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Posts Tagged ‘Christentum’

In meinen beiden Blogs tauchte in den Top Searches die Suchanfrage „ist abd ru shin christlich eingestellt ?“ auf. Die Antwort ist zunächst einmal eine Gegenfrage: Was genau ist mit „christlich“ gemeint? Ich vermute, es geht hier weniger um die christliche Kirche (obwohl das natürlich mit hineinspielt), sondern mehr um Jesus Christus. Ich erwähnte ja schon, daß mir Fragen zu dem Thema während der Israel-Reise gestellt wurden. Wenn hier also eigentlich gefragt wird, ob Jesus als Gottessohn angesehen wird, lautet die Antwort unumstößlich Ja. Wenn es um Jesu Lehre geht, lautet die Antwort ebenfalls Ja. Abstriche hingegen sind zu machen, wenn die Frage auch die kirchliche Lehre umfaßt. Sühneopfertod? Nein. (Eva Hermans hier besprochenes Buch enthält einen interessanten Teil dazu.) Erlösung durch den Glauben? Nein. Oder jein, sofern dieser Glaube auch die Tat beinhaltet.
Ich zitiere mal die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen:

Allerdings offenbart ein Blick auf die tatsächlichen Lehrinhalte, dass die Gralsbotschaft an praktisch keiner Stelle mit den christlichen Begriffen das meint, was die ökumenische Christenheit darunter versteht: Während Jesus Christus als Weisheitslehrer kam und scheiterte, wurde seine Heilsrolle durch Abd-ru-shin in vollkommener Weise erfüllt. Obwohl Abd-ru-shins Lehre über seiner Person stehen soll, sah er sich doch als den besseren Christus und betrachtete seine Familie und sich als heilsmittelnd („göttliches Trigon“). So wie Abd-ru-shin Jesus überlegen war, ist die Gralsbotschaft der Bibel überlegen. Es ist offensichtlich, dass all dies christlichen Vorstellungen diametral widerspricht.

Das ist, wie ich anmerken möchte, bis auf den ersten Halbsatz ausgekochter Quatsch. Nirgendwo wird etwas derartiges behauptet (bitte mal ein paar konkrete Quellen für eine solche Unterstellung!), und ohne auch nur den Hauch eines Zweifels hätte Abd-ru-shin dieses Konzept eines „Wettkampfes“ strikt zurückgewiesen. Auf wessen Mist wächst so etwas?

Wenn dennoch Kreuzträger häufig betonen, der Unterschied zum christlichen Glauben sei gar nicht so groß, so kann dies daran liegen, dass christliche Elemente in die persönliche Frömmigkeit hineingenommen werden (Bezug zu einem personal als Gegenüber erlebten Gott im Gebet z. B.), obwohl sie im Grunde nicht zur Gralslehre passen.

Sagt wer?
Nebenbei verrät dieser Absatz wie so oft mehr über den Verfasser als über die Thematik. Er (bzw. seine Quelle) geht hier klar von einem „christlichen“, sprich kirchlich-konfessionellen Hintergrund der Bekenner der Gralsbotschaft aus – das in der Kirche Gelernte wird mitgenommen in die neue Lehre.
Ob der Unterschied tatsächlich nicht so groß ist, wage ich hingegen zu bezweifeln. Ich verweise noch einmal auf meine Israel-Berichte. Mir kam der konfessionelle Teil der Reise schon sehr fremd vor. Berührungspunkte, ja. Davon gibt es viele. Gemeinsamkeiten? Hm…

Dabei ist aus christlicher Sicht das aktive Glaubensleben einer Tatreligion und das Bemühen der Anhänger um ein ethisch verantwortungsvolles Leben zu würdigen und nicht durch den Vorwurf der „Selbsterlösung“ leichtfertig zu entwerten, zumal die zugrunde liegende Ethik der christlichen nicht erkennbar widerspricht.

Und das ist, glaube ich, der springende Punkt. Danke dafür, Herr Funkschmidt. Irgendwo las ich auch einmal, besagte Ethik könne sogar als ein Vorbild für Christen gelten. Wie immer kommt es dabei natürlich darauf an, daß diese Ethik auch gelebt wird, aber das ist – ebenfalls wie immer – ja leider oft der große Unterschied zwischen Lehre und Ausübenden. Wie sagte Gandhi angeblich? „I like your Christ. I do not like your Christians. Your Christians are so unlike your Christ.“ Gilt ebenso für Bekenner der Gralsbotschaft.

ist gralswelt eine sekte

lautete eine weitere Frage. Die Gralswelt war eine Zeitschrift. Sie kann aus der Natur der Sache heraus keine Sekte sein, glaube ich. Falls hingegen das Gralswerk gemeint ist – dazu gehen die Meinungen auseinander. Ich fühle mich nicht qualifiziert, darauf zu antworten.

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Ein sehr schönes Zitat einer Freundin, das ich mir bei sich bietender Gelegenheit immer gern ins Gedächtnis rufe.
Grund dafür war meine Schilderung der Septemberfeier in Münster bzw. der Umziehaktionen. Anreise im weißen Feierkleid ist verständlicherweise aus mehreren Gründen nicht erwünscht (die Herren haben es mit ihren Fracks wie immer einfacher. Typisch.), daher schleppten die Damen also mit großen Kleiderhüllen an, suchten sich im für die Menge etwas beengten Umkleideraum zu behaupten und schleppten im Anschluß wieder ab. Mit ihren langen Röcken oder (Alltags-)Kleidern war das an der großen Verkehrskreuzung sowieso schon ein Hingucker – wäre da eine Schar in weißen Gewändern vorbeigezogen, hätte die Gerüchteküche wieder ordentlich Futter bekommen. Stichwort natürlich: Sekte!!!
Besagte Freundin, die mich ja nun lange genug kennt und weiß, daß ich manchmal vielleicht unverständliches Zeug von mir gebe, aber alles in allem ganz normal bin, prägte dazu eben jenes Zitat.

Erinnert wurde ich daran bei einer der kürzlichen „Top Searches“ zu meinem Blog, nämlich

gralsbotschaft sekte

Naja, das ist nicht neu. Ich weiß nicht, ob eine frühere Offenheit statt der jahrzehntelang gepflegten und sicher mit Recht kritisierten Geheimnistuerei dem Abhilfe verschafft hätte. Vermutlich nicht. Die Leute kennen Kirche, sie kennen Atheisten, und sie kennen Sekten. So zumindest in ihrer etwas behelfsmäßigen Weltsicht.
Ich habe mal Wikipedia befragt, was dort die Definition einer Sekte ist.

Sekte (von lateinisch secta ‚Partei‘, ‚Lehre‘, ‚Schulrichtung‘) ist eine Bezeichnung für eine religiöse, philosophische oder politische Richtung und ihre Anhängerschaft. Die Bezeichnung bezieht sich auf Gruppierungen, die sich durch ihre Lehre oder ihren Ritus von vorherrschenden Überzeugungen unterscheiden und oft im Konflikt mit ihnen stehen.
In erster Linie steht Sekte für eine von einer Mutterreligion abgespaltene religiöse Gemeinschaft. Der ursprünglich wertneutrale Ausdruck hat aufgrund seiner Geschichte und Prägung durch den kirchlichen Sprachgebrauch einen meist abwertenden Charakter erhalten und wird seit den 1960er Jahren verstärkt in negativem Sinn verwendet.
In der modernen Religionswissenschaft und Soziologie werden statt des Begriffs Sekte neutrale, nicht wertende Bezeichnungen wie „religiöse Sondergemeinschaft“, „neureligiöse Gemeinschaft“ oder „neue religiöse Bewegung“ verwendet.

Das läßt die Sache schon ganz anders aussehen. In dem Sinne könnte man die Gralsbewegung durchaus mit Recht als Sekte benennen. Es geht aber weiter:

Heutige Begriffsverwendung

Umgangssprachlicher Gebrauch

Im landläufigen Sprachgebrauch werden als Sekten oft religiöse Gruppen bezeichnet, die in irgendeiner Weise als gefährlich oder problematisch angesehen werden oder die in orthodoxer theologischer Hinsicht als „Irrlehre“ angesehen werden. Dies betrifft sowohl seit Langem bestehende christliche Gemeinschaften, die sich in Lehre oder Praxis vom Herkömmlichen unterscheiden, als auch neue Gruppen. Zu Letzteren zählen insbesondere solche, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden sind und damals als „Jugendreligionen“ bezeichnet wurden, weil sie anfänglich viele junge Mitglieder hatten. „Sekte“ wird heute oftmals als Kampfbegriff gebraucht. So wird sogenannten Sekten häufig vorgeworfen, sie würden sich vor allem aus wirtschaftlichen Gründen als religiöse Glaubensgemeinschaften ausgeben, um den besonderen Schutz des Staates, größere Freiheiten und Rechte sowie die Befreiung von Steuern zu genießen. Bekanntestes Beispiel dafür ist Scientology.
In jüngerer Zeit wird der Terminus „Sekte“ auch im säkularen Bereich verwendet, um beispielsweise Kritiker von vorherrschenden wissenschaftlichen Lehrmeinungen, sozialen Üblichkeiten oder Absplitterungen von politischen Parteien abwertend zu charakterisieren. Im Juni 2018 akzeptierte das OLG Frankfurt es als Teil der freien Meinungsäußerung, ein Unternehmen als „Sekte“ zu bezeichnen.

Man erkennt hier deutlich, daß die Begriffsverwendung größtenteils im Auge des Betrachters und in der gerade geltenden gesellschaftlichen Norm liegt.

Kontroversen
Das Thema Sekten führt immer wieder zu Kontroversen. Dabei stehen sich zwei Grundhaltungen gegenüber: Auf der einen Seite eine Betonung der Religionsfreiheit und der weltanschaulichen Neutralität des Staates. Hier wird Zurückhaltung bei der öffentlichen Bewertung religiöser und weltanschaulicher Positionen und bei Maßnahmen gegen missliebige Minderheiten empfohlen. Die gegenteilige Haltung nehmen diejenigen ein, die insbesondere neureligöse weltanschauliche Sondergruppen zum Teil scharf verurteilen und in manchen Fällen deren gesellschaftliche Ächtung anstreben.

Im Einzelnen drehen sich die Kontroversen beispielsweise um mutmaßliche oder tatsächliche

• Einschränkungen der Religionsfreiheit religiöser Randgruppen, etwa durch Kritik ihrer Praktiken, und juristische Zwangsmaßnahmen,
• Einschränkungen der religiösen Freiheit durch unterschiedliche Grade der gesetzlichen Anerkennung
o Art. 4 GG der Bundesrepublik Deutschland gesteht grundsätzlich die freie Religionsausübung zu. Einschränkungen ergeben sich aus dem Artikel selber nicht, sind aber oft genug Gegenstand der aktuellen Rechtsprechung. Das Grundrecht auf Religionsfreiheit ist nur beschränkt durch die Grundrechte anderer Menschen und die sonstigen Grundwerte des Grundgesetzes.
• Einschränkungen der Meinungsfreiheit von Gruppenmitgliedern,
• Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Gruppenmitgliedern,
• wirtschaftliche Ausbeutung der Mitglieder durch lange Arbeitszeiten und minimales Gehalt,
• sexuelle Ausbeutung oder Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Gruppenmitglieder,
• Menschenrechtsverletzungen durch gruppeninterne, gerichtsähnliche Verfahren,
• Personenkulte um die Anführer der betreffenden Gruppe, z. B. Osho (Bhagwan),
• Familienkonflikte, insbesondere wenn ein Elternteil oder Kinder die Gruppe verlassen haben oder wollen,
• Behinderung von Kindern beim Zugang zu Ausbildung, ärztlicher Versorgung und Familienangehörigen außerhalb der Gruppe.

Was dann wiederum überhaupt nicht auf die Gralsbewegung zutrifft. (Wobei ich die Familienkonflikte nicht ausschließen möchte, aber das ist ja nun eindeutig kein Alleinstellungsmerkmal von Sekten…)

(https://gralsbewegung.net/abd-ru-shin/)

Über sein Ziel sagte Abd ru shin im Jahre 1936:
„Mein Ziel ist geistiger Art!
Aber ich bringe keine neue Religion, will keine neue Kirche gründen, ebensowenig irgend eine Sekte, sondern ich gebe in aller Einfachheit ein klares Bild des selbsttätigen Schöpfungswirkens, das den Willen Gottes trägt, woraus der Mensch deutlich zu erkennen vermag, welche Wege für ihn gut sind.“
Diesem Leitgedanken entsprechend, wollte Abd ru shin seine Botschaft in den Mittelpunkt gestellt wissen, niemals aber den Blick auf seine Person als Zentrum der Gralslehre lenken. Personenkult lehnte er ab. Klar und deutlich forderte er seine Leser auf, „nicht des Bringers, sondern des Wortes“ zu achten.

Und in dem Zusammenhang noch ein Nachtrag zur Kleiderfrage. Ich habe den Fehler gemacht und die Kommentare zu Artikeln über „Modest Fashion“ gelesen, die, wie vielleicht nicht anders zu erwarten, einige starke Meinungen hervorgerufen haben. Diese Meinungen sind oft sehr persönlich gefärbt. Viele konzentrieren sich ausschließlich auf den Zusammenhang mit dem Islam, nicht auf beispielsweise das Juden- und Christentum, und damit landet die Diskussion sehr schnell bei ganz anderen Themen. Andere machen im Kern ihrer Argumentation die Aussage, alle „Modest Fashion“-Trägerinnen seien einer religiösen Gehirnwäsche unterlegen. Wieder andere, und diese Argumentation kann ich noch am besten nachvollziehen, stören sich an dem Begriff und daran, was er suggeriert. Ich stehe zwar auf dem Standpunkt, jedes Kind brauche nun mal einen Namen und diese Wahl sei so gut wie jede andere, aber natürlich hängt ein gewaltiger Rattenschwanz daran: Wenn impliziert würde, nur Trägerinnen der Modest Fashion seien züchtig, bescheiden, anständig… und was bedeute diese Bewertung überhaupt? Und wieso gelte sie wie immer nur für Frauen?
Also hier zur Info: Keine Gehirnwäsche, wie vermutlich meine mehrfach in dieser Artikelserie angebrachte Kritik beweisen kann, und wenn ich es vorziehe, nicht halbnackt durch die Gegend zu stiefeln, dann ist das nicht nur meine freie feministische Wahl, sondern auch eine ästhetische Frage (und das gilt für Männlein und Weiblein).

Und a propos Kritik (Disclaimer: Nein, ich wurde nicht darauf angesprochen, und ich wurde von niemandem in irgendeiner Form unter Druck gesetzt.): Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, daß ich die Gralsbewegung für abschaffenswert halte. Was ich kritisiere, sind gewisse Strömungen innerhalb der Bewegung, Verschwörungstheorien, dogmatische Ansichten einzelner und Entscheidungen seitens der Leitung, die ich für fragwürdig bis falsch halte. Ich gehöre nicht zu denen, die für eine Auflösung der Internationalen Gralsbewegung und eine Rückkehr zu nie stattgefundenen guten alten Zeiten plädieren. Die Bewegung als Organisation hat ihre Berechtigung: Wer würde ohne sie Versiegelungen durchführen, Feiern ausrichten, die Botschaft vertreiben und auch übersetzen? Ich setze sie nur nicht gleich mit der übergeordneten „Bewegung“ außerhalb einer juristischen Form, die von Lesern und Bekennern der Gralsbotschaft getragen wird.

In dem Sinne: Mehr Mut und mehr Drüberstehen!

Nachtrag:
Und soeben in der aktuellen National Geographic (Februar 2019) gelesen, im Titelbeitrag „Magisches Deutschland“:

Eines ist jedenfalls bemerkenswert: Insgeheim sehnen sich viele Deutsche nach einem spirituellen Leben.
Nur reden sie nicht so gern darüber. Umfragen zeigen: Jeder sechste sympathiert mit den Ideen der Anthroposophen und ihrer Liebe zu okkulten Wissenschaften, zu Ätherwesen und Engeln. Jeder Vierte ist offen für Geist- und Wunderheiler, und fast die Hälfte glaubt an Astrologie und New-Age-Esoterik mit Seelenwanderung, Erinnerungen aus einem früheren Leben oder der Übertragung „feinstofflicher“ Energien.

Und das umfaßt nicht einmal die Angehörigen der großen Religionen. Vielleicht sind, ungeachtet, was uns die öffentliche Meinung weismachen will, die Materialisten also tatsächlich in der Minderheit…

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Mal schauen.

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Mangels einer Statistik kann ich nur mutmaßen, aber wie in so vielen anderen Bereichen hört man auch in der Gralsbewegung vom Schreckgespenst (nun ja, einem von vielen) der Neuzeit: Nachwuchsmangel. Die Kreise schrumpfen, überaltern, heißt es. Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, seit wann die Gralskreise die Bewegung ausmachen (und ich habe so meine Gedanken zu der Thematik), stellt sich die Überlegung: Was ist mit all den Kindern von Kreuzträgern, die ich in meiner Zeit angetroffen habe?

Ich bin ja ebenfalls „zweite Generation“, wenn man es so titulieren will. Habe mir einmal sagen lassen, die meisten Kinder nähmen den Glauben (oder Unglauben) des Elternteils an, der am „aktivsten“ in seiner Ausübung sei – trifft in meinem Fall absolut zu. In einem Buch über Amish-Jugendliche wurde berichtet, die wenigsten sagten sich letztlich vom Glauben ihrer Familien los – auch das Phänomen begegnete mir bei einer Freundin, die am Ende wieder in den Schoß der katholischen Kirche zurückkehrte (wohlgemerkt, sie bezeichnet sich ausdrücklich als Katholikin, nicht als Christin). Wie das statistisch aussieht, weiß ich nicht.
Zumindest weiß ich, daß ich seinerzeit viel zu unreif für die Versiegelung war, vielleicht aus völlig falschen Gründen um sie gebeten habe, obwohl mir das damals nicht bewußt war. Der große Schritt von Tradition, um es mal so zu nennen, hin zu echter Überzeugung kam erst viel später. Und ich denke, das ist eine wesentliche Erkenntnis, der sich jeder irgendwann stellen muß, aber zu viele weichen ihr aus oder kommen aus welchen Gründen auch immer niemals dorthin.
Vermutlich ist das große Bild so, daß die junge Generation sich entweder vom Glauben oder Unglauben der Eltern lossagt oder ihn mehr oder weniger fraglos, eben aus Tradition, übernimmt. Und wenn meine Erfahrungen über die Jahre aussagekräftig sind, so unterscheidet sich die Bewegung da nicht sehr von christlichen oder anderen Gemeinschaften, besonders kleinen, in denen jeder jeden kennt. Was wurde da an Köpfen geschüttelt, wenn Einzelpersonen oder Familien sich aus den Kreisen zurückzogen oder – Horror! – lieber Mitglieder einer Kirchengemeinde wurden. Die Gründe dafür waren häufig entweder Unzufriedenheit mit den Kreuzträgern in einem Gralskreis oder aber der Wunsch nach engerem Gemeindeleben; beides gleichermaßen legitime wie fragwürdige Gründe, aber in beiden Fällen kein Anlaß zum Exkommunizieren, wie ich finde.
Jedenfalls fließt auf diesem Wege Nachwuchs ab. Andere mögen gleichgültig gegenüber jeder Art spiritueller Ausrichtung geworden sein. Wieder andere haben kein Interesse an „organisierter“ Ausübung ihrer Überzeugung oder eben kommen mit anderen Personen in ihrem Kreis nicht zurecht und werden deshalb sogenannte Einzelleser: Kreuzträger, die keinem Gralskreis angehören.

Wenn nun gewisse Jünger der Meinung sind, Einzelleser kämen in die Hölle… Nun ja, wörtlich wurde es so nicht ausgedrückt, aber das ist, wenn man den Gedanken zu seinem logischen Ende führt, genau die Aussage. „Wer auf Erden keine Sehnsucht nach einer Andacht hat, hat es drüben auch nicht“, so in etwa das Zitat. Heißt: Lichtsehnsucht ist mit einer Andachtsstätte verbunden. Heißt: Wer hier nicht zur Andacht geht, hat keine Lichtsehnsucht. Heißt: Ohne Lichtsehnsucht ist man „drüben“, also im Jenseits, in der feinstofflichen Ebene, verloren, steigt nicht auf, gerät in die Zersetzung. Dumme verlorene Einzelleser.
Das ist eine so unglaubliche Arroganz und Ignoranz, daß ich es nicht in Worte fassen kann. Was denkt besagter Jünger, daß Einzelleser tun? Ich finde ja, es wird aus dem Wortbegriff deutlich, aber vielleicht irre ich mich da. Einzelleser lesen die Botschaft ohne Anschluß an einen Gralskreis, aus welchen Gründen auch immer. Das ist alles. Andacht können sie auch ohne eine Lichtstätte abhalten.

Ausschlaggebend dazu ist immer nur die innere Beschaffenheit des Einzelmenschen. […] Wie er, der Einzelmensch, sich dabei öffnet, so viel wird er erhalten. Manche finden Andacht nur im Walde, andere am Meere, wieder andere in der Musik und zahlreiche tatsächlich nur in Kirchen.
(Abd-ru-shin: Fragenbeantwortungen)

Wie viele Einzelleser kennt besagter Jünger, daß er für sich in Anspruch nimmt, ihre Lichtsehnsucht und Lichtverbundenheit beurteilen, vielmehr aburteilen zu können? Vielleicht sollte er lieber einmal seine eigene hinterfragen. Oh, und übrigens:

Das Kirchengehen ganz allein kann einem Menschen natürlich keine Seligkeit bringen; es nützt ihm nichts, wenn er nicht selbst in sich dazu erwacht!

Betrifft natürlich ebenso Andachten in Lichtstätten.
Dies eher am Rande, aber es ist ein Beispiel, warum Kreuzträger der Bewegung, wie sie sich in einer Organisation präsentiert, den Rücken kehren – und die Reaktion darauf ist nicht gerade ein Anreiz, in den Schoße eines Gralskreises zurückzukehren.

Wie gesagt, ich weiß nicht, was aus meinen Altersgenossen geworden ist – ob sie sich in der Bewegung engagieren oder Einzelleser sind oder einen anderen Weg gehen. Genausowenig habe ich eine Lösung dafür, daß, zumindest hierzulande, die Zahl der Kreuzträger rückläufig zu sein scheint. Aber das menschliche Hickhack hilft eindeutig nicht. Ebensowenig die Erwartungen, die unausweichlich an Kinder von Kreuzträgern gestellt werden, an ihre Art zu leben, daran, daß sie die Reihen eines Tages verstärken werden – mit der fast zwangsläufigen Folge, daß das Gegenteil eintritt.

Es ist nicht einfach, der zweiten Generation anzugehören. Mir gestand eine Kreuzträgerin einmal, daß sie mich beneide – sie habe so lange suchen müssen; da hätten wir, die wir in das Wissen hineingeboren seien, es so viel einfacher. Das stimmt eindeutig nicht. Die Ironie hier war, daß ich diejenigen immer beneidete, die durch Suchen gefunden hatten – denn sie konnten sicher sein, daß ihr Finden echt war. Was aber war mit uns, die wir nie suchen mußten? Wie konnten wir behaupten, gefunden zu haben, wenn wir mit der Lehre aufwuchsen? Ich habe unter diesem Konflikt durchaus gelitten. Was mir erst im Laufe vieler Jahre klar wurde, war, daß das „Finden“ der Kinder von Kreuzträgern ein anderes ist. Wir müssen heraus“finden“, was angelernt ist, was geglaubt wird, und wo unsere eigene Überzeugung einsetzt. Überhaupt müssen wir unsere eigene Überzeugung erst einmal finden! Die lebendige Überzeugung, von der Abd-ru-shin spricht. Ich schrieb bereits, daß ich bei meiner Versiegelung unreif war. Aus heutiger Sicht weiß ich das. Mein Glaube damals war echt, aber ich war viel zu jung, noch viel zu unsicher und uneigenständig, um so etwas wie eine eigene, lebendige Überzeugung entwickelt zu haben. Das kam später, nach und nach, mit Erfahrungen und Reife. Es ging auch Hand in Hand mit dem Hinterfragen dessen, was in Kindheit und Jugend als selbstverständlich galt.

Jeder Mensch muß seinen eigenen Weg finden. Ob man nun gleich das Kind mit dem Bade ausschütten und sich komplett lossagen muß, weil gewisse Strömungen innerhalb der Gralsbewegung oder bestimmte Personen nicht gefallen, sei dahingestellt – man sollte doch die Botschaft und die Bewegung nicht gleichsetzen. Im Gegenteil, ich bin überzeugt, daß was heute in der Bewegung gelebt wird (auf allen Seiten des Schismas), größtenteils im kompletten Widerspruch zu dem steht, was Abd-ru-shin wollte. Aber das ist ja kein Einzelfall. Jesus würde seine Worte in der Kirche vollkommen verdreht wiederfinden, Mohammed würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen angesichts dessen, was aus seiner Lehre gemacht wurde… Traditionen statt lebendiger Überzeugung eben.
Glaube an den Glauben der Väter reicht nicht aus, wie Abd-ru-shin in „Im Lande der Dämmerung“ erklärt. Aber auch diesen Vortrag beziehen ja viele Kreuzträger aufgrund des Schwerpunktes seiner Schilderung (das christliche und spiritistische Gewand) nicht auf sich.

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In Planung ist ein Artikel, wohl fürs Autorenblog: „Die neue Religiosität in Hollywood“. Kein Beitrag über christliche Filme, sondern über die Ballung christlicher Motive in Filmen und Serien während der letzten Jahre. Da alle künstlerischen Trends ein Zeichen ihrer Zeit sind, frage ich mich, ob das auch für andere Religionen zutrifft. Falls jemand etwas weiß, bitte melden.

Unter anderem in meinem Stapel abzuarbeitender DVDs und Bücher: Agents of S.H.I.E.L.D., Staffel 4 + 5, Supergirl, Staffel 3, sowie jede Menge Lawrence und verwandte Thematik.
Nachdem Agents 3 die mangelhafte 2. Staffel ausgeglichen hatte, wollte ich ja nun wissen, wie es gerade in Hinsicht auf Infinity War weiterging – stelle mir die Planung schwierig vor. Staffel 4 ist insbesondere in der ersten Hälfte ausgezeichnet und greift – daher der Eingangsabsatz – die christliche Symbolik der 3. Staffel wieder auf. Mit etwas Terry Brooks gemischt, großartig! Danach wird’s schwächer. Mindfuck-Episoden treten in jeder Serie dann auf, wenn Fonzies Hai übersprungen ist. Kein gutes Zeichen also. Ebenso, wenn eine Serie anfängt, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Das passiert bereits in Staffel 4 und nimmt in Staffel 5 erheblich zu. Sie hat ihre Momente, kein Zweifel. Yoyo nimmt zum ersten Mal eine zentrale Rolle ein und rettet die fünfte Staffel, gemeinsam mit den wiederkehrenden Agenten der zweiten Liga. Komponist Bear McCreary, seit Outlander immer wieder gern gehört, verzerrt das Titelthema in eine kaum wiedererkennbare Form – mir fiel’s nur auf, weil er eben diesen Trick auch bei Outlanders „Stone Theme“ anwandte. Die Framework-Variante in Staffel 4 ist einfach bizarr; die – oh, das muß jetzt einfach sein – „Zukunftsmusik“ in Staffel 5 macht starke Anleihen bei dem phantastischen Blade Runner 2049-Score.
Aber alles in allem ließ mich Staffel 5 ratlos zurück. Zeitreisen sind immer eine unlogische Angelegenheit, aber Doctor Who beispielsweise hatte sehr viel sinnmachendere Plots. Ich verstehe immer noch nicht, wie unsere Helden nun eigentlich die Schleife durchbrochen haben. An Coulson kann es nicht gelegen haben, obwohl das nahegelegt wird, aber die Handlung spricht dagegen. Ebenso rätselhaft ist der Masken-Tick der Ausstattung. Er dient keiner Symbolik – wäre es um Masken im übertragenen Sinne gegangen, wunderbar! Aber so läuft ganz einfach jeder mit einer Maske herum. Warum auch immer. Talbot als unbeabsichtigter Superschurke hingegen hat was.

Und a propos, „Talbot“ und „Piper“ finden sich in ähnlichen Rollen im DC-Universum wieder, nämlich als Agentin zweiter Liga auf Supergirls Seite sowie als Schurke (wenn auch nicht Super-) in Staffel 3. Und, Überraschung, die christliche Symbolik ist da! Leider auch der bereits in Staffel 2 erkennbare Trend zur Soap. Supersoap. Beste Folge der Staffel ist „Midvale“, über Karas und Alex‘ ersten Fall und ihre nicht ganz einfachen Anfänge als Schwestern; Brainy bereichert das Team, obwohl man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß die Legion of Superheroes hier ein breites Sprungbrett für ihre eigene neue Serie bekam. Unsinnig, aber immerhin vollkommen im Modus der Comics sind die Wiederkehr sowohl J’onns Vater als auch Karas Mutter.
Das diesjährige DC-Crossover hat gegenüber seinem Vorgänger erheblich zugelegt. Das Zusammenspiel der Charaktere ist hervorragend, wobei Alex und Sarah natürlich den Vogel abschießen, die Handlung ist rund, und endlich, endlich, hurra!: Eine Serie (mehrere Serien? Ein Seriencrossover?) hat sich getraut! Bedeutete bis dato (ich meckerte hier bereits darüber und könnte noch so viel mehr sagen) Homosexualität ausschließlich zwei heiße Frauen, so hat Crisis on Earth X endlich den Mut, nicht nur ein männliches Pärchen aufzubieten, sondern dabei auch einen schwulen Superhelden.

Und dann hat’s, kaum weniger verwirrend als S.H.I.E.L.D.s Zeitreise, die Lawrence-Literatur. „Consistency for Lawrence was a matter of the utmost inconsequentiality“, schreibt Rodney Legg in Lawrence in Dorset. „It was to be his lasting joke at the expense of historians and his annual biographers who are accustomed to taking such things seriously.“ Und er hat recht. Nichts paßt wirklich zusammen. Es ist kein Wunder, daß Philip Walker in seinem wunderbaren Erstlingswerk Behind the Lawrence Legend – The Forgotten Few Who Shaped the Arab Revolt offen sagt, Lawrence sei unerklärbar. Man kann sich einzelnen Facetten seiner Persönlichkeit nähern, aber niemals der Gesamtheit, ganz gleich, was manche Forscher glauben. Natürlich hilft es nicht, wenn beispielsweise Legg Quellenangaben für überflüssig hält… und das in einem Werk, das Quellen aufführt, die vorher und seitdem von niemandem beachtet worden zu sein scheinen!
Nichtsdestotrotz, speziell Walker, aber auch Michael Asher oder all die interessanten Beiträge im diesjährigen T. E. Lawrence Society Symposium, zeigen Forschung mit Herzblut und Entdeckerfreude. Ich erkenne meine beste Marta-Zeit darin wieder. Es macht mich glücklich zu sehen, daß diese Art Forschung existiert, und gleichzeitig bricht es mein Herz. Seit Jahren suche ich nach einer neuen Richtung für mein Leben, denn da ist nichts, das es auszufüllen scheint. Nachdem ich Walkers Buch zu Ende gelesen hatte, schrieb ich in mein Tagebuch:

[I]ch weiß, was ich will, und es ist Recherche. So sehr. Das ist es, was mir Freude macht.
Was soll ich tun?

Und das ist das grundlegende Problem in meinem Leben. Nichts paßt zusammen. Ganz ohne Lawrencesches Lügengebilde. In meinem Beruf hat Forschung keinen Platz, und ich kann Forschung nicht zu meinem Beruf machen, weil mir eine hochtönende Qualifikation fehlt, ohne die ich immer als Laie abgestempelt bleibe. Eine entsprechende Qualifikation, spricht Studium, nachzuholen ist unmöglich, weil ich nun einmal finanziell auf meinen Job angewiesen bin. (Selbst die Recherche zu Martas Biographie kostete mich eine Menge Erspartes.)
In jedem Fall. Ich genieße auch die Forschung aus zweiter Hand, grolle über unsinnige Schlußfolgerungen oder das Ignorieren von anderen Quellen und schreibe Anmerkungen für niemanden zu beispielsweise Oliver Stallybrass‘ Einleitung zu E. M. Forsters The Life to Come and Other Stories, in der er sich über Lawrences Reaktion – Gelächter – zur Titelgeschichte wundert… offenbar ohne sich über die frömmelnde, heuchlerische Situation in seinem Elternhaus belesen zu haben, die so ausgezeichnet zu Forsters Werk paßt. Oh, ja, und ich vermute, Lawrence hat sich wie immer nicht die Mühe gemacht, seinem Freund diesen Hintergrund zu erläutern.

The Life to Come and Other Stories jedenfalls ist eine Lektüre wert. „Dr Woolacott“, das Lawrence so in seinen Bann geschlagen hatte (er schrieb einen bemerkenswerten Brief darüber an Forster), gehört zu den hervorstechenden Geschichten, ebenso das sehr viel direktere „Arthur Snatchfold“. „The Obelisk“ bewahrt sich seine wahre Überraschung für den Schluß auf – großartig! Bitterböse und ungemein erotisch „The Torque“. „The Other Boat“ ist nicht nur schreibtechnisch interessant (wiederverwertete Fragmente), sondern auch eine auf vielen Leveln funktionierende Gesellschaftskritik.

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Agents of S.H.I.E.L.D. goes Stargate, dachte ich mir vergnügt für etwa die Hälfte der 3. Staffel. Bis sich dann so nach und nach herauskristallisierte, daß wir hier mit ganz anderen Dimensionen konfrontiert wurden.
Schlichtweg großartig. Fing die 1. Staffel etwas schwach an, wurde dann aber richtig klasse, so schwächelte die 2. Staffel dauerhaft vor sich hin. Ich bin froh, daß ich mich letztlich doch zum Ansehen der 3. Staffel entschloß. Neben dem großen biblischen Plot mit seinen Themen der Selbstaufopferung, Sünde und Erlösung erfreuten besonders die wiederholten Anspielungen auf die leider so kurzlebige Schwesterserie Agent Carter – natürlich sehr passend zum Tod von Peggy Carter in Captain America: Civil War.

Schmunzler am Rande: Brett Dalton, der diesmal nicht nur Ward, sondern auch den Teufel der Handlung spielen durfte, war in The Resurrection of Gavin Stone auf der Gegenseite zu finden, nämlich als etwas imperfekter Jesus-Darsteller…

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Very disappointing in reference to the message that was conveyed. I loved the first two movies, but in the third Christianity was trampled by a godless and entitled society. It was very disheartening and discouraging because I believe it is only reflecting where our world is heading. The movie’s message, in my opinion, is to give up, give in and apologize for your beliefs.

God’s Not Dead – A Light in Darkness, der dritte Film der GND-Reihe, ist eine auffallende Abkehr von den leicht radikalen und sehr simplifizierenden ersten beiden Teilen. Nicht zu jedermanns Freude, wie die Kommentare auf der Facebook-Seite enthüllen.

Not a fan of the current movie .The others inspired me, but in this one I saw a sense of just giving in to the world and it will work for everyone. Even the young Christian lady was tortured and stuck to her boyfriend against her Christianity. Even the Black preacher had no solace for the young preacher trying to fight for his friend. Making this a race issue when it should not have been. The black minister should have at least been been empathic instead of making it about himself. Not a good Christian movie. Does not compare with the other two. If they had been real and shown young people in drugs and and God’s love pulling them back would have carried more weight. I saw no love for the young minister trying to love the Lord.

Woher der Wandel kommt, kann ich nur damit erklären, daß man nach dem Cliffhanger des zweiten Films nicht noch ein Gerichtsdrama wollte – zu Beginn des dritten Teils gibt es sogar eine darauf hindeutende Dialogzeile. Oder aber das seitdem stattgefundene politische Geschehen in den USA spielte eine Rolle.

It was definitely not what I was expecting considering the past 2 movies were about fighting for and standing up for God and him winning proving his existence! Not giving in and giving up what was his! Plus in previews it showed „feat the Newsboys“ and they wasn’t in the movie but like few seconds unlike the other 2 movies! Just alot of parts could’ve been more realistic!

Ich fand den Wandel sehr erfreulich. Eine Balance zu finden zwischen dem Einstehen für die eigene Überzeugung und dem Recht der Mitmenschen auf ihre eigene Ansicht ist nicht immer einfach, wie wohl jeder Mensch mit nicht nur Überzeugungen, sondern auch Toleranz im positiven Sinne (das Wort hat heute so einen schlechten Beigeschmack bekommen) weiß.
In den ersten beiden GND-Filmen rollten die Christen schlicht und ergreifend über ihre Gegner hinweg, was niemand tragisch fand, da diese sowieso von Grund auf fies, unsachlich und unsympathisch waren. Das mochte das christliche Publikum erfreuen, half aber letztlich niemandem. Im Umkehrschluß konnten sich atheistische Kritiker austoben, und auch ihre Hetzereien halfen niemandem. Ich nenne den Atheismus seit langem eine Religion, denn seine Anhänger zeigen das gleiche Verhalten der theistischen Gläubigen.

Sehr passend zu den Problemen unserer Zeit stellt GND 3 nun dar, was passiert, wenn ein jeder auf seinem „Recht“* und auf der Richtigkeit seiner Anschauungen beharrt, ohne sich Gedanken über die Auswirkungen auf seine Mitmenschen zu machen. Es gibt in GND 3 keine Schurken, und die Täter sind gleichzeitig Opfer. Natürlich zielen die Macher hier speziell auf die gegenwärtige politische Spaltung der Gesellschaft (und der christlichen Gemeinschaft) in den USA an, aber ihre Aussage ist universell: Nur aus einem Miteinander kann neue Hoffnung erwachsen. Und das erfordert Vergebung, Aufeinanderzugehen und, ja, auch Zurückstehen. Und ein Zuhören statt Gehörtwerdenwollen.


*“Wir haben kein Recht auf Glück. Wir haben nicht einmal ein Recht auf Leben.“ (Marie Louise Fischer)

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Aus dem Autorenblog, paßt hier eindeutig besser.

Für den Menschen braucht es in der Schöpfung kein Mysterium zu geben, darf es nicht; denn Gott will, daß seine Gesetze, die in der Schöpfung wirken, dem Menschen gut bekannt sind, damit er sich darnach richten kann und durch sie leichter seinen Weltenlauf vollendet und erfüllt, ohne in Unwissenheit abzuirren.

Der ehemalige Herrenhäuser Pastor Jan Olaf Rüttgardt stellte am 23.1. im Kirchsaal der Herrenhäuser Kirche sein Buch Die Botschaft der Evangelisten vor. „Der Evangelisten“, wie er betonte, „nicht der Evangelien.“ Denn nach derzeitigem Stand der Forschung lassen sich die Berichte über Jesu Wirken erst auf Quellen aus zweiter bis dritter Hand zurückführen. Aufgrund der Kürze der Zeit konnte Herr Rüttgardt das spannende Thema seines Buches nur anreißen, ein Thema, das ihn spürbar fasziniert – ich mag es sehr, wenn ein Forscher vom Thema seiner Forschung begeistert ist und dies auch vermitteln kann! Gleichzeitig ist er bei aller Theologie, aller Wissenschaft also, ein gläubiger Mensch, und auch dies ist eine Mischung, die ich sehr wertschätze. Zurückdenkend an meine Israelreise beispielsweise konnte ich diese Mischung bei unserer mitreisenden Pastorin a.D. nicht feststellen; sie war Theologin allein mit Hirn, nicht mit Herz und sah alle Niederschriften als Symbol für etwas. Ich wartete nur darauf, daß sie eines Tages sagen würde, auch Gott sei nur ein Symbol. „Theologie zerstört jede Art von Glauben“, wie sie bekannte.

Das ist nun eine interessante Aussage. Herr Rüttgardt hätte sicherlich einiges darauf zu erwidern. Aber auch seine Sicht der Dinge ist aus dem Blickwinkel der Lehre der Gralsbotschaft befremdlich. Ja, die vier Evangelien widersprächen sich teilweise, erklärte er, und manches in ihnen stehe in direktem Widerspruch zu dem, was man heute als Christ erwarten würde. Vieles, so Rüttgardt, könne man aus heutiger Sicht, aus unserem kulturellen Umfeld heraus gar nicht verstehen. Denn man dürfe nicht vergessen, daß das Christentum in seinen Anfängen aus einer sehr fremden Kultur stamme. Und manches sei ganz einfach unverständlich. Das spiele aber gar nicht so eine wichtige Rolle, erläuterte er. Nicht für ihn und in seinen Augen auch nicht für das Christentum, für das Verständnis des Glaubens. Kurzgefaßt: Man muß nicht alles verstehen, um zu glauben.

Das sind nun zwei entgegengesetzte Standpunkte: Glauben, ohne sich von Widersprüchen, Unklarheiten oder auch wissenschaftlich belegten Fehlern in der Bibel beirren zu lassen versus dem Voranstellen wissenschaftlicher Erkenntnisse und dem damit verbundenen Verlust des – ich nenne es mal kindlichen – Glaubens. Ein dritter Standpunkt, auf den ich im Buch The Sisters of Sinai stieß: Echter Glaube überlebt wissenschaftliche Erkenntnisse. Nicht in dem Sinne, daß diese Erkenntnisse ausgeblendet werden, sondern daß der Glaube stark genug ist, Neuerungen zu überleben. Ich kann nicht sagen, welcher Standpunkt der wertvollere ist.

Die Gralsbotschaft ist sehr deutlich in dieser Hinsicht mit ihrer Warnung vor blindem Glauben. Und dennoch halte ich es für wichtig, sich auch als Kreuzträger Gedanken über diese Dinge zu machen. Im Vortrag „Im Lande der Dämmerung“ beispielsweise warnt Abd-ru-shin sehr deutlich auch die Kreuzträger. Es ist so bequem, diesen Vortrag nur auf das Christentum zu beziehen, weil dies das Beispiel ist, das aus der zur Zeit und im Umfeld des Herrn vorherrschenden Kultur heraus gewählt wurde. Vielleicht läßt man sich auch herab, andere Religionen, vielleicht noch den Spiritismus oder Okkultismus darin zu erkennen. Doch „… von dem ich heute nur einen ganz kleinen Teil erklärte“, warnt Abd-ru-shin im Abschluß des Vortrages. Von diesem An-Äußerlichkeiten-Festkrallen sehen wir unter den Kreuzträgern mehr als genug. Sei es das Schisma zwischen „Berg-Kreuzträgern“ und „Bewegungs-Kreuzträgern“ und allen den Splittergrüppchen, die nebenher existieren, sei es der Streit um die „richtige“ Ausgabe der Botschaft, sei es der Verjüngungs- und Modernisierungstick, der aktuell in der Bewegung grassiert (kein Feuerzeug verwenden beim Anzünden der Altarkerzen und die bizarre Begründung dafür – mir fehlen die Worte)… was ist das alles? Kein lebendiger Glaube, keine lebendige Überzeugung, so viel steht fest. Das ist Dogma. Das ist Sektierertum. Und das sind Äußerlichkeiten, über denen viele Kreuzträger vergessen, was wichtig ist.

Aber gehen wir noch weiter. Auch in der Botschaft finden wir Voraussagen, die sich sehr aktuell auf das Datum der Niederschrift bezogen lesen und bis heute nicht eingetroffen sind. Es gibt verschiedenste Reaktionen darauf, die alle dem Muster der drei oben genannten Standpunkte entsprechen. Die Wegbereiter sind unübersehbar persönlich eingefärbt und widersprechen sich in den gleichen Schilderungen, und dennoch gelten sie für die einen Kreuzträger als beinahe gleichbedeutend mit den Schriften Abd-ru-shins, während die anderen sie als Kitsch ablehnen. Die „Sekundärschriften“, Memoiren etc., widersprechen sich, je nach dem persönlichen Standpunkt des Erinnernden, und dennoch werden einzelne Aussagen von heutigen Kreuzträgern als Offenbarungen gehandhabt und andere abgelehnt. Muster unbekannt.

Wie gehen wir als Kreuzträger mit all dem um? Wie beziehen wir Widersprüche, Unklarheiten, Zweifel in unseren Glauben oder unsere Überzeugung mit ein? Sind wir, so beliebt es ist, sich als besser oder fortgeschrittener vorzustellen als beispielsweise die Christen, wirklich so anders?
Ich würde mir gern vorstellen, daß wir zumindest geistiger wären, nicht so ausschließlich dem Irdischen verhaftet, wie mir das Christentum in vielem zu sein scheint. Ob ich damit recht habe, wer weiß?

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So sollte der Titel eines geplanten Blogs lauten, und gänzlich vom Tisch ist der Gedanke noch nicht. Doch ich will erst einmal sehen, was an Themen zusammenkommt, und außerdem habe ich hier (und im Autorenblog) ja bereits so einige Beiträge geschrieben, die damit zusammenhängen. Also: Neue Kategorie, die für den interessierten Leser schnell zu finden ist; alle nicht interessierten Leser können gleich wegklicken, wenn sie die Überschrift sehen.

Karfreitag fand nachmittags in der Herrenhäuser Kirche eine Andacht statt, mit Auszügen aus der Markus-Passion und aus dem Markus-Evangelium. Ich ging hauptsächlich wegen der Musik hin, aber auch, weil ich den Tag „begehen“ wollte und mir wegen des ganzen Stresses in der letzten Zeit nicht in den Sinn kam, mich bei Herrn Bernstein zu erkundigen, ob im Hannoveraner Gralskreis eine Andacht stattfände.

Ich schrieb ja schon mehrfach an anderer Stelle, daß ich mit der christlichen (und anderen) Religionsausübung keinerlei Erfahrungen habe – naja, inzwischen dank Israel-Reise ein bißchen mehr. Aber sie ist mir immer noch sehr fremd und wird es vermutlich auch immer bleiben. Diese Andacht fing gleich mit dem vollen Negativprogramm an: Gemeinsames Singen (ich kannte das Stück nicht, hätte mich vielleicht hineinfinden können, aber mein Sitznachbar sang so fürchterlich falsch – und laut – , daß ich eher Mühe hatte, mir ein Lachen zu verkneifen) und Wechselherunterleiern. Danach aber wurde es weitaus angenehmer, denn bis zum Vaterunser (mehr Leiern) beschränkte sich der Ablauf auf abwechselnd Passionsmusik und Lesung aus dem Markus-Evangelium. Es ist schön, daß auf die sonst so üblichen (Um-)Deutungsversuche und Bezügesucherei verzichtet wurde. Der Text spricht für sich, sehr viel eindringlicher und aussagekräftiger als jede Predigt.

Doch ich muß noch einmal zurückgehen zum Anfang. Es war mir ganz persönlich an diesem Tag ein Anliegen, mich dem Anlaß entsprechend festlich zu kleiden. Ich kenne es auch nicht anders aus den Andachten im Sinne der Gralsbotschaft, aber das spielte hier nur eine zweite Rolle. Dennoch berührte es merkwürdig, die meisten anderen Besucher in normaler Alltagskleidung zu sehen. Ja, ich kenne sämtliche Anmerkungen dazu von christlicher Seite. Dennoch fühlt es sich falsch an, respektlos vielleicht, gleichgültig in jedem Fall. Man kommt vom Sofa und geht nach der Veranstaltung auch wieder dort hin. Das Anlegen einer besonderen Kleidung für besondere Anlässe ist ja etwas, das einem selbst hilft, sich auf dieses Besondere einzustellen. Wir sprechen von geistigen Dingen, geistiger Aufnahmefähigkeit, nicht von „Gott liebt uns auch in Jeans“.

Oh, und ist es heutzutage auch nicht mehr in, pünktlich zu kommen? Was da lange nach Beginn noch hereinströmte, war erstaunlich.

Warum gehen all diese Menschen in die Kirche? Und sie war voll, keine Frage. Was führt sie also dorthin? Was geht ihnen während der Andacht im Kopf herum? Was nehmen sie am Ende mit? Es ist doch wohl eher Tradition, etwas, „das man eben so macht“, als echte Gläubigkeit. Gerade die christliche Kirche, scheint mir, ist sehr eng verwoben mit… wie soll ich es nennen? Einem Gemeinschaftsgefühl im Sinne eines sozialen Zusammenkommens. Man trifft Bekannte. Man „besucht“ gemeinsam einen Gottesdienst, wie Abd-ru-shin das bereits betonte.
Nicht, daß Kreuzträger dagegen gefeit sind, wie ich leider sagen muß. Nach meiner Erfahrung sind viele von ihnen auch mehr an irdischen Dingen interessiert, und ich frage mich oft, warum sie Kreuzträger geworden sind, wenn sie so sichtlich nichts von einer Andacht mitnehmen und schon beim Herausgehen wieder schnabbeln müssen, natürlich über rein irdische Dinge. Sollten Bekenner der Gralsbotschaft es nicht viel besser wissen?

Andererseits – und darüber sprach ich schon mehrfach mit meiner Mutter – habe ich große Hochachtung vor Kreuzträgern, die an ihrer Überzeugung festhalten, obwohl sie vielleicht ein Leben lang kein… nennen wir es: sichtbares Zeichen erhalten oder zumindest es nie wahrnehmen. Meine Mutter und ich „sehen“. Wir haben vieles erfahren dürfen. Und obwohl wir natürlich auch im Alltag versumpfen und kräftig Fehler begehen, ist das Zweifeln erheblich schwerer, wenn man einmal im Frieden des Lichtes gestanden hat.
Genauso ist die Nichtigkeit und Kleinheit der meisten Menschen danach schwer zu verstehen.

In jedem Fall: Wie kann es sein, daß all die Menschen in der Herrenhäuser Kirche nicht erschüttert waren? Vielleicht waren es einige, das will ich nicht ausschließen. Die anderen kommentierten über die Geigenkästen für die Kollekte, wie schön das Konzert war…
Gerechterweise muß vielleicht bedacht werden, daß der Karfreitag nach der christlichen Kirchenlehre ja eigentlich ein Freudentag ist. Aber auch davon merkte man nicht unbedingt etwas.

Ich wünschte mir streckenweise, doch lieber zur Andacht in eine Lichtstätte gegangen zu sein. Andererseits: Keine Markus-Passion. Perfekt bekommt man’s nie. Aber zumindest hatte ich eine Menge Anregung zum Nachdenken.

Nun möchte ich’s aber nicht so dargestellt lassen, als wäre ich nur am Kritisieren. Heute erst in „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ gelesen:

Sogar die sogenannten Wahrheitssucher sind jetzt selten auf dem rechten Wege. Neun Zehntel davon werden nur zu Pharisäern, die kritisierend hochmütig auf ihre Nebenmenschen schauen, dabei noch eifrig sich befehdend.

Ich habe die Tendenz, gebe ich ja zu. Also: Ich sehe auch viel Gutes im Christentum, und auch darüber schreibe ich natürlich gern.

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Die Jury sah’s offensichtlich anders, aber ich war nicht sonderlich beeindruckt von The Shape of Water. Vielleicht hat’s damit zu tun, daß ich die Entwicklung gewissermaßen über viele Jahre verfolgt habe. Pans Labyrinth war in seiner ursprünglichen Fassung eine Liebesgeschichte zwischen einer Frau und einem Faun, bevor es sich in eine ganz andere Richtung weiterentwickelte. Hellboy 2 – The Golden Army zeigt die Liebesgeschichte zwischen einem Wasserwesen und einer Prinzessin. Davon ab, del Toros Hellboy-Filme zeigen sowieso die Liebesgeschichte zwischen der Schönen und dem Biest. Die Wasserkreatur taucht – sorry für das Wortspiel – bereits in The Devil’s Backbone auf, wenn man darüber nachdenkt. Und auch so ziemlich alle anderen Elemente aus The Shape of Water kennt man schon aus früheren Filmen.
Was neu ist, ist Sex. Del Toro versucht sich im GoT-Zeitalter zu beweisen, läßt es hoch hergehen und seine Charaktere mit F-Bomben um sich werfen. Anderen Regisseuren könnte man es abnehmen; del Toro macht sich leider lächerlich. Denn er ist nun mal kein moderner Regisseur und kein moderner Schreiber. Seine Liebe gehört den Monstern und den Monsterfilmen früherer Jahrzehnte, und daran ist nichts Schlechtes. Es ist das Geheimnis der Magie seiner Filme. Die, wie ich anmerken möchte, zu einem großen Teil in früheren Jahrzehnten angesiedelt sind.

Der arme Doug Jones wird wahrscheinlich mal wieder Beschuß aus den eigenen Reihen kassiert haben; er ist praktizierender Christ, und seine Mitarbeit in Legion zum Beispiel zog böse Kommentare nach sich.

Womit ich gut leben kann, ist die Aussage des Films, Menschen seien die wahren Monster. Der Rest – hm.

Nachschlag:
Weil ich mit A. ins Diskutieren kam, sollte ich vielleicht ein paar Worte über den Symbolismus in The Shape of Water verlieren. Er ist vorhanden, sogar sehr erheblich. Der gelungenste Teil davon dürfte der christliche Symbolgehalt sein (danke an A. für den Link; es fehlt u.a. die Erwähnung von Ruth) sowie die Farbe grün; letztere steht für etwas scheinbar Glückverheißendes, das sich aber entweder als der falsche Weg entpuppt oder in Enttäuschung endet – die grünen Torten, das Werbeplakat, grüner Wackelpudding, der grüne Cadillac. Mehr Probleme habe ich mit der Wassersymbolik. Sie wird am Ende sogar erklärt, aber in dieser Deutung ist sie nicht konsequent angewandt. Ich deute sie in den Anfängen als Liebessehnsucht, die Erfüllung findet, was in den ganz großen Wasserszenen zum Ausdruck kommt.

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