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Archive for the ‘Mal so gesagt: Zitate’ Category

Das Denken unseres Jahrhunderts ist geprägt von einem Weltbild, das man „naturwissenschaftlich“ nennt. Dieses Adjektiv „wissenschaftlich“ wurde zu einem Kriterium, mit dem man versucht, die Richtigkeit einer Behauptung, einer Theorie oder eines Gedankens zu messen. Wir alle denken in wissenschaftlichen Kategorien, selbst in Bereichen, die im eigentlichen Sinn mit Wissenschaft nichts zu tun haben. So wurden wir in einem hohen Maße „wissenschaftsgläubig“, ohne uns des Widersinns in diesem Wort so recht bewußt zu werden. […] Jede Theorie ist zur Zeit ihrer Erstellung jeweils ein Abbild des Bewußtseinszustandes ihrer Erzeuger. Durch das ständige Weiterforschen entwickelt sich auch der Bewußtseinszustand weiter und läßt bald die frühere Theorie als zu eng erscheinen; eine neue, umfassendere Theorie wird notwendig und so fort. So ergibt sich als zwangsläufiges Gesetz, daß durch die immer weiter fortschreitende Ausweitung des Bewußtseins der Menschheit jede Theorie früher oder später überwachsen wird und neuen Erkenntnissen Platz machen muß. Denn die Wahrheit von heute ist der Irrtum von morgen.
Ein Blick auf die Geschichte der Wissenschaft bestätigt in eindrucksvoller Weise diesen Satz. Die Geschichte der Wissenschaft ist die Geschichte menschlicher Irrtümer. Es gibt jedoch keinen Grund, sich dieser Tatsache zu schämen, denn jeder weiß, daß man am besten aus Fehlern lernt. Grotesk ist lediglich, daß jede Generation absolut sicher ist, daß Irrtümer ausschließlich in der Vergangenheit begangen wurden und sich deshalb durch nichts in ihrer tiefen Überzeugung erschüttern läßt, jetzt die absolute und endgültige Wahrheit gefunden zu haben. In diesem Punkt übertrifft die Glaubensstärke der Wissenschaft mit Leichtigkeit jede religiöse Sekte.
Auch das Verhalten jenen gegenüber, die durch neue Anschauungen die „allgemeingültige Wahrheit“ der Zeit in Zweifel ziehen, hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit religiösem Fanatismus. Allerdings ist es eine der menschlichen Kardinalschwächen, sich gedanklich zu fixieren und diesen eigenen Standpunkt mit aller Kraft bis ans Lebensende zu verteidigen. Hier steht die Wissenschaft lediglich in einer besonders reizvollen Diskrepanz zur (verdächtig) lauten Betonung ihrer Objektivität.

(Thorwald Dethlefsen)

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In schweren Zeiten muß man Gott um Arbeit und um Menschen bitten, für die man leben darf. Leben an sich ist nichts. Für etwas leben ist alles.
(Resi Weglein)

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Sektenklischees, also die öffentlich verbreiteten und mehrheitlich geteilten Vorstellungen darüber, was Sekten sind und was alles so in Sekten passiert, sind exakt so alt wie die sogenannten Sekten selbst. Denn: Es sind schließlich die Klischees, die die Sekten zu Sekten machen. „Sekte“ war und ist seit jeher gleichbedeutend mit: Gottlosigkeit und Verwahrlosung, Vielweiberei und Unzucht, Geldschneiderei und Quacksalberei, Verschwörung und Subversion, Teufelsanbetung und perversen Ritualen oder kurz gesagt: moralisch-ethische Irreführung der Gutgläubigen in der ganzen Bandbreite vorstellbarer Möglichkeiten. Und zwar mit den niederträchtigsten Motiven und den hinterlistigsten Methoden!
So sehen es seit jeher die „Normopathen“, also jene, die wahnhaft dem Glauben daran verfallen sind, dass ihre je eigene Weltanschauung und/oder Religion die einzig normale und richtige ist. Genau darin ähneln sie – um nochmals den schon einleitend erwähnten Psychiater Manfred Lütz zu zitieren – den wirklich „Irren“. Deswegen galt tatsächlich schon immer: Einer sogenannten Sekte anzugehören, ist höchst gefährlich. Aber nicht, weil man „in“ dieser um Leib und Leben fürchten muss, sondern weil man als Sektenanhänger stets die Anwälte der „richtigen“ Lebensweise, die Verteidiger der „echten Kirche“ und die Hüter der „wahren Religion“, die Wächter von „Anstand und Moral“ zu fürchten hat. Und diese sitzen, so lehrt es die Geschichte, immer am längeren und damit potenziell gewaltsamen Hebel der Macht. Insofern haben die Ideologen der Normalität immer auch ein[e] dunkle Seite, denn – und auch das wird mit Recht von Lütz angemerkt – sie „hassen“ all jene, die sich den normopathischen „Wahrheiten“ verweigern.
In Bezug auf die bunte Welt der religiösen Phänomene sind die Normopathen die „Sektenmacher“. Sie sind jene, die allen „Andersdenkenden“ und damit auch den alternativen religiösen Gemeinschaften den Stempel des Abseitigen und Perversen aufdrücken, und in diesem Sinne sind sie die eigentlichen Erfinder jener Klischees, in denen sich das Abseitige und Perverse als Kehrseite „ihrer“ Vorstellungen von Normalität spiegelt.
Das Basismodell der Sektenklischees, der kulturgeschichtlich stereotype Vorwurf des Glaubens an die „falschen“ Götter, der „Religionsfrevel“ und die „Verführung der Jugend“ zur Unmoral, hatte schon Sokrates (ca. 469-399 v. Chr.) den Schierlingsbecher eingebracht. Und dem historischen Jesus ging es bekanntlich nicht besser, denn auch ihm wurden Volksverhetzung und Religionsfrevel nachgesagt. Und natürlich wurden die Anhänger von neuen religiösen Bewegungen zu jeder Zeit verachtet und verspottet. So heißt es in einer öffentlich-offiziellen Schrift eines römischen Kultwächters über die Christen des beginnenden dritten Jahrhunderts:

„Es sind Leute, welche aus der untersten Hefe des Volkes unwissende und leichtgläubige Weiber sammeln, die ja schon wegen der Schwäche ihres Geschlechts leicht zu gewinnen sind und eine ruchlose Verschwörerbande bilden. Sie verbrüdern sich in nächtlichen Zusammenkünften, ein feiges und lichtscheues Volk, stumm in der Öffentlichkeit und nur in Winkeln gesprächig.“

Man erkennt: Sektenklischees waren niemals irgendeiner größeren Wahrheit verpflichtet als der Wahrheit ihrer Erfinder. Sie waren stets Hilfsinstrumente, mit denen ein wie auch immer geartetes „anderes“ Denken oder Handeln in die Kategorie des monströsen Verbrechens gegen Gott und die Welt eingeordnet werden konnte – und damit nicht nur in einem abstrakt-moralischen Sinn, sondern auch ganz konkret „strafbar“ oder mindestens „anrüchig“ war. Deswegen basiert ein Gutteil der Sektenklischees seit jeher auf „Sex and Crime“.

Gerald Willms: Die wunderbare Welt der Sekten – Von Paulus bis Scientology

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Die fanatischen Anhänger der edelsten Ideale verheißen den Nachkommen das ewige Glück, vernichten aber gnadenlos ihre Mitmenschen – oder sie bieten den Toten die paradiesische Seligkeit, morden, verkrüppeln die Lebenden und halten sich selbst für tugendhafte Helden, sind überzeugt, daß sie Böses nur um des künftigen Guten willen tun, daß sie lügen im Interesse ewiger Wahrheiten.

Lew Kopelew

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We have all grown so scientific that the mere idea of supposing anything possible which is beyond the intellectual grasp of the scientific enquirer cannot be entertained, although even he must admit, that in many cases, the greatest men in science, and the mightiest intellects, find it impossible to understand or explain away many things as to the existence of which they have no possible doubt. We even find the clergy slightly inconsistent in questions of this kind. They solemnly desire to impress us with the fact that ministering spirits hover about the couches and apartments in which the dying Christian is drawing near the close of his existence, and preparing to throw off his mortal coil; but were we to suggest the possibility of any mere human being, in any conceivable manner having had indications of the presence of these ghostly visitors, or discovering any signs or premonitions of the early departure of a relative or of an intimate friend, our heathen ideas and devious wanderings from the safe channel of clerical orthodoxy and consistent inconsistency, would be howled against, and paraded before the faithful as the grossest superstition, with an enthusiasm and relish possible only to a strait-laced ecclesiastic.

Alexander Mckenzie: The Prophecies of the Brahan Seer

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„[…] Aber hast du einmal darüber nachgedacht, wie schwer es ist, das Leben zu bejahen? Die meisten Menschen, die das als gesunde Weltanschauung predigen, bejahen gar nicht das Leben, sondern sie bejahen nur sich selbst. […] Das Leben bejahen, heißt alles Leben bejahen, sich selbst in Andacht eingliedern in alles brüderliche Dasein anderer Geschöpfe. […]“

Manfred Kyber: Die drei Lichter der kleinen Veronika

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Aber, höre ich Sie fassungslos stammeln, nachdem Sie mühsam die Sprache wiedergefunden haben, wie kann denn ein Mensch, ein Unternehmer noch dazu, ohne Handy leben? Heute, hier, in diesem unserem Lande? Ohne Religion, ohne Weltanschauung, ohne Ideale, kein Problem, aber ohne Handy?!!

(Stefan Leszko, „The Unavailable“, in: DEGA GaLaBau, 71.2017,3)

Jep, ganz meine Ansicht. Ich bin übrigens auch „unavailable“ und sehe wie Herr Leszko in erster Linie Vorteile darin.

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We spent another hour or so at the Peacedale Public Library, looking at a yearbook from 1978, but lord, it depresses me, being in that fine, old building that’s giving up on books and slowly morphing into nothing more than row after row of computer monitors. If this is what struggling libraries have to do to stay relevant and keep their doors open, I say […] they’re better off shuttered.
(Caitlín R. Kiernan)

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As a lifelong liberal, I never imagined I’d see the emergence of something that can very accurately be called „liberal intolerance“ doing so much damage on college campuses. When I was in college (1983-1991), we fought conservatives and religious fundamentalists for unrestricted free speech and access to all art and literature, not just that which we agreed with and didn’t find offensive or disturbing.

(Caitlin R. Kiernan)

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My husband is fascinated, intrigued, yet still somewhat bemused by the fairer sex. He’s discovered a plethora of feminine dynamics in the years we’ve been married that he admits he’ll never fully understand. […]
Perhaps none more than this: the compliments one woman is allowed to give another.
He heard me telling a girlfriend not long ago that the skirt she was wearing really accentuated her pretty legs. He heard me tell another that her hair was “just lovely” in that color and style. He’s seen other women come up to me, expressing gratitude for a particular personality trait or just to tell me that the blouse I was wearing was really cute.
And for the life of him, he doesn’t see how this works. Men just don’t do this, he tells me. Never, for example, will I ever catch him praising another guy’s hair, or telling a friend how that button-up really brings out the broadness in his shoulders.

(Priscilla Shirer: The Resolution for Women)

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