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Posts Tagged ‘Abd-ru-shin’

Die Eitelkeit will Wahrheit nie erkennen lassen, gleichviel, wo sie zu finden ist. Was sie sich darin alles leistet, zeigt die Stellungnahme dieser Erdenmenschheit schon dem Erdensein des Gottessohnes gegenüber, welches in seiner wahren, großen Einfachheit dem eitlen Menschensinne nicht genügt. Der Gläubige will „seinen“ Heiland nur nach seinem Sinne haben! Deshalb schmückt er den Erdenweg des Gottessohnes Christus Jesus mit erdachten Vorkommnissen aus.
Nur aus „Demut“ allem Göttlichen gegenüber muß dieser Heiland nach der Menschen Sinn als Gottessohn auch unbedingt „übernatürlich“ sein. Sie überlegen dabei nicht, daß Gott selbst die Vollkommenheit des Natürlichen ist, und die Schöpfung aus dieser seiner vollkommenen Natürlichkeit heraus durch seinen Willen sich entwickelte. Vollkommenheit trägt aber auch die Unabänderlichkeit in sich. Wäre eine Ausnahme in den Schöpfungsgesetzen möglich, die nach dem Willen Gottes sind, so müßte darin eine Lücke sein, es hätte an Vollkommenheit gemangelt.
Menschliche Demut aber hebt sich über all dies hinaus; denn sie erwartet, ja verlangt bei einem Erdensein des Gottessohnes Abänderung bestehender Gesetze in der Schöpfung, also Übertretung. Ausgerechnet nun von dem, der doch gekommen war, alle Gesetze seines Vaters zu erfüllen, wie er selbst es sagte! Sie erwartet von ihm Dinge, die nach den Gesetzen der natürlichen Entwicklung einfach unmöglich sein müssen. Und ausgerechnet damit soll sich seine Gottheit zeigen, das Göttliche, das die Grundlage der Naturgesetze lebendig in sich trägt!
Ja, Menschendemut kann viel fertigbringen. Aber ihr richtiges Gesicht ist Forderung, nicht wahre Demut. Höchste Anmaßung, ärgster, geistiger Hochmut! Die liebe Eitelkeit deckt nur ein Mäntelchen darüber, das der Demut ähnlich scheint.
Traurig ist nur, daß auch so oft wirklich Gutwollende sich in der anfänglich ganz echten Demut unbewußt in ihrer Hingerissenheit bis zu den unmöglichsten Dingen steigern.
Es erstanden Einbildungen, deren Weitergabe großen Schaden brachte.
So mußte schon das Jesuskind die größten Wunderdinge ausgeführt haben. Sogar bei den kindlichsten Spielen, die es trieb wie jedes Kind, wenn es gesund und geistig rege ist. Die kleinen Vögel, die es spielend aus einfachem Lehm formte, wurden lebend, flogen lustig singend in die Luft, und viele solcher Dinge mehr. Es sind die Vorgänge einfach unmöglich, weil sie allen Gottgesetzen in der Schöpfung widersprechen!
Dann hätte ja Gottvater seinen Sohn auch fertig auf die Erde stellen können! Wozu war eine Menschenmutter nötig! Die Unannehmlichkeiten der Geburt! Können die Menschen denn nicht einmal einfach denken? Sie unterlassen es aus eigener Eitelkeit heraus. Der Erdengang des Gottessohnes muß nach ihrer Ansicht anders sein. Sie wollen es, damit „ihr“ Heiland, „ihr“ Erlöser nicht den Gesetzen Gottes in der Schöpfung unterworfen war. In Wirklichkeit wäre das zwar in ihrem Denken nicht zu klein für ihn gewesen, den Gottessohn, aber für alle die, welche in ihm ihren Erlöser anerkennen wollen! Menschliche Eitelkeit und weiter nichts!
Sie überlegen nicht, daß es für Jesus noch viel größer war, daß er sich freiwillig diesen Gesetzen unterwarf durch seine Fleischwerdung, nur um die Wahrheit in dem Wort zu bringen jenen Menschen, welche frevelnd durch Verbiegung ihres Erdenwerkzeuges sich unfähig dafür gemacht hatten, die Wahrheit aus sich selbst heraus noch aufzunehmen, zu erkennen. Sie waren viel zu eitel, um in dem Worte selbst die Sendung Christi als erfüllt zu sehen. Für sie, die eitlen Menschen, mußte Größeres geschehen!
Und als der Gottessohn am Kreuze dann den Erdentod erlitt und starb, wie jeder Mensch am Kreuze sterben muß, weil es den Gottgesetzen in der Schöpfung so entspricht, als der menschliche Körper nicht einfach vom Kreuze steigen konnte, unverletzt, da blieb der Eitelkeit nichts weiter übrig als die Ansicht, daß der Gottessohn so sterben mußte, nicht heruntersteigen wollte, um den armen Menschlein ihre Sünden dadurch abzunehmen, damit sie daraufhin nun froh empfangen werden in dem Himmelreich!
Und so erstand der Grund zu der späteren Auffassung der Notwendigkeit des Kreuzestodes, die die traurige, große Irrung unter die heutigen Christen brachte, nur aus der Menscheneitelkeit heraus. […]
Wenn Christus fleischlich hätte auferstehen können, so war es unbedingt auch folgerichtig, zu erwarten, daß er die Möglichkeit besaß, auch fleischlich fertig schon von dort auf diese Erde hier herabzukommen, wohin er bei der Auferstehung fleischlich gegangen sein soll. Daß dieses aber nicht geschah, daß er im Gegenteil von Anfang an die Wege eines jeden Menschenkörpers von Geburt an auch durchleben mußte, mit allen kleinen und mit allen großen Mühen, spricht mit vielen anderen Notwendigkeiten seines Erdenseins deutlich genug dagegen, ganz abgesehen aber davon, daß es so und anders nicht sein konnte, weil auch der Gottessohn sich den vollkommenen Gesetzen seines Vaters in der Schöpfung fügen mußte.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Das verbogene Werkzeug“)

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Als Christus zur Erde kam, um die Gottesbotschaft der Wahrheit zu verkünden, mußte er sich deshalb auch eines grobstofflichen Körpers bedienen, also des Fleisches. Darin müßte schließlich schon jeder denkende Mensch die Unabänderlichkeit der Naturgesetze erkennen, wie auch in dem durch die Kreuzigung erfolgten körperlichen Tode.
Dieses grobstoffliche Fleisch aber konnte nach diesem Tode auch keine Ausnahme bilden, sondern mußte in der grobstofflichen Welt verbleiben! Es konnte
nicht auferstehen, um in eine andere Welt einzugehen! Die feststehenden göttlichen oder natürlichen Gesetze lassen das durch ihre aus dem göttlichen Willen hervorgegangene Vollkommenheit nicht zu. […]
Ein Auferstehen zu einer anderen Welt im Fleische ist vollkommen ausgeschlossen, für die Menschen, wie auch damals für Christus!
Der irdische Leib des Erlösers ging denselben Weg, den jeder andere grobstoffliche Leib zu gehen hat, nach den Naturgesetzen des Schöpfers.
Jesus von Nazareth, der Gottessohn, ist demnach nicht fleischlich auferstanden!
Es wird nun trotz aller Logik und der gerade darin enthaltenen viel größeren Gottesverehrung noch viele geben, die in der Blindheit und Trägheit ihres falschen Glaubens so einfachen Wegen der Wahrheit nicht folgen wollen. So manche wohl auch, die aus eigener Einengung nicht folgen können. Andere wieder, die mit voller Absicht wütend dagegen zu kämpfen versuchen, aus der begründeten Angst heraus, daß damit ihr mühsam errichtetes Gebäude bequemen Glaubens zusammenbrechen muß.
Es kann ihnen nichts nützen, wenn sie sich als Grundlage nur auf die wörtlichen Überlieferungen stützen; denn auch die Jünger waren Menschen. Es ist ja nur rein menschlich, wenn die damals durch alles furchtbare Geschehen stark erregten Jünger bei der Erinnerung in ihre Schilderungen manche eigenen Gedanken mit verwoben, die durch das vorangegangene Erschauen ihnen selbst noch unerklärlicher Wunder so manches anders wiedergaben, als es in Wirklichkeit gewesen war. […]
Auch wenn ihnen die stärkste geistige Inspiration helfend zur Seite stand, so greifen trotzdem bei der Wiedergabe vorgefaßte eigene Meinungen sehr stark mit ein und trüben oft das bestgewollte und klarste Bild.
Jesus selbst hat aber keine Niederschriften vorgenommen, auf die allein man unbedingt sich streitbar stützen könnte.
Er würde nie etwas gesagt oder geschrieben haben, das sich mit den Gesetzen seines Vaters, den göttlichen Naturgesetzen oder dem schöpferischen Willen, nicht voll und ganz in Einklang stellte. Sagte er doch selbst ausdrücklich:
“Ich bin gekommen, die Gesetze Gottes zu erfüllen!“
Die Gesetze Gottes aber liegen klar in der Natur, die sich allerdings weiter erstreckt als nur auf die Grobstofflichkeit, aber doch auch in der feinstofflichen wie in der wesenhaften und geistigen Welt überall „natürlich“ bleibt. […]
Außerdem aber kann jeder Mensch darüber auch Anhaltspunkte in der Bibel finden; denn Jesus erschien vielen. Was aber geschah? Maria erkannte ihn dabei zuerst nicht, Magdalena erkannte ihn nicht sogleich, die zwei Jünger auf dem Wege nach Emmaus erkannten ihn stundenlang nicht, trotzdem er mit ihnen ging und mit ihnen sprach… Was ist daraus zu folgern?
Daß es ein anderer Körper sein mußte, den sie sahen, sonst hätten sie ihn alle sofort erkannt!

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Auferstehung des irdischen Körpers Christi“)

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Bei Christi Tod zerriß im Tempel der Vorhang, der das Allerheiligste von der Menschheit abschloß. Dieser Vorgang wird als Symbol dafür angenommen, daß mit dem Opfertod des Heilandes im gleichen Augenblick die Trennung zwischen der Menschheit und der Gottheit aufhörte, also eine unmittelbare Verbindung geschaffen wurde.
Die Deutung ist aber
falsch. Mit der Kreuzigung lehnten die Menschen den Gottessohn als den erwarteten Messias ab, wodurch die Trennung größer wurde! Der Vorhang zerriß, weil das Allerheiligste daraufhin nicht mehr notwendig war. Es wurde den Blicken und unreinen Strömungen geöffnet, da, symbolisch ausgedrückt, das Göttliche nach dieser Tat seinen Fuß nicht mehr auf die Erde setzte, womit das Allerheiligste überflüssig wurde.
Also gerade das Gegenteil der bisherigen Deutungen, in denen sich wiederum wie so oft nur eine große Überhebung des Menschengeistes zeigt.
Der Tod am Kreuze war auch nicht ein
notwendiges Opfer, sondern ein Mord, ein regelrechtes Verbrechen. Jede andere Erklärung ist eine Umschreibung, die entweder als Entschuldigung gelten soll oder aus Unwissenheit heraus erstand. Christus kam durchaus nicht auf die Erde in der Absicht, sich kreuzigen zu lassen. Darin ruht auch die Erlösung nicht! Sondern Christus wurde gekreuzigt als lästiger Wahrheitsbringer um seiner Lehre willen.
Nicht sein Kreuzestod konnte und sollte die Erlösung bringen, sondern
die Wahrheit, die er der Menschheit in seinen Worten gab!
Die Wahrheit war aber den damaligen Religionsführern unbequem, ein Ärgernis, weil sie ihren Einfluß stark erschütterte. […] Die damaligen Führer stützten sich wie auch die heutigen zwar auf alte, gute Überlieferungen, aber diese waren durch Ausübende und Erklärende zu nur starrer, leerer Form geworden, ohne noch in sich lebendig zu sein. […]
Der aber dieses notwendige Leben in das bestehende Wort bringen wollte, brachte damit selbstverständlich einen
Umsturz in der Ausübung und Erklärung, nicht in dem Worte selbst. Er befreite das Volk von der niederzwingenden Starrheit und Hohlheit, erlöste es davon, und das war denen ganz natürlich ein großes Ärgernis, die bald erkennen konnten, wie energisch damit in die Zügel ihrer falschen Führung eingegriffen wurde.
Deshalb mußte der Wahrheitsbringer und Befreier von der Last der irrtümlichen Auslegungen verdächtigt und verfolgt werden. Als es trotz aller Mühe nicht gelang, ihn lächerlich zu machen, suchte man ihn als unglaubwürdig hinzustellen. Die „irdische Vergangenheit“ als Zimmermannssohn mußte dazu dienen, ihn als „ungelehrt und deshalb minderwertig für ein Aufklären“ zu stempeln! Als einen „Laien“. […]
Auf seine Aufklärungen selbst ging vorsichtigerweise niemand von den Gegnern ein, da sie ganz richtig fühlten, daß sie bei rein
sachlicher Entgegnung unterliegen mußten. So blieben sie bei der böswilligen Verleumdung durch ihre käuflichen Organe, bis sie sich zuletzt nicht scheuten, bei einem für sie günstigen Augenblick ihn öffentlich und fälschlich anzuklagen und ans Kreuz zu bringen, um mit ihm die Gefahr für ihre Macht und ihr Ansehen zu bannen.
Dieser gewaltsame, damals durch die Römer übliche Tod war nicht als solcher die Erlösung und brachte sie auch nicht.
Er löste keine Schuld der Menschheit, befreite sie von nichts, sondern er belastete die Menschheit als ein Mord im niedrigsten Sinne nur noch mehr!
Wenn sich nun bis heute hier und da ein Kult daraus entwickelt hat, in diesem Morde eine notwendige Hauptsache des Erlösungswerkes des Gottessohnes zu sehen, so wird der Mensch damit gerade von dem Wertvollsten abgezogen, das die Erlösung einzig und allein zu bringen vermag. Es lenkt ihn ab von der
eigentlichen Mission des Heilandes, von dem, was sein Kommen aus dem Göttlichen zur Erde notwendig machte.
Das war aber nicht, um den Tod am Kreuze zu erleiden,
sondern um in den Wust der den Menschengeist herabzerrenden dogmatischen Starrheit und Hohlheit hinein die Wahrheit zu verkünden! Die Dinge zwischen Gott, der Schöpfung und den Menschen so zu schildern, wie sie wirklich sind. […]
Nur in dem Bringen dieser Wahrheit und der damit verbundenen Befreiung von Irrtümern
ruht die Erlösung einzig und allein! […]
Es ist ein großer Fehler, wenn die Menschen glauben, durch den Kreuzestod sei die Vergebung ihrer Sünden gewährleistet. Dieser Gedanke zieht den furchtbaren Schaden nach sich, daß alle die, so daran glauben, dadurch von dem wahren Wege zur Erlösung
zurückgehalten werden, der einzig und allein darin liegt, nach dem Worte des Heilandes zu leben, nach den Erläuterungen, die er als Wissender und alles Überschauender gab. Und diese Erläuterungen zeigen in praktischen Bildern die notwendige Einhaltung und Beachtung des in den Schöpfungsgesetzen liegenden göttlichen Willens, sowie deren Auswirkungen bei Einhaltung und bei Nichteinhaltung.
Sein Erlöserwerk lag in dem Bringen dieser Aufklärung, welche die Mängel und die Schäden der Religionsausübung zeigen mußte, weil sie die Wahrheit in sich trug, damit sie Licht gab in die steigende Verdunkelung des Menschengeistes.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Der Kreuzestod des Gottessohnes und das Abendmahl“)

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„Bist Du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuze! Hilf Dir selbst und uns!“ Höhnend schallten diese Sätze zu dem Gottessohn hinauf, als er unter brennenden Sonnenstrahlen am Kreuz litt.
Die Menschen, welche also riefen, hielten sich für ganz besonders klug. Sie höhnten, triumphierten, lachten haßerfüllt, ohne einen eigentlichen Grund dafür zu haben; denn das Leiden Christi war doch sicherlich kein Grund zu Spott und Hohn, noch weniger zum Lachen. Es würde ihnen auch vergangen sein, wenn sie nur einen Augenblick die gleichzeitigen Vorgänge im feinstofflichen und im geistigen Reiche hätten „sehen“ können; denn ihre Seelen wurden dabei schwer gebunden auf Jahrtausende. Und wenn auch grobstofflich die Strafe nicht so schnell sichtbar werden konnte, so kam sie doch in
allen weiteren Erdenleben, zu denen die frevelnden Seelen daraufhin gezwungen waren.
Die Höhnenden dünkten sich damals klug. Sie konnten aber keinen treffenderen Ausdruck als Beweis ihrer Beschränktheit abgeben als diese Worte; denn darin liegt die kindischste Anschauung, die man sich denken kann. Weit entfernt sind also Sprechende von irgendeinem Verständnisse der Schöpfung und des Gotteswillens in der Schöpfung. Wie drückend ist deshalb das traurige Bewußtsein, daß auch heute noch ein großer Teil von denen, welche überhaupt noch an Gott glauben und an die damalige Sendung seines Sohnes, mit Bestimmtheit denken, daß Jesus von Nazareth vom Kreuze hätte steigen können, wenn er es nur wollte.
Nach zweitausend Jahren noch die gleiche, schläfrige Beschränktheit, ohne Änderung zum Fortschritt! Als von Gott gekommen, mußte Christus nach naiven Anschauungen vieler Gottgläubigen unbeschränkt in seinen Handlungen auf dieser Erde sein.
Das ist Erwarten, aus der ungesündesten Naivität entsprungen, Glaube der Denkträgheit.
Mit einer Fleischwerdung wurde der Gottessohn auch „unter das Gesetz getan“, das heißt, er unterwarf sich damit den Schöpfungsgesetzen, dem unabänderlichen Willen Gottes in der Schöpfung. Da gibt es keine Änderungen, was den irdischen und erdgebundenen Körper betrifft. […]
Deshalb war er an alles mit gebunden, an das der Erdenmensch gebunden ist, und konnte auch als Gottessohn nicht von dem Kreuze steigen trotz seiner Gotteskraft und Macht, solange er im grobstofflichen Fleisch und Blute sich befand. […]
Ist ein grobstofflicher Körper an dem Kreuze festgenagelt, so vermag er ohne fremde Hilfe, ohne grobstoffliche Hilfe, auch nicht freizukommen. Das ist Gesetz nach göttlichem Schöpfungswillen, das sich nicht überbrücken läßt.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Steige herab vom Kreuze!“)

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Bei der Vollkommenheit der Schöpfung als Werk Gottes ist der Zeugungsakt unbedingt notwendig; denn die Allweisheit des Schöpfers hat in der Schöpfung von Urbeginn an alles so eingerichtet, daß nichts zu viel oder überflüssig ist. Wer einen derartigen Gedanken hegt, sagt damit gleichzeitig, daß das Werk des Schöpfers nicht vollkommen sei. Dasselbe gilt dem, der behauptet, daß die Geburt Christi ohne normale vom Schöpfer der Menschheit vorgeschriebene Zeugung vor sich ging. Es muß eine normale Zeugung durch einen Menschen von Fleisch und Blut erfolgt sein! Auch in diesem Falle.
Jeder Mensch, der sich dessen richtig bewußt ist, preist den Schöpfer und Herrn damit mehr als solche, die andere Möglichkeiten zulassen wollen. Die ersteren setzen damit ein so unerschütterliches Vertrauen in die Vollkommenheit ihres Gottes, daß nach ihrer Überzeugung in den von ihm bedingten Gesetzen eine Ausnahme oder Veränderung überhaupt nicht möglich ist. Und
das ist der größere Glaube! Außerdem spricht ja auch alles andere Geschehen unbedingt dafür. Christus wurde Erdenmensch. Mit diesem Entschluß mußte er sich auch den zur grobstofflichen Fortpflanzung von Gott gewollten Gesetzen unterwerfen, da die Vollkommenheit Gottes dies bedingt. […]
Auch könnte man begründen, daß, wenn in
diesem Sinne bei Gott kein Ding unmöglich ist, er ebensogut hätte mit einem einzigen Willensakte alle Menschen der Erde gläubig machen können! Dann brauchte er nicht seinen Sohn mit der Menschwerdung dem irdischen Ungemache und dem Kreuzestode auszusetzen. Dieses gewaltige Opfer wäre erspart geblieben.
Daß es aber
so geschah, zeugt für die Unbeugsamkeit der von Anfang an laufenden göttlichen Gesetze in der Schöpfung, in die ein gewaltsamer Eingriff zu irgendeiner Änderung durch deren Vollkommenheit nicht möglich ist.
Daraufhin könnte von blind streithafter Seite wiederum hartnäckig entgegnet werden, daß es Gottes Wille war, wie es geschah. Das ist ganz richtig gesagt, aber durchaus kein Gegenbeweis, sondern in Wirklichkeit ein
Zugeben vorstehender Begründung, wenn man die naivere Auffassung wegfallen läßt und tieferer Erklärung folgt, die alle Aussprüche geistiger Art unbedingt verlangen.
Es war Gottes Wille! Das hat aber mit einer Willkür nichts zu tun, sondern es bedeutet im Gegenteil nichts anderes, als die Bestätigung der von Gott in die Schöpfung gelegten Gesetze, die seinen Willen tragen, und die damit verbundene unbedingte Einfügung in dieselben, die eine Ausnahme oder Umgehung nicht zulassen.
Gerade in der Erfüllungsnotwendigkeit zeigt und betätigt sich ja Gottes Wille. Sonst brauchte Jesus ja gar nicht erst von einem Erdenweibe geboren zu werden, sondern hätte einfach plötzlich da sein können.
Deshalb mußte sich auch Christus zur Ausführung seiner Mission unabwendbar allen Naturgesetzen, also dem Willen seines Vaters, unterwerfen. Daß Christus dies alles tat, beweist sein ganzes Leben. Die normale Geburt, das Wachstum, der auch bei ihm eintretende Hunger und die Ermüdung, die Leiden und zuletzt der Kreuzestod. Allem, dem ein irdischer Menschenkörper unterworfen ist, war auch er unterworfen. Warum soll nun einzig und allein die Zeugung anderer Art gewesen sein, wozu absolut keine Notwendigkeit vorlag. Gerade in der Natürlichkeit wird des Heilandes Aufgabe noch größer, durchaus nicht kleiner! Ebenso ist Maria deshalb nicht weniger begnadet gewesen in ihrer hohen Berufung.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Die unbefleckte Empfängnis und Geburt des Gottessohnes“)

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Es ist richtig, wenn die Kinder treu behütet und bewacht durch ihre Kinderzeit geleitet werden, wenn der heranwachsenden Jugend durch entsprechende Ausbildung das Rüstzeug für die Wege durch das Erdenleben mitgegeben wird.
Doch dann muß jedem Einzelmenschen auch die Möglichkeit verbleiben, sogar
gegeben werden, sich selbst von dem kleinsten Beginnen an emporzuarbeiten. Es darf ihm nicht von Anfang an alles bequem gemacht werden!
In dem Bequemmachen oder Erleichtern liegt die größte Gefahr als Förderung zu geistiger Trägheit! Und das ist bisher in gutwollendem Familiensinne stets geschehen.
Gift ist es schon für einen Menschengeist, wenn er als Kind im Glauben auferzogen wird, daß er Besitzrecht hat an Erdengütern, die die Eltern sich erwarben.
Ich spreche jetzt von Schäden in rein geistiger Beziehung, was das
Eigentliche bei allen Betätigungen eines Menschen ist. Das muß ihm auch in Zukunft stets bewußt verbleiben, wenn er und seine ihn umgebenden Verhältnisse wirklich gesunden sollen.
Doch auch in
irdischer Beziehung würde eine Änderung darin sofort sehr vieles umgestalten und so manches Übel aus dem Wege räumen. Nehmen wir zum Beispiel an, ein Kind würde gesetzlich auch nur Anspruch darauf haben, bis zu einem ganz gewissen Alter den Schutz und die Fürsorge der Eltern zu genießen mit einer entsprechenden Ausbildung, dann aber bleibt es lediglich freier Wille der Eltern, wie sie über ihr persönliches Eigentum verfügen wollen.
Wie anders würden so viele Kinder dadurch allein schon werden! Wieviel mehr
eigenes Streben würde da erstehen müssen, wieviel mehr Ernst für das Erdenleben, welch erhöhter Fleiß. Und nicht als letztes auch mehr Liebe zu den Eltern, die lange nicht so einseitig verbleiben könnte, wie sie heute oft sich zeigt. […]
Die Änderungen darin würden ohne weiteres schon dazu beitragen, wertvollere Menschen mit größerem Selbstbewußtsein, stärkerem Geiste und erhöhter Tatkraft zu erziehen. […]
Kindern tritt es näher, sich die Liebe ihrer Eltern zu erwerben, anstatt auf die Kindschaft und auch deren Rechte zu pochen, die sowieso einen ganz anderen Sinn hat, als heute angenommen wird, da Kinder dankbar sein müssen, daß ihnen ihre Eltern die Gelegenheit zur Erdinkarnierung gaben, auch wenn die Ablösungen und die Förderungen dabei gegenseitig sind, wie es in allem bei der Auswirkung der Gottgesetze ist.
In Wirklichkeit sind diese Kinder ja doch alle ihren Eltern fremde Geister,
Eigenpersönlichkeiten, welche nur durch ihre Gleichart oder irgendeine frühere Verbindung für die Inkarnierung angezogen werden konnten.
Die Erdeneltern bieten Schutz und Hilfe für die Zeit, welche der Geist braucht, um seinen neuen Erdenkörper vollwertig und selbstverantwortlich zu führen, dann aber muß der Erdenmensch ganz frei auf sich gestellt verbleiben, sonst vermag er nie so zu erstarken, wie es für ihn nützlich ist im großen Schwung der Gottgesetze. Er
soll kämpfen und Widerstände haben, um in deren Überwindung geistig aufwärts, höhenwärts zu kommen.
Eine Änderung in dem bisherigen Anrechtsgedanken eines Kindes an den Besitz der Eltern würde aber noch viel mehr Auswirkungen haben als die schon genannten, vorausgesetzt, daß aufbauende Staatsleitungen sich in ihrem Wirken für das Volk entsprechend einfügen und bahnbrechend den Eltern wie den Kindern dazu helfen. […]
Der heranwachsenden Jugend soll Gelegenheit geboten werden, ihre Geisteskräfte zur Erwerbung ihrer Lebensnotwendigkeiten entfalten zu
müssen, nicht nur können! Das allein würde das Rechte sein; denn dann, auch nur dann kommt sie geistig voran, weil sie sich geistig regen muß.
Statt dessen wird aber so vielen Kindern von den Eltern oder anderen Familienangehörigen gerade dieser für sie zu geistiger Gesundheit notwendige Weg zu sehr erleichtert, er wird den Betreffenden
so bequem wie irgend möglich gemacht. Das nennt man dann Familiensinn und Liebe, oder auch Familienpflicht.
Ich will die Schäden nicht aufzählen, die dadurch entstehen auch bei bestem Wollen; denn auch jeder gute Mensch braucht hier und da zur Stärkung Anstöße von außen her und Zwang.
Freiwillig würde er sich selten nur in eine Lage stellen, wo er gezwungen ist, sich anzustrengen, alle Geisteskräfte aufzuwenden, um der Lage Herr zu werden und sie gut zu lösen. Er würde in den meisten Fällen, wenn er eine Wahl hat, den dafür bequemsten Weg erwählen, um es leicht zu haben, was ihm aber geistig keinen Nutzen bringt.
Die Selbstachtung, sein Selbstvertrauen aber wird erhöht, wenn er mit Mühe und mit Fleiß sich irdisch selbst emporringt und das alles eine Folge
seiner Arbeit ist.
Er schätzt dann den Besitz viel mehr in rechtem Sinne, schätzt die Arbeit und auch jede kleinste Freude, bewertet auch jede Gefälligkeit von anderen entsprechend, und kann sich viel lebendiger erfreuen als ein Mensch, dem vieles ohne Mühe in den Schoß geworfen wird und der die Zeit nur damit auszufüllen braucht, um sich Zerstreuung zu verschaffen.
Zu dem
rechten Strebenkönnen muß man zu verhelfen suchen, wenn man wirklich helfen will. Man darf niemand die Früchte ohne ganz bestimmte Pflichten in den Schoß werfen, welche ein anderer in seinen Mühen sich erwarb.
Natürlich können Eltern ihren Kindern immer noch alles schenken, wenn sie wollen, oder können ihnen aus falscher Liebe heraus den Sinn und die Zeit ihres ganzen Erdenlebens opfern, können sich zu deren Sklaven machen; denn es bleibt ihnen darin der freie Wille, aber da sie kein irdisches Gesetz darin zu etwas zwingen wird, tragen sie in der Wechselwirkung des Gotteswillens die volle Verantwortung dafür
ganz allein für ihre eigene Versäumnis in der Schöpfung und zum Teil auch für den Geistesschaden, der die Kinder dadurch trifft.
Die Menschen sind nicht in der
ersten Linie für Kinder hier auf Erden, sondern für sich selbst, damit sie geistig reifen und erstarken können. Aus falscher Liebe aber wurde dies nicht mehr beachtet. Nur die Tiere leben darin noch in dem Gesetz!

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Das traute Heim“)

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Die Sprache soll den Menschen Macht und Schwert sein, um die Harmonie zu fördern und zu schützen, aber nicht, um Leid und Zwiespalt zu verbreiten.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Dank“)

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Als spirituell ausgerichteter Mensch hat man es in unserer Gesellschaft nicht unbedingt leicht. Es ist selten, daß man jemanden findet, mit dem man überhaupt über derlei Themen sprechen kann (wobei es erstaunlich viele Menschen gibt, die von „mehr Dingen zwischen Himmel und Erde“ berichten, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt – selbst wenn sie diese Erlebnisse nicht einordnen können). Für meine Reise ins Heilige Land entschied ich mich daher bewußt für einen christlichen Anbieter, und es war nett, einfach eine gewisse spirituelle Grundhaltung voraussetzen zu können, selbst wenn unsere Anschauungen voneinander abwichen.
Als Nichtchristin war ich ein ziemliches Kuriosum in der Gruppe, zumal ich ja keine Jüdin, Muslima, Atheistin oder irgend etwas bin, das man mit Allgemeinwissen noch halbwegs hätte einordnen können. Nachdem man mich zuerst aufgrund meines Kreuzes Schwanberg zugeordnet hatte, wurde mein Outing als Bekennerin der Gralsbotschaft erst mal mit höflicher Ratlosigkeit und Zurückhaltung so akzeptiert. Erst später, als man sich ein wenig besser kennenlernte, folgten die Fragen. (Im Gegenzug lernte ich während der Reise natürlich auch viel über praktizierendes Christentum, mit dem wiederum ich bis dato nie etwas zu tun gehabt hatte.) Die meisten drehten sich um Dinge wie „Glauben Sie an Gott?“, „Wie wird Jesus akzeptiert?“, „Wann und wo ist die Bewegung entstanden?“ Da es ja durchaus starke Berührungspunkte zwischen Christentum und der Botschaft gibt, war da leicht anzuknüpfen, und ich empfand es als angenehme Abwechslung, einmal nicht „von der Pike an“ ausführen zu müssen, sondern einfach sagen zu können: Das Christentum versteht dies so und so, die Botschaft erklärt es auf diese und jene Weise. Daß man dabei unterschiedlicher Meinung war, schadete ja nicht. Eine der interessantesten Nachfragen war wohl: „Der Kreuzestod hat also für die Gralsbewegung keine Bedeutung?“ – „Oh doch, sogar eine sehr schlimme.“
Bei der Frage nach der Zahl der Bekenner konnte ich allerdings nur raten und lag dann auch kräftig daneben: Es sind weltweit ca. 40 000.

In diesem Bericht wird es neben dem Äußeren der Reise also auch um das Spirituelle gehen. Ich möchte auch gern aus Lynn Austins Pilgrimage zitieren, das ich schon vor längerem las. Das Buch ist auf deutsch unter dem völlig danebenliegenden Titel Oasenzeiten erschienen, was einerseits Quatsch ist, da es korrekter Wüstenzeiten heißen müßte (der Begriff taucht im Buch auch so auf), andererseits aber paßt, weil der Inhalt sowieso oft danebenliegt.
Ich habe mehrere von Lynn Austins Romanen gelesen, mochte den Bürgerkriegsdreiteiler Refiners’ Fire sehr und zu einem gewissen Grade auch ihre alttestamentarischen Geschichten. Von Pilgrimage hingegen war ich massiv enttäuscht oder vielmehr, es ging mir massiv auf die Nerven. Jammer, jammer – meine Kinder sind erwachsen und ziehen aus, und sie bleiben nicht mal in der Nähe, sondern gehen ganz weit weg. Dabei hatte ich mir alles so perfekt ausgemalt, daß sie immer bei mir blieben. Ich bin so traurig und enttäuscht und depressiv. Ich brauche eine Pilgerreise nach Israel, um zu begreifen, daß das Problem offenbar an meinen Erwartungen liegt. Vermarktet wird so etwas dann als hilfreiches Brevier für alle Christen, die eine Flaute in ihrem Glauben erleben. Nun ja, für das anvisierte Publikum mag es erbaulich sein; ich als Nichtchristin dachte bei jeder „Erkenntnis“ der Autorin immer nur: „Wow, liegt sie zielsicher daneben.“

Meine vier Lieblingsfehlschlüsse:

Beyond the court for Jewish men, access to the Temple continued to become more and more restricted. Only ordained priests and Levites could approach the altar to offer sacrifices. Only they could enter the Temple sanctuary itself and burn incense or light the menorah in the Holy Place. And the holiest chamber of all, the Most Holy Place, separated from the rest of the sanctuary by a curtain, was off-limits to everyone except the High Priest – and he could enter only once a year on the Day of Atonement, bearing the blood of the sacrifice. Imagine the priests’ horror on the day of Christ’s crucifixion when, at the moment of Jesus’ death on the cross, “the curtain of the temple was torn in two from top to bottom” (Matthew 27:51). Christ had opened a direct path to God for everyone who accepted His sacrifice on the cross, men and women, Jews and Gentiles.

Bei Christi Tod zerriß im Tempel der Vorhang, der das Allerheiligste von der Menschheit abschloß. Dieser Vorgang wird als Symbol dafür angenommen, daß mit dem Opfertod des Heilandes im gleichen Augenblick die Trennung zwischen der Menschheit und der Gottheit aufhörte, also eine unmittelbare Verbindung geschaffen wurde.
Die Deutung ist aber falsch. Mit der Kreuzigung lehnten die Menschen den Gottessohn als den erwarteten Messias ab, wodurch die Trennung größer wurde! Der Vorhang zerriß, weil das Allerheiligste daraufhin nicht mehr notwendig war. Es wurde den Blicken und unreinen Strömungen geöffnet, da, symbolisch ausgedrückt, das Göttliche nach dieser Tat seinen Fuß nicht mehr auf die Erde setzte, womit das Allerheiligste überflüssig wurde.
Also gerade das Gegenteil der bisherigen Deutungen, in denen sich wiederum wie so oft nur eine große Überhebung des Menschengeistes zeigt.
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Der Kreuzestod des Gottessohnes und das Abendmahl“)

Jesus zealously guarded the sacredness of the Temple but not for the same reasons that the priests did. In His day, the Court of the Gentiles had been turned into a loud commercial shopping mall where money changers had set up shop and sacrifices were sold. People even used that courtyard as a shortcut to carry merchandise from one side of Jerusalem to the other. If any foreigners like me came to worship, as King Solomon foresaw, they had to fight their way past the animal stalls and noisy bartering marketplace to find a place to pray. Jesus turned all the tables upside down, quoting the prophets Jeremiah and Isaiah as He tossed aside crates of doves and bags of money to cleanse the courtyard. “Is it not written: ‘My house will be called a house of prayer for all nations’? But you have made it ‘a den of robbers’” (Mark 11:17). Jesus cleared the way so that everyone who sought the God of Israel could have access to Him.

Nicht gänzlich falsch, aber viel zu kurz gegriffen. „Mein Haus soll heißen ein Bethaus“ ist der entscheidende Punkt hier. Es ist der Tempel Gottes, der heiligste Ort, den es eigentlich geben sollte. Und die Menschen hatten ihn entweiht, indem sie einen Marktplatz daraus gemacht hatten. Austin legt hier mehr Wert auf Symbolik (Jesus als Weg zum Herrn etc.) sowie auf „Jesus liebt uns“ statt auf das eigentliche Vergehen, das hier stattfand.

When my daughter Maya was fourteen and first felt called to minister to the Jewish people, she discovered an inconsistency in Christian practice. Maya had celebrated Passover with one of her Jewish friends from school and recognized all of the beautiful pictures of Christ in the Passover Seder. She also saw that the Last Supper was a celebration of that same Passover meal, and so when Jesus took the bread and broke it, saying, “This is my body,” He used unleavened bread. She had been taught from Scripture that leaven is a type of sin… one small pinch of it destroys our entire body the way a tiny pinch of leaven raises an entire loaf of bread. She then asked the question – no, she demanded to know – why did our church use leavened bread for Communion? Why did our ministers hold up loaves of leavened bread when they said, “This is Christ’s body, broken for you.” Christ was without sin. Our church should use unleavened bread.
She was right, of course.

sagt die stolze Mutter, ohne zu bedenken, daß diese gesamte Aussage Blödsinn ist. Sauerteig ist definitiv keine „kind of sin“, sondern wurde lediglich als Beispiel verwendet. Wie auch, ähem, Frau Austin: „Das Himmelreich ist gleich einem Sauerteig, den ein Weib nahm und unter drei Scheffel Mehl vermengte, bis es ganz durchsäuert ward.“ Jesus zu seinen Zuhörern. Soviel zu Sinn und Symbolik ungesäuerten Brotes, hm?

Holy means „set apart,“ “dedicated to the service of God.”

Aua. Einfach aua. Und nebenbei:

Aus jeder Gottesbotschaft machtet Ihr Religion! Zu Euerer Bequemlichkeit! Und das war falsch! Denn einer Religion bautet Ihr eine ganz besondere, erhöhte Stufe, abseits von dem Alltagswirken! Und darin lag der größte Fehler, den Ihr machen konntet; denn Ihr stelltet damit auch den Gotteswillen abseits von dem Alltagsleben, oder, was dasselbe ist, Ihr stelltet Euch abseits vom Gotteswillen, anstatt Euch mit ihm zu vereinen, ihn mitten in das Leben und das Treiben Eures Alltags zu setzen! Eins mit ihm zu werden!
Ihr sollte jede Botschaft Gottes ganz natürlich aufnehmen und praktisch, müßt sie Eurer Arbeit einverleiben, Eurem Denken, Eurem ganzen Leben! Ihr dürft nicht etwas für sich Alleinstehendes daraus machen, wie es bis jetzt geschah, zu dem Ihr nur besuchsweise in Ruhestunden geht! Wo Ihr für eine kurze Zeit Euch der Zerknirschung hinzugeben sucht, oder dem Danke, der Erholung. Damit ist es Euch nicht als etwas Selbstverständliches geworden, das Euch zu eigen ist wie Hunger oder Schlaf.
(Vortrag „Gottanbetung“)

Und um auf die beliebte Reaktion „ISRAEL?“ einzugehen, ein Zitat aus einem leider gelöschten Blogeintrag des Anbieters Biblische Reisen:

Reisen ins Heilige Land sind derzeit „völlig unbedenklich“, trotzdem würden immer weniger Pilger und Touristen nach Israel, Palästina und Jordanien kommen. […] Vor allem Reisen, bei denen auch die persönliche Begegnung mit den einheimischen Christen im Zentrum steht, würden immer seltener. Dabei hätten die Christen vor Ort diese Begegnungen so bitter nötig […].

Ich kann vermelden, daß ich mich kein einziges Mal bedroht gefühlt habe oder den Eindruck hatte, in einem Krisengebiet zu sein. Nun sind Touristen dort auch ein bekanntes Bild, und da jeder gern an ihnen verdient… Oder wie Pater Nikodemus Schnabel von der Dormitio schreibt (sein Buch Zuhause im Niemandsland lag dort im Gesprächszimmer aus, und schon allein wegen seines Nachnamens mußte ich es mir ja kaufen):

Trotz dieser geschilderten Ereignisse ist das Heilige Land nach wie vor ein sicheres Reiseland für Pilger und Touristen, da es offenbar eine stille Vereinbarung zwischen allen Kräften gibt, Touristen und Pilger als „Heilige Kühe“ zu behandeln, die man zwar gerne melkt, aber niemals schlachten würde, um im Bild zu bleiben.


Tag 1 ging in erster Linie für die Anreise drauf. Ein gewisses Schockerlebnis zur Einstimmung stellte Gate C13 in Frankfurt dar, das nur für Flüge nach Israel dient und extrem gründliche Sicherheitschecks hat. Danach (selbst bei der Abreise aus Tel Aviv) war alles entspannter.
Nachdem wir in Ben Gurion Airport unser Touristenvisum erhalten hatten (keinen Stempel, buh!), erwartete uns in der Eingangshalle unser einheimischer Guide, ein palästinensischer Christ, der uns in den Folgetagen aus dieser Position zwischen allen Fronten vieles vermitteln sollte, von dem man mit westlichem Allgemein“wissen“ nicht die geringste Ahnung hatte. Und draußen, etwas im Streß, weil an einer Stelle parkend, an der er nicht unbedingt parken sollte, lernten wir unseren Fahrer kennen, einen wirklich knuffligen, liebenswerten Menschen und guten, sicheren Fahrer, was man bei dem doch etwas gewagten Fahrstil im Nahen Osten gut brauchen konnte.
Hier wurde ich zum ersten Mal auf mein Kreuz angesprochen bzw. gefragt, ob ich Schwanberg angehöre. Ich, völlig unbewandert, hatte natürlich noch nie davon gehört. Wir fuhren dann nach Betlehem und erfuhren unterwegs, daß wir doch hoffentlich Regen aus Deutschland mitgebracht hätten, denn das Land brauche ihn dringend – seit Februar sei keiner mehr gefallen.

My palms start to sweat whenever we travel through non-Israeli towns, because no one can be certain if a busload of American tourists will be greeted by souvenir sellers or slingstones.

Als ich diese Passage in Lynn Austins Pilgrimage nach der Reise las, mußte ich wieder mal über „die doofen Amerikaner“ lachen. Auf einer biblischen Reise wechselt man so oft die Gebiete und Zonen, daß die gute Mrs. Austin eigentlich regelmäßig Panikattacken hätte bekommen müssen – aber wahrscheinlich nahm sie die Übergänge gar nicht immer wahr.
Zugegeben, wir waren zu einer Zeit dort, als schon lange Ruhe herrschte. Von gefürchteten Feindseligkeiten oder Sicherheitskontrollen also zumindest für Touristen so gut wie keine Spur. Für die Einheimischen mag’s ganz anders aussehen. Betlehem jedenfalls liegt im palästinensischen Gebiet, und ich kann berichten, daß ich mich keinen Moment dort bedroht gefühlt habe. In der Hotellobby hing ein Arafat-Portrait, der hier ohnedies wie ein Heiliger verehrt wird – an einem Tag sah ich im Vorbeifahren ein großartiges Graffiti, das ich zu gern fotographiert hätte, aber zu spät: Arafat umschwebt von Putten, die palästinensische Flaggen trugen. Super! Überhaupt sind die palästinensischen Flaggen allgegenwärtig; sobald man dann die Grenze in israelische Gebiete überquert, hängen überall israelische Flaggen.

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In den Schöpfungsgeschichten der verschiedenen Völker ist vielfach erwähnt, daß Mann und Frau gleichzeitig erstanden sind. In manchen jedoch auch, daß der Mann zuerst erstand.
Wenn auch die einfach bildhaft gegebenen Vorstellungen darüber hierbei gar nicht in Betracht gezogen werden können, da sie je nach den Entwickelungsstufen der einzelnen Völker und Zeiten gegeben wurden, wir
hier aber das streng gesetzmäßige, wirkliche Schöpfungswissen behandeln, so findet Ihr trotzdem auch darin keinen Widerspruch; denn durch die Euch bisher geschilderten gesetzmäßigen Vorgänge wißt Ihr, daß natürlich erst das gröbere, rein Männliche, Positive aus dem Wesenhaften ausgeschieden werden oder sich lösen mußte, bevor das rein Weibliche verbleiben konnte!
Dabei wäre also der Mann als zuerst erstanden zu schildern möglich, während aber mit derselben Berechtigung gesagt werden kann, daß damit beide
gleichzeitig erstanden. Beide Arten frührerer bildhafter Schilderungen sind in dem eigentlichen, großen, sachlichen Geschehen als richtig bezeichnet zu betrachten; denn es kann ja das feinere Geistig-Weibliche oder das geistige Weib wiederum erst erstehen, wenn das grobe Geistig-Männliche sich aus dem Wesenhaften abgesondert hat, sonst nicht.
Es ist als nach
jeder Richtung hin betrachtet trotz Verschiedenartigkeit der Bilder dafür in den damaligen Wiedergaben richtig ausgedrückt; denn die Erschaffungsschilderungen betreffen ja nicht das Werden in der gröbsten Stofflichkeit, sondern den Beginn der Schöpfung überhaupt, und dieser setzte in dem Reiche des Urgeistigen ein, an der obersten Spitze der Schöpfung, die sich dann daraus abwärts senkend fortlaufend weiterentwickelte.
Es ist bei diesen Schilderungen wie bei allem, was die Erdenmenschen tun […]: Es werden den sich geistig vertiefenden Menschen Eingebungen geschenkt, die sie nicht klar zu erkennen vermögen, und die sie dann einfach bei der an sich deshalb schon verbogenen Weitergabe in ihre jeweiligen Umgebungen, sowie in die ihnen irdisch bekannten Vorgänge, Sitten und Gebräuche zwängen, wobei besonders noch der Verstand nicht versäumt, seinen nicht zu kleinen Teil ebenfalls beizutragen. Daß solches bei den Dingen, die der Erdverstand überhaupt nicht zu erfassen fähig ist, nicht gerade fördernd und klärend wirken kann, sondern entstellend wirken muß, brauche ich wohl nicht besonders hervorzuheben.
Und so erstanden alle derartigen Schilderungen immer nur in leicht oder schwer verbogenen Wiedergaben, an die Ihr […] Euch aber niemals zu fest klammern dürft.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Der Kreislauf der Strahlungen“)

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Vor langer Zeit, wahrscheinlich als ich mir die Oscar-Wilde-Box der BBC zulegte, betrieb ich zum Thema ein bißchen Recherche. Namentlich: Was schrieben deutschsprachige Blätter zu den zwei großen Schlagzeilen im Leben des Schriftstellers – seinem Prozeß und seinem Tod? Das Ergebnis ist nicht uninteressant, erkennt man doch mit Zeitabstand wesentlich besser etwas, das es auch heute noch gibt: Berichterstattung aus einem politisch oder weltanschaulich geprägten Blickwinkel (ganz zu schweigen von dem sturen Abschreiben ganzer Artikel).

Weil ich am Wochenende das Grundgerüst für einen eventuell zu veröffentlichenden Blogeintrag zur zeitgenössischen Berichterstattung über Abd-ru-shin und die Gralssiedlung erstellte (sprich: Ich tippte alle Artikel ab!
G e s p e r r t e Wörter sollten verboten werden, sage ich nur. Wobei… heute gibt es sie ja, glaube ich, gar nicht mehr), kam mir der Gedanke, meine Wilde-Sammlung hier zu präsentieren. Kein Anspruch auf Vollständigkeit natürlich; ich kann nur vorstellen, was digitalisiert wurde und was ich finden konnte.
Sämtliche Rechtschreibfehler bzw. veraltete Schreibweisen *sollten* auf Vorlage beruhen, aber ich will nicht ausschließen, daß der eine oder andere Tippfehler von mir stammt. Alle Falschinformationen (Salome wurde nicht im Exil geschrieben, beispielsweise, und es war nicht The Mikado, sondern Patience) sind definitiv original. Oh, und: G e s p e r r t e Wörter habe ich entsperrt.


Der Rummel beginnt

Die meisten Blätter beschränken sich zunächst auf entweder eine Meldung, der in der nächsten Ausgabe ein Nachtrag folgt, oder, wenn die Drucklegung spät erfolgte, gleich auf eine kombinierte Meldung. Zum Beispiel die
Norddeutsche allgemeine Zeitung, 6.4.1895

London, Freitag 5. April. Gegen den Schriftsteller Oskar Wilde ist ein Verhaftsbefehl erlassen worden in Folge des Ausganges der Verleumdungsklage Wildes gegen den Marquis v. Queensberry, die heute mit der Freisprechung des Marquis endete.
London, Freitag 5. April. Im Laufe des Abends ist die Verhaftung des Schriftstellers Wilde ausgeführt worden.

oder die von mir sehr geschätzte
Neue Freie Presse, 6.4.95

London, 5. April. In Folge des Ausganges einer Verleumdungsklage des Schriftstellers Oskar Wilde gegen Marquis Queensberry, welche mit der Freisprechung des Marquis endete, wurde gegen den genannten Schriftsteller ein Verhaftsbefehl erlassen und derselbe heute Abends verhaftet.

Ähnlicher bis gleicher Wortlaut in der Berliner Börsen-Zeitung, 6.4.95, der Allgemeinen Zeitung München, 6.4., Das Vaterland, 6.4., Deutsches Volksblatt, 6.4., Wiener Zeitung, 6.4., sowie die Berliner Gerichts-Zeitung, 9.4.
Mehr zu sagen hat die
Volkszeitung, 6.4.95

Eine böse Skandalaffaire erregt in London ungeheures Aufsehen. Der Schriftsteller Oscar Wilde, einer der am meisten gefeierten englischen Dramatiker und Mitglied eines der „vornehmsten“ Londoner Klubs, war von dem Lord Queensberry öffentlich beschuldigt worden, sich in sittlicher Beziehung schwer vergangen und eine Anzahl von jungen Leuten aus der „besten“ Gesellschaft zur Begehung beziehungsweise zur Duldung von Sittlichkeitsverbrechen verleitet zu haben. Der so schwer Beschuldigte erhob infolgedessen gegen Lord Queensberry die Klage wegen Verleumdung. Die Sache wurde am Donnerstag und Freitag vor dem Londoner Gericht verhandelt. Nach Schluss der umfangreichen Beweisaufnahme erklärte, wie aus London gemeldet wird, der Kronanwalt, er gebe seine Einwilligung zu einem Urteilsspruche, der auf Nichtschuldig lautete. Die Geschworenen fügten dem den Lord Queensberry freisprechenden Urteil die Bemerkung hinzu, die Anklagen gegen Wilde beruhten auf Wahrheit und Lord Queensberry verdiene den Dank der Nation, daß er Wilde an den Pranger der öffentlichen Meinung gestellt habe. – Gegen Wilde wurde alsbald ein Haftbefehl erlassen.
Im Laufe des gestrigen Abends ist, wie telegraphisch gemeldet wird, die Verhaftung Wilde’s ausgeführt worden.

Oder
Die Presse, 6.4.

(Eine Londoner Scandal-Affaire.) Aus London wird dem “Ill. Wr. Extrabl.“ gemeldet: „Der vom Dramatiker Oskar Wilde gegen den Marquis Queensberry angestrengte Proceß wegen Charakterschmähung endete nach dreitägiger Verhandlung mit der glänzenden Freisprechung des Angeklagten. Marquis Queensberry hatte den Wahrheitsbeweis für die Beschuldigung angetreten, daß Wilde Sittlichkeitsverbrechen verübt habe. Die Jury erkannte die Beschuldigung für wahr, worauf Wilde selbst im letzten Augenblicke von der Anklage zurücktrat, aber zu spät. Oskar Wilde wurde gestern Abends verhaftet und in das Gefängnis in der Bow Street abgeführt. Hier stattete ihm Lord Alfred Douglas, der Sohn des Marquis Queensberry, einen Besuch ab. Als Wilde verhaftet wurde, hatte er bereits seine Koffer gepackt. Er war offenbar im Begriffe, in das Ausland zu flüchten. Der sensationelle Schluß des Processes erregt in allen Kreisen das größte Aufsehen. Zwei Londoner Theater, welche allabendlich Wilde’s Dramen aufführen, beseitigten sofort Wilde’s Namen von den Placaten und Theaterzetteln. – Ein zweiter Bericht meldet: „Ungeheure Sensation wurde gestern dadurch hervorgerufen, daß der Kronanwalt in dem Wilde’schen Libellprocesse gegen Lord Queensberry feierlichst erklärte, er gebe seine Einwilligung zu einem Urteilsspruche, der auf „Nichtschuldig“ laute. Hiermit wird stillschweigend eine verbrecherische Handlungsweise des geistreichen Causeurs und gefeierten Dramatikers für erwiesen erachtet und dieser selbst wird fortan von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Die Geschworenen fügten dem den Lord Queensberry freisprechenden Urtheil die Bemerkung hinzu, die Anklagen gegen Wilde beruhten auf Wahrheit und Lord Queensberry verdiene den Dank der Nation, daß er Wilde an den Pranger der öffentlichen Meinung gestellt habe.“

Auch
Berliner Gerichts-Zeitung, 6.4.

Eine Kriminal-Verhandlung gegen den Marquis of Queensberry, welcher angeklagt ist, den dramatischen Schriftsteller Oskar Wilde schwer verleumdet zu haben, ist in London, im Old Bailey Kriminal-Gericht eröffnet worden. Lord Queensberry händigte seinerzeit seine Visitenkarte dem Portier des Klubs, in welchem Oskar Wilde Mitglied ist, für letzteren aus. Auf der Karte waren in Bleistift Worte geschrieben, welche Wilde unnatürlicher Vergehen bezichtigten, ihn auch anklagten, jüngere Mitglieder der englischen Aristokratie zu derartigen Vergehen verleitet resp. angestiftet zu haben. – Der Gerichtssaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, da der Fall ungeheures Aufsehen erregt. – Weiter wird hierzu folgendes gemeldet: In der Verhandlung gegen den Marquis of Queensberry gab der Anwalt Wildes zu, daß dieser einen etwas übertriebenen Brief an den Sohn des Lord Queensberry, Lord Alfred Douglas, geschrieben und in diesem Briefe den Empfang eines Gedichtes bestätigt habe. Die Briefe des Lord Alfred seien gestohlen worden. Die Diebe derselben hätten versucht, von Wilde Geld zu erpressen, indem sie mit der Veröffentlichung der Originale drohten. Wilde habe die Ueberfahrt für einen der Erpresser bezahlt, habe sich jedoch geweigert, anderen Geld zu verabfolgen. Die Briefe Wildes an Douglas wurden dann in der Verhandlung vorgelesen. Sie bewegten sich insgesamt in anzüglichen, leidenschaftlich sinnlichen Ausdrücken. Wilde behauptet, es seien Gedichte, im Dienst der wahren Kunst abgefaßt. Das Kreuzverhör durch den berühmten irischen Rechtsanwalt Carson zeigte sehr schnell, daß die Verteidigung auf außerordentlich starken Füßen stand. Wilde gab zu, daß der eine Erpresser namens Wood, den er bezahlt habe, um nach Amerika zu gehen, sein beständiger Gefährte gewesen sei, und daß sie allnächtlich Hotels und Restaurants zusammen besuchten, obgleich Woods gesellschaftliche Stellung weit unter der seinigen gewesen sei. Wilde gab ferner zu, den Knaben Shelley, der im Dienste seines Verlegers gestanden, mit zu sich in sein Haus genommen, ihm allein ein Diner gegeben, ihn mit Wein regaliert und ihm Geld geschenkt habe. Er habe ihn auch in Theater und Restaurants geführt, habe mit ihm in Privatzimmern diniert und soupiert. Wilde räumte ferner ein, daß er den Knaben Conway zufällig im Seebade getroffen, ihm Kleider gekauft, Geschenke gemacht, ihn nach Brighton mitgenommen und im dortigen Hotel ein an dasjenige des Knaben anstoßendes Zimmer bewohnt habe. Trotz all dieser schwerwiegenden Umstände leugnete Wilde mit Nachdruck jeden unnatürlichen Verkehr mit ihm und entwickelte in seinen Argumenten mit den Advokaten der Gegenpartei eine bewundernswerte Gewandtheit in der Rede. Die Verleumdungsklage endete nach dreitägiger Verhandlung mit glänzender Freisprechung des Angeklagten. Queensberry hatte den Wahrheitsbeweis geführt für seine Beschuldigung, daß Wilde mit seinem Sohne Lord Alfred Douglas und anderen jungen Männern unzüchtige Handlungen getrieben hätte. Die Geschworenen fanden die Beschuldigung im wesentlichen wahr. Wilde wird voraussichtlich in Anklagezustand versetzt werden.

Tags darauf wird dann in allen Zeitungen sehr ähnlich berichtet:

Neue Freie Presse, 7.4.95

[Telegr.] London, 6. April. (Sittlichkeits-Verbrechen.) Der Schriftsteller Oskar Wilde, welcher gegen den Marquis von Queensberry einen Proceß wegen Charakterschmähung angestrengt hatte und im Verlaufe der Verhandlung selbst mehrerer Sittlichkeits-Verbrechen beschuldigt und sodann verhaftet wurde, erschien heute vor dem Polizeigerichte. Die Beweisaufnahme gestaltete sich sehr belastend. Das Gericht lehnte die Freilassung des Beschuldigten gegen Bürgschaft ab.

(Ebenfalls Das Vaterland, Deutsches Volksblatt, Die Presse, Wiener Zeitung, Berliner Börsen-Zeitung, Berliner Tageblatt, Volkszeitung oder Norddeutsche allgemeine Zeitung, alle vom 7.4.)

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