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Posts Tagged ‘Richard Wagner’

Colour-coding ist eine meiner beliebtesten Techniken in der Filmemacherei. Ähnlich wie Filmmusik kann es entweder unter einem rein ästhetischen Aspekt verwendet werden oder aber dazu dienen, Zusammenhänge aufzuzeigen – wie Wagners Leitmotiv, das John Williams mit großem Effekt für Star Wars wiederbelebte und das seitdem unter dem Namen „Thema“ Standard im Bereich der Filmmusik geworden ist. Im Bereich des Visuellen ist sicherlich Guillermo del Toro das Vorzeigebeispiel für colour-coding. Wer den Begriff nicht kennt: Er bezeichnet die Technik, eine Szene farblich zu „codieren“, ihr also durch Ausstattung und Kostüme eine spezifische Farbpalette zuzuordnen. Del Toro beispielsweise verwendete sie in Hellboy 2 – The Golden Army als Leitmotiv, wenn er Nuala und Nuada anfangs die gleiche Palette zuteilte, um ihre für die Handlung so wichtige Verbindung aufzuzeigen; dann brach er dieses Motiv und teilte Nuala und Abe die gleiche Farbpalette zu, um wiederum ihre Verbindung zueinander zu betonen; und im Showdown wiederum kehrte die Farbgebung für die Zwillinge zurück. Gleichermaßen teilten aber auch Helden und Schurken eine Farbpalette gegenüber der menschlichen Welt, um ihre Zugehörigkeit zum Andersartigen zu unterstreichen.

Es ist wie gesagt eine hochinteressante Technik, und so war ich verblüfft, sie ausgerechnet in The Night Manager wiederzufinden, eine jetzt nicht wirklich künstlerisch wertvolle Produktion. Beim ersten Anlauf hatte ich natürlich in erster Linie auf die Handlung geachtet, aber beim zweiten Anschauen stellte ich fest, daß colour-coding eigentlich unübersehbar ist. Hier wird es nicht als Leitmotiv eingesetzt, sondern in erster Linie ästhetisch. Vorwiegend sind blau und gold, was den zusätzlichen Bonus mit sich bringt, daß es den beiden blonden Helden der Handlung verdammt gut steht. (Erinnert sich jemand an die Szene in der Little House-Reihe, in der die braunhaarige Laura und ihre blonde Schwester Mary stets farbcodiert werden, nämlich rot respektive blau, und wie glücklich beide sind, als ihre Mutter versehentlich in Eile ihre Haarschleifen vertauscht?)

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Am See Genezaret ist die Gegend fruchtbar und üppig, aber durch die hohe Luftfeuchtigkeit auch heiß und schwül. In den beiden Tagen, die wir dort verbrachten, hatte ich oft das Gefühl, jeden Moment einen Hitzschlag zu erleiden. Ich litt.

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Am Berg der Seligpreisungen gab’s natürlich erst mal wieder eine Predigt mit abschließender Aufforderung, einander brüder- und schwesterlich „Friede sei mit dir!“ zu wünschen und einander zu umarmen. Mir stellten sich alle Haare auf. Das war nun so weit außerhalb meiner Komfortzone wie es überhaupt nur geht. Leider entkam ich den ja durchaus wohlmeinenden Mitreisenden nicht. Die Kirche war zum Glück schlicht, aber überlaufen, von einem sehr internationalen Publikum. Die seltsamste Begegnung war mit einer völlig fremden Touristin, die, wie ich glaubte, wollte, daß ich sie fotographiere. Erst als sie hartnäckig ihr Smartphone in der Hand behielt und „Smile!“ sagte, wurde mir klar, daß sie Fotos von uns beiden machte. Wahrscheinlich sind sie inzwischen als „Ich und meine neue Freundin“ im Netz zu finden.
Die angekündigte kleine „Wanderung“ hinunter nach Tabgha entpuppte sich als leichter Spaziergang, der schweigend zurückgelegt wurde und mir schon allein dadurch sehr gefiel. Bisher hatte ich herzlich wenig christliche Vertiefung gefunden in unserer Gruppe, die Kirchen hauptsächlich zum Knipsen und Quasseln benutzte.

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Von der Hitze halbtot, schleppte ich mich vor der Brotvermehrungskirche in den Schatten und ließ mich auf einem Steinbecken nieder. Stellte sich heraus, daß das ein historisches Taufbecken war und sich die Touristen drängten. Die ironischste Situation der Reise folgte, als unser Guide ausgerechnet hier begann, die Gruppe in die Bibelvorlesungen einzubeziehen und ausgerechnet bei mir den Anfang machte. „Möchten Sie die Stelle vorlesen?“ – „Öhm… nein…?“ – „Gut. Sie fangen hier an, bis hier.“ Ich hasse rhetorische Fragen!
So kam es, daß die einzige Nichtchristin der Gruppe die erste Bibelstelle vorlas, von der Vermehrung des Brotes und der Fische, die ich sowieso ganz anders verstehe als Otto Normalchrist.
Weiterhin knapp an der Grenze zum Hitzschlag schleppte ich mich nach der obligatorischen Kirchenbesichtigung (es hatte im Jahr zuvor einen Brandanschlag gegeben, und Renovierungsarbeiten waren in vollem Gange) weiter zur Primatskapelle, wo angeblich Petrus beauftragt wurde, die Schafe zu weiden. Sie liegt direkt am See, das gefiel. Ebenso der junge orthodoxe Priester mit Sonnenhut.

Kafarnaum war auch nicht gerade kühler. Ich litt vor mich hin. Am Geländer zur Kirche über Petri Haus lehnend, stand ich einer jungen Touristin im Weg, die auf ihre Weise litt. „I’m a little bit afraid of heights“, gestand sie, sich ans Geländer anklammernd. Dabei ist die Höhe wirklich ein Witz, also muß es sie wirklich schlimm erwischt haben.
Mittagessen gab es im Deutschen Pilgerhaus mit seiner schönen Gartenanlage.

*Das* nenne ich einen Gummibaum!
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Anschließend fuhren wir nach Migdal, genauer gesagt zu den Ruinen Magdalas. Dort ist die neue Kirche Duc In Altum erbaut worden, mit ihrer Säulenvorhalle, die den Frauen im Kreise Jesu gewidmet ist, und dem Altar in Form eines Fischerbootes.
Den Abschluß des „aktiven“ Teiles des Tages bildete eine Bootsfahrt auf dem See Genezaret, die eindrucksvoller gewesen wäre, hätte man auf das Vorlesen der dazugehörigen Bibelstellen verzichtet. Übrigens grenzen die Golanhöhen direkt an den See.

Den ganzen Tag über (wahrscheinlich durch teilweises Mithören) sprachen mich verschiedene Leute der Gruppe bezüglich der Gralsbotschaft und -bewegung an. Inzwischen waren wir ja auch vertrauter miteinander, so daß Glaubensfragen nicht mehr zurückgehalten wurden. Ich hoffe, ich konnte vermitteln (wie auch im Laufe der kommenden Tage), daß Bekenner der Gralsbotschaft weder Atheisten noch Wagner-Anhänger noch Sektierer sind. 🙂

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Nach Jahren endlich Turandot at the Forbidden City of Beijing gesehen. Einstens war meine Mutter darauf gestoßen, aber entgegen der Angaben bei Amazon war die DVD nicht Region 2, sondern 1. Und zu dem Zeitpunkt wußte ich noch nicht, daß man fast jedes Gerät codefrei schalten kann.
Nun kann ich wenig Fachfrauisches zu Opern im Allgemeinen sagen. Ich kenne zwar eine Menge Opern, aber ich verstehe nichts davon. Experten mögen also entschuldigen, falls ich hier Unsinn schreibe. Puccini gehört nicht zu meinen Lieblingskomponisten; eine Stufe oder so über Verdi, würde ich sagen. Tosca beispielsweise hat mich nie von den Socken gehauen. Turandot hingegen fand ich insofern spannend, daß hier schon sehr wenig „klassische“ Oper vorhanden ist. Zum einen gibt es – natürlich – viele chinesische Anklänge, zum anderen ist bereits das Konzept von Arien und Chorpassagen aufgebrochen. Nicht umsonst findet man in Opernpotpourris aus Turandot bestenfalls „Nessun dorma“, eine der wenigen Arien im klassischen Stil. Ich fühlte mich ein bißchen an Wagners frühe Opern erinnert, halb im alten Stil verankert und bereits halb in etwas ganz Neuem. (Man denke an den noch relativ klassischen Fliegenden Holländer, der weniger durch gefällige Passagen wie „Steuermann, laß die Wacht“ besticht, sondern durch seine Erzählspielelemente, oder den schon etwas avantgardistischeren Lohengrin, der ebenfalls gerade so zwei, drei Stücke enthält, die ausgekoppelt gehört werden können.)

Kritiker bemängeln an der Inszenierung in der Verbotenen Stadt, daß sie statisch wirkt. Zweifelsohne ist dem so. Man findet wenig Schauspiel; die Darsteller interagieren nur in seltenen Schlüsselszenen direkt. Das ist hier allerdings kein Manko. Sicherlich, Einsteiger sollten sich für die erforderliche Dramatik erst einmal eine andere Inszenierung aussuchen, aber im Kontext der Aufführung in der Verbotenen Stadt macht diese Taktik durchaus Sinn. Es wurden hier bewußt Elemente des traditionellen chinesischen Theaters integriert, und da gab es eben wenig Berührungspunkte. Musikqualitativ muß ich den Kritikern leider recht geben – ich weiß nicht, ob es an der Akustik scheitert, aber die Sänger schwächeln ein bißchen. Allerdings, wenn ich das so blasphemisch sagen darf, schaut man sich die Beijing-Aufführung nicht in erster Linie wegen der musikalischen Leistung an, sondern wegen der Ausstattung. Und da haben sich die chinesischen Bühnen- und Kostümbildner wirklich selbst übertroffen. Prachtvoll, üppig, eine Augenweide.

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