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Posts Tagged ‘Outlander’

Da hatte ich nachsichtig gelächelt in Outlanders 1. Staffel, als Claire das F-Wort so frei in der Rede führte – was für eine Frau von 1945 extrem anachronistisch ist. Jamie wiederum hat keinerlei Ahnung, was sie meint.
Zu meiner nicht geringen Verblüffung fand ich eine Weile darauf das F-Wort in zeitgenössischen Quellen des 18. Jahrhunderts. Während es also in unseren Tagen erst relativ kürzlich wieder aufkam und zu Claires Zeit außer Gebrauch war, verwendete man es zu Jamies Zeit durchaus schon. Zugegeben, es waren Militärquellen, wir reden also von Soldatensprache, die bekanntlich etwas… krude war. Aber es sind verdrehte Verhältnisse. Claire sollte das Wort nicht kennen, Jamie hingegen schon; ob Jack als Soldat seiner Zeit mit Claires ausdrucksstarker Beschimpfung etwas anfangen kann oder nicht und somit anachronistisch ist oder nicht, erfahren wir leider nicht.

Geflucht wurde bei der zweiten Runde Outlander Cookbook wenig, immerhin haben Theresas Rezepte den Anspruch, idiotensicher zu sein. Es ist auch erstaunlich, wie wenig Schnickschnack gebraucht wird.
Okay, ich mit meiner Irgendwie-zusammengesammelt-Küchenausstattung schaute dann schon mal dumm aus der Wäsche, als eine flache 22x22cm-Auflaufform verlangt wurde (9-inch square baking pan), aber ich beschloß, daß es meine 27x19er auch tun würde.
Gleiches galt für die „8- or 9-inch pan“, also eine flache feuerfeste Schüssel von ~20 oder 22 cm, für die meine runde 19cm-Auflaufform auch gut genug war, wie ich mir sagte. Gebraucht für „Black Jack Randall’s Dark Chocolate Lavender Fudge“, s. obiges Bild.

Dieses Rezept hat eine bizarre Hintergrundgeschichte für mich. Ich wußte schon lange bevor ich je von Jack Randall hörte, daß Lavendel der Geruch des Bösen ist. Ich verabscheue Lavendelduft aus tiefster Seele. Entsprechend nickte ich in Outlanders „To Ransom a Man’s Soul“ nur wissend.
Aber: Fudge. Kannte ich immer nur aus Harry Potter und wollte es endlich mal ausprobieren. Also brauchte ich Lavendel. Den eßbaren Biolavendel. Im März sah’s damit noch extrem schlecht aus, Blütezeit ist ab Juni. Ich fand einen Anbieter, der zu Anfang April liefern konnte – na, immerhin. Vielleicht würde ich das Sträuchlein ja überzeugen können, etwas schneller zu blühen. Sicherheitshalber kaufte ich noch getrockneten – den gibt’s allerdings für Tee, ergo mit Blättern und Stengeln (aua!). Es wurde April, mein Hidcote zeigte keinerlei Anzeichen für Wachstum, geschweige denn Blüte. Und in den Supermärkten tauchten die ersten blühenden Duftlavendel aus Italien und Holland auf. Nicht zum Verzehr geeignet! Aber als Deko ja ganz nett, sagte ich mir und kaufte einen Pott. Dank Black Jacks Fudge bin ich als Lavendelhasserin nun also Eigentümerin zweier Lavendelbüschchen und einer Tüte Lavendeltee. Manchmal ist das alles seltsam.

Die Trockenmischung stellte mich beim Zubereiten vor ungeahnte Probleme. War beim Rezept frischer oder getrockneter gemeint? Theresa schreibt zu Kräutern, bei getrockneten solle man etwa die halbe Menge der frischen nehmen. Ich entschloß mich also für einen 3/4 EL als Mittelmaß, was sich als ausreichend für einen intensiven Lavendelgeschmack erwies! (Urgh.) Nicht vergessen, die Blüten vom Rest der Pflanze zu trennen.
Fudge stellte sich im fertigen Zustand als sehr klebrige Masse heraus, und ich verfluchte meine Entscheidung für eine runde Schüssel mit Worten des 18. und 21. Jahrhunderts. Das Heraushebeln erfordert nämlich Kraft, Strategie und ein stabiles Hebewerkzeug. Aber das fertige Produkt ist ebenso superdekadent.

Mr. Willoughby’s Coral Knob

Daß das Rezept 240 ml Mayonnaise verlangte, war für mich der ausschlaggebende Grund, es um die Hälfte zu reduzieren.
Monterey Jack, kann ich gleich vorab jedem Interessierten sagen, gibt es hierzulande nicht, und die Suche nach weißem Kuhmilchkäse führte bestenfalls zu nachgemachtem Feta. Nun hätte ich keinerlei Probleme, mit Ziegen- oder Schafskäse zu substituieren, aber nicht jeder ist ein Fan deren Eigengeschmacks. So nahm ich den hellgelbsten Kuhmilchkäse, der sich finden ließ.
Ich bin etwas skeptisch, was dieses Rezept angeht, die Konsistenz war nicht so ganz richtig. Vielleicht mehr Mayonnaise beim nächsten Mal…
Serviert habe ich’s nicht nach Vorschrift, denn a) ist der Käse in einer Schüssel schon gut aufgehoben, und b) erinnert mich das eigentliche Arrangement weniger an Korallenschmuck als an… nun ja.

The MacKenzies‘ Millionaire’s Shortbread

Warnung: Man braucht mehrere Stunden für dieses Rezept, weil die Karamellmasse komplett abkühlen muß – und wer schon einmal Karamell gemacht hat, weiß, wie heiß das Zeug wird!

Ein weiteres sehr, sehr dekadentes Süßkram.

Die Schokoladenmenge haute leider nicht ganz so hin wie gedacht. Die 27x19er Form statt 22×22, hm? Wie an der leicht brüchigen Oberfläche zu erkennen. Aber: Hjam! Schmeckt ähnlich wie Twix, nur üppiger. Vorsicht beim Schneiden und Servieren: Das Karamell hat die Eigenschaft, davonzulaufen.

Honey-Buttermilk Oat Bread at Madame Jeanne’s

Toll, aber wem’s bei den Zutaten noch nicht auffallen sollte: Es ergibt eine Riesenmenge.
Beim Kneten, das ich grundsätzlich per Hand mache, weil man nur so ein wirkliches Gefühl für die Teigkonsistenz bekommt, ergänzte ich mehrmals Flüssigkeit, denn die Masse bröckelte sehr.
Statt zu zwei Broten (wer hat schon zwei Brotformen zu Hause?) verarbeitete ich die andere Hälfte zu Brötchen.
Übrigens auch ein Rezept, das mehrere Stunden in Anspruch nimmt. Man beachte die Geh- und Abkühlzeiten.

Broccoli Salad (nur im Buch zu finden)

Knackiger bunter Salat mit vielen verschiedenen Geschmacksnoten. Als Vegetarierin verzichtete ich nicht auf den Schinken, sondern ersetzte ihn durch die Sojavariante, bzw. verschiedene Varianten. Auch diese lassen sich im Ofen knusprig machen.
Ich nahm die Hälfte der Zutaten, was, wie man sieht, immer noch mehr als ausreichend für fünf Personen ist!

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Claire… backt?

Und wie ich soeben entdeckte: Der Teaser für Outlanders 3. Staffel ist online:

Yes! Ich habe die ganze Zeit gesagt, sie können Culloden nicht einfach so weglassen. Tada!
Ich nehme noch Wetten an, ob sie Jack einbauen oder nicht. Nein wäre äußerst innovativ, was ich begrüße, aber andererseits kann man als Geschichtenerzähler einen solch zentralen Charakter nicht einfach verschwinden lassen. Ja bedeutet die Frage, wer ihn umlegt. Klassischer Weg: Jamie, was alles in allem natürlich die Ideallösung wäre. Andererseits würde ich als Fan eher unüblicher Lösungen auch Murtagh beglückwünschen (der Jack vermutlich noch mehr haßt als Jamie – ich liebe seine Szenen in „The Hail Mary“!) oder, mal ganz unerwartet, Rupert.

(Und oh, oh, entdecke ich da auf 0:28 eine Spiegelszene?)

Erheblich ärgerlicher ist, daß es erst im September losgeht. Das heißt, ich als internetloser Mensch komme schätzungsweise erst Ende 2018 in den Genuß der DVDs.

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Eine etwas losere Fortsetzung der beliebten Artikelserie „Karola kocht“ (Der heruntergekommene Lucull).

Auf der Suche nach neuen Rezepten, die ich an meiner Rollenspielgruppe ausprobieren servieren könnte, mußte ich nicht weit schauen, denn es gibt das Outlander Kitchen Cookbook, basierend auf der OK-Website. Die Geschichte dahinter ist sehr nett, wer sich belesen möchte. Und wen die Rezepte reizen, die englische Sprache aber abschreckt: Angeblich soll dieses Jahr eine deutsche Übersetzung erscheinen.
Beim Stöbern auf der Website jedoch fand ich ein Gericht, das ich gleich erst einmal zu Ostern testen wollte: Vegetarian Rolls with Pigeon & Truffles.

(Jetzt endlich bessere Aufnahmen dank besserer Kamera!)

Der Name ist etwas irritierend (ähnlich wie die vegetarische Ente im China-Restaurant um die Ecke – ich weiß bis heute nicht, was sich dahinter verbirgt), erklärt sich aber aus der Entstehungsgeschichte des Rezepts. Die Tauben-Trüffel-Rollen waren Theresas erstes Outlander-Rezept, und nun gibt’s diesen Klassiker eben in einer vegetarischen Variante. Ohne Tauben und auch ohne Trüffel.

Shiitake gab’s weder bei Denn’s noch bei Netto noch bei Edeka noch bei Rewe, weshalb ich schließlich Austernpilze substituierte. Auch frischer Thymian war nicht zu bekommen, so daß der getrocknete her mußte, und Panko war definitiv zu speziell für meine Supermärkte, aber meine „Paniermehl“sammlung (Krümel von Zwiebacken, Knäckebrot etc.) tat’s auch problemlos. Außerdem war ich faul und griff auf fertigen Blätterteig zurück, was wunderbar funktioniert – allerdings sollte die Füllmasse dann auch recht exakt halbiert werden, um eine ausreichende Menge Teig für beide „Würste“ zu haben. (Ich spreche aus Erfahrung.)
Die Füllmasse allein roch beim Zubereiten schon so köstlich (und sah erstaunlicherweise appetitlich aus), daß ich das fertige Produkt kaum abwarten konnte. Und es war tatsächlich lecker! Die Viertelstunde abkühlen sollte sich von selbst erklären und beachtet werden, denn die Rollen sind innen wirklich heiß!
Gut dazu paßt übrigens Kräuterquark.

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Eine der penetranteren Kaufempfehlungen, wenn man die Outlander-DVDs und das Making of-Buch erstanden hat, ist Finding Fraser. Ich hatte es lange Zeit ignoriert, weil Jamie nun so überhaupt nicht mein Held ist (ähnlich wie Edward in Twilight nie zündete). Aber irgendwann hatte ich nichts mehr zu lesen. Das Allan-Ramsay-Buch war schön, konzentrierte sich aber in erster Linie auf seine Techniken. (Ramsay ist einer meiner Lieblingsmaler, seit ich ihn durch das Cover meiner Ausgabe von Richardsons Clarissa kennenlernte.) Ein anderes ist noch im Transit aus Übersee. Aus lauter Verzweiflung knickte ich daher doch ein.
Finding Fraser ist eine Screwball-Komödie, keine Frage, was nicht mein Ding ist. Es mauserte sich aber zusehends und erinnerte mich an moderne Verarbeitungen von Austen-Romanen – Bride & Prejudice, Clueless oder The Jane Austen Film Club fallen ein. Natürlich weiß jede Leserin, daß Heldin Emma ihren Jamie gleich sehr früh gefunden hat, als Schotte auf US-Tour Jack Finlay (JF!) sie in der großartigen Stripperszene rettet. Aber Emma ist halt nicht die Hellste, und überhaupt kann ihr Jamie Fraser doch niemals Jack heißen! Und so braucht es denn viele Irrungen und Wirrungen und viele Anspielungen auf die literarische Vorlage (Emmas „Rettung“ von Jack aus seinem unfreiwilligen „Verlies“ ließ mich herzlich lachen) und deren Fans, bis es zum Happy End kommt. Das Beste sind zweifellos die Blogeinträge samt Kommentaren aus aller Welt… wobei ich leider anmerken muß, Emma, daß die deutsche Kommentatorin definitiv ein Fake ist – daß sie „Deutschland“ nicht schreiben kann, ist heutzutage vielleicht nicht mehr so ungewöhnlich, aber ihr Screenname macht nicht den geringsten Sinn.
Leider hält das Buch diesen Level nicht beständig durch. Es gibt sehr, sehr konstruierte Szenen, die nicht einmal Emmas Blödheit überzeugend erklären kann.
Dafür wird Braveheart korrigiert und Mel Gibson durch den Kakao gezogen…

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Fertig mit der zweiten Runde Outlander. Nun, wo man nicht in erster Linie auf Handlung gucken muß, hat man viel Zeit für Nuancen, und, Mann, schwelgte ich!
Als ich seinerzeit mit der Serie anfing, erwartete ich nicht viel und war am Ende massiv beeindruckt. Jetzt, nach Wiederholung, kann ich unbesorgt sagen, daß Outlander ein wirkliches Qualitätswerk ist. Auch wenn ich die Sexszenen immer noch ein bißchen exzessiv finde. Solange sie im Kontext der Handlung eine Funktion erfüllen, kein Problem, aber Sex um des Sexes willen… naja.
Ich habe auch ganz neue Lieblingsszenen entdeckt. Man könnte sich darüber streiten, ob Leichtherzigkeit bei Claires und Jacks drittem Zusammentreffen in „Both Sides Now“ angebracht ist, aber die Szenen mit Black Jack Randall sind alle so intensiv und furchtbar, daß es guttut, zwischendrin mal etwas zum Schmunzeln zu haben. So kommt es denn, daß Claire in ihrem kurzlebigen Moment der Überlegenheit einen Klassiker des 50er-Jahre-Kinos ausspielen darf: Die Krawattenszene! Wer sich erinnert, auch Whoopi Goldberg durfte sie in Corrina, Corrina persiflieren. Sie geht ungefähr so: Ehemann macht sich bereit für den Weg ins Büro und kommt wieder einmal mit dem Binden seiner Krawatte nicht zurecht, so daß schließlich Ehefrau eingreift. In „Both Sides Now“ ist diese Szene doppelt witzig, weil: a) Okay, wir reden hier von Jack Randall, Sadist ersten Ranges, und die Vorstellung von Claires ehefraulicher Standpauke im Sinne der guten alten 50er… Ja, ich lachte. („Now you listen to me, Jonathan Randall…“ – „Yes, dear.“)

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b) Die zweite Humorebene entsteht natürlich dadurch, daß beide Darsteller in der 1940er-Zeitlinie tatsächlich ein Ehepaar verkörpern. Ein netter Bogenschlag auch zu der früheren Folge „The Garrison Commander“, Claires und Jacks zweitem Zusammentreffen, die – was mir beim ersten Anschauen völlig entgangen war – durch und durch eine Geschichte über Claire und Frank ist, obwohl sie de facto nur eine Rückblickszene zusammen haben. Als solches ist sie auch ein entscheidender Knotenpunkt der Handlung. Die Produzenten selbst weisen clever darauf hin, als sie in der Titelkarte (eine kurze Szene mit Detailaufnahmen des Sets, während derer der Episodentitel eingeblendet wird) Franks Armbanduhr neben Jacks Rasierset plazieren.

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Es ist eine Folge über die Verbindung, wenn nicht gar Gleichsetzung der beiden Männer für Claire. In den vorhergegangenen Folgen vermißt Claire Frank zunehmend; nun plötzlich steht sie dem Mann gegenüber, der Frank in dieser Zeitlinie zumindest äußerlich so sehr gleicht. Und obwohl sie ihr erstes Zusammentreffen nicht vergessen hat, ist sie doch geneigt, Frank in Jack zu sehen. Ihr ganzes Verhalten Jack gegenüber wird von dieser Hoffnung beeinflußt. Sie weint über den Verlust des Guten, das sie durch ihren inneren „Frank-Filter“ in Jack vorhanden glaubt. Sie gesteht Jack, sie sei glücklicher als er wisse, als sie glaubt, ihn auf den Pfad des Guten zurückgeführt zu haben. Und genauso – das ist das wirklich Interessante hier –, als Jack diesen Glauben effektiv zunichte macht (und sich nebenbei als der hochintelligente Menschenkenner und sadistische Mistkerl erweist, als den das Publikum ihn von nun an kennen und fürchten lernt), beginnt Claires Liebe zu Frank zu schwinden. Zwar versucht sie in „Both Sides Now“ noch einmal, zu ihm zurückzukehren, aber es ist bereits mehr eine Flucht vor den Veränderungen, die sie in sich bemerkt, als eine Flucht zu ihm. Es ist auch vielsagend, daß Claires Heirat mit Jamie gleich in die Folge nach „The Garrison Commander“ fällt.
„The Garrison Commander“ ist vermutlich meine Lieblingsfolge der ersten Staffel geworden. Sie ist ein Kammerstück, ungemein clever aufgebaut, vielschichtig, eines der besten Beispiele, wie in Outlander so viel ohne Worte, nur durch Blicke, Mimik und Gesten vermittelt wird, und natürlich großartig getragen von der schauspielerischen Leistung Caitriona Balfes und Tobias Menzies’ in ihrer langen Unterhaltung, die das Herz der Folge bildet.

Nun bin ich leicht abgeschweift.

Der zweite Lacher am Ende von „Both Sides Now“ ist so ziemlich der letzte, den wir in Verbindung mit Black Jack bekommen (sein Artus-Witz in Wentworth ist wirklich gut!), also ist er erlaubt und noch einmal ein kurzer Lichtblick, bevor die Szene scheußlich wird. „What kind of gentleman keeps a rope in his desk?“ regt Claire sich auf, ganz empörte englische Dame, während sie bereits Übles auf sich zukommen sieht. Schön!

Wo wir beim Thema sind: Ich hatte leichtes Magengrimmen in Bezug auf „Wentworth Prison“ / „To Ransom a Man’s Soul“. Es ist schwierig, finde ich, Folgen noch einmal zu sehen, von denen man weiß, daß sie an die Substanz gehen. Und ja, sie gehen auch in der Wiederholung an die Substanz. Gleichzeitig sind sie natürlich absolut sehenswert. Von Tobias Menzies’ wandelbarem Schauspieltalent hat man die ganze Serie hindurch schon viel zu sehen bekommen, obwohl er in der Abschlußdoppelfolge noch einen Schritt weitergehen darf; Sam Heughan hatte diese Chance noch nicht wirklich. Jamie ist zu sehr der Held ohne Furcht und Tadel, mit Fehlern und Schwächen zwar, aber letztlich immer obenauf. Dies, so schrecklich mitanzusehen ist, wie er langsam, qualvoll und mit perverser Psychologie gebrochen wird, ist Sam Heughans bester Moment. Es ist alles in seinen Augen, sage ich nur.

pietaDie Pieta. Ich liebe gelungenen Gebrauch von Ikonographie. Kurz darauf verspottet Jack Jamies Christ-gleiche Passivität im Leiden (man denke auch an Jamies festgenagelte Hand), was wiederum einen Bogen zu „Lallybroch“ schlägt, als Jamie anmerkt, es stecke ein Teufel in Jack Randall; ebenso zu Claires Schwur in „To Ransom a Man’s Soul“ (der Episodentitel selbst weist schon auf die religiöse Verbindung hin, ebenso die Titelkarte): „Randall may have had your body, but I’ll be damned if he has your soul as well.“ Und Murtagh kommt in Staffel 2 noch einmal darauf zurück, als er Jack als „the devil’s spawn“ bezeichnet.

A propos, ich glaube, ich habe nun endlich herausgefunden, was mich an Staffel 2 so störte: Ihr fehlen lange Zeit all die Parallelen und Verknüpfungen, das Spiegelbildliche, das Staffel 1 durchzieht. Staffel 2 ist über viele Folgen hinweg sehr, sehr wörtlich, keine Spur von Metaebene. Zwar ist die erste Hälfte von Folge 1, „Through a Glass, Darkly“, voll davon, aber – und das ist vielsagend – nur dadurch, daß Frank wieder ins Spiel kommt. Danach ist Sense, bis – aha! – Jack in Paris auftaucht. Ellen Moody analysierte Outlander als Dreiecksgeschichte, und sie hat völlig recht damit. In Fankreisen und auch seitens Autorin Diana Gabaldon, was ich bisher gesehen und gelesen habe, ist der Fokus immer auf Claire und Jamie. Aber die Geschichte hat keinerlei Tiefgang ohne was Ellen als den Doppelgänger Frank/Jack bezeichnet; wer weniger tiefenpsychologisch vorgehen möchte, macht eine Vierecksgeschichte daraus. Beides funktioniert. Und sobald Jack mit der dramatischen Verknüpfung sowohl zu Wentworth und dem Mißbrauch an Fergus (ich nenne das zuschlagendes Karma) als auch zu Claire (ein Leben für ein Leben) während des Duells die Bühne vorerst wieder verläßt, verschwindet ebenso die Metaebene. Nicht, daß die Serie an dieser Stelle schlechter wird – wir kommen nun zum herzzerreißenden und epischen Teil, und das hat eigenen Wert, aber es gibt herzlich wenig zu deuten. Den nächsten Bogenschlag finden wir tatsächlich erst wieder in „The Hail Mary“ mit, jep, Jacks Rückkehr. Erst jetzt, nachdem ich Staffel 1 noch einmal gesehen hatte, konnte ich die wundervolle Szene zwischen Claire und Jack als das Gegenstück zu ihrer Szene in „The Garrison Commander“ erkennen, das sie ist. Mit einer Wendung! Diesmal versucht Claire nicht, seine Seele zu retten, während man den Eindruck bekommt, daß das genau das ist, was Jack von ihr erbittet, zumindest den kleinen Teil seiner Seele, den er sich noch erhalten hat.

Diana Gabaldon ist in Staffel 2 als Gastautorin vertreten, nämlich bei der Folge „Vengeance is Mine“. Der Schwerpunkt dieser Aussage ist „Gast“. Man merkt, daß die Folge nicht aus der üblichen Schreibwerkstatt stammt, so sehr das Stammpersonal natürlich Rat und Tat leistete. Sie ist in vielem simpler, aber auch eigenständiger, ein in sich abgeschlossenes Abenteuer, wenn man so will. Star ist zum letzten Mal Simon Callow als der Duke of Sandringham, der wie immer jedem die Show stiehlt. Stellt Jack Randall den Finsterling dar, so ist Sandringham der witzige Schurke. Ich bedauere sehr, daß sie nie eine gemeinsame Szene haben. (Und ich tappe völlig im Dunkeln, was eigentlich ihre Beziehung ist. Wird vermutlich in den Büchern erläutert.)

Beginnend mit „Faith“ ziehen sich Tod, Abschied und Verlust als Leitthemen durch die Handlung. Von nun an verlieren wir eine erhebliche Anzahl von etablierten und liebgewonnenen Charakteren, ganz zu schweigen von all den Verlusten auf Culloden Moor, die wir nie zu sehen bekommen. Ich hoffe sehr, daß die Macher in Staffel 3 zumindest ein paar Rückblenden einbauen! Insbesondere Dougal darf in „The Hail Mary“ und „Dragonfly in Amber“ noch einmal richtig glänzen.

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Wie das dann immer so kommt. Angeregt von Franks Recherchen in Outlander hatte ich vor, meine Familienforschung wieder aufzunehmen, namentlich den eigentlichen Hauptzweig, wenn man so will, von dem ich meinen Nachnamen habe. Konzentrierte mich lange Zeit auf meine mütterliche Linie, weil, ganz einfach, diese wesentlich einfacher nachzuverfolgen war – denn ehrlich, so häufig ist „Kleehaas“ nicht… (Schweizer Wurzeln, früheste bisher gefundene Erwähnung 1331. Das ist älter als manches Adelshaus.)
Bei den Schnabels sieht’s schon schwieriger aus. Google hilft einem da auf Anhieb nicht weiter. Was ich auf alle Fälle näher begutachten wollte (und immer noch will), ist die Geschichte der zwei Brüder Carl und Christoph Schnabel aus Heyersum. Ich habe mir sagen lassen, daß in Heyersum ein Zwist zwischen zwei Schnabel-Linien existiert(e), von denen offenbar keiner mehr weiß, wie er entstanden ist, und möglicherweise liegen die Wurzeln bei diesem Brüderpaar. Es ging um die Erbschaft des Pachthofes – dramatische Geschichte, mir liegt die Akte vor.
Während ich aber noch hier nachschlug, kam mir der bisher älteste bekannte Ahnherr dieses Familienzweiges in den Sinn, der Hildesheimer Stadtsoldat Johann Otto Schnabell, auch ein interessanter Kandidat. Ich sah mir also seine Daten an… und mußte lachen. Zwar weiß ich bisher nicht viel über ihn, aber er heiratete 1750 Anna Catharina Pfingsten, verwitwete Fernhaber. Somit sind wir genau in der Zeit, die Outlander behandelt. Und sie teilen sogar einen Vornamen. Ich hoffe, die Parallelen enden hier – einen Black Jack Schnabell brauche ich wirklich nicht in meinem Stammbaum.
Johann Ottos Vater war vermutlich ebenfalls Stadtsoldat, und hier wird’s interessant. Im Stadtarchiv Hildesheim nämlich gibt es eine Akte „Klage des Neustädter [=Hildesheimer Neustadt] Magistrates gegen den Juden Moses Herz, den Advokaten Klebert und wegen des Stadtsoldaten Pfingsten. 1744-1748“. Dieser Stadtsoldat Pfingsten war unter Garantie entweder der Bruder oder der Vater von Anna Catharina, denn wie ist es bis heute? Man lernt die meisten Menschen durch den Beruf kennen. Und die Schnabels und die Pfingstens waren offenbar militärische Traditionsfamilien. Genauere Forschung folgt.

Was machten Hildesheimer Stadtsoldaten eigentlich? fragte ich mich. Laut den Beiträgen zur Hildesheimischen Geschichte, enthaltend die darauf Bezug habenden Aufsätze der sämmtlichen Hildesheimischen Wochen- und einiger kleinen Gelegenheitsschriften bis zum Jahre 1828, Band 1 (1829), Aufsatz „Von dem Landsturme, den Landsknechten und Soldaten im Hildesheimischen“:

Beständige Stadt-Soldaten hatte man aber in Hildesheim im sechzehnten Jahrhundert noch nicht, denn, ob wir gleich in den Chroniken lesen, daß die Stadt Hildesheim in der Stiftsfehde, außer den bewaffneten Bürgern, auch Knechte, d. i. Soldaten gehalten, und damit für Bischof Johann IV. die Festung Peine besetzt habe, so wurden diese doch nach beendigter Fehde wieder entlassen, wie dieß die Fürsten mit ihren Landsknechten eben so machten. Die ersten Versuche, beständige Stadt-Soldaten anzuwerben, fallen in die ersten Jahre des siebenzehnten Jahrhunderts. Die städtischen Chroniken besonders, das mehr erwähnte Verzeichniß der Merkwürdigkeiten des Stifts und der Stadt Hildesheim erzählt, daß im Jahre 1606 Soldaten angenommen, und täglich jedes Thor mit 6 Mann derselben besetzt worden sey. Eine andere Chronik erwähnt, daß 1614 den 20. September, im Rathe zu Hildesheim bewilliget sey, 100 Soldaten anzunehmen, und damit die Wache Tag und Nacht zu bestellen, und daß diese Neuerung aus Besorgniß einer Kriegsgefahr, weil die Spanier im gedachten Jahre Wesel eingenommen hätten, veranlaßt worden; diese Soldaten wären auch den 26. September gedachten Jahrs bewaffnet, aber bald wieder abgedankt, weil die Bürger sich geweigert hätten, das Soldatengeld aufzubringen. Ferner: am 20. Febr. 1620, wären 100 Mann Stadt-Soldaten angenommen, um die Wache auf den Wällen und vor den Thoren zu halten, sie wären mit rothen Manteldecken, mit gelben Schnüren (die Farbe des Stadtwappens) besetzt, bekleidet gewesen, und die Bürger hätten monatlich sechs Groschen Soldatengeld geben müssen.
Der bald nachher im dreißigjährigen Kriege in Hildesheim eingetretene gewaltsame Zustand, wo die Stadt in der Zeitperiode von 1632 bis 1643, zweimal von fremden Truppen occupirt wurde, und daher ihrer nicht mächtig war, ließ an keine eigene militärische Einrichtung denken; im Jahr 1643 wurde aber die Stadt, vermöge der damals abgeschlossenen Recesse in den Stand, worin sie vor 1630 gewesen hergestellt, und hiernächst vom Magistrat am 9. November 1643, eine Stadtmiliz von 450 Mann angenommen, welche Zahl sich aber später um etwas vermindert hat. Sie war in drei Compagnien eingetheilt, deren jede von einem Offizier, nämlich eine von dem Capitain-Lieutenant, die andere von dem Lieutenant, und die dritte von dem Fähnrich angeführt wurde. Das Ganze stand unter dem obenerwähnten Stadt-Capitain oder Commandanten, welcher, wenn er einen höhern Titel wünschte, sich solchen von einem Fürsten, dem er vorhin gedient hatte, verschaffte, z. B. Major ec. Zum Unterhalte dieser Stadt-Soldaten, war vorzüglich der Licent oder die Accise angewiesen. Man sehe das Licent-Patent des Magistrats von 1644.
Nichts destoweniger blieben auch die, in ihre neun Beuerschaften der Alt- und Neustadt, als so viele Compagnien, eingetheilten Bürger bewaffnet, unter Anführung ihrer Lieutenants, Fähnriche und Führer, und besetzen die innern Thore der Stadt, wogegen die Stadt-Soldaten die äußern Thore bewachten, man sehe z. B. die Verordnung des Magistrats der Neustadt Hildesheim, vom 13. Mai 1717. Erst in der letzten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, hörte die Bewachung der innern Thore durch die Bürger auf, und wurde den Stadt-Soldaten allein überlassen. Nur am Tage des jährlich abgehaltenen großen Freischießens, sahe man noch außer dem Stadt-Militair einige Compagnien der mit Ober- und Untergewehr bewaffneten Bürger mit ihren Fahnen, und unter Anführung ihrer Bürgeroffiziere, den feierlichen Aufzug machen, um das Andenken ihrer alten militärischen Einrichtung zu erhalten.

Auf http://www.polizeiuniform.de/html/body_tagespolizei.html heißt es:

Die in Hildesheim bereits 1643 gebildete Stadtmiliz trug gegen Ende des 18. Jahrhunderts blaue Röcke mit roten Aufschlägen. Rot waren auch Weste und Beinkleider, der schwarze Dreispitz bildete den Kontrast.

(Ähnlich wie der dort abgebildete Göttinger Nachtwächter, denke ich.)

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Weil in Ellen Moodys Blogs so oft die Rede davon ist*, legte ich mir Staffel 1 von Outlander zu. Wie erwartet, ist die Geschichte eher Standard, mit allen Historische-Romanze-Zutaten: Gleich zwei historische Settings (1945 als „Gegenwart“ und 1743), jede Menge Braveheart, klassische Rollenverteilung (Held, Schurke, comic relief…) und eine Heldin, die oft gerettet werden muß (ich zählte 8 Male in 16 Folgen). Das Nachkriegssetting war in meinen Augen eine praktische Erklärung, woher unsere Heldin die Fähigkeiten hat, die sie so brauchbar im Schottland des 18. Jahrhunderts machen; moderne Heldinnen wären da entweder völlige Loser oder komplett unglaubwürdig. Was mal eine interessante Überlegung ist.
Claire verhält sich und spricht natürlich wie jemand aus 2015, nicht 1945 – sind sich die Macher nicht bewußt, daß man sich vor siebzig Jahren anders ausdrückte als heute? Und daß Claire mit diesem Verhalten in 1945 nicht als moderne Frau, sondern als Gossenweib mit entsprechendem miesen Benehmen eingestuft würde? Von 1743 ganz zu schweigen.
Outlander ist letztlich in guter Tradition beginnend mit Doctor Who oder wohl noch älter. Ich schrieb schon einmal, daß der gute Doctor anfänglich auch nur ein Storyelement war, das erklärt, wie unsere Helden historische Epochen aufsuchen und erleben können. Bei ihm war’s außerirdische Technologie, in Outlander ist es eben Magie.

Während die Handlung eher gemächlich fortschreitet, fand ich überraschenderweise die formalen Dinge viel fesselnder. Die Kameraarbeiten bestechen; mir gefielen besonders die Teaser, die Detailaufnahmen aus alternativen Einstellungen, die für die opening credits verwendet wurden.

Auch die Farbgebung – blaß für 1945, kräftigere Einfärbung für 1743 – gefällt. Bear McCrearys Musik ist großartig, und insbesondere die Verflechtung beider Zeitlinien durch Musik ist originell: Wir finden idyllische Highlandszenen des 18. Jahrhunderts unterlegt mit Jazz… Außerdem natürlich zwei meiner großen Leidenschaften: Kostüme und Sprache! Lange Dialogstrecken in Outlander erfolgen tatsächlich in Gälisch. Was wieder einmal eine meiner Theorien als Hobby-Philologin bestätigt, nämlich daß Dialekte Überreste früherer Stammes- oder Regionalsprachen sind. Die Sprachen selbst sind verschwunden, aber ihre Melodie hat sich erhalten. Vergleicht man die Sprachmelodie des Gälischen und des schottisch eingefärbten Englisch, erhält man das gleiche Ergebnis.

Was gibt’s zur Besetzung zu sagen? Ich kannte bis auf Gary Lewis keinen einzigen der Darsteller, aber das ist das Schöne an der Hoch-Zeit, die Serien aktuell erleben (was ein Thema für einen eigenen Blogeintrag wäre): Es haben viel mehr Schauspieler die Gelegenheit, einen Job und Bekanntheit zu erringen als es bei der früheren Fixierung auf Hollywood-Spielfilme der Fall war.
Eine imposante Erscheinung ist Graham McTavish als der vielschichtige und sich immer in der Grauzone bewegende Dougal – klassischer können die schottischen Highlands nicht werden! Caitriona Balfe mag oder mag nicht eine gute Wahl für Claire sein – ich kenne die Bücher nicht und kann das somit nicht beurteilen. Ich gestehe, mir ging die angebliche Heldin der Geschichte sehr auf die Nerven. Sie ist keine starke, moderne Frau, sondern kurzsichtig, egozentrisch und mitunter schlichtweg dumm, aber vielleicht soll das im Zuge der Charakterentwicklung so sein. Ihre große Stunde schlägt, wie für alle drei Hauptfiguren und ihre Darsteller, erst am Ende der Staffel. Sam Heughan dürfte natürlich der Fanliebling sein, mit viel Schmachtfaktor. Schön dargestellt ist ohne Zweifel die Entwicklung der Beziehung zwischen Claire und Jamie. Sie fängt weder mit Schmacht noch wilder Leidenschaft an, sondern schreitet langsam und über einen langen Zeitraum rein freundschaftlich voran.
Die beste Rolle beziehungsweise Rollen hat Tobias Menzies ergattert: Seine Darstellung wechselt kraß zwischen Claires liebendem, wenn auch zweifelndem Ehemann Frank und dem völlig unberechenbaren, direkt aus einem de-Sade-Roman entstiegenen „Black Jack“ Randall. (Ellen Moody analysiert ausgezeichnet die Faszination dieser grundverschiedenen Darstellung.) Entsprechend ist nach all den mehr oder weniger Standardepisoden die Abschlußdoppelfolge „Wentworth Prison“ / „To Ransom a Man’s Soul“ großes, wenn auch nicht leichtes Kino. Sexszenen sind nie einfach darzustellen; gewalttätige Sexszenen vermutlich noch schwerer; und eine Nummer wie diese… sagen wir, Tobias Menzies und Sam Heughan dürfen sich die Seele aus dem Leib spielen.

Bemerkung am Rande: Ich habe die FSK-Freigaben immer noch nicht verstanden. Dachte lange Zeit, das Zeigen von primären Geschlechtsteilen verdiene eine rote 18, aber schon bei True Blood stellte ich Ungereimtheiten fest. Auch Outlander 1 ist im Deutschen mit einer 16er-Freigabe eher entspannt (UK und US: 18), trotz „the full monty“.

Und noch was, das mir so in den Sinn kam: Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, daß die Redcoats in Fiktion (zumindest bis zu Napoleon) immer als die Bösen dargestellt werden? Ich habe nach Büchern oder Filmen gegoogelt, in denen dem nicht so ist, aber null Treffer. Das nennt man mal einen schlechten Ruf. Findet sich denn so gar kein Schreiber von historischen Romanen mit einem Herz für die britische Armee?


Staffel 2 bricht dann erheblich mit der Highlander-Romantik, als Claire und Jamie ins französische Exil gehen. Da ich nun so überhaupt keine Faszination für die französische Kultur und vor allem für die fiktionale Umsetzung von Paris Mitte des 18. Jahrhunderts aufbringen kann, war es erst einmal eine Beobachtungsübung in „Wie viele Klischees können wir bedienen?“ Auch die Kostüme, die natürlich mehr als üppig sind, halfen da nicht weiter. Zum Glück gab es brauchbarere Szenen – die Staffel mit dem Ende beginnen zu lassen, als eine schwer traumatisierte Claire 1948 ihren (ersten) Ehemann Frank wiedersieht und ihr Leben im modernen Zeitalter wieder aufnehmen muß, war nicht nur eine gute Entscheidung, sondern bietet Raum für einige der besten Charakterszenen. Und a propos, entgegen meiner Befürchtung, daß die Macher bezüglich Jamie schnell zur Tagesordnung übergehen würden, wird sein Trauma nicht ignoriert. Reduziert vielleicht, auf Momente, die Claire betreffen, namentlich versuchte (und scheiternde) Intimitäten oder Jamies Schlaflosigkeit, die Claire zum Handeln treibt, aber zumindest wird nicht behauptet, die Geschehnisse hätten keine Spuren hinterlassen.**

Was dann natürlich auch erhebliche Auswirkungen auf Claires Plan hat, einerseits die Zukunft zu verändern, andererseits aber nicht. Man muß nicht einmal andere Zeitreisegeschichten kennen, um zu wissen, daß das zum Scheitern verurteilt ist! „History takes care of itself“ hieß es sinngemäß in einer anderen Zeitreisegeschichte. Wir sehen das in Outlander: Je mehr Claire und Jamie versuchen, die Geschichte umzuschreiben, desto mehr repariert sich jeder angerichtete Schaden, bis am Ende schließlich alles auf das gleiche Ergebnis hinausläuft.
Meine Mutter äußerte sich einmal, hätte sie einen früheren Verehrer genommen, wäre ihr Leben vermutlich trotzdem sehr ähnlich verlaufen. Es gibt Punkte, die man abarbeiten muß.
So ziehen sich gar nicht mal versteckt übergeordnete Zusammenhänge durch die Handlung der beiden Staffeln. Jack Randall nennt es das Werk des Schicksals, Reverend Wakefield Gottes Plan.

Charaktertechnisch nett zu sehen, daß Claire nach ihrer bitteren Selbsterkenntnis am Ende der 1. Staffel endlich so weit ist, auch Frank in ihre Überlegungen einzubeziehen, nachdem sie ihn zuvor ja recht entspannt zugunsten ihres schottischen Abenteuers abgestreift hatte.
St. Germain als Gegenspieler wollte so gar nicht überzeugen. Während Jack Randalls Verfolgung von Claire und Jamie innerhalb seiner perversen Persönlichkeit immerhin noch Logik ergab, fehlte mir der gesamte Zusammenhang für St. Germains Feindseligkeiten.
Nicht nur Claire und Jamie sind erleichtert, schließlich Paris den Rücken zu kehren und heim nach Schottland zu gehen. Hier nimmt die Handlung auch endlich Fahrt auf.

Die letzte Folge springt – für meinen Geschmack ein bißchen zu viel – zwischen „Neuzeit“ und Vergangenheit hin und her. Die Verwebungen selbst sind schön gemacht und erinnern daran, daß, so selten wir uns das bewußt machen, die Vergangenheit unlösbar mit uns und unserer Gegenwart verwoben ist. Weniger glaubhaft hingegen ist, daß Claire sich zwanzig Jahre später immer noch so nach Jamie sehnt wie gleich nach ihrer Trennung. Stoff für einen Liebesroman, sicher, aber mal ehrlich… (Ich mußte an des Scouts Kritik am Titanic-Ende denken!)

Staffel 2 dreht sich in vielen Dingen um Gut und Böse und wie dünn die Grenze ist, die zwischen ihnen verläuft. Unsere Helden verlieren zunehmend ihren Anspruch auf Rechtschaffenheit, als sie versuchen, die Schlacht von Culloden zu verhindern. Im Gegenzug, wie mit jedem Schurken, den man so lange haßt, bis er zu einem beliebten Gesicht der Truppe geworden ist, werden am Ende selbst Black Jack einige lichtere Momente gegönnt. Auch hier finden wir wieder die Verknüpfungen, Zusammenhänge, Bande, wenn man so will, die die Charaktere der Geschichten aneinander fesseln, so daß jede ihrer Handlungen Auswirkungen auf sie alle haben.
So wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft sind und – ich verweise noch einmal auf Ellen Moody – durch das Medium des Films beständig einander überlappen, sich kreuzen, ineinander übergehen, ist natürlich das Thema der Ahnen, das einen so großen Bereich in Outlander einnimmt, noch ein weiterer Aspekt davon. Frank ist auf den Spuren Jack Randalls, dem Claire begegnet, woraufhin sich der gesamte Stammbaum als verzweigter erweist als gedacht; Brianna wurde 1746 gezeugt und trifft 1968 sowohl den Nachfahren Geillis’ und Dougals als auch dessen Ahnherrin Geillis/Gillian selbst. Eine Metapher für den Einfluß, den die Vergangenheit immer auf die Gegenwart haben wird? Wie es bei Tolkien ungefähr heißt: Es ist immer noch die gleiche Geschichte, nur die Charaktere haben gewechselt. Und, wenn man wie ich an Reinkarnation glaubt, nicht einmal das!

Outlander sollte somit unbedingt mit einem Auge auf die Metaebene gesehen werden, nicht nur auf Handlung und Liebe – langweilig wird das nie!

Übrigens: Schottlands Touristikbranche hat eine nette Seite zu Outlander: https://www.visitscotland.com/see-do/attractions/tv-film/outlander/



* Zum Beispiel (Achtung, massive Spoiler): Folge 1, 2-3, 4-5, 6-7, 8-9, 10-11, 12-13, 14-16, klick, klick und klick

Ich kann nicht allen ihrer Interpretationen zustimmen; sie schreibt grundsätzlich, nicht nur bezüglich Outlander, aus einer Mann-vs.-Frau-Sicht, die, wie jede Auslegung, mehr über ihre persönlichen Anschauungen verrät als über das Thema ihrer Abhandlungen. So entgeht ihr beispielsweise, daß Jack Randall nicht so sehr von Fragen des Geschlechts motiviert ist, sondern von Erniedrigungs- und Unterwerfungsphantasien. Soll heißen, ob er bisexuell/homosexuell ist (sie behauptet in verschiedenen Artikeln beides), hat keinerlei Einfluß auf die Wahl seiner Opfer. Es ist ihm offenkundig völlig egal, ob Männlein oder Weiblein, jung oder alt, die Hauptsache ist, daß er am Ende ihren Widerstand und Willen gebrochen hat. Wir sehen das am Beispiel von Jenny und natürlich Jamie sowie versucht bei Claire und in geringerem Maße („nur“ als Bestrafung für Diebstahl gedacht) bei Fergus. Daß Ellen Moody als Expertin für Literatur des 17. bis 19. Jahrhunderts die klaren Anleihen bei de Sade nicht erwähnt, inklusive Randalls völlig rationale Vorgehensweise, überrascht.

** Angesichts der Popularität der Outlander-Romane wundert es mich ein bißchen, daß dieser Aspekt erst so viel später kopiert wurde. Ich meine, so weit ich das sehen kann, bedeutete Outlander bei Mills & Boon / Harlequin das Ende der Bürgerkriegs- und den Beginn der Highlander-Romanzen. Das ist ein gesamtes Genre. Sexueller Mißbrauch an den Helden von Liebesromanen hingegen tauchte erst in den letzten paar Jahren wieder auf, beispielsweise in Gena Showalters Original Heartbreakers-Serie, Jane Kindreds Waking the Serpent oder Sidney Bells Bad Judgment.

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