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Posts Tagged ‘Jessica Jones’

Supergirl Season 2 krankt ein bißchen an zu viel Beziehungsdrama, hat aber definitiv ihre Momente. Neues Chef-Ekel Snapper dürfte sicherlich der Knüller unter den neuen Charakteren sein, wobei auch die kleinen Alien-Rollen wie der ständig in Schwierigkeiten steckende Brian oder „Fish Head“ Kevin, Supergirls Entsprechung von Morn, sehr gefielen. Wie schon in Staffel 1 ist besonders die Metaebene schön, gerade die zahlreichen Anklänge an die jüdischen Wurzeln des dynamischen Erfinderduos Shuster und Siegel. Unschwer zu übersehen ist das aktuelle Zeitgeschehen: Die Verantwortung der Presse, wahrheitsgemäß, unparteiisch und doppelt überprüft zu berichten („The rules are there for a reason“, wie Snapper der bestürzten Kara erläutert), selbst wenn die Realität darin schon immer dem Ideal hinterherhinkte; Flüchtlingspolitik und Fremdenfurcht; und natürlich „Make Daxam great again“. Außerdem ist die Staffel eine Liebeserklärung an das geschriebene Wort, das in einer Folge die Lösung des Problems birgt, und daß man aus Büchern mehr lernen kann als von YouTube… nun ja!
Nett auch, Kevin Sorbo wiederzusehen, der sonst sein Dasein auf PureFlix fristet. Und nachdem vermutlich während Staffel 1 so viel gemeckert wurde, daß Superman nie auftritt (wobei ich den running gag schon sehr lustig fand), startet Staffel 2 gleich mit einer Doppelfolge Doppelpower aus dem Hause El und endet auch damit. (Yess – Frauenpower! Supergirl gewinnt den Zweikampf der Giganten.)

Während es für eine, sagen wir mal, Frauenserie zwar irgendwie paßt, kann ich mir die Anmerkung nicht verkneifen, daß Hollywood wie immer den sicheren Weg in Sachen Sexualität geht. Ich meine, hey, wir haben homosexuelle Charaktere, wie fortschrittlich von uns! Aber blickt man zurück auf Homosexualität in Serien, finde ich in erster Linie die lesbische Variante. Buffy hatte sie. Jessica Jones hatte sie. Supergirl hat sie. Liste beliebig verlängerbar. An die schwule Variante wagen sich die wenigsten heran – Game of Thrones, okay, aber das ist sicherlich nicht, was ich unter gut funktionierender homosexueller Beziehung zwischen Helden der Handlung verstehen würde. Outlander zähle ich gar nicht erst mit, denn Jack Randall ist erstens bisexuell und zweitens ein Sadist, und ich wette, daß wir von John Grey, meinem schwulen Helden ersten Ranges, und seinen Beziehungen nicht viel mitbekommen, es sei denn, er erhielte seine eigene Serie. Male/male ist immer noch ein schwieriges Thema, während female/female als sicher und harmlos durchgeht. Von einer Gleichberechtigung sind wir hier auf so vielen Ebenen weit entfernt.

Absolut nicht sicher und harmlos ist dagegen RuPaul’s Drag Race, eine Serie, die ich wie so vieles durch Caitlín R. Kiernan entdeckte. Reality TV nach altbekanntem Muster (ich frage mich wirklich, warum jeder meint, daß das Standardregelbuch die einzig gültige Autorität ist), aber mit Drag Queens. Großartig. Wäre noch besser, wäre sie nicht so abgekartet. Aber das ist ein Problem des Genres.

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Nachdem ich von Wonder Woman so, nun ja, super-enttäuscht worden war, gab mir die erste Staffel von Supergirl den Glauben an weibliche Superhelden zurück. Obwohl längst nicht so finster und „noir“ wie Jessica Jones, teilt Supergirl die guten Qualitäten dieser Serie, namentlich eben, daß sie den Frauen ihrer Handlung eine Stimme verleiht, sie Frauen sein läßt.
Entsprechend werden Sexismus und Feminismus von verschiedenen Perspektiven betrachtet (es ist großartig, die beiden „Schulen“ des Feminismus‘ wiederzufinden), während die zahlreichen starken Frauen auf beiden Seiten der Gut-Böse-Skala zeigen, was Stärke ist – nämlich nicht nur, den Bösewicht/die Bösewichtin der Woche oder wahlweise die Heldin in den Hintern zu treten. Obwohl auch das in spektakulärer Weise geschieht.
Und das Tollste? Supergirl darf Strumpfhosen tragen statt halbnackt herumfliegen zu müssen! Eine kleine, aber feine Absage dem Sexismus. (Man denke an Jodi Picoults Überlegungen zu Wonder Womans Kostüm.)

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Natürlich ist Blade Runner 2049 schwer zu toppen, aber enttäuscht war ich von Wonder Woman. Der Film will zu vieles sein, als daß er am Ende irgendetwas ist. Ein zusammengestückeltes Sammelsurium von Ideen, die keinerlei Zusammenhang besitzen und nie wirklich ausgespielt werden können. Das Setting im Ersten Weltkrieg ist zumindest mal was anderes und hätte Potential gehabt, wäre es nicht so billig schwarz-weiß gezeichnet worden. Was ist die Aussage hier? Alle Menschen tragen ihren Teil zum Bösen bei. Ausgezeichnet, ebenfalls Potential, aber warum wird das nicht gezeigt? Heldengruppe, schön. Nur daß ihre Bedeutung und Funktion schlichtweg nicht vorhanden ist. Ganz zu schweigen von dem übelsten aller üblen Klischees: Wir haben eine weibliche Heldin, also muß sie sich verlieben! Plumper Pubertärhumor fehlt ebenfalls nicht.
Ich zog Vergleiche mit Jessica Jones und trauerte ganz einfach vor mich hin. Ich dachte an War Horse und Joyeux Noel und trauerte.

Zum Glück gibt’s dann wenigstens Actionszenen, die eine Augenweide sind. Auch die auf Fresken getrimmte Hintergrundgeschichte gehört zu den visuellen Highlights.

Ich würde ja denken, daß eine Superheldin ganz gut dafür geschaffen wäre, sich in der modernen Zeit mit Fragen weiblicher Unterdrückung zu befassen. Aber das ist natürlich ein heißes Eisen, also weicht man doch lieber auf die sichere Vergangenheit aus. Und, um mit Ellen Moody zu sprechen, es geht hier ja nicht um Frauen, sondern um ein von Männern gemachtes Frauenbild. Wie gesagt: Jessica Jones konnte das besser. Ich lese lieber noch mal Jodi Picoults Wonder Woman-Comic. Sie hatte einige ganz gute Gedanken dazu.

Hoffen wir, daß die gute Diana in Justice League eine fairere Behandlung erfährt.

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Nicht geliehen, sondern meine:

A Life in Dirty Movies. Eine Dokumentation über Joe Sarno, der in den 60ern und teilweise 70ern als Softporn-Filmemacher berühmt wurde. In einer Ära, in der Pornos als solche noch nicht existierten, drehte Sarno Sexfilme, in denen wenig explizit gezeigt, aber dem Zuschauer vorgegaukelt wurde, er würde alles sehen. Sarnos Filme besaßen einen überraschend künstlerischen Look, Handlung und Dialoge(!), sie konzentrierten sich auf weibliche Sexualität (insbesondere den psychologischen Teil derselben), und sie waren auch sonst, wie einer der Kommentatoren erläutert, eigentlich das komplette Gegenteil dessen, was man heute von Pornos erwartet – namentlich dadurch, daß in ihnen Sex immer irgendwie mit Schuld assoziiert wird. Darf ich „Antiklimax“ sagen? Sarnos Ära endete mit dem Aufkommen von Hardcore-Filmen, einem Stil, mit dem Sarno nichts anfangen konnte.
Die Doku folgt Sarno und seiner Frau bei ihrem letzten geplanten Projekt. Sehr schräg, sehr seltsam, aber unterhaltsam!

Jessica Jones, Staffel 1. Hochgelobt von der Kritik, und zu Recht. JJ ist eine Frauenserie im besten Sinne, nicht nur mit einer weiblichen Superheldin, sondern mit einer starken Riege von Frauengestalten. Jessica Jones schafft genau das, woran True Detective wie erwähnt scheitert, nämlich Frauen glaubhaft darzustellen, mit Stärken und Schwächen, als Opfer und Täter und alles dazwischen. Es überrascht nicht, daß die Serie eine Frau am Steuer hat! In einer Umkehrung quasi aller Superheldenproduktionen und Krimiserien stellen Frauen die Überzahl der Charaktere, die Männer dürfen diesmal als unterstützende (und hindernde) Kräfte auftreten. Und in logischer Folge ist Superschurke Kilgrave die Horrorvorstellung eines Gegenspielers aus weiblicher Sicht. Hier geht es nicht um Weltherrschaft, Waffen oder coole Kostüme. Das sind männliche Dinge. Nein, Kilgrave ist eine archetypische Manifestation jahrtausendealter weiblicher Alptraumszenarios, und das macht ihn als Figur so glaubhaft. Er ist Stalker und Vergewaltiger, er beraubt Frauen ihres freien Willens und versucht sie nach seinen Vorstellungen zu formen, und, was ich für eine ungemein gelungene, weil realistische Darstellung halte, er versteht dabei die Vorwürfe seiner Opfer nicht, weil er sich keiner Schuld bewußt ist. Kilgrave ist einer der extrem wenigen Gegenspieler, ob Superschurke oder Normalo, die in meinen Augen überzeugen – weil er real ist. Ich frage mich, ob männliche Zuschauer das so nachvollziehen können.
David Tennant liefert hier natürlich eine andere Vorstellung als in Doctor Who, ein bißchen einseitiger, weniger sprühend, aber erheblich gruseliger. Was mich allerdings permanent irritierte, war dank Fünftagebart seine Ähnlichkeit zu Bruce Marchianos Jesus aus der Encounter-Film- und nun auch Fernsehserie!

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Carrie-Anne Moss hat mit Anwältin Hogarth endlich wieder eine richtig gute Rolle ergattert, was mich freut.
Auffällig neben der hohen Anzahl von leading ladies ist außerdem die hohe Anzahl schwarzer Charaktere. Quotenschwarze? I don’t think so.
Für die Fans gibt auch eine Menge Anspielungen auf das Marvel-Universum, bei denen ich leider zu 99% passen mußte.

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