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Hach…

Der neue Trailer zu Outlanders dritter Staffel. Ich bin glücklich. Die Serienmacher haben sich schon in den letzten beiden Staffeln einiges einfallen lassen, um die Charaktere ausgewogener zu gestalten als sie es in den Bücher sind. Ich kenne, wie gesagt, nur die Lord-John-Abenteuer, aber über Outlander Kitchen kommt man ja doch zwangsläufig mit einigen Infos in Berührung. Und nach dem, was ich bisher gelesen habe, finde ich beispielsweise Buch-Jamie total öde. In der Serie hat er Witz, Charme und gefällt einfach. TV-Claire darf Fehler haben; sie ist kurzsichtig und teilweise schlichtweg egozentrisch. Im Buch muß sie, wie Jamie, perfekt sein; sämtliche Probleme in ihrem und Jamies Leben beruhen daher immer auf den anderen, imperfekten Leuten um sie herum. Und so bibberte ich schon ein bißchen davor, was nun wohl in Staffel 3 mit Frank werden würde, der bei den Fans in dem Buch-Zeitraum überhaupt nicht gut wegkommt (was natürlich auch damit zusammenhängen könnte, daß sie Fans sind). Aber der Trailer gibt mir Hoffnung – ich hätte wissen sollen, daß ich den Machern vertrauen kann. (Es hilft sicherlich, daß Ron Moore, wie’s scheint, Sympathien für Frank hat und sein Hauptschreiber ist.) Das Drama in Claires und Franks Ehe ist eben, daß ihre Liebe ungleich verteilt ist. Die Serie ist darin wesentlich realistischer, aber auch tragischer als es die einseitige Schuldzuweisung der Bücher hinbekommt.

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Mangels Reiselektüre und dank Amazons Kaufempfehlungen legte ich mir vor Abflug Lord John and the Private Matter zu, einen Ableger der Outlander-Romane. Und prompt muß ich einen früheren Eintrag widerrufen, zumindest teilweise, denn Lord John ist gleichzeitig ein Redcoat und einer der Guten. Interessanterweise findet Google ihn in der Kategorie nicht. Er ist außerdem ein homosexueller Charakter, was ihn als Mann des 18. Jahrhunderts dann und wann schon mal in Schwierigkeiten bringt.

The Private Matter entpuppte sich als so unterhaltsam und witzig (ich fühlte mich an Baldur’s Gate II erinnert: Schnabeline versucht die simple Teddy-Queste zu lösen, gerät in Hinterhalte, hebt einen Schmugglerring aus… nur den Teddy findet sie nicht), daß ich prompt das Wi-Fi in den B&Bs nutzte, um mir den Rest von Lord Johns Abenteuern zuzulegen. Erfreulich zu sehen, daß nicht nur Redcoats, sondern auch Deutsche (bzw. ihre Vorgänger) zur Abwechslung positiv wegkommen.
Mein ungeschlagener Favorit ist zweifelsohne The Brotherhood of the Blade, wesentlich ernster als seine Vorgänger und mit großem Tiefgang.

Wie’s natürlich bei dem Fandom nicht anders sein kann, taucht Jamie immer mal wieder auf, und ich verstehe es weiterhin nicht. Er ist ein ziemlich eindimensionaler Charakter; wage ich zu sagen: ein langweiliger? Die TV-Serie erlaubt ihm einen gewissen Pfiff, aber was ich zumindest in den Lord-John-Abenteuern lese… gähn. Die Fans mögen Tränen über die aussichtslose Liebe Lord Johns zu Jamie vergießen; mein Herz brach viel eher über das Percy-Drama (wunderschön und tragisch!), und John Greys beste und sich über den längsten Zeitraum entwickelnde Beziehung ist definitiv die zu dem großartigen Stephan von Namtzen.

Wer historische Romane mit Witz, Kriminalhandlung, politischer Intrige und einem nicht ganz so klassischen Helden sucht, liegt hier richtig.

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Fort William. Das Zentrum schottischen Nationalismus‘. Oder vielleicht hat es nur wenige, aber engagierte Nationalisten.

Ausgelöschte englische Beschilderung…

„Yes“, das Logo zur schottischen Unabhängigkeit…

Sogar der verdammte Fernseher ist Marke Schottland!

Fort William ist auch, dies aber offen erklärterweise, das Zentrum des Mountaineering – jeder, so scheint’s, will Ben Nevis bezwingen. Und natürlich ist hier Station des West Highland Ways / Great Glen Ways. Die wenigen Leute, die man nicht in Outdoor-Ausstattung herumlaufen sieht, sind Einheimische.
Das Fort William hat eine sinistre Rolle in Outlander; in Realität sah es, wie ich anhand von Zeichnungen finde, eher nach einem Gehöft aus. Einen gemütlichen Fluß vor der Nase und die Berge im Rücken – vermutlich schoben die Soldaten hier eher eine ruhige Kugel. Oh, aber was auch immer Claire und Jamie angestellt haben, um die Zukunft zu verändern – ausgerechnet das Fort steht in „Dragonfly in Amber“ noch! Non-fiktiv ist nur noch eine Mauer vorhanden.

Ich reiste bequem per Citylink-Bus an, eine zweistündige Fahrt von Inverness aus, mit den üblichen request stops überall entlang der Strecke.

Außer Wandern kann man vor Ort wenig machen. Leider fand kein Shinty-Spiel auf dem stadteigenen Feld statt, nachdem Busfahrer Alan so davon schwärmte („It’s like hockey but without the rules“). Die Ruine von Inverlochy Castle ist das Ziel eines netten Spaziergangs entlang des Flusses und durch leichtes Gehölz. Und der üblichen Schafweide mit erschwerten Bedingungen, daß gleich nebenan die Angler sitzen und man nur das ominöse „Swisch!“ hört, wenn sie ihre Leine auswerfen – und damit rechnet, in der nächsten Sekunde den Haken abzubekommen.

Wohl jeder stattet mangels anderer Optionen dem West Highland Museum einen Besuch ab. Es konzentriert sich auf Lokalgeschichte sowie natürlich die Jacobites. Laut Aushang gibt es extra einen Flyer für Outlander-Fans, der aber wohl so stark nachgefragt ist, daß er nur auf Anfrage herausgegeben wird (oder online).
Ich war viel eher baff, weil ich mehrere der Ausstellungsgegenstände kannte – durch die Dokumentation The Lost Portrait of Bonnie Prince Charlie! Der Mitarbeiter, den ich darob befragte, wußte allerdings nichts („I’d have to ask the manager“), da er erst zwei Jahre ehrenamtlich dabei ist. Er hielt’s aber für gut möglich.

Übrigens habe ich keinen Museums-/Touristenshop in den Highlands angetroffen, der nicht Outlander (das Buch) im Sortiment hatte.

Wegen Regen machte ich statt einer Wanderung zunächst mal einen Ausflug nach Glenfinnan. Zugfahrt typisch schottisch – mit request stops! Also Stationen, an denen nur auf Anfrage gehalten wird. Und weil die Bahnsteige allesamt zu kurz für einen vierwagigen Zug sind, wurde nur eine Tür freigegeben. Unsere Schaffnerin war sehr rührig und stellte sicher, daß jeder wußte, wo diese war. Übrigens gab es auch dazu einen Snackbringdienst, das stelle man sich bei der DB mal vor.
Unsere Schaffnerin gab ebenso Bescheid, die Kameras zu zücken, als das Glenfinnan-Viadukt in Sichtweite kam. Berühmt geworden durch Harry Potter, wobei ich nicht beeindruckt war: Auch bei der Anfahrt nach Inverness gibt’s Viadukte. Harry Potter hingegen macht inzwischen Bonnie Prince Charlie starke Konkurrenz in Glenfinnan, insbesondere bei den jungen Besuchern. Das Touristikzentrum hat sich drauf eingestellt.

Landschaftlich war Glenfinnan die schönste, die ich in Schottland sah. Ich wanderte den Viaduct Trail ab, der anfangs belebt, aber nach einem Aussichtspunkt verlassen war. Er führt direkt zurück zum Bahnhof, was man zeitlich planen sollte, denn es fahren nur drei- bis viermal täglich Züge.

Der nächste Tag fing sonnig an, zog sich aber bald zu. Weil’s aber vertretbar war (ich habe selten wirklichen Starkregen erlebt, es war meist ein beständiges Nieseln), ging’s via einer Abkürzung über den Cow Hill durch Glen Nevis. Die Wanderbeschreibung ist beachtlich akkurat darin, daß ab einer gewissen Abzweigung der Weg sehr ruhig wird – in meinem Fall verlassen. Ich wanderte durch eine wunderschöne Landschaft immer am Fuß der Berge entlang. Und ja, zum Ende der Hin-Strecke ist der Weg wirklich „boggy“. Wirklich. Keine Chance, dort trockenen Fußes hindurchzukommen. Der Rückweg war dagegen eine echte Enttäuschung. Man folgt einem Waldwirtschaftsweg, kilometerweit, rechts und links Bäume, meist Nadelgehölze, nur bei Rodungen Aussicht auf die Berge. Nirgendwo eine Bank oder eine Möglichkeit zum Rasten oder Unterstellen; für eine Touristenregion ein echtes Armutszeugnis.

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In einem erfreulich leereren Morgenzug ging’s in die Highlands. Die Leute hier sind letztlich genau solche Luschen wie daheim; ein Mitreisender jonglierte zwei Smartphones und verlor immer wieder die Verbindung, und – was ich für ein Klischee gehalten hatte – das Lieblingswort der Jugendsprache ist tatsächlich „like“. Es fällt alle vier bis fünf Worte.
An diesem Morgen sah man endlich mal die Sonne. Nicht beständig, aber immerhin hatte der Regen aufgehört.

Die Gepäckunterbringung in Inverness scheiterte zunächst am mangelnden Kleingeld, und ein Wechselautomat existierte natürlich nicht. Also schleppte ich erst einmal weiter zur benachbarten Bus Station, von wo die Loch-Ness-Tour startete. Während des Wartens lernte ich so einige Leute kennen, unter anderem die schottische Tochter eines Deutschen und einer Italienerin, die zwei Jahre in Frankreich verbracht hatte und nun nach ihrer Rückkehr feststellen mußte, daß die Buspreise derart in die Höhe gegangen waren, daß ihr Geld nicht mehr bis zum Heimatdorf reichte. Später hörte ich noch jemanden über die allgemeinen Preisanstiege klagen. Sehr schottisch, würde ich sagen, hörte man nicht das gleiche auch bei uns.

Derweil entschied ich mich, noch einmal mein Glück am Bahnhof zu versuchen, und siehe da, diesmal gab’s hilfreiches Personal, das bereitwillig Geld wechselte. Mehrere Kilo leichter stieg ich in den Shuttlebus der Loch Ness by Jacobite-Tour, gefahren von dem unterhaltsamen Alan, obwohl seine Witze sicherlich seit Jahren erprobt sind. Weiter auf’s Boot und die Wasserwege hinab zum Loch Ness. Leider keine Monstersichtung! (Alan hat sowieso seine eigene Theorie dazu, die die fünf Pubs im Dorf Drumnadrochit beinhaltet, wo es die meisten Monstersichtungen gab.) Trotz der Sonne war es an Deck aufgrund des starken Windes eiskalt, und ich war froh, am Urquhart Castle von Bord gehen zu können. Die Ruine war einst eine riesige Burg, und von nahem ist die Anlage auch beachtlich; vom See aus betrachtet, verliert sie sich in der Landschaft.

Nach einer knappen Stunde Aufenthalt chauffierte Alan uns zurück nach Inverness, wobei er über den irreführenden Begriff „rush hour“ philosophierte – zu Recht. („No one’s rushing anywhere.“) Die beste Geschichte, die er erzählte, drehte sich um das winzige Dorf Lewiston. Als nach Culloden die jakobitischen Landbesitzer enteignet wurden und regierungstreue an ihre Stelle traten, führte das… so zumindest laut Alan; die etwas differenziertere Version ist, daß Landbesitzer generell anfingen, wirtschaftlicher zu denken… zu den berüchtigten Highland Clearances – Leute raus, Schafe rein. Nur einer war der Meinung, Menschen seien wichtiger als Schafe, und so baute er 50 Häuser für Vertriebene: Lewiston. Es lebten was bei 1000 Leuten in den 50 Häusern, aber immerhin hatten sie ein Zuhause gefunden.

Ich holte meinen Rucksack ab und stiefelte zur Unterkunft, dem Ardconnel House. Es steht unter der elterlichen oder sollte ich sagen großelterlichen Leitung von Elizabeth und John, die jedem Gast das Gefühl, ein langvermißter Verwandter zu sein.

Der nächste Tag stand unter dem Zeichen der Geschichte: Culloden Battlefield und Clava Cairns. Das erforderte eine Reise mit Stagecoach. Für so ein riesiges Unternehmen ist Stagecoach erstaunlich vage mit seinen Informationen. Mein „persönlicher Fahrplan“ stimmte mit dem Aushangplan (beides online, ich war also vorgewarnt) nur andeutungsweise überein, und mehr als die Hälfte der tatsächlichen Haltestellen ist im Plan nicht aufgeführt. Dann gibt es die Tücken der Linie 5. Es hat 5A sowie 5 (Balloch) und 5 (Croy). Sie alle fahren unterschiedliche Stationen auf grob der gleichen Strecke an. Und es gibt keine Ansagen im Bus. Für die Touristen – und derer sind nicht wenige -, die zum Culloden Battlefield wollen, ist die Fahrt also spannend. Gleichzeitig ist sie aber auch ein Beispiel dafür, wie anders die Uhren dort gehen. Ich hatte später noch mehrmals Gelegenheit, das festzustellen. Reisen mit den Öffis in den Highlands ist noch eine sehr persönliche, im wahrsten Sinne des Wortes interaktive Angelegenheit. Man sagt dem Fahrer (oder Schaffner), wohin man möchte, und dort wird man dann herausgelassen. Eine Mitfahrende auf dieser Tour zum Beispiel wollte zu den Clava Cairns wandern – unser Fahrer hielt an einer Kreuzung, gab ihr eine Wegbeschreibung zum Ziel und zur nächsten Haltestelle für den Rückweg. Alles sehr entspannt, sehr entgegenkommend. Ich verglich den schottischen öffentlichen Nahverkehr so manches Mal mit der Deutschen Bahn, die wesentlich durchorganisierter ist, wesentlich bessere Fahrpläne und Onlinedienste hat… und doch im Service ein einziges Armutszeugnis darstellt. Menschen, nicht Schafe, um dieses anschauliche Beispiel zu verwenden.

Ich fuhr gegen halb zehn, worüber ich noch froh sein würde, denn es erlaubte mir, den großen Ansturm der Halbwüchsigen zu umgehen. Das Visitor Centre ist gut gemacht und um Fairness bemüht, also durchaus keine einseitige Heulboje für die Jacobites. Schön sind die Audiostationen, die durch die Ausstellung verstreut sind und an denen man sich Originalzitate von Personen der Zeit anhören kann. Sie erfordern allerdings etwas Übung dank langsam reagierendem Touchscreen. Ein Lacher für mich war die Entdeckung, daß das de-La-Tour-Gemälde immer noch in der Ausstellung zu finden ist!
Stark beworben wird der kurze Reenactment-Film, der in einem separaten Raum läuft, mit verschiedenen Blickwinkeln der Schlacht auf allen vier Wänden. (Ein gewisses Cartoon-Erlebnis, sich ständig um die eigene Achse drehen zu müssen, um alles zu sehen.) Zwar warnt ein Schild davor, er könne zu brutal für junge Kinder sein. Das ist weniger das Problem, denke ich – keiner der Reenactors wird von Kanonenkugeln oder Splittergeschossen zerfetzt, und man sieht nicht mal Kunstblut. Aber was Eindruck hinterläßt und was man so nie in Film und Fernsehen, die mehr auf Visuelles setzen, erlebt, ist der Lärm. Kanonendonner und Gewehrsalven aus acht oder mehr HiFi-Lautsprechern ist verdammt realistisch! Jetzt kann ich verstehen, warum Soldaten durch die Jahrhunderte davon desorientiert oder traumatisiert wurden.
Das Schlachtfeld selbst hat dieses gewisse Gefühl, das wohl alle Orte mit brutaler Vergangenheit, die nun die Natur zurückerobert hat, auszeichnet. In Bergen-Belsen traf ich das auch an. Es ist etwas Friedliches daran, etwas „So ist es richtig“. Es ist kein Ort, an dem es in dem Sinne viel zu sehen gibt. Sicher, die Positionen der Heere und Heeresteile sind gekennzeichnet, und natürlich gibt es die Clanssteine, die die Massengräber markieren. (Der Fraser-Stein hat die meisten Blumen, dank Outlander-Fans.) Aber viel mehr ist da nicht. Nur Moorgewächse und Vögel.

Dennoch hängt natürlich noch einiges herum, und ich spreche nicht von Touristen. Hugh G. Allison hat in seinem Culloden Tales einige interessante Berichte über was man gemeinhin Geister nennt gesammelt. Das wenigste davon werden tatsächlich erdgebundene Seelen sein. Manfred Kyber, der eine Menge Ahnung hatte, beschreibt in Die drei Lichter der kleinen Veronika das „Bilderbuch der grauen Frau“: Eine Gesellschaft von Phantomen, mit der sich eine einzige hängengebliebene Seele umgibt. Die „Geisterarmeen“ von Culloden sind ebenfalls nur zu einem geringen Teil real. Sie sind Schöpfungen einzelner Seelen, die noch nicht begriffen haben, daß dieses Erleben längst vorbei ist.

Viel weiter in die Vergangenheit ging’s mit dem Besuch der Clava Cairns. Wieder einmal ist die Wegbeschreibung etwas locker gehalten; man läuft durchaus ein Stück. Oder, wie viele Gruppen, man fährt ganz einfach, aber damit entgeht einem ein schöner Gang durch die blühende Landschaft. Der Stechginster, den man überall antrifft, hat es mir angetan! Und natürlich die allgegenwärtigen Glockenblumen, die alles in einen lila Teppich verwandeln. Die Clava Cairns liegen in einer Senke, nun umgeben von einem Hain aus viktorianischer Zeit. Eine schöne Anlage, aber überlaufen. Und fast noch mehr als bei Culloden bringen die meisten Besucher keinerlei Respekt oder Interesse für den Ort mit.

Zurück in Inverness stattete ich dem Friedhof der Old Highland Church einen Besuch ab. Hier wurden nach Culloden jacobitische Gefangene hingerichtet. (Übrige Besucher siehe oben.)

Es wohnen ja so manche Tote in den Häusern der Schatten und finden den Weg nicht über die Schwelle. Sie leben in ihrem Bilderbuch, und es dauert oft lange Zeit, bis sie das begreifen.
Manfred Kyber: Die drei Lichter der kleinen Veronika

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Da hatte ich nachsichtig gelächelt in Outlanders 1. Staffel, als Claire das F-Wort so frei in der Rede führte – was für eine Frau von 1945 extrem anachronistisch ist. Jamie wiederum hat keinerlei Ahnung, was sie meint.
Zu meiner nicht geringen Verblüffung fand ich eine Weile darauf das F-Wort in zeitgenössischen Quellen des 18. Jahrhunderts. Während es also in unseren Tagen erst relativ kürzlich wieder aufkam und zu Claires Zeit außer Gebrauch war, verwendete man es zu Jamies Zeit durchaus schon. Zugegeben, es waren Militärquellen, wir reden also von Soldatensprache, die bekanntlich etwas… krude war. Aber es sind verdrehte Verhältnisse. Claire sollte das Wort nicht kennen, Jamie hingegen schon; ob Jack als Soldat seiner Zeit mit Claires ausdrucksstarker Beschimpfung etwas anfangen kann oder nicht und somit anachronistisch ist oder nicht, erfahren wir leider nicht.

Geflucht wurde bei der zweiten Runde Outlander Cookbook wenig, immerhin haben Theresas Rezepte den Anspruch, idiotensicher zu sein. Es ist auch erstaunlich, wie wenig Schnickschnack gebraucht wird.
Okay, ich mit meiner Irgendwie-zusammengesammelt-Küchenausstattung schaute dann schon mal dumm aus der Wäsche, als eine flache 22x22cm-Auflaufform verlangt wurde (9-inch square baking pan), aber ich beschloß, daß es meine 27x19er auch tun würde.
Gleiches galt für die „8- or 9-inch pan“, also eine flache feuerfeste Schüssel von ~20 oder 22 cm, für die meine runde 19cm-Auflaufform auch gut genug war, wie ich mir sagte. Gebraucht für „Black Jack Randall’s Dark Chocolate Lavender Fudge“, s. obiges Bild.

Dieses Rezept hat eine bizarre Hintergrundgeschichte für mich. Ich wußte schon lange bevor ich je von Jack Randall hörte, daß Lavendel der Geruch des Bösen ist. Ich verabscheue Lavendelduft aus tiefster Seele. Entsprechend nickte ich in Outlanders „To Ransom a Man’s Soul“ nur wissend.
Aber: Fudge. Kannte ich immer nur aus Harry Potter und wollte es endlich mal ausprobieren. Also brauchte ich Lavendel. Den eßbaren Biolavendel. Im März sah’s damit noch extrem schlecht aus, Blütezeit ist ab Juni. Ich fand einen Anbieter, der zu Anfang April liefern konnte – na, immerhin. Vielleicht würde ich das Sträuchlein ja überzeugen können, etwas schneller zu blühen. Sicherheitshalber kaufte ich noch getrockneten – den gibt’s allerdings für Tee, ergo mit Blättern und Stengeln (aua!). Es wurde April, mein Hidcote zeigte keinerlei Anzeichen für Wachstum, geschweige denn Blüte. Und in den Supermärkten tauchten die ersten blühenden Duftlavendel aus Italien und Holland auf. Nicht zum Verzehr geeignet! Aber als Deko ja ganz nett, sagte ich mir und kaufte einen Pott. Dank Black Jacks Fudge bin ich als Lavendelhasserin nun also Eigentümerin zweier Lavendelbüschchen und einer Tüte Lavendeltee. Manchmal ist das alles seltsam.

Die Trockenmischung stellte mich beim Zubereiten vor ungeahnte Probleme. War beim Rezept frischer oder getrockneter gemeint? Theresa schreibt zu Kräutern, bei getrockneten solle man etwa die halbe Menge der frischen nehmen. Ich entschloß mich also für einen 3/4 EL als Mittelmaß, was sich als ausreichend für einen intensiven Lavendelgeschmack erwies! (Urgh.) Nicht vergessen, die Blüten vom Rest der Pflanze zu trennen.
Fudge stellte sich im fertigen Zustand als sehr klebrige Masse heraus, und ich verfluchte meine Entscheidung für eine runde Schüssel mit Worten des 18. und 21. Jahrhunderts. Das Heraushebeln erfordert nämlich Kraft, Strategie und ein stabiles Hebewerkzeug. Aber das fertige Produkt ist ebenso superdekadent.

Mr. Willoughby’s Coral Knob

Daß das Rezept 240 ml Mayonnaise verlangte, war für mich der ausschlaggebende Grund, es um die Hälfte zu reduzieren.
Monterey Jack, kann ich gleich vorab jedem Interessierten sagen, gibt es hierzulande nicht, und die Suche nach weißem Kuhmilchkäse führte bestenfalls zu nachgemachtem Feta. Nun hätte ich keinerlei Probleme, mit Ziegen- oder Schafskäse zu substituieren, aber nicht jeder ist ein Fan deren Eigengeschmacks. So nahm ich den hellgelbsten Kuhmilchkäse, der sich finden ließ.
Ich bin etwas skeptisch, was dieses Rezept angeht, die Konsistenz war nicht so ganz richtig. Vielleicht mehr Mayonnaise beim nächsten Mal…
Serviert habe ich’s nicht nach Vorschrift, denn a) ist der Käse in einer Schüssel schon gut aufgehoben, und b) erinnert mich das eigentliche Arrangement weniger an Korallenschmuck als an… nun ja.

The MacKenzies‘ Millionaire’s Shortbread

Warnung: Man braucht mehrere Stunden für dieses Rezept, weil die Karamellmasse komplett abkühlen muß – und wer schon einmal Karamell gemacht hat, weiß, wie heiß das Zeug wird!

Ein weiteres sehr, sehr dekadentes Süßkram.

Die Schokoladenmenge haute leider nicht ganz so hin wie gedacht. Die 27x19er Form statt 22×22, hm? Wie an der leicht brüchigen Oberfläche zu erkennen. Aber: Hjam! Schmeckt ähnlich wie Twix, nur üppiger. Vorsicht beim Schneiden und Servieren: Das Karamell hat die Eigenschaft, davonzulaufen.

Honey-Buttermilk Oat Bread at Madame Jeanne’s

Toll, aber wem’s bei den Zutaten noch nicht auffallen sollte: Es ergibt eine Riesenmenge.
Beim Kneten, das ich grundsätzlich per Hand mache, weil man nur so ein wirkliches Gefühl für die Teigkonsistenz bekommt, ergänzte ich mehrmals Flüssigkeit, denn die Masse bröckelte sehr.
Statt zu zwei Broten (wer hat schon zwei Brotformen zu Hause?) verarbeitete ich die andere Hälfte zu Brötchen.
Übrigens auch ein Rezept, das mehrere Stunden in Anspruch nimmt. Man beachte die Geh- und Abkühlzeiten.

Broccoli Salad (nur im Buch zu finden)

Knackiger bunter Salat mit vielen verschiedenen Geschmacksnoten. Als Vegetarierin verzichtete ich nicht auf den Schinken, sondern ersetzte ihn durch die Sojavariante, bzw. verschiedene Varianten. Auch diese lassen sich im Ofen knusprig machen.
Ich nahm die Hälfte der Zutaten, was, wie man sieht, immer noch mehr als ausreichend für fünf Personen ist!

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Claire… backt?

Und wie ich soeben entdeckte: Der Teaser für Outlanders 3. Staffel ist online:

Yes! Ich habe die ganze Zeit gesagt, sie können Culloden nicht einfach so weglassen. Tada!
Ich nehme noch Wetten an, ob sie Jack einbauen oder nicht. Nein wäre äußerst innovativ, was ich begrüße, aber andererseits kann man als Geschichtenerzähler einen solch zentralen Charakter nicht einfach verschwinden lassen. Ja bedeutet die Frage, wer ihn umlegt. Klassischer Weg: Jamie, was alles in allem natürlich die Ideallösung wäre. Andererseits würde ich als Fan eher unüblicher Lösungen auch Murtagh beglückwünschen (der Jack vermutlich noch mehr haßt als Jamie – ich liebe seine Szenen in „The Hail Mary“!) oder, mal ganz unerwartet, Rupert.

(Und oh, oh, entdecke ich da auf 0:28 eine Spiegelszene?)

Erheblich ärgerlicher ist, daß es erst im September losgeht. Das heißt, ich als internetloser Mensch komme schätzungsweise erst Ende 2018 in den Genuß der DVDs.

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Eine etwas losere Fortsetzung der beliebten Artikelserie „Karola kocht“ (Der heruntergekommene Lucull).

Auf der Suche nach neuen Rezepten, die ich an meiner Rollenspielgruppe ausprobieren servieren könnte, mußte ich nicht weit schauen, denn es gibt das Outlander Kitchen Cookbook, basierend auf der OK-Website. Die Geschichte dahinter ist sehr nett, wer sich belesen möchte. Und wen die Rezepte reizen, die englische Sprache aber abschreckt: Angeblich soll dieses Jahr eine deutsche Übersetzung erscheinen.
Beim Stöbern auf der Website jedoch fand ich ein Gericht, das ich gleich erst einmal zu Ostern testen wollte: Vegetarian Rolls with Pigeon & Truffles.

(Jetzt endlich bessere Aufnahmen dank besserer Kamera!)

Der Name ist etwas irritierend (ähnlich wie die vegetarische Ente im China-Restaurant um die Ecke – ich weiß bis heute nicht, was sich dahinter verbirgt), erklärt sich aber aus der Entstehungsgeschichte des Rezepts. Die Tauben-Trüffel-Rollen waren Theresas erstes Outlander-Rezept, und nun gibt’s diesen Klassiker eben in einer vegetarischen Variante. Ohne Tauben und auch ohne Trüffel.

Shiitake gab’s weder bei Denn’s noch bei Netto noch bei Edeka noch bei Rewe, weshalb ich schließlich Austernpilze substituierte. Auch frischer Thymian war nicht zu bekommen, so daß der getrocknete her mußte, und Panko war definitiv zu speziell für meine Supermärkte, aber meine „Paniermehl“sammlung (Krümel von Zwiebacken, Knäckebrot etc.) tat’s auch problemlos. Außerdem war ich faul und griff auf fertigen Blätterteig zurück, was wunderbar funktioniert – allerdings sollte die Füllmasse dann auch recht exakt halbiert werden, um eine ausreichende Menge Teig für beide „Würste“ zu haben. (Ich spreche aus Erfahrung.)
Die Füllmasse allein roch beim Zubereiten schon so köstlich (und sah erstaunlicherweise appetitlich aus), daß ich das fertige Produkt kaum abwarten konnte. Und es war tatsächlich lecker! Die Viertelstunde abkühlen sollte sich von selbst erklären und beachtet werden, denn die Rollen sind innen wirklich heiß!
Gut dazu paßt übrigens Kräuterquark.

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Eine der penetranteren Kaufempfehlungen, wenn man die Outlander-DVDs und das Making of-Buch erstanden hat, ist Finding Fraser. Ich hatte es lange Zeit ignoriert, weil Jamie nun so überhaupt nicht mein Held ist (ähnlich wie Edward in Twilight nie zündete). Aber irgendwann hatte ich nichts mehr zu lesen. Das Allan-Ramsay-Buch war schön, konzentrierte sich aber in erster Linie auf seine Techniken. (Ramsay ist einer meiner Lieblingsmaler, seit ich ihn durch das Cover meiner Ausgabe von Richardsons Clarissa kennenlernte.) Ein anderes ist noch im Transit aus Übersee. Aus lauter Verzweiflung knickte ich daher doch ein.
Finding Fraser ist eine Screwball-Komödie, keine Frage, was nicht mein Ding ist. Es mauserte sich aber zusehends und erinnerte mich an moderne Verarbeitungen von Austen-Romanen – Bride & Prejudice, Clueless oder The Jane Austen Film Club fallen ein. Natürlich weiß jede Leserin, daß Heldin Emma ihren Jamie gleich sehr früh gefunden hat, als Schotte auf US-Tour Jack Finlay (JF!) sie in der großartigen Stripperszene rettet. Aber Emma ist halt nicht die Hellste, und überhaupt kann ihr Jamie Fraser doch niemals Jack heißen! Und so braucht es denn viele Irrungen und Wirrungen und viele Anspielungen auf die literarische Vorlage (Emmas „Rettung“ von Jack aus seinem unfreiwilligen „Verlies“ ließ mich herzlich lachen) und deren Fans, bis es zum Happy End kommt. Das Beste sind zweifellos die Blogeinträge samt Kommentaren aus aller Welt… wobei ich leider anmerken muß, Emma, daß die deutsche Kommentatorin definitiv ein Fake ist – daß sie „Deutschland“ nicht schreiben kann, ist heutzutage vielleicht nicht mehr so ungewöhnlich, aber ihr Screenname macht nicht den geringsten Sinn.
Leider hält das Buch diesen Level nicht beständig durch. Es gibt sehr, sehr konstruierte Szenen, die nicht einmal Emmas Blödheit überzeugend erklären kann.
Dafür wird Braveheart korrigiert und Mel Gibson durch den Kakao gezogen…

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Fertig mit der zweiten Runde Outlander. Nun, wo man nicht in erster Linie auf Handlung gucken muß, hat man viel Zeit für Nuancen, und, Mann, schwelgte ich!
Als ich seinerzeit mit der Serie anfing, erwartete ich nicht viel und war am Ende massiv beeindruckt. Jetzt, nach Wiederholung, kann ich unbesorgt sagen, daß Outlander ein wirkliches Qualitätswerk ist. Auch wenn ich die Sexszenen immer noch ein bißchen exzessiv finde. Solange sie im Kontext der Handlung eine Funktion erfüllen, kein Problem, aber Sex um des Sexes willen… naja.
Ich habe auch ganz neue Lieblingsszenen entdeckt. Man könnte sich darüber streiten, ob Leichtherzigkeit bei Claires und Jacks drittem Zusammentreffen in „Both Sides Now“ angebracht ist, aber die Szenen mit Black Jack Randall sind alle so intensiv und furchtbar, daß es guttut, zwischendrin mal etwas zum Schmunzeln zu haben. So kommt es denn, daß Claire in ihrem kurzlebigen Moment der Überlegenheit einen Klassiker des 50er-Jahre-Kinos ausspielen darf: Die Krawattenszene! Wer sich erinnert, auch Whoopi Goldberg durfte sie in Corrina, Corrina persiflieren. Sie geht ungefähr so: Ehemann macht sich bereit für den Weg ins Büro und kommt wieder einmal mit dem Binden seiner Krawatte nicht zurecht, so daß schließlich Ehefrau eingreift. In „Both Sides Now“ ist diese Szene doppelt witzig, weil: a) Okay, wir reden hier von Jack Randall, Sadist ersten Ranges, und die Vorstellung von Claires ehefraulicher Standpauke im Sinne der guten alten 50er… Ja, ich lachte. („Now you listen to me, Jonathan Randall…“ – „Yes, dear.“)

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b) Die zweite Humorebene entsteht natürlich dadurch, daß beide Darsteller in der 1940er-Zeitlinie tatsächlich ein Ehepaar verkörpern. Ein netter Bogenschlag auch zu der früheren Folge „The Garrison Commander“, Claires und Jacks zweitem Zusammentreffen, die – was mir beim ersten Anschauen völlig entgangen war – durch und durch eine Geschichte über Claire und Frank ist, obwohl sie de facto nur eine Rückblickszene zusammen haben. Als solches ist sie auch ein entscheidender Knotenpunkt der Handlung. Die Produzenten selbst weisen clever darauf hin, als sie in der Titelkarte (eine kurze Szene mit Detailaufnahmen des Sets, während derer der Episodentitel eingeblendet wird) Franks Armbanduhr neben Jacks Rasierset plazieren.

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Es ist eine Folge über die Verbindung, wenn nicht gar Gleichsetzung der beiden Männer für Claire. In den vorhergegangenen Folgen vermißt Claire Frank zunehmend; nun plötzlich steht sie dem Mann gegenüber, der Frank in dieser Zeitlinie zumindest äußerlich so sehr gleicht. Und obwohl sie ihr erstes Zusammentreffen nicht vergessen hat, ist sie doch geneigt, Frank in Jack zu sehen. Ihr ganzes Verhalten Jack gegenüber wird von dieser Hoffnung beeinflußt. Sie weint über den Verlust des Guten, das sie durch ihren inneren „Frank-Filter“ in Jack vorhanden glaubt. Sie gesteht Jack, sie sei glücklicher als er wisse, als sie glaubt, ihn auf den Pfad des Guten zurückgeführt zu haben. Und genauso – das ist das wirklich Interessante hier –, als Jack diesen Glauben effektiv zunichte macht (und sich nebenbei als der hochintelligente Menschenkenner und sadistische Mistkerl erweist, als den das Publikum ihn von nun an kennen und fürchten lernt), beginnt Claires Liebe zu Frank zu schwinden. Zwar versucht sie in „Both Sides Now“ noch einmal, zu ihm zurückzukehren, aber es ist bereits mehr eine Flucht vor den Veränderungen, die sie in sich bemerkt, als eine Flucht zu ihm. Es ist auch vielsagend, daß Claires Heirat mit Jamie gleich in die Folge nach „The Garrison Commander“ fällt.
„The Garrison Commander“ ist vermutlich meine Lieblingsfolge der ersten Staffel geworden. Sie ist ein Kammerstück, ungemein clever aufgebaut, vielschichtig, eines der besten Beispiele, wie in Outlander so viel ohne Worte, nur durch Blicke, Mimik und Gesten vermittelt wird, und natürlich großartig getragen von der schauspielerischen Leistung Caitriona Balfes und Tobias Menzies’ in ihrer langen Unterhaltung, die das Herz der Folge bildet.

Nun bin ich leicht abgeschweift.

Der zweite Lacher am Ende von „Both Sides Now“ ist so ziemlich der letzte, den wir in Verbindung mit Black Jack bekommen (sein Artus-Witz in Wentworth ist wirklich gut!), also ist er erlaubt und noch einmal ein kurzer Lichtblick, bevor die Szene scheußlich wird. „What kind of gentleman keeps a rope in his desk?“ regt Claire sich auf, ganz empörte englische Dame, während sie bereits Übles auf sich zukommen sieht. Schön!

Wo wir beim Thema sind: Ich hatte leichtes Magengrimmen in Bezug auf „Wentworth Prison“ / „To Ransom a Man’s Soul“. Es ist schwierig, finde ich, Folgen noch einmal zu sehen, von denen man weiß, daß sie an die Substanz gehen. Und ja, sie gehen auch in der Wiederholung an die Substanz. Gleichzeitig sind sie natürlich absolut sehenswert. Von Tobias Menzies’ wandelbarem Schauspieltalent hat man die ganze Serie hindurch schon viel zu sehen bekommen, obwohl er in der Abschlußdoppelfolge noch einen Schritt weitergehen darf; Sam Heughan hatte diese Chance noch nicht wirklich. Jamie ist zu sehr der Held ohne Furcht und Tadel, mit Fehlern und Schwächen zwar, aber letztlich immer obenauf. Dies, so schrecklich mitanzusehen ist, wie er langsam, qualvoll und mit perverser Psychologie gebrochen wird, ist Sam Heughans bester Moment. Es ist alles in seinen Augen, sage ich nur.

pietaDie Pieta. Ich liebe gelungenen Gebrauch von Ikonographie. Kurz darauf verspottet Jack Jamies Christ-gleiche Passivität im Leiden (man denke auch an Jamies festgenagelte Hand), was wiederum einen Bogen zu „Lallybroch“ schlägt, als Jamie anmerkt, es stecke ein Teufel in Jack Randall; ebenso zu Claires Schwur in „To Ransom a Man’s Soul“ (der Episodentitel selbst weist schon auf die religiöse Verbindung hin, ebenso die Titelkarte): „Randall may have had your body, but I’ll be damned if he has your soul as well.“ Und Murtagh kommt in Staffel 2 noch einmal darauf zurück, als er Jack als „the devil’s spawn“ bezeichnet.

A propos, ich glaube, ich habe nun endlich herausgefunden, was mich an Staffel 2 so störte: Ihr fehlen lange Zeit all die Parallelen und Verknüpfungen, das Spiegelbildliche, das Staffel 1 durchzieht. Staffel 2 ist über viele Folgen hinweg sehr, sehr wörtlich, keine Spur von Metaebene. Zwar ist die erste Hälfte von Folge 1, „Through a Glass, Darkly“, voll davon, aber – und das ist vielsagend – nur dadurch, daß Frank wieder ins Spiel kommt. Danach ist Sense, bis – aha! – Jack in Paris auftaucht. Ellen Moody analysierte Outlander als Dreiecksgeschichte, und sie hat völlig recht damit. In Fankreisen und auch seitens Autorin Diana Gabaldon, was ich bisher gesehen und gelesen habe, ist der Fokus immer auf Claire und Jamie. Aber die Geschichte hat keinerlei Tiefgang ohne was Ellen als den Doppelgänger Frank/Jack bezeichnet; wer weniger tiefenpsychologisch vorgehen möchte, macht eine Vierecksgeschichte daraus. Beides funktioniert. Und sobald Jack mit der dramatischen Verknüpfung sowohl zu Wentworth und dem Mißbrauch an Fergus (ich nenne das zuschlagendes Karma) als auch zu Claire (ein Leben für ein Leben) während des Duells die Bühne vorerst wieder verläßt, verschwindet ebenso die Metaebene. Nicht, daß die Serie an dieser Stelle schlechter wird – wir kommen nun zum herzzerreißenden und epischen Teil, und das hat eigenen Wert, aber es gibt herzlich wenig zu deuten. Den nächsten Bogenschlag finden wir tatsächlich erst wieder in „The Hail Mary“ mit, jep, Jacks Rückkehr. Erst jetzt, nachdem ich Staffel 1 noch einmal gesehen hatte, konnte ich die wundervolle Szene zwischen Claire und Jack als das Gegenstück zu ihrer Szene in „The Garrison Commander“ erkennen, das sie ist. Mit einer Wendung! Diesmal versucht Claire nicht, seine Seele zu retten, während man den Eindruck bekommt, daß das genau das ist, was Jack von ihr erbittet, zumindest den kleinen Teil seiner Seele, den er sich noch erhalten hat.

Diana Gabaldon ist in Staffel 2 als Gastautorin vertreten, nämlich bei der Folge „Vengeance is Mine“. Der Schwerpunkt dieser Aussage ist „Gast“. Man merkt, daß die Folge nicht aus der üblichen Schreibwerkstatt stammt, so sehr das Stammpersonal natürlich Rat und Tat leistete. Sie ist in vielem simpler, aber auch eigenständiger, ein in sich abgeschlossenes Abenteuer, wenn man so will. Star ist zum letzten Mal Simon Callow als der Duke of Sandringham, der wie immer jedem die Show stiehlt. Stellt Jack Randall den Finsterling dar, so ist Sandringham der witzige Schurke. Ich bedauere sehr, daß sie nie eine gemeinsame Szene haben. (Und ich tappe völlig im Dunkeln, was eigentlich ihre Beziehung ist. Wird vermutlich in den Büchern erläutert.)

Beginnend mit „Faith“ ziehen sich Tod, Abschied und Verlust als Leitthemen durch die Handlung. Von nun an verlieren wir eine erhebliche Anzahl von etablierten und liebgewonnenen Charakteren, ganz zu schweigen von all den Verlusten auf Culloden Moor, die wir nie zu sehen bekommen. Ich hoffe sehr, daß die Macher in Staffel 3 zumindest ein paar Rückblenden einbauen! Insbesondere Dougal darf in „The Hail Mary“ und „Dragonfly in Amber“ noch einmal richtig glänzen.

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Wie das dann immer so kommt. Angeregt von Franks Recherchen in Outlander hatte ich vor, meine Familienforschung wieder aufzunehmen, namentlich den eigentlichen Hauptzweig, wenn man so will, von dem ich meinen Nachnamen habe. Konzentrierte mich lange Zeit auf meine mütterliche Linie, weil, ganz einfach, diese wesentlich einfacher nachzuverfolgen war – denn ehrlich, so häufig ist „Kleehaas“ nicht… (Schweizer Wurzeln, früheste bisher gefundene Erwähnung 1331. Das ist älter als manches Adelshaus.)
Bei den Schnabels sieht’s schon schwieriger aus. Google hilft einem da auf Anhieb nicht weiter. Was ich auf alle Fälle näher begutachten wollte (und immer noch will), ist die Geschichte der zwei Brüder Carl und Christoph Schnabel aus Heyersum. Ich habe mir sagen lassen, daß in Heyersum ein Zwist zwischen zwei Schnabel-Linien existiert(e), von denen offenbar keiner mehr weiß, wie er entstanden ist, und möglicherweise liegen die Wurzeln bei diesem Brüderpaar. Es ging um die Erbschaft des Pachthofes – dramatische Geschichte, mir liegt die Akte vor.
Während ich aber noch hier nachschlug, kam mir der bisher älteste bekannte Ahnherr dieses Familienzweiges in den Sinn, der Hildesheimer Stadtsoldat Johann Otto Schnabell, auch ein interessanter Kandidat. Ich sah mir also seine Daten an… und mußte lachen. Zwar weiß ich bisher nicht viel über ihn, aber er heiratete 1750 Anna Catharina Pfingsten, verwitwete Fernhaber. Somit sind wir genau in der Zeit, die Outlander behandelt. Und sie teilen sogar einen Vornamen. Ich hoffe, die Parallelen enden hier – einen Black Jack Schnabell brauche ich wirklich nicht in meinem Stammbaum.
Johann Ottos Vater war vermutlich ebenfalls Stadtsoldat, und hier wird’s interessant. Im Stadtarchiv Hildesheim nämlich gibt es eine Akte „Klage des Neustädter [=Hildesheimer Neustadt] Magistrates gegen den Juden Moses Herz, den Advokaten Klebert und wegen des Stadtsoldaten Pfingsten. 1744-1748“. Dieser Stadtsoldat Pfingsten war unter Garantie entweder der Bruder oder der Vater von Anna Catharina, denn wie ist es bis heute? Man lernt die meisten Menschen durch den Beruf kennen. Und die Schnabels und die Pfingstens waren offenbar militärische Traditionsfamilien. Genauere Forschung folgt.

Was machten Hildesheimer Stadtsoldaten eigentlich? fragte ich mich. Laut den Beiträgen zur Hildesheimischen Geschichte, enthaltend die darauf Bezug habenden Aufsätze der sämmtlichen Hildesheimischen Wochen- und einiger kleinen Gelegenheitsschriften bis zum Jahre 1828, Band 1 (1829), Aufsatz „Von dem Landsturme, den Landsknechten und Soldaten im Hildesheimischen“:

Beständige Stadt-Soldaten hatte man aber in Hildesheim im sechzehnten Jahrhundert noch nicht, denn, ob wir gleich in den Chroniken lesen, daß die Stadt Hildesheim in der Stiftsfehde, außer den bewaffneten Bürgern, auch Knechte, d. i. Soldaten gehalten, und damit für Bischof Johann IV. die Festung Peine besetzt habe, so wurden diese doch nach beendigter Fehde wieder entlassen, wie dieß die Fürsten mit ihren Landsknechten eben so machten. Die ersten Versuche, beständige Stadt-Soldaten anzuwerben, fallen in die ersten Jahre des siebenzehnten Jahrhunderts. Die städtischen Chroniken besonders, das mehr erwähnte Verzeichniß der Merkwürdigkeiten des Stifts und der Stadt Hildesheim erzählt, daß im Jahre 1606 Soldaten angenommen, und täglich jedes Thor mit 6 Mann derselben besetzt worden sey. Eine andere Chronik erwähnt, daß 1614 den 20. September, im Rathe zu Hildesheim bewilliget sey, 100 Soldaten anzunehmen, und damit die Wache Tag und Nacht zu bestellen, und daß diese Neuerung aus Besorgniß einer Kriegsgefahr, weil die Spanier im gedachten Jahre Wesel eingenommen hätten, veranlaßt worden; diese Soldaten wären auch den 26. September gedachten Jahrs bewaffnet, aber bald wieder abgedankt, weil die Bürger sich geweigert hätten, das Soldatengeld aufzubringen. Ferner: am 20. Febr. 1620, wären 100 Mann Stadt-Soldaten angenommen, um die Wache auf den Wällen und vor den Thoren zu halten, sie wären mit rothen Manteldecken, mit gelben Schnüren (die Farbe des Stadtwappens) besetzt, bekleidet gewesen, und die Bürger hätten monatlich sechs Groschen Soldatengeld geben müssen.
Der bald nachher im dreißigjährigen Kriege in Hildesheim eingetretene gewaltsame Zustand, wo die Stadt in der Zeitperiode von 1632 bis 1643, zweimal von fremden Truppen occupirt wurde, und daher ihrer nicht mächtig war, ließ an keine eigene militärische Einrichtung denken; im Jahr 1643 wurde aber die Stadt, vermöge der damals abgeschlossenen Recesse in den Stand, worin sie vor 1630 gewesen hergestellt, und hiernächst vom Magistrat am 9. November 1643, eine Stadtmiliz von 450 Mann angenommen, welche Zahl sich aber später um etwas vermindert hat. Sie war in drei Compagnien eingetheilt, deren jede von einem Offizier, nämlich eine von dem Capitain-Lieutenant, die andere von dem Lieutenant, und die dritte von dem Fähnrich angeführt wurde. Das Ganze stand unter dem obenerwähnten Stadt-Capitain oder Commandanten, welcher, wenn er einen höhern Titel wünschte, sich solchen von einem Fürsten, dem er vorhin gedient hatte, verschaffte, z. B. Major ec. Zum Unterhalte dieser Stadt-Soldaten, war vorzüglich der Licent oder die Accise angewiesen. Man sehe das Licent-Patent des Magistrats von 1644.
Nichts destoweniger blieben auch die, in ihre neun Beuerschaften der Alt- und Neustadt, als so viele Compagnien, eingetheilten Bürger bewaffnet, unter Anführung ihrer Lieutenants, Fähnriche und Führer, und besetzen die innern Thore der Stadt, wogegen die Stadt-Soldaten die äußern Thore bewachten, man sehe z. B. die Verordnung des Magistrats der Neustadt Hildesheim, vom 13. Mai 1717. Erst in der letzten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, hörte die Bewachung der innern Thore durch die Bürger auf, und wurde den Stadt-Soldaten allein überlassen. Nur am Tage des jährlich abgehaltenen großen Freischießens, sahe man noch außer dem Stadt-Militair einige Compagnien der mit Ober- und Untergewehr bewaffneten Bürger mit ihren Fahnen, und unter Anführung ihrer Bürgeroffiziere, den feierlichen Aufzug machen, um das Andenken ihrer alten militärischen Einrichtung zu erhalten.

Auf http://www.polizeiuniform.de/html/body_tagespolizei.html heißt es:

Die in Hildesheim bereits 1643 gebildete Stadtmiliz trug gegen Ende des 18. Jahrhunderts blaue Röcke mit roten Aufschlägen. Rot waren auch Weste und Beinkleider, der schwarze Dreispitz bildete den Kontrast.

(Ähnlich wie der dort abgebildete Göttinger Nachtwächter, denke ich.)

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