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Posts Tagged ‘Jolanthe Marès’

Am 18. April erschien Eva Hermans neues Buch Blutgericht Europa. Da ich’s mir fürs Kindle vorbestellt hatte, konnte ich gleich morgens im Zug loslesen – schon eine dolle Sache! Ich saß dann abends über einer Rezension, die mich einiges Nachdenken kostete. Was es zu diesem Buch zu sagen gibt, ist einfach zu viel, um es in eine Besprechung zu packen. Wissend, daß es vor allem die Herman-Fans (und vermutlich die Autorin selbst – ich linse ja auch immer mal wieder nach neuen Rezensionen meiner Bücher) sein würden, die draufschauten, entschied ich mich für die abgespeckte Variante, die allerdings schon recht lang wurde, um gleich zum Kern der Sache zu kommen.
Morgens erwartete ich fast schon wütende Kommentare, aber nein – es gab immerhin drei „Personen, die diese Rezension hilfreich fanden“. Hilfreich glaube ich dann doch nicht; inzwischen gilt dieser Button ja eher als „Like“. Aber wie gesagt: Dafür, daß ich den Text erst um 23 Uhr abschickte und um neun Uhr morgens nachsah, ist die Reaktion ganz gut. (Zum Zeitpunkt des Schreibens. Kann inzwischen ja längst ganz anders aussehen.) Ulkig hingegen: Mehrere von Hermans früheren Büchern haben bis heute keine Bewertung. Sobald ich eine Drei-Sterne-Rezension veröffentliche, kommt prompt innerhalb von zehn Stunden eine andere nach, die den Schnitt nach oben zieht. Menschen. 🙂

Wie es mir nun immer so geht, kamen im Nachhinein noch einige Einfälle, was ich außerdem hätte schreiben können. Der Geist des Treppenhauses. Aber wozu hat man ein Blog? Im folgenden also der etwas veränderte Text der Rezension plus Zusatzgedanken.

Eva Herman befaßt sich in Blutgericht Europa mit nichts Geringerem als dem Völkerschicksal Deutschlands und dem Untergang des Abendlandes. Gerade letzterer ist ein Standardthema der Wissensmanufaktur – „Wird allmählich Zeit. Andreas Popp kündigt ihn seit fast zehn Jahren an“, um einen Facebook-Kommentator zu paraphrasieren. Da will ich mal einen Schritt weitergehen und erwähnen, daß die Kreuzträger ihn bereits zu Lebzeiten Abd-ru-shins jeden Tag erwarteten, und das ist immerhin über siebzig Jahre her. Ich bin also extrem vorsichtig mit solchen Vorhersagen; das kann ganz entspannt noch weitere siebzig Jahre so weitergehen.
Über Völkerkarma nun kann man sehr lange diskutieren. Gerade das deutsche hat natürlich viel auf dem Buckel, und mehr, als man gemeinhin glaubt. Ich zitiere mal einen längeren Text aus Abd-ru-shin und die Botschaft aus dem Gral.

Am 6. Dezembers 1941, nachmittags, schied Abd-ru-shin (Oskar Ernst Bernhardt) von dieser Erde. Siegfried Hagl beschreibt die welthistorische Situation dieses Zeitpunktes.

Europa Anfang Dezember 1941: Der Zweite Weltkrieg hat in der Form des „europäischen Krieges“ einen ersten Höhepunkt erreicht. Zwei Jahre lang waren deutsche Truppen von Sieg zu Sieg geeilt. Sie hatten das neue Schlagwort „Blitzkrieg“ nicht nur in die deutsche, sondern sogar in die englische Sprache eingebracht, und ihr Angriffsgeist und ihre Schlagkraft schienen nie zu erlahmen; die deutschen Armeen hatten sich bisher in allen Fällen als unüberwindlich erwiesen.

Ein Blick auf die Landkarte mußte das belegen:

Deutsche Soldaten hatten ab September 1939 zuerst Polen überrannt, dann Dänemark, Norwegen, Holland, Belgien und Frankreich erobert und England gefährlich bedroht. 1941 folgten Eroberungen von Jugoslawien, Griechenland sowie Kreta, und schließlich der Angriff auf Rußland. In den ersten Dezembertagen des Jahres 1941 stehen die deutschen Truppen am Nordkap wie in der Biskaya. Das Afrikakorps belagert Tobruk. An der Ostfront ist die alte russische Hauptstadt Kiew längst erobert, Leningrad eingekesselt und Moskau in Sichtweite; der russische Widerstand gilt nach offiziellen Meldungen seit Anfang Oktober als gebrochen und damit der Krieg im Osten als entschieden. In Deutschland glaubt man den Bolschewismus erledigt und will mit Hilfe der Rohstoffquellen der eroberten Teile der westlichen Sowjetunion den noch verbleibenden Kriegsgegner – England – in Kürze niederringen.

So die Beurteilung der militärischen Lage, nicht nur aus der Sicht der nationalsozialistischen Propaganda. Selbst maßgebliche militärische Stellen westlicher Staaten sehen die Situation nicht viel anders, und sogar der zähe Winston Churchill weiß, daß es schwierig sein wird, die Deutschen in Nordafrika aufzuhalten, den Suezkanal zu sichern und die nach einem siegreich beendeten Rußlandfeldzug zu erwartende Invasion gegen England abzuwehren.

Fast alle unterschätzen die Probleme der deutschen Armee. Tatsächlich sind die Kräfte der deutschen Kampfverbände aufs äußerste angespannt. Das zu kontrollierende Gebiet ist viel zu groß, die Truppen sind zersplittert und die Nachschubwege zu den weit auseinandergezogenen Fronten zu lang. Überdies gefährden im Mittelmeer englische Luft- und Seestreitkräfte die Nachschublinien, die im Osten unter schlechten Straßen, Eisenbahnen mit Breitspur, extremer Witterung und Partisanentätigkeit leiden. Solche Gefahren beachten allerdings auf deutscher Seite nur wenige „Schwarzseher“. Die Mehrzahl – auch der gut informierten Verantwortlichen – läßt sich von den nicht abreißenden Erfolgsserien blenden und glaubt den Sieg schon in der Hand zu halten.

In der Euphorie der ersten Kriegsjahre wurde leider oft auch vergessen oder verdrängt, daß es sich um einen von Hitler leichtfertig und mutwillig begonnenen Krieg handelte. Hitler wollte – wie schon in „Mein Kampf“ angekündigt – „Raum für die deutschen Bauern“ im Osten schaffen, und zwar ohne Rücksicht auf die dort lebenden Menschen. Diese wurden als „minderwertig“ abqualifiziert, damit man sie zurückdrängen oder – wie im Falle der Juden – gar ausrotten konnte. Ein rücksichtsloser Raubkrieg also, gegen alle Menschlichkeit, ohne Rücksicht auf moralische Kategorien und in Verkennung der jedem Historiker geläufigen Tatsache, daß noch jeder Eroberer gescheitert ist, der die Lebensrechte der Besiegten mißachtete.

Doch wie schon gesagt: Anfang Dezember 1941 schien die deutsche Siegesserie noch zu rollen, die Eroberungen waren überwältigend, und die deutschen Truppen galten als unbesiegbar. Dann aber änderte sich die Lage blitzartig, fast innerhalb von Stunden:

Nordafrika: An diesem Nebenkriegsschauplatz sind die Kräfte des deutschen Afrikakorps erschöpft, der Nachschub reicht nicht aus, und am 6. Dezember 1941 muß sich der Kommandeur der Panzertruppen, Manfred Rommel, zu einem Rückzug entschließen, der am 7. Dezember beginnt. Bis Ende 1941 ist die Cyrenaika mit dem wichtigen Hafen Benghasi wieder in britischer Hand; die Deutschen haben sich auf die Marsa-Brega-Stellung, westlich von El Agheila an der Großen Syrte, zurückgezogen. Wenn auch Geländegewinne im Wüstenkrieg nicht allzuviel besagen, so ist doch ein moralischer Erfolg für die Briten errungen.

Atlantik: Die „Schlacht im Atlantik“, in dem deutsche U-Boote die Versorgung Englands unterbinden sollen, tobt weiter. Zwar können die Verluste an U-Booten mit Neubauten deutscher Werften noch ausgeglichen werden, aber die Kräfte sind zersplittert durch Verlegung von U-Booten ins Mittelmeer und die Aufblähung der Operationsräume; im Dezember wird nur noch ein Drittel von dem Schiffsraum vernichtet, der im Mai 1941 versenkt werden konnte.

Ostfront: Hier bahnt sich die dramatische Wende an: Glaubte man im Oktober und November die Rote Armee bereits in Auflösung, so rennen sich nun die deutschen Angriffsspitzen vor Moskau im eisigen russischen Winter fest. Und: ein unerwarteter russischer Gegenangriff steht bevor!

Nachdem, neben anderen Hinweisen, Stalin durch einen Spion – dem berüchtigten deutschen Doppelagenten Sorge (1) – die Gewißheit erhielt, daß ein japanischer Entlastungsangriff auf Rußland im fernen Osten nicht zu befürchten ist, können sibirische Truppen an die deutsche Front verlegt werden. Am 6. Dezember 1941 startet die russische Gegenoffensive. Kältegewohnte Elite-Truppen mit Winterausrüstung stehen dem deutschen Landser in seiner Sommer-Montur gegenüber. Die deutsche Front droht einzustürzen, und der Nimbus von der Unbesiegbarkeit des deutschen Soldaten ist gebrochen.

Wer nach der Stunde fragt, die den Untergang des Dritten Reiches einläutete, kann sie an diesem Tage finden: Denn als am 6. Dezember 1941 die rotglühende Sonne hinter dem Horizont der russischen Steppe unterzutauchen begann, wußte man im deutschen Generalstab, daß der Rußlandfeldzug nicht zu gewinnen war. […]

Am Sonntag, den 7. Dezember 1941 um 7.30 Uhr Ortszeit greifen japanische Flugzeuge den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbour auf Hawaii an. Damit führt Japan Krieg gegen die USA. Eine Entlastung für Deutschland? Besser wäre der von deutscher Seite gewünschte japanische Angriff auf Rußland. Doch werden die USA wenigstens von Europa abgelenkt. Bisher hatten die Vereinigten Staaten nämlich England offener unterstützt und sich deutlicher gegen Deutschland ausgesprochen, als das für ein neutrales Land üblich ist. Nun aber fällt Hitler eine seiner unverständlichsten und törichtesten Entscheidungen: Er erklärt am 11. Dezember 1941 den USA den Krieg!

Nichts zwingt ihn dazu. Der Dreierpakt Deutschland-Italien-Japan verpflichtet diese Achsenmächte nur zur Hilfeleistung, wenn einer der Vertragspartner angegriffen wird, nicht, wenn er selbst angreift. Trotzdem sagt Hitler schon am 5. Dezember – die japanische Angriffsflotte ist bereits in Richtung Hawaii unterwegs – seine Hilfe im Kriegsfalle dem japanischen Botschafter zu. Was ihn zu dieser entsetzlichen Dummheit treibt, ist bis heute ein Rätsel geblieben; neben seiner Fehleinschätzung der USA sind nur irrationale Beweggründe vermutbar. Denn Deutschland kann die Vereinigten Staaten nicht angreifen, hat keine Chance, den USA ernsthaften Schaden zuzufügen. Die amerikanischen Waffenlieferungen an Rußland und England machen sich dagegen bald bemerkbar, und zuletzt werden amerikanische Truppen wesentlich zum Sieg der Alliierten beitragen.

Während also die deutschen Armeen im Osten mit letzter Kraft ein totales Debakel abzuwenden suchen, erklärt Hitler der stärksten Wirtschaftsmacht der Erde den Krieg. Er handelt so, als wolle er die sich anbahnende Niederlage zu einer unabwendbaren Katastrophe ausweiten, um mit seiner Partei und dem deutschen Volk, den Nibelungen gleich, im brennenden Europa unterzugehen.

Fünf Tage im Dezember 1941: Nur selten sind in der Weltgeschichte in so kurzer Zeit so schwerwiegende Entscheidungen gefallen wie in den 5 Tagen vom 6. bis zum 11. Dezember 1941.

– Der europäische Krieg war zum Weltkrieg geworden.
– Das Schicksal hatte gegen Deutschland entschieden.
– Japan löste einen Konflikt aus, den es verlieren mußte.

Der Traum vom deutschen Lebensraum im Osten war ausgeträumt, und Japan riskierte in seinem Großmachtstreben entschieden zu viel. Der unausbleibliche Rückschlag mußte für beide Nationen katastrophal werden.

So änderten nur 5 Tage im Dezember 1941 das Schicksal der Welt: Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft war an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gestoßen und mußte von nun an unaufhaltsam zurückweichen, bis zum bitteren Ende. Der unabwendbare Niedergang des Nationalsozialismus war begleitet von schlimmsten Greueln, die den Namen „Deutschland“ und das Deutschtum bis heute entehren.

Wie zuvor das auserwählte jüdische Volk hatte auch das auserwählte deutsche Volk auf ganzer Linie versagt, war dem falschen Heilsbringer nachgelaufen, und entsprechend sehe ich in seiner zukünftigen Entwicklung noch viele Parallelen zum jüdischen Volk auf uns zukommen. Eva Herman behandelt dieses spezielle Thema nicht, sondern widmet sich anderen Aspekten, über die es sich ebenfalls nachzudenken lohnt. (Sehr interessant zum Beispiel die „alten weißen Männer“ und der Rückschlag.) Womit wir nun endlich zur Rezension kommen.


Ganz sicher nicht zufällig erschien dieses Buch am 18. April, dem Geburtstag Abd-ru-shins, auf dessen Schriften sich Eva Herman umfassend bezieht. Ich selbst bin Bekennerin der Gralsbotschaft (und blogge in unregelmäßigen Abständen darüber); von daher ist mir grundsätzlich klar, was die Autorin zu sagen versucht, vielleicht mehr als Lesern, die sich mit der Thematik noch nie auseinandergesetzt haben. Ich möchte das vorausschicken, da ich mich aus Platzgründen in erster Linie auf die Punkte konzentrieren werde, denen ich so nicht zustimmen kann.
Daß Europas Probleme sehr viel mit Karma zu tun haben, dürfte jedem klar sein, der von Einzel- wie Völkerschicksalen überzeugt ist. Ob sie nun wirklich auf den Großen Karl zurückgehen, sei dahingestellt; zumindest aber bietet Herman einige gute Argumente dafür. Ein Fehler scheint mir jedoch zu sein, zwangsläufig auf der Gegenseite die „Guten“ zu sehen. Eva Herman steht da durchaus nicht allein da; quasi sämtliche Neuheiden verfallen in die gleiche… wie soll man’s nennen? Verklärung? Naivität? Hier unter den Amazon-Rezensionen fand ich einmal in einer Besprechung eines Buches über das Heidentum sinngemäß die treffende Anmerkung „Autorinnen X und Y beschreiben, wie die römischen Priester praktisch mit Tränen in den Augen die Christen anflehten, doch wenigstens das geforderte Mindestopfer zu erbringen, damit sie sie nicht töten müßten… Ich hoffe, den Autorinnen ist klar, wer hier wen aus religiöser Intoleranz umbrachte?“ Gleichermaßen halte ich Widukind, seine Sachsen und alle anderen zwangschristianisierten Völker nicht automatisch für die besseren Menschen, nur weil die Kirche unbestritten Verheerungen unter ihnen anrichtete. Sie verteidigten sich gegen die geplante Eroberung ihres Landes, was ihr gutes Recht war, keine Frage. Das bedeutet nicht, daß sie edel, hilfreich und gut waren. Der „Götter“glaube machte nicht aus sich heraus eine Gesellschaft zu einem Paradies auf Erden, zumal er zur Zeit Karls des Großen längst von menschlichen Phantasien durchzogen war. Die Arbeit des Verstandes, auch hier.*

Interessant hingegen das von Herman herausgearbeitete, wandelbare Bild Karls des Großen unter den Nationalsozialisten: Galt zuerst Widukind als wackerer Deutsche als der Gute der Geschichte, so wurde unvermittelt auf höchsten Befehl dessen Verehrung gekippt zugunsten Karls als europäischem Herrscher. Und dennoch denkt heute bei Karl dem Großen niemand an die Nazis – bei Widukind dagegen schon. Merkwürdige Geschichtsschreibung.
Dabei ist Hermans Kritik an Sabine Kuhlmanns Magisterarbeit ebenso unverständlich. Kuhlmann hat keine Biographie Widukinds geschrieben, sondern eine Arbeit über Widukinds Bild in der NS-Zeit. Und dafür sind die angeführten Zitate vollkommen korrekt.

Übrigens habe ich mal in meinem erprobten Götter- und Heldensagen der Germanen nachgeschlagen, das ja grob aus der Zeit stammt, und siehe da: Karl ist der Gute. Im Abschnitt „Karl und der Sachsenherzog“ gibt’s ein Happy End, wenn man so will: Widukind schleicht sich als Bettler verkleidet in Karls Lager und erlebt dort sowohl Karfreitag als auch die Ostertage mit, deren Rituale so einige Fragen in ihm aufwerfen. Weil er als Edler der Sachsen (die ursprünglichen Sachsen, wer’s nicht weiß – also die, die im nördlichen Niedersachsen lebten) nun einmal einen miesen Bettler abgibt, erkennt Karl ihn, läßt ihn festnehmen und zum Gespräch bitten. Nach einigem Hin und Her kommt das Thema auf die Feierlichkeiten:

„Vor zwei Tagen fand ich euch alle traurig, einen wie den andern. Heute sah ich euch alle fröhlich und im Festgewande an einen Tisch treten, hinter dem ein Mann im Purpurgewande stand, der dir und den andern ein ganz kleines Kind in den Mund schob. Etliche empfingen es mit Freuden und etliche mit Trauer, alle aber mit gleicher Demut und Inbrunst. Willst du mir das erklären?“
„Wahrlich,“ sagte der König ernst, „da hast du mehr gesehen, als ich und alle meine Priester.“
Und nun weiß die Sage zu melden, daß König Karl dem Herzog Widukind alle Dinge vom Karfreitag und von Ostern erklärte, auch wie es zu verstehen, daß ihm und allen andern der Leib des Herrn gereicht worden sei. Und so lehrte ihn der König den christlichen Glauben, so daß Widukind in sich ging und seinen heidnischen Göttern absagte und sich mit seiner Gemahlin und vielem Volk am Weihnachtsfeste taufen ließ. Und sind gute Christen geworden und nachher nimmer vom Glauben abgefallen.

Dann so ein paar Feinheiten:

– Der Allvater der germanischen/nordischen Völker war nicht Gott, sondern Wodan/Odin.

– „Die Germanen“ gab es in der Tat nicht. Vielmehr, es gab sie, aber nur bei den Römern, von denen dieser Sammelbegriff für die germanischen Völker kam und die ihn auch ausschließlich verwendeten. Johannes Fried leugnet nicht ihre Existenz, wie Herman das formuliert, sondern er lehnt die Bezeichnung ab.

– Die Umweltschädlichkeit von Kreuzfahrten ist hinlänglich bekannt und wird auch stark von Ökobewegungen kritisiert, was Frau Herman wüßte, wenn sie sich einmal ernstlich mit der Thematik auseinandergesetzt hätte. Es wird nur in den Medien wenig darüber berichtet (womit wir wieder beim Mainstreaming wären).

– Und was das angeht, ich habe nie verstanden, warum es dieser Tage offenbar nur das Komplettpaket zu beiden Seiten der politischen Mitte zu geben hat: Links, Ökos, Multikulti-Befürworter, pro-Gender-Mainstreaming vs. Rechts, anti-Zuwanderung, Klimawandelleugner. Ich bin konservativ und Öko und sehe darin keinerlei Widerspruch. Teddy Roosevelt war Umweltschützer. Diese Spaltung ist ein sehr, sehr junges Phänomen. Sollten nicht gerade diejenigen, die eine erklärte Heimatliebe besitzen, daran interessiert sein, diese Heimat zu schützen und zu bewahren?

– Daß die Toten der imperialistischen Kriege verharmlost oder verschwiegen werden, stimmt nun wahrhaftig nicht. Es ist nicht gerade Unterrichtsstoff an Schulen, sicher, aber dort wird in allen Bereichen nur ein grober Überblick gegeben.

Was nun die Behauptung angeht, die Nationalsozialisten seien nicht gleichzusetzen mit den Nazis – Entschuldigung, aber das ist Quatsch, und sehr beängstigender Quatsch noch dazu. Soll als nächstes die These aufgestellt werden, die Nationalsozialisten seien eigentlich ganz harmlos gewesen (die wollen nur spielen?), und erst ab 1933 tauchten plötzlich die bösen Nazis auf? Sprangen die bösen Nazis mit Adolfs Machtantritt aus dem Boden? Hatte da jemand Drachenzähne gesät? Wer bildete denn Hitlers Partei? Falls ich den Vergleich ziehen darf, weil die Argumentation die gleiche ist und es ja quasi zum Thema paßt: Wie viele Bekenner der Gralsbotschaft hat man schon sagen hören: Ja, natürlich, Abd-ru-shin – aber nein, Frau Maria, das ist doch etwas ganz anderes…

Nun verwende ich das böse Wort Verschwörungstheorie und behaupte, eine von langer Hand geplante Umschreibung der Geschichte wie auch einzelner Personen der Geschichte gebe es nicht. Daß instrumentalisiert wird – natürlich. Dazu gibt es mehr als genug Beispiele. Der wechselnde Blick beispielsweise auf Karl den Großen liegt aber meines Erachtens eher an der wechselnden „Linse“ der jeweiligen Zeit.

Daß „große Teile der Bevölkerung“ die Öffentlich-Rechtlichen als Lügenpresse bezeichnen… nun, Arne Hoffmann drückte es so schön aus: „Große Teile der Bevölkerung“, „ganz Deutschland“ etc. heißt einfach: Alle in unserer Redaktion.

Zum Abschluß zwei bis drei Gedanken, die ich einfach mal so dahinstellen möchte:

Bei allem Einsatz, den Eva Herman für die Deutschen zeigt (und ich weiß ihn zu schätzen, wirklich), sollte nicht vergessen werden, daß eine Volkszugehörigkeit immer nur eine Inkarnation betrifft. Im Leben davor sah sie vermutlich ganz anders aus, und im nächsten Leben wird sie wieder eine ganz andere sein. Natürlich hat es Gründe, warum wir in einem bestimmten Volk inkarnieren, und natürlich sollen wir die speziellen Erfahrungen aus diesem Leben machen und verinnerlichen, aber klammern dürfen wir nicht, ohne die Gefahr einzugehen, einen Hang zu entwickeln.
Was nun das deutsche Volk betrifft, so würde das Thema den Rahmen einer Rezension weit sprengen; es lohnt sich jedoch vielleicht, in Sachen Völkerkarma einmal über gewisse Parallelen zum jüdischen Volk nachzudenken.

Und immer als Mahnung für jeden von uns, schrieb Abd-ru-shin:
„Ich sagte schon, wenn Ihr Disteln säet, kann daraus kein Weizen wachsen!
So kann auch nie aus Hetzreden, Verhöhnungen und Schädigungen Eurer Nebenmenschen irgendwelcher Aufbau sich ergeben; denn jede Art und Weise kann ja Gleiches nur gebären, kann auch nur Gleichart anziehen! Dieses Gesetz der Schöpfung dürft Ihr nie vergessen! Es wirkt sich selbsttätig aus, und alles Menschenwollen kann niemals etwas dagegen tun!“


Letzteren Absatz fühlte ich mich verpflichtet einzubringen, weil Eva Herman inzwischen zunehmend zu solcher Häme zu neigen scheint, und von den auf ihrer Website verlinkten Nachrichtenseiten will ich lieber schweigen. Irgendwie wurde aus der Kerner-Show und ihrem Vorlauf nichts gelernt. Hetze gegen die Hetzenden macht nicht gut. Minus plus minus bleibt nun mal minus. Ich weiß nicht, ob sich Herman dessen überhaupt bewußt ist. Wie Abd-ru-shin ja schon schreibt, mit der Verengung unseres geistigen Fassungsvermögens geht automatisch eine Verengung der Fähigkeit mit sich, diese Verengung überhaupt zu bemerken.

Die Menschen, die über ihre Nebenmenschen Übles reden und verbreiten, müssen in sich selbst vom Übel sein, sonst würden sie derartiges nicht tun!

(Abd-ru-shin: Ermahnungen)

Aber wie gesagt, das sind so viele Themen, über die man tagelang diskutieren könnte.


*Hermans Quelle in diesem wie auch in vielen anderen Fällen ist die Urfassung des später „geschnittenen“ Verwehte Zeit erwacht III (1935). Zu Recht geschnitten, wie ich anmerken möchte. Die Wegbereiter haben grundsätzlich ein Problem mit Kitsch, und sie sind spürbar eingefärbt von den Anschauungen der Niederschreibenden. (Ich verweise auf Frau Gecks und natürlich „Der Irrtum des Hellsehens“ aus der Botschaft; man kann es übrigens auch daran erkennen, daß sich die gleichen Situationen in verschiedenen Niederschriften widersprechen.) Diese war nun eine stramme Deutsche, und so mußte ihr Jesuskind selbstverständlich blondgelockt und blauäugig sein und so gar „keine jüdische Nase“ haben. Hilfe. Der geschnittene Teil über die Sachsen nun stammt ja gar nicht mal von ihr, sondern ist die Nacherzählung einer angeblichen Schauung eines anderen, über deren Wahrheitsgehalt ich nicht urteilen kann. Doch wenn alles so ins Irdische gezogen wird, wie es in diesen Kapiteln geschieht, hege ich meine Zweifel. Ja, natürlich schrieb Abd-ru-shin, daß die alten Völker ihre „Götter“ teilweise sehen konnten. Das bedeutet nicht, daß sie auf Erden direkt unter ihnen weilten oder mal eben auf einen Plausch vorbeikamen! (Ich habe Donar einmal gesehen, aber deshalb stand er trotzdem nicht in meiner Ferienwohnung.) Alle deutschen/germanischen Helden sind wieder mal blond/rotblond, gutaussehend, aufrecht etc. pp., während die fiesen auswärtigen Feinde allesamt häßlich und feige sind und keinerlei guten Wesenszug an sich haben. Seufz. Als unser schöner, großer, rotblonder Barbarossa mit seiner zarten, anschmiegsamen, blonden Frau auftauchte, dachte ich nur: „Hallo, Jolanthe.“ Man sollte auch hier immer wieder prüfen und abwägen.

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Bei der Sichtung, was seinen Weg zu Momox finden soll und was nicht, wieder zur Hand genommen: Behind the Lawrence Legend und The Boy in the Mask. Ich kann mich von beiden Büchern nicht trennen. Sie beschreiben, jedes auf seine Art, die Freuden des Recherchierens so perfekt. Die Personen, denen man begegnet. Die toten Enden. Die ungeahnten Schatzfunde. Und auch lange, frustrierende Fleißarbeit. (Gestern zum Beispiel fast den gesamten Tag damit verbracht, digitalisierte Zeitungen auf Meldungen hin durchzusehen. Einzige vorhandene Suchfunktion: Die eigenen Augen.) Sie fassen das zusammen, was das ganze ausmacht, und sie sind eine Liebeserklärung, die jeder, der ähnliches unternommen hat, sofort versteht. Bei mir kamen so viele Erinnerungen wieder hoch! Das Endprodukt, eine Biographie, ist ja nur die Hälfte der Geschichte. Ich habe während der Marta-Recherche oft gewitzelt, ich müßte ein Making of schreiben. Und immer war da das schwer in Worte zu fassende Gefühl, Fäden aus anderen Leben aufzunehmen und weiterzuführen, neu zu verknüpfen. Was Marta und Trude und all die anderen wohl dazu gesagt hätten, daß ihre Freunde und Verwandten und deren Nachfahren plötzlich aktiviert und miteinander verbunden würden?

Dabei kurioser Fund diese Woche: Dagobert von Mikusch schrieb an einen Bekannten in der Steiermark, ehemals Oberleutnant, also mit größter Wahrscheinlichkeit einer seiner Kriegskameraden. Geboren, aufgewachsen und zum Zeitpunkt des Ersten Weltkrieges wohnhaft war dieser Oberleutnant in St. Ingbert. Bergmann von Beruf, wie nicht überrascht. Ich mußte blinzeln und etwas schief lächeln. St. Ingbert, die alte Heimat meiner Kleehaas-Seite (einige entfernte Verwandte leben noch dort), bevor die Altvorderen weiterzogen in den Ruhrpott und im Falle meines Großvaters dann von dort nach Norddeutschland.

An all die Personen, denen ich im Laufe meiner Recherchen begegnen durfte, also an dieser Stelle noch einmal: Es war eine Freude und eine Ehre, Sie/euch kennenlernen zu dürfen. Mir wurden Inkunabel-Sammlungen und Berliner Zimmer gezeigt, kofferweise Material überlassen, ich wurde zum Essen eingeladen, und wir haben gemeinsam an Lösungen und Zusammenhängen gekniffelt. Man hat mir Brote geschmiert und mich zum Bahnhof und/oder Hotel gefahren. Kontakte wurden vermittelt und Verwandtschaften neu entdeckt. Ich erhielt Einblicke hinter vermeintlich heile Fassaden und in vergessene Stadtviertelgeschichten. Häuser mit Vergangenheit wurden aufgesucht, Archivare haben sich für meine Suche begeistern lassen, und ohne diverse unbürokratische Verwaltungsangestellte wäre ich nie ans Ziel gekommen. Ganz, ganz herzlichen Dank an alle!

Ich liebe Recherche.

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Es gibt Punkte in der Recherche, an denen man nicht weiterkommt, weil die wesentlichen Kontakte fehlen und sich nicht herstellen lassen. So geschehen bei meinen Bemühungen um die beiden Einheiten, die 1945 Berlin-Tempelhof einnahmen. In russischen Militärforen, wo ja nun mal die Experten sitzen, wurde ich entweder ignoriert (Frau! Deutsche! Und spricht kein fließendes Russisch!) oder bei der Registrierung gar nicht erst akzeptiert. Über Kontakte, die vielleicht Kontakte hätten, klappte auch nichts. Da soll man nun was machen.

Gleiche Geschichte bei der eigentlich sehr interessanten Recherche nach einem Brief T. E. Lawrences „an einen deutschen Offizier“. Die wenigen, extrem vagen Anhaltspunkte, die mir dazu vorliegen, scheinen mir (muß nicht stimmen, daher ja Recherche) auf Dagobert von Mikusch-Buchberg hinzudeuten, den deutschen Übersetzer von Seven Pillars und der Kurzfassung Revolt in the Desert. Es gibt ein wenig, aber nicht wirklich viel Literatur über Herrn Mikusch. Und was ich bei der 8. Gardearmee noch irgendwo verstehe (wenn auch albern finde), leuchtet mir in diesem Fall nicht ein. Wir sprechen hier von T. E. Lawrence, über den jedes Jahr mindestens ein neues Buch erscheint. Und über einen Einheimischen, dessen Familie jetzt nicht wirklich schwer zu ergoogeln ist. Aber keiner rührt sich. Weder Lawrences „offizieller Biograph“ läßt sich herab, mal zu antworten, noch Mikuschs Angehörige. (Eine davon war gerade erst in den Nachrichten, zu meinem Amüsement.) Und auch bei der Recherche über Reinhard Hüber, der den Brief als erster zitierte, reagiert fast niemand. (Ausnahme Sven Olaf Berggötz – meinen herzlichsten Dank!) Was soll man da machen?

Vielleicht bin ich verwöhnt. Bei der Marta-Recherche wurde ich so offen und selbstverständlich aufgenommen, daß es mich oft verblüffte. Daß man nicht als Grundhaltung mißtrauisch beäugt und aller möglichen Dinge verdächtigt oder aber geringschätzt wurde, empfand ich so wohltuend in unserer heutigen Zeit, und es gab mir Hoffnung. Auch bei Jolanthe Marès stieß ich nie auf Argwohn oder Zurückhaltung. Wundervoll. Aber möglicherweise war das doch die Ausnahme, und nun begegne ich der Norm.

Nachtrag 23.12.18

Michael Yardley zitiert in Backing into the Limelight Stanley Weintraubs Private Shaw and Public Shaw nach „Erik Lonroth“ (nehmen wir Erik Lönnroth), daß ein Kurt von Ludecke (eher Kurt Lüdecke? Nicht alle Deutschen sind „von“s, you know) 1932 Lawrence kontaktierte – vielleicht also bezieht sich Lawrences Brief an das Air Ministry darauf? (Nur daß Lüdecke kein Offizier war.) Ich werde der Sache nachgehen.

Nachtrag 7.1.19

Zumindest habe ich nun an versteckter Stelle lesen können, daß Jeremy Wilson zwischenzeitlich verstorben ist. Das entschuldigt. Wäre nur hilfreich, solche wesentlichen Infos stünden auf seinen offiziellen Seiten…

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Wundervoll zusammengefaßt. 🙂 Malcolm Brown im Nachwort zu Lawrence of Arabia – The Selected Letters. Ich muß irgendwann doch noch mal das Making of zu Martas und Jolanthes Biographien schreiben.

Partly you’re delighted at finding a new letter offering an unexpected aspect or a lively piece of description; partly you’re afraid that it might disturb the pattern of a section you had thought rounded and complete. In that case it’s like the arrival of an unexpected guest in the middle of a dinner party: you find yourself shuffling the chairs ad the table mats just when you thought you could bring in the coffee. And there’s that other constant snare threatening you: the reference you failed to identify, or identified wrongly, on which, inevitably, some reviewer or other will delightedly pounce. Pounce, and, all too often, denounce. ‘Mr. So-and-so’s unawareness of such-and-such leaves one in the gravest doubts as to the quality of his editorship overall.’ ‘Connoisseurs of the writings of X still await an interpreter with the necessary scholarship.’ You almost feel you’re reading one of you old school reports. ‘Requires more application.’ ‘Must do better next term.’
The trouble is you resent being found wanting but know your critic is probably right. Yet what you can’t say in reply is, ‘Look at the footnote on such-and-such a page. That reference took weeks to trace and needed the wit of Hercule Poirot, plus the help of half the brains in the Bodleian Library to find the answer. That note has added to the sum of human knowledge.’ There was such a footnote in my book, though I didn’t need all the Bodleian staff – just one, to whom I shall be ever grateful for finding the vital clue in an extremely obscure magazine of the early 1920s. The problem is that your readers can’t see the work behind those lines in minuscule print at the bottom of the page; they simply glance at them (or not, as the case may be) and move on. They expect the explanation to be there, and would be offended if it wasn’t.

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Demnächst startet im Autorenblog meine Artikelserie über Jolanthe Marès.

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