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Posts Tagged ‘True Detective’

Nicht geliehen, sondern meine:

A Life in Dirty Movies. Eine Dokumentation über Joe Sarno, der in den 60ern und teilweise 70ern als Softporn-Filmemacher berühmt wurde. In einer Ära, in der Pornos als solche noch nicht existierten, drehte Sarno Sexfilme, in denen wenig explizit gezeigt, aber dem Zuschauer vorgegaukelt wurde, er würde alles sehen. Sarnos Filme besaßen einen überraschend künstlerischen Look, Handlung und Dialoge(!), sie konzentrierten sich auf weibliche Sexualität (insbesondere den psychologischen Teil derselben), und sie waren auch sonst, wie einer der Kommentatoren erläutert, eigentlich das komplette Gegenteil dessen, was man heute von Pornos erwartet – namentlich dadurch, daß in ihnen Sex immer irgendwie mit Schuld assoziiert wird. Darf ich „Antiklimax“ sagen? Sarnos Ära endete mit dem Aufkommen von Hardcore-Filmen, einem Stil, mit dem Sarno nichts anfangen konnte.
Die Doku folgt Sarno und seiner Frau bei ihrem letzten geplanten Projekt. Sehr schräg, sehr seltsam, aber unterhaltsam!

Jessica Jones, Staffel 1. Hochgelobt von der Kritik, und zu Recht. JJ ist eine Frauenserie im besten Sinne, nicht nur mit einer weiblichen Superheldin, sondern mit einer starken Riege von Frauengestalten. Jessica Jones schafft genau das, woran True Detective wie erwähnt scheitert, nämlich Frauen glaubhaft darzustellen, mit Stärken und Schwächen, als Opfer und Täter und alles dazwischen. Es überrascht nicht, daß die Serie eine Frau am Steuer hat! In einer Umkehrung quasi aller Superheldenproduktionen und Krimiserien stellen Frauen die Überzahl der Charaktere, die Männer dürfen diesmal als unterstützende (und hindernde) Kräfte auftreten. Und in logischer Folge ist Superschurke Kilgrave die Horrorvorstellung eines Gegenspielers aus weiblicher Sicht. Hier geht es nicht um Weltherrschaft, Waffen oder coole Kostüme. Das sind männliche Dinge. Nein, Kilgrave ist eine archetypische Manifestation jahrtausendealter weiblicher Alptraumszenarios, und das macht ihn als Figur so glaubhaft. Er ist Stalker und Vergewaltiger, er beraubt Frauen ihres freien Willens und versucht sie nach seinen Vorstellungen zu formen, und, was ich für eine ungemein gelungene, weil realistische Darstellung halte, er versteht dabei die Vorwürfe seiner Opfer nicht, weil er sich keiner Schuld bewußt ist. Kilgrave ist einer der extrem wenigen Gegenspieler, ob Superschurke oder Normalo, die in meinen Augen überzeugen – weil er real ist. Ich frage mich, ob männliche Zuschauer das so nachvollziehen können.
David Tennant liefert hier natürlich eine andere Vorstellung als in Doctor Who, ein bißchen einseitiger, weniger sprühend, aber erheblich gruseliger. Was mich allerdings permanent irritierte, war dank Fünftagebart seine Ähnlichkeit zu Bruce Marchianos Jesus aus der Encounter-Film- und nun auch Fernsehserie!

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Carrie-Anne Moss hat mit Anwältin Hogarth endlich wieder eine richtig gute Rolle ergattert, was mich freut.
Auffällig neben der hohen Anzahl von leading ladies ist außerdem die hohe Anzahl schwarzer Charaktere. Quotenschwarze? I don’t think so.
Für die Fans gibt auch eine Menge Anspielungen auf das Marvel-Universum, bei denen ich leider zu 99% passen mußte.

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Dank eines Kollegen, der Auszüge seiner großen DVD-Sammlung zum Verleih stellte, habe ich ein paar Dinge nachgeholt, die noch auf der Liste standen oder aber komplett neu waren. In Kürze zusammengefaßt:

True Detective 2. Ich war vorgewarnt, daß die Staffel langsam anfange, zum Schluß aber richtig klasse werde. Der ersten Hälfte dieser Aussage kann ich zustimmen, der zweiten leider nicht. Zugegeben, Staffel 2 mußte einen heftigen Vergleich antreten. Und ich erkenne durchaus die philosophischen Gegensätze wie auch gleiche Themen beider Staffeln. (Mehr dazu gleich.) Aber ganz abgesehen von dem superdepressiven Ende schwächelte Staffel 2 für mich an der Zerfaserung des Kernteams. Wir haben die doppelte Anzahl von Hauptpersonen plus Anhang, aber nicht mehr Zeit für Charakterentwicklung. Die Handlung zieht sich in der ersten Hälfte enorm, um dann plötzlich in eine entscheidende Actionszene zu münden, auf die kein Spannungsbogen hingeführt hat. Danach wird’s zeitweilig interessant und verläuft sich irgendwann in Absurditäten. Abgesehen von Paul konnte ich für keinen Charakter auch nur das leiseste Interesse aufbringen.
Sei’s drum: Natürlich paßt das auf seine Art durchaus in den Serienkontext, womit wir beim philosophischen Teil wären. „True Detective“ ist nicht ein willkürlicher Titel, sondern Programm. Denn „true“ heißt ja nicht nur schnöde „wahr“, sondern in seiner älteren Bedeutung „wahrhaftig“, „treu“ (man erkennt die Wortherkunft, gelt?), „loyal“. „True“ und „false“ sind also nicht nur alltägliche Bewertungen, sondern Konzepte von Integrität. (Man vergleiche beispielsweise das Lied „The Bonny Swans“, in dem von „my false sister“ die Rede ist – keine Hochstaplerin, sondern eine „falsche“, also verräterische Schwester. Das gleiche findet sich im Deutschen im Lied von den zwei Königskindern: „Eine falsche Nonne“. Die Dame hatte sich nicht als Nonne verkleidet, sondern sie hinterging, betrog und verriet somit die Prinzessin.)
In Staffel 1 von True Detective nun finden wir genau dieses Konzept. Der Bösewicht fordert im großen Showdown unsere Helden auf, ihre Masken abzulegen. Allerdings tragen sie zu diesem Zeitpunkt keine mehr! Rust hat sich sowieso nie etwas vorgemacht, und Marty ist nach bitterer Erfahrung bei Selbsterkenntnis und Ehrlichkeit angekommen. Sie sind „true detectives“, während es den Schurken der Handlung überlassen bleibt, sich in Lügen und Betrug zu hüllen. Was passiert? Unsere Helden werden schwer angeschlagen, aber sie überleben und humpeln gemeinsam in den Sonnenaufgang.
Staffel 2 nun fährt mit vier Hauptpersonen auf, die alles andere als „true“ sind. Jeder von ihnen schleppt irgendeine Leiche im Keller mit sich herum, und mit der Ausnahme von Ani bleiben sie ihrer Geheimniskrämerei bis zum Ende verhaftet. Was passiert? Alle bis auf Ani kommen um.
Das paßt wiederum zum Thema der Frauen in True Detective, die weiser, stärker und klüger sind als die dazugehörigen Männer. Ein bißchen zu sehr Superfrau für meinen Geschmack, aber über diese Verklärung von Weiblichkeit durch Männer habe ich schon an anderer Stelle geschrieben – nett gemeint, aber realitätsfremd. Staffel 2 hat natürlich zusätzlich das Leitthema Mutterschaft; nicht umsonst endet die Handlung mit einer Madonnenfeier.

The Night Manager. War ein „Kann ich ja mal mitnehmen“-Titel und setzte sich auch so fort. Kann man sehen, war für meinen Geschmack aber ein bißchen zu sehr Le Carré mit allen Standardzutaten.

The Merchant of Venice. Schon extrem lange auf meiner Liste, jetzt endlich abgehakt. Eine Adaption, die die Probleme von Shakespeares Stück deutlich macht – ein Kuddelmuddel aus Tragödie, Farce und fehlender Linie. Großartig Al Pacino als Shylock, womit er natürlich auch die beste Figur erwischt hat. Neben halbgar umgesetzten Themen hat Shakespeare hier aber etwas Erstaunliches geschafft: The Merchant of Venice ist im Grunde genommen eine Gegenüberstellung von Altem und Neuem Testament, was spezifisch in der Gerichtsszene deutlich wird. Durch Shylock symbolisiert finden wir den „alten Bund“ mit seinen Gesetzen, die zwar Gerechtigkeit schaffen, aber denen das wesentliche Element der Nächstenliebe fehlt.

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