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Posts Tagged ‘Eine Frau in Berlin’

Ich bin immer noch beeindruckt von der großen und positiven Rezeption von Eine Frau in Berlin in arabischer Übersetzung. (Ich vermeldete deren Veröffentlichung bereits im Autorenblog.) Diese Übersetzung soll wohl auch sehr gut gelungen sein; viele Rezensenten loben die Arbeit. Aber auch inhaltlich scheint das Buch Männer wie Frauen gleichermaßen anzusprechen.

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Inzwischen auf DVD erschienen ist Die Kuckucks, für den Marta zusammen mit Robert A. Stemmle das Drehbuch schrieb. Unter ihrem Pseudonym Marta Moyland, daher wird nie die Verbindung gezogen zwischen Eine Frau in Berlin und ihrer Karriere jenseits davon, wie ja auch im Fall von Sündige Grenze und Toxi.

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Erinnert sich eigentlich noch jemand an das berüchtigte Y2K-Problem, also die potentiell katastrophalen Folgen des Jahreswechsels 1999/2000? Irgendwie kam ich die Tage mit einer Kollegin darauf zu sprechen, die, obwohl sie nur einige Jahre jünger ist als ich, schon erheblich weniger Erinnerungen an die damalige Diskussion hat. Dabei entsann ich mich, daß – wie immer zu speziellen Anlässen – seinerzeit eine enorme Fülle von Veröffentlichungen auf den Markt geworfen wurde, hauptsächlich natürlich in und aus den USA. Weil wir ja nun direkt an der Quelle saßen, schaute ich gleich mal nach, ob unsere Bibliothek auch zeitgenössische Schriften eingekauft hatte. Und tatsächlich: Gar nicht mal so wenige! Zwei davon versprachen, unterhaltsam zu sein, nämlich Edward Yourdons und Robert A. Roskinds The Complete Y2K Home Preparation Guide und Bruce F. Websters The Y2K Survival Guide, beide Erscheinungsjahr 1999, vermutlich früh im Jahr, da 1998 geschrieben.

Bevor ich auf beide Werke eingehe, kurz mein persönliches Erleben des großen Jahreswechsels: Muttern und ich verfolgten per Nachrichten den Übergang in den Ländern, die vorher dran waren, und da keinerlei Katastrophenmeldungen damit verbunden waren, konnten wir eigentlich schon recht entspannt sein. Als bei uns die Uhr umsprang, warteten wir mit den Sektgläsern in Händen kurz ab, ob das Licht anblieb – jo, also dann: Prost Neujahr!
Die große Panikmache vorher geriet also zu einem dieser Witze…
Fairerweise sollte allerdings erwähnt werden, daß ohne Katastrophenwarnungen das Bewußtsein für das Problem vielleicht versackt wäre. Nicht wenige Firmen und gerade öffentliche Versorgungseinrichtungen hatten zum Jahresübergang ihre Experten vor Ort, um notfalls sofort eingreifen zu können.

Kommen wir also zur Literatur. Beide Bücher gehören nicht zu den Weltuntergangsschriften, sondern gehen allen potentiellen Szenarien zum Trotz erklärterweise davon aus, daß, wenn überhaupt, keine schwerwiegenden Folgen durch den Jahreswechsel entstünden. Dennoch decken sie alle Fälle von Pustekuchen bis Ende der Welt ab.

Der Home Preparation Guide ist sicherlich das unterhaltsamer zu lesende Werk, da sehr praktisch angelegt. Wie bereitet man sein Heim auf den Fall der Fälle vor? Was wird gebraucht, was ist auf dem Markt zu finden? Viele Tipps kann insbesondere der amerikanische Leser durchaus weiterhin verwenden; hierzulande, wo die Stromversorgung und Infrastruktur ja wesentlich stabiler und dichter ist, mag das ein anderer Fall sein.

Der Survival Guide setzt mehr auf die Strategie des richtigen Planens und liest sich damit auf den ersten Blick wesentlich zäher und trockener, was aber täuscht. Webster beweist einen wunderbaren Sinn für Humor; zwischengeschoben sind immer wieder Zitate oder Kommentare, die mich laut lachen ließen. Teil seines theoretischen Ansatzes ist übrigens etwas, auf das er immer wieder hinweist und das ich nur dick unterstreichen kann: Woher stammt diese oder jene Aussage zur Y2K-Problematik? Wer hat’s gesagt, was ist sein Hintergrund, seine Motivation? Wie glaubwürdig oder aktuell ist die Aussage? Also ein, wenn nicht der entscheidende Punkt im wissenschaftlichen Arbeiten. Wenn ich beispielsweise eine Liste zusammenstellen müßte, was zum Thema Marta herumgeistert – eine Hörensagenquelle bezieht sich auf die nächste, und am Ende geht alles zurück auf Spekulation und Fehlinterpretation. Und weil kaum jemand Quellenforschung betreibt, wird das alles brav weitergeschleppt. Macht mich wahnsinnig.

Webster zum Beispiel bezieht Stellung gegen die Aussage, die sich im Home Preparation Guide noch findet, nämlich die Idee, daß Flugzeuge dank Y2K abstürzen könnten.

I know of no credible Y2K analyst who has ever asserted that airplanes would „fall out of the sky“ because of Y2K problems.

Bei aller Sachlichkeit seiner Ausführungen kann Webster aber aus seiner „nationalen Brille“ nicht heraus. Seine Ideen zu verschiedenen möglichen Szenarien (nicht 100%ig bierernst zu nehmen) enthalten so konventionelle Folgen wie: Nuclear civil war within Russia. Rise of „strong man“ leader within Europe leads to collapse of NATO, threat of European „warm war,“ reformation of (smaller) Soviet Union.
Wesentlich witziger – wie gesagt, die möglichen Folgen sind nur begrenzt ernst gemeint – ist sein Vorschlag Christian millennialists trigger a new Arab-Israeli war – as well as a Muslim jihad against Christians – by destroying the Al-Aqsa Mosque (including the Dome of the Rock) in [Jerusalem] so that the new Jewish temple can be built. Right.
Ein bißchen im Halse stecken bleibt einem das Lachen allerdings bei seinen Erwähnungen möglicher Terroristenanschläge. Man bedenke: Das alles wurde Jahre vor dem 11. September geschrieben und vor dem rapiden Anstieg von Terrorismus in der westlichen Welt seitdem.

Um noch einmal auf die nationale Brille zurückzukommen: Zwar betrachten die Autoren beider Bücher die USA immer noch als anders als den Rest der Welt („Scenario Level 9: Welcome to The Third World. In a nutshell: America discovers how the rest of the world lives.“ Herzlichen Dank auch, Mr. Webster.). Aber wenn man vom europäischen Standpunkt aus nun erwartet, gewisse nationale Eigenheiten ausgespielt werden zu sehen, liegt man falsch. So addressieren beide Werke die Tendenz, Waffen zu horten, um gegen alles von „packs of abandoned dogs“ über Plünderer bis hin zu „criminals feeling less threatened by overloaded police forces“ gerüstet zu sein. Beide lehnen diese Insel-Mentalität ab, sondern unterstreichen im Gegenteil die Bedeutung einer funktionierenden Gemeinschaft in einer Krise. Webster geht sehr hart mit den sogenannten „survivalists“ ins Gericht, die irgendwo in der Wildnis den Zusammenbruch der Gesellschaftsordnung erwarten wollen.

Survivalism can only work if a relatively small percentage of people attempt it. […] This isn’t like 1880, when the United States only had 50 million people total and half the continent was nearly empty.
Let me put it in its starkest terms:
The fundamental survivalist assumption is that the vast majority of the population of the United States will suffer significantly or die.

Lose Gedanken dazu:

Diese scheinbare Obsession mit einem großdeutschen Reich. Ich sah irgendwann mal eine britische Karikatur aus der Zeit der Wiedervereinigung: Deutschland marschiert wieder. Auch in Israel erwartete man anscheinend angesichts der Wiedervereinigung ein Viertes Reich oder so etwas. Das beweist für mich immer nur, wie wenig Ahnung diese Schreiber von den tatsächlichen Zuständen in Deutschland haben. Sie sind irgendwo auf dem Informationsstand von Frühjahr 1945 stehengeblieben.

Wer eine Idee von dem Zusammenbruch einer modernen, technisierten Gesellschaft bekommen möchte, kann sehr gut Eine Frau in Berlin verwenden. Heutzutage natürlich noch alles etwas krasser. Die Berliner 1945 hatten immerhin noch öffentliche Wasserpumpen und teilweise noch Holz- oder Kohleherde. Heutzutage längst verschwunden. Die Literatur zum Hurrikan Katrina ist bei dem Thema auch hilfreich.

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In Abständen schaue ich bei Goodreads vorbei, um neue Bewertungen zu Eine Frau in Berlin in allen Übersetzungen zu lesen. Dieser Teil aus einer aktuellen, von Nutzer David, ließ mich lachen:

Very graphic and grim and GERMAN. Not for the faint of heart.

Nun überlege ich, was so intensiv deutsch an Martas Buch ist… und ob das jetzt ein Kompliment, ein Vorwurf oder eine sachliche Feststellung sein sollte. (Ich bevorzuge die Idee von „Germans are badass!“ 😉 )

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