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Posts Tagged ‘Amazon’

„I mean, they can’t have been at it all the time, can they, as they’ll have us believe. […] I’ll bet Lord Byron, for example, spent many an evening on his own with a poached steak and the Times crossword puzzle.“

Mit diesem unerwartet angetroffenen Zitat mußte ich definitiv diesen Eintrag beginnen. Es stammt aus Rumpole of the Bailey, eine der Serien, die ich dank Amazons Kaufempfehlungen entdeckte und die neben einigen anderen das heutige Thema bildet. Und ja, „the late Lord Byron“ spielt tatsächlich eine verbindende Rolle. Wer hätt’s gedacht.

Wer diese Punkte im Leben kennt, wo sich so absolut nichts bewegt, kann nachvollziehen, daß ich recht verzweifelt nach Unterhaltung suchte. Während ich Rumpole schon früher gefunden und zunächst auf meine Beobachtungsliste gesetzt hatte, schaute ich nun gezielt nach interessant klingenden Serien in Amazons Sortiment. Treffer 1-10 sind dort natürlich sämtliche Ausgaben von Game of Thrones. Ich oute mich als untrendy und erkläre, daß ich zumindest Staffel 1 nicht das geringste abgewinnen konnte. Nun gut, vielleicht Sean Bean. Und die starken Anleihen beim Nibelungenlied (Kriemhilds Rache!) waren amüsant.

Von Rumpole of the Bailey hatte ich vor Amazon noch nie gehört. Die Serie lief Anfang der 80er auch hierzulande, aber das war vor meiner bewußten Erinnerung. Sie ist ein Produkt der späten 70er und bringt einen entsprechenden Charme mit. Eine Gerichtsserie, die so gar nichts mit Gerichtsverhandlungen zu tun hat, wie ich sie aus Film und Fernsehen kannte. Liegt entweder daran, daß sie so alt ist oder aus Großbritannien statt den USA stammt. Oder beides. Niemand kämpft bis zur Aufopferung für seine Klienten, die Juristen sind spöttische Pragmatiker, und jeder Richter hat so seine ganz eigenen Schrullen. Erhellendes Zeitkolorit. Wer Spannung, Helden und den Sieg des Guten über das Böse erwartet, ist hier falsch. Die Serie ist nett zu schauen, ein bißchen gemein, aus heutiger Sicht komplett politisch inkorrekt. Ganz nebenbei frischt man seine Kenntnisse in britischer Poesie auf.

Das hielten wohl auch die Macher von The Frankenstein Chronicles für eine gute Idee. Jeder glaubt den Plot von Frankenstein zu kennen, scheinen sie sich gesagt zu haben, doch keiner hat das Buch gelesen oder weiß viel über seine Entstehungsgeschichte und die Zeit und die Kreise, in die es eingebettet ist. Presto! Was erklärt all dies besser als eine Serie, die auf einer Ebene eine Kriminalgeschichte um Frankenstein und seine Autorin Mary Shelley aufbaut und auf einer anderen Ebene geschickt die Handlung des Buches innerhalb ihrer eigenen Handlung adaptiert? So fällt denn auch mal der Name Byron, Percy Shelley hat einen Gastauftritt, William Blake darf von der ahnungslosen jungen Generation kennengelernt werden, moderne Medizin und moderne Polizeiorganisation sind gerade erst im Entstehen begriffen. Sean Bean ermittelt als Vorläufer eines Scotland-Yard-Inspektors, die von mir sehr gern gesehene Anna Maxwell Martin besitzt als Mary Shelley einige wichtige Informationen. Spannend und für Kenner des Buches und „Byron’s crowd“ ein echter Genuß. Ich hoffe, die angekündigte zweite Staffel kommt zustande.
(Young Romantics von Daisy Hay bietet eine sehr schöne Darstellung der „crowd“. Byron, die Shelleys und ihr Kreis waren schon sehr moderne Promis, mit Skandalen, katastrophalen Beziehungen, Geliebten und unehelichen Kindern. Und dennoch ist etwas Schönes an der Freundschaft dieser „jungen Wilden“. Ich las das Buch 2014, das überhaupt ein gutes Lesejahr war – ich las sehr viele interessante Bücher. Amazons Bestellhistorie sei Dank.)

Keinen Lord Byron, aber jede Menge andere berühmte Charaktere der Geschichte trifft man in Da Vinci’s Demons an, das mir schon mehrfach von Amazon empfohlen worden war. Die Serie sieht sich wie eine Kreuzung aus Shakespeare in Love und Sherlock mit ein bißchen MacGyver und natürlich Game of Thrones untergemischt. Was sie definitiv nicht sein will, ist ein Biopic oder historisch korrekt. Der gute Leonardo ist ein fescher junger Abenteurer, der Rätsel löst und irre Gerätschaften baut und nebenbei Florenz vor dem päpstlichen Zugriff retten muß. Nach langer Zeit sah ich Alexander Siddig mal wieder, und besonders gefiel die Rolle, die Tarot sowohl in der Handlung als auch als Titelgeber der einzelnen Folgen spielt. Die Abschlußepisode der ersten Staffel mit den Liebenden zu besetzen, war ausgezeichnet. Unterhaltsame Abenteuerserie, macht Spaß. Nur am unnötigen Nacktheitsgehalt haben sie hoffentlich in späteren Staffeln gearbeitet.

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Ist es bereits jemand anderem aufgefallen, daß Amazon Marketplace derzeit von Horden von neuen Verkäufern aus Frankreich heimgesucht wird? Zumindest im Bereich DVDs. Diese Anbieter, die mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit ein einziger sind, unterbieten die übrigen Verkäufer recht ordentlich – aber das ist halt, was Importhändler tun. (Wenn sie nicht bei schwer beschaffbaren Artikeln Phantasiepreise verlangen.) Ich stelle allerdings noch keine Erfolgsquote fest. Billiger als andere mag schön sein, aber ohne Bewertungen und als neuer Verkäufer gekennzeichnet… hm. Zumindest ein Kunde entschied sich für mein Angebot, das preislich höher lag, statt für das Experiment.
Ich möchte hier auch keinerlei betrügerische Absichten unterstellen. Aber die verschiedenen Namen machen mich stutzig. Wäre es ein reeller Anbieter, müßte er doch sicherlich nicht auf diverse Konten ausweichen?

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Daß man von kostenlosen Mailprovidern ständig aufgefordert wird, noch eine weitere E-Mail-Adresse und noch ein paar Telefonnummern zu hinterlegen, damit das Konto wirklich richtig gut geschützt ist, kennt man ja. Daß Amazon nun mitzieht, dürfte nach kurzem Überlegen eigentlich nicht überraschen. Aber ärgerlich ist es doch.
Schnabelines Fall: Ich bin seit Jahren privater Verkäufer auf Amazon. Mit Ende dieses Monats nun muß man sein Verkäuferkonto auf die 2-Schritt-Verifizierung umgestellt haben, sonst war’s das. Diese Verifizierung geht über eine PIN, die man sich entweder als SMS schicken lassen kann oder über eine App laufen läßt. Ich besitze nun aber kein Mobiltelefon, weder ein schlaues noch ein dummes. Auf meine desbezügliche Nachfrage kam die freundliche Auskunft, ich könnte mir die PIN auch über Sprachnachricht an ein Festnetztelefon schicken lassen. Und theoretisch ist das tatsächlich möglich. In der Praxis sieht es so aus, daß die lange PIN in einem Affenzahn und auf englisch heruntergerattert wird… und nicht, wohlgemerkt, Zahl für Zahl, sondern soundsovielhundertsoundsovieltausendxx. Ich konnte gerade mal die ersten drei Zahlen mitschreiben. Jeder Versuch einer Wiederholung erstellt sofort eine neue PIN, die genausowenig mitschreibbar ist. Und dann braucht’s noch die Anmeldung eines Zweitgerätes für mehr Sicherheit.

Die größte Ironie an der Sache ist, soweit ich’s in entsprechenden Foren gelesen habe, daß die meisten Verkäufer nach dem ganzen Trara als erstes die Funktion „Verifizierung für dieses Gerät deaktivieren“ wählen, weil sie keine Lust haben, ständig neue PINs anzufordern und einzugeben. Die ganze Aktion ist also völlig für die Katz, außer vielleicht, daß Amazon sich im Krisenfall hinstellen und sagen kann: „An uns lag es nicht.“

Sicher: Ich kann, da ich muß, auf mein Verkäuferkonto verzichten. Nicht, daß ich einsehe, warum ich es sollte. Amazon hat schon quasi sämtliche meiner Daten, und warum noch mehr Daten mehr Sicherheit versprechen sollen – ich glaube, auf die Tour fällt sowieso niemand herein. Aber ich kann darauf verzichten. Der Punkt ist, damit wird es nicht aufhören. In Sachen Verkäuferkonto wird eine neue PIN für jede neue Aktion irgendwann zur Pflicht werden. Das Käuferkonto wird über kurz oder lang eine PIN benötigen, zu unserem eigenen Schutz natürlich. (Die freiwillige Möglichkeit besteht bereits.) Und dann später ebenfalls für jedes Einloggen, für jeden Kauf verpflichtend eine neue, damit die Datenabgreifer am anderen Ende immer wissen, ob die Daten noch aktuell sind.
Der Einsatz von e-TINs für mehr Sicherheit ist doch bereits so grandios bei den Packstationen gescheitert. Mehr Sicherheit durch mehr hinterlegte Daten? Ich sehe es noch nicht. Mehr Sicherheit durch bessere Abwehr beim Anbieter, wäre ja meine These, aber was verstehe ich schon. De facto werden unsere Konten nicht geschützter sein als mit einem einfachen Password; die einzigen, die profitieren, sind die Datenkraken.

Also: Noch etwas über eine Woche, dann macht mein Verkäuferkonto dicht. Gut, daß es noch so einige Alternativen gibt.

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Schon eine Mitauszubildende zog mich damit auf, daß ich Bücher kaufte, nur weil mir ihr Cover gefiel. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Bestes Beispiel Lynn Austins Restauration Chronicles, die unter den Kaufempfehlungen waren, nachdem ich ihren Bürgerkriegsdreiteiler geordert hatte. Auch die Autorin selbst war begeistert von den Covern, wie dieser Eintrag in ihrem Blog zeigt:
http://lynnaustin.org/2015/03/sneak-peek/
Insbesondere Return to Me hat es mir angetan, Teil 1 des Dreiteilers, dessen Titelbild fast noch mehr als die Handlung von der biblischen Verheißung ausdrückt. Was mich, nach allem, was ich schon mit Amazon mitgemacht habe, allerdings wirklich wütend stimmte, war die Tatsache, daß zwei der drei Bände keine original Verlagsexemplare, sondern billige Nachdrucke waren, die mit Amazon-Lizenz in Polen hergestellt wurden. Ich nenne das schlichtweg Betrug (auch wenn ich überzeugt bin, daß sich Amazon in seinen AGBs abgesichert hat). Wie ja gerade gesagt, ist ein Buch nicht nur die Handlung, sondern das Gesamtpaket – und wenn das Cover aus einem simplen Scan, ohne die erhabene Schrift und ohne den Goldrahmen des Originals, besteht, weil die Kunden in Europa schnell beliefert sollen, dann ist das nicht okay. Zum ersten Mal in meiner langen Bestellhistorie habe ich von meinem Retourenrecht Gebrauch gemacht. Das heißt aber auch, daß ich zukünftig amerikanische Bücher nur noch über Importanbieter bei Amazon bestellen kann, weil selbst Bestellungen direkt bei Amazon.com an die deutsche Zentrale weitergeleitet werden, wie ich von manchen AV-Bestellungen her weiß. Bevormundung kommt nie gut, liebe Verantwortliche.
Aber zurück zum Thema!
Heute noch ansprechende Geschichten aus dem Alten Testament zu spinnen, ist sicherlich nicht einfach. Ich meine, ich fand die Teilung des Roten Meeres damals in The Ten Commandments ungemein spannend und beeindruckend (auch wenn ich den Film mit erwachsenen Augen nur unter Schmerzenslauten betrachten kann), und Josef und seine Brüder wird wohl immer mein Lieblingskapitel bleiben, aber die Tatsache ist nun mal, daß das Alte Testament über lange Strecken furchtbar brutal und kalt ist. Daran führt auch für Lynn Austin kein Weg vorbei. Was sie allerdings tut, ist die Stimmen einzubringen, die in der Bibel selten zu hören sind: Die der Frauen. Und da die Autorin, wie in allen ihren Büchern deutlich zu erkennen ist, nicht viel von unterwürfiger Weiblichkeit hält, lassen ihre alttestamentarischen Frauen sich nicht so einfach von den Männern, die Geschichte schreiben, unterbuttern. Hier findet man dann auch die oft vermißte menschliche Seite der biblischen Geschehnisse. Mehr als einmal, wenn die Herren der Schöpfung auf die überlieferten, aber gefühllosen Gesetze pochen, sind es die Frauen, die für das eintreten, das der wahre Kern ihres Glaubens ist: Liebe.
Oft ist das Gefälle aber auch generationenbedingt. Eine wundervolle Darstellung ist beispielsweise Iddos starres Festhalten an den Gesetzen, um sein Volk wieder zu Gott zu führen – ohne zu bemerken, daß er seine eigene Familie damit nur immer stärker den Glauben ihrer Väter ablehnen läßt. Bis seine Frau Dinah schließlich die entscheidende Frage stellt: Gehorcht Iddo den Gesetzen aus Liebe zu Gott… oder nur aus Angst vor Strafe? Iddos Enkel Zechariah (oder Sacharja im Deutschen) wiederum hinterfragt viele der Traditionen und der Entscheidungen seiner Älteren. Er ringt darum, zu verstehen, nicht einfach nur blind zu glauben und zu gehorchen. Bekanntlich bringt das einen Menschen oft genug in Schwierigkeiten mit sogenannten „Gläubigen“, die lieber nicht nachdenken, weil das ja ihr Weltbild ins Schwanken bringen könnte, aber es ist der einzige Weg zu wahrer Überzeugung. Nicht von ungefähr ist es dann auch Zechariah, dem die Gabe der Weissagung zuteil wird und der in einer Vision die Verheißung des Messias’ empfangen darf – der Jahrhunderte später den in starren Formen gefangenen Glauben des berufenen jüdischen Volkes in die richtigen und weiterführenden Bahnen lenken sollte.
(Daß der Großteil des Volkes ihn genau deshalb ablehnte – Stichwort starre Formen und blinder Glaube – und damit seine Berufung verschenkte, ebenso wie das danach berufene deutsche Volk die erhaltene Gnade im großen Stile ruinierte, ist natürlich typisch für die Menschheit. Sie ist all diese Mühe überhaupt nicht wert.)
Rein handlungstechnisch gesehen gefiel mir Band 3, On this Foundation, am besten. Die Charaktere sind „rund“; insbesondere Malkijah ist ein bisher vermißter Vertreter des Großteils der Menschen: Er ist ein guter Mensch, aber eben nicht gut genug. Mit allerlei logischen und scheinbar humanen Argumenten rechtfertigt er auch vor sich selbst das Unrecht, das er begeht, er ist blind gegenüber den Fehlern seiner Söhne und der eigenen unterschwelligen Habsucht, und es bedarf einer Tragödie, um seine Augen zu öffnen. Nehemiah wiederum ist ein großartiger Held, der viel zu beschäftigt ist, die Mauer um Jerusalem wieder aufzubauen, um viel Zeit auf seine zahlreichen Feinde zu verschwenden – was aus ihren gesammelten Intrigen eher einen comic relief macht. Sehr entspannend nach all der Dramatik! Nett auch, daß die erwartete Liebesgeschichte diesmal nicht eintritt. Ob’s sich hier um einen roten Hering oder um eine spätere Umentscheidung der Autorin handelt, weiß ich nicht.


Übrigens im öffentlichen Bücherschrank gefunden: Das doppelte Lottchen. Ich weiß gar nicht mehr, was aus meinem Exemplar geworden ist, aber nun habe ich wieder eins – und ich habe es sehr genossen! Immer noch ungemein witzig und clever und weise, insbesondere, da man als Erwachsener noch ganz andere Nuancen wahrnimmt. Und Kästners Talent, in wenigen schlichten Sätzen ein Universum auszudrücken, ist herrlich. Wiederlesen wird empfohlen!

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