sie sich in der Bewegung engagieren oder Einzelleser sind oder einen anderen Weg gehen. Genausowenig habe ich eine Lösung dafür, daß, zumindest hierzulande, die Zahl der Kreuzträger rückläufig zu sein scheint. Aber das menschliche Hickhack hilft eindeutig nicht. Ebensowenig die Erwartungen, die unausweichlich an Kinder von Kreuzträgern gestellt werden, an ihre Art zu leben, daran, daß sie die Reihen eines Tages verstärken werden – mit der fast zwangsläufigen Folge, daß das Gegenteil eintritt.

Es ist nicht einfach, der zweiten Generation anzugehören. Mir gestand eine Kreuzträgerin einmal, daß sie mich beneide – sie habe so lange suchen müssen; da hätten wir, die wir in das Wissen hineingeboren seien, es so viel einfacher. Das stimmt eindeutig nicht. Die Ironie hier war, daß ich diejenigen immer beneidete, die durch Suchen gefunden hatten – denn sie konnten sicher sein, daß ihr Finden echt war. Was aber war mit uns, die wir nie suchen mußten? Wie konnten wir behaupten, gefunden zu haben, wenn wir mit der Lehre aufwuchsen? Ich habe unter diesem Konflikt durchaus gelitten. Was mir erst im Laufe vieler Jahre klar wurde, war, daß das „Finden“ der Kinder von Kreuzträgern ein anderes ist. Wir müssen heraus“finden“, was angelernt ist, was geglaubt wird, und wo unsere eigene Überzeugung einsetzt. Überhaupt müssen wir unsere eigene Überzeugung erst einmal finden! Die lebendige Überzeugung, von der Abd-ru-shin spricht. Ich schrieb bereits, daß ich bei meiner Versiegelung unreif war. Aus heutiger Sicht weiß ich das. Mein Glaube damals war echt, aber ich war viel zu jung, noch viel zu unsicher und uneigenständig, um so etwas wie eine eigene, lebendige Überzeugung entwickelt zu haben. Das kam später, nach und nach, mit Erfahrungen und Reife. Es ging auch Hand in Hand mit dem Hinterfragen dessen, was in Kindheit und Jugend als selbstverständlich galt.

Jeder Mensch muß seinen eigenen Weg finden. Ob man nun gleich das Kind mit dem Bade ausschütten und sich komplett lossagen muß, weil gewisse Strömungen innerhalb der Gralsbewegung oder bestimmte Personen nicht gefallen, sei dahingestellt – man sollte doch die Botschaft und die Bewegung nicht gleichsetzen. Im Gegenteil, ich bin überzeugt, daß was heute in der Bewegung gelebt wird (auf allen Seiten des Schismas), größtenteils im kompletten Widerspruch zu dem steht, was Abd-ru-shin wollte. Aber das ist ja kein Einzelfall. Jesus würde seine Worte in der Kirche vollkommen verdreht wiederfinden, Mohammed würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen angesichts dessen, was aus seiner Lehre gemacht wurde… Traditionen statt lebendiger Überzeugung eben.
Glaube an den Glauben der Väter reicht nicht aus, wie Abd-ru-shin in „Im Lande der Dämmerung“ erklärt. Aber auch diesen Vortrag beziehen ja viele Kreuzträger aufgrund des Schwerpunktes seiner Schilderung (das christliche und spiritistische Gewand) nicht auf sich.

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Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Kenntnis der Gralsbotschaft ist der erweiterte Blick auf die Dinge. Namentlich im näheren Umfeld, wo so manches „gesehen“ wird. Wir haben über die Jahrzehnte viel erfahren dürfen.
Nun wird das nicht an die große Glocke gehängt, weil auch Kreuzträger dem oft skeptisch gegenüberstehen. Keine unbedingt schlechte Sache, finde ich, denn wie überall hat’s auch in der Bewegung Spinner. („Die Gralsspinner“, wie die großartige Frau J. es so schön ausdrückte.) Man muß unterscheiden lernen zwischen echt und Ente, nicht immer einfach mit den eigenen Wunschvorstellungen, die so gern dazwischengrätschen. Am besten ist eine zweite, unabhängige Meinung.

Den Weg einer Seele durch verschiedene Erdenleben verfolgen zu können, ist spannend. Allerdings auch oft ernüchternd. Man erkennt die Persönlichkeit – jedenfalls nach meiner Erfahrung – leicht, was in erster Linie bedeutet, daß man sich weniger verändert, als man hofft. Ich betrachte die Personen, die ich einmal war und wünschte mir, ich wäre in diesem Leben so patent wie sie; Tatsache hingegen ist vermutlich, daß sie ähnliche Unsicherheiten aufwiesen wie ich. (Mein römisches Ich tut mir sehr leid – ich kann mich gut in sie hineinversetzen.) Meine Mutter kritisiert die Fehler ihrer früheren Inkarnationen, ohne zu bemerken, daß sie sie immer noch besitzt. Mein Vater war in hohem Maße er selbst geblieben; ich lache jedesmal, wenn ich über seine zwei wohl berühmtesten Leben lese, weil ich ihn so sehr darin wiedererkenne. Mein Bruder hat es nie gelernt, sich in den Hintern zu treten… mit traurigem Ergebnis heute. Und so weiter.

Vor diesem Hintergrundwissen betrachtet man natürlich auch all die religiös/nationalistisch/rassistisch/sonstwie extremistisch begründeten Hetzereien mit… nun, sicher nicht Humor, aber einer gewissen Ironie. Die so fanatisch verfochtene Sache läßt man mit jedem Leben zurück – nur der Fanatismus kommt mit. Was dazu führt, daß im nächsten Leben vielleicht gegen genau die Sache gehetzt wird, die man vorher verfocht. Lachhaft, wenn’s nicht so traurig wäre.
Amüsanter, wenn auch nicht weniger seltsam, sind die Fans historischer Persönlichkeiten. Natürlich sehen sie (wie Fans moderner Berühmtheiten) nicht die wirkliche Person, sondern in erster Linie ihre eigene Phantasie. Aber auf einer Website zu lesen, die Schreiberin sei „besessen“ davon, Informationen über mein früheres Ich zu finden und habe nie ein Bild von ihr finden können; ob *diese* Miniatur vielleicht…? Das war schon seltsam. Ich habe nicht nur einen Fan, sondern einen Stalker. (Meine Mutter schlug vor, ich könne ihr ja ein aktuelles Foto schicken. „Leider kein Bild von damals, aber so sehe ich heute aus.“)

Andererseits bin ich vermutlich selbst nicht besser. Als Biographin und historisch Interessierte greife ich gern Figuren der näheren oder ferneren Vergangenheit auf, versuche sie zu verstehen – und frage mich, wie es mit ihnen weiterging, nachdem sie jenes Leben hinter sich ließen. Ich habe leider bislang nur einmal (nun ja, immerhin!) eine Antwort erhalten. Geht mich ja auch gar nichts an. Trotzdem…

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Die Tipps, die man so bekommt. Kürzlich waren Muttern und ich in Goslar, wo sie durch eine Bekannte einen Laden für Feierkleider aufgetan hatte. (Glückliche potentielle Kundinnen muß ich leider enttäuschen: Die Betreiberin bestellt diese Art Kleider ab sofort nicht mehr nach, wegen zu geringer Nachfrage.) Die Inhaberin von Elita-Mode widerlegt jedes Vorurteil, das man vielleicht so mit sich herumschleppt: Sie ist Muslima und bekopftucht und dabei sehr modern, emanzipiert und lustig. Wir hatten eine Menge Spaß.
Bei Mutterns erstem Besuch war sie wohl überrascht gewesen, daß „Deutsche“ solche Kleider suchten. Ja, auch da ist eine Menge Bandbreite. 🙂
Weil ich über Modanisa schon ein Kleid bestellt hatte, kamen wir ins Gespräch („Witzig, daß du das gefunden hast.“); sie kennt den Anbieter, gab mir aber gleich einen Tipp, wo man bessere Ware bekommt, nämlich bei Alvina (eigene Produktion, nicht nur Vertrieb).
Mein Horizont hat sich seit der Recherche in der Welt der Modest Fashion eindeutig erweitert… (Der Begriff ist neu; gekleidet hat man sich nach dem Prinzip zu Andachten und Feiern schon immer.)

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I don’t like change—does anyone? Yet I know from experience that my faith grows the most during times of change.
(Lynn Austin, Pilgrimage)

Ich bin nicht gut mit Dingen, auf die ich keinen Einfluß nehmen kann. Habe ich konkrete Aufgaben, bin ich in meinem Element. Aber warten auf den Gang der Instanzen, während Zeitdruck besteht? Probleme, die sich unter den gegebenen Voraussetzungen beim besten Willen nicht lösen lassen, und das dauerhaft, zeitlich unbegrenzt? Geht gar nicht. So etwas überfordert mich sofort, macht Sorge, Angst und letztlich Unwirschheit bis Aggression.
Vertrauen haben ist das Stichwort. Aber genau das bringe ich selten mit. Ich denke immer: Entweder a) habe ich einen Fehler gemacht und muß ihn nun gerechterweise ausbaden oder b) vielleicht ist es Karma oder irgendein anderer Sinn, womit ich ebenfalls selbst zurechtkommen muß. An anderer Stelle meinte ich bereits, daß das Wissen um die Zusammenhänge, das die Gralsbotschaft verleiht, vielleicht zu einem Verlust des einfachen Glaubens der Christen führt: Gott wird’s schon richten. Andere Kreuzträger mögen da viel vertrauender sein.

Dennoch lerne ich – oder halte die derzeitige schwierige Situation für eine Lerneinheit – Vertrauen zu haben, nein, eigentlich etwas ganz anderes: im Herrn zu ruhen, um diesen Ausdruck zu gebrauchen. Das heißt nicht, mich zurückzulehnen. Es heißt, daß sich der gesamte Fokus verschiebt. Das Irdische ist immer noch sehr da, es wird auch nicht weggehen, aber es verliert seine bedrückende Macht, wenn man seinen Blick „nach oben“ ausrichtet. Die Vögel und die Lilien auf dem Felde – das ist, glaube ich, was Christus mit seinen Worten meinte. Es ist so leicht, in den Alltagssorgen, die uns so schwerwiegend erscheinen, aber im großen Zusammenhang gesehen nur eine vorübergehende Sache sind, den Blick auf das Ewige zu verlieren.

Maybe that’s why we call the dry, parched time in our lives, when our soul withers and God seems very far away, “a wilderness experience.”
Such experiences often come at times of change and upheaval. When God wants to shake us free from our old habits and lead us into a new walk with Him, He sometimes begins with a desert journey. […]
God knows that we all need to be brought out to the desert from time to time to free us from our comfortable self-sufficiency. If He strips us of all our own resources, we just might learn to lean on Him. And to start praying again. […]
Maybe that’s what this desert time in my own life is supposed to accomplish. Maybe God wants me to stop grumbling and looking back at the past and learn to trust Him for my future.
The truth is, I really don’t want to walk by faith. Do any of us? I prefer comfort and safety, a well-stocked pantry and an abundant water supply, a map that shows exactly where I’m going and how long it will take to get there – and I would like to choose the destination myself, thank you. But who needs God if I have all those things? Israel’s downfall didn’t come when they were homeless wanderers in the desert, but when they lived in cities where they were self-sufficient and well fed. God had warned them that, “When you eat and are satisfied, when you build fine houses and settle down … then your heart will become proud and you will forget the Lord your God, who … led you through the vast and dreadful desert, that thirsty and waterless land” (Deuteronomy 8:12, 14-15).

Man lernt, ganz andere Dinge zu schätzen. Kleine Dinge. Kostbare Momente. Man lernt, sein Leben mit solchen Momenten zu füllen. Mir ist so viel gegeben worden, und ich habe es nicht genutzt, habe es verschwendet. Das, so mein Vorsatz beim neuen Lebensabschnitt (obwohl ich sonst nie Vorsätze fasse), soll mir nicht noch einmal passieren. Und ich habe Fehler abzulegen, wozu mir die momentane Lage helfen soll; das erkenne ich ganz deutlich. Ich dachte bislang immer, das Ablösen und Ablegen geschähe, ohne daß die betreffende Person es bewußt mitbekäme, aber das stimmt gar nicht, glaube ich inzwischen. Mich ändern, Lehren ziehen, es beibehalten, das sind alles Dinge, die ich selbst tun muß, aber das bedeutet nicht, daß es in Ignoranz geschehen muß.
Auf vieles habe ich keinen Einfluß. Aber das, mit dem ich arbeiten kann, soll einen Wert besitzen.

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Ein Film, der mich persönlich sehr berührte, ist The Case for Christ (dt. Der Fall Jesus) nach einer wahren Geschichte. Die Ausgangslage: Nach einigen Jahren glücklicher Ehe konvertiert Leslie Strobel zum Christentum. Ihr Ehemann Lee, Atheist, kommt mit diesem Wandel nicht zurecht; das Ehe- und Familienleben wird zum Schlachtfeld.
Lee und Leslies Geschichte hat ein Happy End, und der sehr gelungene Film ist schon allein wegen Lees Recherche in die Wahrheit hinter dem Christentum ausgesprochen sehenswert. Aber wie gesagt, für mich spielt auch die persönliche Ebene mit hinein. Meine Eltern waren, was die Strobels in einem ihrer Bücher „spiritually mismatched“ nennen, ein auf spiritueller Ebene unpassendes Paar. Die Ausgangslage war ähnlich: Meine Mutter Suchende, zunächst zur Kirche tendierend, womit mein Vater keine Probleme hatte – er war sein Leben lang „Nennchrist“, also getauft und auch nicht bereit, aus der Kirche auszutreten, obwohl er sonst damit nichts zu tun hatte. Es war das Normale, das, was man kannte. Seine Eltern und Großeltern waren getauft. Die Nachbarn waren es. Mein Vater mochte Prinzipien. („Flexibel wie eine Eichenschrankwand“, sagt mein Kollege immer.)
Dann fand meine Mutter zur Gralsbotschaft, und von da an geriet das Familienleben aus den Fugen. Vermutlich war auch vorher nicht die vollkommene Harmonie vorhanden, aber mein Vater gab „dem Gral“ die Schuld am Scheitern der Ehe (wenn man’s so nennen möchte – meine Eltern blieben verheiratet, bis wortwörtlich der Tod sie schied). Kindererziehung wurde ein Problem. Der schlimmste Krach, an den ich mich erinnern kann – und sie hatten so einige spektakuläre –, resultierte, als auch ich „mit dieser Spinnerei anfing“.

Sicher keine Einzelsituation. Ich weiß nicht, wie die Statistik aussieht, aber wohl die wenigsten Kreuzträger lernen ihren zukünftigen Ehe- oder Lebenspartner kennen, nachdem beide bereits Kreuzträger sind. Und es ist nicht einmal eine Situation, die nur auf Leser und Bekenner der Gralsbotschaft zutrifft. Lee und Leslie Strobel haben ein Buch zum Thema geschrieben, in diesem Fall das Christentum betreffend: Spiritual Mismatch (in einer früheren Ausgabe Surviving a Spiritual Mismatch in Marriage, diese ins Deutsche übersetzt unter dem Titel Wenn der Glaube zwischen uns steht). Ja, ich habe meine Eltern darin wiedergefunden. Und vielleicht wäre es gut gewesen, hätte meine Mutter dieses Buch damals gehabt… wobei ich bezweifle, daß sie es angewendet hätte, aber das ist eine andere Sache. Wem als Leserin oder Leser der Gralsbotschaft diese Situation bekannt vorkommt, dem sei das Buch auf jeden Fall ans Herz gelegt. Auch wenn es auf Christen zugeschnitten ist, sind viele universell anwendbare Ratschläge darin zu finden.

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