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Archive for the ‘Ahnenforschung’ Category

Ich habe es lange schleifen lassen, aber nun ist es endlich soweit: Das aktualisierte Werkverzeichnis von Theodor Kleehaas ist hochgeladen und wie immer rechts im Menü zu finden. Es gibt allerlei Neues.

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Lose Sitten

Kürzlich ein bißchen geforscht im hiesigen Kirchenbuchamt. Jedes Archiv ist anders, so auch dieses; auf meinen Hinweis, ich sei das erste Mal dort und ob man mir eine Einführung geben könne, bekam ich die kompletten Mikrofiche der gewünschten Kirchspiele in die Hand gedrückt mit der netten Auskunft, man werde der Kollegin Bescheid sagen, damit sie mir zeige, wie die Geräte funktionieren. Hm. Das brauchte ich ja nun nicht (Fiche-Leser sind eine Wohltat im Gegensatz zu Mikrofilm-Lesern!), und meine dankende Ablehnung irritierte vermutlich. Was soll ich sagen – von Berlin war ich eine weniger informelle Vorgehensweise gewöhnt. Ich mag kleine Archive. Auch in Uslar hatte man mich seinerzeit frei auf die Bestände losgelassen.

Die Verbindung zwischen den Heyersumer und den Hildesheimer Schnabels ließ sich leider nicht herausfinden. Die Kirchenbucheinträge werden auch weniger ergiebig, je weiter man zurückgeht. Immerhin konnte ich mehr über Johann Otto und Johann Jonas, die im Zuge meiner Recherchen schon aufgetaucht waren, herausfinden, und denjenigen, der irgendwann einmal maschinengeschriebene Register erstellt hatte, hätte ich küssen mögen. Ein witziger Fund war ein abgeschriebenes Kirchenbuch, also in verhältnismäßig neuerer Zeit hatte sich mal jemand hingesetzt und die in sehr altdeutscher und teilweise sehr unleserlicher Schreibschrift verfaßten frühen Kirchenbücher in etwas modernere und leserliche deutsche Schreibschrift übertragen. Mit vielen [Klammern] und Vermutungen, was die Namen betraf, denn der selige Herr Pfarrer hatte wirklich eine Klaue gehabt.

Aber nun zum Alltagsleben des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
Man hört landläufig, daß Mütter unehelicher Kinder damals Geächtete waren. Im Zuge meiner Familienforschung hatte ich so manchmal Gelegenheit, das anzuzweifeln, so eben auch jetzt wieder. Ein Kirchenbuch hatte eine extra Spalte „ehelich/unehelich“. Und es gab gar nicht mal so wenige uneheliche Kinder, die getauft wurden. Da frage ich mich doch: Wenn das so etabliert war, daß sogar der Aufbau eines Kirchenbuches dem Rechnung trug, galt es dann wirklich als Schande?
Vielleicht spielten aber auch die Begleitumstände eine Rolle bei der Behandlung der Mutter. Stand die Familie zu ihr oder waren sie und der Kindsvater ein akzeptiertes Paar (in einem Fall nannte die Frau sich öffentlich mit dem Namen ihres Lebensgefährten, obwohl sie nicht verheiratet waren), hatte die Dorfgemeinschaft wahrscheinlich weniger Probleme mit einer unehelichen Schwangerschaft.
Ein einziges Mal fand ich hingegen die betreffende Mutter als „Hure“ bezeichnet. Man lasse sich dabei nicht von modernen Anschauungen beeinflussen. Ja, es *kann* heißen, daß die Dame als Prostituierte tätig war, somit einfach ihre Berufsbezeichnung genannt wurde. Es kann aber auch auf die Wortbedeutung „huren“ zurückgehen, somit bedeuten, die Mutter „hurte herum“, schlief mit einem Mann, mit dem sie nicht verheiratet war, woraus dann das Kind resultierte. Und das kann eine Wertung sein oder auch nicht.

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Diese Aussage der VisitScotland-Seite zur Ahnenforschung kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen; leider – soweit mir bekannt – stifteten allerdings keine Schotten ihre DNA für meine Linie. Manchmal hingegen führt die Suche allerdings auch zu sehr… gewöhnlichen Zielen. Ich konnte nun diverse Lücken im Stammbaum schließen. Hundertprozentig sicher ist es noch nicht, aber vermutlich ist Johann Otto, Stadtsoldat, aus dem Rennen. Es wird da eine Verbindung bestehen – ich meine, wie wahrscheinlich ist es, daß er im Nachbardorf heiratet und nicht irgendwie verwandt ist? Aber vermutlich keine direkte Linie. Die Spur führt derzeit eher zu Christian Schnabel, 1740-1806, Großköther (=Größerbauer) in Heyersum, wenn ich einen Nachweis über die Vaterschaft seines Sohnes Ernst Christian von Johann Heinrich finden kann, der definitv mein Vorfahre war.

Genauso interessierten mich bei der Recherche allerdings die Brüder Carl und Christoph Schnabel, über die ich schon schrieb. Carl wurde zugunsten seines jüngeren Bruders enterbt, weil er zweimal Mädchen ohne Mitgift heiratete, was für Pachtbauern wie seine Familie eine Katastrophe war. (Ich persönlich halte ihn für verhältnismäßig anständig, immerhin waren beide Male die entsprechenden Bräute von ihm schwanger.) Das Bistum als Landbesitzer gab seinen Segen, man wollte ja schließlich Einnahmen sehen. Diese Geschichte faszinierte mich, und ich wollte schon lange mal ermitteln, wie’s weiterging.
Christoph heiratete „besser“ und bemühte sich, als Jungbauer den Hof durchzubringen. Ein Stück Zeitgeschichte: Wie schon bei seinem Vater stellte sich pünktlich alle zwei Jahre ein neues Kind ein. Das beste, was seiner Frau wahrscheinlich passieren konnte, war sein relativ früher Tod mit 48 Jahren. In dieser Zeit hatte seine Frau mindestens zehn Schwangerschaften durchgemacht. Meine Güte! Viele der Kinder überlebten das Säuglings- und Kleinkindalter nicht; ich finde nur drei ohne einen Sterbeeintrag.

Der mißratene Bruder Carl nun wirtschaftete besser, wie’s scheint. Nur drei Kinder mit zwei Ehefrauen (zwei überlebende, laut Aktenlage), und schließlich wurde sein Berufsstand statt mit „Tagelöhner“ mit „Brinksitzer“ angegeben. Er war also zu einem Hof gekommen. Und anscheinend hatten sich die beiden Brüder ausgesöhnt, denn Carl stand Taufpate für einen von Christophs Söhnen.
Carl war übrigens mein direkter Vorfahre.

Spannend ist es definitiv, den Einfluß neuer Technologien auf die Gesellschaft zu beobachten. Nach Anbindung Heyersums an die große weite Welt dank des nahen Bahnhofes Nordstemmen explodieren die Kirchenbücher förmlich mit neuen Nachnamen. Ich habe das erst einmal in der Form so beobachtet, und das war in den 1960ern, als plötzlich ganz neue Vornamen auftauchten und die über Jahrhunderte tradierten ablösten.

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Landleben

Ein Foto, das ich kürzlich wiederfand (draufklicken zum Vergrößern):

Die Überlieferung besagte, es sei ein Erntefoto, aber wenn mich meine Recherche nicht gänzlich täuscht, ist die Gerätschaft ein Pflug – das Ding rechts, wohlgemerkt, der Antrieb ist das andere Monster links im Bild. Sie waren, wohl um auf das Foto zu passen, auseinandergekoppelt worden, wie die hängenden Ketten links beweisen. Also: Pflügen vermutlich mit anschließender Aussaat in Selsingen, Bremervörde, Anfang der 1920er. Circa-datiert werden konnte das Bild, weil meine Großmutter (Baujahr 1917) darauf zu sehen ist: Das kleine Mädchen, das rechts am Rand hockt.

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Die Hildesheimer Akte bietet einen unvorhergesehenen Humorfaktor. Ein Erbstreit, der völlig aus der Bahn gerät; ein frühes Beispiel von unklaren Zuständigkeiten. Nachdem Stadtsoldat Pfingsten sich beharrlich weigerte, seiner Stiefschwiegermutter eine Quittung über die eingeklagten Erbstücke seiner Frau auszustellen, weil er noch weitere Forderungen hatte, nervte „die Wittwe Probsten“ das Neustädter Amt so lange, bis dieses Pfingsten vorlud. Er dachte gar nicht daran, Folge zu leisten, und das geplagte Amt wandte sich schließlich an die „Krieges Stube“, also die Kommandantur der Hildesheimer Stadtsoldaten. Pfingstens Chef und auch die übrigen Herren der Kriegsstube versprachen, mit dem Kollegen zu sprechen, aber auch das half nicht. So wurde Stadtsoldat Pfingsten schließlich an einem Sonntag auf dem Weg zur Kirche von Leuten des Neustädter Rathauses verhaftet. „Bürgermeister und Rath“ der Altstadt, wo Pfingsten entweder wohnte oder arbeitete oder beides, nahm Anstoß an dieser Aktion und wandte sich erbost an ihr Pendant in der Neustadt. Dieses als verhaftende Instanz im Gegenzug sah sich völlig im Recht durch mangelnden Erfolg der Konkurrenz und umständliche Dienstwege und ärgerte sich über die Beschuldigung, ständig ihre Zuständigkeiten zu überschreiten. 1748 war gar nicht so anders als heute.

Mit einer Akte aus dem 18. Jahrhundert hatte ich, wenn ich mich recht erinnere, bislang noch nicht zu tun. Sie bietet zusätzliche Erschwernis. In die deutsche Schreibschrift liest man sich schnell wieder ein, Ausnahme Sauklaue des Altstadt-Schreibers, aber natürlich muß man dabei bedenken, daß viele Wörter ganz, ganz anders geschrieben wurden als in ähnlichen Akten des 19. Jahrhunderts, von der Sprache als solcher ganz zu schweigen. Und es hat lateinische Phrasen! Ich hielt das bisher immer für ein Element aus komischen Opern. Beispiel gefällig?

Da nun endlich Magistratus um des vielen Überlaufens der Wittwe Probsten überhoben zu seyn, bewogen worden, deren Bedienten Befehl zu ertheilen, den beharrlich contumacem realiter zu citiren, welche ihn, weil er nicht ehender habhaft zu werden, sondern die Neustadt gemieden, Sonntags den 11ten Febr. a: c: so lange ad Custodiam gebracht, biß er den 14ten [unleserlich] die General Quitung von sich gestellet, worauf Er so gleich dimittiret worden.

(Soweit klar? Der störrische Stadtsoldat Pfingsten wurde auf freien Fuß gesetzt, nachdem er nach drei Tagen Haft endlich weichgekocht war.)

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Wie das dann immer so kommt. Angeregt von Franks Recherchen in Outlander hatte ich vor, meine Familienforschung wieder aufzunehmen, namentlich den eigentlichen Hauptzweig, wenn man so will, von dem ich meinen Nachnamen habe. Konzentrierte mich lange Zeit auf meine mütterliche Linie, weil, ganz einfach, diese wesentlich einfacher nachzuverfolgen war – denn ehrlich, so häufig ist „Kleehaas“ nicht… (Schweizer Wurzeln, früheste bisher gefundene Erwähnung 1331. Das ist älter als manches Adelshaus.)
Bei den Schnabels sieht’s schon schwieriger aus. Google hilft einem da auf Anhieb nicht weiter. Was ich auf alle Fälle näher begutachten wollte (und immer noch will), ist die Geschichte der zwei Brüder Carl und Christoph Schnabel aus Heyersum. Ich habe mir sagen lassen, daß in Heyersum ein Zwist zwischen zwei Schnabel-Linien existiert(e), von denen offenbar keiner mehr weiß, wie er entstanden ist, und möglicherweise liegen die Wurzeln bei diesem Brüderpaar. Es ging um die Erbschaft des Pachthofes – dramatische Geschichte, mir liegt die Akte vor.
Während ich aber noch hier nachschlug, kam mir der bisher älteste bekannte Ahnherr dieses Familienzweiges in den Sinn, der Hildesheimer Stadtsoldat Johann Otto Schnabell, auch ein interessanter Kandidat. Ich sah mir also seine Daten an… und mußte lachen. Zwar weiß ich bisher nicht viel über ihn, aber er heiratete 1750 Anna Catharina Pfingsten, verwitwete Fernhaber. Somit sind wir genau in der Zeit, die Outlander behandelt. Und sie teilen sogar einen Vornamen. Ich hoffe, die Parallelen enden hier – einen Black Jack Schnabell brauche ich wirklich nicht in meinem Stammbaum.
Johann Ottos Vater war vermutlich ebenfalls Stadtsoldat, und hier wird’s interessant. Im Stadtarchiv Hildesheim nämlich gibt es eine Akte „Klage des Neustädter [=Hildesheimer Neustadt] Magistrates gegen den Juden Moses Herz, den Advokaten Klebert und wegen des Stadtsoldaten Pfingsten. 1744-1748“. Dieser Stadtsoldat Pfingsten war unter Garantie entweder der Bruder oder der Vater von Anna Catharina, denn wie ist es bis heute? Man lernt die meisten Menschen durch den Beruf kennen. Und die Schnabels und die Pfingstens waren offenbar militärische Traditionsfamilien. Genauere Forschung folgt.

Was machten Hildesheimer Stadtsoldaten eigentlich? fragte ich mich. Laut den Beiträgen zur Hildesheimischen Geschichte, enthaltend die darauf Bezug habenden Aufsätze der sämmtlichen Hildesheimischen Wochen- und einiger kleinen Gelegenheitsschriften bis zum Jahre 1828, Band 1 (1829), Aufsatz „Von dem Landsturme, den Landsknechten und Soldaten im Hildesheimischen“:

Beständige Stadt-Soldaten hatte man aber in Hildesheim im sechzehnten Jahrhundert noch nicht, denn, ob wir gleich in den Chroniken lesen, daß die Stadt Hildesheim in der Stiftsfehde, außer den bewaffneten Bürgern, auch Knechte, d. i. Soldaten gehalten, und damit für Bischof Johann IV. die Festung Peine besetzt habe, so wurden diese doch nach beendigter Fehde wieder entlassen, wie dieß die Fürsten mit ihren Landsknechten eben so machten. Die ersten Versuche, beständige Stadt-Soldaten anzuwerben, fallen in die ersten Jahre des siebenzehnten Jahrhunderts. Die städtischen Chroniken besonders, das mehr erwähnte Verzeichniß der Merkwürdigkeiten des Stifts und der Stadt Hildesheim erzählt, daß im Jahre 1606 Soldaten angenommen, und täglich jedes Thor mit 6 Mann derselben besetzt worden sey. Eine andere Chronik erwähnt, daß 1614 den 20. September, im Rathe zu Hildesheim bewilliget sey, 100 Soldaten anzunehmen, und damit die Wache Tag und Nacht zu bestellen, und daß diese Neuerung aus Besorgniß einer Kriegsgefahr, weil die Spanier im gedachten Jahre Wesel eingenommen hätten, veranlaßt worden; diese Soldaten wären auch den 26. September gedachten Jahrs bewaffnet, aber bald wieder abgedankt, weil die Bürger sich geweigert hätten, das Soldatengeld aufzubringen. Ferner: am 20. Febr. 1620, wären 100 Mann Stadt-Soldaten angenommen, um die Wache auf den Wällen und vor den Thoren zu halten, sie wären mit rothen Manteldecken, mit gelben Schnüren (die Farbe des Stadtwappens) besetzt, bekleidet gewesen, und die Bürger hätten monatlich sechs Groschen Soldatengeld geben müssen.
Der bald nachher im dreißigjährigen Kriege in Hildesheim eingetretene gewaltsame Zustand, wo die Stadt in der Zeitperiode von 1632 bis 1643, zweimal von fremden Truppen occupirt wurde, und daher ihrer nicht mächtig war, ließ an keine eigene militärische Einrichtung denken; im Jahr 1643 wurde aber die Stadt, vermöge der damals abgeschlossenen Recesse in den Stand, worin sie vor 1630 gewesen hergestellt, und hiernächst vom Magistrat am 9. November 1643, eine Stadtmiliz von 450 Mann angenommen, welche Zahl sich aber später um etwas vermindert hat. Sie war in drei Compagnien eingetheilt, deren jede von einem Offizier, nämlich eine von dem Capitain-Lieutenant, die andere von dem Lieutenant, und die dritte von dem Fähnrich angeführt wurde. Das Ganze stand unter dem obenerwähnten Stadt-Capitain oder Commandanten, welcher, wenn er einen höhern Titel wünschte, sich solchen von einem Fürsten, dem er vorhin gedient hatte, verschaffte, z. B. Major ec. Zum Unterhalte dieser Stadt-Soldaten, war vorzüglich der Licent oder die Accise angewiesen. Man sehe das Licent-Patent des Magistrats von 1644.
Nichts destoweniger blieben auch die, in ihre neun Beuerschaften der Alt- und Neustadt, als so viele Compagnien, eingetheilten Bürger bewaffnet, unter Anführung ihrer Lieutenants, Fähnriche und Führer, und besetzen die innern Thore der Stadt, wogegen die Stadt-Soldaten die äußern Thore bewachten, man sehe z. B. die Verordnung des Magistrats der Neustadt Hildesheim, vom 13. Mai 1717. Erst in der letzten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, hörte die Bewachung der innern Thore durch die Bürger auf, und wurde den Stadt-Soldaten allein überlassen. Nur am Tage des jährlich abgehaltenen großen Freischießens, sahe man noch außer dem Stadt-Militair einige Compagnien der mit Ober- und Untergewehr bewaffneten Bürger mit ihren Fahnen, und unter Anführung ihrer Bürgeroffiziere, den feierlichen Aufzug machen, um das Andenken ihrer alten militärischen Einrichtung zu erhalten.

Auf http://www.polizeiuniform.de/html/body_tagespolizei.html heißt es:

Die in Hildesheim bereits 1643 gebildete Stadtmiliz trug gegen Ende des 18. Jahrhunderts blaue Röcke mit roten Aufschlägen. Rot waren auch Weste und Beinkleider, der schwarze Dreispitz bildete den Kontrast.

(Ähnlich wie der dort abgebildete Göttinger Nachtwächter, denke ich.)

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Weil in Ellen Moodys Blogs so oft die Rede davon ist*, legte ich mir Staffel 1 von Outlander zu. Wie erwartet, ist die Geschichte eher Standard, mit allen Historische-Romanze-Zutaten: Gleich zwei historische Settings (1945 als „Gegenwart“ und 1743), jede Menge Braveheart, klassische Rollenverteilung (Held, Schurke, comic relief…) und eine Heldin, die oft gerettet werden muß (ich zählte 8 Male in 16 Folgen). Das Nachkriegssetting war in meinen Augen eine praktische Erklärung, woher unsere Heldin die Fähigkeiten hat, die sie so brauchbar im Schottland des 18. Jahrhunderts machen; moderne Heldinnen wären da entweder völlige Loser oder komplett unglaubwürdig. Was mal eine interessante Überlegung ist.
Claire verhält sich und spricht natürlich wie jemand aus 2015, nicht 1945 – sind sich die Macher nicht bewußt, daß man sich vor siebzig Jahren anders ausdrückte als heute? Und daß Claire mit diesem Verhalten in 1945 nicht als moderne Frau, sondern als Gossenweib mit entsprechendem miesen Benehmen eingestuft würde? Von 1743 ganz zu schweigen.
Outlander ist letztlich in guter Tradition beginnend mit Doctor Who oder wohl noch älter. Ich schrieb schon einmal, daß der gute Doctor anfänglich auch nur ein Storyelement war, das erklärt, wie unsere Helden historische Epochen aufsuchen und erleben können. Bei ihm war’s außerirdische Technologie, in Outlander ist es eben Magie.

Während die Handlung eher gemächlich fortschreitet, fand ich überraschenderweise die formalen Dinge viel fesselnder. Die Kameraarbeiten bestechen; mir gefielen besonders die Teaser, die Detailaufnahmen aus alternativen Einstellungen, die für die opening credits verwendet wurden.

Auch die Farbgebung – blaß für 1945, kräftigere Einfärbung für 1743 – gefällt. Bear McCrearys Musik ist großartig, und insbesondere die Verflechtung beider Zeitlinien durch Musik ist originell: Wir finden idyllische Highlandszenen des 18. Jahrhunderts unterlegt mit Jazz… Außerdem natürlich zwei meiner großen Leidenschaften: Kostüme und Sprache! Lange Dialogstrecken in Outlander erfolgen tatsächlich in Gälisch. Was wieder einmal eine meiner Theorien als Hobby-Philologin bestätigt, nämlich daß Dialekte Überreste früherer Stammes- oder Regionalsprachen sind. Die Sprachen selbst sind verschwunden, aber ihre Melodie hat sich erhalten. Vergleicht man die Sprachmelodie des Gälischen und des schottisch eingefärbten Englisch, erhält man das gleiche Ergebnis.

Was gibt’s zur Besetzung zu sagen? Ich kannte bis auf Gary Lewis keinen einzigen der Darsteller, aber das ist das Schöne an der Hoch-Zeit, die Serien aktuell erleben (was ein Thema für einen eigenen Blogeintrag wäre): Es haben viel mehr Schauspieler die Gelegenheit, einen Job und Bekanntheit zu erringen als es bei der früheren Fixierung auf Hollywood-Spielfilme der Fall war.
Eine imposante Erscheinung ist Graham McTavish als der vielschichtige und sich immer in der Grauzone bewegende Dougal – klassischer können die schottischen Highlands nicht werden! Caitriona Balfe mag oder mag nicht eine gute Wahl für Claire sein – ich kenne die Bücher nicht und kann das somit nicht beurteilen. Ich gestehe, mir ging die angebliche Heldin der Geschichte sehr auf die Nerven. Sie ist keine starke, moderne Frau, sondern kurzsichtig, egozentrisch und mitunter schlichtweg dumm, aber vielleicht soll das im Zuge der Charakterentwicklung so sein. Ihre große Stunde schlägt, wie für alle drei Hauptfiguren und ihre Darsteller, erst am Ende der Staffel. Sam Heughan dürfte natürlich der Fanliebling sein, mit viel Schmachtfaktor. Schön dargestellt ist ohne Zweifel die Entwicklung der Beziehung zwischen Claire und Jamie. Sie fängt weder mit Schmacht noch wilder Leidenschaft an, sondern schreitet langsam und über einen langen Zeitraum rein freundschaftlich voran.
Die beste Rolle beziehungsweise Rollen hat Tobias Menzies ergattert: Seine Darstellung wechselt kraß zwischen Claires liebendem, wenn auch zweifelndem Ehemann Frank und dem völlig unberechenbaren, direkt aus einem de-Sade-Roman entstiegenen „Black Jack“ Randall. (Ellen Moody analysiert ausgezeichnet die Faszination dieser grundverschiedenen Darstellung.) Entsprechend ist nach all den mehr oder weniger Standardepisoden die Abschlußdoppelfolge „Wentworth Prison“ / „To Ransom a Man’s Soul“ großes, wenn auch nicht leichtes Kino. Sexszenen sind nie einfach darzustellen; gewalttätige Sexszenen vermutlich noch schwerer; und eine Nummer wie diese… sagen wir, Tobias Menzies und Sam Heughan dürfen sich die Seele aus dem Leib spielen.

Bemerkung am Rande: Ich habe die FSK-Freigaben immer noch nicht verstanden. Dachte lange Zeit, das Zeigen von primären Geschlechtsteilen verdiene eine rote 18, aber schon bei True Blood stellte ich Ungereimtheiten fest. Auch Outlander 1 ist im Deutschen mit einer 16er-Freigabe eher entspannt (UK und US: 18), trotz „the full monty“.

Und noch was, das mir so in den Sinn kam: Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, daß die Redcoats in Fiktion (zumindest bis zu Napoleon) immer als die Bösen dargestellt werden? Ich habe nach Büchern oder Filmen gegoogelt, in denen dem nicht so ist, aber null Treffer. Das nennt man mal einen schlechten Ruf. Findet sich denn so gar kein Schreiber von historischen Romanen mit einem Herz für die britische Armee?


Staffel 2 bricht dann erheblich mit der Highlander-Romantik, als Claire und Jamie ins französische Exil gehen. Da ich nun so überhaupt keine Faszination für die französische Kultur und vor allem für die fiktionale Umsetzung von Paris Mitte des 18. Jahrhunderts aufbringen kann, war es erst einmal eine Beobachtungsübung in „Wie viele Klischees können wir bedienen?“ Auch die Kostüme, die natürlich mehr als üppig sind, halfen da nicht weiter. Zum Glück gab es brauchbarere Szenen – die Staffel mit dem Ende beginnen zu lassen, als eine schwer traumatisierte Claire 1948 ihren (ersten) Ehemann Frank wiedersieht und ihr Leben im modernen Zeitalter wieder aufnehmen muß, war nicht nur eine gute Entscheidung, sondern bietet Raum für einige der besten Charakterszenen. Und a propos, entgegen meiner Befürchtung, daß die Macher bezüglich Jamie schnell zur Tagesordnung übergehen würden, wird sein Trauma nicht ignoriert. Reduziert vielleicht, auf Momente, die Claire betreffen, namentlich versuchte (und scheiternde) Intimitäten oder Jamies Schlaflosigkeit, die Claire zum Handeln treibt, aber zumindest wird nicht behauptet, die Geschehnisse hätten keine Spuren hinterlassen.**

Was dann natürlich auch erhebliche Auswirkungen auf Claires Plan hat, einerseits die Zukunft zu verändern, andererseits aber nicht. Man muß nicht einmal andere Zeitreisegeschichten kennen, um zu wissen, daß das zum Scheitern verurteilt ist! „History takes care of itself“ hieß es sinngemäß in einer anderen Zeitreisegeschichte. Wir sehen das in Outlander: Je mehr Claire und Jamie versuchen, die Geschichte umzuschreiben, desto mehr repariert sich jeder angerichtete Schaden, bis am Ende schließlich alles auf das gleiche Ergebnis hinausläuft.
Meine Mutter äußerte sich einmal, hätte sie einen früheren Verehrer genommen, wäre ihr Leben vermutlich trotzdem sehr ähnlich verlaufen. Es gibt Punkte, die man abarbeiten muß.
So ziehen sich gar nicht mal versteckt übergeordnete Zusammenhänge durch die Handlung der beiden Staffeln. Jack Randall nennt es das Werk des Schicksals, Reverend Wakefield Gottes Plan.

Charaktertechnisch nett zu sehen, daß Claire nach ihrer bitteren Selbsterkenntnis am Ende der 1. Staffel endlich so weit ist, auch Frank in ihre Überlegungen einzubeziehen, nachdem sie ihn zuvor ja recht entspannt zugunsten ihres schottischen Abenteuers abgestreift hatte.
St. Germain als Gegenspieler wollte so gar nicht überzeugen. Während Jack Randalls Verfolgung von Claire und Jamie innerhalb seiner perversen Persönlichkeit immerhin noch Logik ergab, fehlte mir der gesamte Zusammenhang für St. Germains Feindseligkeiten.
Nicht nur Claire und Jamie sind erleichtert, schließlich Paris den Rücken zu kehren und heim nach Schottland zu gehen. Hier nimmt die Handlung auch endlich Fahrt auf.

Die letzte Folge springt – für meinen Geschmack ein bißchen zu viel – zwischen „Neuzeit“ und Vergangenheit hin und her. Die Verwebungen selbst sind schön gemacht und erinnern daran, daß, so selten wir uns das bewußt machen, die Vergangenheit unlösbar mit uns und unserer Gegenwart verwoben ist. Weniger glaubhaft hingegen ist, daß Claire sich zwanzig Jahre später immer noch so nach Jamie sehnt wie gleich nach ihrer Trennung. Stoff für einen Liebesroman, sicher, aber mal ehrlich… (Ich mußte an des Scouts Kritik am Titanic-Ende denken!)

Staffel 2 dreht sich in vielen Dingen um Gut und Böse und wie dünn die Grenze ist, die zwischen ihnen verläuft. Unsere Helden verlieren zunehmend ihren Anspruch auf Rechtschaffenheit, als sie versuchen, die Schlacht von Culloden zu verhindern. Im Gegenzug, wie mit jedem Schurken, den man so lange haßt, bis er zu einem beliebten Gesicht der Truppe geworden ist, werden am Ende selbst Black Jack einige lichtere Momente gegönnt. Auch hier finden wir wieder die Verknüpfungen, Zusammenhänge, Bande, wenn man so will, die die Charaktere der Geschichten aneinander fesseln, so daß jede ihrer Handlungen Auswirkungen auf sie alle haben.
So wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft sind und – ich verweise noch einmal auf Ellen Moody – durch das Medium des Films beständig einander überlappen, sich kreuzen, ineinander übergehen, ist natürlich das Thema der Ahnen, das einen so großen Bereich in Outlander einnimmt, noch ein weiterer Aspekt davon. Frank ist auf den Spuren Jack Randalls, dem Claire begegnet, woraufhin sich der gesamte Stammbaum als verzweigter erweist als gedacht; Brianna wurde 1746 gezeugt und trifft 1968 sowohl den Nachfahren Geillis’ und Dougals als auch dessen Ahnherrin Geillis/Gillian selbst. Eine Metapher für den Einfluß, den die Vergangenheit immer auf die Gegenwart haben wird? Wie es bei Tolkien ungefähr heißt: Es ist immer noch die gleiche Geschichte, nur die Charaktere haben gewechselt. Und, wenn man wie ich an Reinkarnation glaubt, nicht einmal das!

Outlander sollte somit unbedingt mit einem Auge auf die Metaebene gesehen werden, nicht nur auf Handlung und Liebe – langweilig wird das nie!

Übrigens: Schottlands Touristikbranche hat eine nette Seite zu Outlander: https://www.visitscotland.com/see-do/attractions/tv-film/outlander/



* Zum Beispiel (Achtung, massive Spoiler): Folge 1, 2-3, 4-5, 6-7, 8-9, 10-11, 12-13, 14-16, klick, klick und klick

Ich kann nicht allen ihrer Interpretationen zustimmen; sie schreibt grundsätzlich, nicht nur bezüglich Outlander, aus einer Mann-vs.-Frau-Sicht, die, wie jede Auslegung, mehr über ihre persönlichen Anschauungen verrät als über das Thema ihrer Abhandlungen. So entgeht ihr beispielsweise, daß Jack Randall nicht so sehr von Fragen des Geschlechts motiviert ist, sondern von Erniedrigungs- und Unterwerfungsphantasien. Soll heißen, ob er bisexuell/homosexuell ist (sie behauptet in verschiedenen Artikeln beides), hat keinerlei Einfluß auf die Wahl seiner Opfer. Es ist ihm offenkundig völlig egal, ob Männlein oder Weiblein, jung oder alt, die Hauptsache ist, daß er am Ende ihren Widerstand und Willen gebrochen hat. Wir sehen das am Beispiel von Jenny und natürlich Jamie sowie versucht bei Claire und in geringerem Maße („nur“ als Bestrafung für Diebstahl gedacht) bei Fergus. Daß Ellen Moody als Expertin für Literatur des 17. bis 19. Jahrhunderts die klaren Anleihen bei de Sade nicht erwähnt, inklusive Randalls völlig rationale Vorgehensweise, überrascht.

** Angesichts der Popularität der Outlander-Romane wundert es mich ein bißchen, daß dieser Aspekt erst so viel später kopiert wurde. Ich meine, so weit ich das sehen kann, bedeutete Outlander bei Mills & Boon / Harlequin das Ende der Bürgerkriegs- und den Beginn der Highlander-Romanzen. Das ist ein gesamtes Genre. Sexueller Mißbrauch an den Helden von Liebesromanen hingegen tauchte erst in den letzten paar Jahren wieder auf, beispielsweise in Gena Showalters Original Heartbreakers-Serie, Jane Kindreds Waking the Serpent oder Sidney Bells Bad Judgment.

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Alles, was es braucht, um sich zu entstressen und ein Dauerlächeln auf dem Gesicht zu haben, sind für mich die Farm-Serien der BBC: Victorian Farm, Edwardian Farm, Wartime Farm, Tudor Monastery Farm. Insbesondere auch die Christmas Specials, die es zum Glück allesamt auf YouTube gibt, weil die DVDs inzwischen teilweise sehr schwer und teuer zu beschaffen sind. (Oder, im Falle von Tudor, gar nicht.)
Die Folgeserie Secrets of the Castle überzeugte mich nicht so, was wahrscheinlich daran lag, daß unser erprobtes Team dort eher Zaungäste waren, die irgendwo am Rande des Projekts verstaut wurden. Nun gab es das neueste Abenteuer: Full Steam Ahead. Ruth, Peter und nach längerer Auszeit wieder Alex erkunden das Zeitalter der Dampfeisenbahn. Während mich auch diese sechsteilige Serie nicht so mitriß wie es bei den wesentlich längeren Farm-Serien der Fall war, fand ich es doch interessant zu erfahren, welche Bedeutung die Bahn für Großbritannien hatte. Man hört immer viel vom Eisenbahnbau in den USA, aber daß auch und besonders in Europa wesentliche gesellschaftliche Veränderungen erst durch die Bahn in Gang gesetzt wurden, macht man sich fast nie klar. Ich mußte – logisch – viel an meinen Uropa, denken, Eisenbahner und Bahnhofsvorsteher von Nordstemmen zur Zeit der Dampfloks.

Eine Folge, die mich immer wieder besonders anspricht. Viele meiner Vorfahren waren über Generationen Bergleute – nicht in Devon oder Cornwall, sondern in Saarpfalz und Ruhrpott, aber die Bedingungen waren regional nicht wirklich verschieden.
Vielleicht ist das auch ein zusätzlicher Grund, weshalb ich die Farm-Serien so mag. Sie erkunden Geschichte aus dem Blickwinkel des kleinen Mannes. Und das ist es, was meine Familie allesamt war. Bauern und Bergleute. Erst in relativer Neuzeit kam der Mittelstand dazu.

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Selbstportrait

Beim weiteren Vervollständigen (ha!) meiner Kleehaas-Sammlung entdeckte ich „Unterm Ebereschenbaum“, eine Illustration zu einem Gedichtchen in der Illustrirten Welt (ja, ohne ie geschrieben). Für diese scherzige kleine Arbeit überlegte sich Ur(…)onkel Theodor einen eigenen Scherz: Er stellte nämlich sich selbst in der Rolle des Liebsten dar. Ohne Bart, aber trotz Holzschnittreproduktion sofort zu erkennen.

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Fragt sich nun: Brachte er seine Frau in der Rolle der Liebsten unter?

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Und deutet das Gebäude im Hintergrund auf einen spezifischen Ort hin, ähnlich wie sich in „In Kriegsobhut“ ein Hinweis auf den Urlaub in Görnitz verstecken muß?

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Nach wie vorausgesehen langer Zeit kam am Wochenende eine Antwort der Deutschen Dienststelle auf meine Anfrage in Sachen Opa K.s Militärkarriere. Viel mehr als die Familie wußte man dort aber auch nicht. Unterlagen gibt’s nur für 1941, alles andere ist futsch, „vermutlich durch Kriegseinwirkung“, wie es so euphemistisch heißt. Im April 1941 jedenfalls gehörte Opa K. der 14. Kompanie des IR 489 an, die der 269. ID in Ostpreußen unterstand. Macht Opa theoretisch zu einem Kandidaten für den Angriff auf die Sowjetunion, aber man weiß ja nichts. Und zu Kriegsende war er vermutlich in Norwegen, wenn man die Familienüberlieferung richtig deutet. Nun ja. Noch so’n Rätsel mehr, das mit ins Grab genommen wurde.

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