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Posts Tagged ‘Recherche’

Bei der Sichtung, was seinen Weg zu Momox finden soll und was nicht, wieder zur Hand genommen: Behind the Lawrence Legend und The Boy in the Mask. Ich kann mich von beiden Büchern nicht trennen. Sie beschreiben, jedes auf seine Art, die Freuden des Recherchierens so perfekt. Die Personen, denen man begegnet. Die toten Enden. Die ungeahnten Schatzfunde. Und auch lange, frustrierende Fleißarbeit. (Gestern zum Beispiel fast den gesamten Tag damit verbracht, digitalisierte Zeitungen auf Meldungen hin durchzusehen. Einzige vorhandene Suchfunktion: Die eigenen Augen.) Sie fassen das zusammen, was das ganze ausmacht, und sie sind eine Liebeserklärung, die jeder, der ähnliches unternommen hat, sofort versteht. Bei mir kamen so viele Erinnerungen wieder hoch! Das Endprodukt, eine Biographie, ist ja nur die Hälfte der Geschichte. Ich habe während der Marta-Recherche oft gewitzelt, ich müßte ein Making of schreiben. Und immer war da das schwer in Worte zu fassende Gefühl, Fäden aus anderen Leben aufzunehmen und weiterzuführen, neu zu verknüpfen. Was Marta und Trude und all die anderen wohl dazu gesagt hätten, daß ihre Freunde und Verwandten und deren Nachfahren plötzlich aktiviert und miteinander verbunden würden?

Dabei kurioser Fund diese Woche: Dagobert von Mikusch schrieb an einen Bekannten in der Steiermark, ehemals Oberleutnant, also mit größter Wahrscheinlichkeit einer seiner Kriegskameraden. Geboren, aufgewachsen und zum Zeitpunkt des Ersten Weltkrieges wohnhaft war dieser Oberleutnant in St. Ingbert. Bergmann von Beruf, wie nicht überrascht. Ich mußte blinzeln und etwas schief lächeln. St. Ingbert, die alte Heimat meiner Kleehaas-Seite (einige entfernte Verwandte leben noch dort), bevor die Altvorderen weiterzogen in den Ruhrpott und im Falle meines Großvaters dann von dort nach Norddeutschland.

An all die Personen, denen ich im Laufe meiner Recherchen begegnen durfte, also an dieser Stelle noch einmal: Es war eine Freude und eine Ehre, Sie/euch kennenlernen zu dürfen. Mir wurden Inkunabel-Sammlungen und Berliner Zimmer gezeigt, kofferweise Material überlassen, ich wurde zum Essen eingeladen, und wir haben gemeinsam an Lösungen und Zusammenhängen gekniffelt. Man hat mir Brote geschmiert und mich zum Bahnhof und/oder Hotel gefahren. Kontakte wurden vermittelt und Verwandtschaften neu entdeckt. Ich erhielt Einblicke hinter vermeintlich heile Fassaden und in vergessene Stadtviertelgeschichten. Häuser mit Vergangenheit wurden aufgesucht, Archivare haben sich für meine Suche begeistern lassen, und ohne diverse unbürokratische Verwaltungsangestellte wäre ich nie ans Ziel gekommen. Ganz, ganz herzlichen Dank an alle!

Ich liebe Recherche.

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Irgendjemand hat ganz klar etwas gegen meine jetzige Recherche. Entweder bekomme ich keine Rückmeldung (sehr auffällig diesmal) oder die Leute wissen nichts, und nun, da ich nach wirklicher Hochleistungsermittlung eine Beinahe-Zeugin ausfindig machen konnte, was passiert? a) Sie kommt nicht durch, weil Muttern die Leitung blockiert, b) bevor ich sie zurückrufen kann, fällt sie die Treppe hinunter. Ernsthaft.
Ich bin ein großer Fan von Ironie. Aber irgendwo hört’s dann auch auf. Allmählich fange ich an zu glauben, daß all die Verschwörungstheorien um Lawrence stimmen. Er wurde umgebracht. All die Leute, die mir etwas erzählen könnten, starben entweder eines verdächtig frühen Todes oder schweigen eisern, und wenn jemand bereit ist zu reden, erleidet er/sie einen Unfall…
(Leseempfehlung: The Murder of Lawrence of Arabia von Matthew Eden!)

Sollte also auch ich plötzlich verstummen und dieser Beitrag auf mysteriöse Weise gelöscht werden, ist tatsächlich was dran.

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The job of researchers is to try to assemble the pieces, which do not always fit together smoothly: no single piece of evidence tells the whole story, and the researchers must try to assemble them in a way that gives the best fit on the basis of their expert knowledge of similar material and its wider contexts. This is the case for all academic research.

(Maev Kennedy, Lin Foxhall: The Bones of a King)

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Es gibt Punkte in der Recherche, an denen man nicht weiterkommt, weil die wesentlichen Kontakte fehlen und sich nicht herstellen lassen. So geschehen bei meinen Bemühungen um die beiden Einheiten, die 1945 Berlin-Tempelhof einnahmen. In russischen Militärforen, wo ja nun mal die Experten sitzen, wurde ich entweder ignoriert (Frau! Deutsche! Und spricht kein fließendes Russisch!) oder bei der Registrierung gar nicht erst akzeptiert. Über Kontakte, die vielleicht Kontakte hätten, klappte auch nichts. Da soll man nun was machen.

Gleiche Geschichte bei der eigentlich sehr interessanten Recherche nach einem Brief T. E. Lawrences „an einen deutschen Offizier“. Die wenigen, extrem vagen Anhaltspunkte, die mir dazu vorliegen, scheinen mir (muß nicht stimmen, daher ja Recherche) auf Dagobert von Mikusch-Buchberg hinzudeuten, den deutschen Übersetzer von Seven Pillars und der Kurzfassung Revolt in the Desert. Es gibt ein wenig, aber nicht wirklich viel Literatur über Herrn Mikusch. Und was ich bei der 8. Gardearmee noch irgendwo verstehe (wenn auch albern finde), leuchtet mir in diesem Fall nicht ein. Wir sprechen hier von T. E. Lawrence, über den jedes Jahr mindestens ein neues Buch erscheint. Und über einen Einheimischen, dessen Familie jetzt nicht wirklich schwer zu ergoogeln ist. Aber keiner rührt sich. Weder Lawrences „offizieller Biograph“ läßt sich herab, mal zu antworten, noch Mikuschs Angehörige. (Eine davon war gerade erst in den Nachrichten, zu meinem Amüsement.) Und auch bei der Recherche über Reinhard Hüber, der den Brief als erster zitierte, reagiert fast niemand. (Ausnahme Sven Olaf Berggötz – meinen herzlichsten Dank!) Was soll man da machen?

Vielleicht bin ich verwöhnt. Bei der Marta-Recherche wurde ich so offen und selbstverständlich aufgenommen, daß es mich oft verblüffte. Daß man nicht als Grundhaltung mißtrauisch beäugt und aller möglichen Dinge verdächtigt oder aber geringschätzt wurde, empfand ich so wohltuend in unserer heutigen Zeit, und es gab mir Hoffnung. Auch bei Jolanthe Marès stieß ich nie auf Argwohn oder Zurückhaltung. Wundervoll. Aber möglicherweise war das doch die Ausnahme, und nun begegne ich der Norm.

Nachtrag 23.12.18

Michael Yardley zitiert in Backing into the Limelight Stanley Weintraubs Private Shaw and Public Shaw nach „Erik Lonroth“ (nehmen wir Erik Lönnroth), daß ein Kurt von Ludecke (eher Kurt Lüdecke? Nicht alle Deutschen sind „von“s, you know) 1932 Lawrence kontaktierte – vielleicht also bezieht sich Lawrences Brief an das Air Ministry darauf? (Nur daß Lüdecke kein Offizier war.) Ich werde der Sache nachgehen.

Nachtrag 7.1.19

Zumindest habe ich nun an versteckter Stelle lesen können, daß Jeremy Wilson zwischenzeitlich verstorben ist. Das entschuldigt. Wäre nur hilfreich, solche wesentlichen Infos stünden auf seinen offiziellen Seiten…

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Kein Lawrence in Berlin, das kann ich bestätigen. Dafür viel Gejökele mit der Deutschen Bahn, die freitags ja immer noch übler ist als sonst. Daß sich Vorstand, Aktionäre und Politik nicht schämen, ist mir schleierhaft. (Wahrscheinlich hat man, wenn man es auf die Ebene schafft, längst alle Scham verloren.) In unserer regulären Mitarbeiterbefragung kommt stets ein Punkt vor, der eindeutig aus dem Amerikanischen herübergeschwappt ist: „Sind Sie stolz, bei der TIB zu arbeiten?“ Ich lasse diesen Punkt immer aus, weil ich die Frage lächerlich finde – ich arbeite entweder gern oder ungern irgendwo. Stolz? Das müßte schon eine besondere Errungenschaft beinhalten. Aber ich bezweifle stark, daß irgendjemand bei der DB stolz auf den Laden ist.
Immerhin, das gemeinsame Leiden schweißt zusammen. Auf der Hinfahrt quetschten wir uns im nach Wolfsburg reinen Frauenabteil zusammen, ich bot selbstgebackene Weihnachtsplätzchen als Trostpflaster an, und es war alles sehr nett. Ich habe schon oft beobachtet, daß gerade auf den üblen Touren eine sehr gute Atmosphäre der Fahrgäste untereinander herrscht. Nicht, daß das die Bahn entschuldigt.

Das Bundesarchiv Lichterfelde präsentierte sich wie immer – und diesmal konnte ich endlich formulieren, woran es da scheitert: Es herrscht ganz einfach keine Freundlichkeit. Es ist nicht so, daß man als Nutzer unfreundlich behandelt würde (wobei ich auch das schon erlebt habe), aber es fehlen die einfachen kleinen zwischenmenschlichen Gesten. Untereinander haben die Angestellten damit keine Probleme, aber den Nutzern gegenüber hört es sofort auf. Kein Lächeln, bloß keine Reaktion auf Scherze, kein noch so kleines Danke oder Bitte. Sie geben Tipps und Hilfestellungen, aber Service würde ich ein bißchen breiter definieren.
Leider nicht viel zu finden für das, was ich suche, dafür:

– D. H. Lawrence hat in der Akte von T. E. nichts zu suchen. Schon damals pennte der Sachbearbeiter. Hey, keine Ursache für den Hinweis, liebes BArch. Auch wenn Ihre Reaktion natürlich in erster Linie war: „Sagen Sie den Kollegen [bei der Aus-/Abgabe], daß es ans Referat statt ans Magazin geht.“ Gerne doch. Kollegin an der Abgabe: *muffel* [„blödenutzerindieoberenseitennichtzudenanderenindieaktezupackendasistzwarnichtr
ausgefallenhätteaberkönnenichmußihrdasdurchmeinstummesmißfallenundanmerkun
genzuverstehengeben“] Pädagogisch-feindlicher Blick auf das seitlich angebrachte Post-it. „Ist das von Ihnen?“ – „Nein, von Ihrer Kollegin.“ (Klar, ich beklebe ständig Archivmaterial. Ist so’n Hobby.) – „*muffel*“

– Bei Gertrud Becker, Buchhändlerin zu Düsseldorf, wurde 1936 Aufstand in der Wüste von der örtlichen Gestapo beschlagnahmt. Ups. Stand ja gar nicht auf der schwarzen Liste. Die Reichsschrifttumskammer schritt ein. Nette Korrektur übrigens auf dem Brief der Gestapo Berlin an die Kollegen in Düsseldorf: „Ich ersuche um Bericht zu dem Vorfall der Angelegenheit.“
(Und auch hier, im Mikroformen-Lesesaal: „Für mich soll hier etwas liegen.“ – [grob] „Film oder Fiche?“ – Wird einem beim Bestellen nicht angezeigt, Entschuldigung auch. Ich habe die Signaturengruppen jetzt nicht alle im Kopf.)

Und zur Rückfahrtzeit war die Bahn wieder voll im Verzug. Standardverspätung lag bei 60 Minuten, nicht nur für die Züge, die von der Bombenräumung betroffen waren. Erstaunlicherweise kam meiner pünktlich, wenn auch in verkehrter Reihung, ohne Anzeige der Reservierungen und mit Stromausfall in einem Waggon. Aber alles in allem, so im Vergleich gesehen, richtig gut.

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In Planung ist ein Artikel, wohl fürs Autorenblog: „Die neue Religiosität in Hollywood“. Kein Beitrag über christliche Filme, sondern über die Ballung christlicher Motive in Filmen und Serien während der letzten Jahre. Da alle künstlerischen Trends ein Zeichen ihrer Zeit sind, frage ich mich, ob das auch für andere Religionen zutrifft. Falls jemand etwas weiß, bitte melden.

Unter anderem in meinem Stapel abzuarbeitender DVDs und Bücher: Agents of S.H.I.E.L.D., Staffel 4 + 5, Supergirl, Staffel 3, sowie jede Menge Lawrence und verwandte Thematik.
Nachdem Agents 3 die mangelhafte 2. Staffel ausgeglichen hatte, wollte ich ja nun wissen, wie es gerade in Hinsicht auf Infinity War weiterging – stelle mir die Planung schwierig vor. Staffel 4 ist insbesondere in der ersten Hälfte ausgezeichnet und greift – daher der Eingangsabsatz – die christliche Symbolik der 3. Staffel wieder auf. Mit etwas Terry Brooks gemischt, großartig! Danach wird’s schwächer. Mindfuck-Episoden treten in jeder Serie dann auf, wenn Fonzies Hai übersprungen ist. Kein gutes Zeichen also. Ebenso, wenn eine Serie anfängt, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Das passiert bereits in Staffel 4 und nimmt in Staffel 5 erheblich zu. Sie hat ihre Momente, kein Zweifel. Yoyo nimmt zum ersten Mal eine zentrale Rolle ein und rettet die fünfte Staffel, gemeinsam mit den wiederkehrenden Agenten der zweiten Liga. Komponist Bear McCreary, seit Outlander immer wieder gern gehört, verzerrt das Titelthema in eine kaum wiedererkennbare Form – mir fiel’s nur auf, weil er eben diesen Trick auch bei Outlanders „Stone Theme“ anwandte. Die Framework-Variante in Staffel 4 ist einfach bizarr; die – oh, das muß jetzt einfach sein – „Zukunftsmusik“ in Staffel 5 macht starke Anleihen bei dem phantastischen Blade Runner 2049-Score.
Aber alles in allem ließ mich Staffel 5 ratlos zurück. Zeitreisen sind immer eine unlogische Angelegenheit, aber Doctor Who beispielsweise hatte sehr viel sinnmachendere Plots. Ich verstehe immer noch nicht, wie unsere Helden nun eigentlich die Schleife durchbrochen haben. An Coulson kann es nicht gelegen haben, obwohl das nahegelegt wird, aber die Handlung spricht dagegen. Ebenso rätselhaft ist der Masken-Tick der Ausstattung. Er dient keiner Symbolik – wäre es um Masken im übertragenen Sinne gegangen, wunderbar! Aber so läuft ganz einfach jeder mit einer Maske herum. Warum auch immer. Talbot als unbeabsichtigter Superschurke hingegen hat was.

Und a propos, „Talbot“ und „Piper“ finden sich in ähnlichen Rollen im DC-Universum wieder, nämlich als Agentin zweiter Liga auf Supergirls Seite sowie als Schurke (wenn auch nicht Super-) in Staffel 3. Und, Überraschung, die christliche Symbolik ist da! Leider auch der bereits in Staffel 2 erkennbare Trend zur Soap. Supersoap. Beste Folge der Staffel ist „Midvale“, über Karas und Alex‘ ersten Fall und ihre nicht ganz einfachen Anfänge als Schwestern; Brainy bereichert das Team, obwohl man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß die Legion of Superheroes hier ein breites Sprungbrett für ihre eigene neue Serie bekam. Unsinnig, aber immerhin vollkommen im Modus der Comics sind die Wiederkehr sowohl J’onns Vater als auch Karas Mutter.
Das diesjährige DC-Crossover hat gegenüber seinem Vorgänger erheblich zugelegt. Das Zusammenspiel der Charaktere ist hervorragend, wobei Alex und Sarah natürlich den Vogel abschießen, die Handlung ist rund, und endlich, endlich, hurra!: Eine Serie (mehrere Serien? Ein Seriencrossover?) hat sich getraut! Bedeutete bis dato (ich meckerte hier bereits darüber und könnte noch so viel mehr sagen) Homosexualität ausschließlich zwei heiße Frauen, so hat Crisis on Earth X endlich den Mut, nicht nur ein männliches Pärchen aufzubieten, sondern dabei auch einen schwulen Superhelden.

Und dann hat’s, kaum weniger verwirrend als S.H.I.E.L.D.s Zeitreise, die Lawrence-Literatur. „Consistency for Lawrence was a matter of the utmost inconsequentiality“, schreibt Rodney Legg in Lawrence in Dorset. „It was to be his lasting joke at the expense of historians and his annual biographers who are accustomed to taking such things seriously.“ Und er hat recht. Nichts paßt wirklich zusammen. Es ist kein Wunder, daß Philip Walker in seinem wunderbaren Erstlingswerk Behind the Lawrence Legend – The Forgotten Few Who Shaped the Arab Revolt offen sagt, Lawrence sei unerklärbar. Man kann sich einzelnen Facetten seiner Persönlichkeit nähern, aber niemals der Gesamtheit, ganz gleich, was manche Forscher glauben. Natürlich hilft es nicht, wenn beispielsweise Legg Quellenangaben für überflüssig hält… und das in einem Werk, das Quellen aufführt, die vorher und seitdem von niemandem beachtet worden zu sein scheinen!
Nichtsdestotrotz, speziell Walker, aber auch Michael Asher oder all die interessanten Beiträge im diesjährigen T. E. Lawrence Society Symposium, zeigen Forschung mit Herzblut und Entdeckerfreude. Ich erkenne meine beste Marta-Zeit darin wieder. Es macht mich glücklich zu sehen, daß diese Art Forschung existiert, und gleichzeitig bricht es mein Herz. Seit Jahren suche ich nach einer neuen Richtung für mein Leben, denn da ist nichts, das es auszufüllen scheint. Nachdem ich Walkers Buch zu Ende gelesen hatte, schrieb ich in mein Tagebuch:

[I]ch weiß, was ich will, und es ist Recherche. So sehr. Das ist es, was mir Freude macht.
Was soll ich tun?

Und das ist das grundlegende Problem in meinem Leben. Nichts paßt zusammen. Ganz ohne Lawrencesches Lügengebilde. In meinem Beruf hat Forschung keinen Platz, und ich kann Forschung nicht zu meinem Beruf machen, weil mir eine hochtönende Qualifikation fehlt, ohne die ich immer als Laie abgestempelt bleibe. Eine entsprechende Qualifikation, spricht Studium, nachzuholen ist unmöglich, weil ich nun einmal finanziell auf meinen Job angewiesen bin. (Selbst die Recherche zu Martas Biographie kostete mich eine Menge Erspartes.)
In jedem Fall. Ich genieße auch die Forschung aus zweiter Hand, grolle über unsinnige Schlußfolgerungen oder das Ignorieren von anderen Quellen und schreibe Anmerkungen für niemanden zu beispielsweise Oliver Stallybrass‘ Einleitung zu E. M. Forsters The Life to Come and Other Stories, in der er sich über Lawrences Reaktion – Gelächter – zur Titelgeschichte wundert… offenbar ohne sich über die frömmelnde, heuchlerische Situation in seinem Elternhaus belesen zu haben, die so ausgezeichnet zu Forsters Werk paßt. Oh, ja, und ich vermute, Lawrence hat sich wie immer nicht die Mühe gemacht, seinem Freund diesen Hintergrund zu erläutern.

The Life to Come and Other Stories jedenfalls ist eine Lektüre wert. „Dr Woolacott“, das Lawrence so in seinen Bann geschlagen hatte (er schrieb einen bemerkenswerten Brief darüber an Forster), gehört zu den hervorstechenden Geschichten, ebenso das sehr viel direktere „Arthur Snatchfold“. „The Obelisk“ bewahrt sich seine wahre Überraschung für den Schluß auf – großartig! Bitterböse und ungemein erotisch „The Torque“. „The Other Boat“ ist nicht nur schreibtechnisch interessant (wiederverwertete Fragmente), sondern auch eine auf vielen Leveln funktionierende Gesellschaftskritik.

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Wundervoll zusammengefaßt. 🙂 Malcolm Brown im Nachwort zu Lawrence of Arabia – The Selected Letters. Ich muß irgendwann doch noch mal das Making of zu Martas und Jolanthes Biographien schreiben.

Partly you’re delighted at finding a new letter offering an unexpected aspect or a lively piece of description; partly you’re afraid that it might disturb the pattern of a section you had thought rounded and complete. In that case it’s like the arrival of an unexpected guest in the middle of a dinner party: you find yourself shuffling the chairs ad the table mats just when you thought you could bring in the coffee. And there’s that other constant snare threatening you: the reference you failed to identify, or identified wrongly, on which, inevitably, some reviewer or other will delightedly pounce. Pounce, and, all too often, denounce. ‘Mr. So-and-so’s unawareness of such-and-such leaves one in the gravest doubts as to the quality of his editorship overall.’ ‘Connoisseurs of the writings of X still await an interpreter with the necessary scholarship.’ You almost feel you’re reading one of you old school reports. ‘Requires more application.’ ‘Must do better next term.’
The trouble is you resent being found wanting but know your critic is probably right. Yet what you can’t say in reply is, ‘Look at the footnote on such-and-such a page. That reference took weeks to trace and needed the wit of Hercule Poirot, plus the help of half the brains in the Bodleian Library to find the answer. That note has added to the sum of human knowledge.’ There was such a footnote in my book, though I didn’t need all the Bodleian staff – just one, to whom I shall be ever grateful for finding the vital clue in an extremely obscure magazine of the early 1920s. The problem is that your readers can’t see the work behind those lines in minuscule print at the bottom of the page; they simply glance at them (or not, as the case may be) and move on. They expect the explanation to be there, and would be offended if it wasn’t.

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Kein Kommentar

Budapest, 15. Juli. In den hiesigen Mädchenschulen wurde den Schülerinnen am Schlusse des Schuljahres mitgeteilt, daß sie im nächsten Jahre nur dann aufgenommen werden, wenn sie während der Sommerferien ihre kurzen Haare wachsen lassen. Die Eltern wandten sich an die Schulsektion des Magistrats, wo sie die Auskunft erhielten, daß das Verbot der Bubifrisuren eine individuelle Aktion der Lehrkräfte sei, die wahrscheinlich auf eine Bewegung verschiedener klerikaler Frauenvereine zurückzuführen ist. An amtlicher Stelle weiß man von dem Verbot der Bubifrisuren nichts.

Prager Tagblatt, 16.7.1926

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Meine Mutter träumt immer noch davon, einen vergrabenen Schatz zu finden. Ich habe diese spezielle Phantasie mit meinen Schneiderbuch-Tagen abgelegt, glaube aber, daß sie in vielen Menschen auch im Erwachsenenalter fortlebt – nur in anderer Form.
Für uns Biographen (schreibt man das nach neuer Rechtschreibung „Biografen“? Weckt interessante Vorstellungen) und Forscher in Personen, deren Privatleben uns eigentlich überhaupt nichts angeht, sind diese Schätze oft vermeintlich unscheinbare Dinge: Funde in Adreßbüchern, Akteneinträgen, Steuerlisten. Simple Sätze in Briefen oder Memoiren. Wohl dem, der viele solcher Schatztruhen hebt!

Kürzlich, in Münster, wo ich zur Septemberfeier weilte, hatte ich einen Traum, daß ich – Zusammenhang kam nicht mit ins Erwachen hinüber – Unterlagen über Martas Major fand. Was mich im Wachzustand milde verwunderte, denn ihn hatte ich seit langem nicht mehr auf dem Schirm. Ich hatte meine Hoffnung damals auf Militärforen gesetzt, denn dort sitzen die Experten, die Details kennen oder von Aufzeichnungen wissen, die man nicht so einfach findet. Und von dort aus hätte man Fäden aufnehmen können. Aber die Sprachbarriere erwies sich leider als zu groß, und vielleicht spielte die Tatsache, daß ich nicht nur Frau (Horror), sondern auch Deutsche bin, eine Rolle bei der scheiternden Kontaktaufnahme.
Schätze, die nicht gehoben wurden.

Um so mehr lächelte ich über diese Meldung der T. E. Lawrence Society. Für den nichtforschenden Leser ist sie nerdig. Der forschende Leser hingegen erfreut sich an dem gelungenen Schatzfund und weiß ihn zu „schätzen“ – der berüchtigte „paper trail“ ist eine zeitraubende Arbeit, die Forschung sehr kleinteilig, aber eben oft mit Gold und Edelsteinen durchsetzt.

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Diesmal echt (obwohl von mancher Seite angezweifelt):

Aus: „Oberst Lawrence gestorben“, Neue Freie Presse, 20.5.35

Oberst Lawrence ist gestern in den frühen Morgenstunden gestorben, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Nach seinem Motorradunfall, bei dem er neben zahlreichen anderen Frakturen einen Bruch der Schädelbasis erlitten hatte, war er insgesamt hundertvierzig Stunden bewußtlos im Militärspital von Wool in Dorset gelegen. Die gerichtliche Prüfung der Todesursache und das Begräbnis werden morgen stattfinden. […]
Thomas Edward Lawrence, als Sohn eines wohlhabenden Grundpächters 1888 in Tremadoc, Wales, geboren, wußte die romantische Phantasie seines Volksstammes mit der feinsten Kultur Oxfords zu vereinen. Er bildete sich in der englischen Gelehrten- und Staatsmannatmosphäre zu einer jener renaissancehaften Gestalten, die heute noch seltsam genug in die moderne Politik Englands hineinragen. Als hervorragender Archäologe und Sprachenkenner Vorderasiens wirkte er in dem damals türkischen Arabien. Entscheidend für sein ganzes Leben und für seine geschichtliche Wirksamkeit war die Freundschaft des geistlichen Lehensfürsten der Araber, des Hattischerif Hussein in Mekka, die Lawrence zu gewinnen suchte. Mit den modern erzogenen Söhnen dieses Mannes, Abdullah (heute Emir von Transjordanien), Feisal (verstorbener König von Irak) und Ali (Exkönig des Hedschas), verband er sich auf das innigste und wußte schon vor dem Kriege den Kampf für ihre Unabhängigkeit von Konstantinopel vorzubereiten. 1914 wurde Lawrence dann dem Intelligence Service in Kairo zugeteilt und Lord Kitchener, der die unschätzbaren Eigenschaften des jungen Mannes klar erkannte, sandte ihn auf die Sinaihalbinsel hinüber. Und hier beginnt nun die unzweifelbar weltgeschichtliche Rolle Lawrences. Als einziger Weißer unter den aufrührerischen Schaichs organisierte er durch drei Jahre den Widerstand gegen die zunächst das Feld beherrschenden Türken und Deutschen (auch österreichisch-ungarische Artillerie kämpfte in dem weiten Gebiet vom Suezkanal bis Palmyra und Damaskus). Die genialen Methoden des skrupellosen Abenteurers Lawrence untergruben im Rücken des Feindes die Moral der Bevölkerung und bereitete den Engländern, als sie unter Allenby 1917 zur Offensive vorgingen, den Boden. Historisch geworden ist der Einmarsch Lawrences an der Spitze arabischer Irregulärer in Damaskus, während am anderen Ende der Stadt noch türkische und deutsche Truppen kämpften.
Nach dem Friedensschluß spielte Lawrence, mit Ehren überhäuft und der persönlichen Freundschaft Lord Curzons gewürdigt, eine maßgebende Rolle bei der Beteilung seiner Freunde, der Scherifprinzen Abdullah, Feisal und Ali, mit den neugeschaffenen Puppenstaaten Vorderasiens. Damals nahm Lawrence einen Posten im Kolonialministerium in London ein, den er aber bald aus Opposition gegen die verfehlten politischen Methoden seiner Vorgesetzten verließ. Er hatte ein Verfassungsprojekt für Vorderasien ausgearbeitet (Middle East Settlement), schied aber, als er es unberücksichtigt sah, grollend aus dem Dienst. […]

Allgemeine Trauer in England
Der Tod Colonel Lawrences infolge seines Motorradunfalls wird in England mit großer Teilnahme aufgenommen. Der legendäre Held Arabiens ruht, von einer britischen Flagge bedeckt, in einer Holzbaracke des Militärfeldspitals Bowington. Drei Londoner vorzüglichste Spezialisten waren noch in den letzten Stunden an sein Krankenlager gerufen worden, doch konnten sie den Colonel nicht mehr retten. Der Bruder des Verstorbenen, der Archäologieprofessor an der Universität zu Oxford A. W. Lawrence, weilte während der letzten Stunden ununterbrochen am Schmerzenslager seines Bruders und erklärte, er danke der göttlichen Vorsehung, daß sein Bruder starb, ohne aus seiner Ohnmacht erwacht zu sein, denn er war nur mehr ein Körper ohne Seele, da infolge des Unfalles die wichtigsten Nervenzentren verletzt worden waren.

Die Illustrierte Kronen-Zeitung macht wieder eine Räuberpistole daraus. Aus: „Der geheimnisvollste Mann des 20. Jahrhunderts – gestorben“ vom 20.5.35

Das Dunkel, das die letzten 20 Lebensjahre dieses Mannes umgab, sollte sich auch in den letzten Tagen nicht lüften. Der bewußtlose Oberst wurde ins Militärspital von Wool gebracht, den gleichfalls verletzten jungen Radfahrer brachte man in ein Zivil-Krankenhaus. König Georg von England schickte seinen Leibarzt und vier berühmte Londoner Professoren nach Wool, um das kostbare Leben dieses Mannes zu retten.
Die Atmosphäre des Geheimnisvollen wurde auch in Lawrences letzten Stunden aufrechtgehalten. Das Militärspital sowie das Haus des Obersten wurden streng bewacht, der Bruder des Obersten, der ununterbrochen am Krankenbett weilte, wurde verpflichtet, keinerlei Angaben zu machen. Sogar der vierzehnjährige Botenjunge, der das Unglück verschuldet hatte, wurde in seinem Spital militärisch bewacht, er durfte mit seinen Angehörigen bis zur Todesstunde des Obersten nicht in Verbindung treten.

Die Türkische Post vom 20.5.35 hat naturgemäß einen etwas kritischeren Blick auf die Dinge.

Oberst Lawrence seinen Verletzungen erlegen
London, 19. Mai (A.A.)
Nachrichten aus London melden, daß Oberst Lawrence den Verletzungen, die er sich bei einem Motorradunfall zugezogen hat, erlegen ist, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Damit ist ein Mann dahingegangen, der in der Geschichte des Nahen Ostens eine bedeutende Rolle gespielt hat, ein Mann, über dessen wahre Mission und wirkliche Tätigkeit in vieler Hinsicht bis heute noch ein tiefes Geheimnis schwebt.
Oberst Lawrence wurde am 15. August 1888 geboren und besuchte die Universität zu Oxford. Hierauf trat er in politische Dienste Englands und wurde dem „Intelligence Service“ eingegliedert.
Unter dem Vorwand, archäologische Studien zu betreiben, ging Lawrence nach Syrien und machte sich dort mit der Sprache und den Gewohnheiten des Landes aufs allersorgfältigste vertraut, sodaß er selbst bei den Arabern oft als Araber gelten konnte. Seine eigentliche Mission begann nach Ausbruch des Weltkrieges, wo er als Beauftragter Englands die arabischen Interessen zu wahren und durch großangelegte Unternehmungen den arabischen Standpunkt zu verteidigen vorgab und so geschickt in das Gefüge des Osmanischen Kaiserreiches Bresche auf Bresche schlug. Sein Endziel war es, die Araber vom Osmanischen Kaiserreich zu lösen, und es gelang ihm tatsächlich, einige Stämme für seine Ideen zu gewinnen, mit denen er nun einen Kleinkrieg gegen die osmanischen Heeresformationen begann.
Er kam zum Scherif von Mekka, den er überredete, sich gegen das Kaiserreich zu erheben; ferner befreundete er sich mit dem Emir Feisal, dem Sohn des Scherif, mit dessen Truppen er gegen den Norden des Reiches vordrang.
Nach Beendigung des Weltkrieges begleitete er Emir Feisal – dem späteren König vom Irak – zur Pariser Friedenskonferenz, wo er sich u. a. energisch gegen die Zuerkennung der Mandatsgewalt über Syrien an Frankreich aussprach. Unter der Maske eines Freundes der Araber vertrat er den englischen Standpunkt, da die Orientpolitik Englands ihn jedoch angeblich vor den Arabern persönlich bloßstellte, schied er aus dem politischen Dienst aus.
Um sich ganz von seinen bisherigen Bindungen zu lösen, legte er auch seinen Namen ab, nannte sich Shaw. Als solcher trat er in die englische Luftschiffahrt als gewöhnlicher Soldat ein. Von dieser Zeit an ist es um Oberst Lawrence außergewöhnlich still geworden, Man weiß bis heute nicht, ob er noch weiterhin geheime Aufträge für England zu erfüllen hatte. Tatsache bleibt jedoch, daß er sich zeitweise in Arabien, in Afghanistan und im Kaukasus aufhielt. Man erzählte sich sogar, daß er mit der assyrischen Frage irgendwie zu tun hatte, und daß er sich aus diesem Grunde längere Zeit im Iran und Irak aufhielt.
So sehr er sich auch als Freund der Araber ausgab, so hat er es dennoch verstanden, besonders nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Kaiserreiches, ihre Angelegenheiten mit den englischen Kolonialinteressen zu verknüpfen. In der Tat hat er es erreicht, daß die den Arabern versprochene Freiheit nur zu einer Scheinfreiheit wurde, zu einer Freiheit, die den arabischen Nationalstaat unter englisches Mandat stellte. Gewiß wird es manche arabischen Kreise tief berühren, daß Lawrence nunmehr verschieden ist, doch wird das Mitgefühl bei den meisten außerordentlich gemischt sein.

Eine der wenigen ausführlicheren Meldungen deutscher Zeitungen: Schwedter Tageblatt, 21.5.35

Lawrence, der Meister der Strategie
Ganz England nimmt lebhaften Anteil an dem Tod des Obersten Lawrence. Alle Zeitungen bringen warme Nachrufe und eingehende Schilderungen des außergewöhnlichen Lebens dieses Mannes. „Times“ bezeichnet ihn als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des modernen England, der Geschichte gemacht habe, und bringt im übrigen eine bemerkenswerte Erklärung zu den geheimnisumwobenen letzten Jahren des Verstorbenen. Der Militärdienst sei für Lawrence eine Art Kur gewesen, um sich von der Enttäuschung zu erholen, daß seine Versprechungen, die er den Arabern gegeben habe, im Friedensvertrag nicht gehalten wurden, eine Tatsache, die er nie verwunden hat und die ihn bestimmte, alle späteren Ehrungen durch die englische Regierung auszuschlagen. Neben den wissenschaftlichen und literarischen Arbeiten des Obersten wird in den Zeitungen besonders seine militärische Befähigung hervorgehoben. Sein einziges Gefecht gegen die Türken, das er leitete, sei ein Meisterstück der Taktik gewesen, durch das es ihm gelang, mit 3000 undisziplinierten arabischen Reitern eine zwölffache Übermacht zu bewältigen. Auch in anderen Zeitungen wird hervorgehoben, daß die Strategie die Haupteigenschaft Lawrences gewesen sei, und es wird beklagt, daß die Nachkriegsregierung es nicht verstanden habe, diese seltene Fähigkeit in ihren Dienst zu stellen.

Die Neue Freie Presse (Morgenblatt) vom 21.5.35 verwendet für ihr Feuilleton eine Übersetzung des erwähnten Artikels aus der Times.

Der Held von Arabien
Tragisch sinnlos mutet der Tod Lawrences an. Dennoch paßt diese Todesart irgendwie zu diesem Manne: er schien ja im rasenden Tempo der Fahrt allein Ruhe vor quälenden Gedanken und dem Gefühl der Nichtigkeit zu finden.
„Lawrence of Arabia“ wurde er getauft, als sein Ruhm plötzlich zu erstrahlen begann. Dieser Beiname blieb ihm trotz seines Protests, er kennzeichnet nicht nur die Taten dieses Mannes, sondern auch seine Wesenseigentümlichkeit. T. E., wie seine Freunde ihn nannten – der Mitwelt war er unter den verschiedensten Namen bekannt – war eins mit dem Geist der Wüste, war ein Nomade seit seinen Kindheitstagen, ein Mensch, geboren für die Einsamkeit.
Lawrence erblickte am 18. August 1888 in Wales das Licht der Welt. Die ersten acht Jahre seines Lebens verbrachte er in Schottland, Hampshire, in der Bretagne, auf der Insel Man und den Inseln des Aermelkanals. Als seine Eltern sich schließlich in Oxford niederließen, besuchte er die High School, doch empfand er die Schule als lästigen Zwang und Zeitvergeudung. Schon als Junge betrieb er auf eigene Faust archäologische Forschungen; in den Ferien wanderte er durch ganz Frankreich, mit dem Studium der mittelalterlichen Architektur beschäftigt. An der Hochschule – Jesus College in Oxford – ermöglichte ihm ein Stipendium eine Reise nach dem Osten. In glühender Sommerhitze durchwanderte er ganz Syrien, besuchte die Festungen der Kreuzfahrer, forschte nach Ueberresten aus der Zeit der Hittiten. Wenige Jahre später kehrte er abermals nach Syrien zurück, um an den Ausgrabungen in Carchemish teilzunehmen. Dann zog er durch Mesopotamien, Palästina, Aegypten, Kleinasien und Griechenland, wobei er sich seinen Unterhalt durch Gelegenheitsarbeiten verdiente, sich bald als Kameltreiber, bald als Taglöhner, und in Port-Said sogar einmal als Kohlenschipper verdingte. Die vollständige, durch Armut und Veranlagung bedingte Abkehr von den Gepflogenheiten des herkömmlichen Daseins machte aus dem Europäer, der frei von jedem Klassenbewußtsein war, einen „weißen Araber“. Er legte arabische Tracht an und wurde, trotz seiner hellen Hautfarbe, seines blonden Haares und seines bartlosen Gesichtes von den Arabern zwar nicht für einen der ihren, wohl aber für einen arabischsprechenden Eingebornen gehalten. Dabei kam ihm insbesondere die Fähigkeit zustatten, ihnen auch innerlich gleich zu werden, was um so leichter möglich war, als der tief wurzelnde Freiheitsdrang dieses Volkes, das sich gleich ihm wenig um materielle Güter kümmerte, die nur um den Preis einer Beschränkung der persönlichen Freiheit zu erwerben sind, eines der hervorstechendsten Charaktermerkmale Lawrences war. Das Geheimnis seines Erfolges bei der Behandlung der arabischen Soldaten lag in der Erkenntnis, die er selbst einmal äußerte, „daß nur der ihr Anführer sein könne, der ihr Leben teilt, ihre Kleidung trägt, dieselbe Kost ißt wie der gemeine Soldat und in dem sie dennoch den überlegenen Menschen spüren“.
Noch zwingender aber erhellt die Macht seiner Persönlichkeit aus dem Verhalten der aktiven britischen Offiziere, mit denen er in Kontakt kam, und die sich, obwohl seine Vorgesetzten, bereitwillig seiner Führung unterstellten. […] Das Führertalent Lawrences überwand die schwierigsten Hindernisse. Dabei führte er das Kommando, ohne Kommandant zu sein, mußte er seine Anordnungen in die Form von Ratschlägen kleiden.
Lawrence erschien auf dem Schauplatz, als Ibn Saud vorübergehend in den Hintergrund gedrängt wurde. Er war damals Mitglied des Intelligence Service in Aegypten und wartete auf die offizielle Bestätigung seiner Versetzung zu dem neuen arabischen Büro in Kairo. Im Oktober 1916 unternahm Lawrence eine Reise an die Hedschasküste, trat mit den arabischen Führern in Verbindung, mit dem Ergebnis, daß er knapp nachher als Verbindungsoffizier und Berater Feisals wieder nach dem Hedschas zurückkehrte, wo bereits seit Monaten eine Revolte des Emirs von Mekka gegen die Türken im Gange war, und England im ureigensten Interesse die Partei des Emirs ergreifen mußte. In Anbetracht der Sachlage im Jahre 1916 und der Notwendigkeit, eine Abhilfe für die prekäre Situation zu schaffen, in der England sich damals befand, blieb Lawrence keine andere Wahl, als sich der arabischen Aufrührer zu bedienen, die ja bereits gegen den gemeinsamen Feind kämpften. Niemand war sich der geringen Zuverlässigkeit dieser Verbündeten deutlicher bewußt als Lawrence, denn niemand kannte sie besser als er. Die Ereignisse der beiden nächsten Jahre aber zählen zu den glanzvollsten der Geschichte. Der Aufstand im Hedschas griff immer mehr um sich – im Besitz der Türken blieb eine einzige Garnison, die schließlich auch fallen mußte, wie eine reife Frucht vom Baum. Daran schloß sich die Einnahme von Aqaba durch die von Lawrence angeführten Araber, womit jede Gefahr für die Zufuhrstraßen der britischen Armee in Palästina und die Seeverbindungen des Empires durch den Suezkanal beseitigt war. In der nächsten Kampfphase – die Engländer hatten in der Zwischenzeit die unzulänglich verteidigte Front zwischen Gaza und Berscheba durchbrochen und Jerusalem und Jericho erobert – dienten die Araber als Schild für Allenbys Flanke und gleichzeitig als Hebel gegen die Türken.
Diese Kampfphase begann mit der Zerstörung der nach Norden führenden Eisenbahnlinien, eine Tat, die Lawrence von den ihn bewundernden Arabern den Beinamen „destroyer of engines“ eintrug. Hier offenbarte sich die meisterhafte Strategik Lawrences, der den Kampf gegen das Maschinenmaterial der Türken führte, an dem sie Mangel litten, statt gegen ihre Truppen, die seinen Arabern zahlenmäßig weit überlegen waren. Die Araber schnitten den Türken die Getreidezufuhr aus dem Gebiete östlich des Toten Meeres ab und Lawrence kaperte mit einem arabischen Reiterdetachement eine ganze Kornflotille. Diese Tat schloß sich an die einzige „Schlacht“ an, die Lawrence je gekämpft, und zwar im Januar 1918 bei Fafila [sic], wo er einen feindlichen Angriff erst aufhielt und dann den Feind in die Flucht schlug. Die Leistung, die er in diesen Monaten vollbrachte, vermag auch der ironische Ton nicht abzuschwächen, in dem er selbst später darüber sprach. Durch seine Taktik und die immer weiter um sich greifenden Unruhen, die sie im Gefolge hatte, gelang es Lawrence, die Aufmerksamkeit der Türken in der ersten Hälfte 1918 von Allenby abzulenken, der mehrere Armeekorps an die geschwächte französische Front abgeben mußte. Die taktische Geschicklichkeit Lawrences hatte auch noch zur Folge, daß der Feind außerstande war, sich durch einen Rückzug hinter die Linien beim See Genezareth zu retablieren, um so einem Angriff Allenbys zuvorkommen zu können. Liman von Sanders selbst gibt zu, daß er von diesem Gedanken abstehen mußte, „weil wir nicht mehr länger imstande gewesen wären, das Anwachsen der arabischen Insurrektion im Rücken unserer Armee hintanzuhalten“. Endlich, im September, war Allenby zum Losschlagen bereit. Fast die Hälfte der türkischen Truppen südlich von Damaskus konnte infolge der bedrängten Lage, die einige tausend Araber, angeführt von Lawrence, geschaffen hatten, nicht an die britische Front geworfen werden, und Allenby vermochte in dem Sektor, wo er den entscheidenden Schlag zu führen gedachte, dem Feind eine fünffache Uebermacht entgegenzustellen. In den vorangehenden Monaten war es Allenby durch ein Netz von Finten und Täuschungen gelungen, bei der türkischen Heeresleitung den Glauben zu erwecken, der Angriff Allenbys würde östlich gegen Amman statt nördlich gegen Galiläa erfolgen. In den letzten drei Tagen vor dem Kampf tauchten Lawrences Araber aus der Wüste auf, zerstörten die Eisenbahnlinien nördlich, südlich und westlich von Deraa und schnitten so den Türken jede Zufuhrsmöglichkeit ab. Die Lage der türkischen Armeen war daher im Augenblick, wo der Angriff Allenbys einsetzte, bereits eine sehr prekäre. Die beiden Armeen zwischen dem Jordan und der Mittelmeerküste waren im Handumdrehen vernichtet, die fliehenden Truppen von britischer Kavallerie eingekreist oder von englischen Flugzeugen beschossen. Nur die vierte Armee – die auch die stärkste gewesen – blieb bestehen, allerdings östlich des Jordans. Lawrence mit einer Abteilung Araber störte den geordneten Rückzug der Armee, die sich bald in müde, fußmarode, immer mehr zusammenschrumpfende Regimenter auflöste, denen die Anstrengungen des Marsches und die Lanzenstiche von Lawrences Beduinen übel mitspielten.
Der letzten geschlossenen Heeresabteilung der Armee wurde der Rückzug abgeschnitten und knapp vor Damaskus wurde sie von den Arabern vernichtend geschlagen, die ihren Sieg damit krönten, daß sie vor den Engländern in Damaskus einzogen. Drei Tage lang war Lawrence Herrscher in Damaskus, am vierten Tag verschwand er. Der Einzug in Damaskus war eine Rechtfertigung des arabischen Aufstandes und gleichzeitig auch des Gedankenganges Lawrences. Er war der Kulminationspunkt eines Feldzuges und einer taktischen Theorie, die Lawrence ausgearbeitet und in die Praxis umgesetzt hatte. Lawrence figuriert in der Geschichte des Krieges nicht als bloßer Anführer irregulärer Truppen, er war ein genialer Stratege, der genügend Weitblick besaß, um jenen Kleinkrieg im Rahmen des modernen Kampfes vorauszuahnen, der sich aus der wachsenden Abhängigkeit der Nationen von ihren industriellen Ressourcen ergibt.
Die ersten Monate nach dem Kriege widmete Lawrence seinem Buch „The Seven Pillars of Wisdom“, dessen Manuskript er auf der Fahrt von London nach Oxford verlor und das er auf Drängen seines Verlegers binnen wenigen Monaten nochmals schrieb. 1921 wurde Lawrence als politischer Berater für die Angelegenheiten des Mittelostens in das Kolonialamt berufen, wo er Einfluß auf die Gestaltung jener Politik nah, die England veranlaßte, König Feisal zum Beherrscher eines neuen Reiches im Irak und seinen Bruder zum Oberhaupt eines neuen Staates in Transjordanien zu machen. Ein Jahr später trat Lawrence unter dem Namen Roß in die britische Luftflotte ein. Die Sensation, die das Bekanntwerden dieser Tatsache in der Oeffentlichkeit erregte, führte zu seiner Entlassung aus dem Dienst, worauf Lawrence offiziell den Namen Shaw annahm und in das Tankkorps eintrat. 1925 wurde seine Rücktransferierung zur Luftflotte veranlaßt, die ihm Gelegenheit gab, seine großen fachtechnischen Kenntnisse auch in den Dienst dieser Waffe zu stellen. Die ersten Dienstjahre waren für Lawrence Jahre seelischer und körperlicher Erholung, und als er im vergangenen März seinen Abschied nahm, vermutete niemand einen Sechsundvierzigjährigen in ihm. Er hatte die Absicht, sich in seinem kleinen Landhaus niederzulassen und sich, wie er selbst sagte, „den niemals genossenen Freuden des Nichtstuns und der Langeweile zu widmen“.
Ehrgeizige Ambitionen hatte Lawrence seit langem schon abgestreift, als er erkannte, welche Gefahr sie für jene seelische Freiheit bedeuteten, die ihm über alles ging. Er war frei von Strebertum, und während seiner ganzen Laufbahn war ihm nie darum zu tun, andere Menschen zu übertrumpfen, sondern nur zu leisten, was er sich vorgenommen. Die persönliche Bedürfnislosigkeit dieses Mannes belustigte seine besten Freunde. Wohl wirkte er durch seine Einstellung zum Leben, die sich so gänzlich von der Menschen gewöhnlichen Schlages unterschied und durch seinen oft sarkastischen Humor noch unterstrichen wurde, auch auf Menschen, die ihm am nächsten standen, häufig befremdend und erbitternd. Aber wer Lawrence kannte – soweit dies überhaupt möglich war –, konnte sich der seelischen Größe dieses Mannes nicht verschließen, einer Größe, die unsterblich ist.

Aus: „Die Furcht der Sieger“, Wochenausgabe N.W.T., 20.7.35

The Right Honourable J. E. B. Seely
Eines Tages speisten Balfour und Lloyd George bei mir. Lawrence „von Arabien“, der kürzlich so tragisch ums Leben kam, war auch anwesend und auch noch einige andre Männer. Es war mein interessantestes Erlebnis, das Verhalten dieses ungewöhnlichen Mannes bei dieser Gelegenheit zu beobachten. Lawrence stand damals in offener Fehde mit Wilson, Clemenceau und Lloyd George. Er hatte als Kind den Traum gehegt, die Araber vom türkischen Joch zu befreien, und hatte Arabisch in einem Bruchteil jener Zeit erlernt, die ein gewöhnlicher Sterblicher dazu benötigt. Als Faisal vor den großen Fünf in Paris erschien, bat er Lawrence, als Dolmetscher aufzutreten.
„Ich,“ sagte Faisal, „werde ein Kapitel aus dem Koran rezitieren, und Sie werden das sagen, was zu sagen ist.“
Man hat Lawrence später ungeheure Summen angeboten für seine Memoiren, für Verfilmungsrechte. Er lehnte alles geringschätzig ab, wobei zu bemerken ist, daß er buchstäblich in größter Armut starb.
Lawrence war der Ansicht, daß König Faisal und die Araber in erster Linie zu dem Endsieg beigetragen hatten und daß ihn die großen Drei, Wilson, Clemenceau und Lloyd George, um seinen Siegesanteil brachten. Ich weiß nicht, wie weit er recht oder unrecht hatte, aber ich weiß, daß Lawrence für seine Sache mit einer Ausdauer und Kühnheit eintrat, die die alten Staatsmänner verblüffte. Er ging in seinem Widerspruch so weit, daß er sich als Araber bekannte und dies allen, groß und klein, offen ins Gesicht sagte.
Während des ganzen Dinners sah ich, wie Lawrence Lloyd George beobachtete. Er wendete kein Auge von ihm ab, und es war ersichtlich, daß er jedes Wort, das der englische Premierminister sprach, im Gedächtnis festhielt.
Nach dem Dinner saßen wir in einer kleinen Halle und hörten Musik. Lloyd George und Balfour hatten es sich in Lehnstühlen behaglich gemacht und Lawrence stand daneben. Ich ging zum Violinspieler und bat ihn, ein von Balfour gewünschtes Musikstück zu spielen, und als ich zurückkam, war Lawrence verschwunden. Nach einer Viertelstunde blickte ich hinter den Lehnstuhl von Lloyd George und sah Lawrence im Schatten der Säule regungslos auf dem Boden kauern. Er verhielt sich so unbeweglich, daß ich nicht einmal sein Atmen wahrnahm. Ich habe später erfahren, daß Lawrence in der Wüste gelernt hatte, stundenlang im Nachdenken versunken regungslos zu verharren.
Es gelang ihm schließlich, manches durchzusetzen, aber er beharrte dabei, daß man Faisal getäuscht hatte. Sein Aeußeres war ganz überraschend. Blond, blauäugig, mit sanften Zügen und reizendem Lächeln war es schwer, zu glauben, daß er mehr als achtzehn Jahre zählte und so ungewöhnliche Erlebnisse und Erfahrungen hinter sich hatte. Unter den schwierigsten Verhältnissen hatte er die arabischen Feldzüge geleitet und sein Leben stündlich aufs Spiel gesetzt. Dabei gehörte er zu den hervorragendsten Gelehrten in Europa. Eines steht fest, wir schulden Lawrence die Bezwingung der Türkei.

Salzburger Chronik, 9.2.38

Wien, 8. Februar
Im Studiensaal der Albertina hielt Sir Ronald Storrs im Rahmen der österreichisch-englischen Gesellschaft vor einem zahlreichen Publikum einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über die sagenhaft gewordene Persönlichkeit des britischen Helden des Araberaufstandes von 1916 bis 1918, Lawrence. Der Vortragende, der im diplomatischen Dienst des nahen Ostens selbst eine hervorragende Rolle gespielt hat und auch mit Lawrence persönlich aufs engste befreundet war, schilderte einleitend die langwierigen diplomatischen Verhandlungen, die noch vor Kriegsausbruch mit den arabischen Scheichs über die Möglichkeit einer „defensiven Bewaffnung“ geführt wurden. Sir Storrs, der diese Verhandlungen führte, brachte selbst den jungen Lawrence, der im ägyptischen Expeditionskorps diente, nach Arabien. Der Vortragende betonte, daß die Tätigkeit des Obersten Lawrence in Arabien vielfach übertrieben dargestellt wurde und daß, wenn auch der Schaden, den er dem Gegner zufügte, – vielfach hinter der Front – ein geringer war, sein Wirken dennoch einen gewaltigen Eindruck hervorrief. Lawrence war überall und nirgends. Wenn er irgendwo auftauchte, Straßen und Brücken und ganze Züge in die Luft sprengte, dann war er im nächsten Augenblick ebenso spurlos verschwunden. Es ist kein Wunder, daß dieser Mann zu einem Helden der Sage wurde, nachdem er in seinem 46. Lebensjahre das Opfer eines Motorrad-Unglücks wurde. Sir Storre [sic] schilderte sodann die Tragik des Lebensabends Lawrences, der nach seiner großen Aufgabe in den Kriegsjahren eine neue entsprechende Aufgabe suchte, diese aber nicht finden konnte. So ergab er sich dem Schnelligkeitswahn, der Motorraserei, die ihm zum Schicksal wurde.

Spätestens seit 1939 wird Lawrence in erster Linie in antibritischer Hetze erwähnt. Dabei ist er wahlweise „Englands böser Geist“ (Alpenländische Rundschau, 26/1940) oder Whistleblower, sogar Opfer von Verschwörungstheorien.

Oesterreichischer Beobachter, 1.8.42. Aus: „Der Vordere Orient – Englands gefährdete Landbrücke“

Im Krieg 1914/18 war es dem englischen Obersten T. E. Lawrence gelungen, die Araber Vorderasiens zum Kampf gegen die Mittelmächte und für England aufzuhetzen. Anfang 1934 schrieb Lawrence an einen deutschen Offizier: „Der letzte Krieg war, soweit es mich betrifft, eine unvermeidliche, aber abscheuliche Angelegenheit. Ich spreche niemals mit jemand über meine Rolle darin, und ich will auch gar nichts über ihn lesen oder über den Vorderen Orient, damals oder vorher oder seitdem. Nichts könnte mich dazu bringen, die Jahre 1914 bis 1918 wieder ins Gedächtnis zu rufen. Sie waren ein Alpdruck, und ich bedaure sehr, daß ich gezwungen wurde, jene Rolle zu spielen, die mir zufiel.“
Oberst Lawrence hat aber nicht nur diesem deutschen Offizier geschrieben, sondern er hat auch für die arabischen Freiheitskämpfer, denen er sich persönlich verpflichtet fühlte, die durch seinen Mund gemachten wichtigen Zusagen der britischen Regierung schriftlich festgehalten und hatte ihnen diese wichtigen Dokumente zwei Tage nach seinem plötzlichen Tod übergeben wollen. Oberst Lawrence starb an einem Motorradunfall, die wichtigen Dokumente wurden in seinem Nachlaß nicht gefunden, nähere Aufklärung darüber vermag jene Abteilung des Secret Service zu geben, die seit einer Reihe von Jahren im Vorderen Orient jeden Politiker, der ihr unbequem wird, um die Ecke bringen läßt. Wir zählen bloß auf: 1933 starb Feisal, der König von Syrien werden sollte, in Genf eines ungeklärten Todes. Nachträglich wurde einwandfrei festgestellt, daß der Secret Service ihn hatte vergiften lassen. 1939 gab der junge König Ghazi im Irak seinem Staat einen merkbaren Ruck ihn aus der Abhängigkeit Englands zu lösen. Er fand am Steuer seines Wagens einen ungeklärten Tod, doch nicht so ungeklärt, daß die Araber nicht sofort den britischen Konsul in Mossul als den Anstifter des „plötzlichen Todes“ ihres Königs erschlagen hätten. Im irakischen Kabinett hatte Generalstabschef Bekr Sidky eine Abkehr von England und eine engere Anlehnung an die Türkei gefordert, er wurde vom Secret Service ermordet.

[Und so weiter, und so fort.]

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