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Posts Tagged ‘T. E. Lawrence’

Im aktuellen Newsletter der T. E. Lawrence Society gelesen, daß ein neuer, „kontroverser“ Film über Lawrence gedreht werden soll. Ich amüsiere mich immer über all die „controversies“ und „detractors“, von denen es im Wortschatz des Lawrence-Fans nur so wimmelt. Was nun so kontrovers an der geplanten Produktion sein soll, bleibt unklar. Es wird nur unterschwellig suggeriert. Vermutungen meinerseits sind: L könnte als homosexuell dargestellt werden. Es könnte um seinen Masochismus gehen (was allerdings kein Geheimnis ist und somit nicht kontrovers sein kann). Es könnten die Schattenseiten seines Charakters porträtiert werden. Also in meinen Augen alles legitime Themen für eine filmische Umsetzung – und vielleicht wird es ja auch eine Miniserie, was viel passender wäre!

Nachtrag: Oder natürlich das: https://www.bournemouthecho.co.uk/news/17204204.row-erupts-as-new-telawrence-film-denied-access-to-his-former-home-cloud-hill/
Ich gebe zu, das Verhalten paßt zu vielen Lawrence-Fans, zu denen „custodian and volunteers“ von Clouds Hill nun mal gehören. Mit der Unterscheidung von Fiktionen und Fakten haben’s die Hardliner nun mal nicht so… Die Entscheidung wurde inzwischen (mit Recht) widerrufen, daher ja auch der Aufreger im Newsletter.

Und noch ein Nachtrag:
Erinnert sich jemand an Rühmanns Pater Brown, wie er seine Gemeinde nicht vor Karl Schönböcks kontroverser Show warnt? „Zu schlecht.“ Ähnliches ging mir beim Betrachten des Vortrailers (die Dreharbeiten sind noch nicht mal abgeschlossen, also…) von Lawrence after Arabia durch den Kopf. Was regt sich die Fangemeinschaft eigentlich so über diesen „kontroversen Film“ auf? Was ich bislang gesehen habe, ist einfach zu schlecht. Vor allem für eine Produktion, die sich als Abschlußteil der „Lawrence-Trilogie“ versteht. A Dangerous Man war auch eine kleine Indie-Produktion, aber sie funktionierte, weil sie keine Höhenflüge erstrebte. Um mit David Lean mitzuhalten, muß sich „Teil 3“ definitiv noch tüchtig anstrengen.

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Bei der Sichtung, was seinen Weg zu Momox finden soll und was nicht, wieder zur Hand genommen: Behind the Lawrence Legend und The Boy in the Mask. Ich kann mich von beiden Büchern nicht trennen. Sie beschreiben, jedes auf seine Art, die Freuden des Recherchierens so perfekt. Die Personen, denen man begegnet. Die toten Enden. Die ungeahnten Schatzfunde. Und auch lange, frustrierende Fleißarbeit. (Gestern zum Beispiel fast den gesamten Tag damit verbracht, digitalisierte Zeitungen auf Meldungen hin durchzusehen. Einzige vorhandene Suchfunktion: Die eigenen Augen.) Sie fassen das zusammen, was das ganze ausmacht, und sie sind eine Liebeserklärung, die jeder, der ähnliches unternommen hat, sofort versteht. Bei mir kamen so viele Erinnerungen wieder hoch! Das Endprodukt, eine Biographie, ist ja nur die Hälfte der Geschichte. Ich habe während der Marta-Recherche oft gewitzelt, ich müßte ein Making of schreiben. Und immer war da das schwer in Worte zu fassende Gefühl, Fäden aus anderen Leben aufzunehmen und weiterzuführen, neu zu verknüpfen. Was Marta und Trude und all die anderen wohl dazu gesagt hätten, daß ihre Freunde und Verwandten und deren Nachfahren plötzlich aktiviert und miteinander verbunden würden?

Dabei kurioser Fund diese Woche: Dagobert von Mikusch schrieb an einen Bekannten in der Steiermark, ehemals Oberleutnant, also mit größter Wahrscheinlichkeit einer seiner Kriegskameraden. Geboren, aufgewachsen und zum Zeitpunkt des Ersten Weltkrieges wohnhaft war dieser Oberleutnant in St. Ingbert. Bergmann von Beruf, wie nicht überrascht. Ich mußte blinzeln und etwas schief lächeln. St. Ingbert, die alte Heimat meiner Kleehaas-Seite (einige entfernte Verwandte leben noch dort), bevor die Altvorderen weiterzogen in den Ruhrpott und im Falle meines Großvaters dann von dort nach Norddeutschland.

An all die Personen, denen ich im Laufe meiner Recherchen begegnen durfte, also an dieser Stelle noch einmal: Es war eine Freude und eine Ehre, Sie/euch kennenlernen zu dürfen. Mir wurden Inkunabel-Sammlungen und Berliner Zimmer gezeigt, kofferweise Material überlassen, ich wurde zum Essen eingeladen, und wir haben gemeinsam an Lösungen und Zusammenhängen gekniffelt. Man hat mir Brote geschmiert und mich zum Bahnhof und/oder Hotel gefahren. Kontakte wurden vermittelt und Verwandtschaften neu entdeckt. Ich erhielt Einblicke hinter vermeintlich heile Fassaden und in vergessene Stadtviertelgeschichten. Häuser mit Vergangenheit wurden aufgesucht, Archivare haben sich für meine Suche begeistern lassen, und ohne diverse unbürokratische Verwaltungsangestellte wäre ich nie ans Ziel gekommen. Ganz, ganz herzlichen Dank an alle!

Ich liebe Recherche.

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Wie vermutet, sagte mir Michael Yardleys Backing into the Limelight sehr zu. Und ich nehme an, er steht bei den Lawrence-Fanatikern auf der Schwarzen Liste „detractors“.
Dabei ist seine Kritik an T. E. Lawrence, wo vorhanden, milde – aber begründet. Viel schwerwiegender ist, daß er, soweit mir bekannt, der einzige Autor war, der endlich mal Klartext redete, was die Auflagen und Aktionen der Copyright-Inhaber, namentlich A. W. Lawrence, betraf. Und das ist schon eine ganz üble Nummer. Wir sprechen hier von Zensur, von Mundtotmache, vom Versuch, Bücher zu verbieten, deren Wortlaut nicht gefiel. Und man fragt sich, wozu. Die Literatur, die bis zu Aldington (vom vergessenen Robinson abgesehen) über Lawrence erschien, war eine einzige lahme Lobhudelei. Ich kann sie wirklich nur in Maßen genießen, bevor mir vor lauter Zuckerguß schlecht wird oder ich vor lauter Langeweile einschlafe. Viele Jahre später, nachdem die Katze längst aus dem Sack war und sich kritische Auseinandersetzung mit Lawrence als durchaus wertvoll für die Forschung erwiesen hatte, holte Bruder Arnold dann Jeremy Wilson ins Boot, der ja bis kürzlich die Fahne hochhielt. (AWL irrte sich in der Dokumentation Lawrence and Arabia: Er wäre der Petrus oder Jacobus der Lawrence-Religion gewesen – die Paulus-Rolle füllte Wilson aus.)
Ich vermute, viele der früheren Aktionen hatten damit zu tun, daß die Mutter noch lebte und man sie von Negativpresse verschonen wollte. (Warum? Sie war auch keine Heilige.) Den Toten kann es nicht mehr schaden. Es verletzt höchstens die Gefühle der Angehörigen und Freunde, aber deshalb zu versuchen, einen der Grundpfeiler der Demokratie auszuhebeln? Das ist Selbstsucht hoch drei.

Above all else, the suppression of any book (even only a temporary suppression) is a dangerous precedent, especially when the grounds for such an action are basically that the book presents new and unpopular (or even inaccurate) aspects of a national figure.

(Charles Curran, zitiert von Yardley nach Knightley)

Yardley nun publizierte ganz offen und, wie es scheint, mit einer gewissen diebischen Schadenfreude die Tatsache, daß auch er nur unter Auflagen aus Seven Pillars zitieren durfte. Er enthüllt mit einem sichtbaren breiten Grinsen das Vorhandensein eines Vertragsentwurfes zwischen The Sunday Times (für Knightleys und Simpsons wegweisendes Buch) und A. W. Lawrence im IWM (ihre Werke folgen ihnen nach, Prof. Lawrence – Sie waren doch so bibelfest), in dem festgelegt wurde, welche Phrasen sie zu verwenden hätten. Er lobt Knightley und Simpson für ihr Geschick, ihre Arbeit davon nicht kompromittieren zu lassen, und es stimmt: Die Zitate sind alle vertragsgemäß vorhanden, aber clever in die Betrachtung eingebunden: „Professor Lawrence ist der Meinung… sieht die Sache so… glaubt das und das… während die Autoren der Ansicht sind… Die Fakten hingegen sprechen für…“ Das ist nebenbei auch richtig gute wissenschaftliche Arbeit: Zwei Positionen vorzustellen.

Guter Job, Mr Yardley. Danke dafür.

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Es gibt Punkte in der Recherche, an denen man nicht weiterkommt, weil die wesentlichen Kontakte fehlen und sich nicht herstellen lassen. So geschehen bei meinen Bemühungen um die beiden Einheiten, die 1945 Berlin-Tempelhof einnahmen. In russischen Militärforen, wo ja nun mal die Experten sitzen, wurde ich entweder ignoriert (Frau! Deutsche! Und spricht kein fließendes Russisch!) oder bei der Registrierung gar nicht erst akzeptiert. Über Kontakte, die vielleicht Kontakte hätten, klappte auch nichts. Da soll man nun was machen.

Gleiche Geschichte bei der eigentlich sehr interessanten Recherche nach einem Brief T. E. Lawrences „an einen deutschen Offizier“. Die wenigen, extrem vagen Anhaltspunkte, die mir dazu vorliegen, scheinen mir (muß nicht stimmen, daher ja Recherche) auf Dagobert von Mikusch-Buchberg hinzudeuten, den deutschen Übersetzer von Seven Pillars und der Kurzfassung Revolt in the Desert. Es gibt ein wenig, aber nicht wirklich viel Literatur über Herrn Mikusch. Und was ich bei der 8. Gardearmee noch irgendwo verstehe (wenn auch albern finde), leuchtet mir in diesem Fall nicht ein. Wir sprechen hier von T. E. Lawrence, über den jedes Jahr mindestens ein neues Buch erscheint. Und über einen Einheimischen, dessen Familie jetzt nicht wirklich schwer zu ergoogeln ist. Aber keiner rührt sich. Weder Lawrences „offizieller Biograph“ läßt sich herab, mal zu antworten, noch Mikuschs Angehörige. (Eine davon war gerade erst in den Nachrichten, zu meinem Amüsement.) Und auch bei der Recherche über Reinhard Hüber, der den Brief als erster zitierte, reagiert fast niemand. (Ausnahme Sven Olaf Berggötz – meinen herzlichsten Dank!) Was soll man da machen?

Vielleicht bin ich verwöhnt. Bei der Marta-Recherche wurde ich so offen und selbstverständlich aufgenommen, daß es mich oft verblüffte. Daß man nicht als Grundhaltung mißtrauisch beäugt und aller möglichen Dinge verdächtigt oder aber geringschätzt wurde, empfand ich so wohltuend in unserer heutigen Zeit, und es gab mir Hoffnung. Auch bei Jolanthe Marès stieß ich nie auf Argwohn oder Zurückhaltung. Wundervoll. Aber möglicherweise war das doch die Ausnahme, und nun begegne ich der Norm.

Nachtrag 23.12.18

Michael Yardley zitiert in Backing into the Limelight Stanley Weintraubs Private Shaw and Public Shaw nach „Erik Lonroth“ (nehmen wir Erik Lönnroth), daß ein Kurt von Ludecke (eher Kurt Lüdecke? Nicht alle Deutschen sind „von“s, you know) 1932 Lawrence kontaktierte – vielleicht also bezieht sich Lawrences Brief an das Air Ministry darauf? (Nur daß Lüdecke kein Offizier war.) Ich werde der Sache nachgehen.

Nachtrag 7.1.19

Zumindest habe ich nun an versteckter Stelle lesen können, daß Jeremy Wilson zwischenzeitlich verstorben ist. Das entschuldigt. Wäre nur hilfreich, solche wesentlichen Infos stünden auf seinen offiziellen Seiten…

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John Macks A Prince of our Disorder ist eines der ganz großen Werke in der T.-E.-Lawrence-Forschung. Man findet eigentlich kein Buch, das nicht daraus zitiert. Also griff ich schließlich ebenfalls darauf zurück – und kam aus dem Kopfschütteln nicht heraus.

Ich bezweifele nicht, daß Mack seine Arbeit gemacht hat. Aber ehrlich: Einen Pulitzer? Dafür?

John Mack war ein selbsterklärter Lawrence-Fanboy. Ich halte ihm zugute, daß er das zugab. Für einen Biographen und zudem einen Psychiater jedoch sollte ein wenig kritische Distanz Grundkriterium sein. Er hinterfragt nichts, obwohl es doch gerade in seinem Fachgebiet läge, Alternativen zu untersuchen und zu begründen. Du liebe Zeit, *ich* könnte da bessere Deutungen anstellen, und ich habe mit Psychologie nun so überhaupt nichts am Hut und halte Freud für einen Typen mit großen Problemen.
Seltsam, an sich, denn in der Dokumentation Lawrence of Arabia – The Battle for the Arab World erschien mir Mack sehr sachlich, sehr vernünftig und mit einer gesunden Skepsis. So kann man sich täuschen.

Vielleicht spielt die Zeit der Entstehung eine gewisse Rolle. Mack stellte große Teile seiner Recherche in den 60er Jahren an, das Buch erschien erstmals in den 70ern. Und der bloße Gedanke, Lawrence *könnte* homosexuelle Neigungen gehabt haben, scheint selbst für Psychiater(!) Mack einen gewissen Igitt-Faktor gehabt zu haben. Wobei er immerhin ganz richtig feststellte, daß Lawrence, hätte er denn, sich vermutlich eher in die homosexuelle Richtung orientiert hätte. Mit Deraa will ich gar nicht erst anfangen. Nicht einmal läßt Mack auch nur die Möglichkeit zu, diese Episode habe nie stattgefunden. Und so deutet er natürlich Lawrences Masochismus als eine Folge von Deraa, anstatt Deraa als eine literarische Manifestation seines Masochismus‘ zu betrachten. Letzteres wäre viel spannender. Und, um es nochmals zu erwähnen, Mack war Psychiater.
Vielleicht scheiterte er, wie so viele Biographen seiner Zeit, am Respekt vor A. W. Lawrence. Der jüngere Lawrence war ganz sicher kein Schwärmer, der seinen großen Bruder verklärte, und er war selbst Wissenschaftler, aber ich glaube, er machte sich doch in manchen Dingen etwas vor. Zwölf Jahre Altersunterschied sind eine Menge (mein Bruder und ich liegen ebenfalls zwölf Jahre auseinander – ich kann das beurteilen), und es sind ja gerade Familienmitglieder und die Menschen, die uns viel bedeuten, vor denen wir unsere unerfreulichen Seiten am häufigsten verbergen.

Ich habe in Sachen Deraa so meine eigene Theorie. Eventuell kam schon Lawrence-Biograph Michael Yardley darauf; er machte in oben genannter Dokumentation so eine interessante Andeutung. Mal schauen, ob ich seinem Buch mehr abgewinnen kann als Macks. Die Chancen stehen gut; er wird nicht einmal halb so oft in Quellenverzeichnissen genannt…

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Kein Lawrence in Berlin, das kann ich bestätigen. Dafür viel Gejökele mit der Deutschen Bahn, die freitags ja immer noch übler ist als sonst. Daß sich Vorstand, Aktionäre und Politik nicht schämen, ist mir schleierhaft. (Wahrscheinlich hat man, wenn man es auf die Ebene schafft, längst alle Scham verloren.) In unserer regulären Mitarbeiterbefragung kommt stets ein Punkt vor, der eindeutig aus dem Amerikanischen herübergeschwappt ist: „Sind Sie stolz, bei der TIB zu arbeiten?“ Ich lasse diesen Punkt immer aus, weil ich die Frage lächerlich finde – ich arbeite entweder gern oder ungern irgendwo. Stolz? Das müßte schon eine besondere Errungenschaft beinhalten. Aber ich bezweifle stark, daß irgendjemand bei der DB stolz auf den Laden ist.
Immerhin, das gemeinsame Leiden schweißt zusammen. Auf der Hinfahrt quetschten wir uns im nach Wolfsburg reinen Frauenabteil zusammen, ich bot selbstgebackene Weihnachtsplätzchen als Trostpflaster an, und es war alles sehr nett. Ich habe schon oft beobachtet, daß gerade auf den üblen Touren eine sehr gute Atmosphäre der Fahrgäste untereinander herrscht. Nicht, daß das die Bahn entschuldigt.

Das Bundesarchiv Lichterfelde präsentierte sich wie immer – und diesmal konnte ich endlich formulieren, woran es da scheitert: Es herrscht ganz einfach keine Freundlichkeit. Es ist nicht so, daß man als Nutzer unfreundlich behandelt würde (wobei ich auch das schon erlebt habe), aber es fehlen die einfachen kleinen zwischenmenschlichen Gesten. Untereinander haben die Angestellten damit keine Probleme, aber den Nutzern gegenüber hört es sofort auf. Kein Lächeln, bloß keine Reaktion auf Scherze, kein noch so kleines Danke oder Bitte. Sie geben Tipps und Hilfestellungen, aber Service würde ich ein bißchen breiter definieren.
Leider nicht viel zu finden für das, was ich suche, dafür:

– D. H. Lawrence hat in der Akte von T. E. nichts zu suchen. Schon damals pennte der Sachbearbeiter. Hey, keine Ursache für den Hinweis, liebes BArch. Auch wenn Ihre Reaktion natürlich in erster Linie war: „Sagen Sie den Kollegen [bei der Aus-/Abgabe], daß es ans Referat statt ans Magazin geht.“ Gerne doch. Kollegin an der Abgabe: *muffel* [„blödenutzerindieoberenseitennichtzudenanderenindieaktezupackendasistzwarnichtr
ausgefallenhätteaberkönnenichmußihrdasdurchmeinstummesmißfallenundanmerkun
genzuverstehengeben“] Pädagogisch-feindlicher Blick auf das seitlich angebrachte Post-it. „Ist das von Ihnen?“ – „Nein, von Ihrer Kollegin.“ (Klar, ich beklebe ständig Archivmaterial. Ist so’n Hobby.) – „*muffel*“

– Bei Gertrud Becker, Buchhändlerin zu Düsseldorf, wurde 1936 Aufstand in der Wüste von der örtlichen Gestapo beschlagnahmt. Ups. Stand ja gar nicht auf der schwarzen Liste. Die Reichsschrifttumskammer schritt ein. Nette Korrektur übrigens auf dem Brief der Gestapo Berlin an die Kollegen in Düsseldorf: „Ich ersuche um Bericht zu dem Vorfall der Angelegenheit.“
(Und auch hier, im Mikroformen-Lesesaal: „Für mich soll hier etwas liegen.“ – [grob] „Film oder Fiche?“ – Wird einem beim Bestellen nicht angezeigt, Entschuldigung auch. Ich habe die Signaturengruppen jetzt nicht alle im Kopf.)

Und zur Rückfahrtzeit war die Bahn wieder voll im Verzug. Standardverspätung lag bei 60 Minuten, nicht nur für die Züge, die von der Bombenräumung betroffen waren. Erstaunlicherweise kam meiner pünktlich, wenn auch in verkehrter Reihung, ohne Anzeige der Reservierungen und mit Stromausfall in einem Waggon. Aber alles in allem, so im Vergleich gesehen, richtig gut.

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Quant à Peter O’Toole, ses yeux bleus n’ont pas fini de faire des ravages sur les écrans du monde.

Soweit Michel Duran in Der Kreis / Le Cercle, 31.1963,12. 🙂 Peter O’Toole als Schwulenschwarm – nu, warum auch nicht?*
Weiß unabhängig von O’Tooles schönen blauen Augen allerdings nicht, ob hier nicht ein bißchen projektiert wird. Der Kreis hatte Lawrence (das Zitat stammt aus einer Rezension von David Leans Lawrence of Arabia) schon recht früh unter seine Heiligen aufgenommen. Und auch seine blauen Augen werden in vielen Quellen erwähnt…


*“Mais au cinéma, ce sont les femmes qui font la recette et c’est avec des beaux gosses qu’on les attire.“ Right, M. Duran – und Sie stehen so darüber, hm?

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Mal so gesagt

You know, I think, the joy of getting into a strange country in a book: at home when I have shut my door and the town is in bed – and I know that nothing, not even the dawn – can disturb me in my curtains: only the slow crumbling of the coals in the fire: they get so red and throw such splendid glimmering on the Hypnos and the brasswork. And it is lovely too, after you have been wandering for hours in the forest with Percivale or Sagramors le desirous, to open the door, and from over the Cherwell to look at the sun glowering through the valley-mists. Why does one not like things if there are other people about? Why cannot one make one’s books live except in the night, after hours of straining? and you know they have to be your own books too, and you have to read them more than once. I think they take in something of your personality, and your environment also – you know a second hand book sometimes is so much more flesh and blood than a new one – and it is almost terrible to think that your ideas, yourself in your books, may be giving life to generations of readers after you are forgotten. It is that specially which makes one need good books: books that will be worthy of what you are going to put into them. […] if you can get the right book at the right time you taste joys – not only bodily, physical, but spiritual also, which pass one out above and beyond one’s miserable self, as it were through a huge air, following the light of another man’s thought. And you can never be quite the old self again. You have forgotten a little bit: or rather pushed it out with a little of the inspiration of what is immortal in someone who has gone before you.

(T. E. Lawrence)

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In Planung ist ein Artikel, wohl fürs Autorenblog: „Die neue Religiosität in Hollywood“. Kein Beitrag über christliche Filme, sondern über die Ballung christlicher Motive in Filmen und Serien während der letzten Jahre. Da alle künstlerischen Trends ein Zeichen ihrer Zeit sind, frage ich mich, ob das auch für andere Religionen zutrifft. Falls jemand etwas weiß, bitte melden.

Unter anderem in meinem Stapel abzuarbeitender DVDs und Bücher: Agents of S.H.I.E.L.D., Staffel 4 + 5, Supergirl, Staffel 3, sowie jede Menge Lawrence und verwandte Thematik.
Nachdem Agents 3 die mangelhafte 2. Staffel ausgeglichen hatte, wollte ich ja nun wissen, wie es gerade in Hinsicht auf Infinity War weiterging – stelle mir die Planung schwierig vor. Staffel 4 ist insbesondere in der ersten Hälfte ausgezeichnet und greift – daher der Eingangsabsatz – die christliche Symbolik der 3. Staffel wieder auf. Mit etwas Terry Brooks gemischt, großartig! Danach wird’s schwächer. Mindfuck-Episoden treten in jeder Serie dann auf, wenn Fonzies Hai übersprungen ist. Kein gutes Zeichen also. Ebenso, wenn eine Serie anfängt, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Das passiert bereits in Staffel 4 und nimmt in Staffel 5 erheblich zu. Sie hat ihre Momente, kein Zweifel. Yoyo nimmt zum ersten Mal eine zentrale Rolle ein und rettet die fünfte Staffel, gemeinsam mit den wiederkehrenden Agenten der zweiten Liga. Komponist Bear McCreary, seit Outlander immer wieder gern gehört, verzerrt das Titelthema in eine kaum wiedererkennbare Form – mir fiel’s nur auf, weil er eben diesen Trick auch bei Outlanders „Stone Theme“ anwandte. Die Framework-Variante in Staffel 4 ist einfach bizarr; die – oh, das muß jetzt einfach sein – „Zukunftsmusik“ in Staffel 5 macht starke Anleihen bei dem phantastischen Blade Runner 2049-Score.
Aber alles in allem ließ mich Staffel 5 ratlos zurück. Zeitreisen sind immer eine unlogische Angelegenheit, aber Doctor Who beispielsweise hatte sehr viel sinnmachendere Plots. Ich verstehe immer noch nicht, wie unsere Helden nun eigentlich die Schleife durchbrochen haben. An Coulson kann es nicht gelegen haben, obwohl das nahegelegt wird, aber die Handlung spricht dagegen. Ebenso rätselhaft ist der Masken-Tick der Ausstattung. Er dient keiner Symbolik – wäre es um Masken im übertragenen Sinne gegangen, wunderbar! Aber so läuft ganz einfach jeder mit einer Maske herum. Warum auch immer. Talbot als unbeabsichtigter Superschurke hingegen hat was.

Und a propos, „Talbot“ und „Piper“ finden sich in ähnlichen Rollen im DC-Universum wieder, nämlich als Agentin zweiter Liga auf Supergirls Seite sowie als Schurke (wenn auch nicht Super-) in Staffel 3. Und, Überraschung, die christliche Symbolik ist da! Leider auch der bereits in Staffel 2 erkennbare Trend zur Soap. Supersoap. Beste Folge der Staffel ist „Midvale“, über Karas und Alex‘ ersten Fall und ihre nicht ganz einfachen Anfänge als Schwestern; Brainy bereichert das Team, obwohl man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß die Legion of Superheroes hier ein breites Sprungbrett für ihre eigene neue Serie bekam. Unsinnig, aber immerhin vollkommen im Modus der Comics sind die Wiederkehr sowohl J’onns Vater als auch Karas Mutter.
Das diesjährige DC-Crossover hat gegenüber seinem Vorgänger erheblich zugelegt. Das Zusammenspiel der Charaktere ist hervorragend, wobei Alex und Sarah natürlich den Vogel abschießen, die Handlung ist rund, und endlich, endlich, hurra!: Eine Serie (mehrere Serien? Ein Seriencrossover?) hat sich getraut! Bedeutete bis dato (ich meckerte hier bereits darüber und könnte noch so viel mehr sagen) Homosexualität ausschließlich zwei heiße Frauen, so hat Crisis on Earth X endlich den Mut, nicht nur ein männliches Pärchen aufzubieten, sondern dabei auch einen schwulen Superhelden.

Und dann hat’s, kaum weniger verwirrend als S.H.I.E.L.D.s Zeitreise, die Lawrence-Literatur. „Consistency for Lawrence was a matter of the utmost inconsequentiality“, schreibt Rodney Legg in Lawrence in Dorset. „It was to be his lasting joke at the expense of historians and his annual biographers who are accustomed to taking such things seriously.“ Und er hat recht. Nichts paßt wirklich zusammen. Es ist kein Wunder, daß Philip Walker in seinem wunderbaren Erstlingswerk Behind the Lawrence Legend – The Forgotten Few Who Shaped the Arab Revolt offen sagt, Lawrence sei unerklärbar. Man kann sich einzelnen Facetten seiner Persönlichkeit nähern, aber niemals der Gesamtheit, ganz gleich, was manche Forscher glauben. Natürlich hilft es nicht, wenn beispielsweise Legg Quellenangaben für überflüssig hält… und das in einem Werk, das Quellen aufführt, die vorher und seitdem von niemandem beachtet worden zu sein scheinen!
Nichtsdestotrotz, speziell Walker, aber auch Michael Asher oder all die interessanten Beiträge im diesjährigen T. E. Lawrence Society Symposium, zeigen Forschung mit Herzblut und Entdeckerfreude. Ich erkenne meine beste Marta-Zeit darin wieder. Es macht mich glücklich zu sehen, daß diese Art Forschung existiert, und gleichzeitig bricht es mein Herz. Seit Jahren suche ich nach einer neuen Richtung für mein Leben, denn da ist nichts, das es auszufüllen scheint. Nachdem ich Walkers Buch zu Ende gelesen hatte, schrieb ich in mein Tagebuch:

[I]ch weiß, was ich will, und es ist Recherche. So sehr. Das ist es, was mir Freude macht.
Was soll ich tun?

Und das ist das grundlegende Problem in meinem Leben. Nichts paßt zusammen. Ganz ohne Lawrencesches Lügengebilde. In meinem Beruf hat Forschung keinen Platz, und ich kann Forschung nicht zu meinem Beruf machen, weil mir eine hochtönende Qualifikation fehlt, ohne die ich immer als Laie abgestempelt bleibe. Eine entsprechende Qualifikation, spricht Studium, nachzuholen ist unmöglich, weil ich nun einmal finanziell auf meinen Job angewiesen bin. (Selbst die Recherche zu Martas Biographie kostete mich eine Menge Erspartes.)
In jedem Fall. Ich genieße auch die Forschung aus zweiter Hand, grolle über unsinnige Schlußfolgerungen oder das Ignorieren von anderen Quellen und schreibe Anmerkungen für niemanden zu beispielsweise Oliver Stallybrass‘ Einleitung zu E. M. Forsters The Life to Come and Other Stories, in der er sich über Lawrences Reaktion – Gelächter – zur Titelgeschichte wundert… offenbar ohne sich über die frömmelnde, heuchlerische Situation in seinem Elternhaus belesen zu haben, die so ausgezeichnet zu Forsters Werk paßt. Oh, ja, und ich vermute, Lawrence hat sich wie immer nicht die Mühe gemacht, seinem Freund diesen Hintergrund zu erläutern.

The Life to Come and Other Stories jedenfalls ist eine Lektüre wert. „Dr Woolacott“, das Lawrence so in seinen Bann geschlagen hatte (er schrieb einen bemerkenswerten Brief darüber an Forster), gehört zu den hervorstechenden Geschichten, ebenso das sehr viel direktere „Arthur Snatchfold“. „The Obelisk“ bewahrt sich seine wahre Überraschung für den Schluß auf – großartig! Bitterböse und ungemein erotisch „The Torque“. „The Other Boat“ ist nicht nur schreibtechnisch interessant (wiederverwertete Fragmente), sondern auch eine auf vielen Leveln funktionierende Gesellschaftskritik.

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Ein kleiner Filmtipp: Die Dokumentation Letters from Baghdad über Gertrude Bell. Sehr schön gemacht, einzig und allein mit Zitaten von Bell und ihren Zeitgenossen, die entweder in „Interviews“ oder aus dem Off präsentiert werden, durchzogen mit vielen seltenen, passend eingebundenen Archivfilmen – oder auf alt getrimmten neueren Aufnahmen. Nicht überraschend bei dem Thema, finden sich auch viele bewußte Parallelen zu den modernen Geschehnissen in der Region – sei es Palmyra, der Krieg ums Öl oder die politischen Machenschaften des Westens. Wie sich die Bilder gleichen.

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