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Posts Tagged ‘Gralsbewegung’

Im Zuge meiner Begeisterung für das Gartengrab in Jerusalem kaufte ich mir The Weekend that Changed the World von Peter Walker, der versucht, für das Gartengrab als authentische Stelle der biblischen Ereignisse zu argumentieren oder es doch zumindest als legitime Alternative zur Grabeskirche zu etablieren. Das als solches ist völlig in Ordnung. Daß er als Christ für die körperliche Auferstehung Jesu argumentiert, ebenso. Leider jedoch läßt seine Logik bei letzterem arg zu wünschen übrig. Ich schätze gute Argumentation sehr. Ich muß einer Argumentation nicht zustimmen, aber wenn sie Hand und Fuß hat, weiß ich sie zu schätzen. Peter Walkers hingegen läßt sich im besten Falle als bemüht bezeichnen.

Nun muß ich in dem Zusammenhang leider auf ein Thema zurückkommen, das ich schon anderswo aufgegriffen hatte. Und das ist etwas, das ich immer wieder beobachte, eben auch auf der Israel-Reise im Zusammensein mit meinen christlichen Mitreisenden. Ich ging mein Leben lang davon aus, daß Christen (wie alle sogenannten Gläubigen) eine spirituelle Basis ihres Glaubens besitzen, soll heißen, ihr Glaube basiert im Spirituellen und wird auf das „materielle“ Leben übertragen oder in diesem umgesetzt. Ich meine, was sonst ist Glauben denn als das Glauben an höhere Dinge als nur das Irdische?
Es war ein mittelschwerer Schock und – man verzeihe mir das Wortspiel – wirklicher Unglauben, mit dem ich nach und nach erfuhr, daß dem nicht so ist. Es begann mit einer langjährigen Freundin, einer Katholikin, die keinerlei wirkliches Konzept von der Seele hatte. Also etwas, von dem ich angenommen hatte, daß das eines der wesentlichen Punkte im Glauben sei. Ernsthaft, die Leute „glauben“ an Himmel und Hölle, sie „glauben“, daß sie nach ihrem Tod von Jesus willkommen geheißen werden, aber sie betrachten die Seele als etwas Externes? Etwas, das, wie meine Freundin bei unserer Diskussion über Reinkarnation sagte, an Fremde weitergegeben werden kann? „Wie, und dann läuft jemand anderes mit meiner Seele herum?“ – „Ähm, nein? Du läufst dann mit einem anderen Körper herum.“ Wie, bitteschön, stellen sie sich denn dann ihr Weiterleben nach dem Tode vor? Was soll da weiterleben?

Nun ging ich davon aus (entweder bin ich gnadenlos naiv oder wohlwollend), daß das ein Einzelfall sei. Meine Freundin habe sich eben noch nie Gedanken darüber gemacht. Aber je mehr ich spezifisch vom Christentum oder, besser gesagt, von praktizierenden Christen erfuhr, desto erschütterter wurde ich. Und ich möchte hier wahrhaftig nicht arrogant rüberkommen, ebensowenig wie ich verallgemeinern möchte – ich weiß, daß es immer Härtefälle in jeder Gruppierung gibt. Es existieren ja beispielsweise auch Kreuzträger, bei denen ich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte. Dennoch ist meine Beobachtung praktizierender Christen bisher sehr ernüchternd. Allein was ich regelmäßig an Verstößen gegen das zweite Gebot, das eigentlich sehr einfach einzuhalten ist und eines der wichtigsten Gebote für jeden Gottgläubigen sein sollte, höre, ist furchtbar. „Ihr nennt euch Christen?“ denke ich jedesmal. Es geht aber tiefer. Mein Eindruck der meisten (durchaus nicht aller) Gläubigen, und das beschränkt sich nicht nur spezifisch auf Christen, ist, daß ihr sogenannter Glaube eine rein irdische Angelegenheit ist. Das Irdische ist ihr Maßstab, sie lesen ihre heiligen Schriften in rein irdischer Auslegung, ihr Gottesbild ist das eines irdischen Gottes, eines Übermenschen oder Supermans oder, wie es in einer Doku über C. S. Lewis so zutreffend hieß, eines kosmischen Zauberers. Er hat Superkräfte, aber ansonsten ist er durchaus ein Mensch, der irgendwo in einem himmlischen Schloß sitzt. Diese Menschen machen sich ihren Gott so klein, so niedrig, und sie kriechen selbst nur am Boden herum.

Peter Walkers Argumentation für die körperliche Auferstehung Jesu ist wieder mal ein sprechendes Beispiel dafür. Ganz zu schweigen davon, daß sie unlogisch ist. Schauen wir doch mal ein paar seiner Antworten auf Alternativtheorien an.

More often, however, the disciples are not charged with outright deceit. Their preaching of Jesus‘ Resurrection (while his body was really decaying in the grave) is given a more charitable explanation. It all depends on what you mean (so we are told) by this talk of „resurrection.“ Perhaps we have misunderstood them to be referring to a physical resurrection of Jesus‘ body, when in fact they were never claiming any such thing!
What they were really trying to say was that Jesus‘ mission went on unhindered even though he was dead. His spirit lived on, and somehow through that spirit those who followed Jesus gained a sense that he was alive. […] If there were some resurrection appearances of Jesus, they were either a form of hallucination, or perhaps something of a mystical nature beyond comprehension, but either way Jesus‘ body was still in the grave.

Ich kenne diese spezielle Interpretation nicht, will sie Walker aber gern abnehmen. Und ich stimme mit seiner Gegenargumentation in Sachen Halluzinationen durchaus überein. Ohne jetzt auf das Thema „Haben die Jünger den Leichnam anderswohin gebracht?“ einzugehen, das den Rahmen sprengen würde, übersieht Walker jedoch das naheliegende Thema „Seele“ – womit wir wieder bei der guten R. wären! Was steht nach dem Tode auf? Meine Israel-Mitreisende Frau M., Ex-Pfarrerin, könnte sich sicher für den symbolischen Gehalt des obigen Argumentes begeistern; das war immer ihr Steckenpferd. Aber wer sagt, daß es nur Variante A (körperliche Auferstehung) oder B (symbolischer Gehalt – „Er wird in unserem Gedächtnis weiterleben“ und all das) gibt? Was steht nach dem Tode auf? Gehört Peter Walker auch zu den Christen, die nur das Materielle für wahr halten? Es klingt definitiv so.

In this connection it is sometimes argued that St Paul appears not to make much of the „empty tomb“ in 1 Corinthians 15 (his famous chapter on the Resurrection). Perhaps Paul would have been shocked to learn of these stories about mysterious disappearances in Jerusalem! Perhaps Paul provides us with evidence that the first Christians were quite content to accept that Jesus‘ body was still in the tomb. If so, then what Paul was talking about was again just a spiritual resurrection both for Jesus and for believers – hence his use of the term „spiritual body“ (v. 44). If this were true, needless to say, this would be enormously important. It would confirm that the claims for a physical Resurrection were a later development – out of keeping with the claims and beliefs of the first apostles.
Yet a close reading of this chapter reveals that Paul’s whole argument depends for its validity on Jesus‘ being raised from the tomb in a manner which includes his physical body: „If Christ has not been raised,“ he argues, „then your faith is futile!“ (v. 17). Paul’s conviction „that Jesus was buried, that he was raised on the third day“ (v. 4) implicitly presumes that the place of burial was thereafter physically empty. Given Paul’s background in Pharisaism (for Pharisees „resurrection“ necessarily involved the physical body), it is clear that Paul is not talking about a vague, unprovable piece of wishful thinking – that somehow after his death Jesus experienced an invisible spiritual resurrection. […]
So there is no way, I suggest, that the disciples could have honestly believed in the Resurrection while also accepting that Jesus‘ body was in the tomb. To hold these two beliefs simultaneously would be nonsense.

Nun ja, da muß ich herzlich widersprechen. Was ist daran Unsinn? Der Körper liegt tot im Grab, die Seele lebt – durchaus ein christliches Konzept, oder irre ich mich da? Und was hat das mit „wishful thinking“ zu tun? Oder mit „invisible“? Das Geistige ist zwar oftmals für irdische Augen unsichtbar, aber eben nicht immer. Und wie kommt es, daß sich Walker über diese Theorie lustig macht, während er doch sicherlich bei lieben Verstorbenen keine Seele hat austreten sehen und trotzdem glaubt, daß sie in den Himmel aufgefahren ist? Dieses zweierlei Maß ist ein wenig bestürzend.
Auch der gute Paulus ist natürlich ein Thema für sich. Ich möchte nur in Kürze darauf hinweisen, daß er a) Jesus niemals gekannt hat und weder bei Kreuzigung noch Auferstehung dabei war, sondern erst wesentlich später überhaupt zu den Jüngern stieß und b) mehr war als sein pharisäischer Hintergrund.

Andere Theorie:

Yet, even if by some remarkable oversight, Jesus was not in fact fully dead when he was laid in the tomb, is it all conceivable that he could have recovered from his ordeal sufficiently to set himself free from the grave clothes wrapped around him? And then to remove the rolling stone from the front of the tomb – an almost impossible feat even if one were in full health? Lying on a cold slab in April with numerous untended wounds is an unlikely precursor to such a recovery.

Seufz. Und das sind die Leute, die im gleichen Atemzug von den Wundertaten Jesu sprechen, von den Heilungen und Totenerweckungen beispielsweise, oder die annehmen, daß er auf Wunsch hin den Tempel abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen könne oder Steine in Brot verwandeln oder…

They fail to see how yet another failed messiah (as Jesus would have been if he had not been raised from death) would have been of any use to anyone.

Nutzen? Ich traue den Jüngern ehrlich gesagt mehr Integrität zu als irdisches Nutzdenken. Mehr Glauben und vor allem mehr Liebe zu Jesus. Das sind alles so mühsam konstruierte Argumente für die fleischliche Auferstehung, daß der ganze Versuch armselig wirkt. Ganz zu schweigen von dem Bild, das hier vom Christentum gezeichnet wird.

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Und die Stunde der Erfüllung kam. Alle sammelten sich in einer schönen, runden Halle, die ihnen zu gemeinsamer Andacht von Markus, dem Römer, überlassen worden war. Hell waren die Platten des Bodens, hell und licht die Wände. Die Frauen hatten viele Blumen und Blüten in hohen Tongefäßen an den Nischen der Halle aufgestellt.
Nach oben wölbte sich diese zu einer kleinen Kuppel, die von einem flachen Dachgarten umgeben war. Das Haus lag in einem von hohen Mauern umfriedeten Garten. Es war völlig unbenützt und fast unbekannt.
Stille war ringsum, daß man die Blüten von den Ästen fallen hörte. Kein Lüftchen regte sich. Mittagsruhe lag über den Dächern des sonst so rastlosen Jerusalem.
Als sie alle versammelt waren und in weitem Kreise um die Jünger saßen, da kam ein brausender Ton vom Himmel. Wie ein mächtiger Sturmwind sauste er ums Haus. Die Lichter an den Wänden und die Blüten, die zum Schmuck des Raumes dienten, wehten unruhig hin und her.
Die Versammelten saßen in stummer Erwartung, in andächtiger Erhebung ihrer Geister, die alle den Herrn suchten und Gott anbeteten.
Strahlende Kraft umfing sie fühlbar. In Lichtkreisen, die sich erweiterten, je näher sie kamen, neigte sich die schimmernde Lichttaube der Nachschöpfung. Freudig öffneten die Jünger ihren Geist, und auf dem Wege der göttlichen Strahlenströme kam die Kraft des Heiligen Geistes über sie.
Golden flammend war der ganze Raum, in dessen höchstem Punkt der weiße Strahlenkreis leuchtete und in ihm der formgewordene Wille Gottes: die Heilige Taube.
Und Mutter Maria gedachte mit Dank des Tages, an dem ihr Jesus verkündet wurde. Sie empfand nun wieder die Kraft und Liebe Gottes wie zu jener Heiligen Stunde. Gleichzeitig erhob sich ein flammendes Leuchten über allen Häuptern, und die Menschen begannen, den Herrn zu loben, Ihm zu danken!
Das Licht Gottes war in sie gedrungen, hatte sie erleuchtet und gerufen. Sie waren nun bereit, der Welt das Wort ihres Gottes und Herrn zu künden.
Stille war wieder um das Haus und in der mächtigen Weite des Himmels. Das Brausen war verklungen. Die tief erschütterten, geistig so reich beschenkten Menschenkinder standen im Gebet vor ihrem Gott und Herrn.
Als sie die Tore öffneten, um heimzugehen, umstanden viele Fremde das Haus. In weitem Umkreise hatte man den brausenden Sturm vernommen und das blendende Licht vom Himmel strömen sehen.
Die Menschen verwunderten sich sehr, als sie die Jünger mit leuchtenden Augen, erfüllt von Kraft und der Gewalt des Wortes, reden und das Lob Jesu laut verkünden hörten.
Sie schüttelten die Köpfe und meinten:
„Sie sind des Weines voll.“
Da aber ergriff Petrus die Kraft der Liebe und Freude. Er kündete ihnen zum ersten Mal die Botschaft des Herrn und verhieß ihnen die Erleuchtung durch die Kraft des Heiligen Geistes in der Taufe. Und viele öffneten sich dem Worte und folgten den Jüngern.

(Verwehte Zeit erwacht I)

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Muttern wollte ihre Andachtskleidung erweitern und setzte mich auf „das Internet“ an. Ihre Vorstellung war Landhausmode, aber keine Dirndln („zu kitschig“). Ich solle ihr ein paar Anbieter heraussuchen. Im Laufe meiner Recherche begann ich sehr zu bedauern, nie das Schneidern gelernt zu haben, denn es klafft eine gewaltige Marktlücke in diesem Bereich – vielmehr, es ist keine Lücke, es ist ein schwarzes Loch.
Anbieter von Landhausmode interpretieren den Begriff inzwischen hauptsächlich als Trachten. Ein, zwei Kleider zwischendrin entsprechen den Ansprüchen für Andachtskleidung, aber das sind Glücksfunde. Eine Suche nach langen Kleidern führt zu Abendmode ohne Ärmel und mit weitem Ausschnitt. Ich dachte also um und erweiterte die Suche auf „christliche“ oder „züchtige“ Mode, im Glauben, daß es zumindest in der Richtung Anbieter gäbe.
Pustekuchen.
Diskussionen darüber, was Christinnen tragen sollen oder nicht – jede Menge. Anbieter für „christliche Mode“ oder „christliche Kleidung“ verkaufen Jesus-T-Shirts. Anbieter für andachtstaugliche lange Kleider? Nischt.
Eine Linksammlung konnte ich finden, auf der radikal anti-feministischen Seite eines Mannes, der den christlichen Suchtreffer eher dafür verwendet, das Christentum für seinen Mangel an Anti-Feminismus zu kritisieren. (Wer mal eine wirklich irre Lektüre sucht, ist dort gut beraten – ich mag insbesondere seine „Unfall-“ und „Gefallenenquote“. Mir war nicht bewußt, daß die eingeführt wurden.) Die Linksammlung ist definitiv interessant, wäre aber hilfreicher, wenn die Anbieter nicht fast ausschließlich in den USA säßen. Das dortige Christentum/Judentum bietet offensichtlich einen Markt. Allerdings sind die meisten Modelle trotzdem nicht andachtstauglich, weil zu luftig; ich vermute einen Zusammenhang mit der großen christlichen Gemeinschaft in den amerikanischen Südstaaten. Dann gibt es die wirklich schlichten Kleider, die wiederum zu un-feierlich sind, ganz zu schweigen von langweilig und unmodisch.
Ansonsten führt die Suche natürlich zu Anbietern islam-entsprechender Kleidung, was auch wieder nicht das richtige für Andachten ist.

Also: Wer sich berufen fühlt, hier Abhilfe zu schaffen – nur zu!

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Nachtrag als Vorwort:
Da auf diesen Eintrag doch recht oft zugegriffen wird, möchte ich auf seinen Verwandten im Autorenblog verweisen, mit dem ich eigentlich glücklicher bin. Ich hatte ihn kurze Zeit nach diesem geschrieben, nachdem ich über einige Punkte noch einmal nachgedacht hatte. Dennoch möchte ich diesen Eintrag als Zeugnis eines Ersteindruckes so stehen lassen.
Zwei Gedanken kamen mir kürzlich:
1. Der Gral – Ein Weg verkörpert in fast schon überzogener Form das Sich-geheimnisvoll-Geben, von dem ich im ersten Teil meiner Artikelserie „Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht“ schrieb, mit vielen schwammigen Hinweisen und wenig klaren Aussagen.
2. Obwohl der Film seinerzeit von vielen Kreuzträgern geschmäht wurde (und teilweise immer noch wird), ist er heute ein Zeitzeugnis erster Güte, jedenfalls für alle, die die Prä-Schisma-Zeit noch erlebt haben. Wer hätte das damals geahnt? Als solches verdient er inzwischen weite Verbreitung. Unberührt wird niemand davon bleiben.


In meiner Einleitung zu Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Die erlösende Macht der Liebe. Angel und Spike in „Buffy the Vampire Slayer“ erwähnte ich schon die Prä-Internet-Ära der Gralsbewegung. Einer der frühesten Versuche, mit anderen Medien außer Schriften zu experimentieren, stellte Der Gral – Ein Weg dar, ein BR-produzierter… ja, was eigentlich? Ein Film, der in keinerlei Kategorie fällt außer „experimentell“, würde ich sagen. Es ist kein Spielfilm und keine Dokumentation, keine Unterhaltungssendung und kein Unterweisungsvideo. Der Vorspann bezeichnet ihn als „Filmessay“. ARTE hätte so etwas im Programm. Bei den Kreuzträgern kam er damals, anno 1994, nicht gut an, gerade weil er keine „Werbung“ oder netter ausgedrückt Bekanntmachung der Botschaft darstellte (ich sage naja) und weil er generell unverständlich war.

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Das war, wie wir Altvorderen uns vielleicht noch schwach entsinnen, vor der Verbreitung von DVDs mit Kommentaren der Beteiligten. Stattdessen hatte ich das große Glück, daß während unseres Ostertreffens* auf dem Vomperberg auch eine der Produzentinnen, Marion Jerrendorf, vor Ort war. (Heute Marion Jacob, und damals – wer erinnert sich noch? – war’s Fräulein Jerrendorf, so wie ich immer Fräulein Schnabel war. Ich hatte nie etwas gegen die Anrede, zumal es half, nicht mit Muttern verwechselt zu werden.)

Frau Jerrendorf gab uns den Genuß einer Vorführung mit Live-Kommentar. Ausgesprochen interessant, und ich will nicht ausschließen, daß dieses Erlebnis zu meiner Faszination mit dem Filmemachen beigetragen hat. Wieder daheim, konnte ich das neuerworbene Wissen gleich an Muttern weitergeben und auch dort für den „Ach so!“-Moment sorgen.

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Danach ging der Film irgendwie unter. Über die Jahre versuchte ich dann und wann, ihn wieder ausfindig zu machen, aber – man höre und staune – im gesamten Internet gibt es keine Spur von ihm. IMDB hat ihn nicht verzeichnet, niemand schrieb darüber. Während meines letzten Suchanfalls machte ich endlich mal Nägel mit Köpfen: Ich wandte mich an den Mittschnittdienst des BR. Nannte Titel und sämtliche Infos, die mir dazu noch einfielen – hey, ich arbeite in einer Bibliothek. Man lernt in dem Job schnell, lieber zu viele als zu wenige Angaben zu haben, um etwas zu finden.

Es gab dann so ein bißchen den Antiklimax. Ich hatte Wartezeiten erwartet, ein „Haben Sie vielleicht noch mehr Informationen?“ oder „Können wir in unserer Datenbank nicht nachweisen.“ Stattdessen folgte ein schlichtes „Können Sie haben, wenn Sie den Betrag auf folgendes Konto überweisen.“ Jahre des Suchens und so. Es kann alles so einfach sein.

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Jetzt, im Nachhinein gesehen, macht vieles Sinn. Frau Jerrendorf wies damals darauf hin, daß der Film bewußt keinen Dialog, sondern nur einen Erzähler habe, damit er leichter in verschiedenen Ländern zu zeigen sei. Was sie nicht sagte und was mir seinerzeit nicht aufging, ist, daß er eine russisch-deutsche Koproduktion war. Das erklärt definitiv die Unverständlichkeit – nichts für ungut, aber die russische Seele bedeutet nun einmal häufig eine Bevorzugung des Blumigen, Märchenhaften, Poetischen auf Kosten des Verständnisses.

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Was ist nun die Handlung des Filmessays, so sie vorhanden ist? Nicht grundlos orientiert sie sich an Wolfram von Eschenbachs Parzival oder versucht sich zumindest eschenbachesk zu geben. Das Setting ist pseudo-mittelalterlich, der Held, der für den suchenden Menschen steht, wandert durch die Lande und begegnet Personen, die ihn durch die Geschichte ihrer Fehler und Schwächen, aber auch durch wegweisende Worte seinem Ziel näherbringen. Sie sind dabei gleichermaßen Figuren der Handlung wie auch Symbole oder Archetypen – ich mußte manchmal an Mysterienspiele oder das darauf beruhende Jedermann denken. Ungefähr in der Mitte des Films gerät unser Wanderer dann in die Neuzeit… oder tut so, denn die Tirol-Aufnahmen wurden sichtlich von der deutschen Hälfte des Teams gedreht.

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Für mich war es ein seltsames Erlebnis, diese Aufnahmen zu sehen. Aufgrund der verqueren Umstände war ich seit Ende der 90er Jahre nicht mehr auf dem Vomperberg. Ihn nun plötzlich im Film so festgehalten zu sehen, wie ich ihn damals kannte, war… merkwürdig. Und meine Güte, Benno Hoffmann und Herr Vollmann! Ich hatte völlig vergessen, daß sie dabei waren. (Ja, Schauspieler Benno Hoffmann war Kreuzträger und ist auf dem Vomperberg beerdigt.) Das ist eine Ära, die traurig endete und nicht wieder zurückgeholt werden kann – aber in den Filmaufnahmen lebendig ist und bleibt. Zeitmaschine.

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Der Gral – Ein Weg hat übrigens hochkarätige Beiträge, so z. B. Texte von Godehard Schramm (unverständlich – hust) und Musik von Arvo Pärt (unter anderem ein Stück, das ich in seinem Werkverzeichnis gar nicht finden kann, „In Croce“).


*Ein sogenanntes Arbeitstreffen für Mädchen in Mitt- bis Spätteenagerjahren, das jährlich während der Osterferien stattfand. Wir arbeiteten im Gastbetrieb auf dem Vomperberg mit (Hotelküche, Kinderbetreuung etc.), führten Diskussionen über altersrelevante Themen der Botschaft, unternahmen Ausflüge und hatten diverse andere Freizeitaktivitäten. Höre, daß heutzutage, wo der Arbeitsaspekt inklusive Start um 7 Uhr oder so fehlt, sich manche Teilnehmerin beschwert, die Unterkunft aufräumen und putzen zu müssen. Die Jugend von heute.


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