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Posts Tagged ‘Christentum’

Aus dem Autorenblog, paßt hier eindeutig besser.

Für den Menschen braucht es in der Schöpfung kein Mysterium zu geben, darf es nicht; denn Gott will, daß seine Gesetze, die in der Schöpfung wirken, dem Menschen gut bekannt sind, damit er sich darnach richten kann und durch sie leichter seinen Weltenlauf vollendet und erfüllt, ohne in Unwissenheit abzuirren.

Der ehemalige Herrenhäuser Pastor Jan Olaf Rüttgardt stellte am 23.1. im Kirchsaal der Herrenhäuser Kirche sein Buch Die Botschaft der Evangelisten vor. „Der Evangelisten“, wie er betonte, „nicht der Evangelien.“ Denn nach derzeitigem Stand der Forschung lassen sich die Berichte über Jesu Wirken erst auf Quellen aus zweiter bis dritter Hand zurückführen. Aufgrund der Kürze der Zeit konnte Herr Rüttgardt das spannende Thema seines Buches nur anreißen, ein Thema, das ihn spürbar fasziniert – ich mag es sehr, wenn ein Forscher vom Thema seiner Forschung begeistert ist und dies auch vermitteln kann! Gleichzeitig ist er bei aller Theologie, aller Wissenschaft also, ein gläubiger Mensch, und auch dies ist eine Mischung, die ich sehr wertschätze. Zurückdenkend an meine Israelreise beispielsweise konnte ich diese Mischung bei unserer mitreisenden Pastorin a.D. nicht feststellen; sie war Theologin allein mit Hirn, nicht mit Herz und sah alle Niederschriften als Symbol für etwas. Ich wartete nur darauf, daß sie eines Tages sagen würde, auch Gott sei nur ein Symbol. „Theologie zerstört jede Art von Glauben“, wie sie bekannte.

Das ist nun eine interessante Aussage. Herr Rüttgardt hätte sicherlich einiges darauf zu erwidern. Aber auch seine Sicht der Dinge ist aus dem Blickwinkel der Lehre der Gralsbotschaft befremdlich. Ja, die vier Evangelien widersprächen sich teilweise, erklärte er, und manches in ihnen stehe in direktem Widerspruch zu dem, was man heute als Christ erwarten würde. Vieles, so Rüttgardt, könne man aus heutiger Sicht, aus unserem kulturellen Umfeld heraus gar nicht verstehen. Denn man dürfe nicht vergessen, daß das Christentum in seinen Anfängen aus einer sehr fremden Kultur stamme. Und manches sei ganz einfach unverständlich. Das spiele aber gar nicht so eine wichtige Rolle, erläuterte er. Nicht für ihn und in seinen Augen auch nicht für das Christentum, für das Verständnis des Glaubens. Kurzgefaßt: Man muß nicht alles verstehen, um zu glauben.

Das sind nun zwei entgegengesetzte Standpunkte: Glauben, ohne sich von Widersprüchen, Unklarheiten oder auch wissenschaftlich belegten Fehlern in der Bibel beirren zu lassen versus dem Voranstellen wissenschaftlicher Erkenntnisse und dem damit verbundenen Verlust des – ich nenne es mal kindlichen – Glaubens. Ein dritter Standpunkt, auf den ich im Buch The Sisters of Sinai stieß: Echter Glaube überlebt wissenschaftliche Erkenntnisse. Nicht in dem Sinne, daß diese Erkenntnisse ausgeblendet werden, sondern daß der Glaube stark genug ist, Neuerungen zu überleben. Ich kann nicht sagen, welcher Standpunkt der wertvollere ist.

Die Gralsbotschaft ist sehr deutlich in dieser Hinsicht mit ihrer Warnung vor blindem Glauben. Und dennoch halte ich es für wichtig, sich auch als Kreuzträger Gedanken über diese Dinge zu machen. Im Vortrag „Im Lande der Dämmerung“ beispielsweise warnt Abd-ru-shin sehr deutlich auch die Kreuzträger. Es ist so bequem, diesen Vortrag nur auf das Christentum zu beziehen, weil dies das Beispiel ist, das aus der zur Zeit und im Umfeld des Herrn vorherrschenden Kultur heraus gewählt wurde. Vielleicht läßt man sich auch herab, andere Religionen, vielleicht noch den Spiritismus oder Okkultismus darin zu erkennen. Doch „… von dem ich heute nur einen ganz kleinen Teil erklärte“, warnt Abd-ru-shin im Abschluß des Vortrages. Von diesem An-Äußerlichkeiten-Festkrallen sehen wir unter den Kreuzträgern mehr als genug. Sei es das Schisma zwischen „Berg-Kreuzträgern“ und „Bewegungs-Kreuzträgern“ und allen den Splittergrüppchen, die nebenher existieren, sei es der Streit um die „richtige“ Ausgabe der Botschaft, sei es der Verjüngungs- und Modernisierungstick, der aktuell in der Bewegung grassiert (kein Feuerzeug verwenden beim Anzünden der Altarkerzen und die bizarre Begründung dafür – mir fehlen die Worte)… was ist das alles? Kein lebendiger Glaube, keine lebendige Überzeugung, so viel steht fest. Das ist Dogma. Das ist Sektierertum. Und das sind Äußerlichkeiten, über denen viele Kreuzträger vergessen, was wichtig ist.

Aber gehen wir noch weiter. Auch in der Botschaft finden wir Voraussagen, die sich sehr aktuell auf das Datum der Niederschrift bezogen lesen und bis heute nicht eingetroffen sind. Es gibt verschiedenste Reaktionen darauf, die alle dem Muster der drei oben genannten Standpunkte entsprechen. Die Wegbereiter sind unübersehbar persönlich eingefärbt und widersprechen sich in den gleichen Schilderungen, und dennoch gelten sie für die einen Kreuzträger als beinahe gleichbedeutend mit den Schriften Abd-ru-shins, während die anderen sie als Kitsch ablehnen. Die „Sekundärschriften“, Memoiren etc., widersprechen sich, je nach dem persönlichen Standpunkt des Erinnernden, und dennoch werden einzelne Aussagen von heutigen Kreuzträgern als Offenbarungen gehandhabt und andere abgelehnt. Muster unbekannt.

Wie gehen wir als Kreuzträger mit all dem um? Wie beziehen wir Widersprüche, Unklarheiten, Zweifel in unseren Glauben oder unsere Überzeugung mit ein? Sind wir, so beliebt es ist, sich als besser oder fortgeschrittener vorzustellen als beispielsweise die Christen, wirklich so anders?
Ich würde mir gern vorstellen, daß wir zumindest geistiger wären, nicht so ausschließlich dem Irdischen verhaftet, wie mir das Christentum in vielem zu sein scheint. Ob ich damit recht habe, wer weiß?

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So sollte der Titel eines geplanten Blogs lauten, und gänzlich vom Tisch ist der Gedanke noch nicht. Doch ich will erst einmal sehen, was an Themen zusammenkommt, und außerdem habe ich hier (und im Autorenblog) ja bereits so einige Beiträge geschrieben, die damit zusammenhängen. Also: Neue Kategorie, die für den interessierten Leser schnell zu finden ist; alle nicht interessierten Leser können gleich wegklicken, wenn sie die Überschrift sehen.

Karfreitag fand nachmittags in der Herrenhäuser Kirche eine Andacht statt, mit Auszügen aus der Markus-Passion und aus dem Markus-Evangelium. Ich ging hauptsächlich wegen der Musik hin, aber auch, weil ich den Tag „begehen“ wollte und mir wegen des ganzen Stresses in der letzten Zeit nicht in den Sinn kam, mich bei Herrn Bernstein zu erkundigen, ob im Hannoveraner Gralskreis eine Andacht stattfände.

Ich schrieb ja schon mehrfach an anderer Stelle, daß ich mit der christlichen (und anderen) Religionsausübung keinerlei Erfahrungen habe – naja, inzwischen dank Israel-Reise ein bißchen mehr. Aber sie ist mir immer noch sehr fremd und wird es vermutlich auch immer bleiben. Diese Andacht fing gleich mit dem vollen Negativprogramm an: Gemeinsames Singen (ich kannte das Stück nicht, hätte mich vielleicht hineinfinden können, aber mein Sitznachbar sang so fürchterlich falsch – und laut – , daß ich eher Mühe hatte, mir ein Lachen zu verkneifen) und Wechselherunterleiern. Danach aber wurde es weitaus angenehmer, denn bis zum Vaterunser (mehr Leiern) beschränkte sich der Ablauf auf abwechselnd Passionsmusik und Lesung aus dem Markus-Evangelium. Es ist schön, daß auf die sonst so üblichen (Um-)Deutungsversuche und Bezügesucherei verzichtet wurde. Der Text spricht für sich, sehr viel eindringlicher und aussagekräftiger als jede Predigt.

Doch ich muß noch einmal zurückgehen zum Anfang. Es war mir ganz persönlich an diesem Tag ein Anliegen, mich dem Anlaß entsprechend festlich zu kleiden. Ich kenne es auch nicht anders aus den Andachten im Sinne der Gralsbotschaft, aber das spielte hier nur eine zweite Rolle. Dennoch berührte es merkwürdig, die meisten anderen Besucher in normaler Alltagskleidung zu sehen. Ja, ich kenne sämtliche Anmerkungen dazu von christlicher Seite. Dennoch fühlt es sich falsch an, respektlos vielleicht, gleichgültig in jedem Fall. Man kommt vom Sofa und geht nach der Veranstaltung auch wieder dort hin. Das Anlegen einer besonderen Kleidung für besondere Anlässe ist ja etwas, das einem selbst hilft, sich auf dieses Besondere einzustellen. Wir sprechen von geistigen Dingen, geistiger Aufnahmefähigkeit, nicht von „Gott liebt uns auch in Jeans“.

Oh, und ist es heutzutage auch nicht mehr in, pünktlich zu kommen? Was da lange nach Beginn noch hereinströmte, war erstaunlich.

Warum gehen all diese Menschen in die Kirche? Und sie war voll, keine Frage. Was führt sie also dorthin? Was geht ihnen während der Andacht im Kopf herum? Was nehmen sie am Ende mit? Es ist doch wohl eher Tradition, etwas, „das man eben so macht“, als echte Gläubigkeit. Gerade die christliche Kirche, scheint mir, ist sehr eng verwoben mit… wie soll ich es nennen? Einem Gemeinschaftsgefühl im Sinne eines sozialen Zusammenkommens. Man trifft Bekannte. Man „besucht“ gemeinsam einen Gottesdienst, wie Abd-ru-shin das bereits betonte.
Nicht, daß Kreuzträger dagegen gefeit sind, wie ich leider sagen muß. Nach meiner Erfahrung sind viele von ihnen auch mehr an irdischen Dingen interessiert, und ich frage mich oft, warum sie Kreuzträger geworden sind, wenn sie so sichtlich nichts von einer Andacht mitnehmen und schon beim Herausgehen wieder schnabbeln müssen, natürlich über rein irdische Dinge. Sollten Bekenner der Gralsbotschaft es nicht viel besser wissen?

Andererseits – und darüber sprach ich schon mehrfach mit meiner Mutter – habe ich große Hochachtung vor Kreuzträgern, die an ihrer Überzeugung festhalten, obwohl sie vielleicht ein Leben lang kein… nennen wir es: sichtbares Zeichen erhalten oder zumindest es nie wahrnehmen. Meine Mutter und ich „sehen“. Wir haben vieles erfahren dürfen. Und obwohl wir natürlich auch im Alltag versumpfen und kräftig Fehler begehen, ist das Zweifeln erheblich schwerer, wenn man einmal im Frieden des Lichtes gestanden hat.
Genauso ist die Nichtigkeit und Kleinheit der meisten Menschen danach schwer zu verstehen.

In jedem Fall: Wie kann es sein, daß all die Menschen in der Herrenhäuser Kirche nicht erschüttert waren? Vielleicht waren es einige, das will ich nicht ausschließen. Die anderen kommentierten über die Geigenkästen für die Kollekte, wie schön das Konzert war…
Gerechterweise muß vielleicht bedacht werden, daß der Karfreitag nach der christlichen Kirchenlehre ja eigentlich ein Freudentag ist. Aber auch davon merkte man nicht unbedingt etwas.

Ich wünschte mir streckenweise, doch lieber zur Andacht in eine Lichtstätte gegangen zu sein. Andererseits: Keine Markus-Passion. Perfekt bekommt man’s nie. Aber zumindest hatte ich eine Menge Anregung zum Nachdenken.

Nun möchte ich’s aber nicht so dargestellt lassen, als wäre ich nur am Kritisieren. Heute erst in „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ gelesen:

Sogar die sogenannten Wahrheitssucher sind jetzt selten auf dem rechten Wege. Neun Zehntel davon werden nur zu Pharisäern, die kritisierend hochmütig auf ihre Nebenmenschen schauen, dabei noch eifrig sich befehdend.

Ich habe die Tendenz, gebe ich ja zu. Also: Ich sehe auch viel Gutes im Christentum, und auch darüber schreibe ich natürlich gern.

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Die Jury sah’s offensichtlich anders, aber ich war nicht sonderlich beeindruckt von The Shape of Water. Vielleicht hat’s damit zu tun, daß ich die Entwicklung gewissermaßen über viele Jahre verfolgt habe. Pans Labyrinth war in seiner ursprünglichen Fassung eine Liebesgeschichte zwischen einer Frau und einem Faun, bevor es sich in eine ganz andere Richtung weiterentwickelte. Hellboy 2 – The Golden Army zeigt die Liebesgeschichte zwischen einem Wasserwesen und einer Prinzessin. Davon ab, del Toros Hellboy-Filme zeigen sowieso die Liebesgeschichte zwischen der Schönen und dem Biest. Die Wasserkreatur taucht – sorry für das Wortspiel – bereits in The Devil’s Backbone auf, wenn man darüber nachdenkt. Und auch so ziemlich alle anderen Elemente aus The Shape of Water kennt man schon aus früheren Filmen.
Was neu ist, ist Sex. Del Toro versucht sich im GoT-Zeitalter zu beweisen, läßt es hoch hergehen und seine Charaktere mit F-Bomben um sich werfen. Anderen Regisseuren könnte man es abnehmen; del Toro macht sich leider lächerlich. Denn er ist nun mal kein moderner Regisseur und kein moderner Schreiber. Seine Liebe gehört den Monstern und den Monsterfilmen früherer Jahrzehnte, und daran ist nichts Schlechtes. Es ist das Geheimnis der Magie seiner Filme. Die, wie ich anmerken möchte, zu einem großen Teil in früheren Jahrzehnten angesiedelt sind.

Der arme Doug Jones wird wahrscheinlich mal wieder Beschuß aus den eigenen Reihen kassiert haben; er ist praktizierender Christ, und seine Mitarbeit in Legion zum Beispiel zog böse Kommentare nach sich.

Womit ich gut leben kann, ist die Aussage des Films, Menschen seien die wahren Monster. Der Rest – hm.

Nachschlag:
Weil ich mit A. ins Diskutieren kam, sollte ich vielleicht ein paar Worte über den Symbolismus in The Shape of Water verlieren. Er ist vorhanden, sogar sehr erheblich. Der gelungenste Teil davon dürfte der christliche Symbolgehalt sein (danke an A. für den Link; es fehlt u.a. die Erwähnung von Ruth) sowie die Farbe grün; letztere steht für etwas scheinbar Glückverheißendes, das sich aber entweder als der falsche Weg entpuppt oder in Enttäuschung endet – die grünen Torten, das Werbeplakat, grüner Wackelpudding, der grüne Cadillac. Mehr Probleme habe ich mit der Wassersymbolik. Sie wird am Ende sogar erklärt, aber in dieser Deutung ist sie nicht konsequent angewandt. Ich deute sie in den Anfängen als Liebessehnsucht, die Erfüllung findet, was in den ganz großen Wasserszenen zum Ausdruck kommt.

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Dieser Beitrag ist schon seit einiger Zeit in Überlegung, aber ich fürchte, ich habe es immer noch nicht geschafft, ihn irgendwie zu strukturieren. Es ist zu viel, was ich in ihm ausdrücken möchte, und bekanntlich führt das zu keiner klaren Aussage. (In RuPaul’s Drag Race 8 kostete das einen Kanditaten seinen Platz, also…) Aber ich fange einfach mal an.

Punkt 1. Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, ein Blog zu schaffen, in dem Themen speziell für Kreuzträger angesprochen werden. Das Internet hat, wie in allem, zwar neue Räume zum Austausch ermöglicht, aber diejenigen, die sich darin herumtreiben, sind häufig einfach gruselig. Ich denke da vor allem an Herrn Roses Seite (Disclaimer: Ich kenne diese Personen nicht, und sie sind in keiner Weise repräsentativ für die Gralsbewegung. Oder mitunter doch – „die Gralsspinner“, wie eine Kreuzträgerin der ersten Stunde das so schön formulierte –, was viel gruseliger ist), aber auch so manche Facebooker. Bei mir gäbe es keine Verschwörungstheorien, keine neuen erwählten Völker, keine Wiederkünfte des Herrn und keine Abholungen durch Aliens. Was man bei mir fände, wären geistige Themen und Fragen über das Leben der Lehre der Gralsbotschaft in der heutigen Zeit.
Ob ich’s am Ende umsetze, ist noch unklar. Ich poste hier zu diesen Themen, und ich habe im Autorenblog meine Artikelserie „Unterhaltungsmedien und die Botschaft aus dem Licht“. Vielleicht genügt das. Aber ich gebe gern zu, daß meine Inspiration aus der christlichen Gemeinschaft kommt, die in meinen Augen in dem Bereich mehr auf die Beine stellt. Nun mag es in größeren und zentraleren Gralskreisen besser organisiert sein als in meinem Ex-Kreis Südniedersachsen, der eine lange Anreise erfordert. Bremen zum Beispiel ist ja sehr aktiv in Sachen Vorträge und Gesprächskreise, wobei diese immer an „extern“ gerichtet sind. Mir schwebt etwas Internes vor, das in der Bewegung sehr vernachlässigt zu werden scheint.

Punkt 2. Die Tage beim Einloggen gesichtet: GMXs Artikel über das Wieder-in-Mode-Kommen des christlichen Glaubens. Mir schwebte sofort ein Thema fürs Blog vor, bis ich den Artikel las und feststellte, daß ich mehr über GMX zu sagen hätte als über alles andere.
Ich meine: Klar ist GMX die Bildzeitung unter den E-Mail-Providern, und was erwarte ich schon von einem solchen Artikel? Dennoch fragte ich mich, was die Autorin hier eigentlich sagen wollte. Wahrscheinlich nichts. Sie wollte Geld verdienen. GMX steht ja nun nicht gerade für irgendwelche Werte, sondern dreht sein Fähnlein nach dem Wind, oder zumindest nach dem, was es für diesen Wind hält. Also: Bloß keine Position beziehen. Die christliche Botschaft ist gut? Oder nicht? Alles sind Heuchler und Betrüger? Oder nicht? Calvinismus kann auch nicht schaden, also rein damit. Schade. Hätte ein interessanter Diskussionsanstoß werden können.

In welcher Menschenklasse, wie sie auch sei, gibt es keine Schwindler? Verurteilt man wegen einiger Schwindler auch bei anderen Dingen gleich das Können der ehrlich Arbeitenden?
Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Spiritismus“

Punkt 3. Etwas, das ich in einem gesonderten Beitrag behandele. (War erst unsicher, aber Mutterns „Mach doch“ überzeugte mich dann.) Letzte Woche fand im hiesigen Kirchsaal eine Buchvorstellung statt, Die Botschaft der Evangelisten von dem ehemaligen Herrenhäuser Pastor Jan Olaf Rüttgardt. Ich schrieb ja schon mehrfach, daß ich dem Christentum nicht ablehnend gegenüberstehe, aber es sehr fremd und in vielen Dingen auch wenig geistig finde. Herr Rüttgardt sagte nun etwas, das vielleicht am deutlichsten den Unterschied zwischen Christentum und der Lehre der Gralsbotschaft ausdrückt: „Was wir [in der Bibel] nicht verstehen, ist gar nicht so wichtig für das Verständnis unseres Glaubens.“ (Sinngemäßes, kein wörtliches Zitat.) Ich mußte lange darüber nachdenken und kam beim Schreiben des Beitrags auf ganz ungeahnte Überlegungen.

An Stelle dieses klaren Weges, den er nicht mehr überschauen konnte, mußte in seinen religiösen Anschauungen ein Ersatz gefunden werden, wenn er sich nicht selbst als Urheber des ganzen Seins und Lebens und somit als Gott bezeichnen wollte. Diesen Ersatz gab ihm bisher der Ausdruck „Glaube“! Und an dem Wort „Glaube“ krankt seither die ganze Menschheit! Ja, noch mehr, das unerkannte Wort, welches alles Verlorene ergänzen sollte, wurde ihr zur Klippe, die das vollständige Scheitern brachte!
Mit Glaube findet sich nur jeder Träge ab. Der Glaube ist es auch, an dem die Spötter sich verankern können. Und das Wort „Glaube“, falsch gedeutet, ist der Schlagbaum, der sich heute hemmend vor den Weg zum Weiterschreiten für die Menschheit legt.
Glaube soll nicht der Mantel sein, der alles Denkens Trägheit großmütig verdeckt, der sich wie eine Schlafkrankheit behaglich lähmend auf den Geist der Menschen senkt! Glaube soll in Wirklichkeit zur Überzeugung werden. Überzeugung aber fordert Leben, schärfstes Prüfen!
Wo auch nur eine Lücke bleibt, ein ungelöstes Rätsel, dort wird die Überzeugung zur Unmöglichkeit. Kein Mensch kann deshalb wahren Glauben haben, solange in ihm eine Frage offen bleibt.
Schon das Wort „blinder Glaube“ gibt das Ungesunde zu erkennen!
Lebendig muß der Glaube sein, wie Christus einst schon forderte, sonst hat er keinen Zweck. Lebendigkeit aber bedeutet das Sichregen, Abwägen und auch Prüfen! Nicht stumpfes Hinnehmen fremder Gedanken. Blindglauben heißt doch deutlich nicht verstehen. Was der Mensch aber nicht versteht, kann ihm auch geistig keinen Nutzen bringen, denn im Nichtverstehen kann es nicht in ihm zum Leben kommen.
„Irrungen“

Es ist ja gar so leicht für Euch, Unglaubliches zu glauben; denn dabei braucht Ihr Euch nicht mühen, selbst zu denken und zu prüfen. Gerade weil es keiner Prüfung nach den göttlichen Naturgesetzen standzuhalten fähig ist, müßt Ihr nur einfach glauben, ohne nach dem Wie oder Warum zu fragen, müßt blindlings glauben, und das dünkt Euch groß! Ihr, die Ihr Euch in dieser so bequemen Art besonders gläubig wähnt, erhebt Euch darin einfach über allen Zweifel und… fühlt Euch wohl, geborgen, edel, fromm und seligwerdenmüssend!
Ihr aber habt Euch damit nicht erhoben über allen Zweifel, sondern seid nur feig daran vorbeigegangen! Ihr wart zu geistesträg, um selbst etwas dabei zu tun, und zogt den blinden Glauben einem Wissen vom natürlichen Geschehen im Gesetz des Gotteswillens vor. Und dazu halfen Euch Erdichtungen aus Menschenhirn. Denn je unmöglicher es ist, unfaßbarer, an das Ihr glauben sollt, desto bequemer wird es auch, in Buchstäblichkeit blind daran zu glauben, weil es in solchen Dingen gar nicht anders geht. Da muß das Wissen und die Überzeugung ausgeschaltet werden.
Unmögliches allein verlangt den blinden, rückhaltlosen Glauben; denn jede Möglichkeit regt sofort eignes Denken an. Wo Wahrheit ist, die stets Natürlichkeit und Folgerichtigkeit zeigt, dort setzt das Denken und das Nachempfinden auch selbsttätig ein. Es hört nur dort auf, wo es nichts Natürliches mehr findet, wo also Wahrheit nicht vorhanden ist. Und nur durch Nachempfinden kann etwas zur Überzeugung werden, die allein dem Menschengeiste Werte bringt! […]
Ihr ehrt Gott nicht damit, wenn Ihr an Dinge blindlings glaubt, die sich mit Schöpfungsurgesetzen nicht vereinen lassen! Im Gegenteil, wenn Ihr an die Vollkommenheit des Schöpfers glaubt, so müßt Ihr wissen, daß nichts in der Schöpfung hier geschehen kann, was nicht genau der Folgerung in den festliegenden Gesetzen Gottes auch entspricht. Darin allein könnt Ihr ihn wirklich ehren.
„Der Stern von Bethlehem“

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Außerdem liegt gar keine zwingende Notwendigkeit vor, böswillige Gegner unbedingt überzeugen zu wollen! Es ist doch bekannt, daß diese nicht zu glauben bereit sein würden, auch wenn ein Engel direkt vom Himmel käme, um ihnen die Wahrheit zu verkünden. Nach dessen Weggange würden sie eben behaupten, daß es eine Massenhalluzination gewesen sei, nicht aber ein Engel, oder sonst eine Ausrede gebrauchen. Und wenn irgend etwas oder jemand gebracht wird, das oder der irdisch bleibt, also nicht wieder verschwindet oder unsichtbar wird, so gibt es wieder andere Ausflüchte, gerade weil es den an ein Jenseits nicht Glaubenwollenden wiederum zu irdisch sein würde. […]
Sei es nun zu irdisch oder unirdisch oder auch beides zusammen, etwas werden sie immer auszusetzen und zu bezweifeln haben.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Moderne Geisteswissenschaft“)

The Case for Christ (dt. Der Fall Jesus) kam früher als zunächst angekündigt – so mag man’s. Auch den Film selbst mag man; von allen christlichen Produktionen, die ich bislang gesehen habe (und es waren so einige), gefiel er tatsächlich am besten. Ausgezeichnet geschrieben, inszeniert und geschauspielert – es gibt nichts zu meckern. Sicher, einige Argumente werden nie oder zumindest nicht vertieft angebracht, aber die Stärke des Films ist eben, daß es gar nicht in erster Linie um schlagende Argumente geht. Die Suche nach ihnen macht Lees Storyline aus, aber das eigentliche Zentrum des Films ist die Beziehung zwischen Lee und Leslie, die Spannungen, die durch ihre plötzlich weit auseinanderklaffenden spirituellen Ansichten entstehen, aber auch ihre Liebe zueinander, die verzweifelt versucht, die Kluft zu überbrücken. Wunderbare schauspielerische Leistung von Mike Vogel und Erika Christensen!

Die vielleicht beste (und für einen christlichen Film beachtliche) Aussage darf am Ende Lees atheistischer Mentor Ray machen: Egal, ob man sich nun für Theismus oder Atheismus entschiede, beides erfordere einen „leap of faith“, da so oder so immer Fragen offenblieben, nie alles erklärt werden könne.
Das sehe ich als Bekennerin der Gralsbotschaft zwar etwas anders, aber es ist viel Wahres dran. Und eigentlich auch ein versöhnlicher Gedanke zwischen beiden Lagern.
Beste Figur des Films ist natürlich Lees Kollege Kenny, der als der Statler und Waldorf der Handlung Lees Werdegang kommentiert…

Ganz persönlich berührte The Case for Christ auch – meine Eltern führten so eine „spiritual mismatch“-Ehe, und es war mörderisch. Und das, obwohl ich die schlimmste Zeit, als meine Mutter zur Botschaft fand, gar nicht miterlebt habe.
Mein Vater war Zeit seines Lebens theoretischer, aber nicht praktizierender Christ: Er war getauft, und als ich klein war, betete er abends mit mir, aber ich kann mich nicht erinnern, daß er jemals in die Kirche gegangen wäre oder die Bibel gelesen hätte. Wie seine spirituelle Überzeugung aussah, weiß ich nicht; über solche inneren Dinge sprach er nie. Ähnlich wie Lee Strobel (er beschreibt das in seinem Buch Spiritual Mismatch sehr anschaulich) sah wohl auch mein Vater seine Ehe, seine Beziehung zu meiner Mutter durch ihren neuen, ihm so völlig fremden Glauben bedroht; plötzlich war alles anders. Und wie Lee Strobel reagierte auch er mit kompletter Feindseligkeit. Als er Jahre später herausfand, daß ich angefangen hatte, nach der Botschaft zu leben, führte das zu dem übelsten Krach, den ich je zwischen meinen Eltern erlebt habe – und ich habe oft die Fetzen fliegen erlebt. Wann er sich mit den Tatsachen abfand oder resignierte… keine Ahnung. Es herrschte ein stillschweigendes Übereinkommen, nicht darüber zu sprechen.

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Die Eitelkeit will Wahrheit nie erkennen lassen, gleichviel, wo sie zu finden ist. Was sie sich darin alles leistet, zeigt die Stellungnahme dieser Erdenmenschheit schon dem Erdensein des Gottessohnes gegenüber, welches in seiner wahren, großen Einfachheit dem eitlen Menschensinne nicht genügt. Der Gläubige will „seinen“ Heiland nur nach seinem Sinne haben! Deshalb schmückt er den Erdenweg des Gottessohnes Christus Jesus mit erdachten Vorkommnissen aus.
Nur aus „Demut“ allem Göttlichen gegenüber muß dieser Heiland nach der Menschen Sinn als Gottessohn auch unbedingt „übernatürlich“ sein. Sie überlegen dabei nicht, daß Gott selbst die Vollkommenheit des Natürlichen ist, und die Schöpfung aus dieser seiner vollkommenen Natürlichkeit heraus durch seinen Willen sich entwickelte. Vollkommenheit trägt aber auch die Unabänderlichkeit in sich. Wäre eine Ausnahme in den Schöpfungsgesetzen möglich, die nach dem Willen Gottes sind, so müßte darin eine Lücke sein, es hätte an Vollkommenheit gemangelt.
Menschliche Demut aber hebt sich über all dies hinaus; denn sie erwartet, ja verlangt bei einem Erdensein des Gottessohnes Abänderung bestehender Gesetze in der Schöpfung, also Übertretung. Ausgerechnet nun von dem, der doch gekommen war, alle Gesetze seines Vaters zu erfüllen, wie er selbst es sagte! Sie erwartet von ihm Dinge, die nach den Gesetzen der natürlichen Entwicklung einfach unmöglich sein müssen. Und ausgerechnet damit soll sich seine Gottheit zeigen, das Göttliche, das die Grundlage der Naturgesetze lebendig in sich trägt!
Ja, Menschendemut kann viel fertigbringen. Aber ihr richtiges Gesicht ist Forderung, nicht wahre Demut. Höchste Anmaßung, ärgster, geistiger Hochmut! Die liebe Eitelkeit deckt nur ein Mäntelchen darüber, das der Demut ähnlich scheint.
Traurig ist nur, daß auch so oft wirklich Gutwollende sich in der anfänglich ganz echten Demut unbewußt in ihrer Hingerissenheit bis zu den unmöglichsten Dingen steigern.
Es erstanden Einbildungen, deren Weitergabe großen Schaden brachte.
So mußte schon das Jesuskind die größten Wunderdinge ausgeführt haben. Sogar bei den kindlichsten Spielen, die es trieb wie jedes Kind, wenn es gesund und geistig rege ist. Die kleinen Vögel, die es spielend aus einfachem Lehm formte, wurden lebend, flogen lustig singend in die Luft, und viele solcher Dinge mehr. Es sind die Vorgänge einfach unmöglich, weil sie allen Gottgesetzen in der Schöpfung widersprechen!
Dann hätte ja Gottvater seinen Sohn auch fertig auf die Erde stellen können! Wozu war eine Menschenmutter nötig! Die Unannehmlichkeiten der Geburt! Können die Menschen denn nicht einmal einfach denken? Sie unterlassen es aus eigener Eitelkeit heraus. Der Erdengang des Gottessohnes muß nach ihrer Ansicht anders sein. Sie wollen es, damit „ihr“ Heiland, „ihr“ Erlöser nicht den Gesetzen Gottes in der Schöpfung unterworfen war. In Wirklichkeit wäre das zwar in ihrem Denken nicht zu klein für ihn gewesen, den Gottessohn, aber für alle die, welche in ihm ihren Erlöser anerkennen wollen! Menschliche Eitelkeit und weiter nichts!
Sie überlegen nicht, daß es für Jesus noch viel größer war, daß er sich freiwillig diesen Gesetzen unterwarf durch seine Fleischwerdung, nur um die Wahrheit in dem Wort zu bringen jenen Menschen, welche frevelnd durch Verbiegung ihres Erdenwerkzeuges sich unfähig dafür gemacht hatten, die Wahrheit aus sich selbst heraus noch aufzunehmen, zu erkennen. Sie waren viel zu eitel, um in dem Worte selbst die Sendung Christi als erfüllt zu sehen. Für sie, die eitlen Menschen, mußte Größeres geschehen!
Und als der Gottessohn am Kreuze dann den Erdentod erlitt und starb, wie jeder Mensch am Kreuze sterben muß, weil es den Gottgesetzen in der Schöpfung so entspricht, als der menschliche Körper nicht einfach vom Kreuze steigen konnte, unverletzt, da blieb der Eitelkeit nichts weiter übrig als die Ansicht, daß der Gottessohn so sterben mußte, nicht heruntersteigen wollte, um den armen Menschlein ihre Sünden dadurch abzunehmen, damit sie daraufhin nun froh empfangen werden in dem Himmelreich!
Und so erstand der Grund zu der späteren Auffassung der Notwendigkeit des Kreuzestodes, die die traurige, große Irrung unter die heutigen Christen brachte, nur aus der Menscheneitelkeit heraus. […]
Wenn Christus fleischlich hätte auferstehen können, so war es unbedingt auch folgerichtig, zu erwarten, daß er die Möglichkeit besaß, auch fleischlich fertig schon von dort auf diese Erde hier herabzukommen, wohin er bei der Auferstehung fleischlich gegangen sein soll. Daß dieses aber nicht geschah, daß er im Gegenteil von Anfang an die Wege eines jeden Menschenkörpers von Geburt an auch durchleben mußte, mit allen kleinen und mit allen großen Mühen, spricht mit vielen anderen Notwendigkeiten seines Erdenseins deutlich genug dagegen, ganz abgesehen aber davon, daß es so und anders nicht sein konnte, weil auch der Gottessohn sich den vollkommenen Gesetzen seines Vaters in der Schöpfung fügen mußte.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Das verbogene Werkzeug“)

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Im Zuge meiner Begeisterung für das Gartengrab in Jerusalem kaufte ich mir The Weekend that Changed the World von Peter Walker, der versucht, für das Gartengrab als authentische Stelle der biblischen Ereignisse zu argumentieren oder es doch zumindest als legitime Alternative zur Grabeskirche zu etablieren. Das als solches ist völlig in Ordnung. Daß er als Christ für die körperliche Auferstehung Jesu argumentiert, ebenso. Leider jedoch läßt seine Logik bei letzterem arg zu wünschen übrig. Ich schätze gute Argumentation sehr. Ich muß einer Argumentation nicht zustimmen, aber wenn sie Hand und Fuß hat, weiß ich sie zu schätzen. Peter Walkers hingegen läßt sich im besten Falle als bemüht bezeichnen.

Nun muß ich in dem Zusammenhang leider auf ein Thema zurückkommen, das ich schon anderswo aufgegriffen hatte. Und das ist etwas, das ich immer wieder beobachte, eben auch auf der Israel-Reise im Zusammensein mit meinen christlichen Mitreisenden. Ich ging mein Leben lang davon aus, daß Christen (wie alle sogenannten Gläubigen) eine spirituelle Basis ihres Glaubens besitzen, soll heißen, ihr Glaube basiert im Spirituellen und wird auf das „materielle“ Leben übertragen oder in diesem umgesetzt. Ich meine, was sonst ist Glauben denn als das Glauben an höhere Dinge als nur das Irdische?
Es war ein mittelschwerer Schock und – man verzeihe mir das Wortspiel – wirklicher Unglauben, mit dem ich nach und nach erfuhr, daß dem nicht so ist. Es begann mit einer langjährigen Freundin, einer Katholikin, die keinerlei wirkliches Konzept von der Seele hatte. Also etwas, von dem ich angenommen hatte, daß das eines der wesentlichen Punkte im Glauben sei. Ernsthaft, die Leute „glauben“ an Himmel und Hölle, sie „glauben“, daß sie nach ihrem Tod von Jesus willkommen geheißen werden, aber sie betrachten die Seele als etwas Externes? Etwas, das, wie meine Freundin bei unserer Diskussion über Reinkarnation sagte, an Fremde weitergegeben werden kann? „Wie, und dann läuft jemand anderes mit meiner Seele herum?“ – „Ähm, nein? Du läufst dann mit einem anderen Körper herum.“ Wie, bitteschön, stellen sie sich denn dann ihr Weiterleben nach dem Tode vor? Was soll da weiterleben?

Nun ging ich davon aus (entweder bin ich gnadenlos naiv oder wohlwollend), daß das ein Einzelfall sei. Meine Freundin habe sich eben noch nie Gedanken darüber gemacht. Aber je mehr ich spezifisch vom Christentum oder, besser gesagt, von praktizierenden Christen erfuhr, desto erschütterter wurde ich. Und ich möchte hier wahrhaftig nicht arrogant rüberkommen, ebensowenig wie ich verallgemeinern möchte – ich weiß, daß es immer Härtefälle in jeder Gruppierung gibt. Es existieren ja beispielsweise auch Kreuzträger, bei denen ich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte. Dennoch ist meine Beobachtung praktizierender Christen bisher sehr ernüchternd. Allein was ich regelmäßig an Verstößen gegen das zweite Gebot, das eigentlich sehr einfach einzuhalten ist und eines der wichtigsten Gebote für jeden Gottgläubigen sein sollte, höre, ist furchtbar. „Ihr nennt euch Christen?“ denke ich jedesmal. Es geht aber tiefer. Mein Eindruck der meisten (durchaus nicht aller) Gläubigen, und das beschränkt sich nicht nur spezifisch auf Christen, ist, daß ihr sogenannter Glaube eine rein irdische Angelegenheit ist. Das Irdische ist ihr Maßstab, sie lesen ihre heiligen Schriften in rein irdischer Auslegung, ihr Gottesbild ist das eines irdischen Gottes, eines Übermenschen oder Supermans oder, wie es in einer Doku über C. S. Lewis so zutreffend hieß, eines kosmischen Zauberers. Er hat Superkräfte, aber ansonsten ist er durchaus ein Mensch, der irgendwo in einem himmlischen Schloß sitzt. Diese Menschen machen sich ihren Gott so klein, so niedrig, und sie kriechen selbst nur am Boden herum.

Peter Walkers Argumentation für die körperliche Auferstehung Jesu ist wieder mal ein sprechendes Beispiel dafür. Ganz zu schweigen davon, daß sie unlogisch ist. Schauen wir doch mal ein paar seiner Antworten auf Alternativtheorien an.

More often, however, the disciples are not charged with outright deceit. Their preaching of Jesus‘ Resurrection (while his body was really decaying in the grave) is given a more charitable explanation. It all depends on what you mean (so we are told) by this talk of „resurrection.“ Perhaps we have misunderstood them to be referring to a physical resurrection of Jesus‘ body, when in fact they were never claiming any such thing!
What they were really trying to say was that Jesus‘ mission went on unhindered even though he was dead. His spirit lived on, and somehow through that spirit those who followed Jesus gained a sense that he was alive. […] If there were some resurrection appearances of Jesus, they were either a form of hallucination, or perhaps something of a mystical nature beyond comprehension, but either way Jesus‘ body was still in the grave.

Ich kenne diese spezielle Interpretation nicht, will sie Walker aber gern abnehmen. Und ich stimme mit seiner Gegenargumentation in Sachen Halluzinationen durchaus überein. Ohne jetzt auf das Thema „Haben die Jünger den Leichnam anderswohin gebracht?“ einzugehen, das den Rahmen sprengen würde, übersieht Walker jedoch das naheliegende Thema „Seele“ – womit wir wieder bei der guten R. wären! Was steht nach dem Tode auf? Meine Israel-Mitreisende Frau M., Ex-Pfarrerin, könnte sich sicher für den symbolischen Gehalt des obigen Argumentes begeistern; das war immer ihr Steckenpferd. Aber wer sagt, daß es nur Variante A (körperliche Auferstehung) oder B (symbolischer Gehalt – „Er wird in unserem Gedächtnis weiterleben“ und all das) gibt? Was steht nach dem Tode auf? Gehört Peter Walker auch zu den Christen, die nur das Materielle für wahr halten? Es klingt definitiv so.

In this connection it is sometimes argued that St Paul appears not to make much of the „empty tomb“ in 1 Corinthians 15 (his famous chapter on the Resurrection). Perhaps Paul would have been shocked to learn of these stories about mysterious disappearances in Jerusalem! Perhaps Paul provides us with evidence that the first Christians were quite content to accept that Jesus‘ body was still in the tomb. If so, then what Paul was talking about was again just a spiritual resurrection both for Jesus and for believers – hence his use of the term „spiritual body“ (v. 44). If this were true, needless to say, this would be enormously important. It would confirm that the claims for a physical Resurrection were a later development – out of keeping with the claims and beliefs of the first apostles.
Yet a close reading of this chapter reveals that Paul’s whole argument depends for its validity on Jesus‘ being raised from the tomb in a manner which includes his physical body: „If Christ has not been raised,“ he argues, „then your faith is futile!“ (v. 17). Paul’s conviction „that Jesus was buried, that he was raised on the third day“ (v. 4) implicitly presumes that the place of burial was thereafter physically empty. Given Paul’s background in Pharisaism (for Pharisees „resurrection“ necessarily involved the physical body), it is clear that Paul is not talking about a vague, unprovable piece of wishful thinking – that somehow after his death Jesus experienced an invisible spiritual resurrection. […]
So there is no way, I suggest, that the disciples could have honestly believed in the Resurrection while also accepting that Jesus‘ body was in the tomb. To hold these two beliefs simultaneously would be nonsense.

Nun ja, da muß ich herzlich widersprechen. Was ist daran Unsinn? Der Körper liegt tot im Grab, die Seele lebt – durchaus ein christliches Konzept, oder irre ich mich da? Und was hat das mit „wishful thinking“ zu tun? Oder mit „invisible“? Das Geistige ist zwar oftmals für irdische Augen unsichtbar, aber eben nicht immer. Und wie kommt es, daß sich Walker über diese Theorie lustig macht, während er doch sicherlich bei lieben Verstorbenen keine Seele hat austreten sehen und trotzdem glaubt, daß sie in den Himmel aufgefahren ist? Dieses zweierlei Maß ist ein wenig bestürzend.
Auch der gute Paulus ist natürlich ein Thema für sich. Ich möchte nur in Kürze darauf hinweisen, daß er a) Jesus niemals gekannt hat und weder bei Kreuzigung noch Auferstehung dabei war, sondern erst wesentlich später überhaupt zu den Jüngern stieß und b) mehr war als sein pharisäischer Hintergrund.

Andere Theorie:

Yet, even if by some remarkable oversight, Jesus was not in fact fully dead when he was laid in the tomb, is it all conceivable that he could have recovered from his ordeal sufficiently to set himself free from the grave clothes wrapped around him? And then to remove the rolling stone from the front of the tomb – an almost impossible feat even if one were in full health? Lying on a cold slab in April with numerous untended wounds is an unlikely precursor to such a recovery.

Seufz. Und das sind die Leute, die im gleichen Atemzug von den Wundertaten Jesu sprechen, von den Heilungen und Totenerweckungen beispielsweise, oder die annehmen, daß er auf Wunsch hin den Tempel abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen könne oder Steine in Brot verwandeln oder…

They fail to see how yet another failed messiah (as Jesus would have been if he had not been raised from death) would have been of any use to anyone.

Nutzen? Ich traue den Jüngern ehrlich gesagt mehr Integrität zu als irdisches Nutzdenken. Mehr Glauben und vor allem mehr Liebe zu Jesus. Das sind alles so mühsam konstruierte Argumente für die fleischliche Auferstehung, daß der ganze Versuch armselig wirkt. Ganz zu schweigen von dem Bild, das hier vom Christentum gezeichnet wird.

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Bei Christi Tod zerriß im Tempel der Vorhang, der das Allerheiligste von der Menschheit abschloß. Dieser Vorgang wird als Symbol dafür angenommen, daß mit dem Opfertod des Heilandes im gleichen Augenblick die Trennung zwischen der Menschheit und der Gottheit aufhörte, also eine unmittelbare Verbindung geschaffen wurde.
Die Deutung ist aber
falsch. Mit der Kreuzigung lehnten die Menschen den Gottessohn als den erwarteten Messias ab, wodurch die Trennung größer wurde! Der Vorhang zerriß, weil das Allerheiligste daraufhin nicht mehr notwendig war. Es wurde den Blicken und unreinen Strömungen geöffnet, da, symbolisch ausgedrückt, das Göttliche nach dieser Tat seinen Fuß nicht mehr auf die Erde setzte, womit das Allerheiligste überflüssig wurde.
Also gerade das Gegenteil der bisherigen Deutungen, in denen sich wiederum wie so oft nur eine große Überhebung des Menschengeistes zeigt.
Der Tod am Kreuze war auch nicht ein
notwendiges Opfer, sondern ein Mord, ein regelrechtes Verbrechen. Jede andere Erklärung ist eine Umschreibung, die entweder als Entschuldigung gelten soll oder aus Unwissenheit heraus erstand. Christus kam durchaus nicht auf die Erde in der Absicht, sich kreuzigen zu lassen. Darin ruht auch die Erlösung nicht! Sondern Christus wurde gekreuzigt als lästiger Wahrheitsbringer um seiner Lehre willen.
Nicht sein Kreuzestod konnte und sollte die Erlösung bringen, sondern
die Wahrheit, die er der Menschheit in seinen Worten gab!
Die Wahrheit war aber den damaligen Religionsführern unbequem, ein Ärgernis, weil sie ihren Einfluß stark erschütterte. […] Die damaligen Führer stützten sich wie auch die heutigen zwar auf alte, gute Überlieferungen, aber diese waren durch Ausübende und Erklärende zu nur starrer, leerer Form geworden, ohne noch in sich lebendig zu sein. […]
Der aber dieses notwendige Leben in das bestehende Wort bringen wollte, brachte damit selbstverständlich einen
Umsturz in der Ausübung und Erklärung, nicht in dem Worte selbst. Er befreite das Volk von der niederzwingenden Starrheit und Hohlheit, erlöste es davon, und das war denen ganz natürlich ein großes Ärgernis, die bald erkennen konnten, wie energisch damit in die Zügel ihrer falschen Führung eingegriffen wurde.
Deshalb mußte der Wahrheitsbringer und Befreier von der Last der irrtümlichen Auslegungen verdächtigt und verfolgt werden. Als es trotz aller Mühe nicht gelang, ihn lächerlich zu machen, suchte man ihn als unglaubwürdig hinzustellen. Die „irdische Vergangenheit“ als Zimmermannssohn mußte dazu dienen, ihn als „ungelehrt und deshalb minderwertig für ein Aufklären“ zu stempeln! Als einen „Laien“. […]
Auf seine Aufklärungen selbst ging vorsichtigerweise niemand von den Gegnern ein, da sie ganz richtig fühlten, daß sie bei rein
sachlicher Entgegnung unterliegen mußten. So blieben sie bei der böswilligen Verleumdung durch ihre käuflichen Organe, bis sie sich zuletzt nicht scheuten, bei einem für sie günstigen Augenblick ihn öffentlich und fälschlich anzuklagen und ans Kreuz zu bringen, um mit ihm die Gefahr für ihre Macht und ihr Ansehen zu bannen.
Dieser gewaltsame, damals durch die Römer übliche Tod war nicht als solcher die Erlösung und brachte sie auch nicht.
Er löste keine Schuld der Menschheit, befreite sie von nichts, sondern er belastete die Menschheit als ein Mord im niedrigsten Sinne nur noch mehr!
Wenn sich nun bis heute hier und da ein Kult daraus entwickelt hat, in diesem Morde eine notwendige Hauptsache des Erlösungswerkes des Gottessohnes zu sehen, so wird der Mensch damit gerade von dem Wertvollsten abgezogen, das die Erlösung einzig und allein zu bringen vermag. Es lenkt ihn ab von der
eigentlichen Mission des Heilandes, von dem, was sein Kommen aus dem Göttlichen zur Erde notwendig machte.
Das war aber nicht, um den Tod am Kreuze zu erleiden,
sondern um in den Wust der den Menschengeist herabzerrenden dogmatischen Starrheit und Hohlheit hinein die Wahrheit zu verkünden! Die Dinge zwischen Gott, der Schöpfung und den Menschen so zu schildern, wie sie wirklich sind. […]
Nur in dem Bringen dieser Wahrheit und der damit verbundenen Befreiung von Irrtümern
ruht die Erlösung einzig und allein! […]
Es ist ein großer Fehler, wenn die Menschen glauben, durch den Kreuzestod sei die Vergebung ihrer Sünden gewährleistet. Dieser Gedanke zieht den furchtbaren Schaden nach sich, daß alle die, so daran glauben, dadurch von dem wahren Wege zur Erlösung
zurückgehalten werden, der einzig und allein darin liegt, nach dem Worte des Heilandes zu leben, nach den Erläuterungen, die er als Wissender und alles Überschauender gab. Und diese Erläuterungen zeigen in praktischen Bildern die notwendige Einhaltung und Beachtung des in den Schöpfungsgesetzen liegenden göttlichen Willens, sowie deren Auswirkungen bei Einhaltung und bei Nichteinhaltung.
Sein Erlöserwerk lag in dem Bringen dieser Aufklärung, welche die Mängel und die Schäden der Religionsausübung zeigen mußte, weil sie die Wahrheit in sich trug, damit sie Licht gab in die steigende Verdunkelung des Menschengeistes.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Der Kreuzestod des Gottessohnes und das Abendmahl“)

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„Bist Du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuze! Hilf Dir selbst und uns!“ Höhnend schallten diese Sätze zu dem Gottessohn hinauf, als er unter brennenden Sonnenstrahlen am Kreuz litt.
Die Menschen, welche also riefen, hielten sich für ganz besonders klug. Sie höhnten, triumphierten, lachten haßerfüllt, ohne einen eigentlichen Grund dafür zu haben; denn das Leiden Christi war doch sicherlich kein Grund zu Spott und Hohn, noch weniger zum Lachen. Es würde ihnen auch vergangen sein, wenn sie nur einen Augenblick die gleichzeitigen Vorgänge im feinstofflichen und im geistigen Reiche hätten „sehen“ können; denn ihre Seelen wurden dabei schwer gebunden auf Jahrtausende. Und wenn auch grobstofflich die Strafe nicht so schnell sichtbar werden konnte, so kam sie doch in
allen weiteren Erdenleben, zu denen die frevelnden Seelen daraufhin gezwungen waren.
Die Höhnenden dünkten sich damals klug. Sie konnten aber keinen treffenderen Ausdruck als Beweis ihrer Beschränktheit abgeben als diese Worte; denn darin liegt die kindischste Anschauung, die man sich denken kann. Weit entfernt sind also Sprechende von irgendeinem Verständnisse der Schöpfung und des Gotteswillens in der Schöpfung. Wie drückend ist deshalb das traurige Bewußtsein, daß auch heute noch ein großer Teil von denen, welche überhaupt noch an Gott glauben und an die damalige Sendung seines Sohnes, mit Bestimmtheit denken, daß Jesus von Nazareth vom Kreuze hätte steigen können, wenn er es nur wollte.
Nach zweitausend Jahren noch die gleiche, schläfrige Beschränktheit, ohne Änderung zum Fortschritt! Als von Gott gekommen, mußte Christus nach naiven Anschauungen vieler Gottgläubigen unbeschränkt in seinen Handlungen auf dieser Erde sein.
Das ist Erwarten, aus der ungesündesten Naivität entsprungen, Glaube der Denkträgheit.
Mit einer Fleischwerdung wurde der Gottessohn auch „unter das Gesetz getan“, das heißt, er unterwarf sich damit den Schöpfungsgesetzen, dem unabänderlichen Willen Gottes in der Schöpfung. Da gibt es keine Änderungen, was den irdischen und erdgebundenen Körper betrifft. […]
Deshalb war er an alles mit gebunden, an das der Erdenmensch gebunden ist, und konnte auch als Gottessohn nicht von dem Kreuze steigen trotz seiner Gotteskraft und Macht, solange er im grobstofflichen Fleisch und Blute sich befand. […]
Ist ein grobstofflicher Körper an dem Kreuze festgenagelt, so vermag er ohne fremde Hilfe, ohne grobstoffliche Hilfe, auch nicht freizukommen. Das ist Gesetz nach göttlichem Schöpfungswillen, das sich nicht überbrücken läßt.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Steige herab vom Kreuze!“)

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Am Morgen hatte ich dann allerdings einen kräftigen Sonnenbrand und zog meine langärmlige Bluse mit Kragen an. Darunter sah man das Kreuz sowieso kaum. Ein Tuch darüber – Fall erledigt. Mit einem solchen Kompromiß kann ich leben. (Unter den Nazis trugen die Kreuzträger ihr Kreuz verdeckt, und viele machen es heute im Alltag auch so. Ich ja auch, wenn ich einen Rollkragenpulli anziehe.) Sollte es trotzdem jemand bemerken und bemängeln, würde ich eben umkehren.
Beim Frühstück erntete mein Entschluß eine gewisse Zustimmung. Es führte zu einem guten Gespräch über das Einstehen (oder nicht) für eigene Werte, gerade in der christlichen Kirche, die von einigen durchaus als zu nachgiebig empfunden wurde.

Interessanterweise schreibt die aktuelle Jüdische Rundschau, die sowieso wieder gut in Fahrt ist:

Bei einem Besuch des Tempelbergs in Jerusalem nahmen der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sowie sein katholischer Kollege Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz, ihre Brustkreuze ab, bevor sie den Tempelberg besuchten. Heinrich Bedford-Strohm rechtfertigt die Entscheidung mit diesen Worten: „Wir haben aus Respekt vor den Gastgebern gehandelt.“ Es handele sich „um eine Antwort auf den Wunsch der Gastgeber.“
Wie Bedford-Strohm vor Journalisten weiter sagte, trage er bei Moscheebesuchen sonst das Bischofskreuz: „Das halte ich für den Normalfall.“ Den eigenen Glauben im interreligiösen Dialog zu verleugnen, sei der verkehrte Weg. In dieser besonderen Situation in Jerusalem wäre es aber falsch gewesen, dem Wunsch der islamischen Gastgeber nicht nachzukommen, erklärte er.

Sehr geehrter Heinrich Bedford-Strohm,

da möchte ich ihnen [sic] vehement widersprechen. Gerade auf dem Tempelberg war es besonders falsch, das Kreuz abzunehmen, denn es gab da mal jemanden, der sagte, genau dieser Ort „soll ein Haus des Gebetes für alle Völker sein.“ Wissen Sie, wer das gesagt hat? Jesus! Kennen Sie den? Wenn nicht, schlagen Sie mal bei Markus 11,17 nach.
Wissen Sie auch, was dieser Jesus mit Leuten gemacht hat, die den Ort, an dem Sie Ihr Kreuz abgenommen haben, nicht als einen Ort des Gebets für alle behandelt haben. Schlagen Sie mal bei Johannes 2,15 nach. Jesus wurde erstaunlich ungemütlich:
„Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus.“
Ich gebe zu, Jesus war an dem Tag etwas hart drauf. Sonst war er nicht so gewalttätigt [sic]. Eins aber war Jesus recht konsequent: Er stand zu seinen Überzeugungen und er leugnete seinen Glauben nie. Er ließ sich weder in der Wüste noch vom Hohen Rat von seinem Glauben abbringen. Aber hey, wer war schon dieser Jesus, nicht wahr, Herr Bedford-Strohm?

Abgesehen von der Parallele zu Lynn Austins Fehlschluß (s. Teil 1) ist sicherlich was dran. Wie ein Mitreisender sagte: „Man stelle sich mal vor, wenn wir als Christen so etwas [=Verbot anderer Glaubenszeichen in Kirchen] versuchen würden. Was dann los wäre!“ De facto hatten aber auch mehrere die Bibel auf ihrem Smartphone dabei, was völlig unkontrollierbar ist. Über Sinn und Unsinn der Kontrollen läßt sich also streiten.
In jedem Fall berichtete unser Guide, daß auch die meisten Zionisten nicht vorhätten, den Tempel wieder aufzubauen und zu Brandopfern zurückzukehren. Verständlich, wenn man bedenkt, daß sie beim geringsten Versuch, am Felsendom nur zu kratzen, die gesamte islamische Welt in Waffen am Hals hätten… Andererseits existiert auf muslimischer Seite die Verschwörungstheorie, die archäologischen Ausgrabungen zu Füßen des Tempelberges dienten dazu, den Berg zu unterhöhlen und den Felsendom einstürzen zu lassen. Seufz!

Zuerst ging es aber zur Westmauer. Ich gestehe, seitdem ist mein Vertrauen in die israelische Sicherheit ein bißchen erschüttert. Bei der Taschenkontrolle schlug das Gerät an, wohl weil ich mein Kindle mitführte. Der Wachtuende bat mich, am Tisch zu warten. Allerdings war er allein, und die Massen strömten. Ich wartete also und wartete… und fragte schließlich nach, ob er meine Tasche noch kontrollieren wolle.
Pause. „Sind Sie damit durchgegangen?“
„Äh…nein? Sie sagten mir, ich solle hier warten.“
Pause. „Habe ich das?“ Pause. „Ich erinnere mich nicht.“
Seufz! Schnabeline war also offiziell freigegeben. Unser Guide hielt wieder einmal einen zwar interessanten, aber viel zu langen Vortrag, so daß ich schon mal vorging. Was sich an der Mauer sammelte, waren einige Betende und viele Fotographierende. Es machte mich fertig, dieses Verhalten, das man überall antraf: Selfies in heiligen Stätten. Sich in Pose schmeißen vor heiligen Stätten. Alltagsgespräche in heiligen Stätten.
Nebenan in der Männerabteilung wurde Bar Mitzvah gefeiert.

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Beim Felsendom vertat sich unser Guide leider, da Araber offenbar eine andere Sommer- und Winterzeit haben. Uns blieb etwa eine Viertelstunde, dann scheuchten die Aufpasser bereits. Nicht, daß das unsere träge Gruppe irgendwie gestört hätte. Schnabeline schämte sich wieder einmal fremd.
Daraufhin standen wir eine geschlagene halbe Stunde an der „Kleinen Klagemauer“, der Weiterführung der Westmauer. Diese Stelle ist halbwegs akzeptiert als Ort, an dem jüdische Männer und Frauen gemeinsam beten, und entsprechend stecken auch überall Gebetszettel in den Ritzen und Löchern. Dennoch ist der Ort ein besserer Hinterhof. Eine halbe Stunde muß man dort nicht bleiben. Ich war wieder einmal frustriert.
Danach war endlich Zeit zur freien Verfügung. Unser Guide wollte noch durch die Davidstadt, dort etwas zeigen und erklären; unser Pfarrer, der meinen Unmut wohl bemerkt hatte, bot mir an, mich auf dem direkten Wege zur Grabeskirche, dem Sammelpunkt, zu bringen. Über das Damaskustor ging ich dann zum Gartengrab, einer Alternativstelle für Golgatha und das Grab. Ob historisch korrekt oder nicht, zumindest bekommt man dort ein viel besseres Gefühl dafür, wie die Stätten zur Zeit Jesu ausgesehen haben. Die Anlage ist wunderschön und friedlich, und ich hätte mich noch lange dort aufhalten können. Leider wurde sie über Mittag geschlossen.

We continue to walk for another block or two up a small hill until we reach the entrance to a walled garden. This peaceful, tree-filled grove contains a first-century tomb in its original state and I find it much easier to visualize the biblical events here. Whether or not this is the authentic site doesn’t matter.
We walk to the rear of the garden to view the craggy, undeveloped cliff that is part of this hill and see that the weathered rocks bear the features of a skull. As we make our way to a secluded grove to celebrate Communion, I hear voices and singing. Groups of tourists from all over the world sit tucked in private grottos, celebrating Communion, as well. Their songs are in several languages – German, Korean, Italian, and others that I can’t identify. […]
I’m reluctant to leave the garden and reenter the world, but that’s exactly what we are supposed to do. „Don’t cling to me,“ Jesus told the women that Easter Sunday. „Go and tell the others“ (see John 20:17). The minute I stop outside the garden walls and see cars and buses and people streaming by, I am hurled back from the past and into the present.

„I see more groups coming“, sagte der Guide einer anderen Gruppe, als wir noch vor dem Abendmahlsaal saßen. Wir lachten, denn das war ein gutes Motto für die gesamte Reise. Von nun an wurde es immer wieder gern zitiert.
Abschluß war St. Peter in Gallicantu, einer der zwei möglichen Orte für das Haus des Kaiphas. Es ist dreigeschossig, da am Hang liegend. Die obere Kirche hatten wir quasi für uns, weil alle Gruppen gleich nach unten strömten. Die untere Kirche war voll mit Finnen, die eine Andacht abhielten, die lange dauerte. Im untersten Geschoß sind dann Ruinen, in denen früher möglicherweise abtrünnige Juden gefoltert wurden, um sie wieder auf den rechten Weg zu bringen. Immer eine überzeugende Methode, finde ich.

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