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DVDs in Kürze

Dank eines Kollegen, der Auszüge seiner großen DVD-Sammlung zum Verleih stellte, habe ich ein paar Dinge nachgeholt, die noch auf der Liste standen oder aber komplett neu waren. In Kürze zusammengefaßt:

True Detective 2. Ich war vorgewarnt, daß die Staffel langsam anfange, zum Schluß aber richtig klasse werde. Der ersten Hälfte dieser Aussage kann ich zustimmen, der zweiten leider nicht. Zugegeben, Staffel 2 mußte einen heftigen Vergleich antreten. Und ich erkenne durchaus die philosophischen Gegensätze wie auch gleiche Themen beider Staffeln. (Mehr dazu gleich.) Aber ganz abgesehen von dem superdepressiven Ende schwächelte Staffel 2 für mich an der Zerfaserung des Kernteams. Wir haben die doppelte Anzahl von Hauptpersonen plus Anhang, aber nicht mehr Zeit für Charakterentwicklung. Die Handlung zieht sich in der ersten Hälfte enorm, um dann plötzlich in eine entscheidende Actionszene zu münden, auf die kein Spannungsbogen hingeführt hat. Danach wird’s zeitweilig interessant und verläuft sich irgendwann in Absurditäten. Abgesehen von Paul konnte ich für keinen Charakter auch nur das leiseste Interesse aufbringen.
Sei’s drum: Natürlich paßt das auf seine Art durchaus in den Serienkontext, womit wir beim philosophischen Teil wären. „True Detective“ ist nicht ein willkürlicher Titel, sondern Programm. Denn „true“ heißt ja nicht nur schnöde „wahr“, sondern in seiner älteren Bedeutung „wahrhaftig“, „treu“ (man erkennt die Wortherkunft, gelt?), „loyal“. „True“ und „false“ sind also nicht nur alltägliche Bewertungen, sondern Konzepte von Integrität. (Man vergleiche beispielsweise das Lied „The Bonny Swans“, in dem von „my false sister“ die Rede ist – keine Hochstaplerin, sondern eine „falsche“, also verräterische Schwester. Das gleiche findet sich im Deutschen im Lied von den zwei Königskindern: „Eine falsche Nonne“. Die Dame hatte sich nicht als Nonne verkleidet, sondern sie hinterging, betrog und verriet somit die Prinzessin.)
In Staffel 1 von True Detective nun finden wir genau dieses Konzept. Der Bösewicht fordert im großen Showdown unsere Helden auf, ihre Masken abzulegen. Allerdings tragen sie zu diesem Zeitpunkt keine mehr! Rust hat sich sowieso nie etwas vorgemacht, und Marty ist nach bitterer Erfahrung bei Selbsterkenntnis und Ehrlichkeit angekommen. Sie sind „true detectives“, während es den Schurken der Handlung überlassen bleibt, sich in Lügen und Betrug zu hüllen. Was passiert? Unsere Helden werden schwer angeschlagen, aber sie überleben und humpeln gemeinsam in den Sonnenaufgang.
Staffel 2 nun fährt mit vier Hauptpersonen auf, die alles andere als „true“ sind. Jeder von ihnen schleppt irgendeine Leiche im Keller mit sich herum, und mit der Ausnahme von Ani bleiben sie ihrer Geheimniskrämerei bis zum Ende verhaftet. Was passiert? Alle bis auf Ani kommen um.
Das paßt wiederum zum Thema der Frauen in True Detective, die weiser, stärker und klüger sind als die dazugehörigen Männer. Ein bißchen zu sehr Superfrau für meinen Geschmack, aber über diese Verklärung von Weiblichkeit durch Männer habe ich schon an anderer Stelle geschrieben – nett gemeint, aber realitätsfremd. Staffel 2 hat natürlich zusätzlich das Leitthema Mutterschaft; nicht umsonst endet die Handlung mit einer Madonnenfeier.

The Night Manager. War ein „Kann ich ja mal mitnehmen“-Titel und setzte sich auch so fort. Kann man sehen, war für meinen Geschmack aber ein bißchen zu sehr Le Carré mit allen Standardzutaten.

The Merchant of Venice. Schon extrem lange auf meiner Liste, jetzt endlich abgehakt. Eine Adaption, die die Probleme von Shakespeares Stück deutlich macht – ein Kuddelmuddel aus Tragödie, Farce und fehlender Linie. Großartig Al Pacino als Shylock, womit er natürlich auch die beste Figur erwischt hat. Neben halbgar umgesetzten Themen hat Shakespeare hier aber etwas Erstaunliches geschafft: The Merchant of Venice ist im Grunde genommen eine Gegenüberstellung von Altem und Neuem Testament, was spezifisch in der Gerichtsszene deutlich wird. Durch Shylock symbolisiert finden wir den „alten Bund“ mit seinen Gesetzen, die zwar Gerechtigkeit schaffen, aber denen das wesentliche Element der Nächstenliebe fehlt.

https://clarissaschnabel.wordpress.com/
Unter anderem eine spannende neue Übersetzung von Eine Frau in Berlin. Ich finde die Ausgabe hochpolitisch…

Ich wünschte, ich hätte einen netten Jahresanfang-Eintrag, aber leider hat sich bisher noch nichts gefunden. WordPress* hat nach den „tollen Verbesserungen“ im letzten Jahr offenbar den beliebten Service „The Year in Review“ eingestellt, und ich fange an, mich zu fragen, wann ich mir eine bessere Plattform suche. Also: In diesem Jahr kein statistischer Rückblick – nicht meine Schuld.
Bin derzeit an einem extremen Tiefpunkt angelangt; nicht wegen WordPress natürlich, aber diese Aktion half auch nicht. Worauf habe ich Silvester getrunken? „Daß 2017 besser werde als das fürchterliche 2016.“ Bisher sehe ich noch keine Verbesserung (schlimmer geht immer, ist eine bekannte Weisheit).
Was sind so die kleinen Lichtblicke? Diesen Monat erscheint die I’m Not Ashamed-DVD, interessanterweise bisher nur in den USA, obwohl Großbritannien und neuerdings auch Deutschland bei den Pureflix-Produktionen recht zeitnah folgen. Vielleicht wird’s eine Last-Minute-Bekanntgabe. Und es kommt eine Spielfilmadaption von The Case for Christ, von der ich mir zwar nicht viel verspreche, aber die ich mir wohl antun werde.



* Ich schreibe es hier mit kleinem p, da ich Binnengroßbuchstaben boykottiere. Die automatische Rechtschreibkorrektur, die wirklich nur für den Begriff WordPress durchgeführt wird (die Herrschaften müssen echt viel von sich halten), ändert das jedesmal. Ich möchte hier nur nachdrücklich darauf hinweisen. Keine freiwilligen Binnengroßbuchstaben bei Schnabeline!

Eine US-Filmproduktion, von der ich bis dato noch nie gehört hatte, entdeckte ich durch Amazons Kaufempfehlungen: The Trials of Oscar Wilde von 1960. Keine Frage, daß ich mir diesen Film nicht entgehen lassen konnte – dieses Thema im moralistischen Hollywood der späten 50er und sehr frühen 60er Jahre? Mutig!

Natürlich drängten sich beim Ansehen Vergleiche mit dem großartigen Wilde von 1997 auf, unschlagbar getragen von Stephen Fry in der Titelrolle (es ist unglaublich, sich vorzustellen, daß dies seine erste große Rolle und dann gleich Lead war!) und insbesondere auch Jude Law (damals ein Newcomer) als Bosie. Wilde als Produkt moderner Zeiten konnte selbstverständlich sehr explizit sein, eine Freiheit, die The Trials of Oscar Wilde nicht besaß. Somit fällt das H-Wort den ganzen Film hindurch nicht, oder wie auch immer die Entsprechung 1960 lautete. Seinem Titel Ehre machend, behandelt The Trials of Oscar Wilde die Prozesse ausführlich, während sie in dem sowieso sehr gerafften Wilde kurz zusammengefaßt werden. Überhaupt nimmt sich die ältere Verfilmung mehr Zeit (130 Minuten, fast zwanzig Minuten länger als Wilde), läßt dafür aber auch Wildes frühe Jahre aus und steigt erst bei dem Erfolg von Lady Windermere’s Fan ein. Peter Finch als Wilde kommt sicherlich nicht an Fry heran, darf die Rolle dafür aber auch etwas weniger… wie soll ich’s sagen? Etwas weniger als Sympathieträger anlegen. Wilde wird ja gern als Märtyrer für die homosexuelle Sache angesehen, aber bei aller berechtigter Systemkritik stimme ich eher den Biographen zu, die ihn gleichermaßen als Täter wie als Opfer sehen. Er war definitiv nicht unschuldig; wissentlich und bewußt die Zukunft seiner Familie, seiner Frau und seiner Kinder, aufs Spiel zu setzen, sowohl finanziell als auch gesellschaftlich, ist so ziemlich das Niedrigste, das ein Ehemann und Vater tun kann. Er war selbstverliebt und hatte kein Rückgrat. Alles Dinge, die in eine Charakterdarstellung gehören, und Peter Finch kann zumindest ein wenig davon vermitteln. Überraschend prominent besetzt ist die kleine Rolle des Gegenanwalts Carson mit James Mason, und John Fraser gibt einen im Vergleich mit Law weniger komplexen, aber gleichermaßen unerfreulichen Bosie. Lionel Jeffries wirkt ein bißchen zu klapprig als Queensberry und hat auch nicht den unterschwelligen Witz, den Tom Wilkinson bei aller Brutalität der Rolle verleiht. Verlierer hüben wie drüben sind wieder einmal die Frauen; Yvonne Mitchells Constance ist wie Jennifer Ehles eine standhafte und kluge weibliche Präsenz, aber letztlich eben doch nur das arme Opfer.

Was nun das moralistische Hollywood angeht: Trotz weitgehender Beschränkung auf Fakten fehlt die Moral von der Geschicht‘ dann doch nicht. Obwohl aus heutiger Sicht natürlich wertend, fällt das Urteil für seine Zeit freundlich-neutral aus und spiegelt allein dadurch einen Wandel in der öffentlichen Meinung wider. (Filmgeschichtlich beginnt etwa hier die Ära „Homosexuelle als sympathische Opfer“; man denke beispielsweise an The Children’s Hour/Infam.) Die beiden kommentierenden Anwälte wissen selbst nicht so recht, ob sie ihren Klienten verdammen können oder nicht und landen schließlich beim Urteil „Krankheit“. Andere Vertreter der öffentlichen Meinung sind die entrüsteten Verurteiler und die gemäßigte Stimme, die verlauten läßt, solange „sie“ es nicht in aller Öffentlichkeit täten, sei es doch so was von egal.

Einer der Berater für The Trials of Oscar Wilde war übrigens Vyvyan Holland, der in den Anhängen zu seinen Memoiren trocken anmerkt:

At Portora Royal School, Wilde’s name was removed from the „Honours Board.“
In about 1933 the Headmaster of Portora Royal School, the Rev. E. G. Seale, restored the name of Oscar Wilde to the „Honours Board.“ And in September 1953 the Rev. D. L. Graham, who was then Headmaster, wrote to me: „A portrait of Oscar Wilde now hangs in the school and we have from time to time produced his plays over the last thirty years.“
(Vyvyan Holland: Son of Oscar Wilde)

Ein Bildersturm ohnegleichen geht in diesen Tagen durch Deutschland. Ob es nach solcher Götterdämmerung wohl jemals wieder eine Auferstehung der Nazigrößen gibt? Unbedingt muß ich, sobald ich den Kopf freier habe, mich mal mit Napoleon befassen, den sie auch seinerzeit verbannt und ausgetilgt, doch dann wieder hervorgeholt und erhöht haben.
(Anonyma: Eine Frau in Berlin)

Ein Wort zum…

Bei der Vollkommenheit der Schöpfung als Werk Gottes ist der Zeugungsakt unbedingt notwendig; denn die Allweisheit des Schöpfers hat in der Schöpfung von Urbeginn an alles so eingerichtet, daß nichts zu viel oder überflüssig ist. Wer einen derartigen Gedanken hegt, sagt damit gleichzeitig, daß das Werk des Schöpfers nicht vollkommen sei. Dasselbe gilt dem, der behauptet, daß die Geburt Christi ohne normale vom Schöpfer der Menschheit vorgeschriebene Zeugung vor sich ging. Es muß eine normale Zeugung durch einen Menschen von Fleisch und Blut erfolgt sein! Auch in diesem Falle.
Jeder Mensch, der sich dessen richtig bewußt ist, preist den Schöpfer und Herrn damit mehr als solche, die andere Möglichkeiten zulassen wollen. Die ersteren setzen damit ein so unerschütterliches Vertrauen in die Vollkommenheit ihres Gottes, daß nach ihrer Überzeugung in den von ihm bedingten Gesetzen eine Ausnahme oder Veränderung überhaupt nicht möglich ist. Und
das ist der größere Glaube! Außerdem spricht ja auch alles andere Geschehen unbedingt dafür. Christus wurde Erdenmensch. Mit diesem Entschluß mußte er sich auch den zur grobstofflichen Fortpflanzung von Gott gewollten Gesetzen unterwerfen, da die Vollkommenheit Gottes dies bedingt. […]
Auch könnte man begründen, daß, wenn in
diesem Sinne bei Gott kein Ding unmöglich ist, er ebensogut hätte mit einem einzigen Willensakte alle Menschen der Erde gläubig machen können! Dann brauchte er nicht seinen Sohn mit der Menschwerdung dem irdischen Ungemache und dem Kreuzestode auszusetzen. Dieses gewaltige Opfer wäre erspart geblieben.
Daß es aber
so geschah, zeugt für die Unbeugsamkeit der von Anfang an laufenden göttlichen Gesetze in der Schöpfung, in die ein gewaltsamer Eingriff zu irgendeiner Änderung durch deren Vollkommenheit nicht möglich ist.
Daraufhin könnte von blind streithafter Seite wiederum hartnäckig entgegnet werden, daß es Gottes Wille war, wie es geschah. Das ist ganz richtig gesagt, aber durchaus kein Gegenbeweis, sondern in Wirklichkeit ein
Zugeben vorstehender Begründung, wenn man die naivere Auffassung wegfallen läßt und tieferer Erklärung folgt, die alle Aussprüche geistiger Art unbedingt verlangen.
Es war Gottes Wille! Das hat aber mit einer Willkür nichts zu tun, sondern es bedeutet im Gegenteil nichts anderes, als die Bestätigung der von Gott in die Schöpfung gelegten Gesetze, die seinen Willen tragen, und die damit verbundene unbedingte Einfügung in dieselben, die eine Ausnahme oder Umgehung nicht zulassen.
Gerade in der Erfüllungsnotwendigkeit zeigt und betätigt sich ja Gottes Wille. Sonst brauchte Jesus ja gar nicht erst von einem Erdenweibe geboren zu werden, sondern hätte einfach plötzlich da sein können.
Deshalb mußte sich auch Christus zur Ausführung seiner Mission unabwendbar allen Naturgesetzen, also dem Willen seines Vaters, unterwerfen. Daß Christus dies alles tat, beweist sein ganzes Leben. Die normale Geburt, das Wachstum, der auch bei ihm eintretende Hunger und die Ermüdung, die Leiden und zuletzt der Kreuzestod. Allem, dem ein irdischer Menschenkörper unterworfen ist, war auch er unterworfen. Warum soll nun einzig und allein die Zeugung anderer Art gewesen sein, wozu absolut keine Notwendigkeit vorlag. Gerade in der Natürlichkeit wird des Heilandes Aufgabe noch größer, durchaus nicht kleiner! Ebenso ist Maria deshalb nicht weniger begnadet gewesen in ihrer hohen Berufung.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Die unbefleckte Empfängnis und Geburt des Gottessohnes“)

Weihnachtsgeschenke vor siebzig Jahren – Tipps aus der Nachkriegszeit und zwei Hungerwintern.

„Nun ist die Zeit der Heimlichkeiten…“ aus Ins neue Leben, 28/1946

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„Höchste Zeit für Weihnachtsbastler“ aus Ins neue Leben, 22/1947

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Und auch die Witzseite nimmt sich der Notsituation an. Ich liebe die Ins neue Leben für ihre Nicht-Vermeidungspolitik. (Ebenfalls 28/1946)

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A propos, ein Artikel, hinter dem ich Marta Hillers als Autorin vermute. (Ebenfalls 28/1946) Die Thematik paßt, und es ist ihr Stil – nicht der, in dem sie ihre „erwachsenen“ Artikel oder gar Eine Frau in Berlin verfaßte, aber ihre Jugendartikel.

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„Würden Sie erkennen, ob sie einen Text geschrieben hat oder nicht?“ fragte mich im Zuge meiner Recherchen eine ihrer Verwandten. Ich beantwortete das mit einem Ja, unter Einschränkungen. Sicherlich hätte ich keine hundertprozentige Trefferquote, aber ich traue mir zu, recht gut aussieben zu können. (Geheimtipp: Um Marta als Autorin von nicht gekennzeichneten Artikeln zu erkennen, ist ein starker Anhaltspunkt das „wir“. Eine Stilform, die sie in fast jedem ihrer Artikel bis ins hohe Alter verwendete.)

Victorian Bakers

Eine weitere tolle BBC-„Realdoku“: 4 britische Bäcker entdecken ihr Handwerk aus der Sicht ihrer Vorgänger in den verschiedenen Epochen des viktorianischen Zeitalters. Auch ein Teil deutscher Geschichte!

Etwas verspätet sah ich nun nach 1971 und The Camden 28 den dritten Film in der Nixon-/Hoover-/Vietnam-„Trilogie“, The Most Dangerous Man in America: Daniel Ellsberg and the Pentagon Papers. Was mich an der Geschichte wohl am meisten beschäftigte, waren die offenkundigen Parallelen sowohl zu Adolfs Angriff auf Polen als auch zu George W.s Irakkrieg. Nicht zu vergessen die jüngsten Ereignisse auf der Krim. Ich meine, natürlich schnackt man im Alltag gern darüber, daß die Politiker das Volk sowieso von vorn bis hinten belügen oder, wie im Fall der Media-Akten, der Geheimdienst auch Politikern nicht die Wahrheit sagt, aber es ist etwas anderes, sich bewußt zu werden, wie wenig sowohl Politiker als auch Volk als auch Geheimdienst aus der Geschichte lernen. Erzähl den Leuten nur oft genug, wie sehr der Gegner uns drangsaliert oder welche gefährlichen Waffen er hat, und sie glauben es unbesehen. Immer wieder.

Eine spezielle Art von Horror sind die in den Film eingeflochtenen Tonbandaufnahmen von Nixons vertraulichen Gesprächen. Dem interessierten Zuschauer sind sie vielleicht längst bekannt; allen anderen empfehle ich sie sehr. Bestimmt gibt’s sie irgendwo auf YouTube. Man bekommt richtig Spaß auf die Ära Trump. Oder überhaupt auf unsere aktuelle Ära der Despoten, die wie Pilze aus dem Boden zu schießen scheinen.

Zivilcourage und Ethik sind die beiden wesentlichen Themen, die sich durch die „Trilogie“ ziehen. Ellsberg, die Citizens‘ Commission to Investigate the FBI und die Camden 28 sind Geschichten mit Happy End, was selbstverständlich freut. Es hätte aber auch ganz anders kommen können, und das dürfte leider der größere Teil des Ergebnisses von Zivilcourage sein. Es macht sie umso kostbarer, wenn man sie antrifft.

Wohlfühlfernsehen

Alles, was es braucht, um sich zu entstressen und ein Dauerlächeln auf dem Gesicht zu haben, sind für mich die Farm-Serien der BBC: Victorian Farm, Edwardian Farm, Wartime Farm, Tudor Monastery Farm. Insbesondere auch die Christmas Specials, die es zum Glück allesamt auf YouTube gibt, weil die DVDs inzwischen teilweise sehr schwer und teuer zu beschaffen sind. (Oder, im Falle von Tudor, gar nicht.)
Die Folgeserie Secrets of the Castle überzeugte mich nicht so, was wahrscheinlich daran lag, daß unser erprobtes Team dort eher Zaungäste waren, die irgendwo am Rande des Projekts verstaut wurden. Nun gab es das neueste Abenteuer: Full Steam Ahead. Ruth, Peter und nach längerer Auszeit wieder Alex erkunden das Zeitalter der Dampfeisenbahn. Während mich auch diese sechsteilige Serie nicht so mitriß wie es bei den wesentlich längeren Farm-Serien der Fall war, fand ich es doch interessant zu erfahren, welche Bedeutung die Bahn für Großbritannien hatte. Man hört immer viel vom Eisenbahnbau in den USA, aber daß auch und besonders in Europa wesentliche gesellschaftliche Veränderungen erst durch die Bahn in Gang gesetzt wurden, macht man sich fast nie klar. Ich mußte – logisch – viel an meinen Uropa, denken, Eisenbahner und Bahnhofsvorsteher von Nordstemmen zur Zeit der Dampfloks.

Eine Folge, die mich immer wieder besonders anspricht. Viele meiner Vorfahren waren über Generationen Bergleute – nicht in Devon oder Cornwall, sondern in Saarpfalz und Ruhrpott, aber die Bedingungen waren regional nicht wirklich verschieden.
Vielleicht ist das auch ein zusätzlicher Grund, weshalb ich die Farm-Serien so mag. Sie erkunden Geschichte aus dem Blickwinkel des kleinen Mannes. Und das ist es, was meine Familie allesamt war. Bauern und Bergleute. Erst in relativer Neuzeit kam der Mittelstand dazu.

Weit im Verzug, aber ich sah ehrlich gesagt keine Notwendigkeit, es zu beschleunigen. Sah nun die erste Staffel der Shannara Chronicles. Ich bin ein langjähriger Shannara-Fan, oder vielleicht sollte man sagen, ich war vor Jahren Fan und bin es aus Nostalgie noch, gab aber das Lesen irgendwann auf, weil die Originalität verschwand. Es war das Rechenzentrum, kann ich berichten. Was freute ich mich auf die Begegnung einer ins Archaische zurückgefallenen Kultur mit einer „modernen“ Rechenanlage! Extra dafür schleppte ich mich durch eine wirklich zähe Handlung. Und was war? Das ganze diente nur als Kulisse für eine Kampfszene. Buh!
(Ich stieg dann vor ein paar Jahren kurzzeitig für den ausgezeichneten, finsteren Genesis of Shannara-Dreiteiler wieder zu, der die Word/Void-Serie mit Shannara verband… und stieg schnell wieder aus, als Folge-Prequel-Roman Bearers of the Black Staff mich ganz furchtbar langweilte.)
Aber bis dahin genoß ich durchaus die im wörtlichen und übertragenen Sinne magische Welt der Romane. Anno domini 1996 startete ich nicht, wie sich’s eigentlich gehört, mit The Sword of Shannara, sondern mit Buch 3 der Reihe, The Wishsong of Shannara, und im Nachhinein bin ich sehr froh darüber. In Buch 3 hatte Autor Terry Brooks seine Stimme gefunden. Sein großes Talent, die Charakterisierung seiner Figuren, ist hier am deutlichsten von wohl allen Shannara-Romanen zu erkennen. Außerdem, logisch: Wishsong hat Gareth Jax. Was gibt es darüber hinaus zu sagen?
(Für Nichtkenner: Der Waffenmeister ist die wohl bis heute beliebteste Figur aller Shannara-Romane.)
Sword dagegen ist, was Brooks wahrscheinlich als Jugendsünde bezeichnen würde, hätte es ihm nicht einen solchen Erfolg eingebracht und seine Karriere gestartet. Man erkennt noch extrem deutlich die Anleihen bei The Lord of the Rings. Kein Wunder also, daß alle Filmplanungen (ja, es gab sie schon einige Jahre vor der Serie), bei Buch 2, The Elfstones of Shannara, anfingen – und ja nun auch für die Serie so umgesetzt wurden. Elfstones hat bereits eine große Eigenständigkeit, und man erkennt schon deutlich Brooks’ Markenzeichen in der sehr differenzierten Darstellung seiner drei Hauptfiguren. Im Gegensatz zu Sword ist Held Wil kein Luke Skywalker, sondern ein sehr besonnener und sanfter junger Mann, etwas, das ihn von Anfang an zu einem meiner Shannara-Lieblingshelden aller Zeiten gemacht hat. Gerade die Idee, ihn als einen Heiler zu schreiben, ist ein großartiger Bruch mit gängigen Klischees.

Die erste Staffel der Shannara Chronicles nun hat herzlich wenig mit der Romanvorlage zu tun – man erkennt noch in groben Zügen die Handlung, aber das war auch das. Dennoch störte ich mich gar nicht so sehr daran. Ich habe schon vor einiger Zeit aufgegeben, eine filmische Umsetzung als eine Entsprechung oder einen Ersatz für ein literarisches Werk anzusehen, sondern sehe sie vielmehr als eine Ergänzung.

Daß sie kräftig aufgesext wurde, ist der aktuellen Serienmode geschuldet. Wer trat das los, The Tudors? Ich finde das meist irgendwo überflüssig, da es Serien nur in den seltensten Fällen bereichert, aber offenbar glauben alle Macher, Nacktheit einbringen zu müssen. Sei’s drum. In Dominion strich man es für die zweite Staffel schon wieder extrem zurück, weil, wie gesagt: Es erfüllt keinen Zweck für die Handlung und ist zu wenig, um als Selbstzweck zu dienen.
Was ich als Fan hingegen sehr schätzte, waren die kleinen, feinen Erwähnungen der Vorgeschichte Sword – gar kein großes Eingehen auf Details und so, sondern einfach im Nebensatz fallengelassene Namen und Ereignisse. Sehr nett! Gleiches gilt für das Setting als solches: Bis zur Mitte der Staffel weiß der nicht vorbelastete Zuschauer nicht, in was für einer Welt sich die Charaktere überhaupt bewegen oder was deren Vorgeschichte ist. Nur wer hinschaut, findet in den opening credits alles kompakt zusammengefaßt. Ich war begeistert!

Mangelndes Budget führte leider dazu, daß vieles in, hm, abgespeckter Form gezeigt werden mußte. Extrem betroffen waren beispielsweise Paranor und natürlich Amberles Verwandlung. Die Dämonenhorden, die hier quasi als Ork-Platzhalter verwendet wurden, überzeugten auch nicht gerade. Und die reine Serienerfindung „Elfenjäger“ ließen mich schlichtweg laut lachen: Diese Aufmachung traf man in vielen SciFi/Fantasy-Filmen der guten alten 80er Jahre an. Es kommt eben alles wieder.

In Sachen Charaktere und Besetzung waren es ausgerechnet die unerwarteten Kandidaten, die mich für sie gewannen. John Rhys-Davies wäre so ziemlich der letzte gewesen, den ich als Eventine vermutet hätte, aber im Kontext der Serie gefällt er. Marcus Vancos Bandon, der überhaupt nicht in der Romanvorlage auftaucht(!), mauserte sich zu meinem Lieblingscharakter – in Staffel 2 dürfte er vermutlich als tragischer Oberschurke dabei sein, vielleicht in der Tradition von Brin Ohmsford am Ende von Wishsong. Eventuell, wenn die Macher ein bißchen was drehen, könnte aber auch die Handlung von Sword hier ganz gut verwendet werden. Bandon als Brona, Wil als Shea… ja, ich sehe die Möglichkeiten.

Wie der Meister himself schreibt:

A few clues to share. Last year’s survivors – Wil, Allanon, Eretria and Ander, for starters – will be back to carry on the story. A few others from last year just might reappear, as well. There will be a number of new characters, some of them familiar to you from reading the books. But those you know from the books will be changed to allow for time and age and such to make it feel authentic. The settings will be different. The story will be original but will harken to plotlines you all know.
Now that’s all I am going to say. You have to trust me when I tell you I am comfortable with what is being done – setting Season Two at the end of Elfstones and before the events of Wishsong. Once again, you might think you know where things are going. But you might be seriously wrong.
(http://terrybrooks.net/2016/09/brooksblog-an-update-in-all-things/)