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Posts Tagged ‘Gralsbewegung’

Aus dem Autorenblog, paßt hier eindeutig besser.

Für den Menschen braucht es in der Schöpfung kein Mysterium zu geben, darf es nicht; denn Gott will, daß seine Gesetze, die in der Schöpfung wirken, dem Menschen gut bekannt sind, damit er sich darnach richten kann und durch sie leichter seinen Weltenlauf vollendet und erfüllt, ohne in Unwissenheit abzuirren.

Der ehemalige Herrenhäuser Pastor Jan Olaf Rüttgardt stellte am 23.1. im Kirchsaal der Herrenhäuser Kirche sein Buch Die Botschaft der Evangelisten vor. „Der Evangelisten“, wie er betonte, „nicht der Evangelien.“ Denn nach derzeitigem Stand der Forschung lassen sich die Berichte über Jesu Wirken erst auf Quellen aus zweiter bis dritter Hand zurückführen. Aufgrund der Kürze der Zeit konnte Herr Rüttgardt das spannende Thema seines Buches nur anreißen, ein Thema, das ihn spürbar fasziniert – ich mag es sehr, wenn ein Forscher vom Thema seiner Forschung begeistert ist und dies auch vermitteln kann! Gleichzeitig ist er bei aller Theologie, aller Wissenschaft also, ein gläubiger Mensch, und auch dies ist eine Mischung, die ich sehr wertschätze. Zurückdenkend an meine Israelreise beispielsweise konnte ich diese Mischung bei unserer mitreisenden Pastorin a.D. nicht feststellen; sie war Theologin allein mit Hirn, nicht mit Herz und sah alle Niederschriften als Symbol für etwas. Ich wartete nur darauf, daß sie eines Tages sagen würde, auch Gott sei nur ein Symbol. „Theologie zerstört jede Art von Glauben“, wie sie bekannte.

Das ist nun eine interessante Aussage. Herr Rüttgardt hätte sicherlich einiges darauf zu erwidern. Aber auch seine Sicht der Dinge ist aus dem Blickwinkel der Lehre der Gralsbotschaft befremdlich. Ja, die vier Evangelien widersprächen sich teilweise, erklärte er, und manches in ihnen stehe in direktem Widerspruch zu dem, was man heute als Christ erwarten würde. Vieles, so Rüttgardt, könne man aus heutiger Sicht, aus unserem kulturellen Umfeld heraus gar nicht verstehen. Denn man dürfe nicht vergessen, daß das Christentum in seinen Anfängen aus einer sehr fremden Kultur stamme. Und manches sei ganz einfach unverständlich. Das spiele aber gar nicht so eine wichtige Rolle, erläuterte er. Nicht für ihn und in seinen Augen auch nicht für das Christentum, für das Verständnis des Glaubens. Kurzgefaßt: Man muß nicht alles verstehen, um zu glauben.

Das sind nun zwei entgegengesetzte Standpunkte: Glauben, ohne sich von Widersprüchen, Unklarheiten oder auch wissenschaftlich belegten Fehlern in der Bibel beirren zu lassen versus dem Voranstellen wissenschaftlicher Erkenntnisse und dem damit verbundenen Verlust des – ich nenne es mal kindlichen – Glaubens. Ein dritter Standpunkt, auf den ich im Buch The Sisters of Sinai stieß: Echter Glaube überlebt wissenschaftliche Erkenntnisse. Nicht in dem Sinne, daß diese Erkenntnisse ausgeblendet werden, sondern daß der Glaube stark genug ist, Neuerungen zu überleben. Ich kann nicht sagen, welcher Standpunkt der wertvollere ist.

Die Gralsbotschaft ist sehr deutlich in dieser Hinsicht mit ihrer Warnung vor blindem Glauben. Und dennoch halte ich es für wichtig, sich auch als Kreuzträger Gedanken über diese Dinge zu machen. Im Vortrag „Im Lande der Dämmerung“ beispielsweise warnt Abd-ru-shin sehr deutlich auch die Kreuzträger. Es ist so bequem, diesen Vortrag nur auf das Christentum zu beziehen, weil dies das Beispiel ist, das aus der zur Zeit und im Umfeld des Herrn vorherrschenden Kultur heraus gewählt wurde. Vielleicht läßt man sich auch herab, andere Religionen, vielleicht noch den Spiritismus oder Okkultismus darin zu erkennen. Doch „… von dem ich heute nur einen ganz kleinen Teil erklärte“, warnt Abd-ru-shin im Abschluß des Vortrages. Von diesem An-Äußerlichkeiten-Festkrallen sehen wir unter den Kreuzträgern mehr als genug. Sei es das Schisma zwischen „Berg-Kreuzträgern“ und „Bewegungs-Kreuzträgern“ und allen den Splittergrüppchen, die nebenher existieren, sei es der Streit um die „richtige“ Ausgabe der Botschaft, sei es der Verjüngungs- und Modernisierungstick, der aktuell in der Bewegung grassiert (kein Feuerzeug verwenden beim Anzünden der Altarkerzen und die bizarre Begründung dafür – mir fehlen die Worte)… was ist das alles? Kein lebendiger Glaube, keine lebendige Überzeugung, so viel steht fest. Das ist Dogma. Das ist Sektierertum. Und das sind Äußerlichkeiten, über denen viele Kreuzträger vergessen, was wichtig ist.

Aber gehen wir noch weiter. Auch in der Botschaft finden wir Voraussagen, die sich sehr aktuell auf das Datum der Niederschrift bezogen lesen und bis heute nicht eingetroffen sind. Es gibt verschiedenste Reaktionen darauf, die alle dem Muster der drei oben genannten Standpunkte entsprechen. Die Wegbereiter sind unübersehbar persönlich eingefärbt und widersprechen sich in den gleichen Schilderungen, und dennoch gelten sie für die einen Kreuzträger als beinahe gleichbedeutend mit den Schriften Abd-ru-shins, während die anderen sie als Kitsch ablehnen. Die „Sekundärschriften“, Memoiren etc., widersprechen sich, je nach dem persönlichen Standpunkt des Erinnernden, und dennoch werden einzelne Aussagen von heutigen Kreuzträgern als Offenbarungen gehandhabt und andere abgelehnt. Muster unbekannt.

Wie gehen wir als Kreuzträger mit all dem um? Wie beziehen wir Widersprüche, Unklarheiten, Zweifel in unseren Glauben oder unsere Überzeugung mit ein? Sind wir, so beliebt es ist, sich als besser oder fortgeschrittener vorzustellen als beispielsweise die Christen, wirklich so anders?
Ich würde mir gern vorstellen, daß wir zumindest geistiger wären, nicht so ausschließlich dem Irdischen verhaftet, wie mir das Christentum in vielem zu sein scheint. Ob ich damit recht habe, wer weiß?

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Ob ich diesen Artikel veröffentlichen solle, habe ich lange debattiert. Ich finde schon Herrn Roses Seite sehr abschreckend für alle Nichtkreuzträger, die nach der Gralsbewegung googeln – ich an ihrer Stelle würde schnell das Weite suchen. Andererseits wäre es für Kreuzträger natürlich schön, eine Plattform zum Austausch zu haben, denn mit der internen Kommunikation und, wenn man’s so nennen darf, Stärkung der Gemeinschaft ist es ja leider nicht weit her.

Vor längerer Zeit begann ich, zeitgenössische Zeitungsartikel über Abd-ru-shin zu suchen. Glücklicherweise gibt die fortschreitende Digitalisierung ja inzwischen einfache Möglichkeiten dazu. Eine große Hilfe war und ist die Datenbank ANNO der Österreichischen Nationalbibliothek. Leider sind sie noch nicht bei den Innsbrucker/Schwazer Zeitungen angekommen, die sicher mehr und interessante Artikel aus Lokalsicht zu bieten haben.
Die großen Zeitungen in Wien konzentrieren sich aus der Natur der Sache heraus auf große Meldungen, und das sind leider ausschließlich die negativen.

Ohne etwas beizufügen, geht es selten nur aus einer Menschenhand oder aus einem Menschenmund, sogar aus Menschenhirn. Aufzeichnungen aus zweiter Hand sind nie Beweis, auf den sich eine Nachwelt stützen sollte. Der Mensch braucht doch nur in der Gegenwart gut zu beobachten. Nehmen wir nur ein Beispiel an, das ja in aller Welt bekannt wurde.
Die Zeitungen sämtlicher Staaten berichteten von dem geheimnisvollen „Schloß“ auf Vomperberg, dessen Besitzer ich sein sollte! „Der Messias von Tirol“ nannte man mich oder auch „der Prophet auf Vomperberg“! Mit großen, führenden Überschriften, selbst in den größten Zeitungen, die ernst genommen werden wollen. Es gab Berichte von so schauerlich-geheimnisvoller Art über zahlreiche unterirdische Verbindungsgänge, Tempel, Ritter in schwarzen Harnischen sowie in Silber, einen unerhörten Kult, auch große Parkanlagen, Autos, Marstall, und was alles so zu einem kranken Hirn gehört, das solches zu berichten fähig ist. Und Einzelheiten wurden angeführt, die manchmal phantasievoll schön, manchmal aber auch von so unerhörtem Schmutze starrend waren, daß jeder etwas Überlegende sofort die Unwahrheit, das Bösgewollte darin sehen mußte.
Und es war an allen nicht ein wahres Wort!
Wenn aber in Jahrhunderten, noch leichter in Jahrtausenden ein Mensch so einen üblen Hetzartikel liest… wer wird es ihm verdenken, wenn er daran glauben will und sagt: „Hier steht es doch berichtet und gedruckt! Einheitlich fast in allen Zeitungen und Sprachen!“
(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Das verbogene Werkzeug“)

Wir werden gleich einige Beispiele dazu lesen. Das Stille-Post-Prinzip greift da mitunter; das „Schloß“ kam durch einen frühen Artikel ins Spiel, wie ich irgendwann entdeckte – man hielt Abd-ru-shin für den Eigentümer des Schlosses Sigmundslust oberhalb Vomps, eine Richtigstellung folgte. Aber dieser Irrtum sickerte wohl in spätere Artikel mit ein. Und die zunehmende Aufbauschung der Fotos ist auch leicht erklärt: Die Polizei Innsbruck sprach vermutlich nur von merkwürdigen Bildern (sicherlich die Herrschaften im Gewand), was die Presse sofort umdeutete.
Die Lokalblätter stehen wie gesagt leider nicht online zur Verfügung; es wäre interessant zu sehen, ob sie differenzierter schrieben als ihre Kollegen im fernen Wien. Weil die Artikel alle einen sehr ähnlichen bis identischen Wortlaut haben, nur eine kleine Auswahl. Heute gibt die dpa alle Meldungen vor, und auch heute betreiben Journalisten selten eigene Recherchen (wie am Beispiel der Frakturschrift gesehen), aber zumindest versuchen sie, eigene Formulierungen zu wählen.

Am einfachsten zu finden sind natürlich die Meldungen über die drei Verhaftungen, Dezember 1929, März 1936 und ab Juni 1938 über die Verhaftung und Beschlagnahme des Berges, die schon im März des Jahres stattfand. Es gibt aber auch einige Artikel, die ohne besonderen Anlaß geschrieben wurden. Leider ist mir noch nicht gelungen, einen längeren, positiven Bericht in den Münchener Neuesten Nachrichten zu finden, obwohl das genaue Datum bekannt ist – war er vielleicht in einer Beilage abgedruckt, die nicht mikroverfilmt wurde? Oder habe ich ihn schlichtweg übersehen? Außerdem liegt mir ein großer Bericht aus den 60er Jahren vor, den ich netterweise mit meinem Exemplar des schwer beschaffbaren Warum soviel Aufheben um die Gralsbotschaft Abd-ru-shins und um die Grals-Siedlung Vomperberg? von Daniel Swarovski erhielt.

Beginnen wir mit dem größten Pulk der Pressemeldungen anläßlich der Verhaftung am 16.12.1929. Sie wurde angestoßen durch, wie es in einem einzigen(!) Artikel heißt, eine anonyme Anzeige in München. Recherche betrieben haben die berichtenden Zeitungen allesamt nicht. Man erkennt es an den (teilweise im gleichen Artikel) wechselnden Bezeichnungen von Haus Gralshöhe als Schloß oder Gutshaus, ebenfalls wechselnden Darstellungen von buddelnden Polizisten oder schon vorhandenen unterirdischen Gängen, Schilderungen von Höhlen, bewachten Mauern etc. Wer den Vomperberg kennt, kann einfach nur lachen. Oder weinen, je nachdem.

Prager Tagblatt, 20.12.1929

Das „Mysterium“ von Vomperberg. S c h w a z (Tirol), 19. Dezember. Auf seinem Gute Vomperberg bei Schwaz wurde der Schriftsteller Oskar Ernst B e r n h a r d t verhaftet. Er war vor einem halben Jahr aus Deutschland nach Schwaz übergesiedelt und erwarb hier das Gut Vomperberg. Vor einigen Monaten kaufte er von der Stadtgemeinde Schwaz ein größeres Gelände und erlangte die Baubewilligung für ein P r i v a t h o t el, das z u r
U n t e r b r i n g u n g s e i n e r G ä s t e dienen sollte, da das Herrschaftshaus von Vomperberg sich bald als zu klein erwiesen hatte. Ueber das Gutshaus von Vomperberg waren in der Bevölkerung die sonderbarsten Gerüchte verbreitet. Allgemein wurde angenommen, daß sich dort eine Spielhölle befindet. Sowohl Bernhardt als auch seine Dienerschaft, die durchweg ortsfremd ist, zeigte sich sehr unzugänglich. Das Betreten des Gutshauses und des Parkes, der durch scharfe Hunde bewacht wurde, war untersagt. Der Grund der Verhaftung ist noch unbekannt. Die Verhaftung wurde von der Gendarmerie über Auftrag der Staatsanwaltschaft Innsbruck vorgenommen. Wie verlautet, sollen Bernhardt und seine Gäste in dem Gutshause e i n e m g e h e i m n i s v o l l e n
K u l t gehuldigt haben und es sollen dort O r g i e n und unsittliche Dinge vorgefallen sein. Im Interesse der Untersuchung verweigern die Behörden jede Auskunft.

Reichspost, Wien, 20.12.1929

Der „religiöse Kult“ des „Schriftstellers“. Wie die „Innsbrucker Nachrichten“ melden, ist Montag früh der seit geraumer Zeit am Vomperberg bei Schwaz ansässige „Schriftsteller“ B e r n h a r d samt seiner Gattin auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft München verhaftet und dem Gericht in Schwaz überstellt worden. Der Mann betrieb angeblich einen „religiösen Kult“ und bezeichnete sich als „Abgesandten des Messias“. Dem Ehepaar werden angeblich Betrügereien zur Last gelegt. In seiner Villa verkehrten, wie das Blatt weiter berichtet, zahlreiche auswärtige Gäste aus hohen Kreisen, die einen schöngeistigen Zirkel bildeten, der sich mit altindischer Moralphilosophie beschäftigt haben s o l l. Frau Bernhard habe sich Heilversuche durch Handauflegen und Gesundbeten honorieren lassen. Hinter verschiedenen Bauprojekten, die Bernhard plante, soll ein reichsdeutscher Humanitätsverein als Geldgeber stehen.

Vielsagenderweise ist es die Lokalpresse, die ausgewogener berichtet und sich mit merklichem Kopfschütteln über die Kollegen in der fernen Hauptstadt lustigmacht.

Tiroler Anzeiger, 20.12.1929

Verhaftung eines Ehepaares. In V o m p e r b e r g wurden am Montag über Veranlassung der Staatsanwaltschaft München der 46jährige Schriftsteller und Verleger Ernst Oskar B e r n h a r d t aus Sachsen und seine Frau Maria verhaftet. Sie werden beschuldigt, eine geheime Religionsgesellschaft gebildet zu haben; auch stehen sie unter Betrugsverdacht. Fest steht, daß Herr Bernhardt, der sich seit ungefähr zwei Jahren in Vomperberg aufhält und sich dort ein Landhaus gekauft hat, mit ungefähr 25 Anhängern, zu denen auch seine Familienmitglieder gehören, auf religionswissenschaftlicher und philosophischer Grundlage eine Religionsgemeinschaft gebildet hat. Sämtliche Mitglieder der Gemeinschaft sind Reichsdeutsche, ehemalige Offiziere, Kaufleute, Industrielle aus Süddeutschland und Sachsen, die sich ständig in Vomperberg niedergelassen haben, um in der nächsten Nähe Bernhardts zu sein. Die Bewohner der kleinen Berggemeinde sahen wohl die Bildung dieser reichsdeutschen Kolonie; daß diese jedoch regelmäßig Versammlungen abhalte und einen religiösen Kult pflege, scheinen die Bauern nicht gewußt zu haben. Sie zogen aus der Kolonie entsprechenden Nutzen und hatten sonst keine Ursache, sich über die Fremden aufzuhalten, die viel Geld im Orte ließen. Das Ehepaar befindet sich im Landesgericht Innsbruck in Untersuchungshaft. –
A n m e r k u n g d e r R e d a k t i o n: Die Wiener Zeitungen deuten den Fall als Sensation aus. Die Wiener Blätter schreiben geheimnisvoll, wie die Religionsgemeinschaft ausgehoben wurde: Als die Gendarmerie von Schwaz davon erfuhr, suchte sie an einer der Versammlungen teilzunehmen. Da aber der Zutritt nur mit
L o s u n g s w o r t gestattet war, mußte sich auf andere Weise sich Zutritt verschaffen. Es wurde unter der Baracke ein E r d g a n g
g e g r a b e n (!), in den sich zwei Gendarmen hineinzwängten. So nahmen sie unterirdisch an einer Versammlung teil, von der sie allerdings nicht viel verstanden. Man kam aber immerhin darauf, daß es sich um eine Religionsgemeinschaft handelt. (Eine Tatsache, die in Innsbruck und in Vomp schon seit länger als einem Jahre bekannt war.) Nach Mitteilung der Münchener Staatsanwaltschaft ist Bernhardt mehrmals vorbestraft. Im Kürschners Literatur-Lexikon wird Oskar Bernhardt als Schriftsteller geführt, der auch eine Reihe von Theaterstücken geschrieben hat, die folgende bezeichnende Titel führen: „Der indische Fahir“, „Die indische Vestalin“, „Der Stahl des Unsichtbaren“, „Die Bajadere“, „Der Heimatlose“, „Freiwild“, „Salonbriganten“, „Der Abenteurer“, „Verfehmt“, „Der Skorpion“, „Der flammende Stern“, „Dämon Fantasie“, das Lustspiel „Narrengold“ und das Filmschauspiel „Das Tal des Unsichtbaren“.

Prager Tagblatt, 21.12.29

Gralsritter Abdruschin. Innsbruck, 20. Dez. Die Untersuchung gegen den Vomperberger Gralsritter Abdruschin-Bernhardt ergab, daß der Verhaftete unter dem Namen E g o n v o n B ä r e n e c k Bühnen- und Romanschriftsteller war. Später schrieb er Filmsujets. Er soll über beste Beziehungen in Deutschland verfügen und in der beschlagnahmten Korrespondenz fand man Briefe hochstehender Persönlichkeiten. Seine Gattin, mit der er seit 16 Jahren verheiratet ist und drei Kinder hat, ist wegen ihrer heilmagnetischen Kurpfuschereien in Dresden seinerzeit zu drei Monaten Gefängnis bedingt verurteilt worden. Die Anhänger der Vomperberger Gralssekte stellten dem „Ritter Abdruschin“ Beträge zwischen 500 und 3000 Mark zur Verfügung. Die Untersuchung geht hauptsächlich dahin, festzustellen, ob der in Vomperberg betribene Gralskult wirklich ganz unschuldig war. Es wurde ein Photographiealbum beschlagnahmt, der die Angehörigen der Sekte in sonderbaren Stellungen zeigt. Der Verdacht wird laut, daß Ritter Abdruschin diese Stellungen zu Erpresserzwecken aufnahm. Im letzten Halbjahr schätzt man die Einkünfte des Ritters auf etwa eine halbe Million Mark. Der Ritter und seine Frau lebten in Luxus. Neben mehreren Reitpferden hielten sie sich zwei Autos. Das Losungswort, mit dem man zu den Versammlungen der Sekte Einlaß erhielt, hieß „Lohengrin“.

Arbeiter-Zeitung, Wien, 21.12.29

Die Gralsburg von Schwaz.

Im fernen Land,
Unnahbar euren Schritten,
Steht eine Burg,
Die Montsalwatsch genannt.

Die Gralsritter.

In einer schwarz behangenen Halle saßen die Gäste, wohl fünfundzwanzig an der Zahl, in dunklen Gewändern, jeder ein goldenes Kreuz an der Brust. Der Raum empfing sein Licht von einer Kristallschale, die auf einer Marmorsäule ruhte. Auf einer Estrade stand der Gastgeber in strahlender Rüstung und sprach in singendem Tonfall zu seinen Zuhörern, die in ernstem Schweigen lauschten…
Kein Romanzitat, sondern ein Gendarmeriebericht über die Erhebungen in Schloß V o m p e r b e r g. Wir haben schon mitgeteilt, daß der Gutsherr von Vomperberg bei Schwaz, der Schriftsteller Ernst Oskar B e r n h a r d t, verhaftet worden ist. Die Verhaftung geschah auf Ersuchen der Münchener Staatsanwaltschaft, die Bernhardt wegen B e t r u g e s verfolgt. Bevor sie die Gendarmen vornahmen, wollten sie sehen, was in dem geheimnisvollen Schloß, über das so vielerlei gemunkelt wird, eigentlich vorginge. Sie entdeckten im Park einen unterirdischen Gang, der zu einer Baracke führte. Der Gang mündete in eine Art Höhle, über der ein Altar stand. Vor dort aus beobachteten sie die oben beschriebene Szene.

Ritter Abdruschin.

Am nächsten Morgen erschienen die Gendarmen im Gutshaus Vomperberg, um Bernhardt und seine Frau, gegen die der Haftbefehl gleichfalls lautet, zu verhaften. Bernhardt fügte sich unter lebhaftem Protest. Von den Gästen waren die meisten bereits abgereist. Diejenigen, die noch im Schlosse angetroffen wurden, sprachen von Bernhardt, der als Gralskönig den Namen Ritter Abdruschin führt, mit Verehrung. Einige bezeichneten ihn als G o t t e s s o h n.
Bei der Hausdurchsuchung wurden Briefe bekannter Persönlichkeiten gefunden, mit denen Bernhardt in freundschaftlichen Beziehungen steht. Außerdem fand man ein Photographienalbum, das die Gralsritter in bedenklichen Stellungen zeigt.
Bernhardt wurde im Jahre 1875 in Bischofswerda bei Dresden geboren. Er wurde Offizier, dann Schriftsteller und beschäftigte sich mit Vorliebe mit indischen und mystischen Themen. Unter dem Namen Otto v. Berneck hat er eine große Zahl von Dramen und Romanen geschrieben. In den letzten Jahren war er als Filmschriftsteller tätig. In Kötzschenbroda, wo er bis zu seiner Uebersiedlung nach Schwaz wohnte, gründete er die Religionsgesellschaft der Gralsritter, wie er sagt, auf philosophisch-wissenschaftlicher Grundlage. Er behauptet, die I n k a r n a t i o n des Gralsritters A b d r u s c h i n zu sein. Er habe von Gott die Mission erhalten, Menschen auf den Himmel vorzubereiten. Die „Berufenen“ müssen die Gralsburg passieren und sich strengen Prüfungen unterziehen. Dann erhalten sie unter feierlichen Zeremonien das Goldene Kreuz, das aus vergoldetem Messing besteht. Die Gralsritterschaft zählt derzeit etwa
h u n d e r t z w a n z i g M i t g l i e d e r, die allen Berufen angehören. Die meisten sind ehemalige Offiziere, es befinden sich aber unter ihnen auch viele Kaufleute, Aerzte, Techniker und Angestellte, zumeist aus Süddeutschland und Sachsen.

Die Gralskönigin.

Bernhardt hat seine Gattin vor sechzehn Jahren in Kötzschenbroda kennengelernt. Sie verdiente sehr gut als Haderngroßeinkäuferin und erwarb mehrere Häuser in Dresden. Das Paar lebte nach seiner Verheiratung auf großem Fuß und machte kostspielige Reisen. Als nach der Stabilisierung der Mark das Vermögen dahinschmolz, ließ sich die geschäftstüchtige Frau in Dresden als „Nervenärztin“ nieder und machte h e i l m a g n e t i s c h e K u r e n, die großen Zulauf gehabt haben sollen. Doch wurde Frau Bernhardt wegen Kurpfuscherei angeklagt und bedingt zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.
Aber inzwischen war die Gralsgemeinschaft gegründet worden und die Gralsritter verpflichtet, ihrem König finanziell beizustehen. Man schätzt, daß er im letzten halben Jahre etwa
v i e r h u n d e r t t a u s e n d M a r k erhalten hat. Seine Verhaftung soll von einem seiner Ritter veranlaßt worden sein, der Bernhardt beschuldigt, ihm einen großen Geldbetrag herausgelockt zu haben. Sowohl Bernhardt als seine Frau beteuern ihre Unschuld.

Die Neue Zeitung, 21.12.29

Der „Gralsritter“ aus Kötschenbroda.
Verhaftung eines betrügerischen Ehepaares in Tirol.

S c h w a z, 20. Dezember. Die hiesige Gendarmerie hat dieser Tage den Besitzer des Gutshauses von Vomperberg Ernst Oskar Bernhardt und seine Frau Marie verhaftet, da man erhoben hatte, daß in dem Schloß allerlei geheimnisvolle Zusammenkünfte stattfanden.
Der Verhaftete gab an, er habe vor etwa drei Jahren in seinem Heimatsort Kötschenbroda bei Dresden eine Religionsgemeinschaft auf philosophisch-wissenschaftlicher Grundlage gegründet. Er selbst sei am 18. April 1875 in Kötschenbroda geboren, seine Seele habe ihren Anfang in der Gralsburg genommen und er sei die Inkarnation des Gralsritters Abdruschin. Er habe eine besondere Mission von Gott erhalten und habe die Aufgabe, die Menschen auf den Himmel vorzubereiten. Bevor aber die „Berufenen“ in den Himmel aufgehen, müssen sie die Gralsburg passieren und sich strengen Prüfungen unterziehen. Die Gralsritterschaft zähle derzeit etwa 120 Mitglieder.
Von der Gendarmerie wurden auch die im Schloß angetroffenen „Gralsritter“ verhört. Sie sprechen von Bernhardt mit besonderer Achtung und waren verpflichtet, dem Ritter Abdruschin, dem „Regenten der Gralsburg“, finanziell zur Seite zu stehen.
Der „edle Gralsritter“ führte ein großes Haus und hielt sich mehrere Reitpferde sowie zwei Autos. Er mußte zugeben, daß er in Deutschland wegen verschiedener Betrügereien vorbestraft wurde und daß auch jetzt ein Betrugsverfahren gegen ihn beim Münchner Landesgericht in Schwebe ist.
Der Verdacht, daß der „Ritter Abdruschin“ an den übrigen Rittern Erpressungen verübte, scheint nicht ganz ungerechtfertigt und es ist auch möglich, daß seine Frau, die früher heilmagnetische Kuren ausführte, die Opfer mit Hilfe der Hypnose gefügig machte.
Jedenfalls beschäftigen sich derzeit die Behörden eifrig mit der mysteriösen „Gralsburg“ und ihren Bewohnern.

Linzer Volksblatt, 21.12.29

Die Sekte des Abdruschin

Im Dorfe Vomperberg bei Schwaz hat sich vor einiger Zeit ein reichsdeutscher Schriftsteller namens B e r n h a r d mit seiner Frau niedergelassen, die aus Bayern gekommen waren. Der Mann trieb einen religiösen Kult, indem er sich als G e s a n d t e r
d e s M e s s i a s bezeichnete und eine Heillehre verkündete, wobei er sich als Nachfolger eines vor mehr als hundert Jahren verstorbenen Religionsstifters Abdruschin ausgab. In Vomperberg hatte er sich eine Art Tempel gebaut und religiöse Versammlungen abgehalten, an denen auch Anhänger aus Deutschland teilnahmen. Für die Weihnachtsfeiertage wurde die Ankunft weiterer Anhänger erwartet. Nunmehr wurde jedoch, da diese Vorgänge einerseits der Behörde auffielen, andererseits aber ein Haftantrag von der Staatsanwaltschaft München einlangte, das Ehepaar verhaftet. Die Verhaftung, bei der ein großes Gendarmerieaufgebot notwendig war, erregte unter der bäuerlichen Bevölkerung von Vomperberg große Erregung. Schriftsteller Bernhard hatte für Vomperberg große Bauprojekte. Wie die „Innsbrucker Nachrichten“ melden, soll hinter diesen Projekten ein reichsdeutscher Humanitätsverein als Geldgeber stehen.
Bernhard hielt sich seit ungefähr zwei Jahren in Vomperberg auf, kaufte dort ein Landhaus und hat stets etwa 25 Anhänger bei sich, mit denen er eine eigene Religionsgemeinschaft gebildet hat. Sämtliche Mitglieder der Gemeinschaft sind Reichsdeutsche, ehemalige Offiziere, Kaufleute usw., meist aus Süddeutschland und Sachsen, die sich ständig in Vomperberg niedergelassen haben, um in der nächste Nähe Bernhards zu sein. Die Zusammenkünfte der Gemeinschaft fanden in einer Baracke statt, in die nur Berufene Zutritt hatten, die ein eigenes Abzeichen trugen. Bernhard nannten sich seinen Anhängern gegenüber „Abdruschin“. Er sagte, er sei
a u f d e r G r a l s b u r g g e b o r e n und habe eine besondere Mission von Gott erhalten, indem er auf Erden die Leute auf den Himmel vorbereiten solle. Bevor aber seine Anhänger in den Himmel eingehen, müssen sie d i e G r a l s b u r g
p a s s i e r e n, die ein Zwischendring zwischen Himmel und Erde sei.
Die Anhänger Bernhards erklären, daß sie v o n s e i n e r
M i s s i o n ü b e r z e u g t seien. Die Versammlungen in der Baracke fanden unter geheimnisvollem Zeremoniell statt. Bernhard hat auch der Stadtgemeinde Schwaz große Grundstücke bereits abgekauft und wollte dort für die Zwecke seiner Religionsgemeinschaft ein Hotel von großem Ausmaß errichten. Außerdem stand er mit der bekanntlich wirtschaftlich zusammengebrochenen Stadtgemeinde Schwaz in Verbindung, um hier eine Entschuldungsaktion einzuleiten.
Zu Weihnachten hatten sich gegen hundert Anhänger Bernhards in Deutschland für einen Besuch im Bergdorf Vomperberg angekündigt. Es waren auch schon alle Vorbereitungen dazu getroffen, einige Anhänger haben für Bernhards Zwecke Gelder gegeben, so daß nunmehr der Verdacht auftauchte, Bernhard habe die G e l d –
g e b e r m i t s e i n en P h a n t a s t e r e i e n b e t r o g e n. Eine anonyme Anzeige gelangte an die Staatsanwaltschaft in München und nach längeren, gründlichen, hauptsächlich in Deutschland geführten Erhebungen wurde zu der bereits gemeldeten Verhaftung des Paares geschritten. Die Verhaftung selbst konnte nur mit Hilfe eines starken Gendarmerieaufgebotes durchgeführt werden, weil Verabredungsgefahr vorlag.
Frau Bernhard stammt aus Kötschenbroda in Sachsen und war
f r ü h e r H a d e r n h ä n d l e r i n. Sie hat den Leuten bei Erkrankungsfällen die Hand aufgelegt und wird sich auch wegen Kurpfuscherei zu verantworten haben. Bernhard ist ihr zweiter Mann. Bernhard selbst hatte einen ständigen Sekretär, einen aus Bayern stammenden Offizier, bei sich.

Die Neue Freie Presse, Wien, 21.12.29, macht auf humoristisch, wäre aber witziger, wenn sie ihrem Job nachgekommen und Recherche betrieben hätte.

(Der Gralsritter von Schwaz.) Gralsritter Abdruschin, Lohengrins engerer Kollege, findet Schwaz, das entzückende Tiroler Städtchen, schöner als das heimische Kötschenbroda. Das ist Geschmackssache, und übrigens werden viele mit dem Gralsritter übereinstimmen, die sonst absolut kein Verständnis für seine Geheimlehre haben und auch darauf nicht im mindesten neugierig sind, was alles an Mummenschanz und Phrasendrescherei in den Versammlungen jener Sekte getrieben wurde. Jetzt ist die Gendarmerie gegen Abdruschin und die Seinen mobilisiert worden und der Tiroler Untersuchungsrichter wird sich darüber ins Klare kommen müssen, ob der Mann aus Kötschenbroda, der gleich dem Goldmacher Tausend seine Schritte nach Tirol gelenkt hat, bloß die anderen oder sich selbst dazu zum Narren hielt, ob er ein betrogener Betrüger gewesen ist oder ob er ausschließlich auf Kosten seines leichtgläubigen Anhanges sich ein angenehmes Leben zu schaffen verstanden hat. Drei Reitpferde und zwei Automobile werden ihm nachgesagt. Das ist freilich kaum mehr als ein bloßes Illustrationsfaktur, wobei erst gesagt werden müßte, was damit eigentlich illustriert werden soll. Von einem modernen Gralsritter kann man unmöglich verlangen, daß er sich als einziges Beförderungsmittel den bewußten Schwan aussuche. Ueberhaupt wollen wir nicht darauf vergessen, daß das neue Preßgesetz über uns hereingebrochen ist, und wir werden uns hüten, den Reigen zu eröffnen. Es sei ferne von uns, durch unwahre Mitteilungen tatsächlicher Art den Kredit oder das Fortkommen Ritter Abdruschins gefährden zu wollen. Am Ende waren es nur zwei Reitpferde und ein einziges Automobil. Wie dem immer sei, Abdruschin erfreute sich in Schwaz und Umgebung großer Popularität und ausgesprochener Sympathien. Nicht daß die Tiroler Bauern oder gar die Bewohner der Stadt Schwaz auf moderne Mystik und andere Alfanzereien besonders erpicht gewesen wären. Unter der einheimischen Bevölkerung dürfte Abdruschin wenig Proselyten gemacht haben. Die faßte vielmehr die ganze Sache von dem gesunden und nüchternen Standpunkt der Hebung des Fremdenverkehres auf und hat es sogar den geistlichen Herren, die über das geheimnisvolle Treiben der Gralsritter aufgebracht waren, höchst übel genommen, als sie die Staatsgewalt in Bewegung setzten, um den unliebsamen Zuzug aus Kötschenbroda wieder loszuwerden. Abdruschin hat, bevor er Sekten gründete, Romane geschrieben. Vielleicht hat er sich an seiner eigenen Phantasie entzündet. Außer Frage scheint zu stehen, daß es nicht billig war, ihm zuzuschwören. Und eben das erwies sich als nicht ungefährlich. Es steht nämlich jedermann frei, seinen Mitmenschen den Kopf zu verdrehen. Immer vorausgesetzt, daß diese sich nicht dagegen zur Wehr setzen. Bekanntermaßen wird auch von solcher gesetzlicher Erlaubnis allenthalben reicher Gebrauch gemacht. Nur muß es umsonst geschehen. Von denen, die an den Schleier der Sphinx rühren, darf keine Taxe eingehoben werden. Sonst mischen sich die Behörden hinein. Und dann wohnen in der Brust der meisten Schwärmer von heute die bekannten zwei Seelen dicht nebeneinander. Förmlich über Nacht bekehren sich die Gottsucher zu recht praktischen Erwägungen, und jene, die eben erst Hosianna geschrien haben, gehen zur Polizei und machen Ersatzansprüche geltend. So ist es auch Abdruschin ergangen. Er wird nunmehr die schimmernde Rüstung des Gralsritters notgedrungen ablegen und, statt mit seiner untreuen Gemeinde, es wieder mit seinen Verlegern zu tun haben. Wobei allerdings in den meisten Fällen weder Automobile noch Reitpferde herauszuschauen pflegen.

Eigentlich witziger, weil weniger bösartig als die NFP: Das Kleine Blatt, Wien, 21.12.29

Das Mirakel von Schloß Vomperberg.
Ritter Abdruschin aus Kötzschenbroda und die Ritterschaft vom heiligen Gral.

In fernem Land, unnahbar euren Schritten, steht eine Burg… scharfe Hunde bewachen ihre Zugänge und vor der Gartenpforte stehen drohend stumme Riesen, die allen Unberufenen den Weg verwehren. Die „Berufenen“ aber fahren in prunkvollen Automobilen vor; oft sind es ein Dutzend, manchmal noch weit mehr, und niemand weiß, was hinter den düsteren Mauern vorgeht. Nur die Legende blüht, flüsternd weiß sie seltsame Geschichten zu erzählen von gruseligen Messen, absonderlichem Teufelsspuk und frevlerischem Götzendienst, die der Schloßherr und seine Gäste treiben.
Wenn die Bauern von S c h w a z und V o m p an Schloß
V o m p e r b e r g vorbeikommen – so heißt das geheimnisvolle Schloß, das abseits des friedlichen Innstädtchens Schwaz gegen die Berge zu liegt –, so bekreuzen sie sich fromm. Denn der Pfarrer hat am Sonntag von der Kanzel herab wieder recht deutliche Anspielungen gegen das zuchtlose Treiben gemacht, das auch gesehen wird, wenn es noch so verschwiegen hinter Mauern sich abspielt. Die Bauern fürchten sich, daß es Schwefel und Pech wie über Sodom über ihr heiliges Land herabregnen wird; aber – ach, zwei Seelen wohnen in ihrer Brust: der Gutsverwalter vom Vomperberg z a h l t g u t für Milch, Fleisch und Eier und die vornehmen Gäste lassen auch sonst einen schweren Batzen Geld im Land. So haben die Bauern ein Kompromiß geschlossen: sie schimpfen und tratschen und bekreuzen sich, aber zwinkernd liefern sie dem Verwalter ihre Waren…

„Lohengrin.“

So ging das monatelang. Die Legende blühte und der Handel: die Bauern wurden reich und die Legende wuchs zum Gendarmeriebericht. Die Behörde entschloß sich, einzuschreiten.
Erst s c h l i c h sie sich ein, zwei Gendarmen gingen so lange um das Schloß herum spazieren, bis sie einmal hörten, wie ein ankommender Fremder auf das Losungswort „Lohengrin“ eingelassen wurde. Sie sagten daraufhin ebenfalls „Lohengrin“ und waren im Park. Dort entdeckten sie – wie das bei keiner mysteriösen Geschichten fehlen darf – einen u n t e r i r d i s c h e n Gang. Der Stollen führte in eine Höhle, von der aus sie in das Innere eines seltsamen Gebäudes sehen konnten.
Von außen her war den Hütern der Ordnung das Gebäude bekannt; es war eine unscheinbare B a r a c k e, als Stall, Futterkammer oder Tenne anzusehen, und erst vor kurzem über Auftrag des Schloßherrn errichtet. Doch die dürftige Hülle barg ein köstliches Wunder.

Die Ritterschaft vom heiligen Gral.

Im sanften Scheine karfunkelleuchtender Ampeln saßen würdige Männer und Frauen im Rund auf hohen schweren Stühlen, sie waren angetan mit dunklen, wallenden Kleidern, ein goldenes Kreuz auf der Brust. Die Halle war ausgeschlagen mit schwarzem Samt, aber an der Stirnseite war ein flammendes Gleißen, wie von einer übernatürlichen Erscheinung: auf marmornem Altar stand dort eine
k r i s t a l l e n e S c h a l e, in blendendes Licht getaucht: der
h e i l i g e G r al.
Davor der H a u s h e r r in strahlendem Rittermantel, mit feierlichen Gesängen zur Versammlung sprechend.
Den braven Gendarmen gingen die Augen über; für derartige Fälle sehen die Dienstvorschriften nichts vor. Also zogen sie sich zurück und meldeten am anderen Tag ihrem Vorgesetzen die wunderbaren Begebenheiten der Nacht.

Die Depesche aus München.

In die allgemeine Verwirrung der vorgesetzten Dienststelle, die sich hauptsächlich in bedenklichem Kratzen der ratlosen Köpfe ihrer Organe äußerte, platzte eine befreiende D e p e s c h e
der M ü n c h n e r S t a a t s a n w a l t s c h a f t. Ein
H a f t b e f e h l gegen Ernst Oskar B e r n h a r d t, Gutsbesitzer in Vomperberg, 54 Jahre alt, zuständig nach
K ö t z s c h e n b r o d a bei Dresden, wiederholt vorbestraft, derzeit wegen verschiedener B e t r ü g e r e i e n gesucht.
Der Dienststelle fielen Zentnersteine von den bekümmerten Herzen, die Verhaftung wurde ausgesprochen.

Ritter Abdruschin.

Der Gralsritter war wütend über den Einbruch der profanen Obrigkeit in sein weltabgewandtes Heiligtum. Aber alles Beschwören war zwecklos: Ernst Oskar Bernhardt samt F r a u wurden dem
B e z i r k s g e r i c h t S c h w a z e i n g e l i e f e r t.
Vor dem Untersuchungsrichten machte er folgende Angaben: Er habe vor etwa drei Jahren in seinem Heimatsort Kötzschenbroda eine R e l i g i o n s g e s e l l s c h a f t auf
philosophisch-wissenschaftlicher Grundlage g e g r ü n d e t. Er selbst sei fleischlich am 18. April 1875 geboren, seine Seele habe aber ihren Anfang in der Gralsburg genommen, und er sei die
I n k a r n a t i o n d e s G r a l s r i t t e r A b d r u s c h i n. Er habe eine besondere M i s s i o n v o n G o t t erhalten, und habe die Aufgabe, die Menschen auf den Himmel vorzubereiten. Bevor aber die „Berufenen“ in den Himmel aufgehen, müssen sie die Gralsburg passieren, und sich strengen Prüfungen unterziehen. Die Gralsritterschaft zähle derzeit etwa 1 2 0 M i t g l i e d e r,
die allen Berufen angehören. Vor einem halben Jahre übersiedelte er nach Vomperberg. Von nun an wurde in der im Schloßpark von Vomperberg erbauten „provisorischen Gralsburg“ der Kult abgehalten.

Gottessohn braucht viel Geld.

Von der Gendarmerie wurden auch die im Schlosse angetroffenen Gralsritter verhört. Sie sprechen von Bernhardt mit besonderer Achtung, einige bezeichnen ihn sogar als Gottessohn. Die „Berufenen“ mußten sich vielerlei Prüfungen unterziehen, und erhielten nach verschiedenen Zeremonien das „goldene Kreuz“. Die Gralsritter waren verpflichtet, dem Ritter Abdruschin, dem „Regenten der Gralsburg“, finanziell zur Seite zu stehen, und Bernhardt dürfte sehr namhafte Geldbeträge von seinen Anhängern erhalten haben.
Er hatte das Gotteshaus auf das Prächtigste herrichten lassen. Im Stalle hielt er mehrere Reitpferde. Zwei Autos standen ihm und seiner Frau zur Verfügung. Vor einigen Monaten hatte er ein großes Gelände erworben, um dort für seine Gäste ein H o t e l zu errichten.
Nach vorläufigen Schätzungen erhielt Bernhardt im Verlauf des letzten halben Jahres etwa 400 000 Mark.

Frau Gralsritter – Hadernhändlerin und Kurpfuscherin.

Die Erhebungen der Behörden ergaben, daß der verhaftete Ernst Oskar B e r n h a r d t auf Grund der Anzeige eines seiner Anhänger, dem er einen sehr b e d e u t e n d e n
G e l d b e t r a g h e r a u s g e l o c k t hatte, von der Staatsanwaltschaft München verfolgt wird.
Die G a t t i n Bernhardts, die auch seine Gehilfin ist, hatte früher ein Tuchgeschäft betrieben. Während der Inflationszeit war die geschäftstüchtige Frau in Kötzschenbroda als
H a d e r n g r o ß e i n k ä u f e r i n tätig. Nach der Stabilisierung der Mark schmolz aber das Vermögen rasch dahin. Vor etwa zwei Jahren kam Bernhardt mit einigen Freunden auf den Gedanken, eine
G r a l s g e m e i n s c h a f t zu gründen. Angeregt soll dies ein Patient seiner Frau haben, die sich damals in Dresden als
„N e r v e n ä r z t i n“ etabliert hatte. Sie machte „heilmagnetische Kuren“, die außerordentlichen Erfolg gehabt haben sollen. Schließlich schritt die Behörde ein und Frau Bernhardt wurde wegen K u r-
p f u s c h e r e i zu drei Monaten Gefängnis bedingt verurteilt.
Während die Zuschrift der Münchner Staatsanwaltschaft Bernhardt als wiederholt vorbestraften Mann bezeichnet, leugnet er, jemals gerichtlich verurteilt gewesen zu sein. Wohl sei er einige Male in Untersuchung gekommen, doch habe sich stets seine Schuldlosigkeit herausgestellt.
Bernhardt hat sich unter dem Pseudonym E g o n v o n
B e r n e c k einen Namen als Schriftsteller gemacht. Vor dem Kriege wurde auf deutschen Bühnen eine Reihe seiner Dramen aufgeführt, nach dem Kriege war er als erfolgreicher Filmschriftsteller tätig.

Der Sieg des Mammons.

Dieses ist die wunderbare Geschichte von den seltsamen Begebenheiten auf Schloß Vomperberg ihre letzte Pointe wird im Gerichtssaal zu hören sein. Die Burg ist bezwungen, der Gralsritter sitzt im Gefängnis, des Heiligtums Licht ist erloschen.
Wer aber nun glaubt, daß die Bauern von Vomp und Schwaz dem Himmel danken, daß er das Schicksal Sodoms abgewehrt und den satanischen Orgien ein Ende gesetzt hat, i r r t. Da der Geldstrom nun so plötzlich versiegt ist, haben die Bauern plötzlich ihr Herz für den Teufelsanbeter entdeckt und rotten sich zu Versammlungen, die
z u g u n s t e n Bernhardts eintreten. Vor seiner Verhaftung hat er ihnen nämlich sagen lassen, daß er einen T e m p e l d e r
C h r i s t e n h e i t in Schwaz erbauen wolle, zu dem tausende Fremde pilgern werden.
Und nun ist das große, lockende Geschäft zunichte geworden.

Und wie immer und leider fast einzig ist es der Tiroler Anzeiger, der am 27.12.29 vermeldete:

Enthaftung des Schriftstellers Bernhardt. Wie berichtet, wurden in der Vorwoche der Schriftsteller Oskar Bernhardt und seine Frau, die in Vomperberg eine mystische Religionsgemeinschaft gegründet hatten, über Aufforderung der Staatsanwaltschaft München wegen Betrugsverdacht verhaftet und dem Landesgerichte Innsbruck eingeliefert. Ueber Antrag des Rechtsanwaltes Dr. Heller willigte die Ratskammer in die Enthaftung ein; Herr und Frau Bernhardt wurden nun auf freien Fuß gesetzt. Die Strafuntersuchung wegen Betrugsverdachtes wird weitergeführt; die Sektenbildung kommt als strafbares Delikt nicht in Betracht. Als Kaution wurden 50.000 S erlegt.

Frau Gecks schildert die Geschehnisse so:

Nun kam der entsetzliche Dezembermorgen, es war wohl der 16. Dezember 1929, da war in der Frühe um 6 Uhr das Gralshaus und unsere anderen umstellt von einem großen Gendarmerieaufgebot. Niemand konnte sein Haus verlassen, niemand dem Herrn und Frau Maria zur Hilfe kommen. Sie wurden beschuldigt, uns durch hypnotische Beeinflussung und Katastrophendrohung auszunützen und unser Geld sich anzueignen, deshalb verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis in Innsbruck abgeführt. Dann wurde jeder von uns verhört; die Polizisten müssen da schon den Eindruck gewonnen haben, daß dieser Verdacht nicht stimme, die Anzeige auf falscher Annahme beruhe. […]
Was die goldene Frau Maria durchgemacht hatte – sie war mit einer Brandstifterin zusammen eingesperrt – , hatte sie erzählt; das ist gar nicht wiederzugeben. Unter Lachen und Weinen erzählte sie uns die unerhörten Fragen, die der Untersuchungsrichter ihr vorgelegt. Es war aber befreiend, wenn dabei Frau Maria auch erzählte, selbst darüber lachend, wie sie des öfteren den Richter auf seine grotesken Fragen hin einfach ausgelacht hätte. […]
Frau Maria war am 4. Tage wieder frei geworden. Nun war sie ohne Geld in Innsbruck auf der Straße. Da fiel ihr ein Kellner ein, den sie im Hotel Tiroler Hof getroffen und der im Kriege mit Abd-ru-shin auf der Isle of Man in England interniert gewesen war. Wir hatten ein paar Mal mit dem Herrn und Frau Maria in Innsbruck im Tiroler Hof gesessen, da hatte der Kellner „Herrn Bernhardt“ strahlend vor Freude begrüßt. Auch der Herr hatte Freude daran. Die Internierten dort im Lager hatten Herrn Bernhardt sehr verehrt, und die Engländer hatten ihn als so eine Art Lagerleiter eingesetzt. So hatte „Herr Bernhardt“ so weit dies möglich war gut für alle sorgen können und wurde geschätzt und verehrt, wie es auch an diesem Manne noch zu merken war. – An diesen nun wendete sich Frau Maria zur Hilfe. Nach telefonischem Anruf, wie mir erinnerlich, wurde sie dann von Innsbruck abgeholt.
Der Herr kam erst am 23. Dezember zurück. Es lag solch Grauen und Schmerz noch in Seinen Zügen. Das war entsetzlich. Ich meine, keiner wagte eine Frage. Der Herr schwieg über all das Häßliche dieser Tage. Einmal sagte nur der Herr zu mir, daß der Richter gesagt hätte: „So verteidigen Sie sich doch!“ Aber Er hätte dagestanden, ohne ein Wort hervorzubringen. Er hätte geschwiegen im Grauen vor den Menschen, vor so viel Häßlichkeit und Lüge […].
Daß solches überhaupt möglich war, daß auf eine rein verleumderische Anzeige hin vom Staatsanwalt ein Haftbefehl erlassen werden kann, ist furchtbar […]. Die erste Vermutung über den Anzeiger erwies sich als falsch. In Wirklichkeit war es ein Oberst aus dem Bekanntenkreis von Halsebands, der immer sehr viele Vorteile und Einladungen von diesen genoß. Der Name wurde dann durch den Rechtsanwalt oder das Gericht bekannt, soviel ich weiß. Aus Verärgerung heraus, dies alles nun entbehren zu müssen, hatte er sich bis zu der Anzeige hineingesteigert. Der Herr hätte ja Klage gegen ihn erheben können; er hat es nicht getan. Er sprach auch niemals mehr darüber.
(Elisabeth Gecks: Erinnerungen aus meinem Grals-Erleben)

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Bekommt immer noch vieles falsch hin, aber einer der wenigen sachlichen Berichte über den Vomperberg: Tiroler Wochenzeitung, 15.12.1933

Die neuen Gralsritter am Vomperberg

V o m p, Dezember 1933. (Eigener Bericht.) Vomp bei Schwaz ist in den letzten Jahren oftmals genannt worden. An sich ist der Ort zwar nicht wichtig – man muß ihn sehr bäuerlich nennen. Bloß zwölfhundert Einwohner – meist Landwirtschaft betreibend – zählt Vomp, Vomperberg und Fiecht zusammen. Der unzähligen Ausflüglern und Wallfahrern bekannte Georgenberg gehört auch noch zu Vomp. Dem Flächenmaß nach ist die Gemeinde also eine der größten in Tirol. Die Vomper erklären sogar: Eine größere Gemeinde als Vomp gibt es im Lande nicht! Es streiten sich jedoch auch andere Gemeinden um den Ruhm, die „allergrößte“ zu sein.
Nicht ihrer „Größe“ wegen wird von Vomp viel gesprochen. Es gibt ja noch mehrere Orte, die vom Inntal bis fast an die bayrische Grenze reichen. Was Vomp in aller Munde brachte, ist der –
V o m p e r b e r g. Das heißt, die seltsamen Fremden dort, die seit einigen Jahren als G r a l s r i t t e r und -ritterinnen sich angesiedelt haben und ihrem Kulte huldigen. Ueber diese Jünger der „heiligen Schüssel“, Gral genannt, wurde soviel gesprochen, geschrieben, gewettert, daß es die Gralsritter gar nicht nötig hatten, irgendwie Propaganda zu machen. Das besorgten – allerdings ganz ungewollt – all die Gegner der „Ritter“.

Der Vomperberg – als Gralsberg

Schon der Gralsritter wegen lohnt es sich, das Dörfchen Vomp aufzusuchen. Es liegt in schönster Lage gegenüber von Schwaz und ist vom Schwazer Bahnhof kaum zwanzig Minuten entfernt. Bald ist auch Vomperberg, eine ausgedehnte Ebene im Mittelgebirge, mit herrlicher Aussicht auf das Inntal erreicht. Eine Reihe villenähnlicher Häuser im Heimatstil gibt dem Oertchen ein nettes, anziehendes Gepräge. Wie man in Vomperberg erfährt, ist in den Jahren 1931, 1932 und auch noch 1933 hier ständig gebaut worden. Von schlechten Zeiten, schlechtester Wirtschaftslage scheint man also in der „Gralsstadt“ nicht viel zu spüren.
Ein deutscher Schriftsteller namens B e r n h a r d t machte aus dem simplen Vomperberg im Unterinntal einen modernen Montsalwatsch. Der Sagenberg Montserat bei Barcelona, auf welchem nach dem Glauben mittelalterlicher Ritter in einer wundervollen Jaspisschüssel, Gral genannt, das vom letzten Abendmahl stammende Blut Christi augbewahrt und verehrt wurde, hat sich später in eine noch sagenhaftere Burg Mont-Salwage verwandelt und wurde in Montsalwatsch verdeutscht. Und jetzt ist diese Verdeutschung noch modernisiert worden! Schriftsteller Bernhardt ging her, schuf auf dem Vomperberg eine „Gralsverwaltung“. mit Telephonanschluß usw. – und fand bald Anhang! Allerdings nur in jenen Kreisen, denen es samt Familie auch in den schwersten Zeiten noch so gut geht, daß sie sich Extravaganzen leisten und so leben können, wie es ihnen paßt.
Zur Zeit sind in den netten Häuschen am Vomperberg achtzig bis hundert Anhänger der Gralsidee wohnhaft. Sie huldigen der heiligen Schüssel – und bezeichnen den Leib des Menschen ebenfalls als Gral. Er enthalte die Seele, das ewige Leben, und deshalb müsse dieser „Gral“ gepflegt, gehütet werden.
Da sich nicht einmal alle Gralsritter ganz klar sind, was sie denn eigentlich wollen, so ist es dem Fremden, der da in die „Gralsstadt“ am „heiligen Berg“ eindringt, sehr schwer, Klares zu erfahren. Man kommt schließlich zu folgender „Klarheit“: Die Gralidee ist eine Mischung von Christentum nach mittelalterlicher Ansicht, deutscher Natur- und Heidenreligion, Rittertum, naturgemäßer Lebensweise, körperlich-seelischer Reinheit und geistig-sittlicher Fabelei!

Die Ritter als gute Kunden

Die Anhänger Bernhardts sind harmlose Menschen, schaden niemand und wollen auch keinem Menschen ihre Idee, ihre Lebensart propagandistisch aufdrängen. Trotzdem hatten sie anfänglich Feinde und Gegner. Man wollte die [unleserlich] Ritter“, die „Sektierer“, nicht gerne seßhaft sehen – obwohl man sonst so ungemein für den Fremdenverkehr, für den Aufenthalt und die Ansiedlung geldkräftiger Fremder in der Gegend warb.
Der mittelalterlich-romantische Bernhardt scheint aber nicht unpraktisch zu sein. Trotz der himmlichen Phantastereien steht er mit beiden Füßen auf der Erde – und weiß sich auf ihr sehr gut einzurichten. Vor allem benahm er sich sehr klug gegen Widersacher. Da seine Anhänger nicht arm sind, ließ er die teilweise schon vorhandene Straße nach Vomperberg ausbauen, zum Teil neu anlegen und erwarb sich dadurch viele Freunde. Auch der Pfarrer Anton [Henbacher?] kam nämlich – und weihte die „Gralsritterstraße“ feierlich ein…
Die Geschäftsleute in Schwaz, die Bauern und Kleinbauern in Vomp und Vomperberg sahen bald ein: Es ist besser, sich mit den Bewohnern der „Gralsburg“ auf guten Fuß zu stellen, als sie anzufeinden! Die Gralsritter kommen in der heutigen schlechten Zeit vor allem als hocherwünschte gute Kunden der Geschäftsleute in Betracht. Und die Bauern der Gegend haben eine direkte Absatzquelle. Sie bringen ihre Produkte weit lieber den „Rittern“ als auf den Schwazer Markt, wo die Käuferinnen und Käufer viel feilschen. Die Gralsritter dagegen zeigen sich von der vornehmsten Art. Sie kaufen sogar manches, das sie gar nicht benötigen, um den jammernden Bauern zu helfen. Daß der gestrenge Abt Lambrecht des nahen Benediktinerstiftes Fiecht noch immer den „Sektierern“ nicht recht geneigt scheint und sie lieber wo anders als am Vomperberg sähe, kümmert die ansonsten dem Stifte sehr ergebenen Bauern in der Notzeit nicht.

Die Gralsritter wollen 1934 ein großes Hotel bauen!

Die Anhänger Bernhardts werden in der Gegend immer beliebter, wie es scheint. Das hat allerdings eine sehr reale Bewandtnis. Es heißt nämlich – bei jedem Krämer kann man es schon hören – daß die Gralsritter im kommenden Jahr ein eigenes großes Unterkunftshaus – eine Art Hotel – bauen wollen. Dieses „Gral-Hotel“ soll höchst eigenartig und trotzdem hochmodern, komfortabel und sehr bequem werden. Eingeweihte Schwazer Kreise wissen bereits, wie hoch und wie groß der neue Gralbau wird.
Die Anhänger des klugen Bernhardt verbinden das Angenehme der ihnen sehr zusagenden Lebensweise mit dem Notwendigen und Nützlichen. Es handelt sich durchaus nicht um krankhaft dumme Schwärmer. Nebst ihrer Gralsidee huldigen sie dem praktischen Gelderwerb der kapitalistischen Gesellschafts“ordnung“, erwerben sich Reichtümer – und setzen sich erst dann am Vomperberg zur Ruhe, wenn sie keine finanziellen Sorgen mehr haben. Von heute auf morgen läßt sich aber für die allermeisten kein Vermögen erwerben. So reisen denn viele der Gralsanhänger nur als Gäste nach der Gralsstadt: Dreimal im Jahr finden auf dem „Montsalwatsch“ bei Schwaz große Feiern statt. Hunderte von Gästen kommen! Und hauptsächlich für diese Festgäste, die unter ihresgleichen die Gralsfeste feiern wollen, soll die neue hotelähnliche Gralsburg errichtet werden. Geld dazu ist vorhanden!
Wo Geld, Geldeswert ist, gibt’s auch Klassen und Klassenunterschiede. So sind denn auch die Vomperberger Gralsritter in zwei Klassen zerteilt, getrennt. Die „besseren“ tragen g o l d e n e Kreuze auf der Brust – die anderen bloß
s i l b e r n e. Auch im neuen Hotel soll es – wie man jetzt schon erfährt – „geziemende“ Grenzen zwischen den goldenen und silbernen Rittern geben.
Zu erwähnen ist noch, daß die Gralsritter keine Freunde der Hakenkreuzbewegung sind und von Hitler und seinem „Dritten Reich“ anscheinend nichts wissen wollen. Die Gralbewegung und ihre Anhänger nimmt man übrigens schon ihrer ernsten Pläne wegen – weiterer Ankauf von Hausgründen, Bau von villenartigen Siedlungen und eines Großhotels im nächsten Jahre – für sehr ernst. Man kann und darf sie nicht als bloße „Sekte“ abtun.

Alpenländische Rundschau, 21.3.36

Der Gralsritter und die Devisenvorschriften

Aus Schwaz wird gemeldet: Auf dem Vomper Berg besteht seit Jahren unter Leitung des Reichsdeutschen Bernhard, der sich Ritter Abdrschin nennt, eine sogenannte Grals-Sekte, die sich meist aus Reichsdeutschen zusammensetzt und eine außerordentliche Bautätigkeit entwickelt. Auf dem östlichen Teile des Vomper Berges ist bereits ein schmuckes Dorf entstanden, das nur dieser Kolonie dient. Für die Lieferungen wurde sogar eine Drahtseilbahn aus Schwaz zum Dorfe hinauf gebaut. Ueberraschenderweise wurden nun am 15. März der Leiter dieser Sekte, Bernhard, und sein Sekretär Halseband verhaftet. Es verlautet, daß die Verhaftung auf Betreiben der reichsdeutschen Behörden wegen Devisenvergehens und Vergünstigungen solcher Vergehen erfolgt sei. Die Verhafteten wurden dem Landesgerichte Innsbruck übergeben. Bernhard war schon vor mehreren Jahren einmal verhaftet worden, auf Grund einer Betrugsanzeige einer seiner Anhängerinnen, die ihm ihr ganzes Vermögen zur Verwaltung gegeben hatte. Nachdem er in Innsbruck längere Zeit in Haft gewesen war, wurde die Untersuchung gegen Bernhard damals mangels Beweisen eingestellt.

Frau Gecks:

Im Frühling 1936 waren Beamte nach oben gekommen und hatten den HERRN und Herrn Halseband wegen Devisen-Vergehen verhaftet. Der HERR wurde glücklicherweise ins Gefängnis selbst nicht gebracht, sondern war mit einem Wächter in dem Städtischen Krankenhaus untergebracht und konnte im Garten gehen und nach Innsbruck, und es ist wohl bezeichnend, was dieser Wachbeamte für einen Eindruck hatte. Denn nachdem der HERR nach einigen Wochen wieder frei war, hat der Beamte ein Bild sich von Ihm erbeten.
Und nun möchte ich aber dies betonen: Der HERR hatte ja Herrn Halseband über alle irdischen Dinge eingesetzt und eben auch für alle Belange des Berges, weil Er gesagt hatte, Er muß sich von allen derartigen irdischen Fragen und Belangen jetzt ganz zurückziehen, um eben ganz in Seinem Eigentlichen zu leben. […] Nun waren viele auf dem Berge […], die ja ihre Gelder in Deutschland hatten. Und da sie auf dem Berge leben wollten, mußte natürlich von ihrem Geld auch einiges hinüberkommen. Und nun hat Herr Halseband sich anscheinend nicht zu helfen gewußt. Er hätte ja einfach Eingaben machen können, daß der Berg das braucht. Aber er hat einen Mann gefunden, der eben für lange Zeit die Gelder von drüben herüberbrachte. Und es war einige Zeit vor dem schon, daß man natürlich bei den Behörden aufmerksam wurde. Man fragte sich: „Wovon leben denn die Leute eigentlich da oben auf dem Berg?“ […]
Und so kam es eben eines Tages auch, daß dieser von ihm angestellte Mann an der Grenze erwischt wurde, wo ihm auch bestimmt schon aufgelauert wurde.

Meine Lieblingsmeldung, glaube ich: Tiroler Anzeiger, 14.9.1937

Vomp und die Gralssiedlung

V o m p, 10. September.
Am 8. September, dem Fest Mariä Geburt, fand auch heuer wie immer die herrliche Lichterprozession auf den Kreuzbühel zu der von Pfarrer Raaß selig erbauten Lourdesgrotte statt, wozu sich ganz Vomp, Gemeindevorstehung mit Bürgermeister, Musikkapelle, Kirchenchor sowie die ganze Bevölkerung vom Greise bis zum kleinen Kinde mit Hunderten von Kerzen und Lampions einfanden. Diesmal war auch Prälat Albert Grauß von Fiecht gekommen, um der großen Huldigungsprozession der Gottesmutter beizuwohnen. Vor der schön verzierten Grotte sang der Kirchenchor ein tiefempfundenes, alle Herzen ergreifendes Marienlied, worauf der Abt eine herrliche Ansprache über den schönsten Mariengruß, das Ave Maria, hielt, eine wundersame Bergpredigt im milden Scheine der unzähligen Lichter.
Noch unter dem tiefen Eindruck der Lichterprozession, der schönen jährlichen Weihe von Vomp an die Gottesmutter, versammelte sich der Gemeindetag zu einer Festsitzung, wozu auch der hochwürdigste Prälat von Fiecht und Oberlehrer Geiger erschienen waren. Den Anlaß dazu bot die schon mehr als acht Jahre auf dem Vomper Berg bestehende Gralssiedlung, deren Begründer in seiner Lehre die Mutter Gottes in der unerhörtesten Weise angreift und sie aufs schmählichste verunehrt.
Der Seelsorger wurde eingeladen, das Wort zu ergreifen und setzt nun in kurzen Worten den Sinn und Zweck der Festsitzung auseinander. Sie sei eine Sühneleistung an die Unbefleckte für diese Schmähung, ein Dank für ihren besonderen Schutz – kein einziger von der Gemeinde Vomp habe sich bisher der fremden Lehre angeschlossen – und eine Bitte an sie, daß sie auch in Zukunft diese Gemeinde ein Schutz nehme und sie einig im katholischen Glauben erhalte. Es wurde dann folgende Resolution eingebracht und einstimmig angenommen:
„Der Gemeindetag von Vomp, selbst einig und unentwegt treu dem katholischen Glauben, erkennt nur im katholischen Glauben Grundlage und Gewähr für das wahre zeitliche und ewige Glück der Gemeinde und hofft, daß Vomp für alle Zukunft einig im Glauben und treu der katholischen Kirchen bleibe. Für das Sitzungszimmer wurde ein großes, schönes Marienbild gestiftet, dessen Weihe der anwesende Herr Prälat vornahm. Der Gemeindetag beschloß in Zukunft bei jeder Sitzung die Muttergottes mit einem Ave zu grüßen und ihren Segen zu erbitten mit der Anrufung: „O Maria, Sitz der Weisheit, bitte für uns.“

Ich frage mich, ob sich das bis heute erhalten hat und ob noch jemand weiß, was der Anlaß dafür war.

Dann kam das Jahr 1938, im März der Anschluß Österreichs und quasi am gleichen Tage die Verhaftung Abd-ru-shins. Die Zeitungen berichteten erst im Juni darüber; bis dahin war die gleichgeschaltete österreichische Presse damit beschäftigt, die wundersamen Verbesserungen in Österreich gegenüber der früheren korrupten und unfähigen Regierung zu preisen. Negativmeldungen – außer in Form beginnender Propaganda für den kommenden Krieg – findet man in diesen drei Monaten nicht.

Tages-Post, Linz, 10.6.1938

Das Ende der „Gralsritter“. Am Vomperberg bei Schwaz hatte sich seit Jahren eine seltsame Gesellschaft niedergelassen. Es war eine religiöse Sekte, die sich den Titel „Die Gralsritter“ zugelegt hatte und dort, angetan mit langen weißen Tuniken, ihr Unwesen trieb und ihre Siedlung „Gralshöhe“ benannte. Ihr oberster Heiliger legte sich den Namen „Abdruschin“ bei; richtig hieß er Bernhard. Nun sitzt er seit dem Umbruch wegen gewaltiger Devisenschiebungen hinter Schloß und Riegel. Am Donnerstag nachmittags wurde nun diese Siedlung auf Befehl des Reichsinnenministers Dr. Frick von der Staatspolizeistelle Innsbruck mit 25 SS-Männern besetzt. Die Liegenschaften wurden dem Lande Oesterreich überantwortet und zur Verwaltung der Gauleitung übertragen. Auf Verfügung des Gauleiters Hofer wird die Siedlung zur Gauschulungsburg umgewandelt. Der Gau Tirol erhält damit eine Schulungsburg, wie in solch schöner Lage in Deutschlands Gauen keine zweite zu finden sein dürfte.

Vorarlberger Tagblatt, 11.6.38

Die Hakenkreuzfahne auf dem Vomper Berg.

Unweit von Schwaz im Unterinntal gegenüber den Zillertaler Bergen steht auf dem Vomper Berg an einem der schönsten Plätze von ganz Tirol eine Siedlung, die von einem gewissen Oskar B e r n h a r dt, dem Gründer der Sekte „Die Freunde der Gralsanhänger“ hier errichtet worden war. Wald und Wiesen, Aecker und Gärten, ein großes Verwaltungsgebäude, zahlreiche landwirtschaftliche Anwesen, eine eigene Schule und ein eigener Tempel, alles neuzeitlich eingerichtet, gehören zu dieser Siedlung, die vor etwa 10 Jahren gegründet wurde und nach dem Verbot der Sekten in Deutschland einen mächtigen Auftrieb erhielt. An die 80 Personen beiderlei Geschlechtes waren zuletzt auf dem Vomper Berg untergebracht, alle ganz und gar ergeben dem Oberapostel Bernhardt, der in den ersten Tagen des Umbruches in der Ostmark in Haft genommen werden mußte.
Am Donnerstag wurde die Siedlung von einer Abteilung der Schutzstaffel besetzt. Der Leiter der Staatspolizeistelle Innsbruck, Regierungsrat Dr. H a r s t e r, machte vor den Vertretern der Partei, unter ihnen auch der stellvertretende Gauleiter C h r i s t o p h, erläuternde Ausführungen über den Sinn und Zweck der Beschlagnahme. Er stellte dabei fest, daß die Tätigkeit der volksverdummenden Sekten im Dritten Reich nicht mehr geduldet werden könne. Das Sektenunwesen habe heute keinen Platz mehr, weshalb im Reich überall die Sekten verboten worden seien. Dr. Harster teilte mit, daß sich die Sekte vom Vomper Berg nunmehr aufgelöst hat und ihr Vermögen zugunsten der Ostmark beschlagnahmt wurde. Er gab bekannt, daß die Siedlung an die Gauleitung Tirol-Vorarlberg übergehe und zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Schulungsburg für den Gau umgebaut werde.
Die Hakenkreuzfahne, die jetzt auf dem Vomper Berg weht, kündet weithin dem Lande, daß die NSDAP aufräumt mit allen Einrichtungen, die als staatsfeindlich angesehen werden mußten. Die Bevölkerung, die noch niemals für die Gralsritter vom Vomper Berg Verständnis aufbrachte, hat den Entschluß der Räumung lebhaft begrüßt.

Tiroler Bauern-Zeitung, 7.7.38

Aus „Abdruschins“ Vergangenheit

Wie schon seinerzeit berichtet, wurde die Siedlung der Gralsritter am Vomperberg beschlagnahmt und wird dort eine Gauschulungsburg errichtet werden.
Die Gralsritter waren eine Sekte irregeführter Menschen, welche der Leiter dieser Sekte vorerst in seinen Bann brachte und sie dann zu seinem Vorteil ausnützte.
Es mag daher interessieren, sich diesen Leiter genauer anzusehen. Oskar Ernst Bernhard wurde am 18. April 1875 in Bischofswerda geboren, war vorerst Schriftsteller und wurde dann „Menschensohn“. Tatsächlich ist dieser „Gottessohn“ aber mehrmals wegen Eigentumsdelikte schwer vorbestraft. So wurde er wegen Betrug vom Landgericht Dresden 1901 zu fünf Monaten Gefängnis, 1902 vom gleichen Gerichte wegen Betruges zu acht Monaten Gefängnis und 1909 in Bern wegen Fälschung von Privaturkunden, Betrug und betrügerischen und leichtsinnigen Konkurses zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt.
Abdruschin war allerdings schlau genug und verglich seine gerichtliche Verfolgung und Bestrafung mit der Verfolgung Christi. Er haßte selbstverständlich alle irdische Gerechtigkeit und hüllte sich in einen haarsträubenden Mantel von Geheimtuerei. Indem er sich einerseits Gotteseigenschaft beilegte und andererseits seine Anhänger laufend mit Weltuntergang und allem möglichen Spuk in Schrecken versetzte, verstand er es, diese in absoluter Abhängigkeit zu seiner Person zu bringen.
Dieser Mann hat jahrelang sein Schwindelgeschäft unter den Augen einer christlichen Regierung getrieben. Als einmal die Landesregierung tatsächlich zugreifen wollte, stellte sich der Bürgermeister von Schwaz schützend vor ihn, weil er mit seiner Sekte für Schwaz ein gutes Geschäft war.
Nach der Machtergreifung machte der Nationalsozialismus allerdings mit diesem Burschen kurzen Prozeß. Die Geheime Staatspolizei nahm Herrn Abdruschin trotz seiner Göttlichkeit beim Kragen und steckte ihn ins Loch. Die Gemeinde wurde aufgelöst und die Anhänger veranlaßt, auseinanderzugehen, wobei bemerkt wird, daß die Regelung der Vermögensverhältnisse der einzelnen Mitglieder streng sachlich durchgeführt wurde, weil diese ja meist selbst nur Betrogene waren.
So hat der „Heilige Berg“ seinen Zauber verloren, dafür aber wird diese herrliche Mittelgebirgslandschaft wieder Vomperberg genannt, wo nunmehr Nützlicheres für die Volksgemeinschaft geschaffen werden wird.

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Ein langer Blick von außen, durchaus interessant. Heutzutage ist die Gralsbewegung wesentlich offener mit Informationen, so daß Schreiber nicht auf naheliegende, aber völlig irreführende Quellen wie Haltet-die-Gemeinde-rein-katholisch-Jesacher und – der Gipfel! – Herrn Koennecke angewiesen sind.

Neue illustrierte Wochenschau, 22.9.1968

Das „Fest der reinen Lilie“
Ein Tag auf dem „heiligen Berg“ in Tirol

In Vomperberg bei Schwaz in Tirol begingen vom 6. bis 8. September die Gralsanhänger das „Fest der reinen Lilie“, eine von jenen feierlichen Veranstaltungen im Jahr, die nach dem Willen des Begründers dieser religiösen Bewegung nunmehr schon seit vier Jahrzehnten im Tirolischen abgehalten werden. Was sich bei diesen Festen zuträgt auf dem Vomperberg, darüber wurde schon viel geschrieben und gerätselt, aber noch immer weiß die Öffentlichkeit nichts von den Details. Denn die Anhänger der Bewegung, von denen einen Gralsritter genannt, von den eigenen Leuten nach den schriftlich niedergelegten Prinzipien des Begründers als „Versiegelte“ bezeichnet, leben, scheint’s, nach einem strengen Reglement: Sie schweigen. Wie in allen Religionsgemeinschaften und Sekten gibt es auch auf dem Vomperberg Abtrünnige, Leute, die als Gottsuchende auf den „heiligen Berg“ bei Schwaz kamen und dort gefunden zu haben glaubten, was sie in ihrem tiefsten Inneren ersehnten. Und die sich enttäuscht wieder lossagten von der Gralsbotschaft, die der aus dem Schlesischen nach Österreich zugewanderte Oskar Ernst Bernhardt verkündet hat.
Warum aber, so muß man sich fragen, schweigen die „Versiegelten“? Warum scheut man auf dem Vomperberg die Öffentlichkeit? Wir wußten natürlich im voraus, daß es für den Außenstehenden keine befriedigende Antwort auf derlei Fragen geben konnte, selbst wenn man sich als Zaungast „unters Volk“ begab. Es sei dazu vorweg festgestellt: Die Behauptung etwa, nur der Wunsch, eine Sensation zu entdecken, habe uns den Vomperberg besuchen lassen, trifft nicht zu. Denn niemand in Mitteleuropa, das ist eine unumstößliche Wahrheit, an der nicht gerüttelt werden kann, darf sich vor den Augen der Behörden mit undurchschaubaren Geheimnissen umgeben. Das gilt für den einzelnen Menschen ebenso wie für Vereine, Verbände und Gemeinschaften jedweder Art.
Vom Inntal, von Schwaz und Vomp aus führt eine schmale Straße durch den Wald hinauf zur Gralssiedlung. Einige hundert Meter über der breiten Talniederung weiten sich, vom Inn aus nicht sichtbar, die zum „heiligen Berg“ gehörenden Felder und Fluren. Hierher kam vor vier Jahrzehnten Oskar Ernst Bernhardt. Er hatte, wie es hieß, während seines Aufenthaltes in Amerika und England Begegnungen mit verschiedenen Begründern von religiösen Sekten und okkult begabten Leuten gehabt. Er nannte sich „Diener des Lichts“ (Abd-ru-shin). Was er verkündete, so sagten später seine Gegner, sei eine bunte Zusammenfassung von Inhalten anderer Lebensanschauungen und Religionen. Er sprach vom Karma, vom wiederholten Erdenleben. Durch visionäre Schauungen habe er sein vorletztes Erdenleben betrachten können. Er sei ein Araberfürst gewesen, als ihm das Gralskreuz erschien, und er sei von der geistigen Führung aufgefordert worden, der Menschheit eine Botschaft zu vermitteln.
Im Jahre 1928, vor genau vierzig Jahren, erwarb Oskar Ernst Bernhardt auf dem Vomperberg ein Jagdhaus. Später kamen noch andere Gebäude und einiges Land hinzu, das wirtschaftliche Fundament für den „geistigen Mittelpunkt der internationalen Gralsbewegung“.
Es war kein Geringes, was der aus Schlesien Zugewanderte verkündete, und es darf darum nicht wundernehmen, wenn die Zahl derer, die sich zur „Gralsbotschaft“ bekannten, erstaunlich schnell zunahm. Für viele Menschen, die auf viele Fragen des Daseins und nach den Hintergründen der Schöpfung keine befriedigende Antwort wußten, bedeutete der Inhalt des ersten Buches von Oskar Ernst Bernhardt geradezu eine Offenbarung. Der vielversprechende Titel lautete „Im Licht der Wahrheit – die Botschaft vom Heiligen Gral“. Die Anhänger kamen aus Österreich, namentlich aus Deutschland, aber auch aus Übersse. Im Mittelpunkt der Bewegung aber standen von Anfang an auch Bernhardts Gattin Marie, genannt die „fleischgewordene Liebe Gottes“, die Stieftochter Irmingard, genannt die „reine Lilie“, und der Sohn Alexander, der „Schwertträger“ in der „Botschaft“.
In diesen Tagen, anläßlich des „Festes der reinen Lilie“, weilten rund tausend Besucher auf dem Vomperberg. Die zu erwartende Besucherzahl war in einer Vorausmeldung an die Gendarmerie mit 1053 angegeben worden. „Sie sind da sehr genau“, stellte man im Gendarmerie-Bezirkskommando in Schwaz fest. „Man kann sich da verlassen. Da wird jede einzelne Person gemeldet.“ Die Teilnehmer kamen aus Deutschland und West-Berlin, aus Österreich selbstverständlich, aber auch aus Südamerika, aus Afrika und aus einigen Ostblockländern.
Oskar Ernst Bernhardt hat die drei großen Feste für die Gralssiedlung festgelegt: für Ende Mai das „Fest der heiligen Taube“, für Anfang September das „Fest der reinen Lilie“ und für Ende Dezember das „Fest der Rose“. Tausend und mehr Menschen strömen in diesen Tagen auf der Gralshöhe zusammen, um in der Andachtshalle, die 1500 Personen faßt, den jeweiligen Höhepunkt der feierlichen Begebnisse gemeinsam zu begehen. Was hier wirklich geschieht, ist der Außenwelt nicht bekannt, denn der Zugang in den Andachtsraum ist nur dem auserwählten Kreis der „Versiegelten“ gestattet. Warum eigentlich nur diesen Leuten?
Ich war Zaungast auf dem Vomperberg während des „Festes der reinen Lilie“, bin durch die Siedlung gewandert, habe manchem Gespräch zugehört. Die Frauen trugen – auch im Tal, wo sie zum Teil ihr Quartier hatten, da ja nicht alle „auf dem Berg“ untergebracht werden konnten – an langer Kette das Gralskreuz auf der Brust. Die Männer hatten das Gralszeichen im Knopfloch des Sakkos hängen. Dazu die Gendarmerie: „Ihr Verhalten ist vorbildlich. Es gibt einfach keine Klage, und die Haltung der Bevölkerung diesen Leuten gegenüber ist gut.“
Alles ist sauber und gepflegt auf der „Gralshöhe“ hoch über dem Inntal. Die Wege sind staubfrei gemacht, die Äcker waren bestellt, die Ernte ist bis auf den Hafer eingebracht, da und dort liegt das zweite Heu zum Trocknen. Die vielen Menschen, die zum Teil von weit her zum „geistigen Mittelpunkt“ ihrer Bewegung gekommen waren, sind einander offensichtlich nicht fremd. Auf und ab und aus und ein auf den Wegen wandern die Leute. Man hört Französisch vor allem, dann Englisch, aber auch Tschechisch und Deutsch mit norddeutschem Akzent. Sie besuchen die Grabstätte Abd-ru-shins. Der Verkünder der „Botschaft“ war 1938 von den Nazis verhaftet und in seine schlesische Heimat geschickt worden. Dort starb er während des Krieges. Frau Marie, die Witwe, brachte den Leichnam später nach Tirol. Nun ruht sie selbst neben dem Gatten unter der Pyramide, wo zu Beginn dieses Jahres auch der Sohn Alexander, der „Schwertträger“ der Gralsbewegung, seine letzte Ruhestätte fand.
Nun ist die Tochter Irmingard, die den Beinamen „reine Lilie“ erhielt, das Oberhaupt der Gralsleute vom Vomperberg. Sie steht im sechzigsten Lebensjahr und war jetzt sicherlich Mittelpunkt der Feierlichkeiten, die mit einer Zusammenkunft aller Teilnehmer in der geräumigen Andachtshalle den Abschluß fanden.
Dem Zaungast bot sich in diesen Stunden ein eigenartiges, ungewohntes Bild. Sie waren alle in der ohne Zweifel vorgeschriebenen Festtagskleidung erschienen. Sie kamen aus dem Tal in ihren Autos angefahren, sie waren aus den umliegenden Häusern und Villen herbeigeströmt, mehr als tausend Menschen, die Frauen ohne Ausnahme in knöchellangen weißen Kleidern und weißen Schuhen, die Männer mindestens in schwarzem Anzug, viele im Smoking, gar nicht wenige im Frack und mit Zylinder. Alle mit weißen Handschuhen.
Eine seltsame Stille liegt zu dieser Vormittagsstunde über der Siedlung. Wegauf und wegab finde ich im ganzen Dorf nur einen einzigen Menschen, einen jungen Mann, der als Feuerwehrmann Dienst macht. Auf seinem Helm ist das Kreuzzeichen des Grals angebracht. Er zeigt sich nicht sehr gesprächig, aber auch nicht abweisend. Er stamme aus Schottland, erzählt er. Als er von der „Botschaft“ erfuhr, sei es sein Wunsch gewesen, einmal nach Tirol zu kommen, wo Abd-ru-shin wirkte. Nun sei er bereits zwei Jahre hier, ein Jahr wolle er noch bleiben. Was er mache, wovon er lebe? Er arbeite im Rahmen der Gralsverwaltung, seit einigen Monaten im Stall der Reitschule, bei den Pferden. Man denkt, wie man sieht, im Dorf der Tiroler „Graleler“ auch an sehr äußerliche zeitgemäße Dinge.
Ich darf ihn sogar photographieren, den jungen Feuerwehrmann aus Schottland, der sich selbst als „Kreuzträger“ bezeichnet; aber indem ich mich verabschiede und weitergehe in Richtung Andachtshalle, werde ich höflich darauf aufmerksam gemacht: Wenn ich dort vorüberkomme – er weist hin zur Halle – , möge ich mich absolut still verhalten. Ich werde mich gern an seine Weisung halten, verspreche ich.
Als die Glocken im hölzernen Turm vor der Halle das Ende des Festes verkünden, ist der ganze Berg mit einem Male wie zu neuem Leben erwacht. Tausend und mehr Menschen, ältere Leute und sehr junge Paare stehen auf kleinen Plätzen beisammen, schreiten stumm die Wege entlang, streben den Quartieren oder ihren Autos zu, die auf einem Wiesenplatz abgestellt worden waren – ein bewegtes Bild in Schwarzweiß. Und man hat den Eindruck: Es ist ohne Zweifel ein bedeutungsvoller Augenblick, den die Menschen da erleben.
Die Sache hat freilich auch eine „andere Seite“. Von Anfang an gab es rund um den Vomperberg auch sehr negative Stimmen. Von diesen erfuhr auch der Pfarrer von Vomp, Friedrich Jesacher. Abtrünnige erzählten, daß alles oben auf dem „heiligen Berg“ grundbücherlich auf den Namen der Frau Marie Bernhardt eingetragen wurde, obwohl doch auch das äußerliche Besitztum der Gralsbewegung gewidmet sei. Ein paar Menschen behaupteten sogar, sie seien über den Umweg der Hypnose gezwungen worden, diesen oder jenen Wert der Bewegung zu vermachen.
Der Priester Friedrich Jesacher schrieb in einem Brief an eine Frau nieder, was er sich dachte. „Es ist kein Wunder“, so hieß es da, „denn Sie sind einer raffinierten, unter dem Mantel der Religionsfreiheit getarnten Schwindlerin, ja Verbrecherbande zum Opfer gefallen.“ Als Marie Bernhardt von dem Inhalt dieses Briefes erfuhr, brachte sie gegen den Pfarrer beim Bezirksgericht Schwaz die Ehrenbeleidigungsklage ein. Nach vier Verhandlungen wurde Friedrich Jesacher freigesprochen.
Pfarrer Friedrich Jesacher wirkt heute in Wenns bei Imst. „Das Gralsunternehmen hat mit Religion nichts zu tun“, sagt er, „weshalb man mir nicht den Vorwurf der Unduldsamkeit in religiösen Dingen machen kann. Aber lesen Sie nach im Urteil des Schwazer Prozesses. Es ist dazu eigentlich nichts weiter zu sagen.“
Offen für den Nichteingeweihten bleibt die Frage: Was bewegt die Menschen, die getreulich Jahr um Jahr ins Dorf der „Graleler“ kommen, die an die „Botschaft“ glauben?
Vielleicht wußte ein gewisser Friedrich Koennecke darauf die Antwort. Er war bei der Gründung der Gralssiedlung mit als erster dabei und wohnte sechs Jahre lang „auf dem Berge“. Seine Aussagen erweckten vor dem Schwazer Gericht „den Eindruck größter Sachlichkeit und unbedingter Glaubwürdigkeit“. Er nahm in seinen Darstellungen die Anhänger in Schutz. Auf dem Vomperberg, so schrieb er auch wörtlich nieder, „war und ist eine autosuggestive Kraft am Werke. Sie wird immer neu gestärkt durch die gleichmäßige Veranlagung der Gott suchenden Menschen, die sich gegenseitig in ihrem Banne und ihrer Opferbereitschaft steigern, um dem angeblich hohen Zwecke zu dienen.“

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Vor vielen Jahren, als das Internet noch ein überschaubarer Ort war, gerade, was Suchtreffer zur Gralsbewegung betraf, entdeckte ich eine Seite, die man heute wohl als Schreibwerkstatt bezeichnen würde. Die Geschichten der Mitglieder waren nicht öffentlich, nur eine Zusammenfassung gab es. Und darunter fand sich eine Jugenderzählung des Inhalts, ein junges Mädchen stünde kurz vor der „Aufnahme in die Gralsbewegung“, sei sich über ihren zukünftigen Weg aber nicht sicher und verliebe sich. Eine klassische Sektengeschichte, denke ich. Nun hatte die Autorin, deren Namen ich längst vergessen habe, sicher nicht von ungefähr diesen Rahmen gewählt; vermutlich war sie die Tochter von Kreuzträgern. Ich kenne die „Problematik“, um mal diesen Ausdruck zu wählen, was sicherlich ein gutes Thema für eine eigene Folge in dieser Serie wäre…

Im fiktionalen/erzählenden Bereich sieht es mit Umsetzungen der Gralsbotschaft mau aus. Es gibt die Wegbereiter, nun gut. Die erzählenden Werke von Susanne Schwarzkopf. Frau Wolfrum hat das von mir sehr geliebte Büchlein Mehr Dinge zwischen Himmel und Erde… (Neuauflage unter dem Titel Die unsichtbare Brücke) geschrieben. Einige extrem seltene Exemplare des Buches von Maria Halseband, Ich klopfe an!, haben überlebt. Und das ist im großen und ganzen auch schon alles. Klassiker für Kreuzträger sind Die drei Lichter der kleinen Veronika, Von Stufe zu Stufe oder Ein Wanderer im Lande der Geister. Von einem Markt wie beispielsweise für christliche Romane kann keine Rede sein. Als Leserin von christlichen Romanen stelle ich mir manchmal vor, einen Roman mit der Thematik Gralsbotschaft zu schreiben. Als Kind wollte ich Schriftstellerin werden. Aber inzwischen habe ich gelernt, daß erzählende Literatur mir nicht liegt. Ich kann Sachbücher schreiben (und habe es getan), aber ich kann keinen Plot aufbauen. Das muß also anderen überlassen bleiben.
Wie sähe ein solcher Roman aus? Wer wären seine Protagonisten, und mit welchen Konflikten hätten sie zu kämpfen?

Was sonstige Fiktionen angeht: Über Erdenbann von Oskar Ernst Bernhardt habe ich hier schon mehrfach geschrieben; das wohl einzige seiner fiktionalen Werke, das bereits viele geistige Inhalte besitzt. Gerade das Vorspiel ist gewaltig.
Dann gab es das bei Kreuzträgern damals nicht sehr beliebte Filmessay Der Gral – ein Weg von Marion Jerrendorf und Olga Kuksinskaja, das ich wegen seiner zweiten Hälfte mit Aufnahmen vom Berg für mich wiederentdeckt habe. Und wer Interesse hat, sei auf meine Artikelserie Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht verwiesen. Herr Huemer betreibt zwei Videokanäle mit interessanten Beiträgen, und natürlich gab es die Grals-TV-Produktionen, das sind aber alles Sachvideos.

Nachtrag:
Herr H. wies mich auf einen weiteren Roman hin, Ludwig II. – Aufstieg ins Licht von Johanna Arnold. Darin wird die Gralsbotschaft explizit erwähnt, und es wird auch weitflächig aus ihr zitiert. Dennoch kann ich das Buch nur der Neugierde halber empfehlen. Es weist leider sämtliche klassischen Schwächen einer Selbstpublikation auf: Miserabler Stil, hölzerne Dialoge (zudem sämtlich in Kursiv!), Rechtschreibfehler ohne Zahl, und die Zeichensetzung ist auch schauerlich. Eine Aussage und letztlich auch eine Handlung sucht man vergebens; mir erschien es eher, als habe die Autorin versucht, all ihr angelesenes „Wissen“ über Ludwig II., Alchemie und verschiedene Glaubensrichtungen vorzuführen und es dafür in eine dünne Romanhandlung zu packen.

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So sollte der Titel eines geplanten Blogs lauten, und gänzlich vom Tisch ist der Gedanke noch nicht. Doch ich will erst einmal sehen, was an Themen zusammenkommt, und außerdem habe ich hier (und im Autorenblog) ja bereits so einige Beiträge geschrieben, die damit zusammenhängen. Also: Neue Kategorie, die für den interessierten Leser schnell zu finden ist; alle nicht interessierten Leser können gleich wegklicken, wenn sie die Überschrift sehen.

Karfreitag fand nachmittags in der Herrenhäuser Kirche eine Andacht statt, mit Auszügen aus der Markus-Passion und aus dem Markus-Evangelium. Ich ging hauptsächlich wegen der Musik hin, aber auch, weil ich den Tag „begehen“ wollte und mir wegen des ganzen Stresses in der letzten Zeit nicht in den Sinn kam, mich bei Herrn Bernstein zu erkundigen, ob im Hannoveraner Gralskreis eine Andacht stattfände.

Ich schrieb ja schon mehrfach an anderer Stelle, daß ich mit der christlichen (und anderen) Religionsausübung keinerlei Erfahrungen habe – naja, inzwischen dank Israel-Reise ein bißchen mehr. Aber sie ist mir immer noch sehr fremd und wird es vermutlich auch immer bleiben. Diese Andacht fing gleich mit dem vollen Negativprogramm an: Gemeinsames Singen (ich kannte das Stück nicht, hätte mich vielleicht hineinfinden können, aber mein Sitznachbar sang so fürchterlich falsch – und laut – , daß ich eher Mühe hatte, mir ein Lachen zu verkneifen) und Wechselherunterleiern. Danach aber wurde es weitaus angenehmer, denn bis zum Vaterunser (mehr Leiern) beschränkte sich der Ablauf auf abwechselnd Passionsmusik und Lesung aus dem Markus-Evangelium. Es ist schön, daß auf die sonst so üblichen (Um-)Deutungsversuche und Bezügesucherei verzichtet wurde. Der Text spricht für sich, sehr viel eindringlicher und aussagekräftiger als jede Predigt.

Doch ich muß noch einmal zurückgehen zum Anfang. Es war mir ganz persönlich an diesem Tag ein Anliegen, mich dem Anlaß entsprechend festlich zu kleiden. Ich kenne es auch nicht anders aus den Andachten im Sinne der Gralsbotschaft, aber das spielte hier nur eine zweite Rolle. Dennoch berührte es merkwürdig, die meisten anderen Besucher in normaler Alltagskleidung zu sehen. Ja, ich kenne sämtliche Anmerkungen dazu von christlicher Seite. Dennoch fühlt es sich falsch an, respektlos vielleicht, gleichgültig in jedem Fall. Man kommt vom Sofa und geht nach der Veranstaltung auch wieder dort hin. Das Anlegen einer besonderen Kleidung für besondere Anlässe ist ja etwas, das einem selbst hilft, sich auf dieses Besondere einzustellen. Wir sprechen von geistigen Dingen, geistiger Aufnahmefähigkeit, nicht von „Gott liebt uns auch in Jeans“.

Oh, und ist es heutzutage auch nicht mehr in, pünktlich zu kommen? Was da lange nach Beginn noch hereinströmte, war erstaunlich.

Warum gehen all diese Menschen in die Kirche? Und sie war voll, keine Frage. Was führt sie also dorthin? Was geht ihnen während der Andacht im Kopf herum? Was nehmen sie am Ende mit? Es ist doch wohl eher Tradition, etwas, „das man eben so macht“, als echte Gläubigkeit. Gerade die christliche Kirche, scheint mir, ist sehr eng verwoben mit… wie soll ich es nennen? Einem Gemeinschaftsgefühl im Sinne eines sozialen Zusammenkommens. Man trifft Bekannte. Man „besucht“ gemeinsam einen Gottesdienst, wie Abd-ru-shin das bereits betonte.
Nicht, daß Kreuzträger dagegen gefeit sind, wie ich leider sagen muß. Nach meiner Erfahrung sind viele von ihnen auch mehr an irdischen Dingen interessiert, und ich frage mich oft, warum sie Kreuzträger geworden sind, wenn sie so sichtlich nichts von einer Andacht mitnehmen und schon beim Herausgehen wieder schnabbeln müssen, natürlich über rein irdische Dinge. Sollten Bekenner der Gralsbotschaft es nicht viel besser wissen?

Andererseits – und darüber sprach ich schon mehrfach mit meiner Mutter – habe ich große Hochachtung vor Kreuzträgern, die an ihrer Überzeugung festhalten, obwohl sie vielleicht ein Leben lang kein… nennen wir es: sichtbares Zeichen erhalten oder zumindest es nie wahrnehmen. Meine Mutter und ich „sehen“. Wir haben vieles erfahren dürfen. Und obwohl wir natürlich auch im Alltag versumpfen und kräftig Fehler begehen, ist das Zweifeln erheblich schwerer, wenn man einmal im Frieden des Lichtes gestanden hat.
Genauso ist die Nichtigkeit und Kleinheit der meisten Menschen danach schwer zu verstehen.

In jedem Fall: Wie kann es sein, daß all die Menschen in der Herrenhäuser Kirche nicht erschüttert waren? Vielleicht waren es einige, das will ich nicht ausschließen. Die anderen kommentierten über die Geigenkästen für die Kollekte, wie schön das Konzert war…
Gerechterweise muß vielleicht bedacht werden, daß der Karfreitag nach der christlichen Kirchenlehre ja eigentlich ein Freudentag ist. Aber auch davon merkte man nicht unbedingt etwas.

Ich wünschte mir streckenweise, doch lieber zur Andacht in eine Lichtstätte gegangen zu sein. Andererseits: Keine Markus-Passion. Perfekt bekommt man’s nie. Aber zumindest hatte ich eine Menge Anregung zum Nachdenken.

Nun möchte ich’s aber nicht so dargestellt lassen, als wäre ich nur am Kritisieren. Heute erst in „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ gelesen:

Sogar die sogenannten Wahrheitssucher sind jetzt selten auf dem rechten Wege. Neun Zehntel davon werden nur zu Pharisäern, die kritisierend hochmütig auf ihre Nebenmenschen schauen, dabei noch eifrig sich befehdend.

Ich habe die Tendenz, gebe ich ja zu. Also: Ich sehe auch viel Gutes im Christentum, und auch darüber schreibe ich natürlich gern.

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Dieser Beitrag ist schon seit einiger Zeit in Überlegung, aber ich fürchte, ich habe es immer noch nicht geschafft, ihn irgendwie zu strukturieren. Es ist zu viel, was ich in ihm ausdrücken möchte, und bekanntlich führt das zu keiner klaren Aussage. (In RuPaul’s Drag Race 8 kostete das einen Kanditaten seinen Platz, also…) Aber ich fange einfach mal an.

Punkt 1. Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, ein Blog zu schaffen, in dem Themen speziell für Kreuzträger angesprochen werden. Das Internet hat, wie in allem, zwar neue Räume zum Austausch ermöglicht, aber diejenigen, die sich darin herumtreiben, sind häufig einfach gruselig. Ich denke da vor allem an Herrn Roses Seite (Disclaimer: Ich kenne diese Personen nicht, und sie sind in keiner Weise repräsentativ für die Gralsbewegung. Oder mitunter doch – „die Gralsspinner“, wie eine Kreuzträgerin der ersten Stunde das so schön formulierte –, was viel gruseliger ist), aber auch so manche Facebooker. Bei mir gäbe es keine Verschwörungstheorien, keine neuen erwählten Völker, keine Wiederkünfte des Herrn und keine Abholungen durch Aliens. Was man bei mir fände, wären geistige Themen und Fragen über das Leben der Lehre der Gralsbotschaft in der heutigen Zeit.
Ob ich’s am Ende umsetze, ist noch unklar. Ich poste hier zu diesen Themen, und ich habe im Autorenblog meine Artikelserie „Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht“. Vielleicht genügt das. Aber ich gebe gern zu, daß meine Inspiration aus der christlichen Gemeinschaft kommt, die in meinen Augen in dem Bereich mehr auf die Beine stellt. Nun mag es in größeren und zentraleren Gralskreisen besser organisiert sein als in meinem Ex-Kreis Südniedersachsen, der eine lange Anreise erfordert. Bremen zum Beispiel ist ja sehr aktiv in Sachen Vorträge und Gesprächskreise, wobei diese immer an „extern“ gerichtet sind. Mir schwebt etwas Internes vor, das in der Bewegung sehr vernachlässigt zu werden scheint.

Punkt 2. Die Tage beim Einloggen gesichtet: GMXs Artikel über das Wieder-in-Mode-Kommen des christlichen Glaubens. Mir schwebte sofort ein Thema fürs Blog vor, bis ich den Artikel las und feststellte, daß ich mehr über GMX zu sagen hätte als über alles andere.
Ich meine: Klar ist GMX die Bildzeitung unter den E-Mail-Providern, und was erwarte ich schon von einem solchen Artikel? Dennoch fragte ich mich, was die Autorin hier eigentlich sagen wollte. Wahrscheinlich nichts. Sie wollte Geld verdienen. GMX steht ja nun nicht gerade für irgendwelche Werte, sondern dreht sein Fähnlein nach dem Wind, oder zumindest nach dem, was es für diesen Wind hält. Also: Bloß keine Position beziehen. Die christliche Botschaft ist gut? Oder nicht? Alles sind Heuchler und Betrüger? Oder nicht? Calvinismus kann auch nicht schaden, also rein damit. Schade. Hätte ein interessanter Diskussionsanstoß werden können.

In welcher Menschenklasse, wie sie auch sei, gibt es keine Schwindler? Verurteilt man wegen einiger Schwindler auch bei anderen Dingen gleich das Können der ehrlich Arbeitenden?
Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Spiritismus“

Punkt 3. Etwas, das ich in einem gesonderten Beitrag behandele. (War erst unsicher, aber Mutterns „Mach doch“ überzeugte mich dann.) Letzte Woche fand im hiesigen Kirchsaal eine Buchvorstellung statt, Die Botschaft der Evangelisten von dem ehemaligen Herrenhäuser Pastor Jan Olaf Rüttgardt. Ich schrieb ja schon mehrfach, daß ich dem Christentum nicht ablehnend gegenüberstehe, aber es sehr fremd und in vielen Dingen auch wenig geistig finde. Herr Rüttgardt sagte nun etwas, das vielleicht am deutlichsten den Unterschied zwischen Christentum und der Lehre der Gralsbotschaft ausdrückt: „Was wir [in der Bibel] nicht verstehen, ist gar nicht so wichtig für das Verständnis unseres Glaubens.“ (Sinngemäßes, kein wörtliches Zitat.) Ich mußte lange darüber nachdenken und kam beim Schreiben des Beitrags auf ganz ungeahnte Überlegungen.

An Stelle dieses klaren Weges, den er nicht mehr überschauen konnte, mußte in seinen religiösen Anschauungen ein Ersatz gefunden werden, wenn er sich nicht selbst als Urheber des ganzen Seins und Lebens und somit als Gott bezeichnen wollte. Diesen Ersatz gab ihm bisher der Ausdruck „Glaube“! Und an dem Wort „Glaube“ krankt seither die ganze Menschheit! Ja, noch mehr, das unerkannte Wort, welches alles Verlorene ergänzen sollte, wurde ihr zur Klippe, die das vollständige Scheitern brachte!
Mit Glaube findet sich nur jeder Träge ab. Der Glaube ist es auch, an dem die Spötter sich verankern können. Und das Wort „Glaube“, falsch gedeutet, ist der Schlagbaum, der sich heute hemmend vor den Weg zum Weiterschreiten für die Menschheit legt.
Glaube soll nicht der Mantel sein, der alles Denkens Trägheit großmütig verdeckt, der sich wie eine Schlafkrankheit behaglich lähmend auf den Geist der Menschen senkt! Glaube soll in Wirklichkeit zur Überzeugung werden. Überzeugung aber fordert Leben, schärfstes Prüfen!
Wo auch nur eine Lücke bleibt, ein ungelöstes Rätsel, dort wird die Überzeugung zur Unmöglichkeit. Kein Mensch kann deshalb wahren Glauben haben, solange in ihm eine Frage offen bleibt.
Schon das Wort „blinder Glaube“ gibt das Ungesunde zu erkennen!
Lebendig muß der Glaube sein, wie Christus einst schon forderte, sonst hat er keinen Zweck. Lebendigkeit aber bedeutet das Sichregen, Abwägen und auch Prüfen! Nicht stumpfes Hinnehmen fremder Gedanken. Blindglauben heißt doch deutlich nicht verstehen. Was der Mensch aber nicht versteht, kann ihm auch geistig keinen Nutzen bringen, denn im Nichtverstehen kann es nicht in ihm zum Leben kommen.
„Irrungen“

Es ist ja gar so leicht für Euch, Unglaubliches zu glauben; denn dabei braucht Ihr Euch nicht mühen, selbst zu denken und zu prüfen. Gerade weil es keiner Prüfung nach den göttlichen Naturgesetzen standzuhalten fähig ist, müßt Ihr nur einfach glauben, ohne nach dem Wie oder Warum zu fragen, müßt blindlings glauben, und das dünkt Euch groß! Ihr, die Ihr Euch in dieser so bequemen Art besonders gläubig wähnt, erhebt Euch darin einfach über allen Zweifel und… fühlt Euch wohl, geborgen, edel, fromm und seligwerdenmüssend!
Ihr aber habt Euch damit nicht erhoben über allen Zweifel, sondern seid nur feig daran vorbeigegangen! Ihr wart zu geistesträg, um selbst etwas dabei zu tun, und zogt den blinden Glauben einem Wissen vom natürlichen Geschehen im Gesetz des Gotteswillens vor. Und dazu halfen Euch Erdichtungen aus Menschenhirn. Denn je unmöglicher es ist, unfaßbarer, an das Ihr glauben sollt, desto bequemer wird es auch, in Buchstäblichkeit blind daran zu glauben, weil es in solchen Dingen gar nicht anders geht. Da muß das Wissen und die Überzeugung ausgeschaltet werden.
Unmögliches allein verlangt den blinden, rückhaltlosen Glauben; denn jede Möglichkeit regt sofort eignes Denken an. Wo Wahrheit ist, die stets Natürlichkeit und Folgerichtigkeit zeigt, dort setzt das Denken und das Nachempfinden auch selbsttätig ein. Es hört nur dort auf, wo es nichts Natürliches mehr findet, wo also Wahrheit nicht vorhanden ist. Und nur durch Nachempfinden kann etwas zur Überzeugung werden, die allein dem Menschengeiste Werte bringt! […]
Ihr ehrt Gott nicht damit, wenn Ihr an Dinge blindlings glaubt, die sich mit Schöpfungsurgesetzen nicht vereinen lassen! Im Gegenteil, wenn Ihr an die Vollkommenheit des Schöpfers glaubt, so müßt Ihr wissen, daß nichts in der Schöpfung hier geschehen kann, was nicht genau der Folgerung in den festliegenden Gesetzen Gottes auch entspricht. Darin allein könnt Ihr ihn wirklich ehren.
„Der Stern von Bethlehem“

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Im Zuge meiner Begeisterung für das Gartengrab in Jerusalem kaufte ich mir The Weekend that Changed the World von Peter Walker, der versucht, für das Gartengrab als authentische Stelle der biblischen Ereignisse zu argumentieren oder es doch zumindest als legitime Alternative zur Grabeskirche zu etablieren. Das als solches ist völlig in Ordnung. Daß er als Christ für die körperliche Auferstehung Jesu argumentiert, ebenso. Leider jedoch läßt seine Logik bei letzterem arg zu wünschen übrig. Ich schätze gute Argumentation sehr. Ich muß einer Argumentation nicht zustimmen, aber wenn sie Hand und Fuß hat, weiß ich sie zu schätzen. Peter Walkers hingegen läßt sich im besten Falle als bemüht bezeichnen.

Nun muß ich in dem Zusammenhang leider auf ein Thema zurückkommen, das ich schon anderswo aufgegriffen hatte. Und das ist etwas, das ich immer wieder beobachte, eben auch auf der Israel-Reise im Zusammensein mit meinen christlichen Mitreisenden. Ich ging mein Leben lang davon aus, daß Christen (wie alle sogenannten Gläubigen) eine spirituelle Basis ihres Glaubens besitzen, soll heißen, ihr Glaube basiert im Spirituellen und wird auf das „materielle“ Leben übertragen oder in diesem umgesetzt. Ich meine, was sonst ist Glauben denn als das Glauben an höhere Dinge als nur das Irdische?
Es war ein mittelschwerer Schock und – man verzeihe mir das Wortspiel – wirklicher Unglauben, mit dem ich nach und nach erfuhr, daß dem nicht so ist. Es begann mit einer langjährigen Freundin, einer Katholikin, die keinerlei wirkliches Konzept von der Seele hatte. Also etwas, von dem ich angenommen hatte, daß das eines der wesentlichen Punkte im Glauben sei. Ernsthaft, die Leute „glauben“ an Himmel und Hölle, sie „glauben“, daß sie nach ihrem Tod von Jesus willkommen geheißen werden, aber sie betrachten die Seele als etwas Externes? Etwas, das, wie meine Freundin bei unserer Diskussion über Reinkarnation sagte, an Fremde weitergegeben werden kann? „Wie, und dann läuft jemand anderes mit meiner Seele herum?“ – „Ähm, nein? Du läufst dann mit einem anderen Körper herum.“ Wie, bitteschön, stellen sie sich denn dann ihr Weiterleben nach dem Tode vor? Was soll da weiterleben?

Nun ging ich davon aus (entweder bin ich gnadenlos naiv oder wohlwollend), daß das ein Einzelfall sei. Meine Freundin habe sich eben noch nie Gedanken darüber gemacht. Aber je mehr ich spezifisch vom Christentum oder, besser gesagt, von praktizierenden Christen erfuhr, desto erschütterter wurde ich. Und ich möchte hier wahrhaftig nicht arrogant rüberkommen, ebensowenig wie ich verallgemeinern möchte – ich weiß, daß es immer Härtefälle in jeder Gruppierung gibt. Es existieren ja beispielsweise auch Kreuzträger, bei denen ich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte. Dennoch ist meine Beobachtung praktizierender Christen bisher sehr ernüchternd. Allein was ich regelmäßig an Verstößen gegen das zweite Gebot, das eigentlich sehr einfach einzuhalten ist und eines der wichtigsten Gebote für jeden Gottgläubigen sein sollte, höre, ist furchtbar. „Ihr nennt euch Christen?“ denke ich jedesmal. Es geht aber tiefer. Mein Eindruck der meisten (durchaus nicht aller) Gläubigen, und das beschränkt sich nicht nur spezifisch auf Christen, ist, daß ihr sogenannter Glaube eine rein irdische Angelegenheit ist. Das Irdische ist ihr Maßstab, sie lesen ihre heiligen Schriften in rein irdischer Auslegung, ihr Gottesbild ist das eines irdischen Gottes, eines Übermenschen oder Supermans oder, wie es in einer Doku über C. S. Lewis so zutreffend hieß, eines kosmischen Zauberers. Er hat Superkräfte, aber ansonsten ist er durchaus ein Mensch, der irgendwo in einem himmlischen Schloß sitzt. Diese Menschen machen sich ihren Gott so klein, so niedrig, und sie kriechen selbst nur am Boden herum.

Peter Walkers Argumentation für die körperliche Auferstehung Jesu ist wieder mal ein sprechendes Beispiel dafür. Ganz zu schweigen davon, daß sie unlogisch ist. Schauen wir doch mal ein paar seiner Antworten auf Alternativtheorien an.

More often, however, the disciples are not charged with outright deceit. Their preaching of Jesus‘ Resurrection (while his body was really decaying in the grave) is given a more charitable explanation. It all depends on what you mean (so we are told) by this talk of „resurrection.“ Perhaps we have misunderstood them to be referring to a physical resurrection of Jesus‘ body, when in fact they were never claiming any such thing!
What they were really trying to say was that Jesus‘ mission went on unhindered even though he was dead. His spirit lived on, and somehow through that spirit those who followed Jesus gained a sense that he was alive. […] If there were some resurrection appearances of Jesus, they were either a form of hallucination, or perhaps something of a mystical nature beyond comprehension, but either way Jesus‘ body was still in the grave.

Ich kenne diese spezielle Interpretation nicht, will sie Walker aber gern abnehmen. Und ich stimme mit seiner Gegenargumentation in Sachen Halluzinationen durchaus überein. Ohne jetzt auf das Thema „Haben die Jünger den Leichnam anderswohin gebracht?“ einzugehen, das den Rahmen sprengen würde, übersieht Walker jedoch das naheliegende Thema „Seele“ – womit wir wieder bei der guten R. wären! Was steht nach dem Tode auf? Meine Israel-Mitreisende Frau M., Ex-Pfarrerin, könnte sich sicher für den symbolischen Gehalt des obigen Argumentes begeistern; das war immer ihr Steckenpferd. Aber wer sagt, daß es nur Variante A (körperliche Auferstehung) oder B (symbolischer Gehalt – „Er wird in unserem Gedächtnis weiterleben“ und all das) gibt? Was steht nach dem Tode auf? Gehört Peter Walker auch zu den Christen, die nur das Materielle für wahr halten? Es klingt definitiv so.

In this connection it is sometimes argued that St Paul appears not to make much of the „empty tomb“ in 1 Corinthians 15 (his famous chapter on the Resurrection). Perhaps Paul would have been shocked to learn of these stories about mysterious disappearances in Jerusalem! Perhaps Paul provides us with evidence that the first Christians were quite content to accept that Jesus‘ body was still in the tomb. If so, then what Paul was talking about was again just a spiritual resurrection both for Jesus and for believers – hence his use of the term „spiritual body“ (v. 44). If this were true, needless to say, this would be enormously important. It would confirm that the claims for a physical Resurrection were a later development – out of keeping with the claims and beliefs of the first apostles.
Yet a close reading of this chapter reveals that Paul’s whole argument depends for its validity on Jesus‘ being raised from the tomb in a manner which includes his physical body: „If Christ has not been raised,“ he argues, „then your faith is futile!“ (v. 17). Paul’s conviction „that Jesus was buried, that he was raised on the third day“ (v. 4) implicitly presumes that the place of burial was thereafter physically empty. Given Paul’s background in Pharisaism (for Pharisees „resurrection“ necessarily involved the physical body), it is clear that Paul is not talking about a vague, unprovable piece of wishful thinking – that somehow after his death Jesus experienced an invisible spiritual resurrection. […]
So there is no way, I suggest, that the disciples could have honestly believed in the Resurrection while also accepting that Jesus‘ body was in the tomb. To hold these two beliefs simultaneously would be nonsense.

Nun ja, da muß ich herzlich widersprechen. Was ist daran Unsinn? Der Körper liegt tot im Grab, die Seele lebt – durchaus ein christliches Konzept, oder irre ich mich da? Und was hat das mit „wishful thinking“ zu tun? Oder mit „invisible“? Das Geistige ist zwar oftmals für irdische Augen unsichtbar, aber eben nicht immer. Und wie kommt es, daß sich Walker über diese Theorie lustig macht, während er doch sicherlich bei lieben Verstorbenen keine Seele hat austreten sehen und trotzdem glaubt, daß sie in den Himmel aufgefahren ist? Dieses zweierlei Maß ist ein wenig bestürzend.
Auch der gute Paulus ist natürlich ein Thema für sich. Ich möchte nur in Kürze darauf hinweisen, daß er a) Jesus niemals gekannt hat und weder bei Kreuzigung noch Auferstehung dabei war, sondern erst wesentlich später überhaupt zu den Jüngern stieß und b) mehr war als sein pharisäischer Hintergrund.

Andere Theorie:

Yet, even if by some remarkable oversight, Jesus was not in fact fully dead when he was laid in the tomb, is it all conceivable that he could have recovered from his ordeal sufficiently to set himself free from the grave clothes wrapped around him? And then to remove the rolling stone from the front of the tomb – an almost impossible feat even if one were in full health? Lying on a cold slab in April with numerous untended wounds is an unlikely precursor to such a recovery.

Seufz. Und das sind die Leute, die im gleichen Atemzug von den Wundertaten Jesu sprechen, von den Heilungen und Totenerweckungen beispielsweise, oder die annehmen, daß er auf Wunsch hin den Tempel abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen könne oder Steine in Brot verwandeln oder…

They fail to see how yet another failed messiah (as Jesus would have been if he had not been raised from death) would have been of any use to anyone.

Nutzen? Ich traue den Jüngern ehrlich gesagt mehr Integrität zu als irdisches Nutzdenken. Mehr Glauben und vor allem mehr Liebe zu Jesus. Das sind alles so mühsam konstruierte Argumente für die fleischliche Auferstehung, daß der ganze Versuch armselig wirkt. Ganz zu schweigen von dem Bild, das hier vom Christentum gezeichnet wird.

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Und die Stunde der Erfüllung kam. Alle sammelten sich in einer schönen, runden Halle, die ihnen zu gemeinsamer Andacht von Markus, dem Römer, überlassen worden war. Hell waren die Platten des Bodens, hell und licht die Wände. Die Frauen hatten viele Blumen und Blüten in hohen Tongefäßen an den Nischen der Halle aufgestellt.
Nach oben wölbte sich diese zu einer kleinen Kuppel, die von einem flachen Dachgarten umgeben war. Das Haus lag in einem von hohen Mauern umfriedeten Garten. Es war völlig unbenützt und fast unbekannt.
Stille war ringsum, daß man die Blüten von den Ästen fallen hörte. Kein Lüftchen regte sich. Mittagsruhe lag über den Dächern des sonst so rastlosen Jerusalem.
Als sie alle versammelt waren und in weitem Kreise um die Jünger saßen, da kam ein brausender Ton vom Himmel. Wie ein mächtiger Sturmwind sauste er ums Haus. Die Lichter an den Wänden und die Blüten, die zum Schmuck des Raumes dienten, wehten unruhig hin und her.
Die Versammelten saßen in stummer Erwartung, in andächtiger Erhebung ihrer Geister, die alle den Herrn suchten und Gott anbeteten.
Strahlende Kraft umfing sie fühlbar. In Lichtkreisen, die sich erweiterten, je näher sie kamen, neigte sich die schimmernde Lichttaube der Nachschöpfung. Freudig öffneten die Jünger ihren Geist, und auf dem Wege der göttlichen Strahlenströme kam die Kraft des Heiligen Geistes über sie.
Golden flammend war der ganze Raum, in dessen höchstem Punkt der weiße Strahlenkreis leuchtete und in ihm der formgewordene Wille Gottes: die Heilige Taube.
Und Mutter Maria gedachte mit Dank des Tages, an dem ihr Jesus verkündet wurde. Sie empfand nun wieder die Kraft und Liebe Gottes wie zu jener Heiligen Stunde. Gleichzeitig erhob sich ein flammendes Leuchten über allen Häuptern, und die Menschen begannen, den Herrn zu loben, Ihm zu danken!
Das Licht Gottes war in sie gedrungen, hatte sie erleuchtet und gerufen. Sie waren nun bereit, der Welt das Wort ihres Gottes und Herrn zu künden.
Stille war wieder um das Haus und in der mächtigen Weite des Himmels. Das Brausen war verklungen. Die tief erschütterten, geistig so reich beschenkten Menschenkinder standen im Gebet vor ihrem Gott und Herrn.
Als sie die Tore öffneten, um heimzugehen, umstanden viele Fremde das Haus. In weitem Umkreise hatte man den brausenden Sturm vernommen und das blendende Licht vom Himmel strömen sehen.
Die Menschen verwunderten sich sehr, als sie die Jünger mit leuchtenden Augen, erfüllt von Kraft und der Gewalt des Wortes, reden und das Lob Jesu laut verkünden hörten.
Sie schüttelten die Köpfe und meinten:
„Sie sind des Weines voll.“
Da aber ergriff Petrus die Kraft der Liebe und Freude. Er kündete ihnen zum ersten Mal die Botschaft des Herrn und verhieß ihnen die Erleuchtung durch die Kraft des Heiligen Geistes in der Taufe. Und viele öffneten sich dem Worte und folgten den Jüngern.

(Verwehte Zeit erwacht I)

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Muttern wollte ihre Andachtskleidung erweitern und setzte mich auf „das Internet“ an. Ihre Vorstellung war Landhausmode, aber keine Dirndln („zu kitschig“). Ich solle ihr ein paar Anbieter heraussuchen. Im Laufe meiner Recherche begann ich sehr zu bedauern, nie das Schneidern gelernt zu haben, denn es klafft eine gewaltige Marktlücke in diesem Bereich – vielmehr, es ist keine Lücke, es ist ein schwarzes Loch.
Anbieter von Landhausmode interpretieren den Begriff inzwischen hauptsächlich als Trachten. Ein, zwei Kleider zwischendrin entsprechen den Ansprüchen für Andachtskleidung, aber das sind Glücksfunde. Eine Suche nach langen Kleidern führt zu Abendmode ohne Ärmel und mit weitem Ausschnitt. Ich dachte also um und erweiterte die Suche auf „christliche“ oder „züchtige“ Mode, im Glauben, daß es zumindest in der Richtung Anbieter gäbe.
Pustekuchen.
Diskussionen darüber, was Christinnen tragen sollen oder nicht – jede Menge. Anbieter für „christliche Mode“ oder „christliche Kleidung“ verkaufen Jesus-T-Shirts. Anbieter für andachtstaugliche lange Kleider? Nischt.
Eine Linksammlung konnte ich finden, auf der radikal anti-feministischen Seite eines Mannes, der den christlichen Suchtreffer eher dafür verwendet, das Christentum für seinen Mangel an Anti-Feminismus zu kritisieren. (Wer mal eine wirklich irre Lektüre sucht, ist dort gut beraten – ich mag insbesondere seine „Unfall-“ und „Gefallenenquote“. Mir war nicht bewußt, daß die eingeführt wurden.) Die Linksammlung ist definitiv interessant, wäre aber hilfreicher, wenn die Anbieter nicht fast ausschließlich in den USA säßen. Das dortige Christentum/Judentum bietet offensichtlich einen Markt. Allerdings sind die meisten Modelle trotzdem nicht andachtstauglich, weil zu luftig; ich vermute einen Zusammenhang mit der großen christlichen Gemeinschaft in den amerikanischen Südstaaten. Dann gibt es die wirklich schlichten Kleider, die wiederum zu un-feierlich sind, ganz zu schweigen von langweilig und unmodisch.
Ansonsten führt die Suche natürlich zu Anbietern islam-entsprechender Kleidung, was auch wieder nicht das richtige für Andachten ist.

Also: Wer sich berufen fühlt, hier Abhilfe zu schaffen – nur zu!

Nachtrag:
Seit Erscheinen dieses Artikels hat sich auf dem Gebiet zumindest ein bißchen was bewegt. „Modest Fashion“ ist in der Modebranche ein Begriff geworden (hier z.B. ein Artikel in der Vogue), zu einem nicht unbedeutenden Teil gerade durch den Anwachs der muslimischen Bevölkerung. So bieten u.a. die Anbieter Alvina oder Modanisa andachtstaugliche Kleider (wenn man das Kopftuch wegläßt), aber auch „züchtige“ Alltagskleidung an.

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Nachtrag als Vorwort:
Da auf diesen Eintrag doch recht oft zugegriffen wird, möchte ich auf seinen Verwandten im Autorenblog verweisen, mit dem ich eigentlich glücklicher bin. Ich hatte ihn kurze Zeit nach diesem geschrieben, nachdem ich über einige Punkte noch einmal nachgedacht hatte. Dennoch möchte ich diesen Eintrag als Zeugnis eines Ersteindruckes so stehen lassen.
Zwei Gedanken kamen mir kürzlich:
1. Der Gral – Ein Weg verkörpert in fast schon überzogener Form das Sich-geheimnisvoll-Geben, von dem ich im ersten Teil meiner Artikelserie „Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht“ schrieb, mit vielen schwammigen Hinweisen und wenig klaren Aussagen.
2. Obwohl der Film seinerzeit von vielen Kreuzträgern geschmäht wurde (und teilweise immer noch wird), ist er heute ein Zeitzeugnis erster Güte, jedenfalls für alle, die die Prä-Schisma-Zeit noch erlebt haben. Wer hätte das damals geahnt? Als solches verdient er inzwischen weite Verbreitung. Unberührt wird niemand davon bleiben.


In meiner Einleitung zu Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht: Die erlösende Macht der Liebe. Angel und Spike in „Buffy the Vampire Slayer“ erwähnte ich schon die Prä-Internet-Ära der Gralsbewegung. Einer der frühesten Versuche, mit anderen Medien außer Schriften zu experimentieren, stellte Der Gral – Ein Weg dar, ein BR-produzierter… ja, was eigentlich? Ein Film, der in keinerlei Kategorie fällt außer „experimentell“, würde ich sagen. Es ist kein Spielfilm und keine Dokumentation, keine Unterhaltungssendung und kein Unterweisungsvideo. Der Vorspann bezeichnet ihn als „Filmessay“. ARTE hätte so etwas im Programm. Bei den Kreuzträgern kam er damals, anno 1994, nicht gut an, gerade weil er keine „Werbung“ oder netter ausgedrückt Bekanntmachung der Botschaft darstellte (ich sage naja) und weil er generell unverständlich war.

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Das war, wie wir Altvorderen uns vielleicht noch schwach entsinnen, vor der Verbreitung von DVDs mit Kommentaren der Beteiligten. Stattdessen hatte ich das große Glück, daß während unseres Ostertreffens* auf dem Vomperberg auch eine der Produzentinnen, Marion Jerrendorf, vor Ort war. (Heute Marion Jacob, und damals – wer erinnert sich noch? – war’s Fräulein Jerrendorf, so wie ich immer Fräulein Schnabel war. Ich hatte nie etwas gegen die Anrede, zumal es half, nicht mit Muttern verwechselt zu werden.)

Frau Jerrendorf gab uns den Genuß einer Vorführung mit Live-Kommentar. Ausgesprochen interessant, und ich will nicht ausschließen, daß dieses Erlebnis zu meiner Faszination mit dem Filmemachen beigetragen hat. Wieder daheim, konnte ich das neuerworbene Wissen gleich an Muttern weitergeben und auch dort für den „Ach so!“-Moment sorgen.

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Danach ging der Film irgendwie unter. Über die Jahre versuchte ich dann und wann, ihn wieder ausfindig zu machen, aber – man höre und staune – im gesamten Internet gibt es keine Spur von ihm. IMDB hat ihn nicht verzeichnet, niemand schrieb darüber. Während meines letzten Suchanfalls machte ich endlich mal Nägel mit Köpfen: Ich wandte mich an den Mittschnittdienst des BR. Nannte Titel und sämtliche Infos, die mir dazu noch einfielen – hey, ich arbeite in einer Bibliothek. Man lernt in dem Job schnell, lieber zu viele als zu wenige Angaben zu haben, um etwas zu finden.

Es gab dann so ein bißchen den Antiklimax. Ich hatte Wartezeiten erwartet, ein „Haben Sie vielleicht noch mehr Informationen?“ oder „Können wir in unserer Datenbank nicht nachweisen.“ Stattdessen folgte ein schlichtes „Können Sie haben, wenn Sie den Betrag auf folgendes Konto überweisen.“ Jahre des Suchens und so. Es kann alles so einfach sein.

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Jetzt, im Nachhinein gesehen, macht vieles Sinn. Frau Jerrendorf wies damals darauf hin, daß der Film bewußt keinen Dialog, sondern nur einen Erzähler habe, damit er leichter in verschiedenen Ländern zu zeigen sei. Was sie nicht sagte und was mir seinerzeit nicht aufging, ist, daß er eine russisch-deutsche Koproduktion war. Das erklärt definitiv die Unverständlichkeit – nichts für ungut, aber die russische Seele bedeutet nun einmal häufig eine Bevorzugung des Blumigen, Märchenhaften, Poetischen auf Kosten des Verständnisses.

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Was ist nun die Handlung des Filmessays, so sie vorhanden ist? Nicht grundlos orientiert sie sich an Wolfram von Eschenbachs Parzival oder versucht sich zumindest eschenbachesk zu geben. Das Setting ist pseudo-mittelalterlich, der Held, der für den suchenden Menschen steht, wandert durch die Lande und begegnet Personen, die ihn durch die Geschichte ihrer Fehler und Schwächen, aber auch durch wegweisende Worte seinem Ziel näherbringen. Sie sind dabei gleichermaßen Figuren der Handlung wie auch Symbole oder Archetypen – ich mußte manchmal an Mysterienspiele oder das darauf beruhende Jedermann denken. Ungefähr in der Mitte des Films gerät unser Wanderer dann in die Neuzeit… oder tut so, denn die Tirol-Aufnahmen wurden sichtlich von der deutschen Hälfte des Teams gedreht.

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Für mich war es ein seltsames Erlebnis, diese Aufnahmen zu sehen. Aufgrund der verqueren Umstände war ich seit Ende der 90er Jahre nicht mehr auf dem Vomperberg. Ihn nun plötzlich im Film so festgehalten zu sehen, wie ich ihn damals kannte, war… merkwürdig. Und meine Güte, Benno Hoffmann und Herr Vollmann! Ich hatte völlig vergessen, daß sie dabei waren. (Ja, Schauspieler Benno Hoffmann war Kreuzträger und ist auf dem Vomperberg beerdigt.) Das ist eine Ära, die traurig endete und nicht wieder zurückgeholt werden kann – aber in den Filmaufnahmen lebendig ist und bleibt. Zeitmaschine.

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Der Gral – Ein Weg hat übrigens hochkarätige Beiträge, so z. B. Texte von Godehard Schramm (unverständlich – hust) und Musik von Arvo Pärt (unter anderem ein Stück, das ich in seinem Werkverzeichnis gar nicht finden kann, „In Croce“).


*Ein sogenanntes Arbeitstreffen für Mädchen in Mitt- bis Spätteenagerjahren, das jährlich während der Osterferien stattfand. Wir arbeiteten im Gastbetrieb auf dem Vomperberg mit (Hotelküche, Kinderbetreuung etc.), führten Diskussionen über altersrelevante Themen der Botschaft, unternahmen Ausflüge und hatten diverse andere Freizeitaktivitäten. Höre, daß heutzutage, wo der Arbeitsaspekt inklusive Start um 7 Uhr oder so fehlt, sich manche Teilnehmerin beschwert, die Unterkunft aufräumen und putzen zu müssen. Die Jugend von heute.


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