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Posts Tagged ‘Christentum’

Die Eitelkeit will Wahrheit nie erkennen lassen, gleichviel, wo sie zu finden ist. Was sie sich darin alles leistet, zeigt die Stellungnahme dieser Erdenmenschheit schon dem Erdensein des Gottessohnes gegenüber, welches in seiner wahren, großen Einfachheit dem eitlen Menschensinne nicht genügt. Der Gläubige will „seinen“ Heiland nur nach seinem Sinne haben! Deshalb schmückt er den Erdenweg des Gottessohnes Christus Jesus mit erdachten Vorkommnissen aus.
Nur aus „Demut“ allem Göttlichen gegenüber muß dieser Heiland nach der Menschen Sinn als Gottessohn auch unbedingt „übernatürlich“ sein. Sie überlegen dabei nicht, daß Gott selbst die Vollkommenheit des Natürlichen ist, und die Schöpfung aus dieser seiner vollkommenen Natürlichkeit heraus durch seinen Willen sich entwickelte. Vollkommenheit trägt aber auch die Unabänderlichkeit in sich. Wäre eine Ausnahme in den Schöpfungsgesetzen möglich, die nach dem Willen Gottes sind, so müßte darin eine Lücke sein, es hätte an Vollkommenheit gemangelt.
Menschliche Demut aber hebt sich über all dies hinaus; denn sie erwartet, ja verlangt bei einem Erdensein des Gottessohnes Abänderung bestehender Gesetze in der Schöpfung, also Übertretung. Ausgerechnet nun von dem, der doch gekommen war, alle Gesetze seines Vaters zu erfüllen, wie er selbst es sagte! Sie erwartet von ihm Dinge, die nach den Gesetzen der natürlichen Entwicklung einfach unmöglich sein müssen. Und ausgerechnet damit soll sich seine Gottheit zeigen, das Göttliche, das die Grundlage der Naturgesetze lebendig in sich trägt!
Ja, Menschendemut kann viel fertigbringen. Aber ihr richtiges Gesicht ist Forderung, nicht wahre Demut. Höchste Anmaßung, ärgster, geistiger Hochmut! Die liebe Eitelkeit deckt nur ein Mäntelchen darüber, das der Demut ähnlich scheint.
Traurig ist nur, daß auch so oft wirklich Gutwollende sich in der anfänglich ganz echten Demut unbewußt in ihrer Hingerissenheit bis zu den unmöglichsten Dingen steigern.
Es erstanden Einbildungen, deren Weitergabe großen Schaden brachte.
So mußte schon das Jesuskind die größten Wunderdinge ausgeführt haben. Sogar bei den kindlichsten Spielen, die es trieb wie jedes Kind, wenn es gesund und geistig rege ist. Die kleinen Vögel, die es spielend aus einfachem Lehm formte, wurden lebend, flogen lustig singend in die Luft, und viele solcher Dinge mehr. Es sind die Vorgänge einfach unmöglich, weil sie allen Gottgesetzen in der Schöpfung widersprechen!
Dann hätte ja Gottvater seinen Sohn auch fertig auf die Erde stellen können! Wozu war eine Menschenmutter nötig! Die Unannehmlichkeiten der Geburt! Können die Menschen denn nicht einmal einfach denken? Sie unterlassen es aus eigener Eitelkeit heraus. Der Erdengang des Gottessohnes muß nach ihrer Ansicht anders sein. Sie wollen es, damit „ihr“ Heiland, „ihr“ Erlöser nicht den Gesetzen Gottes in der Schöpfung unterworfen war. In Wirklichkeit wäre das zwar in ihrem Denken nicht zu klein für ihn gewesen, den Gottessohn, aber für alle die, welche in ihm ihren Erlöser anerkennen wollen! Menschliche Eitelkeit und weiter nichts!
Sie überlegen nicht, daß es für Jesus noch viel größer war, daß er sich freiwillig diesen Gesetzen unterwarf durch seine Fleischwerdung, nur um die Wahrheit in dem Wort zu bringen jenen Menschen, welche frevelnd durch Verbiegung ihres Erdenwerkzeuges sich unfähig dafür gemacht hatten, die Wahrheit aus sich selbst heraus noch aufzunehmen, zu erkennen. Sie waren viel zu eitel, um in dem Worte selbst die Sendung Christi als erfüllt zu sehen. Für sie, die eitlen Menschen, mußte Größeres geschehen!
Und als der Gottessohn am Kreuze dann den Erdentod erlitt und starb, wie jeder Mensch am Kreuze sterben muß, weil es den Gottgesetzen in der Schöpfung so entspricht, als der menschliche Körper nicht einfach vom Kreuze steigen konnte, unverletzt, da blieb der Eitelkeit nichts weiter übrig als die Ansicht, daß der Gottessohn so sterben mußte, nicht heruntersteigen wollte, um den armen Menschlein ihre Sünden dadurch abzunehmen, damit sie daraufhin nun froh empfangen werden in dem Himmelreich!
Und so erstand der Grund zu der späteren Auffassung der Notwendigkeit des Kreuzestodes, die die traurige, große Irrung unter die heutigen Christen brachte, nur aus der Menscheneitelkeit heraus. […]
Wenn Christus fleischlich hätte auferstehen können, so war es unbedingt auch folgerichtig, zu erwarten, daß er die Möglichkeit besaß, auch fleischlich fertig schon von dort auf diese Erde hier herabzukommen, wohin er bei der Auferstehung fleischlich gegangen sein soll. Daß dieses aber nicht geschah, daß er im Gegenteil von Anfang an die Wege eines jeden Menschenkörpers von Geburt an auch durchleben mußte, mit allen kleinen und mit allen großen Mühen, spricht mit vielen anderen Notwendigkeiten seines Erdenseins deutlich genug dagegen, ganz abgesehen aber davon, daß es so und anders nicht sein konnte, weil auch der Gottessohn sich den vollkommenen Gesetzen seines Vaters in der Schöpfung fügen mußte.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Das verbogene Werkzeug“)

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Im Zuge meiner Begeisterung für das Gartengrab in Jerusalem kaufte ich mir The Weekend that Changed the World von Peter Walker, der versucht, für das Gartengrab als authentische Stelle der biblischen Ereignisse zu argumentieren oder es doch zumindest als legitime Alternative zur Grabeskirche zu etablieren. Das als solches ist völlig in Ordnung. Daß er als Christ für die körperliche Auferstehung Jesu argumentiert, ebenso. Leider jedoch läßt seine Logik bei letzterem arg zu wünschen übrig. Ich schätze gute Argumentation sehr. Ich muß einer Argumentation nicht zustimmen, aber wenn sie Hand und Fuß hat, weiß ich sie zu schätzen. Peter Walkers hingegen läßt sich im besten Falle als bemüht bezeichnen.

Nun muß ich in dem Zusammenhang leider auf ein Thema zurückkommen, das ich schon anderswo aufgegriffen hatte. Und das ist etwas, das ich immer wieder beobachte, eben auch auf der Israel-Reise im Zusammensein mit meinen christlichen Mitreisenden. Ich ging mein Leben lang davon aus, daß Christen (wie alle sogenannten Gläubigen) eine spirituelle Basis ihres Glaubens besitzen, soll heißen, ihr Glaube basiert im Spirituellen und wird auf das „materielle“ Leben übertragen oder in diesem umgesetzt. Ich meine, was sonst ist Glauben denn als das Glauben an höhere Dinge als nur das Irdische?
Es war ein mittelschwerer Schock und – man verzeihe mir das Wortspiel – wirklicher Unglauben, mit dem ich nach und nach erfuhr, daß dem nicht so ist. Es begann mit einer langjährigen Freundin, einer Katholikin, die keinerlei wirkliches Konzept von der Seele hatte. Also etwas, von dem ich angenommen hatte, daß das eines der wesentlichen Punkte im Glauben sei. Ernsthaft, die Leute „glauben“ an Himmel und Hölle, sie „glauben“, daß sie nach ihrem Tod von Jesus willkommen geheißen werden, aber sie betrachten die Seele als etwas Externes? Etwas, das, wie meine Freundin bei unserer Diskussion über Reinkarnation sagte, an Fremde weitergegeben werden kann? „Wie, und dann läuft jemand anderes mit meiner Seele herum?“ – „Ähm, nein? Du läufst dann mit einem anderen Körper herum.“ Wie, bitteschön, stellen sie sich denn dann ihr Weiterleben nach dem Tode vor? Was soll da weiterleben?

Nun ging ich davon aus (entweder bin ich gnadenlos naiv oder wohlwollend), daß das ein Einzelfall sei. Meine Freundin habe sich eben noch nie Gedanken darüber gemacht. Aber je mehr ich spezifisch vom Christentum oder, besser gesagt, von praktizierenden Christen erfuhr, desto erschütterter wurde ich. Und ich möchte hier wahrhaftig nicht arrogant rüberkommen, ebensowenig wie ich verallgemeinern möchte – ich weiß, daß es immer Härtefälle in jeder Gruppierung gibt. Es existieren ja beispielsweise auch Kreuzträger, bei denen ich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte. Dennoch ist meine Beobachtung praktizierender Christen bisher sehr ernüchternd. Allein was ich regelmäßig an Verstößen gegen das zweite Gebot, das eigentlich sehr einfach einzuhalten ist und eines der wichtigsten Gebote für jeden Gottgläubigen sein sollte, höre, ist furchtbar. „Ihr nennt euch Christen?“ denke ich jedesmal. Es geht aber tiefer. Mein Eindruck der meisten (durchaus nicht aller) Gläubigen, und das beschränkt sich nicht nur spezifisch auf Christen, ist, daß ihr sogenannter Glaube eine rein irdische Angelegenheit ist. Das Irdische ist ihr Maßstab, sie lesen ihre heiligen Schriften in rein irdischer Auslegung, ihr Gottesbild ist das eines irdischen Gottes, eines Übermenschen oder Supermans oder, wie es in einer Doku über C. S. Lewis so zutreffend hieß, eines kosmischen Zauberers. Er hat Superkräfte, aber ansonsten ist er durchaus ein Mensch, der irgendwo in einem himmlischen Schloß sitzt. Diese Menschen machen sich ihren Gott so klein, so niedrig, und sie kriechen selbst nur am Boden herum.

Peter Walkers Argumentation für die körperliche Auferstehung Jesu ist wieder mal ein sprechendes Beispiel dafür. Ganz zu schweigen davon, daß sie unlogisch ist. Schauen wir doch mal ein paar seiner Antworten auf Alternativtheorien an.

More often, however, the disciples are not charged with outright deceit. Their preaching of Jesus‘ Resurrection (while his body was really decaying in the grave) is given a more charitable explanation. It all depends on what you mean (so we are told) by this talk of „resurrection.“ Perhaps we have misunderstood them to be referring to a physical resurrection of Jesus‘ body, when in fact they were never claiming any such thing!
What they were really trying to say was that Jesus‘ mission went on unhindered even though he was dead. His spirit lived on, and somehow through that spirit those who followed Jesus gained a sense that he was alive. […] If there were some resurrection appearances of Jesus, they were either a form of hallucination, or perhaps something of a mystical nature beyond comprehension, but either way Jesus‘ body was still in the grave.

Ich kenne diese spezielle Interpretation nicht, will sie Walker aber gern abnehmen. Und ich stimme mit seiner Gegenargumentation in Sachen Halluzinationen durchaus überein. Ohne jetzt auf das Thema „Haben die Jünger den Leichnam anderswohin gebracht?“ einzugehen, das den Rahmen sprengen würde, übersieht Walker jedoch das naheliegende Thema „Seele“ – womit wir wieder bei der guten R. wären! Was steht nach dem Tode auf? Meine Israel-Mitreisende Frau M., Ex-Pfarrerin, könnte sich sicher für den symbolischen Gehalt des obigen Argumentes begeistern; das war immer ihr Steckenpferd. Aber wer sagt, daß es nur Variante A (körperliche Auferstehung) oder B (symbolischer Gehalt – „Er wird in unserem Gedächtnis weiterleben“ und all das) gibt? Was steht nach dem Tode auf? Gehört Peter Walker auch zu den Christen, die nur das Materielle für wahr halten? Es klingt definitiv so.

In this connection it is sometimes argued that St Paul appears not to make much of the „empty tomb“ in 1 Corinthians 15 (his famous chapter on the Resurrection). Perhaps Paul would have been shocked to learn of these stories about mysterious disappearances in Jerusalem! Perhaps Paul provides us with evidence that the first Christians were quite content to accept that Jesus‘ body was still in the tomb. If so, then what Paul was talking about was again just a spiritual resurrection both for Jesus and for believers – hence his use of the term „spiritual body“ (v. 44). If this were true, needless to say, this would be enormously important. It would confirm that the claims for a physical Resurrection were a later development – out of keeping with the claims and beliefs of the first apostles.
Yet a close reading of this chapter reveals that Paul’s whole argument depends for its validity on Jesus‘ being raised from the tomb in a manner which includes his physical body: „If Christ has not been raised,“ he argues, „then your faith is futile!“ (v. 17). Paul’s conviction „that Jesus was buried, that he was raised on the third day“ (v. 4) implicitly presumes that the place of burial was thereafter physically empty. Given Paul’s background in Pharisaism (for Pharisees „resurrection“ necessarily involved the physical body), it is clear that Paul is not talking about a vague, unprovable piece of wishful thinking – that somehow after his death Jesus experienced an invisible spiritual resurrection. […]
So there is no way, I suggest, that the disciples could have honestly believed in the Resurrection while also accepting that Jesus‘ body was in the tomb. To hold these two beliefs simultaneously would be nonsense.

Nun ja, da muß ich herzlich widersprechen. Was ist daran Unsinn? Der Körper liegt tot im Grab, die Seele lebt – durchaus ein christliches Konzept, oder irre ich mich da? Und was hat das mit „wishful thinking“ zu tun? Oder mit „invisible“? Das Geistige ist zwar oftmals für irdische Augen unsichtbar, aber eben nicht immer. Und wie kommt es, daß sich Walker über diese Theorie lustig macht, während er doch sicherlich bei lieben Verstorbenen keine Seele hat austreten sehen und trotzdem glaubt, daß sie in den Himmel aufgefahren ist? Dieses zweierlei Maß ist ein wenig bestürzend.
Auch der gute Paulus ist natürlich ein Thema für sich. Ich möchte nur in Kürze darauf hinweisen, daß er a) Jesus niemals gekannt hat und weder bei Kreuzigung noch Auferstehung dabei war, sondern erst wesentlich später überhaupt zu den Jüngern stieß und b) mehr war als sein pharisäischer Hintergrund.

Andere Theorie:

Yet, even if by some remarkable oversight, Jesus was not in fact fully dead when he was laid in the tomb, is it all conceivable that he could have recovered from his ordeal sufficiently to set himself free from the grave clothes wrapped around him? And then to remove the rolling stone from the front of the tomb – an almost impossible feat even if one were in full health? Lying on a cold slab in April with numerous untended wounds is an unlikely precursor to such a recovery.

Seufz. Und das sind die Leute, die im gleichen Atemzug von den Wundertaten Jesu sprechen, von den Heilungen und Totenerweckungen beispielsweise, oder die annehmen, daß er auf Wunsch hin den Tempel abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen könne oder Steine in Brot verwandeln oder…

They fail to see how yet another failed messiah (as Jesus would have been if he had not been raised from death) would have been of any use to anyone.

Nutzen? Ich traue den Jüngern ehrlich gesagt mehr Integrität zu als irdisches Nutzdenken. Mehr Glauben und vor allem mehr Liebe zu Jesus. Das sind alles so mühsam konstruierte Argumente für die fleischliche Auferstehung, daß der ganze Versuch armselig wirkt. Ganz zu schweigen von dem Bild, das hier vom Christentum gezeichnet wird.

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Bei Christi Tod zerriß im Tempel der Vorhang, der das Allerheiligste von der Menschheit abschloß. Dieser Vorgang wird als Symbol dafür angenommen, daß mit dem Opfertod des Heilandes im gleichen Augenblick die Trennung zwischen der Menschheit und der Gottheit aufhörte, also eine unmittelbare Verbindung geschaffen wurde.
Die Deutung ist aber
falsch. Mit der Kreuzigung lehnten die Menschen den Gottessohn als den erwarteten Messias ab, wodurch die Trennung größer wurde! Der Vorhang zerriß, weil das Allerheiligste daraufhin nicht mehr notwendig war. Es wurde den Blicken und unreinen Strömungen geöffnet, da, symbolisch ausgedrückt, das Göttliche nach dieser Tat seinen Fuß nicht mehr auf die Erde setzte, womit das Allerheiligste überflüssig wurde.
Also gerade das Gegenteil der bisherigen Deutungen, in denen sich wiederum wie so oft nur eine große Überhebung des Menschengeistes zeigt.
Der Tod am Kreuze war auch nicht ein
notwendiges Opfer, sondern ein Mord, ein regelrechtes Verbrechen. Jede andere Erklärung ist eine Umschreibung, die entweder als Entschuldigung gelten soll oder aus Unwissenheit heraus erstand. Christus kam durchaus nicht auf die Erde in der Absicht, sich kreuzigen zu lassen. Darin ruht auch die Erlösung nicht! Sondern Christus wurde gekreuzigt als lästiger Wahrheitsbringer um seiner Lehre willen.
Nicht sein Kreuzestod konnte und sollte die Erlösung bringen, sondern
die Wahrheit, die er der Menschheit in seinen Worten gab!
Die Wahrheit war aber den damaligen Religionsführern unbequem, ein Ärgernis, weil sie ihren Einfluß stark erschütterte. […] Die damaligen Führer stützten sich wie auch die heutigen zwar auf alte, gute Überlieferungen, aber diese waren durch Ausübende und Erklärende zu nur starrer, leerer Form geworden, ohne noch in sich lebendig zu sein. […]
Der aber dieses notwendige Leben in das bestehende Wort bringen wollte, brachte damit selbstverständlich einen
Umsturz in der Ausübung und Erklärung, nicht in dem Worte selbst. Er befreite das Volk von der niederzwingenden Starrheit und Hohlheit, erlöste es davon, und das war denen ganz natürlich ein großes Ärgernis, die bald erkennen konnten, wie energisch damit in die Zügel ihrer falschen Führung eingegriffen wurde.
Deshalb mußte der Wahrheitsbringer und Befreier von der Last der irrtümlichen Auslegungen verdächtigt und verfolgt werden. Als es trotz aller Mühe nicht gelang, ihn lächerlich zu machen, suchte man ihn als unglaubwürdig hinzustellen. Die „irdische Vergangenheit“ als Zimmermannssohn mußte dazu dienen, ihn als „ungelehrt und deshalb minderwertig für ein Aufklären“ zu stempeln! Als einen „Laien“. […]
Auf seine Aufklärungen selbst ging vorsichtigerweise niemand von den Gegnern ein, da sie ganz richtig fühlten, daß sie bei rein
sachlicher Entgegnung unterliegen mußten. So blieben sie bei der böswilligen Verleumdung durch ihre käuflichen Organe, bis sie sich zuletzt nicht scheuten, bei einem für sie günstigen Augenblick ihn öffentlich und fälschlich anzuklagen und ans Kreuz zu bringen, um mit ihm die Gefahr für ihre Macht und ihr Ansehen zu bannen.
Dieser gewaltsame, damals durch die Römer übliche Tod war nicht als solcher die Erlösung und brachte sie auch nicht.
Er löste keine Schuld der Menschheit, befreite sie von nichts, sondern er belastete die Menschheit als ein Mord im niedrigsten Sinne nur noch mehr!
Wenn sich nun bis heute hier und da ein Kult daraus entwickelt hat, in diesem Morde eine notwendige Hauptsache des Erlösungswerkes des Gottessohnes zu sehen, so wird der Mensch damit gerade von dem Wertvollsten abgezogen, das die Erlösung einzig und allein zu bringen vermag. Es lenkt ihn ab von der
eigentlichen Mission des Heilandes, von dem, was sein Kommen aus dem Göttlichen zur Erde notwendig machte.
Das war aber nicht, um den Tod am Kreuze zu erleiden,
sondern um in den Wust der den Menschengeist herabzerrenden dogmatischen Starrheit und Hohlheit hinein die Wahrheit zu verkünden! Die Dinge zwischen Gott, der Schöpfung und den Menschen so zu schildern, wie sie wirklich sind. […]
Nur in dem Bringen dieser Wahrheit und der damit verbundenen Befreiung von Irrtümern
ruht die Erlösung einzig und allein! […]
Es ist ein großer Fehler, wenn die Menschen glauben, durch den Kreuzestod sei die Vergebung ihrer Sünden gewährleistet. Dieser Gedanke zieht den furchtbaren Schaden nach sich, daß alle die, so daran glauben, dadurch von dem wahren Wege zur Erlösung
zurückgehalten werden, der einzig und allein darin liegt, nach dem Worte des Heilandes zu leben, nach den Erläuterungen, die er als Wissender und alles Überschauender gab. Und diese Erläuterungen zeigen in praktischen Bildern die notwendige Einhaltung und Beachtung des in den Schöpfungsgesetzen liegenden göttlichen Willens, sowie deren Auswirkungen bei Einhaltung und bei Nichteinhaltung.
Sein Erlöserwerk lag in dem Bringen dieser Aufklärung, welche die Mängel und die Schäden der Religionsausübung zeigen mußte, weil sie die Wahrheit in sich trug, damit sie Licht gab in die steigende Verdunkelung des Menschengeistes.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Der Kreuzestod des Gottessohnes und das Abendmahl“)

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„Bist Du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuze! Hilf Dir selbst und uns!“ Höhnend schallten diese Sätze zu dem Gottessohn hinauf, als er unter brennenden Sonnenstrahlen am Kreuz litt.
Die Menschen, welche also riefen, hielten sich für ganz besonders klug. Sie höhnten, triumphierten, lachten haßerfüllt, ohne einen eigentlichen Grund dafür zu haben; denn das Leiden Christi war doch sicherlich kein Grund zu Spott und Hohn, noch weniger zum Lachen. Es würde ihnen auch vergangen sein, wenn sie nur einen Augenblick die gleichzeitigen Vorgänge im feinstofflichen und im geistigen Reiche hätten „sehen“ können; denn ihre Seelen wurden dabei schwer gebunden auf Jahrtausende. Und wenn auch grobstofflich die Strafe nicht so schnell sichtbar werden konnte, so kam sie doch in
allen weiteren Erdenleben, zu denen die frevelnden Seelen daraufhin gezwungen waren.
Die Höhnenden dünkten sich damals klug. Sie konnten aber keinen treffenderen Ausdruck als Beweis ihrer Beschränktheit abgeben als diese Worte; denn darin liegt die kindischste Anschauung, die man sich denken kann. Weit entfernt sind also Sprechende von irgendeinem Verständnisse der Schöpfung und des Gotteswillens in der Schöpfung. Wie drückend ist deshalb das traurige Bewußtsein, daß auch heute noch ein großer Teil von denen, welche überhaupt noch an Gott glauben und an die damalige Sendung seines Sohnes, mit Bestimmtheit denken, daß Jesus von Nazareth vom Kreuze hätte steigen können, wenn er es nur wollte.
Nach zweitausend Jahren noch die gleiche, schläfrige Beschränktheit, ohne Änderung zum Fortschritt! Als von Gott gekommen, mußte Christus nach naiven Anschauungen vieler Gottgläubigen unbeschränkt in seinen Handlungen auf dieser Erde sein.
Das ist Erwarten, aus der ungesündesten Naivität entsprungen, Glaube der Denkträgheit.
Mit einer Fleischwerdung wurde der Gottessohn auch „unter das Gesetz getan“, das heißt, er unterwarf sich damit den Schöpfungsgesetzen, dem unabänderlichen Willen Gottes in der Schöpfung. Da gibt es keine Änderungen, was den irdischen und erdgebundenen Körper betrifft. […]
Deshalb war er an alles mit gebunden, an das der Erdenmensch gebunden ist, und konnte auch als Gottessohn nicht von dem Kreuze steigen trotz seiner Gotteskraft und Macht, solange er im grobstofflichen Fleisch und Blute sich befand. […]
Ist ein grobstofflicher Körper an dem Kreuze festgenagelt, so vermag er ohne fremde Hilfe, ohne grobstoffliche Hilfe, auch nicht freizukommen. Das ist Gesetz nach göttlichem Schöpfungswillen, das sich nicht überbrücken läßt.

(Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft, Vortrag „Steige herab vom Kreuze!“)

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Am Morgen hatte ich dann allerdings einen kräftigen Sonnenbrand und zog meine langärmlige Bluse mit Kragen an. Darunter sah man das Kreuz sowieso kaum. Ein Tuch darüber – Fall erledigt. Mit einem solchen Kompromiß kann ich leben. (Unter den Nazis trugen die Kreuzträger ihr Kreuz verdeckt, und viele machen es heute im Alltag auch so. Ich ja auch, wenn ich einen Rollkragenpulli anziehe.) Sollte es trotzdem jemand bemerken und bemängeln, würde ich eben umkehren.
Beim Frühstück erntete mein Entschluß eine gewisse Zustimmung. Es führte zu einem guten Gespräch über das Einstehen (oder nicht) für eigene Werte, gerade in der christlichen Kirche, die von einigen durchaus als zu nachgiebig empfunden wurde.

Interessanterweise schreibt die aktuelle Jüdische Rundschau, die sowieso wieder gut in Fahrt ist:

Bei einem Besuch des Tempelbergs in Jerusalem nahmen der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sowie sein katholischer Kollege Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz, ihre Brustkreuze ab, bevor sie den Tempelberg besuchten. Heinrich Bedford-Strohm rechtfertigt die Entscheidung mit diesen Worten: „Wir haben aus Respekt vor den Gastgebern gehandelt.“ Es handele sich „um eine Antwort auf den Wunsch der Gastgeber.“
Wie Bedford-Strohm vor Journalisten weiter sagte, trage er bei Moscheebesuchen sonst das Bischofskreuz: „Das halte ich für den Normalfall.“ Den eigenen Glauben im interreligiösen Dialog zu verleugnen, sei der verkehrte Weg. In dieser besonderen Situation in Jerusalem wäre es aber falsch gewesen, dem Wunsch der islamischen Gastgeber nicht nachzukommen, erklärte er.

Sehr geehrter Heinrich Bedford-Strohm,

da möchte ich ihnen [sic] vehement widersprechen. Gerade auf dem Tempelberg war es besonders falsch, das Kreuz abzunehmen, denn es gab da mal jemanden, der sagte, genau dieser Ort „soll ein Haus des Gebetes für alle Völker sein.“ Wissen Sie, wer das gesagt hat? Jesus! Kennen Sie den? Wenn nicht, schlagen Sie mal bei Markus 11,17 nach.
Wissen Sie auch, was dieser Jesus mit Leuten gemacht hat, die den Ort, an dem Sie Ihr Kreuz abgenommen haben, nicht als einen Ort des Gebets für alle behandelt haben. Schlagen Sie mal bei Johannes 2,15 nach. Jesus wurde erstaunlich ungemütlich:
„Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus.“
Ich gebe zu, Jesus war an dem Tag etwas hart drauf. Sonst war er nicht so gewalttätigt [sic]. Eins aber war Jesus recht konsequent: Er stand zu seinen Überzeugungen und er leugnete seinen Glauben nie. Er ließ sich weder in der Wüste noch vom Hohen Rat von seinem Glauben abbringen. Aber hey, wer war schon dieser Jesus, nicht wahr, Herr Bedford-Strohm?

Abgesehen von der Parallele zu Lynn Austins Fehlschluß (s. Teil 1) ist sicherlich was dran. Wie ein Mitreisender sagte: „Man stelle sich mal vor, wenn wir als Christen so etwas [=Verbot anderer Glaubenszeichen in Kirchen] versuchen würden. Was dann los wäre!“ De facto hatten aber auch mehrere die Bibel auf ihrem Smartphone dabei, was völlig unkontrollierbar ist. Über Sinn und Unsinn der Kontrollen läßt sich also streiten.
In jedem Fall berichtete unser Guide, daß auch die meisten Zionisten nicht vorhätten, den Tempel wieder aufzubauen und zu Brandopfern zurückzukehren. Verständlich, wenn man bedenkt, daß sie beim geringsten Versuch, am Felsendom nur zu kratzen, die gesamte islamische Welt in Waffen am Hals hätten… Andererseits existiert auf muslimischer Seite die Verschwörungstheorie, die archäologischen Ausgrabungen zu Füßen des Tempelberges dienten dazu, den Berg zu unterhöhlen und den Felsendom einstürzen zu lassen. Seufz!

Zuerst ging es aber zur Westmauer. Ich gestehe, seitdem ist mein Vertrauen in die israelische Sicherheit ein bißchen erschüttert. Bei der Taschenkontrolle schlug das Gerät an, wohl weil ich mein Kindle mitführte. Der Wachtuende bat mich, am Tisch zu warten. Allerdings war er allein, und die Massen strömten. Ich wartete also und wartete… und fragte schließlich nach, ob er meine Tasche noch kontrollieren wolle.
Pause. „Sind Sie damit durchgegangen?“
„Äh…nein? Sie sagten mir, ich solle hier warten.“
Pause. „Habe ich das?“ Pause. „Ich erinnere mich nicht.“
Seufz! Schnabeline war also offiziell freigegeben. Unser Guide hielt wieder einmal einen zwar interessanten, aber viel zu langen Vortrag, so daß ich schon mal vorging. Was sich an der Mauer sammelte, waren einige Betende und viele Fotographierende. Es machte mich fertig, dieses Verhalten, das man überall antraf: Selfies in heiligen Stätten. Sich in Pose schmeißen vor heiligen Stätten. Alltagsgespräche in heiligen Stätten.
Nebenan in der Männerabteilung wurde Bar Mitzvah gefeiert.

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Beim Felsendom vertat sich unser Guide leider, da Araber offenbar eine andere Sommer- und Winterzeit haben. Uns blieb etwa eine Viertelstunde, dann scheuchten die Aufpasser bereits. Nicht, daß das unsere träge Gruppe irgendwie gestört hätte. Schnabeline schämte sich wieder einmal fremd.
Daraufhin standen wir eine geschlagene halbe Stunde an der „Kleinen Klagemauer“, der Weiterführung der Westmauer. Diese Stelle ist halbwegs akzeptiert als Ort, an dem jüdische Männer und Frauen gemeinsam beten, und entsprechend stecken auch überall Gebetszettel in den Ritzen und Löchern. Dennoch ist der Ort ein besserer Hinterhof. Eine halbe Stunde muß man dort nicht bleiben. Ich war wieder einmal frustriert.
Danach war endlich Zeit zur freien Verfügung. Unser Guide wollte noch durch die Davidstadt, dort etwas zeigen und erklären; unser Pfarrer, der meinen Unmut wohl bemerkt hatte, bot mir an, mich auf dem direkten Wege zur Grabeskirche, dem Sammelpunkt, zu bringen. Über das Damaskustor ging ich dann zum Gartengrab, einer Alternativstelle für Golgatha und das Grab. Ob historisch korrekt oder nicht, zumindest bekommt man dort ein viel besseres Gefühl dafür, wie die Stätten zur Zeit Jesu ausgesehen haben. Die Anlage ist wunderschön und friedlich, und ich hätte mich noch lange dort aufhalten können. Leider wurde sie über Mittag geschlossen.

We continue to walk for another block or two up a small hill until we reach the entrance to a walled garden. This peaceful, tree-filled grove contains a first-century tomb in its original state and I find it much easier to visualize the biblical events here. Whether or not this is the authentic site doesn’t matter.
We walk to the rear of the garden to view the craggy, undeveloped cliff that is part of this hill and see that the weathered rocks bear the features of a skull. As we make our way to a secluded grove to celebrate Communion, I hear voices and singing. Groups of tourists from all over the world sit tucked in private grottos, celebrating Communion, as well. Their songs are in several languages – German, Korean, Italian, and others that I can’t identify. […]
I’m reluctant to leave the garden and reenter the world, but that’s exactly what we are supposed to do. „Don’t cling to me,“ Jesus told the women that Easter Sunday. „Go and tell the others“ (see John 20:17). The minute I stop outside the garden walls and see cars and buses and people streaming by, I am hurled back from the past and into the present.

„I see more groups coming“, sagte der Guide einer anderen Gruppe, als wir noch vor dem Abendmahlsaal saßen. Wir lachten, denn das war ein gutes Motto für die gesamte Reise. Von nun an wurde es immer wieder gern zitiert.
Abschluß war St. Peter in Gallicantu, einer der zwei möglichen Orte für das Haus des Kaiphas. Es ist dreigeschossig, da am Hang liegend. Die obere Kirche hatten wir quasi für uns, weil alle Gruppen gleich nach unten strömten. Die untere Kirche war voll mit Finnen, die eine Andacht abhielten, die lange dauerte. Im untersten Geschoß sind dann Ruinen, in denen früher möglicherweise abtrünnige Juden gefoltert wurden, um sie wieder auf den rechten Weg zu bringen. Immer eine überzeugende Methode, finde ich.

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Sonntag. Als Motto des Tages wurde mein Zettel gezogen, ein Zitat aus der Gralsbotschaft:

„Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“
Wäre diese Bitte denn nötig, wenn der Kreuzestod ein notwendiges Opfer zur Versöhnung sein sollte? „Sie wissen nicht, was sie tun!“ ist doch eine Anklage der schwersten Art. Ein deutlicher Hinweis, daß es falsch ist, was sie tun.

Ich hatte die letzten beiden Tage schon gezittert, daß es drankäme und damit viel zu früh sei. Aber hier paßte es. „Sehr philosophisch“, äußerte sich unsere Ex-Pfarrerin diplomatisch.

Die Gruppe teilte sich am Jaffator, je nachdem, welchen Gottesdienst sie besuchen wollten. Die Dormitio bot den katholischen, die Erlöserkirche den protestantischen Reisenden einen deutschsprachigen Dienst. Ich setzte mich auf der Zitadelle in den schönen Außenbereich und hielt meine eigene Andacht.

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Anschließend ging es ins Israel-Museum mit dem großen Modell der Stadt zur Zeit des zweiten Tempels. Endlich erkannte man etwas und konnte zuordnen, wo wir was gesehen hatten. Die ältesten Schriftrollen der Welt bewunderte besonders ich aus Berufsgründen und als Hebräisch-Lernende im Schrein des Buches (und wurde aufgefordert, die vokalisierte Rolle vorzulesen, scheiterte aber kläglich). Das Museum selbst hätte Stunden verschlungen; wir wählten die extrem abgespeckte Version und sahen nur an, was bibelwesentlich war. Innerhalb von zwanzig Minuten oder so waren wir durch. 🙂 Völlig unverständlich blieb mir die Begeisterung meiner Mitreisenden über den Kreuzigungsnagel mit noch vorhandenem Fersenknochen. Hier war ein Mensch auf fürchterliche Weise zu Tode gekommen. Jesus selbst, das Zentrum ihres Glaubens, war auf gleiche fürchterliche Weise zu Tode gekommen. Berührt das diese Leute nicht? Mich packte einfach nur das nackte Grauen.

Yad Vashem war bewußt der letzte Stop des Tages. Die Meinungen waren unterschiedlich. Wir hatten nur eine Stunde zur Verfügung – ich persönlich wäre gern länger geblieben, andere fanden es positiv, daß die Berührung somit stark beschränkt blieb. Es waren auffallend viele orthodoxe Juden dort, von denen ich angenommen hätte, daß sie es längst kennen.

Vor dem Abendessen stattete ich dem Hotelshop einen Besuch ab und verbrachte eine unterhaltsame Zeit dort mit Anproben (der Betreiber gab mir ständig die falschen Größen) und generellem Schnack. Alles ist „Made in Israel“ dort; von „Made in China“ hält der Betreiber so überhaupt nichts.

Beim Abendtreff fiel uns dann auf, daß das Hotel offenbar als respektabler Treffpunkt für heiratswillige junge orthodoxe Juden gilt. Überall saßen Pärchen einander züchtig gegenüber und beschnupperten sich wohl.

Mein größter Konflikt des Tages galt dem nächsten Morgen, namentlich dem Besuch auf dem Tempelberg. Es ist nicht erlaubt, irgendein Glaubenszeichen mit hinaufzunehmen, das nicht muslimisch ist. „Also Bibeln, Kreuze besser im Hotel lassen.“ Klingt soweit machbar; allerdings ist mein Kreuz nicht einfach ein Schmuckstück oder ein Zeichen meines Glaubens, es ist das äußerliche Zeichen des Bundes mit Gott. Wo sollte ich also Kompromisse schließen? Am Ende kam ich zu dem Entschluß, daß mir Gott doch erheblich wichtiger sei als ein paar Muslime da oben auf dem Berg. Wesentlich wichtiger auch als ein Bauwerk. Also würde ich ganz einfach nicht mit hinaufgehen.

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Von biblischen Zeiten merkt man in der Metropole so gut wie nichts mehr. Die Höhen sind überbaut, durch die Täler ziehen sich Schnellstraßen. Vielleicht kann ich es also meinen Mitreisenden nicht verargen, daß sie so wenig religiöse Andacht an „heiligen“ Orten zeigten, obwohl das permanente Alltagsgeschnabbel meine Empfindung trotzdem verletzte.

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Wir starteten auf dem touristisch überlaufenen Ölberg mit seinen Souvenirhändlern. Unser Guide hatte uns schon darauf vorbereitet, daß er ein wenig „mitspielen“ müsse, da die Araber ihn (auf Arabisch) aufforderten, uns zum Kaufen zu animieren und er sie ja nun häufiger sehe… Beliebter waren der Esel und das Kamel, die für Fotos und als Taxi zu Verfügung standen.

Den Ölberg ging es hinab zur Kirche Dominus flevit, die ich mir aufgrund der Touristenscharen ersparte. Der Garten war einer Andacht viel zuträglicher, mit seiner noch einigermaßen authentischen Landschaft aus Felsen und Olivenbäumen. Netterweise hatte ich ihn auch größtenteils für mich, weil eben alle in der Kirche waren und der nächste Schwung erst etwas später kam.
Am Ölberg lassen sich übrigens strenggläubige (und wohlhabende) Juden bestatten, weil im Jüngsten Gericht dort die Toten als erste auferstehen…

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Der Garten Getsemane ist heute kleiner als erwartet, denn – wie überraschend – auf einem Großteil steht eine Kirche. Auch hier ersparte ich sie mir und hielt statt dessen meine persönliche Andacht ab.
Am Fuß des Berges wartete das orthodoxe Mariengrab mit viel Weihrauch und Gold, aus dem ich gleich wieder floh.
Viel schöner die Kreuzfahrerkirche St. Anna mit ihrer wunderbaren Akustik, die unsere sangesfreudige Gruppe gleich wieder etwas zu exzessiv nutzte. Zum Glück vor dem professionellen Männerchor, der dann nachrückte und zeigte, was Singen ist. Herrliches Erlebnis! Eine wohl amerikanische Gruppe kam danach dran, beziehungsweise ihre Solistin, die sicherlich mit Mikrophon gut rüberkommt, aber deren Stimme viel zu dünn war, um hier zu wirken.
Anschließend zu den Ruinen am Teich Bethesda, wo Jesus am Sabbat einen Gelähmten heilte (inzwischen hatten wir eine ganz gute Vorstellung, warum die jüdischen Priester so sauer darüber waren – der Gelähmte durfte nämlich, da Sabbat, im Anschluß auch nicht seine Trage schleppen). Wieder einmal eine Predigt voll Allgemeinplätze. Noch vor Ort notierte ich mir:

„Dafür braucht man einen Pfarrer: Daß er mit seinen Auslegungen, Bezügen, Symbolen, modernen Deutungen im Weg steht zwischen Mensch und Gott.“

Es stellte sich später heraus, daß ich nicht die einzige war, die so empfand. Das Nicht-vertiefen-Können wurde durchaus kritisiert. Und ein protestantisches Mitglied der Gruppe erklärte, es fiele jetzt erst so richtig auf, wie wortlastig die evangelische Kirche sei.

Mittag gab es wie immer in einem arabischen Lokal, wo wir endlich die berühmte Limonade zu trinken bekamen. Trotz Bedenken, denn mehrere Reisende hatten inzwischen die gefürchteten gesundheitlichen Probleme des Nahen Ostens zu spüren bekommen, vermutlich durch das Leitungswasser, das es abends kostenlos gab.

Eigentlich sollte die Via Dolorosa schweigend zurückgelegt werden – nun ja, bei unserer Gruppe ein vergebliches Unterfangen. Mich nahmen zumindest die ersten Stationen doch sehr mit. Später, inmitten des arabischen Bazars, verlief sich das. Dank unseres Guides, der ja jeden kennt, konnte wir sogar offiziell Station 1 besuchen, die heute in einer arabischen Schule liegt, in direkter Nachbarschaft zum Felsendom. Im Innenhof, wurde uns berichtet, filmte Mel Gibson übrigens die Gerichtsszene seines Films Passion.
Die letzten fünf Stationen liegen innerhalb der Grabeskirche. Zunächst standen wir ahnungslos und friedlich in einem verlassenen Hinterhof und sahen Gerüste der wirklich notwendigen Renovierung, die derzeit stattfindet. Und dann ging es ins Innere.

We walk into the church through an arched doorway and enter an altogether different world. These holy places have been gilded and polished and adorned by thousands of years of Christian devotion until I feel as though I can hardly move forward through the glittering clutter. The trappings of ornate religion seem to weigh me down: gleaming silver and bronze, embroidered tapestries, sputtering candles, cloying incense, priests in flowing robes, marble statues. To say that it no longer resembles a place of execution or a graveyard is an understatement.
I wait in line to climb a short set of steps to where the cross supposedly stood, but once there, I can’t see past the gaudiness to imagine Christ’s passion. A man in a brown robe prods me and my fellow tourists to keep moving. I wait in line again to peer inside a square, stone monument, all that remains of the rocky hillside from which the borrowed tomb was hewn. Empty or not, it no longer resembles a tomb. I have to confess that since I don’t belong to the religious traditions represented in this church, I find it difficult to feel awe or amazement or any of the other emotions that I thought I would.

Unser Guide nannte diese Erfahrung später unser „Grabeskirchentrauma“. Von Andacht oder Heiligkeit keine Spur; alles, was man sah, waren Touristenmassen und Baugerüste. Wir blieben stecken, als vor dem heiligen Grab eine Feier stattfand und wegen Baumaßnahmen kein zweiter Weg frei war. Irgendwie schaffte unser Guide es dennoch, uns auf anderem Wege hinauszuführen; vor uns gab es fast eine Keilerei; ein orthodoxer Bischof mit Gefolge rückte an… „Keine zehn Pferde bringen mich da noch mal rein!“ erklärte ich, als wir endlich das Freie erreicht hatten. Denn Erklärungen mußten wegen Überfüllung und Zeitknappheit warten bis zu einem zweiten Besuch.

Auf dem Weg zur Dormitioabtei, wo ein Treffen mit den hiesigen Benediktinern anstand, beobachteten wir eine Szene, über die wir ein wenig rätselten. Eine Touristin fragte einen orthodoxen Juden nach dem Weg zur Westmauer, doch er ignorierte sie. Unfreundlichkeit? Oder Verbot?

In der Dormitio erwies sich, wie gut einige Mitreisende bereits „indoktriniert“ waren. Die Dormitio gehört zur Brotvermehrungskirche in Tabgha, und auch hier hatte es einen Brandanschlag gegeben sowie Schmierereien an den Außenmauern. Frage eines Mitreisenden: „Aber das waren die Juden, oder?“ Schnabeline stöhnte innerlich auf. Bruder Nathanael hielt es etwas differenzierter. In Tabgha habe man die Täter nicht gefaßt, aber die Vorfälle hier stammten von jüdischer Seite, ja. Die darauf folgende Frage, ob man seitens der israelischen Behörden Schikanen ausgesetzt sei, verneinte er entschieden. Natürlich wußte er nicht, welchen Hintergrund die Frage hatte, nämlich daß sich gerade besagter Frager ein wenig zu sehr ins Pro-Palästinensische hineingesteigert hatte. Das sind aber gerade die gleichen Personen, die, hätten wir einen israelischen Guide gehabt, zu 100% auf israelischer Seite gestanden hätten. Hinterfragen, abwägen ist das Geheimnis.
Bruder Nathanael jedenfalls schilderte, wie schockiert die Gemeinschaft gewesen sei. „Wir machen ja gar nichts, wir sind einfach nur hier. Und daß bewußt Menschenleben in Gefahr gebracht werden… das ist unverständlich.“
Pater Nikodemus schreibt in seinem Buch:

Uns allen hat geholfen, dass wir von einer unbeschreiblichen Welle der Solidarität und des Gebets getragen wurden: Juden, Christen, Muslime, Drusen und religiös weniger musikalische Menschen standen uns bei und haben auf vielfältige Weise an unserem Schicksal Anteil genommen. Da ist der Mann aus der Nachbarschaft, der fünf Brote und zwei Fische als Stärkung für Leib und Seele vorbeibrachte. Da sind die einheimischen Christen, die ein eigenes Solidaritäts-T-Shirt drucken ließen mit der Aufschrift „Angesichts des Feuers bezeugen wir das Licht“. Und da ist die Gruppe von Rabbinern, die eine eigene Crowdfunding-Kampagne unter orthodoxen Juden für den Wiederaufbau unseres Klosters initiiert haben, um nur drei Beispiele zu nennen. Die Täter haben Hass und Zerstörung gesät, doch die Ernte in diesen Tagen war unbeschreibliche Solidarität von vielen, vielen Menschen, auch von jenen, bei denen wir es nicht immer erwartet hätten.

Und um nun auf Lifegate zurückzukommen: Unser Guide erzählte, daß Zionisten aktiv Häuser im arabischen Teil der Stadt aufkauften und dann dort provokativ die israelische Flagge aushängten. (Wir sahen Beispiele davon.) Ich hätte ja Angst um meine Fenster, aber bitte. Auf die Frage, warum die Araber ihre Häuser an Israelis verkauften, ging er auf die vorherrschende Mentalität ein. Das Gemeinschaftsgefühl, in diesem Fall der Staatsgedanke, sei ganz einfach nicht verbreitet. Den Eigentümern ginge es in erster Linie darum, gutes Geld für ihre Häuser zu bekommen, damit sie irgendwo, wo es ruhiger sei, mit ihren Familien leben könnten.

Abends hielt unsere mitreisende Pfarrerin a.D. einen spannenden Vortrag über die Legende der Heiligen Veronika. (Ihren ersten in Tiberias hatte ich wegen extremem Totseins geschwänzt.) Symbole waren immer ihr Ding; alles in der Bibel ist im Grunde genommen nur symbolisch gemeint. Ich fragte mich, warum sie eigentlich Christin sei und wann sie so weit sei zu sagen, auch Gott sei nur symbolisch gemeint. An diesem Abend sagte sie etwas, das eine schöne Antwort darauf war, nämlich nach einem Disput mit einer Katholikin, der der symbolische Hintergrund ziemlich wurscht war. (Eine der wenigen Mitreisenden, bei denen ich eine spirituelle Ader wahrnahm.) „Nun ja“, gab unsere gewesene Pfarrerin zu, „Theologie verdirbt jede Art des Glaubens.“

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Es blieb heiß!

Und meine Dauerfrage blieb auch hier, ob meine Mitreisenden meinten, mit einem dahergesagten Gebet und einer Predigt sei dem Glauben Genüge getan?

Durch das Jordantal, ein ödes Niemandsland, ging es zur Taufstelle. Über Jordaniens wichtige Rolle als Vermittler hatten wir schon einiges erfahren; im Westen ist das so gut wie unbekannt.
Der Jordan ist nach europäischen Maßstäben ein besserer Bach. Viele Christen erneuern hier im Jordanwasser ihre Taufe; es gibt dafür extra Taufgewänder und Duschen für hinterher. Vorherrschend sind vor allem die Fliegen, die man nicht los wird, aber auch nie erwischt, wenn sie erschlagen möchte. Die Gruppe hielt Andacht, ich saß wie immer ein Stück entfernt und hielt sie auf meine Art.

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Weiter zu den Ruinen von Jericho, die bisher so gar keine Bestätigung der biblischen Ereignisse herausrücken. Mit der Seilbahn schwebten wir dann hinauf zur Station unterhalb des orthodoxen Versuchungsklosters, wo ich mich wieder einmal fremdschämen mußte über die sangesfreudige Gruppe.
Dummerweise hatte unser Guide nicht das Schild gesehen, daß eine einstündige Mittagspause der Bahn von halb eins bis halb zwei verkündete – Freitagsgebet der Muslime. Wir waren also unter Zeitdruck auf dem Berg gestrandet. Nun konnte er immerhin die Betreiber dazu bewegen, unsere Gruppe als erstes nach unten zu befördern… aber wie üblich dauerte es ewig, bis sich die Masse überhaupt dazu aufschwang, mal das Lokal zu verlassen. Schnabeline schämte sich in Grund und Boden.

Qumran versprach spannend zu werden; leider kam zuerst das Mittagessen im angeschlossenen Selbstbedienungsrestaurant, das a) völlig überlaufen und b) dreckig war. Uns schauderte. In brütender Hitze schritten wir dann über das Ruinenfeld und schafften es, recht gut zwischen den Touristenströmen zu navigieren.

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Der beste Programmpunkt war dann das Tote Meer! Obwohl die Umweltschützerin in mir natürlich entsetzt ist über das Verschwinden dieses Binnenmeeres, dessen Ausmaße noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts unser Guide uns zeigte – es liegen kilometerweite Flächen dazwischen! Im Wasser hätte ich stundenlang bleiben können. Nur waren die meisten anderen offenbar keine solche Wasserratten wie ich, und ich wollte ihnen nicht zumuten, drei Stunden später nach mir suchen zu müssen, während ich selig auf den Wogen dahintrieb… also zwang ich mir Zurückhaltung auf. Was einem übrigens keiner erzählt: Man merkt trotz Nichtuntergehens sehr schnell, daß man die Bauchmuskeln mehr trainieren sollte!

Nun ging es hinauf nach Jerusalem, das wir am Anfang der Reise schon durchfahren hatten; denn Betlehem und Jerusalem sind inzwischen fast zusammengewachsen.
Unser Hotel war ein streng jüdisches, das sogar das Zertifikat für koscheres Essen bekommen hat und einen eigenen Shabbat-Aufzug besitzt (da ganz strenggläubige Juden am Shabbat keinen Knopf drücken dürfen). Jetzt, am Freitagabend, war es voll mit feiernden Juden. Beim Essen hatte ich einen Blick auf eine feiernde Familie, und unser Guide erläuterte mir, was dort geschah. Die drei Söhne oder Schwiegersöhne waren keine praktizierenden Juden, denn sie hatten keine Kippah dabei; zwei legten sich schnell noch eine Serviette auf den Kopf, während der Patriarch der Familie den Wein segnete. Der dritte im Bunde jedoch verweigerte sich komplett. Man beobachtete also einen klassischen Generationenkonflikt; die Familie spielte mehr oder weniger mit, weil es Papa ja nun mal wichtig war…

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Am See Genezaret ist die Gegend fruchtbar und üppig, aber durch die hohe Luftfeuchtigkeit auch heiß und schwül. In den beiden Tagen, die wir dort verbrachten, hatte ich oft das Gefühl, jeden Moment einen Hitzschlag zu erleiden. Ich litt.

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Am Berg der Seligpreisungen gab’s natürlich erst mal wieder eine Predigt mit abschließender Aufforderung, einander brüder- und schwesterlich „Friede sei mit dir!“ zu wünschen und einander zu umarmen. Mir stellten sich alle Haare auf. Das war nun so weit außerhalb meiner Komfortzone wie es überhaupt nur geht. Leider entkam ich den ja durchaus wohlmeinenden Mitreisenden nicht. Die Kirche war zum Glück schlicht, aber überlaufen, von einem sehr internationalen Publikum. Die seltsamste Begegnung war mit einer völlig fremden Touristin, die, wie ich glaubte, wollte, daß ich sie fotographiere. Erst als sie hartnäckig ihr Smartphone in der Hand behielt und „Smile!“ sagte, wurde mir klar, daß sie Fotos von uns beiden machte. Wahrscheinlich sind sie inzwischen als „Ich und meine neue Freundin“ im Netz zu finden.
Die angekündigte kleine „Wanderung“ hinunter nach Tabgha entpuppte sich als leichter Spaziergang, der schweigend zurückgelegt wurde und mir schon allein dadurch sehr gefiel. Bisher hatte ich herzlich wenig christliche Vertiefung gefunden in unserer Gruppe, die Kirchen hauptsächlich zum Knipsen und Quasseln benutzte.

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Von der Hitze halbtot, schleppte ich mich vor der Brotvermehrungskirche in den Schatten und ließ mich auf einem Steinbecken nieder. Stellte sich heraus, daß das ein historisches Taufbecken war und sich die Touristen drängten. Die ironischste Situation der Reise folgte, als unser Guide ausgerechnet hier begann, die Gruppe in die Bibelvorlesungen einzubeziehen und ausgerechnet bei mir den Anfang machte. „Möchten Sie die Stelle vorlesen?“ – „Öhm… nein…?“ – „Gut. Sie fangen hier an, bis hier.“ Ich hasse rhetorische Fragen!
So kam es, daß die einzige Nichtchristin der Gruppe die erste Bibelstelle vorlas, von der Vermehrung des Brotes und der Fische, die ich sowieso ganz anders verstehe als Otto Normalchrist.
Weiterhin knapp an der Grenze zum Hitzschlag schleppte ich mich nach der obligatorischen Kirchenbesichtigung (es hatte im Jahr zuvor einen Brandanschlag gegeben, und Renovierungsarbeiten waren in vollem Gange) weiter zur Primatskapelle, wo angeblich Petrus beauftragt wurde, die Schafe zu weiden. Sie liegt direkt am See, das gefiel. Ebenso der junge orthodoxe Priester mit Sonnenhut.

Kafarnaum war auch nicht gerade kühler. Ich litt vor mich hin. Am Geländer zur Kirche über Petri Haus lehnend, stand ich einer jungen Touristin im Weg, die auf ihre Weise litt. „I’m a little bit afraid of heights“, gestand sie, sich ans Geländer anklammernd. Dabei ist die Höhe wirklich ein Witz, also muß es sie wirklich schlimm erwischt haben.
Mittagessen gab es im Deutschen Pilgerhaus mit seiner schönen Gartenanlage.

*Das* nenne ich einen Gummibaum!
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Anschließend fuhren wir nach Migdal, genauer gesagt zu den Ruinen Magdalas. Dort ist die neue Kirche Duc In Altum erbaut worden, mit ihrer Säulenvorhalle, die den Frauen im Kreise Jesu gewidmet ist, und dem Altar in Form eines Fischerbootes.
Den Abschluß des „aktiven“ Teiles des Tages bildete eine Bootsfahrt auf dem See Genezaret, die eindrucksvoller gewesen wäre, hätte man auf das Vorlesen der dazugehörigen Bibelstellen verzichtet. Übrigens grenzen die Golanhöhen direkt an den See.

Den ganzen Tag über (wahrscheinlich durch teilweises Mithören) sprachen mich verschiedene Leute der Gruppe bezüglich der Gralsbotschaft und -bewegung an. Inzwischen waren wir ja auch vertrauter miteinander, so daß Glaubensfragen nicht mehr zurückgehalten wurden. Ich hoffe, ich konnte vermitteln (wie auch im Laufe der kommenden Tage), daß Bekenner der Gralsbotschaft weder Atheisten noch Wagner-Anhänger noch Sektierer sind. 🙂

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So ganz hatte sich der Gedanke immer noch nicht gefestigt, daß wir hier waren. Jeder erlebte immer noch so einen Moment des: „Ist das wirklich real?“

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Es ging zum Berg Garizim, dem Heiligtum der Samaritaner. Unterwegs hielten wir in einem Örtchen, weil unser Fahrer uns Baklava ausgeben wollte! In der Bäckerei hatte man aber noch gar nicht angefangen, so daß wir eine ganze Weile einfach dasaßen und das Straßenleben beobachteten, mit Ladenbesitzern in Kaftanen und Eseln und Kühen, die in Garagen angebunden waren. Sehr übel ist in den palästinensischen Gebieten übrigens der allgegenwärtige Müll. Alle Hänge, alle Straßenränder, alle Grundstücke liegen voll mit Müll. Später schlug eine Mitreisende vor, daß die israelische Regierung, wenn sie schon so viele Vorschriften und Verbote erlasse, doch die Plastikflaschen verbieten und damit wenigstens etwas Gutes tun solle.

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Schließlich kehrte unser Fahrer triumphierend mit frischer, warmer Baklava zurück, und die Reise ging weiter. Auf dem Garizim war außer uns niemand, und wir erfuhren eine Menge über die Geschichte der Samaritaner und woher eigentlich der in der Bibel erwähnte Konflikt mit den Juden stammte. Daraufhin ging’s hinunter nach Nablus zum Jakobsbrunnen und dessen orthodoxen Hüter, dessen Sarkophag schon zu Lebenszeiten neben dem Eingang der Kirche steht. Der berühmte Jakobsbrunnen, Stelle der Begegnung zwischen Jesus und der Frau von Samaria, ist kleiner als vermutet, dafür aber stolze 40 Meter tief. Wir tranken von seinem Wasser… und hielten natürlich eine Andacht ab, komplett mit Predigt, Gebet, Gesang, noch mehr Gebet und Gesang. Die nächste Gruppe drängte sich *lange* wartend auf der Treppe, und ich fing an, mich fremdzuschämen.

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Bei den Ruinen oberhalb Samarias kehrten wir ein, in einem patriotischen Lokal mit Tischdecken in den palästinensischen Farben. Vorher stiefelten wir durch die Ruinen und hörten die Geschichte vom Kampf um die Flagge. Da der Ort ganz oder teilweise unter israelischer Verwaltung steht und gegenüber eine illegale Siedlung entstanden ist, ist es eine Art Volkssport geworden, nachts auf den Hügel bei den Ruinen zu steigen, die palästinensische Flagge zu hissen und ein paar Reifen anzuzünden, damit man’s von der Siedlung jenseits des Tales auch sehen kann. Daraufhin rückt das israelische Militär an, räumt die Flagge ab, und irgendwann geht’s von vorne los. Zu unserem Besuch wehte die Flagge noch; wahrscheinlich wegen des gerade stattgefundenen Laubhüttenfestes.
In Samaria lebt eine einzige Christenfamilie.
Während des Essens führten wir ein Gespräch, das aus westlicher Sicht irgendwie seltsam wirkte: Wir verspürten wenig Bedrohungsstimmung, weil wir in Palästina seien! 🙂 (Soll heißen: Warum sollten die Extremisten im eigenen Land zuschlagen?)

Übrigens ist das Heilige Land so international, daß man problemlos mit Shekel, Euros und Dollars bezahlen kann und manchmal auch Wechselgeld in einer anderen Währung als der, in der man bezahlt hat, zurückbekommt.

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Nach Jenin gerieten wir dann zum ersten und einzigen Mal in einen „richtigen“ Checkpoint mit Aussteigen und Paßkontrolle. Da man aber wie gesagt an Touristen gewohnt ist, waren wir wohl relativ unverdächtig. Auffällig ist, daß alle Soldaten, die uns begegneten, sehr jung waren, ebenso das Personal am Flughafen. Und wer an diesem Checkpoint herausgezogen wurde, waren ebenfalls hauptsächlich junge Leute. Unser Guide wußte andererseits aber auch von den täglichen kleinen Schikanen zu erzählen, denen man als grenzübertretender Araber ausgesetzt ist (viele arbeiten im israelischen Gebiet).
Ich hätte mir im Laufe der Reise gern Gespräche mit Israelis gewünscht. Unser Guide war alles andere als ein Agitator, er hielt seine Schilderungen relativ neutral und in keiner Weise propagandistisch, aber natürlich kennt er nur die palästinensische Sicht. Es baute sich also ganz automatisch eine pro-palästinensische Stimmung unter vielen Mitgliedern der Gruppe auf. Aber jede Situation hat mindestens zwei Seiten.

Our bus has traveled through military checkpoints manned by unsmiling, well-armed soldiers. We’ve seen barbed wire security fences and protective walls and signs that warn about the danger of buried land mines. We have passed through metal detectors on our way into restaurants and shopping malls and had our purses and backpacks searched. And it is commonplace to see teenage Israeli soldiers munching French fries at McDonald’s with rifles strapped to their backs. Yes, Israel is very much aware of her enemies.

So Lynn Austins Sicht, die wiederum einen israelischen Guide hatte. „Das kommt darauf an, wen man fragt“, sagte unser Guide einmal, als wir über diese erwähnten „protective walls“ sprachen, die sich quer durch das Land ziehen und in dem deutschen Betrachter unangenehme Assoziationen mit einer anderen Mauer erwecken (auch so’n Schutzwall, je nachdem, wen man damals fragte).

Es ging weiter nach Nazaret, zur Verkündigungskirche und Josefkirche, die weitere biblische Orte symbolisierten (Kichern und Kopfschütteln herrschte selbst in unserer christlichen Gruppe vor). Ich fing gezielt an, mich abzusetzen, wenn Predigtrunden und zu lange historische Vorträge anstanden und/oder die Gruppe wieder einmal Ewigkeiten brauchte, um in die Pötte zu kommen. Durch die Altstadt mit ihrem traurigen, toten Bazarbereich ging’s zur Gabrielskirche und dem Nazarener Brunnen zu Jesu Zeiten.

Schließlich fuhren wir nach Tiberias am See Genezaret.

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