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Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Zum ersten Mal in meinem Leben als Wahlberechtigte wußte ich nicht, wen ich wählen sollte. Es ist immer ein Haken an der Sache. Die Dinge, um deretwillen ich eine Partei wählen würde, werden absehbarerweise aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt; dafür dann die Dinge, die mich am Parteiprogramm stören. Wie man’s macht, ist es falsch.
Die etablierten Parteien haben bei mir verloren. Nach einigem Rumhorchen wird die Stimme wohl an eine kleinere Partei gehen, die meine Werte noch einigermaßen vertritt. Oder vielleicht nehme ich Die Partei. Wobei deren Wahlplakate auch jegliche Satire verloren haben.

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1 Jahr

So, liebes Haus, jetzt müssen wir uns aneinander gewöhnen, Freunde werden, die es durch dick und dünn miteinander aushalten. Mal wird der eine, mal der andere nachgeben müssen. Du bist gute 250 Jahre älter als wir, aber wir hoffen natürlich, dass Du mit der Jugend auch nachsichtig umgehst und ein paar unserer Flausen mitmachst. Wir wollen Dir so viel Respekt zollen, wie es irgend möglich ist. Und wie es Sinn macht, damit Du in unserer gemeinsamen Zeit weiter würdevoll altern kannst.
(https://rueckwanderer.wordpress.com/2014/11/05/der-umzugs-lkw-kommt/)

250 Jahre hat mir das Häuschen vermutlich nicht voraus (niemand weiß genau, wann es gebaut wurde – will ich immer noch mal nachforschen…), aber der Rest trifft durchaus zu.
Seit einem Jahr bin ich nun stolze und oft entnervte Eigentümerin. Kinder, wie die Zeit vergeht. Ich habe inzwischen die ärgsten Macken kennengelernt; an Handwerkern sind… mal überlegen… ein Waschmaschinenmonteur (wegen des Transportschadens), eine Baufirma für Gemischtes (Horizontalsperre + erfolglose Lösungen für Kellerschächte), Maler, Glaser, Ofenbauer (zweiter Kaminofen unter Einbeziehung und Verfluchung des Schornsteinfegers), Tischler (der ein halbes Jahr für zwei völlig schlichte Türen brauchte und das Treppengeländer zum Dachboden komplett vergaß), Klempner (ein Schatz!), Schornsteinbauer (die Geschichte vom Ofenbauer und dem Schornsteinfeger hatte sich bereits zu ihnen rumgesprochen – die Branche in der Region ist überschaubar) und Dachdecker durchmarschiert, dazu zwei Heizungsbauer zwecks Kostenvoranschlag, aus dem dann aber nichts wurde, weil die Finanzierung wegbrach. Daher auch Kaminofen 2.
Die nächsten Baustellen kommen bestimmt. Häuschen wurde nämlich über die Jahrzehnte etwas vernachlässigt, da nur als Ferienhaus genutzt, um es überhaupt in der Familie zu behalten. Ein Dauerproblem ist der hohe Grundwasserstand, der nicht nur meinen Mauern, sondern auch denen der Nachbarschaft zusetzt – nur daß die übrigen Häuser eben dauerhafter bewohnt wurden. „Da können Sie auch nichts machen“, sagte mir der Tischlergeselle beim Bodenabschleifen. „Damit müssen Sie leben.“ Recht hat er. Dann hat’s mein übliches Nachbarschaftskarma, wobei es schon erholsam ist, sich nur noch um zwei Seiten Gedanken machen zu müssen. Wie die Altvorderen gebaut haben, versteht man sowieso nicht; da könnte ich so einige Beispiele anbringen. Negativstes natürlich mein kleiner Hinterhof, der an drei Seiten von Häusern und an der vierten von einer Mauer umgeben ist. Ein echtes Schattendasein sozusagen. Wäre es im Sommer nicht so schön, draußen frühstücken zu können, hätte ich schon längst einen Wintergarten daraus gemacht. (Vorausgesetzt, ich könnte das nötige Kleingeld aufbringen, versteht sich.)
Schön war’s, von meiner Nachbarin zu hören, wie sehr sie sich an dem Weihnachtsgesteck auf meiner Fensterbank (die ihren Hof überblickt) erfreut hatte. „Ich bin ja öfter mal durch das Haus gegangen zum Lüften, und es tat mir immer so leid. Jetzt ist endlich wer da, der sich darum kümmert.“

Dennoch hat’s oft Momente, in denen mir Häuschen zu groß vorkommt. Ich habe zwei Zimmer, die gelegentlich genutzt werden, aber mir ebenfalls schon wieder leid tun, weil ich so wenig mit ihnen mache. Das kleine Vorderzimmer ist sowieso eine bessere Abstellkammer und dient daneben in der helleren Jahreszeit als Sonnenraum. Eigentlich bräuchte Häuschen Leben in der Bude. Eine Familie. Damit kann ich nun nicht bieten. Manchmal kommt es mir so vor, als befände es sich immer noch halb im Dornröschenschlaf. Häuser haben tatsächlich eine Art Seele (meines sogar einen ganz konkreten Hausgeist, wie Muttern einmal feststellte) und einen Charakter. Ich habe mitunter den Eindruck, Häuschen beäugt mich immer noch etwas abwartend.


Durch diese hohle Gasse… kommt keiner, ehrlich gesagt. Sackgasse. Zur Erläuterung, falls das nicht deutlich wird: Das ist der Zwischenraum zwischen Nachbarshaus (links) und meinem. Und ja, der Ausblick aus dem Fenster ließ mit dem Bau meines Häuschens schlagartig zu wünschen übrig. Damals sah man das alles etwas lockerer.

Und was das angeht…

A propos Aussicht: Sieht man hier schlecht, aber dieses Fenster war einstens fast bodenlang. Und schaute auf die hohle Gasse und Nachbars Hof hinaus. Luxus pur.

Nanu, noch weiter geschrumpft? Das ist eine Replik nach modernen Verglasungsansprüchen. Das Original hängt jetzt im Hof.

Der schönste (und neueste) Schornsteinkopf der Nachbarschaft!

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Budapest, 15. Juli. In den hiesigen Mädchenschulen wurde den Schülerinnen am Schlusse des Schuljahres mitgeteilt, daß sie im nächsten Jahre nur dann aufgenommen werden, wenn sie während der Sommerferien ihre kurzen Haare wachsen lassen. Die Eltern wandten sich an die Schulsektion des Magistrats, wo sie die Auskunft erhielten, daß das Verbot der Bubifrisuren eine individuelle Aktion der Lehrkräfte sei, die wahrscheinlich auf eine Bewegung verschiedener klerikaler Frauenvereine zurückzuführen ist. An amtlicher Stelle weiß man von dem Verbot der Bubifrisuren nichts.

Prager Tagblatt, 16.7.1926

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Holunderzeit! Zum ersten Mal komme ich in den vollen Genuß; am neuen Standort wimmelt es von Holunderbüschen. Warm oder kalt als Suppe mit Grießklößchen. Warm mit einem TL Honig als Punch. Sogar die Fauna liebt Holunder – nach jedem Abkochen stürzt sich förmlich jedes Geziefer auf meine Biotonne…

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The King’s Speech

(Der König von England ist aus dem Wasser!) Kürzlich hat eine englische Rundfunkgesellschaft unter ihren Hörern eine Rundfrage nach der schönsten Radio-Sprechstimme veranstaltet. Die Abstimmung ergab ein überraschendes Resultat. Die meisten Einsender erklärten nämlich, daß die Stimme des Königs von England im Radio am schönsten und angenehmsten klinge. Als dem König dieses Ergebnis der Rundfrage zu Ohren kam, lächelte er sehr erfreut und meinte: „Das ist eine angenehme Nachricht! Wenn’s mir in meinem jetzigen Beruf einmal schief gehen sollte, kann ich wenigstens umsatteln und als Sprecher zum Rundfunk gehen!“

(Illustrierte Kronen-Zeitung, 21. Mai 1935)

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Aus Schulfunk, 11. Jg. 1958, März.

Am 1. April 1958 verläßt der erste Jahrgang Wehrpflichtiger der deutschen Bundeswehr nach zwölfmonatiger Wehrdienstzeit die Kasernen, um den alten oder auch einen neuen Zivilberuf aufzunehmen bzw. die unterbrochene Ausbildung fortzusetzen.
Bis zum 1. April 1957 – die Bundeswehr war damals rund 90 000 Mann stark – dienten nur Freiwillige und Berufssoldaten in ihr. Der Jahrgang 1937, der zum erstenmal wehrpflichtige Rekruten stellte, hat bereits bei der Musterung manchem Überraschungen bereitet, da er anders reagierte als vielfach angenommen. Die Bundeswehr war deshalb vor die Aufgabe gestellt, sich Gedanken zu machen über die Situation, in der sich diese jungen Menschen befanden, und über die Erlebnisse, durch die sie auf ihrem bisherigen Lebensweg geprägt wurden. Das führte zu folgenden Erkenntnissen:

1. Der Rekrut von 1957 ist im ganzen nicht besser und schlechter als der früherer Zeiten. Aber er ist anders. Er bringt eine Reihe von Eigenschaften mit, die durch rechte Führung zu positiven Qualitäten für den Soldaten werden können: Arbeitsdisziplin und Fleiß; privates Sicherheitsstreben; Grunderlebnis des Zusammenspiels und der kleinen Gemeinschaft; Freiheitsgefühl und Bestehen auf dem Recht des Einzelnen; Nüchternheit, ja sogar Skepsis; Individualismus.
2. Der Jugendliche von heute ist nicht disziplinlos, aber er ist nicht mehr ohne weiteres bereit, eine Autorität zu respektieren, die sich nur auf Namen, Rang, Titel oder Dienststellung gründet. Er wird aber menschliche und fachliche Überlegenheit anerkennen.
3. Der Jugendliche wird sich von nichts beeindrucken lassen, was unecht, hohl und pathetisch ist. Auf der Ebene einer nüchternen, unpathetischen Sachlichkeit ist jedoch eine Verständigung über die militärischen und staatlichen Traditionen unserer Vergangenheit möglich.
4. Die deutsche Geschichte ist vielen nur noch ein Trümmerfeld von Fragezeichen. Der staatspolitischen Information in der Truppe ist deshalb die Aufgabe gestellt, die Trennungslinie zu finden zwischen dem, was für alle unantastbar sein muß, und dem, was diskutiert werden kann und soll, ferner begreiflich zu machen, daß auch Menschen mit verschiedenen geschichtlichen und politischen Anschauungen in einem Staat zusammenleben und an einem Geschütz Dienst tun können.
5. Die Rekruten bringen eine ursprüngliche Vertrautheit mit der Technik mit.
6. Sie sind außerordentlich empfindsam in allem, was ihre Menschenwürde betrifft. Bereits der jungen Mensch kennt heute seine staatsbürgerlichen Rechte, pocht auf sie und ergreift ohne Zögern die Mittel, sie durchzusetzen.

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Spuren

Im Fachwerker-Forum entdeckt und mich sofort sehr heimisch gefühlt. 🙂

… auf den Hundertwasser-Kindergarten schauend: An den Brandfleck kommt ein Pfeil dran, daneben schreibst Du „War ne geile Party!“ – und die Möbelkonturen malst Du nach und schreibst

„Omis Lieblingskommode“…

…“Der hässliche Schrank ist endlich weg!“…

… und „Platz für neues Sofa“…

… dran.
Sorry, der musste sein 😉

Dirk

🙂
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Ramona
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Lach, gar keine schlechte Idee. So könnten die geschätzt 7000 Macken des Hauses eine ganz neue Bedeutung gewinnen 🙂

Jep, gute Taktik. Werde ich übernehmen. 🙂 An den mysteriösen Buckel neben meiner Küchentür:

„Hast du einen Buckel?“
„Äh… nein.“
„Hier – hast du einen.“

(Drakensang-Spieler werden den verstehen.)

Oder an meinen feuchten Gewölbekeller: „Innenpool.“ (Pro m² können angeblich bis zu 100 l Wasser gespeichert sein.)

Oder…

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Daß das Zentrum von Kleinstädten stirbt, hört man ja oft. Ich kenne es aus meiner Heimatstadt. Wesentlicher krasser jedoch fiel es mir in meinem neuen Wohnort Elze auf. Die so passend benannte Hauptstraße (ich liebe logische Straßennamen) zieht sich tatsächlich wie eine Hauptschlagader mitten durch den Ort und war, wie man deutlich erkennt, einmal gesäumt von Geschäften aller Art. Elze muß einmal im Zentrum geboomt haben.
Und dann kamen die Supermärkte, die großes Gelände verlangten und somit an den Ortsrand gingen. Die Käufer zogen nach, denn wer läuft schon von Laden zu Laden, wenn er die Einkäufe in einem einzigen Geschäft abwickeln kann? Zuletzt kam in den letzten Jahren der Onlinehandel dazu, und damit war das ehemals pulsierende Zentrum tot. Derzeit halten sich noch einige letzte Geschäfte wacker: Bäcker, Fleischer, einige Cafés und Restaurants. Aber es ist kein Vergleich zu dem, was es einmal gewesen sein muß.

Vorläufig geschlossen…

Immerhin eine Art von Nachnutzung.

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Bitter

Gerade bei einer Recherche zu einem ganz anderen Thema in den Innsbrucker Nachrichten vom 25.3.1936 entdeckt:

Aus Ankara wird gemeldet: Das türkische Justizministerium hat dreißig Frauen zu Richtern an verschiedenen türkischen Gerichten ernannt. Sämtliche sind Absolventen der juristischen Fakultät von Istanbul.

Heute kehrt man zu traditionellen Werten zurück, nun ja.

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Steigende Wohnpreise sind hier in aller Munde; daher war ich ein wenig überrascht, auch auf Francine Rivers’ Seite davon zu lesen. Offenbar ist auch in den USA die große Umwanderungswelle wegen unbezahlbar gewordenen Wohnraums ein Thema.

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