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Posts Tagged ‘The Frankenstein Chronicles’

Filmwitze über Bibliothekare kennt unser Berufsstand zur Genüge. Schön zu sehen, daß wir dann und wann auch mal Superhelden sein dürfen. Giles aus Buffy ist ein Beispiel; das nette Zombie-Comic der McPherson College Library (pdf derzeit offline) ein anderes; und The Librarians aus der gleichnamigen, auf dem Filmdreiteiler The Librarian beruhenden Serie ein weiteres. Und wie beide mit dem „deutschen“ Übersetzungstitel The Quest belastet wurden, darüber will ich lieber nicht spekulieren. Während unsere Bibliothekare sicher nicht viel über RAK oder RDA wissen, dürfen sie als klassische Heldengruppe immer mal wieder die Welt retten. Ich habe in letzter Zeit anspruchsvollere erste Staffeln gesehen, mit besseren Special Effects, aber The Librarians war die einzige (von The Frankenstein Chronicles abgesehen), bei der ich auch Lust auf die Folgestaffeln hatte.

Inspiriert von The Frankenstein Chronicles schaute ich die Tage wieder einmal Gothic, definitiv einen der interessanteren und sich verhältnismäßig gut gehaltenen Filme der 80er. Er ist nun nicht besonders historisch korrekt, egal, was er vorgibt; aber das ist auch nicht wirklich wichtig. Es ist ohnehin unmöglich zu sagen, wo die „reale“ Handlung in Träume abgleitet und in wessen Träume. Gothic ist eine Phantasie aus Erotik und Horror, und das ist Daseinsberechtigung genug.

Durch Melody Carlsons Newsletter wurde ich auf eine neue Jugendbuchserie aufmerksam gemacht, die allein durch ihre Idee neugierig machte.

What if Jesus was in high school today?
Who would he hang out with?
What would he do?
What would he say?

In Book 1, THE BATTLE BEGINS, the stage is set and introductions are made by none other than Satan himself . . . as he tries to destroy Eli’s mission before it ever begins.
Future episodes will be told from the personal viewpoints of Eli’s fellow students:

MAGGIE, the all-school sleep-around
JUDAS, the super-rich friend, always looking for an angle
MARTHA, the good, uber-religious girl
TOMMY, the pessimistic downer
PETE, the hot-tempered jock with a bad case of foot-in-mouth disease

BEST-SELLING AUTHORS: Bill Myers, Melody Carlson, Jeff Gerke, Krista MGee, and Shawn Hopkins unite their talents to write these thought-provoking novellas of what Jesus would do if he were a teen in today’s world.

For more information go to https://www.amarismedia.com/eli-diaries

Ich mag Melody Carlsons Bücher sehr. Sicher, sie ist eine Vielschreiberin, daher wiederholt sich nach einer Weile alles; aber im Gegensatz zu ihren Kollegen weicht sie „unangenehmen“ Themen nicht aus. Lynn Austin beispielsweise ist ein Paradebeispiel dieses Musters der christlichen Schreibe. Melody Carlson hingegen ignoriert die Probleme der Welt nicht und wiegelt sie auch nicht ab – ja, in ihren Büchern begehen selbst Christen Selbstmord, das date rape wird nicht in letzter Sekunde verhindert, homosexuelle Mitschüler sind weder die Bösen noch bekehren sie sich am Ende, und sie schrieb sogar eine Heldin mit „übernatürlichen“ Fähigkeiten. Eine unbequeme christliche Autorin, und das macht sie so lesenswert, selbst wenn sich ihre Plots vom nichtchristlichen Standpunkt immer noch sehr brav und bekehrend lesen. Keine Frage also, daß diese in einer Parallelwelt angesiedelte Buchreihe auf meiner Vormerkliste landete.

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„I mean, they can’t have been at it all the time, can they, as they’ll have us believe. […] I’ll bet Lord Byron, for example, spent many an evening on his own with a poached steak and the Times crossword puzzle.“

Mit diesem unerwartet angetroffenen Zitat mußte ich definitiv diesen Eintrag beginnen. Es stammt aus Rumpole of the Bailey, eine der Serien, die ich dank Amazons Kaufempfehlungen entdeckte und die neben einigen anderen das heutige Thema bildet. Und ja, „the late Lord Byron“ spielt tatsächlich eine verbindende Rolle. Wer hätt’s gedacht.

Wer diese Punkte im Leben kennt, wo sich so absolut nichts bewegt, kann nachvollziehen, daß ich recht verzweifelt nach Unterhaltung suchte. Während ich Rumpole schon früher gefunden und zunächst auf meine Beobachtungsliste gesetzt hatte, schaute ich nun gezielt nach interessant klingenden Serien in Amazons Sortiment. Treffer 1-10 sind dort natürlich sämtliche Ausgaben von Game of Thrones. Ich oute mich als untrendy und erkläre, daß ich zumindest Staffel 1 nicht das geringste abgewinnen konnte. Nun gut, vielleicht Sean Bean. Und die starken Anleihen beim Nibelungenlied (Kriemhilds Rache!) waren amüsant.

Von Rumpole of the Bailey hatte ich vor Amazon noch nie gehört. Die Serie lief Anfang der 80er auch hierzulande, aber das war vor meiner bewußten Erinnerung. Sie ist ein Produkt der späten 70er und bringt einen entsprechenden Charme mit. Eine Gerichtsserie, die so gar nichts mit Gerichtsverhandlungen zu tun hat, wie ich sie aus Film und Fernsehen kannte. Liegt entweder daran, daß sie so alt ist oder aus Großbritannien statt den USA stammt. Oder beides. Niemand kämpft bis zur Aufopferung für seine Klienten, die Juristen sind spöttische Pragmatiker, und jeder Richter hat so seine ganz eigenen Schrullen. Erhellendes Zeitkolorit. Wer Spannung, Helden und den Sieg des Guten über das Böse erwartet, ist hier falsch. Die Serie ist nett zu schauen, ein bißchen gemein, aus heutiger Sicht komplett politisch inkorrekt. Ganz nebenbei frischt man seine Kenntnisse in britischer Poesie auf.

Das hielten wohl auch die Macher von The Frankenstein Chronicles für eine gute Idee. Jeder glaubt den Plot von Frankenstein zu kennen, scheinen sie sich gesagt zu haben, doch keiner hat das Buch gelesen oder weiß viel über seine Entstehungsgeschichte und die Zeit und die Kreise, in die es eingebettet ist. Presto! Was erklärt all dies besser als eine Serie, die auf einer Ebene eine Kriminalgeschichte um Frankenstein und seine Autorin Mary Shelley aufbaut und auf einer anderen Ebene geschickt die Handlung des Buches innerhalb ihrer eigenen Handlung adaptiert? So fällt denn auch mal der Name Byron, Percy Shelley hat einen Gastauftritt, William Blake darf von der ahnungslosen jungen Generation kennengelernt werden, moderne Medizin und moderne Polizeiorganisation sind gerade erst im Entstehen begriffen. Sean Bean ermittelt als Vorläufer eines Scotland-Yard-Inspektors, die von mir sehr gern gesehene Anna Maxwell Martin besitzt als Mary Shelley einige wichtige Informationen. Spannend und für Kenner des Buches und „Byron’s crowd“ ein echter Genuß. Ich hoffe, die angekündigte zweite Staffel kommt zustande.
(Young Romantics von Daisy Hay bietet eine sehr schöne Darstellung der „crowd“. Byron, die Shelleys und ihr Kreis waren schon sehr moderne Promis, mit Skandalen, katastrophalen Beziehungen, Geliebten und unehelichen Kindern. Und dennoch ist etwas Schönes an der Freundschaft dieser „jungen Wilden“. Ich las das Buch 2014, das überhaupt ein gutes Lesejahr war – ich las sehr viele interessante Bücher. Amazons Bestellhistorie sei Dank.)

Keinen Lord Byron, aber jede Menge andere berühmte Charaktere der Geschichte trifft man in Da Vinci’s Demons an, das mir schon mehrfach von Amazon empfohlen worden war. Die Serie sieht sich wie eine Kreuzung aus Shakespeare in Love und Sherlock mit ein bißchen MacGyver und natürlich Game of Thrones untergemischt. Was sie definitiv nicht sein will, ist ein Biopic oder historisch korrekt. Der gute Leonardo ist ein fescher junger Abenteurer, der Rätsel löst und irre Gerätschaften baut und nebenbei Florenz vor dem päpstlichen Zugriff retten muß. Nach langer Zeit sah ich Alexander Siddig mal wieder, und besonders gefiel die Rolle, die Tarot sowohl in der Handlung als auch als Titelgeber der einzelnen Folgen spielt. Die Abschlußepisode der ersten Staffel mit den Liebenden zu besetzen, war ausgezeichnet. Unterhaltsame Abenteuerserie, macht Spaß. Nur am unnötigen Nacktheitsgehalt haben sie hoffentlich in späteren Staffeln gearbeitet.

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