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Posts Tagged ‘Doctor Who’

Weil in Ellen Moodys Blogs so oft die Rede davon ist*, legte ich mir Staffel 1 von Outlander zu. Wie erwartet, ist die Geschichte eher Standard, mit allen Historische-Romanze-Zutaten: Gleich zwei historische Settings (1945 als „Gegenwart“ und 1743), jede Menge Braveheart, klassische Rollenverteilung (Held, Schurke, comic relief…) und eine Heldin, die oft gerettet werden muß (ich zählte 8 Male in 16 Folgen). Das Nachkriegssetting war in meinen Augen eine praktische Erklärung, woher unsere Heldin die Fähigkeiten hat, die sie so brauchbar im Schottland des 18. Jahrhunderts machen; moderne Heldinnen wären da entweder völlige Loser oder komplett unglaubwürdig. Was mal eine interessante Überlegung ist.
Claire verhält sich und spricht natürlich wie jemand aus 2015, nicht 1945 – sind sich die Macher nicht bewußt, daß man sich vor siebzig Jahren anders ausdrückte als heute? Und daß Claire mit diesem Verhalten in 1945 nicht als moderne Frau, sondern als Gossenweib mit entsprechendem miesen Benehmen eingestuft würde? Von 1743 ganz zu schweigen.
Outlander ist letztlich in guter Tradition beginnend mit Doctor Who oder wohl noch älter. Ich schrieb schon einmal, daß der gute Doctor anfänglich auch nur ein Storyelement war, das erklärt, wie unsere Helden historische Epochen aufsuchen und erleben können. Bei ihm war’s außerirdische Technologie, in Outlander ist es eben Magie.

Während die Handlung eher gemächlich fortschreitet, fand ich überraschenderweise die formalen Dinge viel fesselnder. Die Kameraarbeiten bestechen; mir gefielen besonders die Teaser, die Detailaufnahmen aus alternativen Einstellungen, die für die opening credits verwendet wurden.

Auch die Farbgebung – blaß für 1945, kräftigere Einfärbung für 1743 – gefällt. Bear McCrearys Musik ist großartig, und insbesondere die Verflechtung beider Zeitlinien durch Musik ist originell: Wir finden idyllische Highlandszenen des 18. Jahrhunderts unterlegt mit Jazz… Außerdem natürlich zwei meiner großen Leidenschaften: Kostüme und Sprache! Lange Dialogstrecken in Outlander erfolgen tatsächlich in Gälisch. Was wieder einmal eine meiner Theorien als Hobby-Philologin bestätigt, nämlich daß Dialekte Überreste früherer Stammes- oder Regionalsprachen sind. Die Sprachen selbst sind verschwunden, aber ihre Melodie hat sich erhalten. Vergleicht man die Sprachmelodie des Gälischen und des schottisch eingefärbten Englisch, erhält man das gleiche Ergebnis.

Was gibt’s zur Besetzung zu sagen? Ich kannte bis auf Gary Lewis keinen einzigen der Darsteller, aber das ist das Schöne an der Hoch-Zeit, die Serien aktuell erleben (was ein Thema für einen eigenen Blogeintrag wäre): Es haben viel mehr Schauspieler die Gelegenheit, einen Job und Bekanntheit zu erringen als es bei der früheren Fixierung auf Hollywood-Spielfilme der Fall war.
Eine imposante Erscheinung ist Graham McTavish als der vielschichtige und sich immer in der Grauzone bewegende Dougal – klassischer können die schottischen Highlands nicht werden! Caitriona Balfe mag oder mag nicht eine gute Wahl für Claire sein – ich kenne die Bücher nicht und kann das somit nicht beurteilen. Ich gestehe, mir ging die angebliche Heldin der Geschichte sehr auf die Nerven. Sie ist keine starke, moderne Frau, sondern kurzsichtig, egozentrisch und mitunter schlichtweg dumm, aber vielleicht soll das im Zuge der Charakterentwicklung so sein. Ihre große Stunde schlägt, wie für alle drei Hauptfiguren und ihre Darsteller, erst am Ende der Staffel. Sam Heughan dürfte natürlich der Fanliebling sein, mit viel Schmachtfaktor. Schön dargestellt ist ohne Zweifel die Entwicklung der Beziehung zwischen Claire und Jamie. Sie fängt weder mit Schmacht noch wilder Leidenschaft an, sondern schreitet langsam und über einen langen Zeitraum rein freundschaftlich voran.
Die beste Rolle beziehungsweise Rollen hat Tobias Menzies ergattert: Seine Darstellung wechselt kraß zwischen Claires liebendem, wenn auch zweifelndem Ehemann Frank und dem völlig unberechenbaren, direkt aus einem de-Sade-Roman entstiegenen „Black Jack“ Randall. (Ellen Moody analysiert ausgezeichnet die Faszination dieser grundverschiedenen Darstellung.) Entsprechend ist nach all den mehr oder weniger Standardepisoden die Abschlußdoppelfolge „Wentworth Prison“ / „To Ransom a Man’s Soul“ großes, wenn auch nicht leichtes Kino. Sexszenen sind nie einfach darzustellen; gewalttätige Sexszenen vermutlich noch schwerer; und eine Nummer wie diese… sagen wir, Tobias Menzies und Sam Heughan dürfen sich die Seele aus dem Leib spielen.

Bemerkung am Rande: Ich habe die FSK-Freigaben immer noch nicht verstanden. Dachte lange Zeit, das Zeigen von primären Geschlechtsteilen verdiene eine rote 18, aber schon bei True Blood stellte ich Ungereimtheiten fest. Auch Outlander 1 ist im Deutschen mit einer 16er-Freigabe eher entspannt (UK und US: 18), trotz „the full monty“.

Und noch was, das mir so in den Sinn kam: Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, daß die Redcoats in Fiktion (zumindest bis zu Napoleon) immer als die Bösen dargestellt werden? Ich habe nach Büchern oder Filmen gegoogelt, in denen dem nicht so ist, aber null Treffer. Das nennt man mal einen schlechten Ruf. Findet sich denn so gar kein Schreiber von historischen Romanen mit einem Herz für die britische Armee?


Staffel 2 bricht dann erheblich mit der Highlander-Romantik, als Claire und Jamie ins französische Exil gehen. Da ich nun so überhaupt keine Faszination für die französische Kultur und vor allem für die fiktionale Umsetzung von Paris Mitte des 18. Jahrhunderts aufbringen kann, war es erst einmal eine Beobachtungsübung in „Wie viele Klischees können wir bedienen?“ Auch die Kostüme, die natürlich mehr als üppig sind, halfen da nicht weiter. Zum Glück gab es brauchbarere Szenen – die Staffel mit dem Ende beginnen zu lassen, als eine schwer traumatisierte Claire 1948 ihren (ersten) Ehemann Frank wiedersieht und ihr Leben im modernen Zeitalter wieder aufnehmen muß, war nicht nur eine gute Entscheidung, sondern bietet Raum für einige der besten Charakterszenen. Und a propos, entgegen meiner Befürchtung, daß die Macher bezüglich Jamie schnell zur Tagesordnung übergehen würden, wird sein Trauma nicht ignoriert. Reduziert vielleicht, auf Momente, die Claire betreffen, namentlich versuchte (und scheiternde) Intimitäten oder Jamies Schlaflosigkeit, die Claire zum Handeln treibt, aber zumindest wird nicht behauptet, die Geschehnisse hätten keine Spuren hinterlassen.**

Was dann natürlich auch erhebliche Auswirkungen auf Claires Plan hat, einerseits die Zukunft zu verändern, andererseits aber nicht. Man muß nicht einmal andere Zeitreisegeschichten kennen, um zu wissen, daß das zum Scheitern verurteilt ist! „History takes care of itself“ hieß es sinngemäß in einer anderen Zeitreisegeschichte. Wir sehen das in Outlander: Je mehr Claire und Jamie versuchen, die Geschichte umzuschreiben, desto mehr repariert sich jeder angerichtete Schaden, bis am Ende schließlich alles auf das gleiche Ergebnis hinausläuft.
Meine Mutter äußerte sich einmal, hätte sie einen früheren Verehrer genommen, wäre ihr Leben vermutlich trotzdem sehr ähnlich verlaufen. Es gibt Punkte, die man abarbeiten muß.
So ziehen sich gar nicht mal versteckt übergeordnete Zusammenhänge durch die Handlung der beiden Staffeln. Jack Randall nennt es das Werk des Schicksals, Reverend Wakefield Gottes Plan.

Charaktertechnisch nett zu sehen, daß Claire nach ihrer bitteren Selbsterkenntnis am Ende der 1. Staffel endlich so weit ist, auch Frank in ihre Überlegungen einzubeziehen, nachdem sie ihn zuvor ja recht entspannt zugunsten ihres schottischen Abenteuers abgestreift hatte.
St. Germain als Gegenspieler wollte so gar nicht überzeugen. Während Jack Randalls Verfolgung von Claire und Jamie innerhalb seiner perversen Persönlichkeit immerhin noch Logik ergab, fehlte mir der gesamte Zusammenhang für St. Germains Feindseligkeiten.
Nicht nur Claire und Jamie sind erleichtert, schließlich Paris den Rücken zu kehren und heim nach Schottland zu gehen. Hier nimmt die Handlung auch endlich Fahrt auf.

Die letzte Folge springt – für meinen Geschmack ein bißchen zu viel – zwischen „Neuzeit“ und Vergangenheit hin und her. Die Verwebungen selbst sind schön gemacht und erinnern daran, daß, so selten wir uns das bewußt machen, die Vergangenheit unlösbar mit uns und unserer Gegenwart verwoben ist. Weniger glaubhaft hingegen ist, daß Claire sich zwanzig Jahre später immer noch so nach Jamie sehnt wie gleich nach ihrer Trennung. Stoff für einen Liebesroman, sicher, aber mal ehrlich… (Ich mußte an des Scouts Kritik am Titanic-Ende denken!)

Staffel 2 dreht sich in vielen Dingen um Gut und Böse und wie dünn die Grenze ist, die zwischen ihnen verläuft. Unsere Helden verlieren zunehmend ihren Anspruch auf Rechtschaffenheit, als sie versuchen, die Schlacht von Culloden zu verhindern. Im Gegenzug, wie mit jedem Schurken, den man so lange haßt, bis er zu einem beliebten Gesicht der Truppe geworden ist, werden am Ende selbst Black Jack einige lichtere Momente gegönnt. Auch hier finden wir wieder die Verknüpfungen, Zusammenhänge, Bande, wenn man so will, die die Charaktere der Geschichten aneinander fesseln, so daß jede ihrer Handlungen Auswirkungen auf sie alle haben.
So wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft sind und – ich verweise noch einmal auf Ellen Moody – durch das Medium des Films beständig einander überlappen, sich kreuzen, ineinander übergehen, ist natürlich das Thema der Ahnen, das einen so großen Bereich in Outlander einnimmt, noch ein weiterer Aspekt davon. Frank ist auf den Spuren Jack Randalls, dem Claire begegnet, woraufhin sich der gesamte Stammbaum als verzweigter erweist als gedacht; Brianna wurde 1746 gezeugt und trifft 1968 sowohl den Nachfahren Geillis’ und Dougals als auch dessen Ahnherrin Geillis/Gillian selbst. Eine Metapher für den Einfluß, den die Vergangenheit immer auf die Gegenwart haben wird? Wie es bei Tolkien ungefähr heißt: Es ist immer noch die gleiche Geschichte, nur die Charaktere haben gewechselt. Und, wenn man wie ich an Reinkarnation glaubt, nicht einmal das!

Outlander sollte somit unbedingt mit einem Auge auf die Metaebene gesehen werden, nicht nur auf Handlung und Liebe – langweilig wird das nie!

Übrigens: Schottlands Touristikbranche hat eine nette Seite zu Outlander: https://www.visitscotland.com/see-do/attractions/tv-film/outlander/



* Zum Beispiel (Achtung, massive Spoiler): Folge 1, 2-3, 4-5, 6-7, 8-9, 10-11, 12-13, 14-16, klick, klick und klick

Ich kann nicht allen ihrer Interpretationen zustimmen; sie schreibt grundsätzlich, nicht nur bezüglich Outlander, aus einer Mann-vs.-Frau-Sicht, die, wie jede Auslegung, mehr über ihre persönlichen Anschauungen verrät als über das Thema ihrer Abhandlungen. So entgeht ihr beispielsweise, daß Jack Randall nicht so sehr von Fragen des Geschlechts motiviert ist, sondern von Erniedrigungs- und Unterwerfungsphantasien. Soll heißen, ob er bisexuell/homosexuell ist (sie behauptet in verschiedenen Artikeln beides), hat keinerlei Einfluß auf die Wahl seiner Opfer. Es ist ihm offenkundig völlig egal, ob Männlein oder Weiblein, jung oder alt, die Hauptsache ist, daß er am Ende ihren Widerstand und Willen gebrochen hat. Wir sehen das am Beispiel von Jenny und natürlich Jamie sowie versucht bei Claire und in geringerem Maße („nur“ als Bestrafung für Diebstahl gedacht) bei Fergus. Daß Ellen Moody als Expertin für Literatur des 17. bis 19. Jahrhunderts die klaren Anleihen bei de Sade nicht erwähnt, inklusive Randalls völlig rationale Vorgehensweise, überrascht.

** Angesichts der Popularität der Outlander-Romane wundert es mich ein bißchen, daß dieser Aspekt erst so viel später kopiert wurde. Ich meine, so weit ich das sehen kann, bedeutete Outlander bei Mills & Boon / Harlequin das Ende der Bürgerkriegs- und den Beginn der Highlander-Romanzen. Das ist ein gesamtes Genre. Sexueller Mißbrauch an den Helden von Liebesromanen hingegen tauchte erst in den letzten paar Jahren wieder auf, beispielsweise in Gena Showalters Original Heartbreakers-Serie, Jane Kindreds Waking the Serpent oder Sidney Bells Bad Judgment.

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Nicht geliehen, sondern meine:

A Life in Dirty Movies. Eine Dokumentation über Joe Sarno, der in den 60ern und teilweise 70ern als Softporn-Filmemacher berühmt wurde. In einer Ära, in der Pornos als solche noch nicht existierten, drehte Sarno Sexfilme, in denen wenig explizit gezeigt, aber dem Zuschauer vorgegaukelt wurde, er würde alles sehen. Sarnos Filme besaßen einen überraschend künstlerischen Look, Handlung und Dialoge(!), sie konzentrierten sich auf weibliche Sexualität (insbesondere den psychologischen Teil derselben), und sie waren auch sonst, wie einer der Kommentatoren erläutert, eigentlich das komplette Gegenteil dessen, was man heute von Pornos erwartet – namentlich dadurch, daß in ihnen Sex immer irgendwie mit Schuld assoziiert wird. Darf ich „Antiklimax“ sagen? Sarnos Ära endete mit dem Aufkommen von Hardcore-Filmen, einem Stil, mit dem Sarno nichts anfangen konnte.
Die Doku folgt Sarno und seiner Frau bei ihrem letzten geplanten Projekt. Sehr schräg, sehr seltsam, aber unterhaltsam!

Jessica Jones, Staffel 1. Hochgelobt von der Kritik, und zu Recht. JJ ist eine Frauenserie im besten Sinne, nicht nur mit einer weiblichen Superheldin, sondern mit einer starken Riege von Frauengestalten. Jessica Jones schafft genau das, woran True Detective wie erwähnt scheitert, nämlich Frauen glaubhaft darzustellen, mit Stärken und Schwächen, als Opfer und Täter und alles dazwischen. Es überrascht nicht, daß die Serie eine Frau am Steuer hat! In einer Umkehrung quasi aller Superheldenproduktionen und Krimiserien stellen Frauen die Überzahl der Charaktere, die Männer dürfen diesmal als unterstützende (und hindernde) Kräfte auftreten. Und in logischer Folge ist Superschurke Kilgrave die Horrorvorstellung eines Gegenspielers aus weiblicher Sicht. Hier geht es nicht um Weltherrschaft, Waffen oder coole Kostüme. Das sind männliche Dinge. Nein, Kilgrave ist eine archetypische Manifestation jahrtausendealter weiblicher Alptraumszenarios, und das macht ihn als Figur so glaubhaft. Er ist Stalker und Vergewaltiger, er beraubt Frauen ihres freien Willens und versucht sie nach seinen Vorstellungen zu formen, und, was ich für eine ungemein gelungene, weil realistische Darstellung halte, er versteht dabei die Vorwürfe seiner Opfer nicht, weil er sich keiner Schuld bewußt ist. Kilgrave ist einer der extrem wenigen Gegenspieler, ob Superschurke oder Normalo, die in meinen Augen überzeugen – weil er real ist. Ich frage mich, ob männliche Zuschauer das so nachvollziehen können.
David Tennant liefert hier natürlich eine andere Vorstellung als in Doctor Who, ein bißchen einseitiger, weniger sprühend, aber erheblich gruseliger. Was mich allerdings permanent irritierte, war dank Fünftagebart seine Ähnlichkeit zu Bruce Marchianos Jesus aus der Encounter-Film- und nun auch Fernsehserie!

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Carrie-Anne Moss hat mit Anwältin Hogarth endlich wieder eine richtig gute Rolle ergattert, was mich freut.
Auffällig neben der hohen Anzahl von leading ladies ist außerdem die hohe Anzahl schwarzer Charaktere. Quotenschwarze? I don’t think so.
Für die Fans gibt auch eine Menge Anspielungen auf das Marvel-Universum, bei denen ich leider zu 99% passen mußte.

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Zu meiner Belustigung und Erleichterung gerade gelesen:

We finally finished Series 8 of Doctor Who last night. It’s taken us two years to get through it. But, to my surprise, I actually enjoyed the final two-parter, „Dark Water“ and „Death in Heaven.“ It helps that the former begins with Pink getting hit by a car. I took that as a step in the right direction. I desperately hope Series 9 is better, and I hope that the show recovers when it is finally free of Moffat. It has survived worse.

(Caitlín R. Kiernan, http://greygirlbeast.livejournal.com/1218803.html)

Wie schön, daß auch andere dieser Meinung sind.

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Nein, ehrlich. Die DVD-Box The E-Space Trilogy widmet ein ganzes Extra allein Romanas Kostümen. Ich will gar nicht anfangen, damit konkurrieren zu wollen. Also nur eine kleine Betrachtung der Serie 1963 bis heute.

(Fast) jede Inkarnation des Doctors hat einen ganz eigenen Stil, der strikt durchgezogen wird, von Verkleidungen mal abgesehen.

William Hartnells erster Doctor kultiviert einen viktorianisch/edwardianisch angehauchten Look (die Inspiration für den Steampunk-Look der TARDIS in der neuen Serie?) mit karierten Hosen, Weste und Gehrock. Darüber kommt oft ein weites Cape, manchmal mit Hut. Extrem ungewöhnlich in Hinsicht auf die 60er Jahre ist sein schulterlanges Haar. (Ich erinnere daran, daß der Beatles-Haarstil, den Patrick Troughtons zweiter Doctor adoptieren sollte, damals schon als „lang“ galt.) Vielleicht ein gewisser Einstein-Look.
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Mit Brille, die nach der Regeneration in den zweiten Doctor unnötig wird (aber beim fünften, zehnten und elften Doctor wieder auftaucht). Der Ring ist ein Vorläufer des Schallschraubenziehers, wenn auch nicht durchgängig – in einigen der späteren Folgen benutzt der Doctor ihn zur Manipulation von Maschinen. Da er dem zweiten Doctor nicht mehr paßt, verschwindet er vorerst in der Versenkung.
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Der Doctor als französischer Hauptmann von Köpenick in „The Reign of Terror“.
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When in Rome…
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Oh, ich habe applaudiert! Barbara identifiziert korrekt, was die Ära eines Films oder einer Serie immer verrät: Die Frisur. Ian wird von einem Mann der 1960er in einen Römer umgekämmt.
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Deputy Doc:
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Der zweite Doctor modernisiert sich ein bißchen, in karierten Hosen und Jackett, kurzärmligem Hemd, Fliege und Hosenträgern.

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Und Hut.
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„How do I look?“
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Der dritte Doctor wird definitiv wagemutiger: Eine leicht irre, aber funktionierende Mischung aus edwardianischen und Rokoko-Elementen. Er kombiniert ein Rüschenhemd mit einer üppigen Krawatte und einem an einen Morgenmantel erinnernden Gehrock aus dunkelblauem, schwarzem oder rotem Samt. Darüber kommt ein Havelock / Inverness-Cape (sehr Sherlock Holmes!) in schwarz, braun oder – ganz klassisch – kariert mit rotem oder blaulila Innenfutter.

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Zur Abwechslung mit „normaler“ Fliege in „The Three Doctors“.
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Der Ring taucht wieder auf! Oder zumindest ein Ring; es gibt verschiedene Modelle.
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Fast genauso berühmt wie die TARDIS ist Tom Bakers multifunktionaler „Doctor-Who-Schal“. Es gibt diverse Varianten davon, und ja, man bekommt sie bei Amazon oder Plattformen wie Etsy.
Das erste Outfit umfaßt eine rote Jacke, darunter eine braungemusterte Strickjacke und Hemd, graue Hose, grünes Halstuch und Hut. Zum Ende von Phase 1 ändert sich die „Unterbekleidung“ in karierte Weste und die viktorianische Krawatte der ersten Inkarnation.

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Phase 2: Eine graue Jacke löst die rote ab, ein Hut aus moosgrünem Samt den braunen Filzhut. Weste und Krawatte werden lange Zeit beibehalten; die Krawatte verschwindet mit Tom Bakers letzter Staffel.

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Phase 3: Brauner Kurzmantel (todchic!), kürzere Hose mit Stiefeln.
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Der Doctor legt den Havelock wieder an für einen Ausflug ins viktorianische England.
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Phase 4: Grauer Kurzmantel und karierte Hose.
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Ich liebe die weibliche Variante, die Romana in „Destiny of the Daleks“ trägt. Zwar verleiht ihr die Farbgebung etwas sehr Barbie-mäßiges, aber Lalla Ward sieht ganz einfach in jedem Outfit gut aus.
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In ihrem Kostüm-Special Lalla’s Wardrobe auf der „Warriors‘ Gate“-DVD kommentiert sie allerdings, daß sie diese Wahl schnell verfluchte: Der Schal! Ja, das ist der Unterschied zwischen Film und realem Leben – es mag auf der Mattscheibe gut wirken, aber praktisch ist etwas anderes. Ich trage selbst gern Flatterkram, und ich besitze aus Zeiten, bevor ich je etwas von Doctor Who gehört hatte, meinen erprobten langen Wollschal mit Fransen, und ich kann vermelden, daß man immer irgendwo hängenbleibt oder stolpert. Diese Erfahrung machte auch Lalla Ward, und man sieht Tom Baker oft genug kämpfen, sei es, daß der Schal verführerisch vor seinen Füßen baumelt, sich im Gestrüpp verfängt oder in der TARDIS-Tür eingeklemmt wird. Am gefährlichsten erschien mir die Geschichte gleich zu Beginn in „Robot“, als Tom Baker über die Tür eines Jeeps springen muß, ohne sich dabei in diesen verdammten Schal zu verwickeln – und er hat einen Hut auf, noch eine Aufmerksamkeitsquelle mehr! Ich weiß nicht, wie oft die Szene gedreht werden mußte, ich sah immer nur einen üblen Sturz nach dem nächsten vor mir. Und er verliert unterwegs den Hut, was wohl das geringste Problem war. (Die Continuity paßte übrigens auf.)

Sicherheit am Arbeitsplatz war 1974 noch was für Weicheier. Tom Baker macht seinen Stunt selbst, und Schnabeline stehen selbst beim wiederholten Anschauen die Haare zu Berge. Nein, es lag keine Matte vor dem Auto.
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Es bleibt übrigens anzumerken, daß während der gesamten 70er Jahre darauf verzichtet wurde, dem Doctor Schlaghosen zu verpassen.

A propos Hosen, die fünfte und letzte Phase: Knickerbocker! Dazu wahlweise Stiefel oder Halbschuhe mit Strümpfen. Darüber ein langer roter Mantel (zuerst mit rotem, dann grüngemustertem Innenfutter), auch der Schal ist nun in Rot- und Lilatönen gehalten. Der Hut ist meist nur noch dekorativ am Garderobenständer zu sehen.

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Wem das Hemd paßt, der… äh. Ja, das Hemd mit den fragenden Kragenaufschlägen („Doctor who?“, denke ich, aber es kann natürlich genauso gut für „Whose idea was that?“ stehen) wird auch die folgenden Doktoren der ersten Serie zieren.
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Eine Variante des Fragezeichen-Hemdes für den fünften Doctor, mit rotem Krageninnenrand und grüner innerer Knopfleiste.
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Vorher einfache Variante mit rotem Innenrand und Knopfleiste, passend zum beigen Kricket-Kostüm mit roten Verzierungen.
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Der Argh!-Moment in des fünften Doctors Startepisode. Der kampferprobte Multifunktionsschal darf ein letztes Mal einen Job erfüllen.
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„Seems the old Doc is coming unravelled in more ways than one.“
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Der sechste Doctor liebt’s bunt. Gehrock über Fragezeichen-Hemd und Weste, mit gestreiften Hosen.
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Der siebte Doctor kleidet sich ein. Seine Kostümparade erinnert natürlich an die Versuche von Tom Bakers viertem Doctor, das passende Outfit zu finden.

„Old hat.“
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Das fertige Ensemble.
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Mit dunkelbrauner Überjacke.
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Der achte Doctor ist insofern interessant, daß er zum Stil seiner ersten Inkarnation zurückkehrt!
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An Tom Bakers Schal kommt natürlich auch er nicht vorbei. Und wie Doctor 3 und 11 klaut er sein Ensemble aus einem Krankenhaus.
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Christopher Ecclestons neunter Doctor bleibt understated in schwarzer Lederjacke, schwarzer Hose und Shirt… was zu Mißverständnissen führen kann.

„Should’ve known, the way you guys are blending in with the local colour. I mean, Flag Girl was bad enough…“
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„… but U-boat Captain?“ Wie man im London des „Blitz“ nicht unbedingt herumlaufen sollte.
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Hafenarbeiter und viktorianische Gesellschaftsdame, vielleicht auch nicht so der Hit.

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John Hurts in Staffel N.S. 7 vorgestellter, nicht numerierter Doctor, der zwischen der achten und neunten Inkarnation angesiedelt ist, kombiniert vielsagend die Outfits beider Doktoren. Er trägt wortwörtlich die Reste seiner Vergangenheit mit sich – die schon vielfach verwendete Weste mit Uhrenkette – , hat sich aber gleichzeitig bereits an seine Rolle als Nicht-Doctor, als Krieger angepaßt. Die kunstvollen Krawatten wurde abgelöst durch einen praktischeren Schal (dieser dennoch wie die Krawatten gebunden), die Stoffjacken und -mäntel durch eine robuste Lederjacke in Gehrock-Länge. Hier wurde im Nachhinein sehr clever der scheinbar so krasse Stilbruch des neunten Doctors erklärt. Der neunte Doctor regenerierte direkt aus dem Krieger, er kam frisch aus den Trümmern seines alten Lebens (in jeder Beziehung). Kein Wunder also, daß er nicht so leicht zu seiner farbigen Aufmachung zurückfinden konnte und wollte. Es liegt eine Menge Schmerz und Schuld in dem schlichten schwarzen(!) Outfit. So erfüllt sich der Wunsch von Hurts Doctor bei seiner Regeneration: „I hope he is a bit less conspicuous this time.“

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Die Neue Serie reißt gern mal Witze über die eigene Geschichte. Die TARDIS-Garderobe wurde aufgestockt (wortwörtlich), und in einer Szene, die auf „Time and the Rani“ anspielt, als Sylvester McCoys siebter Doctor sich einkleidet – und ebenfalls nicht an Tom Bakers ikonischem Outfit vorbeikommt –, wählt David Tennants zehnter Doctor seinen Stil. Wie viele Tom-Baker-Schals sind in diesem Set versteckt?

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Anzug mit sehr britischen Nadelstreifen, Sommermantel und Converse-Schuhe bilden den neuen Look.
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Rose und der Doctor als Pärchen von 1953.

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Ein Ausflug nach 1913.

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„Flapper or slapper?“
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Der elfte Doctor orientiert sich stark am Stil seiner zweiten Inkarnation mit Jackett, Fliege und natürlich Hosenträgern.

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Phase 2: Gehrock, Weste und Uhrenkette werden wieder angelegt.
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“Nice scarf.”
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Der zwölfte Doctor kleidet sich klassisch in Smoking und Schwarz-weiß-roter-Farbgebung.

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“What happened to the other people who travel with you?” – “Some left me. Some got left behind. And some, not many, but… some died.” – Der Doctor und seine Gefährten

Natürlich ist die Versuchung groß, die verschiedenen Doktoren in eine Rangliste zu ordnen. Ich finde das ehrlich gesagt schwer bis unmöglich. Jede Inkarnation hat ihre Eigenschaften und sollte als solche genossen werden. Es ist auch nicht ganz fair, da die Ära eines Doctors ja nicht allein an seinem Darsteller festgemacht ist, sondern an der Qualität der Drehbücher, der Ausstattung, der Regie etc. Vielleicht spielt bei den Fan-Diskussionen der Prägungsfaktor eine gewisse Rolle: Der Doctor, mit dem man in die Serie einsteigt. Bei mir waren das Hartnell und Eccleston, und ja, ich mag sie sehr. Das heißt allerdings nicht, daß ich ihre jeweiligen Nachfolger nicht ebenfalls schätzen kann. Also hier, unter Beachtung der obengenannten Vorbehalte, nur meine großen Dreieinhalb:

Platz 1: Ungeschlagen und ohne nähere Konkurrenz Tom Baker.
Platz 2: teilen sich David Tennant und Christopher Eccleston. Ich gebe sofort zu, daß Tennant der bessere Schauspieler ist und in seiner enthusiastischen Darstellung Humor, Tragik und auch Gefährlichkeit des Doctors hinreißend verkörpert. Aber genauso habe ich mich in Ecclestons leisere, mit einem tragischen Unterton versehene Darstellung verliebt.
Auf Platz 3 drängeln sich schon eine ganze Reihe von Schauspielern, von denen Jon Pertwee dem Rest vielleicht eine Nasenspitze voraus ist.

Die Gefährten: Prägung oder nicht, ich zähle definitiv Barbara und Ian zu meinen Lieblingen. Besonders gern mag ich Donna, die viel nötigen comic relief einbringt und keine so stereotype Begleiterin ist. Romana, schon allein weil es unglaublich witzig ist, endlich jemanden an Bord zu haben, der mit dem Doctor mithalten kann. Wenn er mit einer seiner rhetorischen Fragen ansetzt, sein gesammeltes Wissen auf seine Begleiterin loszulassen und diese ihm statt dessen die ausführliche Antwort herunterrattert, ist das unbezahlbar. Time Lords unter sich. Der Rest der Welt kann sich einfach nur zurücklehnen und staunen. Ich verweise insbesondere noch mal auf „State of Decay“, in der sich der Doctor und Romana herrlich gegenseitig die Bälle zuspielen.
Weil sie nach Jamie so selten geworden sind, freue ich mich immer meist, wenn männliche Begleiter anzutreffen sind. Den Brigadier, obwohl eher Weg- als Reisegefährte, erwähnte ich schon; dazu kommen in der UNIT-Phase natürlich noch Sergeant Benton und Captain Yates. Harry hält leider nur etwas über eine Staffel durch. Rory gefällt auch.
Die Retter der Nation: Turlough und River Song, ohne die ihre jeweilige Ära verdammt alt ausgesehen hätte. Ich fordere die goldene TARDIS am Bande für beide.

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Vielleicht überraschend angesichts der Tatsache, daß Rose so deutlich als Heldin an der Seite des Doctors angelegt wurde und daß ich Billie Piper eigentlich sehr gern mag, ist sie eher nur Durchschnitt. In manchen Folgen ging sie mir sogar regelrecht auf die Nerven. In anderen wiederum war sie großartig.
Sarah Jane gewinnt interessanterweise mehr in Wechselbeziehung mit ihren neueren Auftritten in der Serie. Während ihrer „Hauptzeit“ mit Jon Pertwees drittem und Tom Bakers viertem Doctor ist sie durchaus okay, so in etwa auf einem Level mit Jo Grant: Manchmal richtig klasse, fähig und selbstbewußt, manchmal in erster Linie zum Kreischen und Gerettetwerden da. Letzteres ließ mit der Zeit nach, war also vielleicht einem sich verändernden Zeitbild geschuldet. Wie Jo darf sie einige nette kleine, einfach menschliche Momente mit dem Doctor haben – sie zieht ihn auf, sie lachen zusammen über irgendeine Kleinigkeit.

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Was Sarah Jane allerdings bereits hier spezieller machte als andere Gefährtinnen des Doctors, war ihr Abschied in „The Hand of Fear“. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten seine Begleiter und -innen die TARDIS üblicherweise verlassen, um ihr Glück zu finden: Barbara und Ian beispielsweise kehrten vergnügt und um einige Erfahrungen reicher gemeinsam in ihr altes Leben zurück, wenn auch um ein paar Jahre verspätet – bis heute fragt man sich, was sie wohl ihrem Chef, ihren Vermietern und ihren Familien erzählt haben? Auch Jo brach zu grüneren Ufern auf (autsch, Wortspiel), nachdem sie den jungen Ökologieprofessor Clifford Jones kennen- und liebengelernt hatte. Jo verkörperte eigentlich viel deutlicher als Sarah das latente love interest des Doctors; in ihrem Abschiedsabenteuer „The Green Death“ gesteht sie ihm, daß Professor Jones sie an eine jüngere Version seiner selbst erinnert („I don’t know whether to feel flattered or insulted.“), und ihr Weggang ist ein herber Schlag für unseren Zeitreisenden, der sich von der Verlobungsparty schleicht und mit seiner Bessie einsam in den Sonnenuntergang fährt. Auf der etwas ernsteren Seite finden wir Jamie und Zoe, die von den Time Lords in ihre Zeit zurückversetzt und fast jeglicher Erinnerung an den Doctor beraubt werden, aber man gewinnt den Eindruck, daß ihre Leben völlig in Ordnung und in gewohnten Bahnen weiterverlaufen. Auch Susans Leben verspricht sich zu normalisieren, nachdem ihr Großvater sie kurzerhand, wenn auch schweren Herzens aus dem Nest geworfen hat, mit ihrem Liebsten an ihrer Seite und der Aussicht auf eine brandneu aufzubauende Gesellschaft. Sarah Jane hingegen verläßt die TARDIS eher gegen ihren Willen. Ihre Drohung, auszuziehen, ist eine Affekthandlung, die sie sofort widerruft, als sie erfährt, daß das nächste Ziel Gallifrey ist. Doch diese Reise muß der Doctor allein antreten, und so setzt er Sarah mehr oder weniger vor die Tür. An ein Wiedersehen glaubt sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Sarah verschwand allerdings nie wirklich aus dem Doctor Who-Universum, sondern hatte einen Gastauftritt in „The Five Doctors“ und natürlich in K9 and Company, der Pilotfolge zu einer Ablegerserie, aus der leider nichts wurde. Es war erst hier (ich erwähnte bereits die No-Sex-Politik der BBC), daß sie den anderen Gefährtinnen gegenüber herausgehoben wurde. Diesen Ansatz bauten die Macher dann in „School Reunion“ weiter aus.

„He said: ‚Give Sarah Jane Smith my fondest love. Tell her I shall remember her always.'“
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Captain Jack (nicht Sparrow) ging gar nicht, aber das ist ein weites Feld – wobei die gay vibes zwischen ihm und Ecclestons Doctor schon durchaus witzig waren. Oh, und unter „gar nicht“ fällt auch Victoria, die die unnützeste Figur der kompletten Serie sein dürfte. Ich las mit Schaudern, daß die Gefährtin, die dann als Leela überzeugte, ursprünglich so etwas wie eine zweite Victoria sein sollte. Manchmal denken die Macher einfach nicht nach.

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Staffel N.S. 5-7: „We’re boys, and you know what boys say in the face of danger?“ – „What?“ – „’Mummy!’“

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Mit Staffel N.S. 5 beginnt spürbar ein neuer Abschnitt in der Seriengeschichte. Steven Moffat, unser Mann fürs Gruselige („The Empty Child“, „The Doctor Dances“, „The Girl in the Fireplace“, „Blink“, „Silence in the Library“, „Forest of the Dead“), löst Russell T. Davies im kreativen Chefsessel ab, und entsprechend werden die Folgen… nun ja, gruseliger. Moffats Kurs ist definitiv ein anderer als Davies‘; auffällig sind besonders die zahlreichen Brückenschläge zu den ersten drei Doktoren. So tauchen nicht nur halb vergessene Gegner wie die Silurians, Ice Warriors, Zygons oder The Intelligence wieder auf, sondern es werden ganz explizit Bilder und Clips aus den Frühzeiten der Serie gezeigt, und nicht zuletzt nimmt Matt Smiths elfter Doctor kleidertechnisch wieder den Stil seiner zweiten Inkarnation an (nachdem er wie Doctor 3 seine neuen Klamotten aus einem Krankenhaus geklaut hat)! Außerdem gibt’s ein neues, sehr gelungenes Serienlogo und einen neuen, sehr mißlungenen Look für die Daleks.

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Matt Smith (noch so eine nette Gelegenheit für Namenwitze) befindet sich in Peter Davisons Situation: Sein Vorgänger war ein solcher Überflieger, daß er nur verlieren kann. Nicht zu vergessen, daß er das Pech hat, unter Steven Moffats Herrschaft aufzutreten, der, ich muß es einfach sagen, wie ein Fanboy schreibt: Knackjunger Held, pubertärer Humor, the works. Ich finde es beispielsweise vielsagend, daß ich für N.S. 5 und 6 keine einzige Lieblingsepisode benennen kann. Wir sind Davies‘ pompöse Storylines glücklich losgeworden, um dafür was zu erhalten? Viele, viele, viele einfach unoriginelle „Hommagen“ an alle mögliche Filme (und Gedichte!), die ich in dieser Häufung offenen Klau mangels eigener Ideen nenne, seltsame Heldengruppen (nicht gut seltsam, sondern albern seltsam) und einen Helden, den ich weder ernst nehmen kann noch der irgendeinen Charakter besitzt. Ich dachte immer nur, daß die Folgen vielleicht hätten gerettet werden können, hätte noch David Tennant die Hauptrolle innegehabt… Das ärgerliche ist, daß Moffat durchaus Talent besitzt; er schreibt einige wirklich schöne Momente. Was er allerdings bräuchte, wäre ein fähiger Script Editor, der dieses Talent in die richtigen Bahnen zu lenken verstünde, wie es in der Davies-Ära geschah. Da nun aber dummerweise Moffat sowohl Script Editor als auch ausführender Produzent als auch Hauptautor ist, hat er niemanden, der ihn bremst. Die übergeordnete Handlung der Staffeln ist irrsinnig kompliziert und wohl so richtig etwas für Supernerds mit ihren kreuzenden Zeitlinien, aber das Ende ist jedes Mal überraschend gut und weit weniger aufgebläht als befürchtet. Ich verstehe es nur ganz einfach nicht ohne Diagramm.
Unerwarteterweise scheint das Grundthema Ehe zu sein. Wir haben zwei Paare, Amelia und Rory sowie der Doctor und River, die gegen die widrigsten Umstände zusammenhalten. Moffat hat dieses Thema und seine Umsetzung schon in früheren Folgen angerissen: Das Team Sparrow und Nightingale in „Blink“ ist das deutlichste Beispiel, aber auch „The Girl in the Fireplace“ enthält schon viele der hier verwendeten Ideen. Frisch verheirateter Fanboy?

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Mit Matt Smiths elftem Doctor konnte ich trotz aller Versuche nicht warm werden. Mit all den Anspielungen an die gute alte Zeit der Serie hätte es so schön werden können, aber ohne River Song wäre diese Ära verloren. Ironisch irgendwie: Wenn Matt Smith in Peter Davisons Situation ist, so ist River Turloughs Entsprechung. Beide wären die besseren Doktoren ihrer jeweiligen Zeit gewesen.

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Beste Folgen: Es überrascht mich nicht, daß fast alle guten Episoden *nicht* von Hauptautor Steven Moffat geschrieben wurden. Ich bin schon in N.S. 1-4 nicht mit seinem Stil klargekommen, und ich komme jetzt, wo er die übergeordnete Handlung lenkt, erst recht nicht damit klar.
„The Doctor’s Wife“, eine lang überfällige Geschichte, in der endlich mal mehr über den Doctor und seine „bessere Hälfte“, die TARDIS, erzählt wird. Gastautor Neil Gaiman hat seine Hausaufgaben gemacht.

„I was already a museum piece when you were young. And the first time you touched my console you said…“ – „I said you were the most beautiful thing I had ever known.“ – „And then you stole me. And I stole you.“
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„So what do I call you?“ – „I think you call me… Sexy.“ – „Only when we’re alone!“
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„The Rings of Ankhaten“ findet endlich wieder zum echten Doctor Who-Stil zurück. Keine Weltverschwörungstheorien, kein „Wir müssen diese Figur noch schicksalhafter als alle anderen machen, uuh!“, keine weiteren Zeitlinien, die das Gefüge erschüttern, sondern einfach eine gute Geschichte um Dinge, die geschehen sind und die nicht geschehen sind, um gelebte und ungelebte Leben. Auf den Punkt gebracht und wunderschön.
Eine schöne Überraschung war Bill Nighy als Kunstexperte in „Vincent and the Doctor“, zumal er nicht in den Credits genannt wird – ein Job aus Liebe?
Als die 7. Staffel ins goldene Jubiläumsjahr 2013 vorrückt, wird natürlich extra in die Zeitkiste gegriffen. Die Geschichte beginnt sich nun explizit um die gesamte Existenz des Doctors zu drehen, und dank CGI kann Heldin Clara direkt mit den vorhergehenden Inkarnationen interagieren – besonders belohnend ist sicherlich ihr Auftritt, als William Hartnells (nachkolorierter) erster Doctor die TARDIS klaut!

„You’re my future selves?“ – „Yes!“ – „Am I having a midlife crisis?“
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Die einzige Moffat-Folge, mit der ich rundum glücklich bin: „The Day of the Doctor“, das große Special zum fünfzigsten Jubiläum. (Wie üblich kam ich mit den Zeitlinien nicht klar, aber selbst der Doctor gibt in dieser Episode auf, das alles in der richtigen Reihenfolge zu behalten.) David Tennant kehrt als zehnter Doctor zurück und zeigt mühelos, wie man Magie erzeugt, egal, mit welchem Script; der große John Hurt glänzt mit Tragik und Humor als der „verborgene Doctor“; Tom Baker hat einen Gastauftritt; und die erst drei, dann dreizehn Doktoren dürfen gemeinsam ihrer Geschichte den Sinn verpassen, den sie verdient. Ein wunderschöner Brückenschlag, und ich bin glücklich, bereits darüber geschrieben zu haben, bevor ich das Special sah. Des Doctors Geschichte fängt ja gewissermaßen damit an, daß er versucht, sich von den Time Lords zu distanzieren – in „Pyramids of Mars“ erklärt er sogar geradeheraus, sich von der Gesellschaft der Time Lords losgesagt zu haben. Aber wie bereits berichtet, identifiziert er sich gleichzeitig mit ihnen, mit seinen Wurzeln, er verkörpert das beste der Time Lords, das, was sie sein könnten und sollten. Nun, am Ende oder am Anfang, erkennt der Doctor die schlichte und schöne Wahrheit: Er ist immer Richtung Heimat gelaufen – auf dem langen Wege.

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Staffel N.S. 8-heute: „Is he mad, or is he right?“ – „Hand on my heart, most days he’s both.“

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Schauspielveteran Peter Capaldi ist perfekt für die Rolle des zwölften Doctors. Tragischerweise hat immer noch Steven Moffat das Sagen und Schreiben und keine neue Ideen. Capaldi wird also wenig Gelegenheit gegeben, seine sichtlich vorhandenen Fähigkeiten auszuspielen; es ist teilweise sogar schmerzhaft, ihn mit Moffats pubertärer Schreibe kämpfen zu sehen. Andererseits beweist er auf diese Weise, daß ein guter Schauspieler immerhin ein bißchen aus einem mäßigen Drehbuch herausholen kann.
Beim zwölften Doctor wurde verstärkt auf die bei Sylvester McCoy angedacht gewesene dunklere Seite gesetzt. Dieser Doctor hat keine Skrupel, notfalls jemanden über die Klinge springen zu lassen, um die Allgemeinheit zu retten, seine Überlegungen sind logisch, aber kalt.
Capaldis Doctor ist der zweite mit Dialekt, diesmal mit schottischem! Im Gegensatz zu Moffats erstem Ansatz in der Richtung (frischverheirateter Fanboy und Schotten-Fan?), Amy, funktioniert es hier immerhin. Darstellerin Karen Gillan scheiterte jedesmal kläglich am Versuch, schottisch zu klingen.

Die Geschichte hingegen scheint in einer Zeitschleife festzuhängen; so setzt Clara plötzlich wieder dort an, wo Amy in Staffel 5 anfing, und die Abenteuer kehren immer wieder zu alten Abfolgen, Charakteren und Orten zurück. Das ist eben das Problem, wenn man einen Drehbuchautoren und ausführenden Produzenten hat, der fast sämtliche Folgen schreibt. Weil ich mir das Elend nicht weiter antun wollte, brach ich also nach Staffel N.S. 8 ab – sagt mir Bescheid, wenn Moffat ausgestiegen ist, dann will ich der Neuen Serie gern wieder eine Chance geben.

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Beste Folgen (in Staffel N.S. 8): „Into the Dalek”, die, wie unschwer zu erkennen, bei „The Invisible Enemy“ klaut. „Kill the Moon” und „In the Forest of the Night” behandeln ökologische und ethische Themen. „Mummy on the Orient Express” verflicht wunderbar die dunkle und helle Seite des zwölften Doktors. In „Flatline“ darf Clara für den Doctor einspringen, wir erhalten (nach River) unseren ersten Blick darauf, wie eine weibliche Inkarnation aussehen könnte – und ich vermute, diese wird in absehbarer Zeit anstehen. Ach so, und ja: Ich habe den müden Witz in den Startfolgen wahrgenommen, als versucht wurde, möglichst viele „alte“ Episodentitel in die Dialoge einzubauen. Ha. Ha.

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Staffel N.S. 2: “I’m so old now. I used to have so much mercy.“

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Mit Staffel N.S. 2 und David Tennant als neuem Doctor hatte ich anfänglich meine Probleme, gerade was die Chemie zwischen Rose und dem Doctor anging. Vielleicht war es die scheinbare Unerreichbarkeit, die die Dinge vorher so interessant machte. Tennants Doctor dagegen war mir in vielem zu passend, zu glatt, zu sehr modernes Klischee, typischer attraktiver junger Actionheld inklusive innerer Dunkelheit blabla. Was ich hingegen sofort mochte, waren seine Koteletten!
Das Ironischste in meinen Augen war, daß, nachdem nun Rose und der Doctor gewissermaßen kompatibel gemacht worden waren, nicht mehr viel passierte. Wir bekommen ein paar Brocken zugeworfen, aber letztlich stagniert die Entwicklung. Tatsache ist, daß sie immerhin schon mal einen Kuß geteilt haben (und was für einen!). Ja, man kann innergeschichtlich argumentieren, daß das ein Trick des Doctors war, um die Vortexenergie aus Rose herauszuziehen, aber ehrlich: Das waren zwei Dinge, die sich prima miteinander verbinden ließen! Und danach? Pustekuchen. Liebe Leute, so schreibt man doch keine Geschichte! Ich verlange ja gar nicht, daß Doctor Who plötzlich zu True Blood mutiert, aber wenn Rose schon als so speziell dargestellt wird – und das letztlich über vier Staffeln! –, dann erwarte ich doch… was weiß ich… mehr. Mehr als die unschuldige Zuneigung, die mit den Dutzenden von anderen Begleiterinnen über die Jahrzehnte lief. Zumindest ein Küßchen zwischendurch hätte niemanden umgebracht.
Vielleicht lag das Problem auch einfach darin, daß die zweite Staffel wenig zu bieten hatte. Es fließt alles so vor sich hin – niemals schlecht, aber auch fast nichts, was sonderlich in Erinnerung bliebe. Die Macher konzentrierten sich meines Erachtens ein bißchen zu sehr auf den kommenden Ableger Torchwood und verloren darüber den Blick aufs Ganze.

Beim wiederholten Anschauen, bei dem sich bekanntlich immer Details erschließen, fiel mein Urteil schon milder aus. Ich bin immer noch der Meinung, daß man erheblich mehr hätte herausholen können. Aber alles in allem kann ich mit Staffel 2 leben.

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Die erste rundum sehenswerte Folge ist „School Reunion“, und zwar nicht nur, weil Anthony Head (Buffys Giles) als Chefbösewicht auftritt. 🙂 Fans können sich über ein Wiedersehen mit zwei früheren companions freuen, und damit verbunden ist auch die eigentliche Stärke der Folge. Abenteuer mit dem Doctor in Zeit und Raum sind gut und schön, aber was passiert, wenn sie vorüber sind? Wie leben die Gefährten mit den Nachwirkungen? Wieviel schlimmer ist es, wenn Liebe im Spiel war? Und obwohl das Zusammentreffen der aktuellen und der ehemaligen Heldin ausgesprochen witzig ist („The missus and the ex. Welcome to every man’s worst nightmare.“), ist die eigentliche Geschichte wehmütig und hat ein zwar versöhnliches, aber nicht rundum glückliches Ende. „School Reunion“ ist in großem Maße eine Sarah-Jane-Folge. Die gealterte Heldin darf noch einmal so richtig glänzen und diejenige sein, die mit Einsicht und ein paar notwendigen Wahrheiten den Tag rettet.

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Wie bereits gesagt, kein Fan der Cybermen, aber der Zweiteiler „Rise of the Cybermen“ / „The Age of Steel“ gehört neben „School Reunion“ zu den besten Folgen der Staffel.
Die unglaublich klischeebeladene Doppelfolge „The Impossible Planet“ / „The Satan Pit“ ist erwähnenswert, weil sie visuelle Anleihen bei Hans-Werner Sahm, einem meiner langjährigen Lieblingsmaler, macht!
Der Endzweiteiler „Army of Ghosts“ / „Doomsday“ sieht sich verdächtig wie die Antwort auf eine langstehende Fandiskussion: Daleks vs. Cybermen. Und zum Thema „Großbritannien über alles“, was bedeutet, daß bei allen bekannten Briten geklaut wird, gibt es zu vermelden, daß die Doppelfolge – hust – kaum bemerkbare Anleihen bei His Dark Materials macht. Insbesondere dessen drittem Band.


Staffel N.S. 3: “Funny thing, for a spaceship she doesn’t do that much flying.”

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Die dritte Staffel startet gleich so richtig durch mit der Einführung von Donna, die wirklich jedem Charakter seit Beginn der Serie die Show stiehlt, und natürlich mit der genialsten TARDIS-Szene aller Zeiten – die Verfolgungsjagd auf dem Schnellweg!

„TARDIS überholt links!“
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Der gelungenste Coup des Musiksupervisors war wohl, Neil Hannons „Love Don’t Roam“ zu finden und in der Partyszene in „The Runaway Bride“ zu verwenden – der perfekte Themensong für den Doctor und Rose.

Staffel N.S. 3 ist leider auch diejenige, in der die Dinge aus dem Ruder zu laufen beginnen. Ich habe nichts gegen Epik, aber sie sollte mit Sinn und Verstand eingesetzt werden. Weniger ist auch hier mehr. Der Doctor wird allmählich auf eine Stufe erhöht, die schon haarscharf an der Grenze zum Lächerlichen liegt. Ich bevorzuge ehrlich gesagt die „kleineren“ Folgen.

Man muß sie live und in Farbe sehen – dies war spätestens die Szene, mit der mich David Tennant restlos überzeugte. Hier, im Showdown von „The Runaway Bride“, schaffte er es, so viel allein mit seinen Augen auszudrücken. In „Dalek“ kam der Doctor dank Rose noch rechtzeitig zur Besinnung; hier wird ihm bewußt, daß er gerade ein (vielleicht vermeidbares) Massaker angerichtet hat.
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„The Shakespeare Code“ ist ein lebendes Beispiel dafür, daß trendbezogene Witze schnell altern. Ich habe das Shakespeare in Love-meets-Harry Potter-Konzept sehr genossen, aber wenn der Doctor von HPs letztem Band erzählt, muß man heute schon dazu erklären, daß dieser zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung noch nicht erschienen war. Zeitreisender, capito?

„Expelliarmus!“
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Ich würde sie als Downton Abbey-Verschnitt bezeichnen, aber die Serie folgte erst später. Die Doppelfolge „Human Nature“ / „The Family of Blood“ ist neben „The Runaway Bride“ das Highlight der dritten Staffel. Süß und herzzerreißend und eine dieser Gelegenheiten, bei denen man dem Doctor mal ordentlich eine runterhauen möchte. „Don’t you ever think he deserves something to happen to him?“, wie schon Barbara in “The Daleks” Ian fragt.

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Quasi eingeleitet wird die Folge von dem schönen Choral “He Who Would Valiant Be” (auch: „To Be a Pilgrim“). Ich habe allerdings den Eindruck, daß die Zuständigen diesen falsch assoziiert haben. Er spielt einmal bei unserer Einführung in das mit militärischem Drill geführte Jungeninternat und ein zweites Mal bei der Schlacht gegen die Vogelscheuchen und wird darüber hinaus von einem Jungenchor gesungen. Das alles deutet auf eine Verknüpfung mit dem unterliegenden Thema der Folge Erster Weltkrieg hin – das idealisierte Sterben für König und Vaterland. Viel korrekter jedoch ist es, den Choral auf John Smith und Tim zu beziehen, die nicht nur beide auf ihre Weise „valiant“ sind, sondern man kann sogar die religiöse Komponente anwenden. Das Wandeln in den Fußstapfen des Doctors und so. Ich verweise auf den Punkt „Erhöhung“ oben.

Kleine Dinge:
„Human Nature“ enthält mit der Szene Spaziergang von John Smith und Joan in der Feldmark einen der besten Dialoge, die ich je gehört habe. In keiner Weise „groß“, aber einfach rund. Sehr lebendig, sehr lebensecht. Das ist die Kunst der Worte, nicht Tims viel aufsehenerregendere Beschreibung des Doctors in „The Family of Blood“. (Ja, ich verstand die Anspielung auf Sydney und Verity, die „Eltern“ des Doctors.)
Außerdem: Marthas und Jennys Zusammenstoß mit Baines und Hutchinson. Jenny sieht den beiden gesellschaftlich höherstehenden jungen Männern kaum in die Augen, während Martha, die als moderne Frau dieses Standesdenken niemals kennengelernt und somit niemals gelernt hat, direkten Blickkontakt hält.

Für Horrorfolgen habe ich eigentlich nichts übrig, aber „Blink“ ist so clever und unterhaltsam, daß ich darüber hinwegsehen kann.

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„Gridlock“ hingegen war einfach schmerzhaft. Ich liebe Symbolik in Geschichten, wirklich, aber… aua. Die große Frage „Gibt es einen Gott?“ verpackt in eine Geschichte um einen Verkehrsstau. Plump, plump und nochmals plump.
Wirklich gehaßt habe ich den abschließenden Dreiteiler „Utopia“ / „The Sound of Drums / „Last of the Time Lords“. „Utopia“ lasse ich noch gelten, weil Derek Jacobi. Alles mit Derek Jacobi landet automatisch auf meiner Gnadenliste. Aber der Rest ist genau das, was ich bei fortlaufenden modernen Geschichten immer hasse: Wir müssen immer noch einen draufsetzen, wir brauchen diesen wirklich unbesiegbaren Gegner, der a) immer fünf Schritte voraus, b) unerträglich, aber – wie wir glauben – witzig und c) natürlich jung ist. Ich kam mir vor, als hätte ich mich in The Vampire Chronicles verirrt. Angesiedelt in Isengard. Ja, natürlich greift Doctor Who alle großen Briten auf, aber der Saruman-Verschnitt… au. Alle Pläne scheitern, alles ist ganz furchtbar, und Schnabeline liegt auf dem Sofa und stöhnt: „Oh Mann, wie albern.“ Den einzigen Punkt gibt’s für das Gedankennetzwerk.


Staffel N.S. 4-4½: „That’s a change. There’s a monster, and we’re chasing it.“

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Und die Höher-schneller-weiter-Spirale dreht sich weiter! Netterweise setzt sie erst in der dreiteiligen Abschlußfolge „Turn Left“ / „The Stolen Earth“ / „Journey’s End“ ein und erlaubt es dem Zuschauer somit, in Ruhe eine ganze Reihe unterhaltsamer Folgen zu genießen. Mit Donna als Heldin kann da auch wenig schiefgehen!

„You’ve been here before, then?“ – „Mmm, ages ago.“
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„Before you ask, that fire had nothing to do with me.“
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„Well…“
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„… a little bit.“
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Beste Episoden: „Partners in Crime“ wegen des schieren Comedy-Effekts, und wider Erwarten fand ich „Midnight“ unter meinen Noch-mal-ansehen-Folgen. Nach „Silence in the Library“ / „Forest of the Dead“ eine weitere Horror-Episode (naja – besagte Doppelfolge verlor vor lauter Andeutungen über des Doctors Zukunft viel ihres Schauers), aber auf einem ganz anderen Level. Lebende Schatten und sprechende Tote sind eine Sache; Klaustrophobie und Hexenjagd-Atmosphäre eine ganz andere. Im Vergleich mit dem Bombast des Enddreiteilers oder den Lachern der Startepisoden keine auf Anhieb herausragende Folge, aber im Nachhinein ein echtes Juwel. Sehr begrenzter Personenkreis, mit dem Doctor endlich mal wieder „ganz menschlich“ als Opfer eines hinterhältigen Gegners… und von Massenhysterie. Ein wunderbares Psychologiestück. Und rein technisch betrachtet eine Glanzleistung der Schauspieler, die absolut synchron arbeiten mußten.

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Über das Staffelende bleibt zu sagen, daß es nach dem großen Trara trotzdem gefiel. Perfekt das Happy End für Rose und den Doctor-/Donna-Klon (sorry, Boss – Frauen wollen nun mal manchmal tatsächlich hören, daß sie geliebt werden!), und Donna… nun, Donna bleibt Donna, nachdem sie in so grandioser Weise die Welt gerettet hat. Ein gutes Stück Weisheit hier: Wie dumm oder oberflächlich oder unfähig uns manche Menschen auch erscheinen mögen – man weiß nie, was in ihnen vielleicht verborgen steckt.

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Letztlich auch ein schöner Abschluß der Tetralogie, die Staffel 1-4 übergeordnet bilden. So sind im Showdown von „Journey’s End“ noch einmal alle Hauptcharaktere der letzten vier Jahre versammelt und dürfen gemeinsam einmal mehr in die Bresche springen – die verrückteste Heldengruppe, die sich je gefunden hat. Das ist letztlich auch, was hier, am „Ende der Reise“, gefeiert wird: Freundschaft, Liebe, Zusammenhalt. Wie der Doctor so vielsagend enthüllt – die TARDIS ist dafür gedacht, von einer Gruppe gesteuert zu werden; mit nur einem Piloten wird der Flug holprig, schwierig bis unmöglich.

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Natürlich werden in der Staffel auch schon Hinweise gestreut, daß sich David Tennants Zeit als Doctor dem Ende zuneigt.

A propos: Anzumerken bleiben noch die Tenth-Doctor-Specials, die nach Staffel N.S. 4 erschienen sind und den Zeitraum von Dezember 2008 bis Januar 2010 überbrücken, also eine komplette Staffel ersetzen. Namentlich „The Waters of Mars“, das einerseits besser gefallen hätte, wäre die Originalstruktur beibehalten worden: Der Doctor kommt an einen der Fixpunkte in der Zeit und muß passiv zusehen, wie eine Gruppe von Menschen stirbt, um das Kontinuum aufrechtzuerhalten. Als er schließlich doch entscheidet, einzugreifen (und was folgt), ist das wieder mal eine typische Innere-Dunkelheit-Geschichte. Gähn. Andererseits hatte ich genau am gleichen Tag „The Invasion of Time“ gesehen, in dem Tom Bakers Doctor so großartig sein Recht auf die Schlüsselposition des Ratspräsidenten der Time Lords einfordert und gewissermaßen am gleichen Punkt ankommt wie seine spätere Inkarnation: Die Macht über das Zeitkontinuum zu besitzen und niemanden zu haben, der ihn aufhalten kann. Um dieser finsteren Parallele willen lasse ich Showdown und Ende gelten.
Der düsteren (und völlig überzogenen) Atmosphäre der Specials entsprechend kommt nach „The Waters of Mars“ des zehnten Doctors… nicht im eigentlichen Sinne dunkle Seite voll zum Tragen, sondern etwas, das seine früheren Inkarnationen nicht besaßen: Eine abgrundtiefe Angst um sein aktuelles Leben. Im Endzweiteiler „The End of Time“ tritt eine sehr unschöne Schattenseite hervor, die beim zehnten Doctor vorher angedeutet, aber nie in dem Maße ausgespielt worden war: Das Anklammern an seine derzeitige Existenz, die Überzeugung, mehr wert zu sein als die kleinen Erdenmenschen, um deretwillen er sein Potential, seine noch bestehenden Möglichkeiten verschleudert, das Jammern gegen die Unfairneß, die an ihm begangen wird. Das Ende ist (zu) lange hinausgezogen, um David Tennant einen gebührenden Abschied zu geben (weniger wäre mehr gewesen), aber sein Doctor zeigt keine der Würde seines Vorgängers, als seine Zeit schließlich endet. Oh, und muß ich extra erwähnen, was für eine superdämliche Politik es ist, die Regeneration in einem Special stattfinden zu lassen statt in der regulären Serie?

Gelernt: „Excavate!” Vor ein paar Monaten hätte ich den Witz noch nicht verstanden, aber als ich im Januar ein paar Richard-III.-Videos der Universität von Leicester sah, die ich noch nicht kannte, mußte ich lachen. Mathew Morris, der Mann mit den interessanten T-Shirts, führt sein Shirt für Doctor-Who-liebende Archäologen vor. Unter anderem hier:

Seitdem kann ich leider weder einen Dalek sehen noch das Wort „excavation“ hören, ohne zu zitieren.

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Made in Great Britain: Der Neustart unter dem Thema Tod und Sterblichkeit – und britischem Nationalstolz

Doctor Who ist Kult, und die Briten wissen es. Kein Wunder also, daß die Neue Serie stolz darauf ist, britisch zu sein – mal augenzwinkernd, mal weniger so. Der amerikanische Monopolanspruch, Zentrum der Welt zu sein, zählt hier überhaupt nicht, der sich ständig einmischende US-Präsident wird gnadenlos von den britischen Premiers ausgeschaltet (der Rest der Welt jubelt), die königliche Familie wird gern und oft aufs Korn genommen, und Tee als Heilmittel für den komatösen Doctor ist wohl die beste Idee der gesamten Serie, alt und neu.

Ein durchgehendes Thema der ersten vier Staffeln der Neuen Serie (die „Ära Russell T. Davies“) sind Tod und Sterblichkeit, mit dem sich fast jede Folge in irgendeiner Form auseinandersetzt.

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Der neue Ansatz des Doctors ist sehr spannend und zieht sich letztlich bis zum Ende der vierten Staffel: Der eigentlich so heitere, warmherzige und weise Doctor, ein überzeugter Pazifist, der alle Formen des Lebens respektiert, ist ein Produkt des Krieges gegen die Daleks geworden, in dem er nicht nur sein gesamtes Volk verloren hat, sondern in dem er töten mußte und Zeuge des Untergangs uralter Zivilisationen wurde. Er trägt viel Schmerz und Wut und Gnadenlosigkeit in sich, die sich immer wieder an die Oberfläche zu arbeiten drohen – und es manchmal auch schaffen. Kombiniert mit seiner Machtfülle und beinahen Unsterblichkeit macht diese Konstellation ihn anfällig für Versuchungen, doch das Schicksal führt ihn mit Rose Tyler zusammen, zu der sich schnell eine innige Verbindung entwickelt. Rose wird in seinen schwachen Momenten zum Gewissen des Doctors, zu seinem besseren Ich – die campbellsche Anima der Geschichte.
(Auf die Rolle der Frauen in Doctor Who und ihre Symbolik gehe ich in meiner Beitragsserie „Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht“ im Autorenblog näher ein.)


Staffel N.S. 1: „Stitch this, mate!“

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Christopher Eccleston, der Doctor der ersten Staffel der „Neuen Serie“, wie man das bibliographisch nennt („N.S. 1.2005“). Ich hatte hier den Sprung direkt von der originalen ersten Staffel 1963 zur neuen ersten Staffel gemacht, weil ich die Sammelbox N.S. 1-4 schon hatte, die übrigen Hartnell-Folgen sich noch irgendwo auf dem Postwege UK – Deutschland befanden und mir, wenn schon ein Sprung gemacht wurde, N.S. 1 als einfacher Einstieg erschien – immerhin mußte die neue Serie nach der langen Pause so konzipiert werden, daß man ihr auch als Frischling folgen konnte. N.S. 1 fährt mit großen Momenten und viel Humor auf. Ich verliebte mich insbesondere in Ecclestons Darstellung als letzten seiner Art, der sowohl versucht, mit seinem Verlust klarzukommen als auch der Verantwortung gerecht zu werden, die auf seinen Schultern ruht. Beste Folgen in der Hinsicht: „Dalek“ (obwohl mich das Ende enttäuschte – aber sonst: wow) und „Father’s Day“. Britischer Humor trifft amerikanische Katastrophenfilme im Zweiteiler „Aliens of London“ / „World War Three“. Ich habe selten so gelacht!
Ob der Zweiteiler „The Empty Child“ / „The Doctor Dances“ als großes Event gedacht war, weiß ich nicht, aber ich muß ehrlich sagen, daß ich ihn als schwächsten Teil der Staffel betrachte. Sicher, das Horror-Element ist gelungen, aber der Rest… ich will gar nicht anfangen, was daran alles falsch ist.
N.S. 1 ist deutlich als Einführungsstaffel gedacht, die in Kurzform vieles dessen zusammenfaßt, was in dreißig Jahren Serie etabliert wurde: Doctor, TARDIS, Time Lords, Daleks, der Zeitkrieg mit seinen Auswirkungen und natürlich die Regeneration. Gleichzeitig sind auch so einige Schmankerl für die Fans dabei.

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Dabei sind es wie so oft die kleinen Dinge, die mich begeistern. Die neue erste Staffel setzt in der Londoner „lower class“ an, und in dem Sinne besitzt der Doctor auch einen gewissen Arbeiterklasse-Aspekt. Die gesamte Atmosphäre ist härter, nüchterner, realistischer als bisher. Außerdem liebe, liebe, liebe ich Ecclestons Dialekt. „Lots of planets have a north.“ Das wiederum schließt den Kreis zur oben erwähnten Atmosphäre. Der neunte Doctor spricht kein gepflegtes Oxford-Englisch, er ist näher am „einfachen Volk“.

Staffel N.S. 1 lohnt auf jeden Fall eine Reevaluierung nach Matt Smiths „The Day of the Doctor“, das uns mit der direkten Vorgeschichte des neunten Doctors vertraut macht. Er regeneriert aus John Hurts Krieger-Doctor (der, wie man annehmen kann, unter seinem tatsächlichen Namen agierte), sehr kurz nach der Zerstörung Gallifreys. Ich halte eigentlich nicht viel von Steven Moffats Geschichten, aber hier muß ich ihm herzlich gratulieren. Er hat einen Brückenschlag geschrieben, der hundertprozentig paßt. Des neunten Doctors ungewöhnlich schlichtes Outfit macht plötzlich Sinn (ich verweise auf den noch folgenden Dress-for-success-Beitrag) wie auch seine Reaktionen in „Dalek“ und, nicht zu vergessen, „The Parting of the Ways“, in dem sich die Geschichte zu wiederholen scheint… doch diesmal trifft er die Entscheidung, die er auf Gallifrey nicht traf.

„Father’s Day“ ist eine Folge, die nicht nur wunderbar ohne Exposition auf einen Punkt bringt, was ein Time Lord ist, sondern die auch vor religiöser Symbolik strotzt. Es fängt schon gleich beim Titel an. Natürlich bezieht er sich erst einmal auf Roses Vater, aber es geht noch weiter. „Vatertag“, was heute nicht mehr allgemein bekannt ist, hat im Ursprung nichts mit Vätern zu tun, sondern mit dem Vater – Gott. Im Deutschen hieß er früher auch „Herrentag“, ebenfalls von dem Herrn abgeleitet. Kein Wunder also, daß sich ein Großteil der Handlung in einer Kirche abspielt und daß das Kreuzigungsthema immer wieder auftritt – im Kruzifix hinter der Kanzel, im Kirchenfenster und natürlich in der Selbstaufopferung für die Menschheit sowohl des Doctors als auch Roses Vaters.

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Touch, connection, change: „Dalek“

Die sechste Folge der Neuen Serie war von Anfang an mein Favorit unter den Doctor Who-Episoden, und daran änderte sich auch bei fortschreitender Kenntnis der Serie wenig. Sie ist nicht nur ein psychologischer Höhepunkt in der Charakterzeichnung des Doctors, sondern in ihren Themen und deren bildlicher Umsetzung schlichtweg Kunst. Doctor Who kann nicht besser werden als hier.

Berührung/Verbindung, das Grundthema der Folge. Es wird sowohl wörtlich als auch übertragen umgesetzt. In van Stattens Museum (eine Szene, die stark an „The Space Museum“ erinnert):

Die Slitheen-Hand als klares Symbol von Berührung.
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Der Cybermen-Helm, eine Berührung mit der Vergangenheit.
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Aug‘ in Auge, eine weitere „Berührung“, die sich durch die gesamte Folge zieht.
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„Something’s reaching out. Calling for help.“
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Der Doctor berührt das Glas und löst damit den Alarm aus.
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Berührung, Isolation: Der Folterknecht im Schutzanzug im Fokus seines Opfers.
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Zarteste Berührungen: Der Doctor instruiert van Statten im richtigen Gebrauch des Musikinstrumentes.
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Isolation: „I won’t touch it, then.“ Der Doctor lehnt die empfohlenen Schutzhandschuhe ab.
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Symbolik läßt grüßen: Der Doctor tritt ins Dunkel.
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Folterinstrumente.
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Das Zusammentreffen zweier alter Feinde, das auf beiden Seiten die wundesten Punkte berührt, die es überhaupt gibt: Einsamkeit, Kummer, Schuldgefühle, Haß.
Berührung – Verbindung. „We are the same“, stellt der Dalek fest…
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… und bringt das Finsterste im Doctor an die Oberfläche. Ch-ch-ch-changes, das zweite Grundthema, das mit dem der Berührung, ähem, Hand in Hand geht.
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„I wanted to touch the stars.”
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Rose berührt und verändert den Dalek auf mehreren Ebenen. (In der spiegelbildlichen Symbolik Doctor – Dalek überträgt sich das übergeordnet natürlich auch auf die Hauptfigur.)
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Immer im Fokus des Gegenübers: Verbindung.
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„You would make a good Dalek.“ Eine unangenehme Veränderung, gelassen ausgesprochen.
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„What good are emotions if you will not save the woman you love?“ Eine unterdrückte Wahrheit wird ans Tageslicht gebracht.
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Die Berührung des Sonnenlichts.
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„What the hell are you changing into?“ Rose wird im Laufe ihrer Zeit mit dem Doctor mehr als einmal zu seinem seelischen Rettungsanker.
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Ein verbliebenes Stück Heimat: Der Doctor und seine TARDIS.
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Staffel 24-26: „The more I know me the less I like me.“

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Wahrscheinlich einer der abgenudeldsten Doctor Who-Witze aller Zeiten, aber ich muß ihn machen: „He’s dead, Jim.“ Sylvester McCoy als siebter Doctor lädt zu offensichtlich dazu ein…

Man glaubt ja bekanntlich immer erst etwas, wenn man’s selbst erlebt. So ging es mir mit Tom Baker („So gut kann er doch gar nicht sein… Oh.“), und es ging mir so mit Sylvester McCoy, namentlich der immer wieder erwähnten dunkleren Richtung seines Doktors. Zu dem Zeitpunkt, an dem er übernimmt, glauben wir, den Doctor gut zu kennen. Aber nun stellt sich nach und nach heraus, daß bisher viel ungesagt blieb. Nicht verwunderlich, wenn man darüber nachdenkt. Als wir den Doctor in „An Unearthly Child“ zum ersten Mal treffen, hat er schon hunderte von Jahren gelebt, und er ist an diesem Punkt kein sympathischer Charakter. Unerbittlich, hart und alles andere als mitfühlend, entführt er Barbara und Ian kurzerhand, als sie das Geheimnis der TARDIS entdecken. Erst im näheren Zusammenleben mit seinen menschlichen Passagieren und nach gemeinsam bestandenen Gefahren erweitert er sein Familiengefühl auf die beiden, die so quasi auf den Platz von Susans Eltern rücken.
Staffel 25 beginnt die Zuschauer mit einer bisher verborgenen, geheimnisumwobenen und irgendwie sinistren Seite des Doctors zu konfrontieren. Die Neue Serie, insbesondere unter Matt Smiths elftem Doctor, zog Inspirationen daraus. In „Remembrance of the Daleks“ wurde auch der Boden für die Idee des Zeitkrieges gelegt, der so große Bedeutung für die Neue Serie hat. Ich weiß nicht, was für den Hintergrund des Doctors geplant war – ließe sich nachlesen, aber muß ja gar nicht sein. Das, was man anhand der Andeutungen spekulieren kann, ist schon genug, um mich aus verschiedenen Gründen froh sein zu lassen, daß es nie zu einer Umsetzung kam! Spuren davon tauchen jedoch in „The Name of the Doctor“ und dem darauf folgenden Jubiläumsspecial „The Day of the Doctor“ in Form der verborgenen Inkarnation zwischen achtem und neuntem Doctor auf.

Für die Episode zum 25. Jubiläum, „Remembrance of the Daleks“, ließen sich die Macher einmal etwas ganz anderes einfallen. Der siebte Doctor kehrt nach 1963 zurück, zu vertrauten Plätzen, wenige Monate nachdem der erste Doctor mit Susan, Barbara und Ian aufgebrochen war… und etwas zurückgelassen hatte. Mit vielen, vielen Aha-Momenten!
In „Battlefield“ darf der Brigadier noch einmal glänzen, als unerwarteter Retter der Menschheit. Wer außerdem bezweifelt, daß wir inzwischen in Sachen Feminismus weit gekommen sind, kann sich am Ende eines besseren belehren lassen, als die Damen zu einem Zug durch die Stadt aufbrechen, während die Herren das Haus hüten müssen – zum Schock des Brigadiers, zum Entzücken unseres jungen Ritters und zur leisen Belustigung des Doctors.

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Mit Ace steigt nach längerem endlich wieder eine Gefährtin zu, die etwas taugt. Während ihre Vorgängerinnen Peri und Mel völlig nichtssagend blieben, scheint man 1988 begriffen zu haben, daß es die Geschichte bereichert, den companions sowohl Persönlichkeit als auch Hintergrund zu verpassen. Ace ist einfallsreich, mutig, entschlossen, handfest. Statt beim Anblick von Monstern, Cybermen und sonstigen Gegner zu erstarren oder zu kreischen, geht sie zum Angriff über, sei es tätlich oder verbal. Unter ihrem Bravado versteckt sich jedoch auch eine verletzliche Seite. In sehr vielem ist Ace bereits eine Heldin nach heutigen Standards. Ironischerweise kehrt Doctor Who in ihrer Person gleichzeitig zu frühen Epochen mit ihren Teenager-Heldinnen zurück.


Zwischenstation: Der Film (1996)

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Dank britisch-amerikanischer Zusammenarbeit kam 1996 der Fernsehfilm zustande. Kaum überraschend, daß er mit diesen „Eltern“ größer und actionreicher wurde als alles, was die Serie zu bieten gehabt hatte. Der Film schwächelt ein bißchen durch klischeehafte Struktur, magere Handlung und kaum vorhandenen Humor, eigentlich eines der herausragendsten Doctor-Who-Elemente. Aber er ist durchaus unterhaltsam; es gibt ein paar nette kleine Brückenschläge zur Serie und ein paar nette „neue“ Momente (der TARDIS-Ersatzschlüssel ließ mich kichern), und ich liebe den Einbau des Symbols der Time Lords in das Design der TARDIS. Vor allen Dingen jedoch zeigte der Film die Richtung zur Neuen Serie auf, mit mehr Action, mutigeren Sets und generellem Größer-Denken. Oh ja, und es darf von nun an geküßt werden!

Es pocht in der Leichenhalle – „Who’s there?“ 🙂 In seiner nur angedeuteten Form der cleverste Knock-knock-Witz, der mir je untergekommen ist. (Wer das Muster nicht kennt: Es geht weiter mit „The Doctor.“ – „Doctor who?“)
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Von Paul McGann hätte man gern mehr gesehen, aber der Film blieb sein einziger wesentlicher Auftritt als achter Doctor.

Visit London. („He’s British.“ – „I suppose I am.“)
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Staffel 19-21: „You speak treason.“ – “Fluently!“

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Peter Davison hatte die undankbare Aufgabe, in Tom Bakers gigantische Fußstapfen zu treten. Ich kann mir vorstellen, daß die Zuschauer bereit waren, ihn zu hassen – „just because“. Nicht umsonst war angedacht gewesen, die populäre Sarah Jane Smith für den Übergang vom vierten zum fünften Doctor in die Serie zurückzuholen, wohl um den Schock zu mildern… Interessant gemacht ist der so gegensätzliche Kontrast von Tom Bakers dunkler, warmer zu Peter Davisons heller Kolorierung – einer der deutlichsten Versuche, gleich zu Beginn den fünften vom vierten Doctor abzuheben.
Staffel 19-21 erwecken den Eindruck, als habe man – sehr löblich – versucht, mehr Grautöne in die Serie zu bringen. Viele Folgen laufen nicht auf ein universelles Happy End hinaus, sondern bleiben in ihrer Lösung zwiegespalten. Peter Davisons fünfter Doctor hat nicht alle Antworten, er ist nicht mächtig genug, um alle Probleme ins Lot zu bringen, er ist fehlbar.
Davisons Einstiegsepisode „Castrovalva“ verdeutlicht den neuen Kurs oder vielmehr die Rückkehr zum alten Kurs unter Hartnell und Troughton, als das gesamte TARDIS-Team Helden der Handlung war. Nachdem Komplikationen in der Regeneration des Doctors auftreten (eine Möglichkeit, die bereits in „The Brain of Morbius“ vorgestellt worden war), müssen Tegan, Nyssa und Adric den Tag retten. Gerade die beiden Damen der Crew glänzen in ihren tragenden Rollen, und Peter Davison gibt eine perfekte Nachahmung von Patrick Troughtons zweitem Doctor!

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Beste Folgen: An erster Stelle steht unangefochten „Earthshock“. Erstmals gibt es hier keine Rettung in letzter Sekunde; selbst nach heutigen Standards ist das Ende heftig.
Hochgelobt ist „Kinda“, nach Tom Bakers „Warriors‘ Gate“ ein zweites sehr experimentelles, surreales Abenteuer. Vom künstlerischen Standpunkt aus mag ich dem zustimmen, aber ich habe da ganz andere Lieblingsfolgen.
Zum Beispiel „The Visitation“, ein kurzweiliges Abenteuer im England des siebzehnten Jahrhunderts. Michael Robbins als Highwayman/gescheiterter Schauspieler Richard Mace stiehlt mühelos die Show, während Peter Davison mit einer punktgenauen Doctor-Darstellung überzeugt.
Der Zweiteiler „Black Orchid“ ist sehr nett für zwischendurch, eine komplett alienfreie Episode (okay, wenn man vom Doctor, Adric und Nyssa absieht) um eine Mordserie auf einem Landsitz 1925.

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Die Jubiläumsfolgen machen immer Spaß, und „The Five Doctors“ bildet da keine Ausnahme. Sie trommelt alles zusammen, was im Doctor Who-Universum Rang und Namen hat, sei es auch nur für Minuten. Bei der Fülle von aktuellen und früheren Darstellern natürlich eine logistische Meisterleistung, und es überrascht nicht, daß es nicht ganz perfekt klappte: Tom Baker war verplant, so daß (innovative Lösung) für seinen Part auf die unvollendete und nie ausgestrahlte Episode „Shada“ zurückgegriffen wurde und sein Doctor für den Rest des Abenteuers im Limbus festhängen muß. Also eigentlich nur „The Four Doctors“, aber sie sind genug, um für gute Unterhaltung zu sorgen. William Hartnell erhielt posthum seinen Auftritt in dem aus einer früheren Folge entnommenen Geleitwort, während der Part des ersten Doctors originalgetreu von Richard Hurndall gespielt wurde. Und wie es sich gehört, darf es auch der geliebte erste Doctor sein, der am Ende seinen Nachfolgern noch etwas beibringen kann und seinen Platz als Patriarch hält. Tom Baker wiederum bekam dreißig Jahre später dann doch noch seinen Jubiläumsauftritt, nämlich in „The Day of the Doctor“.

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„Frontios“, ein apokalyptisches Abenteuer, in dem, wie auch in „Planet of Fire“, Turlough eine Schlüsselposition einnehmen darf. In „Planet of Fire“ finden wir in Turlough außerdem eine direkte Parallele zum Dilemma des zweiten Doctors in „The War Games“.

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Die Gefährten bestechen in dieser Zeit hauptsächlich durch ihr Zusammenspiel. Das Duo von besten Freundinnen Tegan/Nyssa ist neu in der TARDIS, gleichermaßen die interessante Kombination Tegan/Turlough – impulsiv und unverblümt die eine, berechnend und zurückhaltend der andere. Gerade in seiner Einstiegstrilogie ist Turlough als versteckter Feind viel interessanter als die eigentliche Hauptfigur. Verlogen, bösartig und clever hat er all die Ecken und Kanten, die Davisons Doctor fehlen. Obwohl sich der Kontrast bald abschleift, bleibt Turlough das hellgraue Alter Ego des Doctors, skrupelloser und in der Lage, die Dinge zu sagen und zu tun, die das Gewissen des Doctors nicht zuläßt.


Staffel 21-23: „Is he sane, this Doctor?“ – „Sometimes.“

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Und der zweite Baker übernimmt die Titelrolle: Colin Baker ist in der bislang einzigartigen Situation, bereits in Doctor Who aufgetreten zu sein, bevor er die Titelrolle übernahm, nämlich als knallharter Hauptmann der Wache in „Arc of Infinity“. Weiß der Geier, warum der Doctor seine neue Inkarnation ausgerechnet danach aufbaut! (Zwei companions teilten ein ähnliches Schicksal, Lalla Ward und Freema Agyeman, die in „The Armageddon Factor“ respektive „Army of Ghosts“ / „Doomsday“ mitspielten, bevor sie dann als Romana bzw. Martha an der Seite des Doctors das Universum erkunden durften.)
Der sechste Doctor führt in seiner Kostümierung die Schrulligkeit zu neuen Höhen, womit die Zuständigen ihm durchaus nicht gerecht wurden. Er hatte außerdem das Pech, in der Krisensituation der Serie gelandet zu sein, als wegen sinkender Zuschauerzahlen über eine Einstellung nachgedacht wurde. Die Abenteuer und Staffeln wurden kürzer. Es stimmt leider, daß Doctor Who an diesem Punkt ein bißchen die Puste ausgegangen war. Allerdings trafen die Studiobosse auch nicht die schlauesten Entscheidungen, um das zu ändern…

Beste Folgen: „Attack of the Cybermen“ ist ein Who is who der Seriengeschichte – sollte unbedingt mit einer Menge Vorkenntnis genossen werden.

„This looks familiar.“ Zurück in 76, Totter’s Lane.
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„The Mark of the Rani“ führt nach Monk, War Chief, Master, Omega, Morbius und letztlich dem Doctor selbst einen weiteren Time Lord auf Abwegen ein. Die Rani, skrupellose, pragmatische und sarkastische Wissenschaftlerin, ist eine Bereicherung des Doctor-Who-Universums, aber leider darf sie nicht oft auftreten. In „The Mark of the Rani“ bildet sie einen netten Konterpunkt zum Master, von dem und dessen Methoden sie nicht beeindruckt ist. (“What’s he up to now? It’ll be something devious and overcomplicated. He’d get dizzy if he tried to walk in a straight line.“) Eigentlich könnte man den Doctor hier komplett weglassen und sich einfach auf das Zusammen- oder vielmehr Gegenspiel der beiden Charaktere konzentrieren.

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„The Two Doctors“ ist keine Jubiläumsepisode, sondern eher das Nachspiel einer solchen. Offensichtlich hatten Patrick Troughton und Frazer Hines in „The Five Doctors“ Spaß daran gefunden, in ihre alten Rollen zurückzukehren, und so dürfen sie noch einmal gemeinsam mit dem sechsten Doctor ein Abenteuer tragen. Ich fragte mich hauptsächlich, ob hier eine Aussage für Vegetariertum gemacht werden sollte. Hey, ich bin seit rund zwanzig Jahren an Bord, aber irgendwie war das ganze schräg.
Das große Ereignis der Colin-Baker-Ära ist zweifellos Staffel 23, „The Trial of a Time Lord“. Wie schon „The Key to Time“ bildet die gesamte Staffel eine einzige große Geschichte.

Colin Bakers sechster Doctor ist einigermaßen gestraft mit seinen Gefährtinnen, beides völlig uninteressante und nutzlose Figuren, die wie ihre Kolleginnen längst vergangener Zeiten nur zum Kreischen, Gerettetwerden und Unsere-Helden-in-Gefahr-Bringen existieren. Doctor Whos Heldinnen waren schon weiter.

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